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Was sind deine Wünsche?

Am Anfang eines neuen Jahres wünschen wir einander Gottes Segen. Vielleicht tragen wir in unserem Herzen auch persönliche Wünsche, die wir im neuen Jahr gern erfüllt haben möchten. Zwei Stellen in den Psalmen, die etwas über unsere Wünsche aussagen, zeigen, wie Gott sie erfüllt und welche Folgen sich daraus ergeben. Diese beiden gegensätzlichen Bibelstellen sprechen unser Gewissen an und stellen uns vor die Frage: Was sind meine Wünsche?

Ein selbstsüchtiges Begehren

Dieser Psalm erinnert uns einerseits daran, dass die Geschichte des Menschen beständiges Versagen aufweist. Er erzählt, wie das Volk Israel immer wieder in die schrecklichsten Sünden fällt. Anderseits lernen wir darin, dass Gott mit den Israeliten in Gnade handelt. Trotz ihres Versagens zeigt Er ihnen immer wieder Wege der Umkehr. Er schickt ihnen Mose, seinen Auserwählten, der vor Ihm in den Riss tritt, um seinen Grimm abzuwenden (Ps 106,23). Er lässt Pinehas aufstehen, der durch ein gerechtes Gericht der Plage wehrt (Ps 106,30). Aber vor allem wird deutlich, dass sich der Herr selbst über sein Volk erbarmt. Wie beeindruckend ist es, wenn wir in dieser Geschichte der menschlichen Bosheit immer wieder davon lesen, wie Gott sein Volk rettete (Ps 106,8.10.43).

In diesem Psalm über die Sünde des Volkes und die Güte Gottes stehen die ernsten Worte: «Sie wurden lüstern in der Wüste und versuchten Gott in der Einöde. Da gab er ihnen ihr Begehr, aber er sandte Magerkeit in ihre Seelen» (Ps 106,14.15). Die Israeliten begehrten etwas, worauf sie Lust hatten. Jakobus warnt uns vor einer solchen Einstellung: «Ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, damit ihr es in euren Begierden vergeudet» (Jak 4,3). Wenn wir nicht nach dem Willen Gottes fragen, sondern selbstsüchtige Wünsche hegen und nur daran denken, wie wir es gern hätten, dann wird es so sein, wie Jakobus sagt: Wir «empfangen nichts», d.h. Gott erhört unsere Bitten nicht. Dafür sollten wir Ihm dankbar sein!

Es kann aber auch anders kommen, wie Psalm 106 zeigt. Wenn wir Gott ständig mit unseren Wünschen bedrängen und dabei wie die Israeliten eine böse Gesinnung haben, kann Gottes Antwort so lauten: «Er gab ihnen ihr Begehr.» Doch was war das Ergebnis? «Er sandte Magerkeit in ihre Seelen.»

Für das geistliche Leben ist diese «Wunscherfüllung» äusserst schädlich. Haben wir wirklich den Mut, oder sollte ich besser sagen, sind wir wirklich so dumm, auf unseren selbstsüchtigen Wünschen zu beharren, um dann mit «mageren Seelen» dazustehen?

Die Bitten des Herzens

Wenn wir die Ungläubigen um uns her betrachten, so kann das – je nach Sichtweise – zwei Reaktionen bei uns auslösen: Entweder blicken wir wie Asaph mit Neid auf das vermeintlich «leichte» und «erfolgreiche» Leben, das sie führen (Ps 73). Oder wir sehen ihr ungerechtes, gottloses Verhalten und werden dabei zornig. Davon rät uns David in Psalm 37 ausdrücklich ab. Dabei kommt er zum gleichen Ergebnis wie Asaph: «Erzürne dich nicht über die Übeltäter, beneide nicht die, die Unrecht tun! Denn wie das Gras werden sie schnell vergehen und wie das grüne Kraut verwelken» (Ps 37,1.2).

Stattdessen spornt uns David zu einem ganz anderen Verhalten an: «Vertraue auf den Herrn und tu Gutes, wohne im Land und weide dich an Treue und ergötze dich an dem Herrn» (Ps 37,3.4).

«Vertraue auf den Herrn»: Nicht die Beschäftigung mit dem Leben der Ungerechten bringt uns näher zum Herrn, sondern das einfache, kindliche Vertrauen auf Ihn – egal in welcher Lebenslage wir uns befinden.

«Tu Gutes»: Wir werden uns im Alltag von den Ungläubigen unterscheiden, wenn wir Gutes tun, d.h. Werke vollbringen, die dem Herrn gefallen und den Menschen nützlich sind.

«Wohne im Land und weide dich an Treue»: Der Israelit sollte den Segen im Land Kanaan geniessen und seinem Gott treu anhangen. Wir Christen werden aufgefordert, unsere geistlichen Segnungen in den himmlischen Örtern persönlich in Besitz zu nehmen und zu geniessen. Als Folge davon kann auch von uns gesagt werden, dass wir «im Land wohnen». Dann werden wir die Treue zu unserem Herrn nicht nur im Mund führen, sondern sie «pflegen» oder «üben» (siehe Fussnote zu Ps 37,3). Was wird das segensreiche Ergebnis davon sein? «So wird er dir geben die Bitten deines Herzens.» Das ist die Verheissung der Erhörung unserer Gebete.

Wenn wir Gott vertrauen, Gutes tun, den geistlichen Segen geniessen und dem Herr treu bleiben möchten, stimmen unsere Gedanken und Wünsche mit Gott überein. Als Folge davon werden Ihm unsere Bitten wohlgefällig sein. Der Apostel Johannes berichtet uns Worte des Herrn, die diesen Grundsatz im Licht des Neuen Testaments noch weiter vertiefen: «Um was irgend ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, das wird er euch geben. Bis jetzt habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude völlig sei» (Joh 16,23.24). In seinem ersten Brief greift der Apostel diesen Gedanken noch einmal auf: «Dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, dass, wenn wir etwas nach seinem Willen bitten, er uns hört. Und wenn wir wissen, dass er uns hört, um was irgend wir bitten, so wissen wir, dass wir die Bitten haben, die wir von ihm erbeten haben» (1. Joh 5,14.15).

Möchten wir diese Erfahrung im neuen Jahr machen?

Autor: Michael Vogelsang, Quelle: Friedenstaube