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Einleitung

In 1. Mose 1 bis 11 werden drei wichtige Ereignisse beschrieben:

  1. Gott schuf die Welt. Er machte die Erde zum Wohnort der Menschen. Er schuf Adam und Eva. Im Glauben halten wir fest, dass Er der Schöpfer von Himmel und Erde ist (Heb 11,3).
  2. Der Mensch übertrat das Gebot Gottes und fiel in Sünde. Bis heute muss er die traurigen Folgen davon tragen. Seither steht auch die Schöpfung unter dem Fluch der Sünde (Röm 8,20-23).
  3. Die Flut kam als Gericht Gottes über die damalige Erde, weil die Bosheit des Menschen gross war. Danach machte Gott mit Noah und seiner Familie einen Neuanfang (Heb 11,7).

Buchtipp: Im Anfang

Licht, Wasser, Erde, Meer

Das erste Buch der Bibel ist das Buch der Anfänge. Wir finden darin alle Anfänge des Handelns Gottes mit der Welt und den Menschen. Es beginnt damit, dass der ewige Gott die Himmel und die Erde schuf. Der in Vers 1 erwähnte Anfang ist der Beginn des Universums. Wann dies war, wissen wir nicht.

Vers 2 deutet auf eine Katastrophe hin, denn Gott hat kein solches Chaos geschaffen (Jesaja 45,18). Der Grund für diese Verwüstung liegt vermutlich im Sturz Satans, der sich als ein Engelfürst über Gott erheben wollte und nach seinem Fall zum Widersacher Gottes wurde (Jesaja 14,12-14; 1. Timotheus 3,6 Fussnote).

Ab Vers 3 sehen wir, wie Gott zur Tat schritt und aus dem Chaos die jetzige Schöpfung machte. Am ersten Tag brachte Er durch ein Wort Licht in die Situation. Dann schied Er das Licht von der Finsternis.

Am zweiten Tag machte Gott eine Ausdehnung und schied damit die Wasser, die sich unterhalb der Ausdehnung befanden, von denen, die oberhalb der Ausdehnung waren. Wir sehen in diesem Handeln Gottes bereits am Anfang der Bibel zwei göttliche Grundsätze: Gott unterscheidet und trennt das Gute vom Bösen. In Übereinstimmung damit sollen die Glaubenden das Gute festhalten und sich von aller Art des Bösen fernhalten (1. Thessalonicher 5,21.22).

Am dritten Tag liess Gott auf der Erdkugel die Meere und das feste Land entstehen – wieder eine Unterscheidung! Dann rief Er durch sein Wort die Pflanzenwelt hervor: Gras, samenbringendes Kraut und fruchttragende Bäume.

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Himmelslichter und Tiere

Am vierten Tag machte Gott Sonne, Mond und Sterne. Die inspirierte Mitteilung ist jedoch kein wissenschaftlicher Bericht der Astronomie. Sie beschreibt uns die Tatsachen so, wie ein Mensch sie mit seinen Augen von der Erde aus wahrnimmt. Wir unterscheiden den Tag von der Nacht. Die Sonne beherrscht den Tag, der Mond leuchtet in der Dunkelheit der Nacht. Dann sieht man auch die Sterne. Anhand der jeweiligen Position der Erde zur Sonne bestimmen wir die Jahreszeiten, Tage und Jahre.

Am fünften Schöpfungstag füllte Gott die Wasser mit Leben. Er machte alle im Wasser lebenden Wesen bis zu den grossen Seeungeheuern. Auf der Erde schuf Er alle Vögel, die sich sowohl auf dem Boden als auch in der Luft fortbewegen können. Von allem Anfang an sollte ein grosser Artenreichtum vorhanden sein (Vers 21).

Zu Beginn des sechsten Tages machte Er die Tiere und alle Lebewesen, die sich auf der Erde regen. In den Versen 24 und 25 fällt auf, wie oft der Ausdruck «nach ihrer bzw. seiner Art» vorkommt. Gott hat von Anfang an eine Vielfalt in der Pflanzen- und Tierwelt geschaffen. Die Arten haben sich nicht mit der Zeit entwickelt!

Wenn wir das, was wir bis jetzt gelesen haben, zusammenfassen, können wir sagen: Gott hat in seiner Weisheit einen für den Menschen in jeder Hinsicht geeigneten Wohnort geschaffen. Haben wir Gott schon dafür gedankt, dass wir auf einer so schönen Erde leben dürfen?

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Die Erschaffung des Menschen

Als Letztes finden wir am sechsten Tag die Erschaffung des Menschen. Die Formulierung in Vers 26 «Lasst uns Menschen machen …» deutet auf die Dreieinheit der Gottheit hin, die jedoch im Alten Testament noch nicht offenbart war. Im Licht des Neuen Testaments zeigt dieser Vers, dass alle drei Personen der Gottheit (der Vater, der Sohn und der Heilige Geist) an der Erschaffung des Menschen beteiligt waren.

Einen weiteren wichtigen Punkt haben wir in Vers 27: Der Mensch nach Gottes Gedanken besteht aus Mann und Frau. Die Frau ist in Gottes Augen genauso wichtig wie der Mann, auch wenn Er den beiden in seiner Schöpfung nicht die gleiche Stellung gegeben hat.

Nachdem Gott die Menschen geschaffen hatte, segnete Er sie in dreifacher Hinsicht:

  1. Er machte sie fruchtbar.
  2. Er gab ihnen die Erde als Lebensraum.
  3. Er übertrug ihnen die Herrschaft über alle Lebewesen.

Gott sorgte auch für seine Geschöpfe, indem Er sowohl den Menschen als auch den Tieren ihre Nahrung gab. Dieses Wohlwollen Gottes uns gegenüber macht uns verantwortlich. Sind wir treue Verwalter von dem, was Er uns anvertraut hat? Danken wir Ihm regelmässig für alles Gute, das Er uns schenkt?

Schliesslich heisst es, dass alles, was Gott gemacht hatte, sehr gut war. Alles Geschaffene war ohne Makel, auch der Mensch. Aber Gott hatte den Menschen als verantwortliches Wesen geschaffen. Würde er dieser Verantwortung entsprechen?

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Gottes Ruhe und der Garten Eden

Nach sechs Tagen war Gottes Schöpfung vollendet und alles war sehr gut. Am siebten Tag ruhte Er von all seinem Werk. Diesem siebten Tag gab Gott eine besondere Bedeutung: Er segnete und heiligte ihn. Der siebte Tag ist das Zeichen der Ruhe Gottes in der ersten Schöpfung (2. Mose 20,11). Diese Ruhe wird sich im Tausendjährigen Reich völlig erfüllen, wenn Gott auf der Grundlage des Erlösungswerks des Herrn Jesus mit seiner ersten Schöpfung zum Ziel kommen wird.

Ab Vers 4 haben wir eine detaillierte Beschreibung der Erschaffung des Menschen, die in Kapitel 1,27 ohne Einzelheiten erwähnt wird. Dort heisst es: «Gott schuf den Menschen.» Das war ein Akt seiner Schöpfermacht. Jetzt lesen wir in Vers 7: «Gott der Herr bildete den Menschen …» Dieser Bericht zeigt uns, wie weise Er im Einzelnen handelte. Dadurch, dass Gott den Odem des Lebens in die Nase des Menschen hauchte, kam er als einziges Lebewesen in eine Beziehung zu Gott.

In seiner Fürsorge für den Menschen pflanzte Gott selbst einen Garten mit herrlichen Bäumen. Er sorgte auch dafür, dass dieser Ort bewässert wurde (Vers 10). Der Strom, der von Eden ausging, teilte sich in vier Flüsse – ein Bild des vielfältigen Segens Gottes für uns Menschen auf der Erde. An diesem schönen Platz durfte sich der erste Mensch nun aufhalten. Weil Gott sein Geschöpf als ein verantwortliches Wesen gebildet hatte, gab es im Garten Eden nicht nur den Baum des Lebens, sondern auch den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.

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Eine Hilfe für den Menschen

Gott hatte den Menschen in seinem Bild geschaffen (1. Mose 1,27). Deshalb war Adam ein aktives Wesen, dem der Schöpfer eine Aufgabe übertragen konnte. Er bekam den Auftrag, den Garten zu bebauen und zu bewahren. Als Geschöpf hatte der Mensch auch eine Verantwortung gegenüber seinem Schöpfer: Er sollte die Autorität Gottes über sich anerkennen, indem er das Gebot befolgte und nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen ass.

In den Versen 18-20 finden wir eine zweite Art von Tätigkeit, die Gott dem Menschen gab. Er durfte allen Tieren einen Namen geben. Das war im Gegensatz zur körperlichen Arbeit beim Bebauen des Gartens eine geistige Aktivität.

Dann wird berichtet, wie Gott Adam eine Hilfe machte, die ihm entsprach. Er bildete eine Frau. Dazu nahm Er eine von Adams Rippen. So war Eva ein Stück von ihm. Wir sehen aus 1. Mose 1,27, dass Mann und Frau zusammen den Menschen nach Gottes Gedanken bilden.

Als Gott dem ersten Menschen die Frau gab, die sozusagen von ihm war, verband Er die beiden miteinander in der Ehe. Das wird durch Vers 24 bestätigt. Die Verbindung eines Mannes mit seiner Frau in der Ehe ist also eine Gabe Gottes und nicht eine Idee der Menschen. Diese göttliche Einrichtung gilt heute noch. Gott hat nichts daran geändert.

Der 25. Vers unterstreicht die Tatsache, dass das erste Menschenpaar bis dahin in Unschuld lebte. Sie wussten nichts von Gut und Böse.

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Der Sündenfall

Woher die Schlange kam und wer sich hinter diesem sprechenden Tier verbarg, wird an dieser Stelle nicht gesagt. Aber aus ihren Worten wird klar, dass wir es hier mit Satan, dem Widersacher Gottes, zu tun haben. Er wird in Offenbarung 12,9 die alte Schlange genannt. In Vers 1 verbreitete er fragend eine Lüge über Gott und in den Versen 4 und 5 machte er Ihn sogar zum Lügner, was überhaupt nicht stimmte (Johannes 8,44). Was passierte jetzt?

Eva liess sich in eine Diskussion mit der eingedrungenen Schlange ein. Die Folge war, dass in ihr die Lust der Augen, die Lust des Fleisches und der Hochmut des Lebens geweckt wurden (1. Johannes 2,16). Dies verleitete sie dazu, von der verbotenen Frucht zu essen. Auch Adam übertrat das einzige Gebot, das Gott gegeben hatte. So fiel der Mensch in Sünde.

«Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan.» Ihr Gewissen regte sich. Sie erkannten, dass sie etwas Böses getan hatten. Da versuchten sie ihre Nacktheit zuzudecken. Aber sie merkten, dass sie vor Gott nackt blieben. Deshalb versteckten sie sich vor Ihm.

Was tat Gott, nachdem sie gegen Ihn gesündigt hatten? Er ging seinem gefallenen Geschöpf nach. Zuerst rief Er: «Wo bist du?» Adam musste die Folge der Sünde bekennen und sagen: «Ich fürchtete mich … und ich versteckte mich.» Sobald der Mann auf seinen Ungehorsam angesprochen wurde, versuchte er die Schuld auf die Frau abzuschieben. Und Eva? Als Gott ihre Tat erwähnte, sagte sie: «Die Schlange betrog mich.»

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Traurige Folgen und Gottes Gnade

In seinem gerechten Urteil wendet Gott sich zuerst an die Schlange. Ohne ihr eine Frage zu stellen, sagt Er, dass der Nachkomme der Frau ihr den Kopf zermalmen werde. Diese Worte weisen auf Christus hin, der durch seinen Tod den Teufel besiegt hat (Hebräer 2,14). Das «Zermalmen seiner Ferse» bedeutet, dass der Herr Jesus sterben musste, um diesen Sieg zu erringen.

Die Folgen des Sündenfalls treffen sowohl Adam und Eva als auch alle ihre Nachkommen. Für die Frauen sind Schwangerschaft und Geburt mit Mühsal und Schmerzen verbunden. Auch die Ehe ist betroffen (Vers 16b). Vers 17 zeigt, dass der Mann die Hauptverantwortung trägt. Deshalb sind die Folgen für ihn sehr weitreichend: Der Erdboden ist seinetwegen verflucht.

In Vers 20 sehen wir den Glauben Adams. Obwohl seit dem Sündenfall alle Menschen unter dem Urteil des Todes stehen, nennt er Eva nicht die Mutter aller Sterblichen, sondern bezeichnet sie im Glauben als die Mutter aller Lebenden. In Vers 21 bewundern wir die Gnade Gottes: Er macht Adam und seiner Frau Kleider aus Fell. Dazu müssen Tiere ihr Leben lassen, d. h. es ist ein Opfer nötig. So werden wir schon zu Beginn der Menschheitsgeschichte auf das Opfer des Herrn Jesus hingewiesen, das erforderlich war, um unser Sündenproblem zu lösen (Epheser 1,7; Hebräer 9,22; Jesaja 61,10).

Dann treibt Gott den Menschen aus dem Garten Eden hinaus. Wie schrecklich wäre es gewesen, wenn Adam als Sünder vom Baum des Lebens gegessen hätte! Er hätte ewig in diesem Zustand leben müssen.

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Kain und Abel

Nun bekommen Adam und Eva die ersten Kinder: Kain und Abel. Der Jüngere wird ein Schafhirte, der Ältere ein Ackerbauer. Beide bringen Gott eine Opfergabe dar. Aber welch ein Unterschied zwischen den beiden! Kain bringt Gott das, was er durch seine Anstrengung vom verfluchten Erdboden geerntet hat. Abel tötet von seiner Herde das Beste (Erstlinge) und bringt Gott dieses Opfer. Damit bestätigt er, was er im Glauben aus dem Handeln Gottes mit seinen Eltern (1. Mose 3,21) erfasst hat: Jemand anders muss für mich sterben, damit ich zu Gott kommen kann. Dieses Opfer ist ein schöner Hinweis auf den Herrn Jesus, der für uns und unsere Sünden am Kreuz gestorben ist!

Kain meint, Gott mit dem zufriedenstellen zu können, was er mit seinem Einsatz erwirkt hat. Doch auf der Grundlage eigener Werke wird kein Mensch vor Gott gerechtfertigt (Römer 3,20). Gott kann Kains Opfergabe nicht annehmen. Leider ist dieser nicht bereit, seine Ansicht zu ändern. Vielmehr beginnt er seinen Bruder Abel zu hassen, obwohl dieser ihm nichts zuleide getan hat. Der Hass führt zu einer schlimmen Tat: Kain ermordet seinen Bruder!

Auch als der heilige Gott dem Brudermörder nachgeht und ihn zur Rede stellt, ändert sich dessen Haltung in keiner Weise. Er ist nur betrübt über die Strafe, die Gott über ihn verhängt. Aber wir sehen keine Buße im Herzen. Schliesslich kehrt Kain Gott ganz den Rücken, um im Land «Flucht» ohne Beziehung zu Gott zu leben. Wie traurig!

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Die Nachkommen Kains

In den Versen 17-24 wird das Leben Kains und seiner Nachkommen beschrieben. In allem, was sie tun, ist Gott ausgeschaltet. Gleichzeitig unternehmen diese Menschen sehr viel, um das Leben auf der Erde – die durch die Sünde unter dem Fluch liegt – so sicher und so angenehm wie möglich zu gestalten. Wir finden in diesem Abschnitt alles, was bis heute die Welt kennzeichnet. Mit diesen Mitteln will die menschliche Gesellschaft ohne Gott auskommen und dabei das Leben geniessen.

Einerseits zeigen sich Hochmut, Ungehorsam und Auflehnung gegen Gott: Statt der Einehe wird die Polygamie eingeführt. Anderseits konzentriert sich alles auf das diesseitige Leben. Der irdische Besitz wird sehr wichtig. Es fehlt nicht an Kultur und Unterhaltung. Durch den Fortschritt der Technik gibt es manche Erleichterung bei der mühsamen Arbeit (1. Mose 3,17-19). Doch in dieser gottlosen Atmosphäre herrscht auch Gewalt. Ja, es scheint sogar, als sei sie ein Bestandteil dieser Welt (Verse 23.24).

Der dritte Sohn von Adam und Eva ist Seth. Sie betrachten ihn als Ersatz für Abel, den Kain ermordet hat. Seth gibt seinem Sohn den Namen Enos (= schwacher Mensch). Unter den Nachkommen Seths herrscht eine andere Einstellung als in der Familie Kains. Diese Menschen sind sich ihrer Schwachheit infolge des Sündenfalls bewusst. Sie suchen im Gebet Hilfe und Unterstützung bei Gott. Wir finden hier Glauben und Gottesfurcht – zwei Kennzeichen, die seit jeher das Merkmal derer sind, die auf Gott vertrauen.

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Die Familie des Glaubens

Die Nachkommenschaft Adams über die Linie von Seth zeigt uns im Gegensatz zu Kain und seinen Nachkommen die Familie des Glaubens. Die zwei einleitenden Verse des Kapitels blenden auf den Ursprung zurück: auf die Erschaffung des Menschen durch Gott. Er machte Adam in seinem Gleichnis.

Doch Seth, der Sohn von Adam und Eva, war ein Kind von sündigen Eltern: ein Mensch im Gleichnis und Bild von Adam, nicht mehr von Gott. Seither ist die Sünde zu allen Nachkommen Adams durchgedrungen. Jeder Mensch, der geboren wird, hat die Erbsünde in sich (Römer 5,12). Als Folge davon müssen alle Menschen sterben. Das wird in diesem Kapitel bestätigt, denn es heisst wiederholt: «Und er starb.»

Die göttliche Beschreibung der Linie des Glaubens unterscheidet sich auffallend von der Beschreibung der menschlichen Gesellschaft, die ohne Gott lebt. Von den Glaubenden wird nichts Weltbewegendes berichtet wie z. B. Städtebau, Kunst oder technische Erfindungen. Es wird nur gesagt, dass sie für eine Zeit auf der Erde lebten, Familien hatten und dann starben.

Was hat das uns zu sagen? Diese Menschen sahen Gott nicht, aber sie glaubten an Ihn und beteten zu Ihm (1. Mose 4,26). Das prägte ihr Leben. Sie hatten normale menschliche Bedürfnisse, die sie mit der Erde verbanden. Aber sie wollten getrennt von allem leben, was im Widerspruch zu Gott stand (siehe Vers 22). Sie wussten auch, dass die Zeit ihres Lebens in Gottes Hand war (Psalm 31,16) und Er die Länge ihres Lebens bestimmte.

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Henoch wandelte mit Gott

Von Henoch wird uns mehr berichtet als von den übrigen Menschen in diesem Kapitel. Weitere Einzelheiten über diesen gläubigen Mann finden wir in Hebräer 11,5.6 und Judas 14.15. Mit der Geburt von Methusalah gab es im Leben Henochs eine Wende. Denn von diesem Zeitpunkt an wandelte er mit Gott. Es scheint, dass der Geist Gottes damit auf die Bekehrung Henochs hindeutet.

Als Glaubender lebte Henoch nun Tag für Tag mit seinem Gott. Aus der Weissagung Henochs im Judas-Brief können wir entnehmen, dass die Menschen in seiner Umgebung immer gottloser wurden. Der treue Glaubensmann wollte in diesem Umfeld Gott gefallen (Hebräer 11,5). Zudem erkannte er in Gemeinschaft mit dem Herrn, dass der Allmächtige zu seiner Zeit mit Gericht eingreifen würde. Aber Henoch musste dies nicht mehr erleben. Bevor die Sintflut kam, von der wir in den nächsten Kapiteln lesen, entrückte Gott ihn zu sich in den Himmel.

Auch wir leben in einer gottlosen Welt, der das Gericht Gottes angekündigt ist. Doch bevor dieses Strafgericht eintrifft, wird der Herr Jesus alle, die an Ihn glauben, zu sich entrücken. So wird Er uns vor der Stunde der Versuchung bewahren, die über die Erde kommen wird (Offenbarung 3,10; 1. Thessalonicher 4,15-18; 1. Korinther 15,51-57).

Nach der Aussage von Lamech in Vers 29 muss das Leben damals recht schwer gewesen sein. Doch durch die Geburt seines Sohnes Noah wurde er getröstet. Nun hatte er einen Nachkommen, der ihm half, die Felder zu bebauen.

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Noah lebt in einer bösen Welt

Die Söhne Gottes in Vers 2 sind Engel, die sich mit Menschen verbanden. Dadurch verliessen sie ihren Platz in der Schöpfungsordnung und sündigten gegen ihren Schöpfer. Das hatte einerseits ernste Konsequenzen für die Engel. Sie kamen in den Abgrund, wo sie gebunden sind und auf das endgültige Gericht warten (2. Petrus 2,4; Judas 6). Anderseits führte es zu äusserlich grossartigen Folgen für die Menschen: Es entstanden Riesen.

Doch wie sah es in den Herzen der Menschen aus, die sich damals stark vermehrten? «Der Herr sah, dass die Bosheit des Menschen gross war auf der Erde, und alles Gebilde der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag.»

Das Überhandnehmen des Bösen betrübte den Schöpfer tief. Darum kündigte Er das Gericht an. In seiner Langmut gab Er dem Menschen eine Frist von 120 Jahren. Dann würde Er alles, was Er geschaffen hatte, vertilgen. Alles?

Nein, nicht alle und nicht alles. Da war einer unter den vielen, der in den Augen des Herrn Gnade fand: Noah, ein gerechter und vollkommener Mann, der im Glauben mit Gott lebte. Vers 18 zeigt, dass auch seine ganze Familie gottesfürchtig war. Diese acht Personen wollte Gott bewahren. Aber das Gericht konnte nicht mehr zurückgehalten werden, denn die Menschheit war gewalttätig und völlig verdorben. Beachte die dreimalige Wiederholung des Wortes «verdorben» in den Versen 11 und 12! Gott musste also Noah und die Seinen durch die Wasserflut hindurch bewahren.

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Noah baut die Arche

In Vers 13 sprach Gott mit Noah konkret über das, was Er mit der Erde im Sinn hatte. Er wollte alles Lebende durch eine gewaltige Wasserflut auslöschen: durch das Gericht der Sintflut. Dann gab Er Noah einen klaren Auftrag. Er musste eine 150 Meter lange, 25 Meter breite und 15 Meter hohe Arche bauen: ein dreistöckiges wasserdichtes Schiff, in dem er, seine Familie und mindestens ein Paar von jeder Tierart überleben konnten.

Das Schiff hatte ausser einer Lichtöffnung nach oben keine Fenster. An der Seite der Arche gab es eine Tür. Wer durch diese eintrat, war vor dem Gericht in Sicherheit. Da das Wasser die Erde eine längere Zeit bedecken würde, musste Noah in der Arche genügend Nahrungsvorräte für Menschen und Tiere unterbringen. Weil er mit Gott lebte, befolgte er die Anweisungen, die er bekommen hatte. Alles führte er so aus, wie der Herr es ihm geboten hatte.

Im ersten Buch Mose wird uns nicht mitgeteilt, wie die Mitmenschen Noahs auf den Bau dieses grossen Schiffes auf trockenem Land reagierten. Aber im Neuen Testament lesen wir, dass er ein Prediger der Gerechtigkeit war (2. Petrus 2,5). Bestimmt hatte er seine Mitmenschen vor dem kommenden Gericht gewarnt. Zudem war jeder Hammerschlag an diesem Schiff eine Mahnung an die Leute. Hebräer 11,7 erklärt weiter, dass Noah durch den Bau der Arche und durch seinen Glauben, der in diesem Werk zum Ausdruck kam, die Welt verurteilte. Leider war niemand da, der seine «Predigt» ernst nahm.

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Die Wasserflut kommt

Nachdem die Arche fertiggestellt war, forderte Gott Noah auf, zusammen mit seiner Familie und den Tierpaaren von jeder Art in die Arche zu gehen. Sieben Tage später würde das Gericht losbrechen. Ähnlich wie in 1. Mose 6,22 heisst es in Vers 5: «Noah tat nach allem, was der Herr ihm geboten hatte.»

Noah musste die Tiere nicht zusammentreiben. Weil der Schöpfer-Gott in ihnen wirkte, kamen sie von selbst paarweise zu Noah in die Arche. Dann schloss der Herr selbst die Tür zu. Nun begann es zu regnen und die Wasser überfluteten die Erde.

Die Arche ist ein Bild vom Herrn Jesus und die Wasser der Flut reden vom Tod. Er hat das Gericht und den Tod – was wir verdient haben – auf sich genommen und für uns erduldet. Jeder Mensch, der an Ihn als seinen Retter glaubt, tritt sozusagen in die Arche ein. Dadurch ist er für immer vor dem göttlichen Gericht geschützt. Doch die Zeit der Gnade, in der ein Mensch durch den Glauben an den Heiland errettet werden kann, dauert nicht für immer. Der Moment kommt, an dem Gott selbst die Tür schliesst (Vers 16; Matthäus 25,10). Dann ist es für alle, die noch draussen stehen, für immer zu spät!

Prophetisch weisen Noah und seine Familie auf den treuen Überrest aus dem Volk Israel in der Zukunft hin. Im Gegensatz zu den Gläubigen der Gnadenzeit, die wie Henoch vor der kommenden Gerichtszeit entrückt werden, wird dieser Überrest in den Strafgerichten, die über die Erde hereinbrechen werden, bewahrt werden und ins Tausendjährige Reich eingehen.

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In der Arche gerettet

Die Flut kam 40 Tage lang über die Erde. Das Wasser stieg 7,5 Meter über die höchsten Berge, so dass alle Lebewesen auf der Erde starben. «Alles starb, in dessen Nase ein Odem von Lebenshauch war, von allem, was auf dem Trockenen war.» Ein totales Gericht!

Die Zahl 40 kommt hier in der Bibel zum ersten Mal vor. Sie ist der Ausdruck der vollkommenen Erprobung des verantwortlichen Menschen. Wir finden diese Zahl auch an anderen Stellen:

  • Mose war 40 Tage lang auf dem Berg Sinai.
  • Das Volk Israel wanderte 40 Jahre durch die Wüste.
  • Jesus wurde in der Wüste 40 Tage vom Teufel versucht.

Doch nur einer – unser Herr Jesus Christus – hat die Erprobung wirklich bestanden. Bei allen Übrigen kam bei der Prüfung das Versagen des verantwortlichen Menschen ans Licht.

«Nur Noah blieb übrig und was mit ihm in der Arche war.» So ist es mit uns Gläubigen. Wir haben das Gericht ebenso verdient wie die Ungläubigen. Doch der Herr Jesus, an den wir glauben, hat die ganze Strafe für uns getragen. Wir können frei ausgehen und möchten deshalb nicht mehr sündigen, sondern mit einem guten Gewissen für Gott leben. Das bezeugen wir in der christlichen Taufe, von der wir hier ein Bild haben (1. Petrus 3,20.21). Bei der Taufe werden wir ins Wasser getaucht. Aber wir müssen nicht unter Wasser bleiben und sterben, weil wir «in Christus» (= Arche) ins Wasser gelegt werden. Er hat durch seinen Tod die Strafe für unsere Sünden empfangen. Darum können wir nach dem Untertauchen sofort wieder herauskommen.

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Das Wasser geht zurück

Als Noah und die Seinen in die Arche gingen und Gott hinter ihnen zuschloss, wussten sie nicht, wie lange die Flut dauern würde. Fünf Monate schwamm die Arche auf den Wassern, bis sie auf dem Gebirge Ararat strandete. Dann dauerte es nochmals zweieinhalb Monate, bis die Spitzen der Berge sichtbar wurden. Insgesamt verbrachten sie mehr als ein Jahr in der Arche (1. Mose 8,14; 7,10.11). Das war sicher eine lange Zeit, in der das Warten und das Vertrauen auf Gott geprüft wurden. Doch der erste Vers unseres Kapitels macht klar, dass Gott die Arche mit den Menschen und Tieren in ihr nie aus dem Auge verloren hatte.

Als die Wasser zurückgegangen waren, liess Noah zuerst den Raben hinaus, der über den Wassern hin- und herflog. Als er die Taube zum ersten Mal fliegen liess, kehrte sie zurück, weil sie keinen Ruheort gefunden hatte. Beim zweiten Mal brachte sie ein Olivenblatt mit und beim dritten Mal blieb sie endgültig weg. Der Rabe und die Taube stellen die beiden Naturen im erlösten Menschen dar. Der Rabe spricht von der alten Natur, die im Gläubigen nicht mehr die Oberhand haben sollte. Leider können wir aber noch fleischlich handeln. Dann wird der «Rabe» aktiv, der sich in einer schmutzigen und vom Tod geprägten Welt wohlfühlt.

Die Taube entspricht der neuen Natur und ihrer Aktivität. Sie findet auf der Erde und in dem, was vor Gott tot ist, keinen Ruheplatz. Das Olivenblatt im Schnabel der Taube weist auf die Frucht des Geistes hin. Sie entsteht, wenn die neue Natur im Gläubigen aktiv wird.

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Noah verlässt die Arche

Als die Erde trocken war, durften alle, die in der Arche überlebt hatten, auf Gottes Anweisung das Schiff verlassen und ihr Leben auf der gereinigten Erde fortsetzen. Als Erstes baute Noah einen Altar. Da von den reinen Tieren und Vögeln je sieben Paare in der Arche überlebt hatten, konnte er nun von ihnen nehmen und dem Herrn Brandopfer opfern. Auf diese Weise brachte Noah Gott gegenüber seine tiefe Dankbarkeit für die wunderbare Rettung zum Ausdruck. Diese Opfertiere weisen auf Jesus Christus hin, der am Kreuz auf Golgatha als das wahre Brandopfer in den Tod gegangen ist. Auf der Grundlage dieses Opfers, durch das Gott völlig befriedigt und verherrlicht worden ist, können nun ehemals sündige Menschen mit Gott ins Reine kommen und Gemeinschaft mit Ihm haben.

Der Herr freute sich über dieses Opfer und nahm es an (Vers 21). Dann erklärte Er, dass Er nie mehr ein solch umfassendes Gericht über die Erde bringen werde. Obwohl sich das natürliche menschliche Herz nicht geändert hatte und sich auch nicht ändern wird, soll nie mehr eine totale Wasserflut die Erde verderben. Solange die erste Schöpfung bestehen bleibt, wird es Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht geben. Welch eine Gnade Gottes und welch ein Segen kommen doch in diesen Zusagen zum Ausdruck!

Dass die Sintflut gewaltige klimatische Veränderungen mit sich brachte, erkennt man aus der Tatsache, dass es seither Frost und Hitze, Sommer und Winter gibt. Vor der Flut scheint auf der Erde ein ausgeglichenes Klima geherrscht zu haben (1. Mose 2,6).

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Der Regenboben

Nach der Sintflut begann eine neue Zeitperiode des Handelns Gottes mit den Menschen. Aus 1. Mose 1,29.30 wissen wir, dass die Nahrung der Menschen bis zur Flut aus Früchten und Kraut (Gemüse) bestand. Jetzt gab Gott ihnen auch das Fleisch von Tieren zur Speise. Nur das Blut durften sie nicht essen. Die Begründung dafür finden wir z. B. in 3. Mose 17,10-14. Diese Anordnung Gottes gilt auch für die Zeit der Gnade, in der wir leben (Apostelgeschichte 15,19.20.28.29).

Im Weiteren setzte Gott nach der Flut die Regierung des Menschen ein, um das Gute zu belohnen und das Böse einzudämmen und zu bestrafen. Bis heute haben die Regierungsgewalten diese Aufgabe (Römer 13,1-4).

Vers 7 macht klar, dass Noah und seine Söhne nun unter dem Segen Gottes standen, um die gereinigte Erde von neuem zu bevölkern. Gott machte zudem einen Bund mit ihnen und ihren Nachkommen. Doch es war kein Bündnis, das beiden Parteien Verpflichtungen auferlegte, sondern ein einseitiges Versprechen vonseiten Gottes: Nie mehr wird Er ein solches Gericht durch Wasser über die Erde bringen. Als Zeichen dieses Bundes setzte Gott den Regenbogen in die Wolken. Jedes Mal, wenn wir ihn sehen, können wir uns an diesen Bund Gottes mit uns Menschen erinnern.

Der Apostel Petrus teilt uns mit, dass es noch einmal ein umfassendes Gericht Gottes geben wird, aber dann durch Feuer (2. Petrus 3,7). Es wird das Ende der ersten Schöpfung sein. In der Folge wird Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde machen (2. Petrus 3,13; Offenbarung 21,1).

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Noah betrinkt sich

Obwohl Noah ein Glaubensmann war und mit Gott lebte, hatte er wie jeder erlöste Mensch noch die böse Begierde in sich, die ihn zum Sündigen verleiten wollte. Wenn wir als Glaubende nicht wachsam sind und das von Gott empfangene neue Leben nicht fördern, kann es vorkommen, dass die alte Natur wieder zum Zug kommt. Dann handeln wir fleischlich und sündigen. Um Sünden in unserem Leben zu vermeiden, werden wir im Wort Gottes aufgefordert, entschieden gegen die Auswüchse der in uns wohnenden Sünde vorzugehen (Kolosser 3,5.8).

Noah liess es an der nötigen Vorsicht fehlen, trank zu viel vom Wein seines Weinbergs und verlor seine Selbstbeherrschung. Ham sah es und erzählte seinen Brüdern unverschämt von der Verfehlung seines Vaters. Sem und Japhet jedoch versuchten ihrem Vater zu helfen, indem sie sein Versagen zudeckten. Als Noah von seinem Rausch erwachte und hörte, was passiert war, segnete er Sem und Japhet, während Ham hören musste: «Verflucht sei Kanaan (ein Sohn Hams)! Ein Knecht der Knechte sei er seinen Brüdern!»

Interessant ist der Ausdruck in Vers 26, wo der Herr als der Gott Sems bezeichnet wird, während Er nie der Gott Japhets oder der Gott Hams genannt wird. Einen Grund dafür finden wir am Ende von Kapitel 11 und am Anfang von Kapitel 12. Dort sehen wir, dass Gott eine Familie hervorhebt, die von Sem abstammt. Es ist Tarah und seine Nachkommen. Mit Abram, einem Sohn Tarahs, wollte Gott sich als der Herr (Jahwe, der Ewigseiende) in besonderer Weise beschäftigen.

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Sem, Ham und Japhet (1)

In der Zeit nach der Flut begannen sich die Nachkommen der Söhne Noahs auf der Erde auszubreiten. Die Japhetiten zogen nach Westen und Norden. Sie breiteten sich am stärksten aus.

Unter den Hamiten tritt ein Mann besonders hervor: Nimrod. Zweimal wird von ihm gesagt, dass er ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn war. Einerseits erkennen wir daraus, dass die Menschen noch an Gott dachten. Anderseits legt der Name Nimrod (= sich empören) den Gedanken nahe, dass bei seinen Zügen und Städtebauten sehr viel Eigenwillen und Rebellion gegen Gott im Spiel war. Anstatt den Herrn zu fürchten, lehnte Er sich gegen Ihn auf.

«Der Anfang seines Reiches war Babel.» Der Name Babel oder Babylon zieht sich durch die ganze Bibel hindurch. Zuletzt wird in Offenbarung 18 der endgültige Fall Babylons beschrieben. Babylon ist dort der symbolische Ausdruck für das christliche Bekenntnis, in dem es keine Gläubigen mehr gibt und Christus völlig ausgeschaltet ist. Diese christuslose Christenheit gibt vor, die wahre Kirche zu sein. Doch es ist die falsche Kirche, die dem Herrn Jesus gegenüber höchst untreu geworden ist und schliesslich von Gott gerichtet wird.

Zwei weitere Namen unter den Nachkommen Hams finden wir später in der Bibel wieder: die Philister und die Kanaaniter. Die Philister bewohnten den Gazastreifen im Land Kanaan, das Gott später seinem Eigentumsvolk, den Israeliten, gab. Sie waren erbitterte Feinde Israels, bedrängten sie immer wieder und machten ihnen das Land streitig.

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Sem, Ham und Japhet (2)

Sem, der mittlere Sohn Noahs (Vers 21), wird mit seiner Nachkommenschaft zuletzt erwähnt. Das hat seinen Grund. Gott will im weiteren biblischen Bericht vor allem mit den Nachkommen Sems fortfahren. Interessant ist die Bemerkung in Vers 25: «In seinen Tagen wurde die Erde geteilt.» Vielleicht finden wir hier einen Hinweis auf die Entstehung der Kontinente als Folge der Flut.

Obwohl die Sprachenverwirrung erst in Kapitel 11 beschrieben wird, heisst es in Kapitel 10 zusammenfassend, dass sich die Nachkommen der drei Söhne Noahs «nach ihren Sprachen, in ihren Ländern, nach ihren Nationen» verbreiteten (1. Mose 10,5.20.31). So entstanden mit der Zeit die verschiedenen Völker mit ihren eigenen Mentalitäten.

In der Apostelgeschichte gibt es eine interessante Verbindung zu diesem Kapitel am Anfang der Bibel. Hier heisst es, dass die Erde nach der Flut von den Familien der drei Söhne Noahs wieder bevölkert wurde. In der Apostelgeschichte sehen wir, wie sich nach dem Kreuzestod des Herrn Jesus das Evangelium nicht nur an die Juden, sondern an alle Völker der Erde richtete (Markus 16,15; Lukas 24,45-47). Die Kapitel 8 – 10 der Apostelgeschichte berichten uns, wie durch die Verkündigung der guten Botschaft drei verschiedene Männer zum Glauben an den Erlöser Jesus Christus kamen:

  • der Kämmerer aus Äthiopien, ein Nachkomme Hams,
  • Saulus von Tarsus, ein Nachkomme Sems, und
  • der römische Hauptmann Kornelius, ein Nachkomme Japhets.

Wie gross ist Gottes Gnade!

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Der Turmbau

Obwohl wir bereits in Kapitel 10 gesehen haben, wie sich die Nachkommen der Söhne Noahs über die Erde verteilten, wird erst jetzt gezeigt, wie es dazu kam. Nach der Flut lebten die Menschen zunächst zusammen. Sie redeten alle eine Sprache. Doch eine Beziehung zu Gott, ihrem Schöpfer, scheinen die meisten von ihnen nicht mehr gehabt zu haben.

Anstatt nach Gottes Anweisung die Erde zu füllen (1. Mose 9,1), wollten sie zusammenbleiben. Davon redet die Stadt, die sie planten. Sie rebellierten damit gegen Gottes Wort. Mit dem Turm, dessen Spitze an den Himmel reichen sollte, demonstrierten jene Menschen ihren Hochmut und ihre Ehrsucht. Heute verfolgen die Menschen andere grossartige Vorhaben. Doch sie beweisen damit nur, dass sie genauso hochmütig und ehrsüchtig sind wie ihre Vorfahren nach der Flut.

Gott antwortete auf die Auflehnung und Überheblichkeit seiner Geschöpfe mit dem Gericht der Sprachenverwirrung. Nun wurden die Menschen durch das Eingreifen Gottes tatsächlich über die ganze Erde zerstreut (Verse 4.9), so wie Er es von Anfang an gewollt hatte. Die Verständigungsschwierigkeiten zwischen Menschen verschiedener Sprachen sind heute noch Folgen jenes göttlichen Gerichts.

Wir lernen daraus, dass wir Menschen durch unseren Ungehorsam die Absicht Gottes nie durchkreuzen können. Er wird immer zu seinem Ziel kommen, wenn nötig durch Gericht. Dieser Grundsatz gilt auch für unser persönliches Leben.

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Die Nachkommen Sems

Ab Vers 10 wird die Linie der Nachkommen von Sem über Peleg (1. Mose 10,25; 11,18) besonders erwähnt. Sie führt zu Tarah, dem Vater von Abraham, der hier noch Abram heisst.

Nach der Flut verfielen die Menschen in Überheblichkeit und Götzendienst. Durch den Bau eines himmelhohen Turmes versuchten sie, so hoch wie Gott zu werden. Anstatt sich Dem zu unterordnen, der ihnen die Herrschaft über die Erde anvertraut hatte, verneigten sie sich vor Götzen (Römer 1,22.23; Josua 24,2).

In seiner grenzenlosen Gnade gab Gott die Menschen jedoch nicht auf, obwohl sie sich von Ihm abgewandt hatten. Er wollte auf eine neue Weise mit ihnen handeln. Dazu ging Er mit einem einzelnen Menschen eine besondere Beziehung ein: Er rief Abram, den Sohn von Tarah, aus dem Götzendienst heraus und offenbarte sich ihm als der Allmächtige. Seine Beziehung zu ihm gründete sich auf göttliche Verheissungen, während Er keine Bedingungen an den Menschen stellte. Mit Abraham begann also die Heilszeit der Verheissungen.

Aus Vers 31 könnte man schliessen, Tarah habe die Initiative ergriffen, um aus Ur in Chaldäa nach Kanaan zu ziehen. Aber aus dem Neuen Testament wissen wir, dass Gott Abraham bereits in Mesopotamien erschienen war. Dort hatte Er ihm die Anweisung gegeben, sein Land und seine Verwandtschaft zu verlassen, um an einen Ort zu ziehen, den Er ihm zeigen wollte (Apostelgeschichte 7,2-4). Da Abram jedoch mit seiner Verwandtschaft auszog, kam er nur bis Haran.

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Einleitung

Johannes zeigt uns, wie der ewige Sohn Gottes als Mensch auf die Erde kam, um Gott als Vater zu offenbaren. Seine Worte und seine Taten waren von Leben, Licht und Liebe geprägt. Doch die Welt lehnte Ihn ab und kreuzigte Ihn. Ist nun alles verloren? Nein! Wer persönlich an den Sohn Gottes glaubt, bekommt ewiges Leben und wird ein Kind Gottes.

Das Evangelium kann wie folgt eingeteilt werden:

  • Kapitel 1 – 2: Einführung
  • Kapitel 3 – 7: Leben
  • Kapitel 8 – 12: Licht
  • Kapitel 13 – 17: Liebe
  • Kapitel 18 – 20: Tod und Auferstehung
  • Kapitel 21: Schluss

Der ewige Sohn Gottes

Die Verse 1-3 gehen in die Ewigkeit zurück – als noch nichts geschaffen war – und stellen uns den Sohn Gottes als das «Wort» vor, d. h. als den Ausdruck dessen, was Gott ist. Er hat eine ewige, göttliche Existenz und unterscheidet sich in seiner Person von Gott, dem Vater, und Gott, dem Heiligen Geist. Ausserdem ist Er der Schöpfer von Himmel und Erde.

Im Gegensatz zu Adam, der sein Leben vom Schöpfer bekommen hat, besitzt der Sohn Gottes Leben in sich selbst. Dieses göttliche Leben offenbarte sich, als Er auf die Erde kam und unter Menschen lebte. Wie ein helles Licht strahlte es in die Dunkelheit der Gottlosigkeit und des moralischen Verderbens hinein.

Jeder, der mit dem Sohn Gottes in Kontakt kam, wurde ins göttliche Licht gestellt (Vers 9). Sein ganzes Leben mit all seinen Sünden wurde offenbar. Ein eindrückliches Beispiel dazu finden wir in Johannes 8,1-11. Dort beleuchtete der Herr Jesus das Leben einiger Schriftgelehrter und Pharisäer. Doch sie wichen dem Licht aus und verliessen Ihn. Obwohl Er von Gott zu ihnen gekommen war, nahmen sie Ihn nicht an. So wie Ihn damals die meisten Juden ablehnten, so wollen auch heute viele Menschen nichts von Ihm wissen.

Durch Gottes Gnade gibt es jedoch Einzelne, die das göttliche Urteil über ihr Leben anerkennen und an den Herrn Jesus glauben. Dadurch werden sie Kinder Gottes. Diesen Platz in der Familie Gottes bekommen sie nicht aufgrund ihrer natürlichen Abstammung oder ihrer eigenen Leistung, sondern durch die Neugeburt, die Gott in ihnen bewirkt.

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Der Sohn Gottes wird Mensch

Vor 2000 Jahren wurde der ewige Sohn Gottes Mensch und lebte voller Gnade und Wahrheit unter uns:

  • Er offenbarte die göttliche Gnade, die dem Sünder entgegenkommt und ihn retten will.
  • Er stellte auch die göttliche Wahrheit vor, die klarmacht, dass wir gesündigt und das göttliche Gericht verdient haben.

Äusserlich war Jesus Christus keine beeindruckende Erscheinung (Jesaja 53,2). Aber der Glaubende sah in Ihm den eingeborenen Sohn des Vaters, wie Er von Ihm geliebt und geschätzt wird.

Johannes der Täufer kündigte das Kommen des Sohnes Gottes an und machte seine Majestät bekannt: Obwohl Jesus in Israel zeitlich nach Johannes auftrat, stand Er doch rangmässig über ihm, denn Er ist in seiner Existenz als Sohn Gottes ewig.

Das Gesetz stellte Forderungen an den Menschen, die keiner erfüllen konnte. Der Herr Jesus hingegen brachte uns die Gnade, aber nicht auf Kosten der Wahrheit. Er gab am Kreuz sein Leben, um allen Ansprüchen Gottes zu genügen und so die Wahrheit aufrechtzuerhalten. Auf dieser gerechten Grundlage kann die Gnade bis heute zu allen Menschen ausfliessen. Jeder, der das für ihn kostenlose Angebot zur Erlösung im Glauben annimmt, bekommt im Herrn Jesus das ganze Mass des göttlichen Segens: Gnade um Gnade (Vers 16).

Weil der Sohn Gottes im Schoss des Vaters ist und Ihn völlig kennt, war Er in der Lage, Gott in seiner Liebe zu offenbaren. Er ist Mensch geworden, damit wir in Ihm den Vater erkennen können (Johannes 14,9).

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Eine Stimme in der Wüste

Nach der Einleitung über den Sohn Gottes (Verse 1-18) folgt nun der Bericht über das Zeugnis von Johannes dem Täufer. Als er seinen Dienst begann und die Menschen zur Buße aufrief, fragten sich die Juden von Jerusalem, wer er wohl sei. Darum sandten sie Priester und Leviten zu ihm. Obwohl Johannes nicht gern von sich selbst redete, gab er auf ihre Fragen eine klare Antwort:

  • «Wer bist du?» – Er war nicht der Messias, der im Alten Testament angekündigt war und von vielen Juden erwartet wurde.
  • «Bist du Elia?» – Nein, Johannes trat nicht als der Prophet Elia auf, der vor dem Tag des Herrn kommen wird (Maleachi 3,23).
  • «Bist du der Prophet?» – Nein, dieser Prophet, den Mose angekündigt hatte (5. Mose 18,15), würde der Herr Jesus selbst sein.

Johannes war nur die Stimme eines Rufenden in der Wüste. Er kam als Bote Gottes, um im Herzen und Leben der Israeliten den Weg für den Sohn Gottes bereit zu machen. Das tat er auf zweierlei Weise:

  1. Er forderte alle auf, über ihr sündiges Leben Buße zu tun und zu Gott umzukehren (Matthäus 3,2).
  2. Die Menschen, die ihre Sünden bekannten, taufte er mit Wasser, um sie so von der ungläubigen Masse des Volkes abzusondern.

Das Verhalten von Johannes ist vorbildlich für jeden Diener des Herrn: Er hält nichts von sich selbst und stellt die Grösse und Herrlichkeit des Sohnes Gottes in den Mittelpunkt (Vers 27).

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Siehe, das Lamm Gottes!

Dieser Abschnitt enthält das Zeugnis von Johannes über den Herrn Jesus. Zuerst erklärt er seinen Zuhörern: «Siehe, das Lamm Gottes …» Mit dieser Aussage macht er klar, dass Jesus Christus das Opferlamm ist, das Gott selbst gibt, um das Problem der Sünde zu lösen. Darum fährt Johannes fort: «… das die Sünde der Welt wegnimmt.» Der Heiland hat durch seinen Opfertod am Kreuz Gott in Bezug auf die Sünde unendlich und für immer verherrlicht. Als Folge davon wird die Sünde mit all ihren Konsequenzen einmal aus dem Weltall weggetan werden.

Die Worte in Vers 30 decken sich inhaltlich mit Vers 15: Johannes kam als Vorläufer des Herrn zeitlich vor Ihm. Aber Christus steht rangmässig höher als Johannes, denn Er ist der Sohn Gottes. Obwohl das Lamm Gottes für die ganze Welt gekommen war, sollte das Zeugnis über Ihn in Israel abgelegt werden, das bis zu diesem Zeitpunkt im Handeln Gottes eine Vorzugsstellung unter den Völkern einnahm.

Johannes der Täufer war Augenzeuge, als der Geist Gottes wie eine Taube aus dem Himmel herniederkam und auf Jesus Christus blieb. Dieses eindrucksvolle Ereignis nach seiner Taufe bestätigte einerseits seine wahre, aber sündlose Menschheit. Anderseits bewies es, dass Er Gottes Sohn ist. An diese doppelte Tatsache knüpfte Johannes ein weiteres Zeugnis an: Jesus Christus würde mit Heiligem Geist taufen. Das geschah nach seiner Himmelfahrt, als Er an Pfingsten die «Verheissung des Heiligen Geistes vom Vater» empfing und auf die Glaubenden ausgoss (Apostelgeschichte 2,33).

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Wo hältst du dich auf?

Diese Verse beschreiben die Wirkung, die das Zeugnis von Johannes am nächsten Tag auf zwei Menschen hatte. Wieder blickte er auf Jesus und sprach: «Siehe, das Lamm Gottes!» Das veranlasste die beiden Jünger, dem Herrn Jesus nachzufolgen. Sie wollten Den, der Johannes so viel bedeutete, persönlich kennen lernen.

Als Jesus sie nachfolgen sah, prüfte Er sie mit einer Frage: «Was sucht ihr?» Strebten sie nach Ehre und Anerkennung? Oder wollten sie einfach in seiner Nähe sein? Ihre Gegenfrage offenbarte ihre Einstellung: «Lehrer, wo hältst du dich auf?» Sie unterstellten sich seiner Autorität und suchten die Gemeinschaft mit Ihm.

Das gilt auch für uns. Dem Herrn Jesus zu gehorchen und seine Gemeinschaft zu geniessen ist das, was uns in seiner Nachfolge glücklich macht. Deshalb sagt Er uns das Gleiche wie den beiden Jüngern: «Kommt und seht!» Nur durch persönliche Erfahrung im Alltag lernen wir den Segen wirklicher Jüngerschaft kennen.

Für Andreas war dieser Tag mit Jesus Christus so eindrucksvoll, dass er sofort seinen Bruder aufsuchte und ihm erklärte: «Wir haben den Messias gefunden.» Was konnte er Besseres tun, als Simon zum Heiland zu führen? Dieser empfing ihn mit folgenden Worten:

  1. «Du bist Simon.» Damit erklärte Er diesem spontanen und lebhaften Menschen, dass Er sein ganzes Leben mit allem, was bisher schief gelaufen war, kannte.
  2. «Du wirst Kephas heissen.» Diese Aussage zeugt von der Macht des Sohnes Gottes, glaubende Menschen zum Guten zu verändern, um sie zu sammeln und reich zu segnen.

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Philippus und Nathanael

Wir haben in den Versen 35-42 gesehen, wie der Sohn Gottes zum Sammelpunkt der Glaubenden wird. Jener Abschnitt spricht prophetisch von der Gnadenzeit, in der Menschen gesammelt werden, um Steine am Haus Gottes zu sein. Petrus ist ein deutliches Beispiel davon.

In den Versen 43-51 beginnt der Herr, Menschen in seine Nachfolge zu rufen. Auch dieser Abschnitt hat eine prophetische Bedeutung: In der Zukunft wird ein glaubender Überrest aus Israel zusammengebracht, der Jesus als Messias anerkennen wird. Nathanael ist ein eindrücklicher Vertreter dieses Überrests.

Jesus spricht zu Philippus: «Folge mir nach!» Damit sondert Er ihn von der Welt ab und führt ihn auf den Glaubensweg, den er mit Ihm gehen kann. Bis heute erfährt jeder Jünger, der diesen Weg in der Nachfolge des Herrn geht, die Schmach der Welt und die Freude in der Gemeinschaft mit Gott.

Philippus möchte auch Nathanael für Jesus Christus gewinnen. Als dieser seine Zweifel äussert, diskutiert er nicht mit ihm, sondern sagt einfach: «Komm und sieh!» Er fordert Nathanael auf, sich selbst Klarheit zu verschaffen. Der Sohn Gottes empfängt ihn mit den Worten: «Wahrhaftig ein Israelit, in dem kein Trug ist.» Damit anerkennt Er seine Gottesfurcht und Aufrichtigkeit. Als Er in Vers 48 seine Allwissenheit offenbart, glaubt Nathanael, dass Jesus der König Israels ist (Psalm 2,6.7). Da teilt ihm der Herr eine grössere Herrlichkeit seiner Person mit: Er ist der Sohn des Menschen, der einmal über das Universum regieren wird (Psalm 8,5-7).

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Die Hochzeit in Kana

Mit der Hochzeit von Kana kommt das prophetische Bild zum Höhepunkt: Im Tausendjährigen Reich wird Christus seinem erlösten Volk bleibende Freude schenken.

Die Anwesenheit von Maria, der Mutter Jesu, weist auf das natürliche Verhältnis hin, das der Herr durch Geburt zu seinem irdischen Volk hat. Aber aufgrund dieser Beziehung gibt es für Israel keinen Segen, weil es Ihn als Messias verworfen hat. Darum spricht Er zu seiner Mutter: «Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau?» Dennoch hat dieses Volk eine herrliche Zukunft vor sich: Als Auferstandener wird Christus eine neue Beziehung zu Israel eingehen und es reich segnen.

So wie der Wein während der Feier ausging, geht jede irdische Freude einmal zu Ende. Doch der Herr Jesus will uns dauerhafte Freude geben. Darum fordert Er uns auf: «Füllt die Wasserkrüge mit Wasser!» Das Wasser spricht vom Wort Gottes in seiner reinigenden Kraft (Epheser 5,26). Es macht uns auf Verkehrtes im Leben aufmerksam, damit wir es in Ordnung bringen. Als Folge davon erleben wir echte und bleibende Freude in der Gemeinschaft mit Jesus Christus.

Der erste Wein war von weniger guter Qualität als der zweite (Vers 10). So ist auch die Freude, die wir uns selbst verschaffen, geringer als die Freude, die der Herr Jesus uns schenkt.

Der Sohn Gottes tat dieses Zeichen in Galiläa, wo die einfachen Menschen des Volkes wohnten. Sie waren empfänglicher für seine Gnade als die Juden in Jerusalem. Darum offenbarte Er vor allem ihnen die Herrlichkeit seiner Person.

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Die Tempelreinigung

Mit der Tempelreinigung bezeugte der Herr seine Autorität. Als Sohn Gottes hatte Er das Recht, in seinem Haus für Ordnung zu sorgen. Gleichzeitig weist diese Handlung in die Zukunft: Bei seinem Kommen in Herrlichkeit wird Christus den Tempel durch Gericht reinigen (Maleachi 3,1.2).

Die Verkäufer und Wechsler hatten das Haus des Herrn zu einem Ort gemacht, wo man Geld verdienen konnte. Sie nutzten den Bedarf an Opfertieren und Wechselgeld aus, um sich zu bereichern. – Wie traurig, dass es auch heute Menschen gibt, die aus dem christlichen Glauben ein einträgliches Geschäft machen!

Der Herr Jesus entfernte alles, was den Tempel verunreinigte und nicht in die Gegenwart Gottes passte. Mit Eifer setzte Er sich im Haus Gottes für die Aufrechterhaltung seiner Heiligkeit ein. – Genauso sollten wir in der Versammlung (Gemeinde) besorgt sein, dass alles der göttlichen Heiligkeit entspricht.

Mit der Frage in Vers 18 forderten die Juden von Jesus Christus einen Beweis für das Recht der Tempelreinigung. Darauf teilte Er ihnen zweierlei mit:

  1. Sein menschlicher Körper war der wahre Tempel, in dem Gott wohnte (Kolosser 1,19).
  2. Nach seinem Kreuzestod würde Er auferstehen und damit beweisen, dass Er Gottes Sohn ist (Römer 1,4).

Die Menschen in Vers 23 glaubten aus verstandesmässiger Überzeugung, dass Jesus durch Wunder mächtig wirkte. Aber die Frage ihrer Sünden und ihrer Beziehung zu Gott blieb unberührt, weil in ihren Herzen kein Werk der Buße und Umkehr stattfand.

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Die Neugeburt

Nikodemus war überzeugt, dass die Botschaft, die der Herr Jesus verkündete, ihre Quelle in Gott hatte. Zudem waren in seinem Herzen echte, unbefriedigte Bedürfnisse vorhanden. Deshalb suchte er Ihn auf. Er tat es bei Nacht, weil er spürte, dass er bei diesem Schritt die Welt gegen sich hatte.

Der Herr ging nicht auf seine wohlformulierten Worte ein, sondern sprach direkt das Kernproblem des Menschen an. Er ist in seinem Zustand vor Gott verloren und kann nicht verbessert werden. Darum muss er von neuem geboren werden, um wirklich und bleibend ins Reich Gottes zu kommen (Verse 3.5).

Weil Nikodemus in seinen Überlegungen innerhalb der Grenzen des natürlichen Menschen blieb, schien es ihm unmöglich, dass jemand von neuem geboren werden kann. Da wurde der Sohn Gottes in seiner Belehrung deutlicher: Der Heilige Geist wendet das reinigende Wasser des Wortes Gottes auf den glaubenden Menschen an und schenkt ihm neues, göttliches Leben. Die Neugeburt ist also ein Werk Gottes.

In Vers 6 stellt der Herr zwei Tatsachen vor: Einerseits ist jeder Mensch von seiner Geburt an ein Sünder. Daran kann er nichts ändern. Anderseits besitzt jeder Glaubende durch die Neugeburt eine neue, göttliche Natur. – In Vers 8 benutzt Er das Beispiel des Windes, um das Wirken des Geistes Gottes zu erklären. Wie man den Wind nicht sehen kann, so ist das Werk der Neugeburt in einem Menschen nicht wahrnehmbar. Aber so wie das Sausen des Windes gehört wird, macht sich auch das neue Leben im Glaubenden bemerkbar.

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Das ewige Leben

Als Lehrer Israels hätte Nikodemus die Mitteilungen über die Neugeburt verstehen können, denn diese Wahrheit wird schon im Alten Testament erwähnt (Hesekiel 36,24-29) und ist in ihrem Charakter irdisch (Vers 12a).

Ab Vers 11 geht es um eine himmlische Botschaft. Kein Mensch ist in den Himmel hinaufgestiegen und wieder herabgekommen, um auf der Erde von dem zu reden, was im Himmel ist. Nur der Sohn Gottes, der als Mensch auf die Erde gekommen ist, kann uns das Himmlische mitteilen: Es ist das ewige Leben, das Gott in der Zeit der Gnade jedem schenkt, der an seinen Sohn Jesus Christus glaubt. Diese himmlische Wahrheit war im Alten Testament nicht bekannt.

Damit der Mensch das ewige Leben bekommen kann, muss das Problem der Sünde Gott gemäss gelöst werden. Darum spricht der Herr Jesus nun von seinem Tod am Kreuz:

  • Die Verse 14 und 15 zeigen die Seite des Menschen: Der heilige und gerechte Gott forderte ein Opfer für die Sünde. Der Mensch Jesus Christus musste am Kreuz das Werk der Erlösung vollbringen, um die Sünde wegzutun.
  • Vers 16 stellt uns die Seite Gottes vor: In seiner unergründlichen Liebe zu allen Menschen gab Gott seinen einzigen und einzigartigen Sohn für sündige Menschen in den Tod.

Die Auswirkungen seines Opfers sind gewaltig: Wer an Ihn glaubt, hat kein Strafgericht mehr zu befürchten, sondern kommt in eine glückliche Beziehung zu Gott.

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Rettung oder Gericht

Obwohl die Menschen Gott verunehrt und beleidigt hatten, sandte Er seinen Sohn nicht als Richter, sondern als Retter zu ihnen. Warum? Weil Gott Liebe ist. Doch es werden nicht alle automatisch vor dem kommenden Gericht gerettet. Nur die, die an den Herrn Jesus glauben, werden von der Strafe freigesprochen.

Vers 19 zeigt, was Gott den ungläubigen Menschen einmal zur Last legen wird: Der Sohn Gottes ist als das Licht in die Welt gekommen und hat ihnen gezeigt, dass Gott sie liebt und ihnen in Jesus Christus seine rettende Gnade anbietet. Doch sie haben seine Liebe nicht gewollt und ein sündiges Leben im Dunkeln einer geordneten Beziehung zu Ihm vorgezogen.

Die Verse 20 und 21 stellen einen doppelten Grundsatz vor:

  • Der Ungläubige, der das Böse tut, fürchtet sich vor der Gegenwart Gottes, weil er nicht will, dass seine Sünden ans Licht kommen.
  • Der Gläubige, der ein gutes Gewissen hat, kommt freimütig zu Gott und freut sich, im Licht seiner Gegenwart zu leben.

Ab Vers 22 sehen wir, wie die Aufgabe von Johannes dem Täufer zu Ende ging und der Herr Jesus im Begriff stand, in Israel öffentlich in Erscheinung zu treten. Bis jetzt hatte sein eigentlicher Dienst noch nicht begonnen, denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen worden. Weil sowohl Jesus als auch Johannes am Jordan tauften, musste nun die Frage geklärt werden, in welcher Beziehung sie zueinander standen. Die Antwort finden wir in den Versen 27-30.

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Er muss wachsen, ich aber abnehmen

Die Jünger des Johannes hatten Mühe, dass immer mehr Menschen zu Jesus gingen, um sich von seinen Jüngern taufen zu lassen. Wie ging Johannes der Täufer damit um? Er freute sich darüber, weil er nur von Christus erfüllt war! Seine Worte zeigen einerseits seine Herzensdemut und anderseits den stellungsmässigen Unterschied zwischen dem Herrn und ihm.

Johannes wusste, dass er seinen Dienst als ein Geschenk von Gott bekommen hatte (Vers 27). Das machte ihn demütig. Es war sein Auftrag, als Vorläufer und Wegbereiter des Messias in Israel zu wirken. Als Freund des Bräutigams freute er sich, dass der Herr Jesus im Zentrum stand und die Menschen seiner Verkündigung zuhörten. Johannes war sich zweierlei bewusst:

  • Christus musste in seinem Dienst und in seinem Einfluss unter den Menschen zunehmen.
  • Sein Vorläufer hingegen musste langsam vom Schauplatz verschwinden und in den Hintergrund treten.

Der Sohn Gottes kam von oben, d. h. aus dem Himmel. Er stand weit über allen und verkündete eine himmlische Botschaft. Johannes der Täufer war ein Mensch von der Erde wie wir. Sein Dienst beschränkte sich auf das Irdische (Buße, Taufe, praktische Gerechtigkeit).

Die Verse 35 und 36 führen eine weitere Wahrheit über den Herrn Jesus ein. Er war nicht nur ein Gesandter vom Himmel mit einer göttlichen Botschaft, sondern der ewige Sohn Gottes, der vom Vater geliebt wird. Weil der Vater alles in seine Hände gegeben hat, kann der Mensch nur durch den Glauben an Jesus Christus ewiges Leben bekommen.

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Am Brunnen zu Sichar

Der Herr Jesus verliess Judäa, weil Ihn die Eifersucht und Ablehnung der Juden wegtrieb. Auf dem Weg nach Galiläa musste Er durch Samaria ziehen. Das war der göttliche Auftrag, den Er gehorsam und gern ausführte. Die Menschen aus Samaria hatten eine gemischte Lebensführung. Ursprünglich gehörten sie nicht zu Israel, hatten sich aber mit diesem Volk vermischt. So dienten sie zum einen fremden Göttern. Zum anderen standen sie in einer äusseren Beziehung zum lebendigen Gott und beteten Ihn auf dem Berg Gerisim an. Aus diesem Grund verachteten die Juden die Samariter und pflegten im Allgemeinen keinen Umgang mit ihnen.

Am Brunnen ruhte sich Jesus Christus ein wenig aus, während seine Jünger in der Stadt etwas zu essen kauften. Wie empfand Er als wahrer, sündloser Mensch, was es bedeutet, Hunger und Durst zu haben oder müde zu sein! Dennoch war Er jederzeit bereit, den Menschen zu helfen und ihnen die göttliche Gnade vorzustellen.

Als eine Frau zur Quelle kam, um Wasser zu schöpfen, bat Er sie demütig: «Gib mir zu trinken!» Weil Er kein Schöpfgefäss besass, war Er auf ihre Hilfe angewiesen, um seinen Durst zu stillen. Gleichzeitig wollte der Heiland mit dieser Bitte das Herz der sündigen Frau erreichen, um ihr Vertrauen zu gewinnen.

Sie war sehr erstaunt, dass Er sich als Jude herabliess, mit ihr zu reden, obwohl sie eine Samariterin war und einen schlechten Lebenswandel führte. Ihre Verwunderung zeigt, dass sie ihr Herz dem Sohn Gottes nicht verschloss, sondern bereit war, Ihm zuzuhören.

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Das lebendige Wasser

Zuerst weckte der Heiland das Interesse der Frau für die göttliche Gnade. Gott hatte ein Geschenk für sie bereit, das Er ihr durch seinen Sohn Jesus Christus geben wollte. Es ist das «lebendige Wasser» – ein Sinnbild des ewigen Lebens, wie es durch die Kraft des Heiligen Geistes genossen wird.

Die Gedanken der Frau gingen nicht über die Mühe des irdischen Lebens hinaus. Immer wieder musste sie zum Brunnen gehen, um Wasser zu schöpfen. Da machte ihr der Herr Jesus klar, dass alles, was die Erde und die Welt dem Menschen bietet, keine echte Befriedigung gibt. Der Durst nach wahrer Lebenserfüllung bleibt bestehen. Aber der Sohn Gottes bietet ein «Wasser» an, das diesen Durst für immer stillt. Er schenkt jedem, der an Ihn glaubt, ewiges Leben, das sich durch den Heiligen Geist entfaltet. Diese Energie des neuen Lebens ist wie ein aufsteigender starker Wasserstrahl, der uns in eine glückliche Gemeinschaft mit Gott bringt. Diese Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn – die wir jetzt und bald ewig im Vaterhaus geniessen – gibt uns einen echten Lebenssinn und eine tiefe Freude.

Die Frau verlangte nach diesem Wasser, weil sie das alte, sündige Leben mit seinem Elend und seiner Mühe satt hatte. Da sprach der Heiland ihr Gewissen an: «Geh hin, rufe deinen Mann und komm hierher!» Da gab sie zur Antwort: «Ich habe keinen Mann.» Dieses Bekenntnis war aufrichtig, aber nicht vollständig, so dass der Herr es einerseits anerkannte und anderseits ergänzte. Als Er die Wahrheit völlig ans Licht brachte, stand die Frau dazu und bekehrte sich zu Gott.

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Wahrhaftige Anbeter

Als die Frau erkennt, dass Jesus ein Prophet Gottes ist, stellt sie Ihm eine Frage, die sie schon lange beschäftigt: Welches ist der richtige Ort der Anbetung? Ist es der Berg Gerisim, wo menschliche Ideen den Gottesdienst prägen? Oder ist es der Tempel in Jerusalem, den Gott als Ort der Anbetung bestimmt hat?

In seiner Antwort macht der Herr Jesus klar, dass durch sein Kommen eine neue Zeit angebrochen ist, in der Gott entsprechend seiner Offenbarung im Sohn als Vater angebetet wird. Wahrhaftige Anbeter sind Menschen, die an Jesus Christus glauben, ewiges Leben besitzen und den Heiligen Geist in sich haben. Aus dieser neuen Stellung heraus können sie den Vater in Geist und Wahrheit anbeten. Christliche Anbetung ist freiwillig (Vers 23), erfordert jedoch Abhängigkeit und Gehorsam (Vers 24), damit dem Wunsch des Vaters in der richtigen Weise entsprochen wird.

Die Frau versteht nicht viel von dem, was der Herr über Anbetung sagt. Aber sie lernt Ihn als den angekündigten Messias kennen. Ab Vers 28 werden die Ergebnisse ihres Glaubens an Jesus Christus sichtbar:

  • Sie lässt den Wasserkrug stehen und geht weg in die Stadt. Weil ihre inneren Bedürfnisse bei Christus gestillt worden sind, ist ihr Herz nicht mehr auf das Irdische fixiert.
  • Sie erzählt den Leuten vom Herrn Jesus, der alles über ihr Leben weiss. Schlicht und einfach lädt sie ihre Mitmenschen ein, zum Heiland zu kommen. Mit dem Hinweis «Dieser ist doch nicht etwa der Christus?» weckt sie das Interesse für Ihn.

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Säen und ernten

In diesen Versen möchte der Herr Jesus die Gedanken der Jünger vom Natürlichen zum Geistlichen lenken.

  • Als sie Ihn baten, von dem zu essen, was sie eingekauft hatten, sprach Er von seiner geistlichen Speise. Es war sein tiefes Verlangen, den Willen und das Werk Gottes zu tun. Von der Krippe bis zu seiner Himmelfahrt erfüllte Er mit Freude den Auftrag seines Vaters. Ihm zu gehorchen und unter den Menschen in Gnade zu wirken, das war es, was sein Herz befriedigte und sättigte.
  • Die Jünger wussten, dass es noch vier Monate bis zur Getreideernte dauerte. Doch nun sollten sie ihre Augen auf die geistliche Ernte richten. Dieses Getreide war schon reif, denn es gab viele Menschen, die wie die Frau von Sichar ein Verlangen nach Vergebung und ewigem Leben hatten. Sie sollten die Botschaft der göttlichen Gnade hören, um gerettet zu werden.

Die Erntearbeit spricht hier also von der Verkündigung und Verbreitung des Evangeliums, damit Menschen sich bekehren und als Frucht zum ewigen Leben gesammelt werden. Weil diese Aufgabe grossen Einsatz erfordert und auf manche Ablehnung stösst, stellt der Herr einen Lohn in Aussicht.

Die Jünger traten in eine Arbeit ein, die andere schon begonnen hatten. Die Propheten im Alten Testament hatten das Wort gesät und den Messias angekündigt. Auch Johannes der Täufer hatte in Israel gewirkt und die Menschen zur Buße aufgefordert. Auf diese Aussaat folgte nun die Arbeit der Apostel. In der Zeit der Gnade brachten sie eine grosse Ernte für Gott ein.

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Der Heiland der Welt

Die Frau, die sich am Brunnen bekehrt hatte, legte ein kraftvolles Zeugnis von Jesus Christus ab. Die Veränderung in ihrem Leben unterstrich ihre Worte, so dass viele in der Stadt an Ihn glaubten. – Genauso möchte der Herr Jesus uns gebrauchen, um Menschen zum rettenden Glauben zu führen.

Die Samariter baten den Heiland, bei ihnen zu bleiben. Weil sie an Ihn glaubten, wünschten sie Ihn in ihrer Nähe zu haben. – Das ist ein Kennzeichen des neuen Lebens: Jungbekehrte haben den Wunsch, den Herrn Jesus in ihr ganzes Leben aufzunehmen und Gemeinschaft mit Ihm zu haben.

Die Menschen aus Sichar hörten die Botschaft des Sohnes Gottes und kamen zur Überzeugung, dass Er der Heiland der Welt ist. – So wichtig es ist, den Menschen von Jesus Christus zu erzählen, noch wichtiger ist es, dass Gottes Wort ihre Gewissen und Herzen anspricht. Der Glaube soll sich nicht auf menschliche Worte abstützen, sondern seine Grundlage in dem finden, was Gott gesagt hat.

Jesus ist bis heute der Heiland der Welt (1. Johannes 4,14). In seiner unendlichen Gnade will Er alle Menschen erretten. Weil Er am Kreuz sein Leben als Lösegeld für alle gegeben hat, kann jeder zu Ihm kommen und durch den Glauben an Ihn gerettet werden.

Zwei Tage später zog der Herr Jesus nach Galiläa weiter. Die Menschen aus dieser Gegend unterschieden sich von den Samaritern. Sie nahmen den Herrn wegen der Wunder auf, die Er in Jerusalem getan hatte. Tiefer ging ihr Glaube nicht.

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Der Sohn des königlichen Beamten

Der Sohn eines königlichen Beamten aus Kapernaum war todkrank. Da scheute der Vater keine Mühe und reiste nach Kana, um beim Heiland Hilfe zu suchen. Weil er glaubte, dass Jesus Christus Wunder tun und Kranke heilen konnte, bat er Ihn, nach Kapernaum zu kommen und seinen Sohn gesund zu machen. Nun wurde sein Glaube zweimal auf die Probe gestellt:

  1. Zuerst prüfte der Herr die Echtheit des Glaubens (Vers 48). Handelte der Beamte aus einer echten Not heraus oder wollte er in seinem Haus ein sensationelles Wunder erleben? Seine Antwort offenbarte die tiefe Sorge um seinen kranken Sohn und den Glauben an die Person des Herrn Jesus.
  2. Dann kam die zweite Prüfung: Wie reagierte er, als Jesus Christus erklärte: «Geh hin, dein Sohn lebt!» Glaubte er dem Wort des Sohnes Gottes? Ja, er ging nach Hause, weil er überzeugt war, dass der Heiland sein Wort wahr machen und den Sohn heilen würde.

Auf dem Heimweg kamen ihm seine Knechte mit der guten Nachricht entgegen, dass es dem Knaben besser gehe. In dem Moment, als der Sohn Gottes gesprochen und der Vater geglaubt hatte, hatte das Fieber den Kranken verlassen. So wurde dieser Mann vom Glauben an Zeichen und Wunder zum Glauben an Gottes Wort geführt. Ausserdem wirkte sich diese Erfahrung mit dem Herrn Jesus positiv auf die ganze Familie aus: Sie glaubten alle an Ihn (Vers 53). Folglich erkennen wir hier, wie Gott in dieser Familie durch die erlebte Schwierigkeit den Glauben vertieft und ausdehnt. Auch bei uns verfolgt Er in familiären Nöten das gleiche Ziel.

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Der Kranke am Teich Bethesda

Der Sohn Gottes ging nach Jerusalem, um mitten im toten System des Judentums, das seine Feste ohne Gott feierte, seine lebendig machende Kraft zu entfalten.

Die Säulenhallen am Teich Bethesda offenbarten zweierlei:

  1. Den schlechten geistlichen Zustand des Volkes, denn es gab dort viele kranke Menschen (2. Mose 15,26).
  2. Die Gnade Gottes, die trotz des Versagens Israels ab und zu durch einen Engel einzelne Kranke heilte.

Jesus traf dort einen Menschen, der schon 38 Jahre krank war. Er konnte selbst nicht schnell genug in den Teich steigen, und es war niemand da, der ihm dabei half. Auf die Frage des Herrn bekannte er sein eigenes Unvermögen und seine falsche Hoffnung auf menschliche Hilfe.

Dieser Mann stellt den natürlichen Menschen in seinem sündigen Zustand dar. Durch die Sünde in ihm ist er unfähig, die Gebote Gottes zu halten. Ausserdem kann er nichts zu seiner Erlösung beitragen. Alles hängt von Gott ab. Sobald der Mensch zu dieser Einsicht kommt, ist er bereit, die Hilfe des Heilands anzunehmen.

«Steh auf, nimm dein Bett auf und geh umher!» In diesen Worten liegt göttliche Macht zur Heilung. So wurde der Kranke augenblicklich gesund. Er besass nun die Kraft, selbst zu gehen. Mühelos trug er das Bett, auf dem er vorher schwach und krank gelegen hatte.

Diese Veränderung findet im übertragenen Sinn auch bei einem Menschen statt, der sich bekehrt. Vorher war es ihm unmöglich, Gott zu gefallen. Nun kann er in der Kraft des Heiligen Geistes für Gott leben.

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Die Juden widerstehen Jesus

Die Juden ärgerten sich, dass der Geheilte am Sabbat sein Bett trug. Aus religiöser Pflichterfüllung pochten sie auf die Einhaltung des Sabbatgebots, anstatt sich über die Heilung dieses Mannes zu freuen, der so viele Jahre krank gewesen war. Sofort suchten sie nach dem «Schuldigen», der den Sabbat gebrochen hatte. Wie hart waren doch ihre Herzen!

In Israel war eine Krankheit oft die unmittelbare Konsequenz einer Sünde, da die Juden unter der direkten göttlichen Regierung standen. Nun hatte Jesus Christus in Macht und Gnade den Kranken geheilt und ihm diese Folge weggenommen. Als Er im Tempel wieder mit ihm zusammentraf, forderte Er den Geheilten jedoch auf, nicht mehr zu sündigen.

Sobald die Juden erfuhren, dass Jesus den Kranken am Sabbat gesund gemacht hatte, wollten sie Ihn töten. Warum? Weil der Sabbat das ganze jüdische System repräsentierte. Wer das Sabbatgebot antastete, stellte das ganze Judentum infrage.

Seitdem die Sünde in die Welt gekommen war, konnte Gott bei den Menschen nicht mehr ruhen. Daran änderte auch das Halten des Sabbats nichts. Darum erklärte der Sohn Gottes: «Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke.» Da wegen der Sünde keine Ruhe möglich war, wirkte Gott in Gnade. Mit dieser schönen Antwort reagierte der Herr auf den Angriff der Juden. Sie verstanden sofort, was Er sagte. Doch in ihrem Unglauben wollten sie Ihn nicht als Sohn Gottes anerkennen. Stattdessen bezeichneten sie Ihn als Gotteslästerer und suchten Ihn deswegen zu töten.

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Der Sohn macht lebendig

In diesem Kapitel werden uns zwei wichtige Tatsachen über die Person des Herrn Jesus vorgestellt:

  • Er ist der Sohn Gottes. Als solcher hat Er die gleiche Ehre und die gleiche Macht wie der Vater. Er steht auf der gleichen Stufe wie der Vater und ist völlig eins mit Ihm (Vers 17).
  • Der Sohn Gottes ist Mensch geworden. In seinem Leben auf der Erde – als Gott und Mensch in einer Person – hat Er eine Stellung der Unterordnung unter den Vater eingenommen (Vers 19).

Deshalb handelte Jesus Christus immer in Abhängigkeit vom Vater und in Übereinstimmung mit Ihm. Gleichzeitig bestand zwischen dem Vater im Himmel und dem Sohn auf der Erde eine vollkommene Beziehung der Liebe.

Im Auftrag des Vaters würde der Sohn nicht nur Kranke heilen, sondern auch glaubenden Menschen ewiges Leben geben. Das zweite Werk ist grösser als das erste, weil es sich auf die Ewigkeit auswirkt.

In den Versen 21 und 22 gibt der Herr zwei Beweise seiner göttlichen Rechte:

  1. Er gibt Leben, wem Er will, d. h. unabhängig von irgendwelchen Vorzügen, die ein Mensch zu haben meint.
  2. Der Vater hat dem Sohn das Gericht übergeben, damit Er als Mensch die Ungläubigen richte.

In Vers 24 zeigt Er uns, wie wir zu denen gehören können, die ewiges Leben bekommen und nicht gerichtet werden: Wenn wir seine Worte annehmen und an Gott, den Vater, glauben, der seinen Sohn zu uns gesandt hat, kommen wir aus unserem toten Zustand heraus und beginnen mit Jesus Christus das wirkliche Leben.

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Die Stimme des Sohnes Gottes

Die «Stunde» in Vers 25 ist die Stunde der Gnade. Sie umfasst sowohl die Zeit, in der Jesus auf der Erde wirkte, als auch die Zeit, in der Er im Himmel ist und durch den Heiligen Geist auf der Erde ein Werk tut.

In dieser Stunde macht der Sohn lebendig! Er richtet eine Botschaft an die Menschen, die in ihren Sünden tot sind. Wer auf seine Stimme hört und an Ihn glaubt, wird leben, d. h. er bekommt ewiges Leben. Diese Macht, glaubenden Menschen Leben zu geben, hat der Vater dem Mensch gewordenen Sohn übertragen. Die Tatsache, dass Jesus Christus Tote auferweckte, beweist deutlich seine Macht über Leben und Tod.

Der Vater hat dem Sohn, der Mensch geworden ist, auch die Autorität übertragen, Gericht zu halten. Es wird also ein Mensch sein, der die ungläubigen Menschen richten wird (Apostelgeschichte 17,31).

Die «Stunde» in Vers 28 ist die Stunde des Gerichts, in der der Sohn Gottes alle Gestorbenen auferwecken wird. Sie findet in zwei Phasen statt:

  • Die Auferstehung des Lebens betrifft alle, die das einzig Gute getan haben, das ein natürlicher Mensch tun kann: Sie haben an den Herrn Jesus geglaubt und werden deshalb nicht gerichtet, sondern zum Leben auferweckt werden.
  • Die Auferstehung des Gerichts erstreckt sich auf alle, die das Böse verübt haben. Weil sie nicht an den Sohn Gottes geglaubt und Ihn nicht geehrt haben, werden sie für ihre Sünden eine ewige Strafe erleiden.

Das Gericht, das der Herr Jesus vollstrecken wird, stimmt völlig mit dem Willen des Vaters überein.

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Ein vierfaches Zeugnis über Gottes Sohn

In diesem Abschnitt werden uns vier Zeugnisse über Jesus Christus, den Sohn Gottes, vorgestellt:

  1. Als die Juden ihre Diener zu Johannes dem Täufer sandten, verkündigte er ihnen die Wahrheit über Christus. Deutlich hob er die Würde Dessen hervor, der nach ihm kam. Ausserdem bezeugte er, dass Jesus der Sohn Gottes ist (Johannes 1,27.34). Johannes war eine Lampe, die helles Licht auf den Herrn warf.
  2. Die Werke, die Jesus Christus im Auftrag seines Vaters tat, offenbarten Gottes Macht und Gnade. Klar bezeugten sie seine Herkunft: Er war der Sohn Gottes, den der Vater in die Welt gesandt hatte.
  3. Der Vater selbst legte ein Zeugnis über seinen Sohn ab. Nach der Taufe des Herrn Jesus öffnete Er den Himmel und erklärte vor allen: «Dieser ist mein geliebter Sohn» (Matthäus 3,17). Später ertönte nochmals seine Stimme aus dem Himmel, als es um die Verherrlichung seines Vaternamens ging (Johannes 12,28).
  4. Die Juden erforschten die Schriften des Alten Testaments, um ewiges Leben zu finden. Doch sie lasen das Wort Gottes im Unglauben. Darum erkannten sie nicht, wie es auf den Herrn Jesus hinwies. Wie viele Prophezeiungen über Christus haben sich doch in seinem Leben eindeutig erfüllt!

Dieses vierfache Zeugnis über die Herrlichkeit des Herrn Jesus machte den Unglauben der Juden unentschuldbar. Ganz bewusst weigerten sie sich, zum Sohn Gottes zu kommen, um von Ihm Leben zu empfangen.

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Unglaube und Ehre bei Menschen

Der Sohn Gottes ist nicht in die Welt gekommen, um von den Menschen geehrt zu werden, sondern um den Vater zu offenbaren. Alle, die Ihn ablehnten, verschlossen sich der Liebe Gottes, die der Sohn kundtat. Sie verharrten im Unglauben und stellten sich gegen Gott.

Jesus Christus war im Namen des Vaters, d. h. als Vertreter des Vaters zu seinem Volk gekommen. Doch die Juden nahmen Ihn nicht an, weil sie Feinde Gottes waren. Sie wollten den Gesandten des Vaters nicht.

In der Zukunft wird der Antichrist in seinem eigenen Namen zu ihnen kommen und sich selbst als Gott verehren lassen. Ihn werden die Juden aufnehmen, weil ihnen die Ehre und Anerkennung des Menschen wichtig ist.

In Vers 44 stellt der Herr einen Grundsatz vor: Wer nur die Anerkennung von Menschen im Auge hat und sich nicht unter Gottes Autorität beugt, nimmt die Wahrheit nicht im Glauben an, weil er durch sie verurteilt wird. Nur Buße und Beugung vor Gott öffnen dem Menschen die Tür zur glaubensvollen Annahme der Wahrheit (2. Timotheus 2,25).

Mose hatte einen Propheten angekündigt, auf den die Israeliten hören sollten (5. Mose 18,15). Nun war dieser Prophet – Jesus Christus, der Sohn Gottes – da und sprach zu den Juden. Doch sie hörten nicht auf Ihn und glaubten nicht an Ihn. Darum wurden sie von Mose, auf den sie sich so gern beriefen, verurteilt.

In Vers 47 unterstreicht der Herr die Wichtigkeit des geschriebenen Wortes Gottes. Darauf soll sich unser Glaube stützen.

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Die Speisung der Fünftausend

In diesem Kapitel befindet sich der Herr Jesus in Galiläa. Viele Menschen suchen aus Neugier seine Nähe, weil sie seine Wunderheilungen miterlebt haben. Als Er die grosse Volksmenge kommen sieht, stellt Er Philippus eine Prüffrage: «Woher sollen wir Brote kaufen, damit diese essen?»

Sowohl die Antwort von Philippus als auch die Bemerkung von Andreas machen klar, dass die Bedürfnisse viel grösser als die menschlichen Möglichkeiten sind: Das Geld reicht bei weitem nicht aus, um genügend Brote zu kaufen! Und wie soll diese zahlreiche Menge mit fünf Gerstenbroten und zwei Fischen satt werden?

Nachdem die Jünger ihr Unvermögen eingestanden haben, beginnt der Herr zu handeln:

  • «Lasst die Leute sich lagern.» Bevor Er Nahrung austeilt, sollen die Menschen zur Ruhe kommen.
  • «Jesus nun nahm die Brote.» Er benutzt das Wenige, das Ihm der Knabe zur Verfügung stellt. Welche Gnade!
  • «Als er gedankt hatte …» Jesus dankt für das Essen, denn es kommt von Gott, der ein Erhalter aller Menschen ist.
  • «… teilte er sie denen aus, die da lagerten.» Obwohl der Herr die fünf Brote des Knaben gebraucht, ist Er doch der Gebende und Austeilende.
  • «Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verdirbt.» Der Herr ist grosszügig und gibt so viel, wie sie wollen. Aber Er ist nicht verschwenderisch, darum sollen die Reste eingesammelt werden.

Diese einzelnen Punkte lassen sich gut auf das Austeilen von geistlicher Nahrung übertragen.

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Jesus auf dem Berg und auf dem See

Durch die Speisung der Volksmenge offenbart sich der Herr Jesus als der verheissene Messias, der in Psalm 132,15 sagt: «Seine Speise will ich reichlich segnen, seine Armen mit Brot sättigen.» In der Folge anerkennt Ihn das Volk als den Propheten und will Ihn zum König machen. Doch Jesus nimmt das Königtum nicht aus der Hand der Menschen an, sondern wartet auf den Zeitpunkt, an dem Gott Ihn als König in Zion einsetzen wird. Darum zieht Er sich auf den Berg zurück – ein Bild davon, dass Er nach seinem Kreuzestod für sein irdisches Volk als Priester im Himmel verborgen ist.

Seine Jünger repräsentieren den gläubigen Überrest Israels, der auf der Erde bedrängt wird, während Christus im Himmel ist:

  • Die Dunkelheit auf dem See spricht von der Abwesenheit des Herrn und von der fehlenden Erkenntnis des Volkes Israel.
  • Der Wind und die Wellen illustrieren die Drangsal, die der treue Überrest durchmachen wird.

In dieser Bedrängnis werden die gläubigen Juden geläutert, damit sie für ihren Messias bereit sind. Wenn Er am Ende der Drangsalszeit zu ihnen kommt, werden sie sich fürchten, weil sie Ihn zuerst nicht als Den erkennen, der zu ihrer Errettung am Kreuz gestorben ist.

Nachdem der Herr ins Schiff gestiegen ist, kommen sie ans Land. So wird es auch dem Überrest ergehen: Wenn Christus kommt und sich mit diesen Treuen vereint, wird für Israel die Bedrängnis zu Ende sein und eine herrliche Segenszeit anbrechen.

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Die wahre Speise

Am nächsten Tag suchen die Menschen den Herrn Jesus. Sie haben die Jünger allein abfahren sehen. Deshalb vermuten sie, dass Er noch dort ist, wo sie von Ihm zu essen bekommen haben. Doch sie finden Ihn nicht. So fahren sie auch auf die andere Seite des Sees und kommen nach Kapernaum.

Es ist gut, die Nähe des Herrn Jesus aufzusuchen. Aber welche Motive leiten uns dabei? Streben wir nach Anerkennung? Suchen wir die Sensation? Oder wünschen wir sein Wort zu hören und seine Gemeinschaft zu geniessen?

Der Herr deckt die Beweggründe dieser Menschen sofort auf: Sie sind zu Ihm gekommen, weil sie ohne Arbeit und Mühe genug zu essen wünschen. Es geht ihnen nur um die Befriedigung der natürlichen Bedürfnisse.

«Wirkt nicht für die Speise, die vergeht.» Wir sollen unsere Energie nicht nur dafür verwenden, genug zu essen und zu trinken zu haben.

«Wirkt für die Speise, die bleibt ins ewige Leben.» Viel besser ist es, sich nach dem auszustrecken, was uns bleibende Befriedigung und ewigen Segen gibt. Beim Herrn Jesus können wir beides finden.

Die Juden wollen gern etwas tun, um Gottes Anerkennung und ewiges Leben zu bekommen. Da gibt ihnen der Herr zu verstehen: Wenn ihr wirklich ein Werk tun möchtet, das Gottes Zustimmung findet, dann glaubt an Mich! Gott verlangt vom Menschen nur eins: Dass er an Jesus Christus glaubt, den Er als Erlöser und Geber des ewigen Lebens in die Welt gesandt hat.

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Das Brot aus dem Himmel

Die Juden fordern ein Zeichen, um sehen und glauben zu können. Doch der Herr tut kein Wunder, sondern erklärt ihnen, dass Er selbst das Zeichen der göttlichen Gnade ist. Als das Brot Gottes ist Er aus dem Himmel herabgekommen, um allen Menschen ewiges Leben anzubieten. Bis heute lädt Er jeden persönlich ein:

  • «Wer zu mir kommt, wird nicht hungern.» Zu Ihm kommen heisst zu Ihm beten und Ihn glaubensvoll als Den annehmen, der alle unsere Probleme lösen und unsere Bedürfnisse stillen kann.
  • «Wer an mich glaubt, wird niemals dürsten.» An Ihn glauben bedeutet, Ihn so ins Herz und Leben aufzunehmen, wie Er uns im Wort Gottes vorgestellt wird. Nur Er kann unseren Durst nach echtem, ewigem Leben stillen.

Der Mensch in seiner Selbstgerechtigkeit schlägt dieses Angebot des Heilands aus (Vers 36). Nur Gott kann diesen Widerstand überwinden. Darum wird in Vers 37 das Wirken des Vaters erwähnt, der die Menschen zu Jesus Christus führt. – In Vers 38 stellt der Herr sein Lebensziel vor: Als demütiger und gehorsamer Knecht wollte Er immer den Willen des Vaters tun. Er dachte nicht an sich, sondern erfüllte treu das, was der Vater Ihm auftrug.

Die Verse 39 und 40 zeigen, was der Wille des Vaters beinhaltet: Einerseits wird keiner, der im Glauben zu Jesus Christus kommt, verloren gehen. Anderseits bekommt jeder, der an den Herrn Jesus glaubt, ewiges Leben. Beide Aspekte haben eine Wirkung, die über den Tod hinausgeht, deshalb werden beide mit der Auferweckung verbunden.

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Nicht murren, sondern glauben

Die Juden haben das, was der Herr Jesus gesagt hat, verstanden, aber sie glauben Ihm nicht. Ihre murrenden Worte zeugen von zweierlei:

  • Sie sind beleidigt, dass ein Sohn von armen und unbedeutenden Eltern der von Gott gesandte Christus sein soll.
  • Wegen ihres Unglaubens können sie seine himmlische Herkunft und seine irdische Familienbeziehung nicht zusammenbringen.

Ab Vers 43 geht der Herr auf ihren Unglauben ein. Er erklärt ihnen, dass kein Mensch das Angebot der Gnade Gottes in Jesus Christus annimmt, wenn der Vater nicht wirkt und die Herzen zum Heiland zieht. Mit dem Zitat aus Jesaja 54 unterstreicht Er diesen Gedanken und zeigt einen Grundsatz auf: Jede Erkenntnis, die ein Mensch besitzen kann, kommt von Gott. Das wird im Tausendjährigen Reich für alle sichtbar werden. In der Zeit der Gnade lässt der Vater den Menschen das Evangelium über seinen Sohn verkünden. Wer diese Botschaft hört und aufnimmt, kommt zum Herrn Jesus und sieht in Ihm Gott.

Nur der Sohn Gottes, der im Schoss des Vaters ist, hat Ihn gesehen (Vers 46). Doch welche Gnade: Er ist Mensch geworden, um uns den Vater zu offenbaren. So können wir im Sohn den Vater erkennen (Johannes 14,9). Darum hängt alles davon ab, ob wir an Jesus Christus, den Sohn Gottes, glauben (Vers 47). Durch den Glauben an Ihn empfangen wir ewiges Leben und kommen in eine glückliche Beziehung zum Vater (Johannes 1,12).

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Ewiges Leben und Gemeinschaft

Der Herr Jesus wiederholt die Worte von Vers 35: «Ich bin das Brot des Lebens.» Mit einem Gegensatz macht Er deutlich, was diese Aussage bedeutet:

  1. Das Manna kam von Gott aus dem Himmel auf die Erde. Obwohl die Israeliten in der Wüste davon assen, starben sie irgendwann, denn das Manna konnte kein ewiges Leben geben.
  2. Christus ist als das Brot des Lebens auch von Gott aus dem Himmel auf die Erde gekommen. Wer von diesem Brot isst, indem er Jesus Christus glaubensvoll in sein Herz aufnimmt, bekommt ewiges Leben. Dadurch besitzt er eine Perspektive über den Tod hinaus.

In Vers 51 finden wir zwei wichtige Glaubenstatsachen: Das Herabkommen aus dem Himmel spricht von der Menschwerdung des Sohnes Gottes, und das Fleisch, das er geben wird, vom Opfertod des Herrn Jesus. Weil die Juden den Sinn seiner Worte nicht verstehen, wird Jesus Christus in Vers 53 etwas deutlicher. «Sein Fleisch essen» und «sein Blut trinken» bedeuten nichts anderes, als persönlich daran zu glauben, dass der Tod des Herrn Jesus die Grundlage meiner Errettung ist.

Ab Vers 54 geht es nicht mehr um einen einmaligen Akt des Glaubens, sondern um eine fortdauernde Handlung: Menschen, die durch den Glauben an Jesus Christus ewiges Leben besitzen, beschäftigen sich gern mit seinem Opfertod. Dadurch werden sie geistlich genährt und haben Gemeinschaft mit Ihm. So wie der Herr auf der Erde in ständiger Verbindung zum Vater gelebt hat, sollen sie ihre Glaubensbeziehung zu Christus pflegen. Dadurch entfaltet sich ihr neues Leben.

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Herr, zu wem sollen wir gehen?

Jetzt sind es nicht die Juden, sondern viele von seinen Jüngern, die sich über die Worte des Herrn Jesus ärgern. Sie sind Ihm wegen der Zeichen nachgefolgt (Johannes 2,23), aber nun offenbaren sie ihren wahren Zustand: Sie glauben nicht wirklich an Jesus Christus.

An ihrem Beispiel wird deutlich, dass der natürliche Mensch, der im Fleisch ist, Gott nicht gefallen und die Worte des Herrn Jesus nicht erfassen kann. In seinem Innern muss ein Werk des Heiligen Geistes geschehen, damit er ewiges Leben bekommt. Aus diesem Grund erklärt der Herr in Vers 63: «Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt nichts.»

Vers 64 stellt die Verantwortung des Menschen vor, an Jesus Christus zu glauben. In Vers 65 ist vom gnädigen Wirken des Vaters die Rede, ohne das kein Mensch zum Heiland kommt. Beides ist hundertprozentig wahr.

Nachdem die Menschen, die nur für eine Zeit an Christus geglaubt haben (Lukas 8,13), weggegangen sind, prüft der Herr die zwölf Jünger: «Wollt ihr etwa auch weggehen?» Petrus, der immer schnell redet, gibt eine herrliche Antwort: «Herr, zu wem sollen wir gehen?» Für ihn gibt es keine Alternative, als Jesus Christus nachzufolgen, denn er hat zweierlei erfahren:

  1. Das Wort des Herrn verleiht ewiges Leben und ist geistliche Nahrung für den inneren Menschen.
  2. Die Gemeinschaft mit dem Sohn des lebendigen Gottes erfüllt das Herz der Glaubenden mit bleibender Freude.

Der Herr hat zwölf Jünger erwählt, elf besitzen göttliches Leben, Judas Iskariot jedoch nicht.

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Meine Zeit ist noch nicht da

Der Herr Jesus hält sich in Galiläa auf, weil Ihn die Menschen aus Judäa töten wollen. Das bevorstehende Laubhüttenfest wird das «Fest der Juden» genannt, weil es zu einer religiösen Feier ohne Gott verkommen ist.

Der Vorschlag seiner Brüder offenbart ihre weltliche Einstellung. Sie raten Jesus, am Fest öffentlich aufzutreten, um noch bekannter und geehrter zu werden. In ihrem Unglauben verstehen sie nicht, dass es Ihm nur um die Ehre Gottes und die Errettung der Menschen geht. Sie haben auch kein Verständnis für seine demütige und gehorsame Gesinnung.

In seiner Antwort zeigt der Herr den Unterschied zwischen sich und seinen Brüdern auf:

  • Seine Zeit, als König verehrt zu werden, ist noch nicht da, weil die Welt Ihn ablehnt. Sie hasst Ihn aufgrund seines Verhaltens und seiner Worte, denn Er lebt getrennt von der Welt und verurteilt ihre Werke.
  • Die Zeit der Brüder, zum Fest zu gehen und dort Ehre und Vergnügen zu suchen, ist hingegen da, weil sie zur Welt gehören. Aus diesem Grund müssen sie auch nicht mit dem Hass der Welt rechnen, denn sie liebt das Ihre.

Jesus bleibt solange in Galiläa, bis Gott Ihm aufträgt, im Verborgenen zum Fest hinaufzugehen. Nie lässt Er sich durch weltliche oder egoistische Motive leiten, sondern handelt immer in Abhängigkeit vom Vater.

Das Gemurmel unter den Leuten macht klar, dass es in der Welt verschiedene Meinungen über Jesus Christus gibt. Doch solange kein Glaube vorhanden ist, fehlt es an einer Überzeugung.

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Ablehnung seiner Lehre und seiner Werke

Als Jesus im Tempel lehrt, fragen sich die Juden: Wie kann Er so überzeugend predigen, obwohl Er kein Gelehrter ist? In seiner Antwort zeigt der Herr, worin sich seine Lehre von der Unterweisung der Schriftgelehrten unterscheidet:

  1. Er stellt nicht menschliche Gedanken oder eigene Überlegungen vor, sondern bringt eine Botschaft von Gott, dem Vater, der Ihn gesandt hat (Vers 16).
  2. Wenn Christus lehrt, sucht Er nicht persönliche Anerkennung, sondern die Ehre seines Vaters (Vers 18). Dieses Motiv weist Ihn als wahr und gerecht aus.

Dazwischen macht Vers 17 klar, dass nicht Intelligenz oder Gelehrsamkeit, sondern Demut und Gehorsam nötig sind, um die Lehre des Herrn zu verstehen und die göttliche Quelle seiner Mitteilung zu erkennen.

In Vers 20 beschimpfen Ihn die Menschen aufs Heftigste, indem sie behaupten: «Du hast einen Dämon.» Doch Jesus geht nicht auf diese Lästerung ein, sondern legt ihnen den Sachverhalt nochmals vor:

  • Der Grund für ihre Verwunderung, die bereits in Ablehnung und Hass übergegangen ist, liegt darin, dass Er am Sabbat jemand geheilt hat.
  • Obwohl sie selbst am Sabbat eine Beschneidung vollziehen, um das Gesetz zu halten, zürnen sie dem Herrn, wenn Er am Sabbat heilt. Das ist nicht gerecht.

Ab Vers 25 hören wir die Argumente und Überlegungen der Bewohner von Jerusalem. Ihre Worte offenbaren ihren Unglauben und ihre Unwissenheit. Weil ihre Herzen durch die Sünde und die Religiosität hart geworden sind, erkennen sie nicht, dass Jesus der Christus ist.

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Ablehnung der Person des Herrn Jesus

Aufgrund der Wunder, die Jesus getan hat, wissen die Juden genau, dass Er von Gott gekommen ist (Johannes 3,2). Er ist nicht eigenmächtig, sondern im Auftrag des Vaters in Israel aufgetreten. Obwohl die Juden religiös sind, haben sie keine Beziehung zum lebendigen und wahren Gott. Darum kennen sie Ihn nicht. Der Herr Jesus hingegen steht als der Sohn des Vaters in einer ewigen Beziehung zu Ihm.

Die Juden offenbaren sich als Feinde Gottes, weil sie seinen Gesandten ablehnen. Doch sie können noch nicht Hand an den Sohn Gottes legen, weil die Stunde seines Kreuzestodes noch nicht gekommen ist. Die Volksmenge ist verwirrt und unwissend. Diese Menschen lehnen Christus nicht ab, sind aber unentschlossen. Einige glauben an Ihn, andere stellen nur Fragen. Als sie sich Jesus Christus zuneigen, will die religiöse Führerschaft eingreifen und Ihn verhaften.

Diese Massnahme nimmt der Herr zum Anlass, um ihnen mitzuteilen, dass Er nicht mehr lange als Gesandter des Vaters und als Zeuge Gottes bei ihnen sein werde. Sobald sein Auftrag auf der Erde beendet ist, wird Er in den Himmel zurückkehren. Weil die Juden Ihn als Messias ablehnen, verlässt Er sie. Damit wird das Judentum auf die Seite gestellt und der verheissene Segen für das Volk Israel und die Erde zeitlich hinausgeschoben.

Der religiöse Stolz und der Widerstand gegen Gott hindern die Juden daran, das zu verstehen, was Jesus sagt. Sie ziehen nur menschliche Vernunftschlüsse, die keine befriedigende Antwort geben.

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Der letzte Tag des Festes

Der letzte grosse Tag des Laubhüttenfests ist der achte Tag, der auf einen Neuanfang hinweist (3. Mose 23,36). An diesem Tag kündigt der Herr Jesus den Menschen einen Segen an, der völlig ausserhalb des Judentums liegt.

Wer zu Ihm kommt und an Ihn glaubt, dessen Lebensdurst wird gestillt. Er bekommt ewiges Leben und den Heiligen Geist, der das neue Leben zur Entfaltung bringt. Dadurch kann der Glaubende für andere ein Segen sein. Unter der Wirkung des Geistes fliessen aus seinem Leben Ströme lebendigen Wassers, so dass die Menschen durch ihn mit der Liebe und Gnade Gottes in Berührung kommen.

Vers 39 macht klar, dass nur die Glaubenden den Heiligen Geist bekommen, und zwar erst nachdem der Herr Jesus als Mensch im Himmel verherrlicht ist. Genauso geschah es auch: Zehn Tage nach seiner Himmelfahrt kam der Geist Gottes auf die Erde, um in den Erlösten zu wohnen (Apostelgeschichte 2,1-4).

Die Verse 40-44 beschreiben, welche Reaktion die Worte des Herrn bei den Zuhörern hervorruft. Obwohl kein echter Glaube sichtbar wird, erkennen wir, dass die Herzen ergriffen sind:

  • Einige kommen zum Schluss: «Dieser ist wahrhaftig der Prophet.» Damit haben sie recht. Doch sind sie auch bereit, auf Ihn zu hören?
  • Andere sagen: «Dieser ist der Christus.» Obwohl ihre Feststellung stimmt, fragt sich, ob sie auch seine Autorität anerkennen.

Fragen und Erörterungen führen zu einer Spaltung in der Volksmenge, aber nicht zum Glauben an Christus.

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Niemals hat ein Mensch so geredet

Dieser Abschnitt beschreibt die Einstellung von drei Personengruppen zu Jesus Christus:

  1. Die Diener der Hohenpriester sind von den Worten des Herrn Jesus stark ergriffen. Darum können sie Ihn nicht festnehmen. Stattdessen legen sie ein schönes Zeugnis über Ihn ab: «Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch.» Sie haben persönlich erfahren, wie seine Worte voll Gnade und Wahrheit sind.
  2. Die Hohenpriester und Pharisäer sind die erbitterten Feinde des Herrn. Sie haben kein offenes Ohr für seine Mitteilungen und wollen nicht an Ihn glauben. Um die Wirkung seiner Worte bei den Dienern zu untergraben, betonen sie den Standpunkt der Gelehrten und bezweifeln die Urteilsfähigkeit der einfachen Leute.
  3. Nikodemus wagt nicht, offen Stellung für Christus zu nehmen. Dennoch legt er ein Wort für Ihn ein. Er weist darauf hin, dass man nach dem Gesetz einen Menschen zuerst anhört und sein Handeln prüft, bevor man ein Urteil über ihn fällt. Schon mit diesem schwachen Einwand zieht er die Verachtung seiner Ratskollegen auf sich.

Die Reaktion der Hohenpriester und Pharisäer offenbart erstens ihren Widerstand gegen alle, die sich auf die Seite von Jesus Christus stellen, zweitens ihre Verachtung für das einfache Volk, das in Galiläa wohnt, und drittens ihre Unwissenheit über die Propheten in Israel, denn Jona war ein Prophet aus dem Gebiet von Galiläa (2. Könige 14,25). So prallen die Mitteilung der Diener und der Einwand von Nikodemus an ihren verhärteten Gewissen ab.

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Die Ehebrecherin

Als der Fremde vom Himmel übernachtet Jesus ausserhalb von Jerusalem. Am Morgen kommt Er wieder in den Tempel, um den Menschen seine himmlische Botschaft zu verkünden. Da kommen die Schriftgelehrten und Pharisäer zu Ihm. Sie benutzen das Gesetz, um eine schuldige Frau zu verurteilen und dem Herrn eine Falle zu stellen. Für sie gibt es nur zwei mögliche Antworten:

  • Wenn Jesus die Frau nach dem göttlichen Gebot verurteilt, ist Er nicht der Heiland.
  • Wenn Er die Frau gehen lässt, verachtet und verwirft Er das Gesetz.

Zuerst bückt sich der Herr nieder und schreibt mit dem Finger auf die Erde. Er wartet mit seiner Antwort, um ihnen Zeit zu geben, über ihr böses Vorgehen nachzudenken. Schliesslich erklärt Er ihnen: «Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.» Damit stellt Er alle Anwesenden ins Licht des Wortes Gottes, das die Herzen erforscht, jede Heuchelei und Bosheit offenbart und allen Menschen klarmacht, dass sie gesündigt haben.

Die Ankläger werden im Gewissen getroffen. Doch sie weichen dem göttlichen Licht aus und verlassen die Gegenwart des Sohnes Gottes, um ihren frommen Schein vor den Menschen zu wahren. Jeder ist nur noch für sich selbst und seine eigene Ehre besorgt. So gehen sie einer nach dem anderen hinaus.

Der Herr Jesus ist der Einzige, der die moralische Voraussetzung hat, die Frau zu verurteilen. Doch Er tut es nicht, weil Er mehr als das Gesetz offenbart: Er zeigt göttliche Gnade und göttliche Wahrheit!

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Ich bin das Licht der Welt

Der Mensch gewordene Sohn Gottes ist das Licht der Welt, das alles göttlich beurteilt, so dass keine Frage mehr offen bleibt. Wer sich seinem Urteil stellt, seine Gnade annimmt und Ihm nachfolgt, befindet sich im Licht der Gegenwart Gottes und bekommt ewiges Leben.

In Vers 14 geht der Herr auf den Angriff der Pharisäer von Vers 13 ein: Weil Er der Sohn Gottes ist, kann Er von sich selbst zeugen und sich als das Licht der Welt bezeichnen. Denn es ist völlig klar: Wenn Gott spricht, sagt Er immer die Wahrheit und offenbart etwas von sich selbst.

In den Versen 15 und 16 bezieht sich der Herr auf die Begebenheit mit der Ehebrecherin am Anfang des Kapitels: Die Schriftgelehrten haben nach ihrem eigenen Gutdünken gerichtet und das Gesetz eigenmächtig auf die Situation angewandt. Der Sohn Gottes hingegen ist nicht gekommen, um zu richten. Wenn Er wegen ihres Unglaubens dennoch ein Urteil ausspricht, ist es wahr, d. h. in Übereinstimmung mit den Gedanken des Vaters.

In den Versen 17 und 18 spricht der Herr Jesus nochmals über sein Zeugnis. Weil es durch das Zeugnis seines Vaters bestätigt wird, entspricht es den Anforderungen des Gesetzes und verpflichtet die Juden, es anzunehmen. Doch sie wollen nicht an Ihn glauben. Weil sie innerlich weit von Gott entfernt sind, erkennen sie nicht, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, den der Vater als Mensch auf die Erde gesandt hat. Als Folge davon erkennen sie auch den Vater nicht.

Alles ist in der Hand des Sohnes Gottes. Darum können Ihm die ungläubigen Juden noch nichts antun.

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Der Sohn und der Vater

Zwischen dem Herrn Jesus und den ungläubigen Juden gibt es keine Gemeinsamkeit und keine Verbindung mehr. Weil sie Ihn als Messias verwerfen, kündigt Er seine Rückkehr zum Vater an. Dorthin können sie Ihm nicht folgen, weil sie weder an Ihn noch an seinen Vater glauben.

Die Juden zeigen in ihrer Gesinnung und in ihrem Verhalten ihre moralische Beziehung zum Teufel (Vers 44) und ihre Zugehörigkeit zur Welt. Im Gegensatz zu ihnen steht Jesus Christus mit dem Himmel in Verbindung und gehört nicht zur gottlosen Welt.

Weil die Juden nicht an Ihn glauben wollen, fragen sie Ihn: «Wer bist du?» Seine Antwort stellt einen wichtigen Grundsatz ans Licht: Seine Person und seine Worte sind völlig übereinstimmend. Er verkündet eine Botschaft von Gott und ist zugleich auch Gott.

Als der Gesandte des Vaters redet Jesus Christus nur das, was Dieser Ihm aufgetragen hat. So vollkommen ist seine Abhängigkeit als Mensch von Gott! Wegen ihres Unglaubens verstehen die Juden nicht, dass Er von Gott, dem Vater, zu ihnen spricht. Erst wenn der Sohn des Menschen durch ihre Bosheit am Kreuz hängen wird, werden sie erkennen (nicht glauben), dass Er wirklich im Auftrag des Vaters gehandelt und gepredigt hat. Doch dann wird es zu spät sein, weil sie Ihn verworfen und gekreuzigt haben.

Wenn diese religiösen Menschen Jesus Christus auch ablehnen, so ist doch sein Vater bei Ihm und anerkennt sein vollkommenes Verhalten. Alles, was der Herr tut, findet die volle Zustimmung des Vaters!

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Der Sohn macht frei

In den Versen 31 und 32 geht es um die Wirkung eines echten Glaubens: Der Mensch nimmt das Wort des Sohnes Gottes bereitwillig auf und lässt die Wahrheit auf Herz und Gewissen wirken. Dadurch anerkennt er die Autorität des Herrn. Das hat zwei positive Folgen für ihn:

  1. Durch die vorbehaltlose Aufnahme des Wortes Gottes und den Wunsch, es zu verwirklichen, bekommt er Verständnis über die göttliche Wahrheit.
  2. Weil er die Wahrheit über seinen sündigen Zustand akzeptiert und seine Zuflucht zum Heiland nimmt, wird er von der Sklaverei der Sünde befreit.

Darauf behaupten die ungläubigen Juden, sie seien nie jemandes Knechte gewesen. In ihrem religiösen Stolz vergessen sie die traurige Geschichte ihres Volkes und ihre aktuelle politische Situation. Sie leben unter der Herrschaft Roms.

In seiner Antwort geht der Herr sofort zum Kern der Sache: «Jeder, der die Sünde tut, ist der Sünde Knecht.» Das ist der Zustand jedes Menschen, der die erlösende Macht des Sohnes Gottes noch nicht erfahren hat. Da hilft auch das Gesetz nichts.

Die Juden sind Knechte im Haus. Sie befinden sich äusserlich nahe bei Gott. Wenn sie jedoch nicht an den Sohn Gottes glauben, der sie von der Sünde und dem Gesetz befreien kann, werden sie nicht im Haus bleiben, sondern fortgeschickt werden. Jesus Christus ist der Sohn, der zum Haus gehört, weil Er als Sohn immer in Gottes Nähe ist. Aufgrund seines Erlösungswerks kann Er Menschen, die Sklaven der Sünde sind, frei machen und sie in eine geordnete Beziehung zu Gott bringen.

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Der Teufel – ein Mörder und Lügner

Die Juden sind stolz, dass sie Nachkommen Abrahams sind. Doch sie offenbaren ganz andere Merkmale als ihr Vorfahre. Darum sind sie nicht seine echten Kinder. Abraham hat die Wahrheit im Glauben angenommen. Sie hingegen weisen die göttliche Wahrheit im Herrn Jesus entschieden zurück. Ihre Ablehnung gegen Gott geht so weit, dass sie Christus töten wollen. Ihre Mordabsichten offenbaren, dass der Teufel ihr geistlicher Vater ist. Sie sind von ihm inspiriert.

In ihrem religiösen Stolz verletzt, greifen die Juden den Herrn mit bösen und unwahren Worten an. Sie verlästern das Wunder, dass Er von einer Jungfrau geboren worden ist, und bestehen auf ihrer äusseren Beziehung zu Gott. Weil sie Christus verwerfen, den der Vater zu ihnen gesandt hat, liefern sie einen klaren Beweis, dass sie weder an Gott glauben noch Ihn lieben.

In Vers 44 weist der Herr auf die beiden Hauptmerkmale des Teufels hin: Er ist ein Menschenmörder und ein Lügner. Die ungläubigen Juden offenbaren genau diese beiden Kennzeichen: Sie wollen Jesus Christus töten (Vers 40) und leugnen ihren wahren Zustand (Vers 33). Dadurch zeigen sie klar, dass sie Kinder des Teufels sind. Unter seinem Einfluss entfalten sie seine Begierden und tun seine Werke.

Diese Juden haben keine echte Glaubensbeziehung zu Gott. Darum lehnen sie die Worte Gottes ab, die Jesus Christus zu ihnen redet. Wer jedoch neues Leben besitzt, liest gern in der Bibel und hört bereitwillig der Verkündigung des Wortes zu.

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Der Sohn Gottes ist grösser als Abraham

Der Widerstand der Juden gegen die Worte des Herrn nimmt zu. Sie greifen Ihn direkt an und behaupten, Er sei ein Samariter und habe einen Dämon. Damit sprechen sie Ihm seine Volkszugehörigkeit zu Israel und seine himmlische Herkunft ab. Was für eine freche und schreckliche Äusserung!

Jesus weist diese Behauptung mit einem Satz zurück und unterstreicht im weiteren Verlauf des Gesprächs drei wichtige Tatsachen:

  1. Die Tragweite seiner Worte: Weil Er Gottes Wort redet, ist es für alle entscheidend, ob sie Ihm glauben oder nicht. Wer sein Wort aufnimmt und es im Glauben festhält, bekommt ewiges Leben. Der leibliche Tod ist für ihn nur das Tor zum ewigen Glück (Vers 51).
  2. Seine Beziehung zum Vater: Als der eingeborene Sohn ist Er im Schoss des Vaters und wird von Ihm geliebt. Diese Beziehung zum Vater und diese Kenntnis vom Vater will der Herr Jesus nicht leugnen, auch wenn Er dadurch von den ungläubigen Juden gehasst wird (Vers 55).
  3. Sein Vorrang vor Abraham: Gott hat Abraham die Verheissung gegeben, dass in seinem Nachkommen einmal alle Nationen der Erde gesegnet werden (1. Mose 22,18). Das ist eine direkte Voraussage auf Jesus Christus. Abraham hat sich auf den Tag gefreut, an dem Christus diese hohe Stellung auf der Erde einnehmen und allen Menschen Segen bringen wird (Vers 56). Es gibt jedoch eine Herrlichkeit, die den Herrn Jesus über Abraham stellt: Als der ewige Sohn Gottes hatte Er schon existiert, bevor Abraham geboren wurde.

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Der Herr heilt den Blindgeborenen

In Kapitel 8 haben die Juden die Worte des Herrn abgelehnt. In Kapitel 9 weisen sie nun seine Werke ab.

Als Jesus mit seinen Jüngern an einem Blindgeborenen vorübergeht, wollen sie wissen, was die Ursache seiner Blindheit ist: «Wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde?» Sie sind der Meinung, dass diese schwere Behinderung eine Strafe für Sünden sein muss. Der Herr weist solche falschen Überlegungen – die auch heute tief im Menschen verwurzelt sind – sofort zurück: «Weder dieser hat gesündigt noch seine Eltern, sondern damit die Werke Gottes an ihm offenbart würden.»

Das Elend dieses blinden Mannes widerspiegelt ausnahmslos die Situation aller Menschen. Sie sind geistlich blind und können weder ihren eigenen Zustand noch die Herrlichkeit Gottes erkennen. So nimmt der Sohn Gottes den schlimmen Zustand dieses Blindgeborenen zum Anlass, um durch ein Werk der Gnade zu zeigen, dass Er der Gesandte des Vaters und das Licht der Welt ist. Wer an Ihn glaubt, nimmt das göttliche Licht an, wird sehend und bekommt ewiges Leben.

Bei den Nachbarn löst die Heilung des Blinden eine Diskussion aus. Ist das nicht eine gut bekannte Reaktion der Menschen, die eine Veränderung im Leben von Jungbekehrten feststellen, aber selbst nicht an den Herrn Jesus glauben?

Der Geheilte legt ein schlichtes Zeugnis von dem ab, was der Heiland an ihm getan hat. Er weiss noch nicht viel über Jesus Christus, aber er schreibt Ihm seine Heilung vollständig zu.

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Der Widerstand der Pharisäer

Die Nachbarn bringen den Geheilten zu den Pharisäern. Nun steht er als starker Beweis der göttlichen Macht und Gnade, die in Jesus Christus wirken, vor diesen religiösen Menschen. Doch sie wollen dieses Werk nicht anerkennen, weil sie den Herrn Jesus als ihren Messias ablehnen. Darum erklären sie von Ihm: «Dieser Mensch ist nicht von Gott, denn er hält den Sabbat nicht.» Mit dieser Behauptung kommen sie jedoch nicht weit. Die Heilung eines Blindgeborenen ist ein eindrucksvolles Wunder, das kein sündiger Mensch vollbringen kann.

Als Verwirrung und Zwiespalt unter den Juden entsteht, befragen sie wieder den Geheilten. Sie suchen mit allen Mitteln, das göttliche Wunder auf ein menschliches Niveau herabzuziehen. Es gelingt ihnen nicht. Der Blinde erklärt: «Er ist ein Prophet.» Damit bezeugt er, dass dieses Zeichen einen göttlichen Ursprung hat.

In Vers 18 gehen die Gegner der Wahrheit noch einen Schritt weiter: Sie glauben nicht, dass der Mann wirklich blind geboren worden ist. Diese Meinung hält aber den Tatsachen nicht stand, denn die Eltern müssen bestätigen: «Wir wissen, dass dieser unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde.» Mehr wagen sie nicht zu sagen, denn sie fürchten sich vor den Sanktionen der religiösen Führerschaft.

Wie deutlich treten Hass und Widerstand der Juden gegen Christus zutage! Sie schliessen jeden, der sich zum Herrn Jesus bekennt, aus der Synagoge aus. Damit entlarven sie sich als Werkzeuge des Feindes Gottes.

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Das Zeugnis des Blindgeborenen

Mitten im Trommelfeuer der Befragungen leuchtet das schlichte Zeugnis des geheilten Blinden auf. Während er mutig seinen Heiland vor den ungläubigen Juden bezeugt, wächst seine Glaubensüberzeugung ständig.

Zuerst bestätigt er einfach: «Eins weiss ich, dass ich blind war und jetzt sehe.» Unbeirrt hält er an seiner Heilung fest. Später merkt er, dass bei den Juden etwas nicht stimmt. Warum befragen sie ihn mehrmals über die Heilung? Wollen sie etwa auch Jünger des Herrn Jesus werden?

In Vers 30 drückt der Geheilte sein Erstaunen über die Schwierigkeiten der ungläubigen Juden aus. Eigentlich ist doch alles ganz einfach. Für ihn steht zweierlei fest:

  1. Gott muss die Quelle dieser Heilung sein, denn noch nie hat ein Mensch die Augen eines Blindgeborenen aufgetan.
  2. Gott wirkt solche Zeichen nur durch Menschen, die gottesfürchtig leben und seinen Willen tun.

Beides trifft auf Jesus Christus zu, der dieses Wunder aus der Gemeinschaft mit Gott gewirkt hat.

Die Juden sind über diese offenen und wahren Worte empört, weil ihr Unglaube dadurch blossgestellt wird. In ihrem Widerstand gegen das göttliche Licht kommen sie genau zu dem verkehrten Schluss, den der Herr am Anfang des Kapitels zurückgewiesen hat: «Du bist ganz in Sünden geboren, und du lehrst uns?» Dann setzen sie dem Gespräch ein Ende und spielen ihre religiöse Macht aus, indem sie den Mann hinauswerfen.

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Glaubst du an den Sohn Gottes?

In den Versen 35-38 trifft der Hinausgeworfene (der geheilte Blinde) mit dem Verworfenen (dem Heiland) zusammen. Beide haben wegen ihres mutigen Zeugnisses für Gott den Hass und die Ablehnung der religiösen Welt erfahren.

Ausserhalb des Judentums führt der Hirte sein Schaf in die Gemeinschaft mit sich. Er offenbart sich dem Geheilten als Sohn Gottes und zeigt ihm so seine Grösse und Herrlichkeit:

  • Er ist der Anziehungspunkt der Erlösten, die sich gern seiner Autorität unterstellen.
  • Er gibt dem Glaubensleben das richtige Ziel und den wirklichen Inhalt.
  • Seine Person ist würdig, Ehre und Anbetung zu bekommen.

Der Mann versteht die Tragweite dieser Offenbarung sofort. Er bleibt beim Sohn Gottes und betet Ihn an.

Das Kommen des Herrn Jesus in die Welt bedeutet für die einen Gnade und für die anderen Gericht:

  • Die Nichtsehenden sind solche, die demütig ihren verlorenen Zustand anerkennen und an den Sohn Gottes glauben. Ihnen schenkt Er Licht, damit sie seine Herrlichkeit erkennen. Sie empfangen die Gnade, die durch sein Kommen erschienen ist.
  • Die Sehenden sind religiöse Menschen, die sich auf ihre Bibelkenntnis etwas einbilden, aber ihre eigene Verdorbenheit nicht wahrnehmen wollen. Wenn sie den Sohn Gottes ablehnen, werden sie noch mehr verblendet. In diesem Sinn hat sein Kommen für sie Gericht zur Folge.

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Der Hirte geht durch die Tür ein

Der Herr Jesus spricht hier in einem Gleichnis: Der Hof der Schafe ist der Bereich der jüdischen Nation. Die Mauer spricht von den Verordnungen des Gesetzes, die das Volk Israel von den Nationen unterschieden und trennten. Die Tür zu diesem Schafhof stellt den rechtmässigen Eingang des verheissenen Messias dar. Räuber sind Menschen, die einen unberechtigten Anspruch erhoben, Hirten und Führer in Israel zu sein.

Jesus Christus ging als rechtmässiger Hirte durch die Tür in den Schafhof hinein. Er erfüllte die Voraussagen des Alten Testaments über den Messias und trat nach Gottes Willen durch die Tür zu seinem Volk ein. Die Schafe hörten seine Stimme, als Er in den Städten und Dörfern Israels predigte. Zu den Menschen, die seine Botschaft annahmen und an Ihn glaubten, ging Er eine persönliche Beziehung ein: Er rief sie mit Namen (Jesaja 43,1). Das Volk lehnte Ihn im Allgemeinen ab und kam dadurch unter das Gerichtsurteil Gottes. Als Folge davon führte der Hirte die Glaubenden aus dem Judentum heraus. Diese Tatsache wird in Lukas 24,50 angedeutet, als Er nach seiner Auferstehung die Jünger aus Jerusalem nach Bethanien hinausführte.

Nun geht der Hirte vor seinen Schafen her, um sie auf dem Glaubensweg zu führen und sie vor den Gefahren der Welt zu beschützen. Im tiefen Vertrauen auf seine Liebe und Macht folgen Ihm die Schafe. Weil sie Ihn kennen, wie Er in Gnade und Wahrheit zu ihnen spricht, wenden sie sich von jeder fremden Stimme ab. Je besser sie im Wort Gottes unterrichtet sind, desto klarer können sie ungute Einflüsse erkennen und ablehnen.

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Ich bin die Tür! Ich bin der gute Hirte!

Der Sohn Gottes besass die Autorität, glaubende Menschen aus dem Judentum – das einst von Gott gegeben war – herauszuführen. Darum erklärt Er in Vers 7: «Ich bin die Tür der Schafe.» In Vers 9 sagt Jesus Christus nochmals: «Ich bin die Tür.» Hier ist Er das Mittel, um die Glaubenden in den christlichen Bereich einzuführen. Jeder Mensch, der an Ihn glaubt, geht durch diese Tür und bekommt drei Geschenke:

  1. Die christliche Errettung: Er ist vor der ewigen Strafe in Sicherheit, wird auf seinem Lebensweg bewahrt und erreicht bestimmt das himmlische Ziel.
  2. Die christliche Freiheit: Der Erlöste lebt nicht unter dem gesetzlichen Joch, sondern in der Freiheit der Gegenwart des Hirten.
  3. Die christliche Nahrung: Der Glaubende bekommt beim Hirten aus dem Wort Gottes eine reichhaltige Nahrung zum Wachstum und zur Freude.

In den Versen 10 und 11 wird der gute Hirte dem Dieb gegenübergestellt. Der Dieb nimmt, was ihm nicht gehört, um es zu verderben. Der gute Hirte hingegen gibt seinen Schafen, was sie nicht verdient haben, und lässt dafür sein Leben.

Die Verse 12-15 zeigen den Gegensatz zwischen dem guten Hirten und einem Mietling, der für Geld die Schafe hütet. Dem Mietling gehören die Schafe nicht. Darum flieht er, wenn Gefahr droht, und kümmert sich nicht um das Wohl der Herde. Ganz anders der gute Hirte: Ihm gehören die Schafe. Er liebt und kennt sie alle persönlich. Weil Er sein Leben für sie gelassen hat, schützt Er seine Schafe vor Gefahren.

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Sein Tod und seine Auferstehung

Die Schafe, die der Hirte aus dem Hof herausführt, sind die Glaubenden aus dem Volk Israel. Doch der Herr besitzt noch andere Schafe, die nicht aus diesem Hof sind: die Erlösten aus den Nationen, die keinen Bezug zum Judentum haben. Auch diese Menschen folgen dem Ruf des Heilands und werden in den christlichen Segen eingeführt. Sie bilden mit den Glaubenden aus den Juden eine Herde, die Versammlung Gottes. Der Herr Jesus ist der Mittelpunkt der Erlösten. Seine Person hält das himmlische Volk Gottes zusammen.

In den Versen 17 und 18 spricht Er über seinen Tod am Kreuz. Wir erkennen drei Schwerpunkte:

  1. Jesus Christus gab sein Leben freiwillig in den Tod, um seinen Vater zu ehren und seine Schafe zu erretten. Diese freiwillige Hingabe war für den Vater ein weiterer Grund, Ihn zu lieben.
  2. Der Sohn Gottes liess sein Leben in eigener Machtvollkommenheit. Weil Er Macht über Leben und Tod besass, ist Er nach drei Tagen selbst aus den Toten auferstanden.
  3. Sein Tod am Kreuz zeigte seinen vollkommenen Gehorsam gegenüber dem Vater, der Ihm den Auftrag gegeben hat, das Erlösungswerk zu erfüllen.

Die Verse 19-21 lassen die Verlegenheit der Juden erkennen. Einerseits sagt ihnen die Vernunft: «Diese Reden sind nicht die eines Besessenen; kann etwa ein Dämon der Blinden Augen auftun?» Anderseits sind ihre starken Vorurteile gegen den Herrn Jesus ein zu grosses Hindernis, um seine Botschaft bereitwillig anzunehmen und an Ihn zu glauben.

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Meine Schafe

Das Fest der Tempelweihe ist nicht von Gott im Gesetz angeordnet, sondern von den Juden eingeführt worden. An diesem Fest stellen sie den Herrn Jesus zur Rede und wollen endlich wissen, ob Er der Christus ist. Wir erkennen darin ihren hartnäckigen Unglauben. Hat Er ihnen nicht durch seine Worte und seine Werke deutlich gezeigt, dass Er im Auftrag seines Vaters zu ihnen gekommen ist? Weil sie nicht an Ihn glauben wollen, gehören sie nicht zu seinen Schafen.

In Vers 27 stellt der Herr drei Eigenschaften der Glaubenden vor, die im Gegensatz zum Verhalten der ungläubigen Juden stehen:

  • «Meine Schafe hören meine Stimme.» Sie nehmen seine Worte bereitwillig auf.
  • «Ich kenne sie.» Zwischen dem guten Hirten und seinen Schafen besteht eine persönliche Beziehung.
  • «Sie folgen mir.» Die Schafe überlassen dem Herrn die Führung ihres Lebens und gehorchen Ihm.

Vers 28 beschreibt den Segen und die Sicherheit, die alle Erlösten besitzen. Der Herr Jesus gibt ihnen ewiges Leben, damit sie jetzt und in der Zukunft Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn haben können. Gleichzeitig sichert Er ihnen zu, dass sie für Zeit und Ewigkeit in seiner Hand geborgen sind. – Die Glaubenden können auch mit der Fürsorge des Vaters rechnen. Er ist grösser und mächtiger als alles. Darum gibt es niemand, der die Schafe des guten Hirten aus der Hand des Vaters rauben kann. Ausserdem besteht zwischen dem Vater und dem Sohn sowohl im Denken als auch im Handeln eine vollkommene Übereinstimmung.

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Ich bin Gottes Sohn

Aus Vers 30 erkennen die Zuhörer sofort, dass sich Jesus Christus auf die gleiche Stufe mit Gott, dem Vater, stellt. Doch die Juden wollen Ihn nicht als Sohn Gottes anerkennen. Darum legen sie seine Worte als Lästerung aus und heben Steine auf, um Ihn zu töten.

Der Herr hat viele gute Werke getan. Sie zeigen nicht nur seine Güte und sein Erbarmen gegenüber Menschen, die unter den Folgen der Sünde leiden. Sie beweisen auch, dass Er der Mensch gewordene Sohn Gottes ist. Die Juden übergehen jedoch bewusst diesen deutlichen Beweis seiner Gottheit und beschuldigen Ihn der Lästerung.

Trotz ihrer Feindschaft nimmt der Herr nochmals das Gespräch mit ihnen auf. Er zeigt ihnen aus dem Alten Testament, dass in der Bibel Männer mit einer besonderen Stellung im Volk Israel «Götter» genannt werden. Wie viel mehr hat Er das Recht, als Sohn Gottes anerkannt zu werden, da Er in der Ewigkeit vom Vater dazu bestimmt worden ist, in die Welt zu kommen! Seine Sendung besiegelt also, dass Er der ewige Sohn Gottes ist. Zudem zeugen seine Werke, die nur einen göttlichen Ursprung haben können, von der ewigen Beziehung zwischen dem Vater und dem Sohn.

Als sie Jesus verhaften wollen, entfernt Er sich auf die andere Seite des Jordan. Die Menschen, die Ihn dort aufsuchen, bezeugen, dass Johannes der Täufer die Wahrheit über Christus gesagt hat. Damit wird seine Gottessohnschaft nochmals bestätigt (Johannes 1,34). Obwohl Ihn die religiöse Führungsschicht in Israel ablehnt, glauben viele an Ihn (Johannes 7,31; 8,30).

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Lazarus wird krank und stirbt

Die Krankheit von Lazarus ist für ihn und seine Schwestern eine schwere Prüfung. Wie gut, dass sie mit ihrer Not zu Jesus Christus gehen! Die Botschaft, die sie Ihm in Vers 3 ausrichten lassen, zeugt von ihrem Glauben an seine Liebe und Macht.

Die Verse 4-6 beschreiben eine dreifache Reaktion des Herrn Jesus:

  1. Er weist auf das Ziel dieser Prüfung hin: Es ist nicht der Tod, sondern die Verherrlichung Gottes.
  2. Weil Er alle drei Geschwister von Bethanien liebt, bewegt Ihn die Not, die sie getroffen hat.
  3. Dennoch geht Er nicht sofort zu ihnen, denn Er handelt nur, wenn der Vater Ihm einen Auftrag gibt.

Als Jesus sich nach zwei Tagen aufmacht, um nach Bethanien zu gehen, wollen Ihn die Jünger aus Furcht vor den Juden davon abhalten. Doch Er erklärt ihnen: Wer den Willen Gottes tut, der geht seinen Lebensweg am hellen Tag. Er lebt im Licht Gottes und braucht sich vor den Gefahren nicht zu fürchten.

In Vers 11 betrachtet der Herr den Tod von Lazarus aus göttlicher Sicht. In seinen Augen ist der Gestorbene nur eingeschlafen oder entschlafen. Als die Jünger seine Aussage falsch verstehen, stellt Er ihnen die menschliche Sicht vor: «Lazarus ist gestorben.»

Die Auferweckung von Lazarus hat auch im Blick auf die Jünger ein Ziel. Sie sollen erkennen und glauben, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der Macht über den geistlichen und leiblichen Tod hat. Thomas zeigt trotz seiner Furcht vor den Feinden des Herrn, dass er Ihn liebt und Ihm folgen will.

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Ich bin die Auferstehung und das Leben!

Als Jesus nach Bethanien kommt, liegt Lazarus schon vier Tage in der Gruft. Damit ist sein Tod völlig bestätigt. Die vielen Juden, die zu Martha und Maria gekommen sind, sollen Zeugen der Auferstehungsmacht des Sohnes Gottes sein. Martha geht sofort zum Herrn. Ihre Worte in Vers 21 offenbaren ihren Glauben an seine Macht zur Heilung von Kranken und vielleicht einen leisen Vorwurf, warum Er nicht früher gekommen ist. Sie erkennt in Jesus den Messias, dem Gott alle Bitten erfüllt. Sie glaubt auch an eine allgemeine Auferstehung in der Zukunft (Daniel 12,13). Doch vor ihr steht der Sohn Gottes, der von sich sagen kann:

  1. «Ich bin die Auferstehung.» Er kann Menschen, die moralisch tot sind, aber an Ihn glauben, geistlich auferwecken. Er versetzt sie von der Stellung der Sünder in die Stellung der Erlösten (Epheser 2,6). Ausserdem besitzt Er die Macht, die entschlafenen Glaubenden bei der Entrückung aus dem Tod aufzuerwecken (1. Thessalonicher 4,16).
  2. «Ich bin das Leben.» Der Sohn Gottes kann Menschen, die an Ihn glauben, durch die Neugeburt geistlich lebendig machen (Epheser 2,5). Zudem wird Er den Körper der Glaubenden, die bei seinem Kommen zur Entrückung auf der Erde leben, mit göttlicher Macht verwandeln, so dass sie nie mehr sterben können (1. Korinther 15,52.53).

Martha kann die Worte des Herrn nicht fassen, dennoch hält sie im Glauben an Ihm fest. Sie spürt, dass ihre Schwester den Herrn Jesus besser verstehen wird. Darum erklärt sie ihr: «Der Lehrer ist da und ruft dich.»

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Jesus vergoss Tränen

Maria steht schnell auf und geht zu ihrem Herrn. Ihr Herz zieht sie zu Ihm, denn die Trauer lastet schwer auf ihrer Seele. Sie fällt Ihm zu Füssen und unterordnet sich so seinem Handeln, ohne es zu verstehen. Wie ihre Schwester leidet sie unter der Last des Todes und kennt die Hoffnung der Auferstehung nicht. Darum ist sie in ihrer Not völlig ratlos. Aber sie nimmt demütig den Platz zu den Füssen des Herrn Jesus ein und schüttet Ihm vertrauensvoll ihr Herz aus: «Herr, wenn du hier gewesen wärest, so wäre mein Bruder nicht gestorben.»

Als Jesus sieht, welches Leid der Tod in diese Familie gebracht hat, seufzt Er tief im Geist. Er sieht das Elend, das die Sünde und der Tod unter diesen Menschen angerichtet hat. Seine Tränen bezeugen sein tiefes Mitgefühl für die geprüften und trauernden Schwestern.

Christus lebt jetzt im Himmel. Doch sein Herz hat sich nicht verändert. Auch heute empfindet Er mit, wenn Glaubende am Grab eines geliebten Angehörigen dem Tod als Folge der Sünde gegenüberstehen. Wie bewegt es Ihn, dass Menschen, die Ihm angehören, krank werden und sterben!

Die Reaktion der Juden in Vers 37 macht Folgendes deutlich: Die Menschen glaubten damals, dass Jesus durch die Heilung der Krankheit vor der Macht des Todes retten konnte. Aber sie wussten nicht, dass es Ihm auch möglich war, durch die Auferweckung eines Gestorbenen aus der Macht des Todes zu retten.

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Lazarus, komm heraus!

Als Jesus zur Gruft kommt, sagt Er: «Nehmt den Stein weg!» Damit will Er klarmachen, dass Er für diese Not eine Lösung hat. Nun kann Martha ihren Unglauben nicht verbergen. Der Tod ist wirklich eingetreten und die Verwesung hat bereits begonnen. Wer kann jetzt noch helfen? Die Antwort des Herrn in Vers 40 geht sehr weit: Der Glaube sieht in der menschlichen Unmöglichkeit eine besondere Gelegenheit zur Entfaltung der Herrlichkeit Gottes!

Als abhängiger Mensch hebt Jesus seine Augen empor und betet zum Vater. Er kann im Voraus für die Erhörung danken, denn seine Bitte entspricht vollkommen dem Willen Gottes und hat nur die Verherrlichung des Vaters zum Ziel. Dann offenbart der Sohn Gottes seine Macht über den Tod. Mit Autorität ruft Er: «Lazarus, komm heraus!» Da wird der Verstorbene lebendig und verlässt die Gruft.

Wir erkennen hier die klare Illustration einer geistlichen Wahrheit: Menschen, die geistlich tot sind, bekommen durch die Neugeburt ewiges Leben. Das ist ein Werk göttlicher Macht an allen, die an den Herrn Jesus glauben. Der Mensch kann nichts dazu beitragen.

Die Aufforderung «Macht ihn los und lasst ihn gehen!» hat auch eine geistliche Bedeutung. Der Herr möchte, dass wir jungbekehrten Menschen helfen, die schlechten Gewohnheiten des alten Lebens abzulegen und in der Kraft des Geistes zur Ehre Gottes zu leben. Wie wichtig ist da eine einfache Unterweisung im Wort Gottes, damit Christen, die am Anfang des Glaubensweges stehen, geistliche Fortschritte machen können.

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Warum Jesus sterben muss

Nachdem die Nachricht von der Auferweckung des Lazarus die Ohren der Pharisäer erreicht hat, versammelt sich das Synedrium zur Beratung. Obwohl ein klarer Beweis von der göttlichen Macht des Herrn Jesus vorliegt, bleiben ihre Herzen und Gewissen unberührt. Sie verharren in ihrer Feindschaft und denken nur an ihre nationale Wichtigkeit. Sie fürchten, dass die Demonstration einer solchen Macht die Römer auf den Plan rufen wird.

Der Hohepriester Kajaphas ist der Meinung, dass der Tod Jesu das Problem einer Bedrohung von Seiten der römischen Besatzungsmacht lösen wird. Er will den Herrn, der durch seine Zeichen die Gunst des Volkes auf sich zieht, mit allen Mitteln beseitigen. Seine Worte, die eine Prophezeiung darstellen, haben jedoch aus göttlicher Sicht eine andere Bedeutung: Der Mensch Jesus Christus muss für das Volk Israel sterben, damit diese Nation nicht völlig vernichtet wird, sondern in einem gläubigen Überrest eine herrliche Zukunft hat.

Der Evangelist Johannes fügt hinzu, dass der Tod des Herrn Jesus noch eine andere Wirkung hat: Auf der Grundlage seines Erlösungswerks sind die Kinder Gottes an Pfingsten in eins versammelt worden. Seither bilden sie gemeinsam die Versammlung des lebendigen Gottes.

Weil die jüdische Führerschaft die feste Absicht hat, Jesus zu töten, kann Er nicht mehr öffentlich auftreten. Er zieht sich zurück, bis seine Stunde kommt, an der Er am Kreuz als das wahre Passahlamm sein Leben lässt. Inzwischen reisen viele Juden für das Passahfest nach Jerusalem.

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Maria salbt den Sohn Gottes

Der Herr kam sechs Tage vor dem Passah nach Bethanien. Das Abendessen, das Ihm dort bereitet wurde, spricht bildlich vom Zusammenkommen als Versammlung. Die Geschwister zeigen drei Merkmale, die die Glaubenden prägen sollen, wenn sie im Namen des Herrn versammelt sind:

  • Bei Lazarus, der mit Jesus zu Tisch liegt, finden wir das Bewusstsein der Gemeinschaft.
  • Martha ist in ihrer dienenden Gesinnung für die Anwesenden besorgt.
  • Als Maria die Füsse des Sohnes Gottes salbt, offenbart sie den Geist der Anbetung.

Weil Maria dem Wort des Herrn zugehört hat, handelt sie jetzt mit bemerkenswerter Einsicht und voller Hingabe an Ihn. Sie nimmt ein sehr kostbares Salböl und salbt die Füsse Jesu rechtzeitig zu seinem Begräbnis.

Wir erkennen ausserdem einen grossen Kontrast: In dem Mass, wie sich der Hass der Juden steigert, nimmt die Liebe von Maria zu ihrem Herrn zu. Als die Feindschaft immer deutlicher zutage tritt, zeigt sie Ihm ihre Zuneigung mit dieser Salbung.

Judas Iskariot, der seine habsüchtige Einstellung kaum verbergen kann, spricht von Verschwendung. Doch das ist nicht wahr! Bedenken wir: Nichts, was für den Herrn Jesus getan wird, ist Vergeudung!

Weil sich eine grosse Volksmenge für die Auferweckung des Lazarus interessiert, wollen die Hohenpriester auch ihn töten, um den Beweis der göttlichen Allmacht des Herrn aus dem Weg zu schaffen.

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Der Herr zieht in Jerusalem ein

Das grosse Wunder der Auferweckung von Lazarus beschäftigt die Leute immer noch. Als sie hören, dass Jesus nach Jerusalem komme, gehen sie Ihm entgegen, um Ihn als König von Israel zu begrüssen.

In den ersten drei Evangelien wird vor allem beschrieben, was die Jünger bei seinem Einzug in Jerusalem tun. Bei Johannes hingegen steht mehr die Volksmenge im Vordergrund, die dem Herrn zuruft: «Hosanna! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König Israels!» Trotz der Verwerfung seines Sohnes sorgt Gott dafür, dass Er unter zwei Titeln öffentlich bestätigt wird:

  1. Die Auferweckung des Lazarus hat Ihn klar als Sohn Gottes bezeugt. Dieses Zeugnis wird von der Volksmenge verbreitet (Vers 17).
  2. Durch den königlichen Einzug in Jerusalem soll Er als Sohn Davids anerkannt werden. Wieder ist es die Volksmenge, die Ihm diese Ehre gibt (Verse 12.13).

Es erfüllt sich die Prophezeiung aus Sacharja 9,9, wobei die Aussage über die Rettung Israels weggelassen wird. Diese Befreiung kann zu diesem Zeitpunkt nicht Wirklichkeit werden, weil der Retter abgelehnt wird.

Damals fehlte den Jüngern das Verständnis, die Voraussage des Propheten mit dem aktuellen Ereignis in Verbindung zu bringen. Erst als Christus im Himmel verherrlicht war und der Geist Gottes in den Glaubenden auf der Erde wohnte, erkannten sie den Zusammenhang. Ist dies nicht ein deutliches Beispiel dafür, dass sie den Heiligen Geist brauchten, um das Wort Gottes zu verstehen (Johannes 14,26; 16,13)?

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Wir möchten Jesus sehen

Einige Griechen, die zum Fest nach Jerusalem gekommen sind, wenden sich mit der Bitte an Philippus: «Herr, wir möchten Jesus sehen.» Nun ist es seine Aufgabe, diese Menschen zum Herrn zu führen. Doch er tut es nicht allein, sondern schaltet seinen Mitjünger Andreas ein, der bereits Erfahrungen in diesem Dienst gemacht hat (Johannes 1,42). Gemeinsam bringen sie die Griechen zum Herrn Jesus.

Die Griechen möchten die Herrlichkeit des Messias sehen, der gerade als bejubelter König in Jerusalem eingezogen ist. Doch Jesus stellt sich ihnen in der Herrlichkeit als Sohn des Menschen vor. Das hat zwei Gründe:

  • Erstens wird Er bald als König Israels definitiv verworfen und gekreuzigt werden.
  • Zweitens haben die Griechen kein Anrecht auf die Verheissungen des Volkes Israel.

Der Herr spricht von seinem Tod, der die Grundlage einer neuen Ordnung ist. Er muss als das Weizenkorn in die Erde fallen und sterben, damit Er nicht allein bleibt, sondern sich mit erlösten Menschen verbinden kann. Nach seiner Auferstehung nennt Er die Glaubenden seine Brüder. Sie werden in der Zukunft als Miterben an seiner Herrlichkeit teilhaben.

Ein Jünger, der dem Herrn Jesus nachfolgen will, muss bereit sein, sein irdisches Leben für Christus und für eine herrliche Zukunft mit Ihm aufzugeben (Vers 25). Als Ansporn sichert ihm der Herr einen Platz im Haus des Vaters zu: «Wo ich bin, da wird auch mein Diener sein» (siehe Johannes 14,3).

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Glaubt an das Licht!

In Vers 27 hat der Herr Jesus die schweren Leiden seines Sühnungstodes gedanklich vor sich. Seine Seele ist erschüttert, wenn Er an das göttliche Gericht denkt, das Ihn treffen wird. Obwohl Er diese Leiden im Voraus tief empfindet, ist Er bereit, sein Leben zu opfern. Sein höchster Beweggrund, der Ihn auch jetzt leitet, ist die Verherrlichung des Vaters.

Der Vater hat seinen Namen verherrlicht, als der Sohn Gottes Lazarus auferweckt hat. Bei der Auferweckung des Herrn Jesus wird der Vater nochmals seine Herrlichkeit entfalten (Römer 6,4).

Die Stimme des Vaters aus dem Himmel ist für die Menschen, die den Herrn Jesus umgeben, ein fassbares Zeichen der Gnade Gottes. Dadurch können sie erkennen, dass Christus der Gesandte des Vaters ist. – Ab Vers 31 spricht Er über seinen Kreuzestod:

  • Weil die Welt mit seiner Verwerfung Gott und seine Gnade ablehnte, wurde sie endgültig verurteilt. Seither steht sie unter dem göttlichen Gerichtsurteil.
  • Am Kreuz wurde der Teufel besiegt. Seine Macht ist nun gebrochen. Bald wird er gerichtet werden.
  • Der gekreuzigte Heiland ist für alle Menschen, die gerettet werden möchten, der Anziehungspunkt. Bei Ihm finden sie Vergebung der Sünden.

Als seine Zuhörer meinen, der Messias werde für immer auf der Erde bleiben, warnt der Herr sie: Noch eine kleine Zeit bin Ich als das Licht bei euch. Das ist für sie die Gelegenheit, an Ihn zu glauben. Wenn sie Ihn ablehnen, wird es in ihrem Leben dunkel.

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Die Juden verhärten sich

Dieser Abschnitt ist wie eine Zusammenfassung der Situation in Israel kurz vor der Kreuzigung des Herrn Jesus.

Die meisten Menschen glaubten nicht an Ihn, obwohl Er durch viele Wunderwerke bezeugt hatte, dass Er der Messias und der Sohn Gottes ist. Es erfüllte sich die Prophezeiung von Jesaja, der einst zwei Fragen stellte:

  • «Wer hat unserer Verkündigung geglaubt?» Im Allgemeinen nahmen die Menschen in Israel das Wort des Herrn Jesus nicht an.
  • «Wem ist der Arm des Herrn offenbart worden?» Die Masse des Volkes lehnte auch seine Werke ab, die ein Beweis seiner göttlichen Macht waren.

Weil sie die göttliche Gnade in Jesus Christus von Anfang an verwarfen, kam der Moment, wo sie nicht mehr glauben konnten. Diese Verblendung und Verhärtung war ein Gericht Gottes, das Jesaja ebenfalls angekündigt hatte. – Genauso ist es auch heute: Wenn Menschen das Evangelium immer wieder bewusst ablehnen, verhärtet sich ihr Herz zunehmend gegenüber der Botschaft der Gnade.

Es gab zwar einige in Israel, die an den Herrn Jesus glaubten. Doch sie waren nicht bereit, die Schmach der religiösen Welt auf sich zu nehmen. Deshalb bekannten sie sich nicht zu Ihm. Sie wollten lieber von den Menschen geehrt werden, als Gottes Anerkennung zu besitzen. – Wie steht es da mit uns? Bekennen wir uns im Alltag zu unserem Herrn oder sind wir aus Furcht vor dem Spott der Menschen nur verborgene Jünger?

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Am Sohn Gottes entscheidet sich alles

In diesen Versen richtet der Herr Jesus einen letzten öffentlichen Appell an die Menschen. Zuerst zeigt Er ihnen nochmals klar das Verhältnis, das zwischen Ihm und dem Vater besteht:

  • Wer an Jesus Christus, den Sohn Gottes glaubt, glaubt auch an Gott, den Vater, der Ihn gesandt hat.
  • Wer Jesus Christus sieht, sieht auch Gott, den Vater, den der Sohn Gottes offenbart hat.

Beides ist nur möglich, weil zwischen dem Vater und dem Sohn eine ewige Beziehung und eine vollkommene Übereinstimmung besteht.

Der Herr Jesus ist als das Licht in die Welt gekommen, um alle, die an Ihn glauben, aus der moralischen Finsternis eines Lebens ohne Gott in das wunderbare Licht der göttlichen Gegenwart zu bringen (1. Petrus 2,9). Obwohl dieses Licht in die Herzen leuchtet und alles offenbart, ist der Heiland nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu erretten (Joh 3,17). Das Licht soll die Menschen von ihrer Schuld überführen, damit sie bereit sind, Jesus Christus als Erlöser anzunehmen.

Ab Vers 48 macht der Herr deutlich, wie ernst es ist, wenn Menschen Ihm bewusst den Rücken kehren:

  • Das Wort, das sie vom Heiland gehört haben, wird sie einmal verurteilen. Weil sie in ihrem Leben das Evangelium der rettenden Gnade bewusst ablehnen, wird diese Botschaft gegen sie zeugen.
  • Wer Jesus Christus verwirft, lehnt auch Gott, den Vater, ab, der Ihn zu den Menschen gesandt hat. Ohne den Heiland gibt es keinen Weg zum Vaterherzen Gottes.

Buchtipp: Abschiedsworte des Herrn Jesus

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Einleitung

Das Buch Daniel zeigt, dass mit dem babylonischen Weltreich die Zeiten der Nationen begonnen haben (Lukas 21,24). Es hat zwei Teile:

Daniel 1 – 6: Diese geschichtlichen Kapitel beschreiben das Leben Daniels und seiner drei Freunde im babylonischen Exil. Sie stellen uns die Herrschaft der Nationen in ihrer moralischen Entwicklung vor Augen.

Daniel 7 – 12: In diesen prophetischen Kapiteln empfängt Daniel Mitteilungen über die Machthaber der Nationen. Er erfährt, wie sie politisch vorgehen und ihre Herrschaft ausüben. Es wird ihm auch gezeigt, wie sich diese Regenten gegenüber denen verhalten, die Gott dienen.

In Babel auf die Probe gestellt

Der Prophet Daniel befasst sich in seinem Buch mit den Zeiten der Nationen (Lukas 21,24). Sie begannen, nachdem Gott seine Beziehung zu seinem irdischen Volk Israel abgebrochen und dieses aufgehört hatte, eine selbstständige Nation zu sein. Bis zum Kommen des Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit, um seine Regierung hier anzutreten, hat Gott die Herrschaft über die Erde in die Hand der Nationen gelegt. In den Visionen des Propheten Daniel geht es um die vier Weltreiche: Babylon, Medo-Persien, Griechenland und Rom. In den geschichtlichen Kapiteln 2 – 6 haben wir den Charakter dieser Weltreiche, und die Kapitel 7 – 12 zeigen uns ihre prophetische Geschichte.

Die ersten zwei Verse deuten das göttliche Gericht an, das durch Nebukadnezar, den König von Babel, über das von Gott abgefallene Zwei-Stämme-Reich Juda gekommen war. Als Folge der Eroberung Jerusalems kamen viele junge Menschen aus der Oberschicht Judas in die Gefangenschaft nach Babel. Der heidnische König wollte von der Elite der von ihm besiegten Völker für sein Reich profitieren. Darum kamen auch viele junge begabte Männer aus den vornehmen Familien Israels zur Ausbildung an den Hof des babylonischen Königs. Unter ihnen befanden sich vier gottesfürchtige Jünglinge, deren Namen Gott in seinem Wort festgehalten hat. Der Chef der Hofbeamten gab ihnen neue Namen: Beltsazar, Sadrach, Mesach und Abednego. In ihnen kam der Name des wahren Gottes (Elohim, Jahwe) nicht mehr vor, wie in ihren ursprünglichen hebräischen Namen (Daniel, Hananja, Misael, Asarja).

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Ein Entschluss des Glaubens

Auch wenn die Welt die Namen dieser vier jungen Männer aus Juda änderte und den Namen Gottes daraus verbannte, konnte sie ihnen doch die Gottesfurcht nicht aus dem Herzen nehmen. Daniel erkannte die Gefahr der Welt. Die Tafelkost des Königs enthielt auch Fleisch von Tieren, die Gott in seinem Wort für Israel als unrein bezeichnet hatte, und Götzenopferfleisch. Sie hätten gegen Gottes Wort gehandelt und sich verunreinigt, wenn sie davon gegessen hätten. Doch Daniel wollte seinem Gott treu bleiben und sich von aller Art des Bösen, das ihn umgab und mit dem er konfrontiert wurde, absondern.

In aller Demut legte er sein Problem dem Obersten der Hofbeamten vor und bat ihn, ihn vom Zwang, sich verunreinigen zu müssen, zu befreien. Gott bekannte sich zu dieser Treue. Doch der Chefbeamte hatte Bedenken und wollte seinen Kopf nicht riskieren. Nun versuchten die vier einen neuen Anlauf. Dieses Mal sprachen sie mit ihrem direkten Vorgesetzten. Wieder fragten sie in aller Demut. Im Vorschlag, den sie ihm machten, zeigte sich ihr Gottvertrauen. Sie glaubten, dass Gott ihnen beistehen würde. Nach dem zehntägigen Test war Gottes Antwort mehr als deutlich: Die vier sahen besser aus als die anderen.

Die Merkmale dieser vier gottesfürchtigen jungen Männer waren:

  1. Gehorsam gegenüber dem geschriebenen Wort Gottes;
  2. Vertrauen auf Gott und
  3. entschiedene Absonderung vom Bösen.

Sind sie nicht ein anspornendes Beispiel für uns alle?

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Gott bekennt sich zur Treue

Wie Gott diesen vier treuen Gläubigen half, eine chaldäische Ausbildung zu durchlaufen, ohne innerlich Schaden zu nehmen, verschweigt die Bibel. Doch der 17. Vers ist richtungsweisend, wenn es dort heisst: «Ihnen gab Gott Kenntnis und Einsicht in aller Schrift und Weisheit.» Auf diese Weise ehrte Er die, die Ihn ehrten (1. Samuel 2,30).

Die Frage der Verunreinigung in der Welt und als Folge davon die Absonderung vom Bösen war nicht eine einmalige Sache. Die Verse 8-16 beschreiben vielmehr die Gesinnung, in der die vier jungen Männer ihren Weg mit Gott gingen, auch in der Verbannung und am Hof Nebukadnezars. Niemals hätte es sonst nach dreijähriger Ausbildungszeit ein solches Resultat, wie es in Vers 20 beschrieben ist, geben können. Gott bekannte sich ganz offensichtlich zu ihnen.

Und was will der 21. Vers aussagen? Zur Zeit des persischen Königs Kores, der die Juden nach 70-jähriger Gefangenschaft in ihr Land zurückkehren liess (Esra 1), musste Daniel etwa 90 Jahre alt gewesen sein. Er ist ein Gläubiger, der seinem Gott von seiner Jugend an bis ins hohe Alter treu geblieben und treu nachgefolgt ist. Welch ein Mut machendes Beispiel!

Die Geschichte des Lebens Daniels zeigt, dass Gott für die Seinen in dieser Welt in jedem Fall einen gangbaren Weg hat. Prüfungen werden nicht ausbleiben, aber Gott wird durchhelfen und Gnade für unsere Schwachheit und Barmherzigkeit in jeder Situation schenken.

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Der Traum Nebukadnezars

Während den Zeiten der Nationen, die damals begannen, aber bis heute noch andauern, hat Gott sich sozusagen in den Himmel zurückgezogen. Er greift in dieser Zeit nicht direkt ins Geschehen der Völker ein. Er hat die Herrschaft der Verantwortung der Menschen übergeben und handelt nur indirekt durch seine Vorsehung.

In unserem Kapitel tut Er es durch Träume. Er will König Nebukadnezar etwas zeigen. Doch der heidnische Herrscher ruft zuerst seine Wahrsager, Sterndeuter und Magier zusammen und versucht, von ihnen eine Antwort zu bekommen.

In jener Zeit umgaben sich die Weltherrscher oft mit einem Heer von Beratern, die Verbindung zur unsichtbaren Geisterwelt hatten. Der Okkultismus war ein Mittel, durch das sie herauszufinden suchten, was die nächste Zukunft bringen würde, um dann entsprechende Entscheidungen zu treffen. Dass diese Herrscher aber den Leuten nicht immer trauten, wird aus diesem Kapitel ersichtlich. Um zu mehr Sicherheit zu kommen, verlangte der König von seinen Beratern menschlich Unmögliches: Sie sollten ihm sagen, was er geträumt hatte, und den Traum deuten.

Interessant ist die Aussage von Vers 11. Die Wahrsagepriester, Sterndeuter und Chaldäer mussten dem König sagen: «Was du verlangst, können nur die Götter anzeigen, deren Wohnung nicht bei den Menschen ist.» Auch wenn diese Heiden nicht an den wahren Gott glaubten, wurde durch ihre Feststellung doch klar, dass, wenn es eine Antwort geben sollte, sie nur von göttlicher Seite her kommen konnte.

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Gott antwortet auf das Gebet

In seinem Zorn befahl der König, die Weisen von Babel, die seine Forderung nicht erfüllen konnten, umzubringen. Auch Daniel und seine Genossen hätten sterben müssen. Wie reagierte er darauf?

Zunächst sehen wir, dass er völlig ruhig blieb und nach dem Grund des strengen Befehls fragte. Ja, wer auf den Herrn vertraut, wird nicht ängstlich eilen (Jesaja 28,16). Nachdem Daniel den ganzen Sachverhalt vernommen hatte, bat er um eine Frist, und sein Glaube fügte hinzu: «um dem König die Deutung anzuzeigen.» Welch ein Vertrauen hatte er in seinen Gott! Das Dritte, was wir bei Daniel und seinen Genossen finden, ist das ernsthafte Gebet zum Gott des Himmels. Gemeinsam brachten sie das Problem vor Ihn und erbaten seine Barmherzigkeit für die schwierige Situation. Damit drückten sie ihre Abhängigkeit von Gott aus. Sie erwarteten alles nur von Ihm.

Als Gott auf ihr Flehen antwortete, dankte und lobpries Daniel zuerst aus ganzem Herzen. Weisheit gab es bei den Weisen Babels, Macht beim König, aber Weisheit und Macht liegen allein bei Gott. Die weiteren Worte Daniels zeigen, dass Gott ihm nicht nur den Traum gezeigt, sondern auch die Deutung gegeben hatte. Er hatte Daniel kundgetan, was die vier Männer zusammen von Gott erbeten hatten.

Vers 21 macht deutlich, dass Gott, obwohl Er jetzt der Gott des Himmels genannt wird, alle Geschicke der Erde in seiner Hand hat. Nichts läuft Ihm aus dem Ruder. Welch ein Trost für uns Glaubende!

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Daniel teilt den Traum mit

Nachdem Daniel seinen Gott für die gnädige Antwort auf das Flehen der vier Männer gepriesen hatte, teilte er Arioch mit, er sei bereit, dem König den Traum und die Deutung anzuzeigen. Nun handelte der Beamte schnell – es ging ja um Leben und Tod der Weisen von Babel – und führte Daniel vor Nebukadnezar.

Welch schöne Antwort gab der Mann Gottes auf die Frage des Königs! Er stellte zunächst klar, dass dieser etwas menschlich Unmögliches verlangt hatte. Dann gab er Gott im Himmel, dem einzig wahren Gott, alle Ehre und begann als Sprachrohr dieses Gottes zu reden. Die Haltung Daniels bezeugt, dass wahre Erkenntnis in den Wegen Gottes immer von echter Demut begleitet ist.

Was der König träumte, folgte auf seine Gedanken im Blick auf die Zukunft. Wie sollte es nach ihm weitergehen? Nun zeigte Gott durch das Standbild in seinem Traum, was nach ihm bis in die ferne Zukunft geschehen würde: Er gab ihm ein umfassendes Bild der «Zeiten der Nationen».

Das Standbild setzte sich aus fünf Teilen zusammen, wobei der fünfte Teil mit dem vierten zusammenhing, indem das Eisen sowohl in den Schenkeln als auch in den Füssen vorkam.

  • Teil 1: das Haupt von Gold;
  • Teil 2: die Brust und die Arme aus Silber;
  • Teil 3: der Bauch und die Lenden aus Kupfer;
  • Teil 4: die Schenkel aus Eisen;
  • Teil 5: die Füsse teils aus Eisen und teils aus Ton.

Das Ganze wurde schliesslich von einem Stein, der sich ohne direkte Einwirkung losgerissen hatte, völlig zerstört. Der Stein selbst aber wurde zu einem grossen Berg, der die Erde füllte.

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Daniel deutet den Traum

Aus der Deutung des Traums wird klar, dass es sich bei den Teilen des Bildes um aufeinanderfolgende Weltreiche handelt. Nebukadnezar stellte als das Haupt von Gold das babylonische Reich dar. Er hatte seine Macht und Autorität direkt vom Gott des Himmels bekommen.

Die Brust und die Arme von Silber wiesen auf das medisch-persische Weltreich hin, das auf das babylonische folgte. Das zweite Reich fand sein Ende, als es dem griechischen Reich unter Alexander dem Grossen Platz machen musste. Die Schenkel aus Eisen repräsentieren das Römische Reich. Weil Babylon die von Gott eingesetzte Macht war, wird sie durch Gold dargestellt. Das Eisen hingegen deutet auf die kriegsgewohnten römischen Legionen hin, die jeden Widerstand überwanden und bei der Eroberung der damaligen Welt von Sieg zu Sieg eilten. Die Füsse, die teils aus Eisen und teils aus Ton waren, beziehen sich ebenfalls auf das vierte Reich. Im Römischen Reich zeigte sich mit der Zeit ein schwächendes Element. Es ist der demokratische Einfluss, der sich aber mit der absoluten Monarchie nicht vereinbaren lässt.

Das von Gott aufgerichtete Reich (Vers 44) ist das tausendjährige Friedensreich des Herrn Jesus Christus. Er wurde in der Zeit des Römischen Reiches geboren (Lukas 2). Bald wird Er in Macht und Herrlichkeit als König der Könige wiederkommen und jede menschliche Macht beseitigen, selbst aber ewig bestehen.

Überwältigt von der göttlichen Mitteilung durch Daniel, beförderte der König ihn und seine drei Freunde zu hohen Posten im Reich.

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Das Standbild

In Daniel 2,47 hatte Nebukadnezar vom Gott Daniels, dem wahren Gott, gesagt: «In Wahrheit, euer Gott ist der Gott der Götter und der Herr der Könige.» Nun machte er ein 30 Meter hohes goldenes Standbild und verlangte von allen seinen hohen Beamten in seinem ganzen Reich, dass sie vor seinem Bild niederfielen und es anbeteten. Ein goldenes Götzenbild statt Gott im Himmel anzubeten: Welch eine Glaubensprüfung für die gottesfürchtigen jüdischen Männer unter diesen Beamten! Würden sie ihrem Gott treu bleiben?

Mit der Aufrichtung dieses goldenen Bildes und der verlangten Anbetung verfolgte Nebukadnezar ein wichtiges Ziel. Er wollte die politische Einheit seines Reiches durch eine Einheitsreligion sichern. Diese war denkbar einfach und für die Menschen aller Sprachen verständlich. Ein grossartiges Bild, beeindruckend für die Augen; Musik, die dem Ohr gefiel, und ein einziger Akt des Niederfallens: Eine solche Religion stellte keine Ansprüche. Sie verlangte kein Geld und erhob keine Fragen über Sünden, die das Gewissen beunruhigten. Zudem übte die angedrohte Strafe genügend Druck aus, sodass keiner sich weigerte, diese Einheitsreligion anzunehmen. «Darum … fielen alle Völker, Völkerschaften und Sprachen nieder und beteten das goldene Bild an.»

In der Zukunft wird sich etwas Ähnliches abspielen. Der Antichrist wird bei Todesstrafe von den Menschen verlangen, das Götzenbild, das den Herrscher des Römischen Reiches darstellen wird, anzubeten (Offenbarung 13,12-17).

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Die Freunde Daniels bleiben Gott treu

Interessanterweise wird Daniel in diesem Kapitel nicht erwähnt. In den Kapiteln 1 und 2 sahen wir einerseits, wie die vier zu Beginn des Buches erwähnten gottesfürchtigen Männer aus Juda in ihrer Gesinnung und in ihrem Verhalten die gleiche Treue zeigten. Anderseits aber scheint Daniel der Anführer der vier gewesen zu sein. Oft redete er im Namen aller. In diesem Kapitel zeigt sich, dass die Genossen von Daniel ebenso mutig und treu auf Gott vertrauten wie er. In Vers 28 preist Nebukadnezar sogar den «Gott Sadrachs, Mesachs und Abednegos».

Mit seinem Befehl überschritt der Absolutherrscher seine Kompetenz. Er griff in die Rechte ein, die Gott allein zustehen. Anbetung gehört nur Gott und sonst niemand. «Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen» (Lukas 4,8). Für Sadrach, Mesach und Abednego war jetzt der Moment gekommen, wo sie, obwohl sie die königliche Autorität Nebukadnezars anerkannten und sich ihr unterwarfen, Gott mehr gehorchen mussten als Menschen (Apostelgeschichte 5,29).

Sie wurden umgehend angezeigt und vor den König gestellt. Dieser war entschlossen, jede Rebellion im Keim zu ersticken und meinte dabei, er könnte es mit jedem Gott aufnehmen. Bekamen es die Männer nun mit der Angst zu tun? Überhaupt nicht! Furchtlos bekannten sie sich zu ihrem Gott, der sie in jedem Fall aus der Hand Nebukadnezars retten würde. Sie wussten zwar noch nicht wie, aber sie waren in jedem Fall nicht gewillt, das goldene Bild anzubeten.

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Gott bewahrt sie vor dem Tod

Nebukadnezar war ein Absolutherrscher. Menschlich gesehen ist daher sein Grimm über die drei Männer verständlich, die es wagten, ihm zu widerstehen. Doch er hatte seine Kompetenz überschritten und musste die entsprechenden Erfahrungen machen: Die stärksten Männer seines Heeres starben, als sie die drei gottesfürchtigen Freunde gebunden in den überheissen Ofen warfen!

Und jene drei? Sie hatten sich nicht vor denen gefürchtet, die nur den Körper töten, aber nichts Weiteres tun können (Lukas 12,4). Nun durften sie als Antwort auf ihr Gottvertrauen die Gemeinschaft des Herrn mitten im Feuer geniessen (Jesaja 43,2). Es wurde wahr, was in Hebräer 11,33.34 steht: «Die durch Glauben … des Feuers Kraft auslöschten.» Der Herr bewahrte sie nicht vor der angedrohten Strafe, aber Er war bei ihnen im Feuerofen und schränkte die Kraft des Feuers derart ein, dass nur ihre Fesseln verbrannten.

Schnell änderte sich die Wut des Königs in Erschrecken, als er sah, dass die Männer nicht verbrannten und sich ein vierter, der einem Sohn der Götter glich, zu ihnen gesellt hatte. In der Folge schlug die Treue dieser Männer zur Ehre Gottes aus. Zunächst anerkannte der König ihre wahre Stellung: Knechte des höchsten Gottes. Dann mussten alle, die vorher vor dem goldenen Standbild niedergefallen waren, die Allmacht dieses Gottes bezeugen (Vers 27). Schliesslich wurde der Gott Sadrachs, Mesachs und Abednegos gepriesen. Niemand durfte sich in Zukunft gegen Ihn äussern.

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Nebukadnezar hat wieder einen Traum

Es schien, als hätten die wunderbaren Wege Gottes das stolze Herz Nebukadnezars erreicht und gebrochen (Daniel 3,29). Doch es war nicht so. Schon bald zeigte sich wieder die Überhebung des Menschen. Alles, was Gott ihm gegeben hatte, nährte nur seinen Stolz. Nun musste der Allmächtige persönlich mit ihm reden. Von seinen Erfahrungen berichtete der König Nebukadnezar im Nachhinein.

Gott sandte ihm einen zweiten Traum, den niemand deuten konnte, obwohl er ihn den Weisen Babels mitteilte. Wieder wurde Daniel vor den König gebracht. Würde er eine befriedigende Antwort geben können?

Obwohl Nebukadnezar in heidnischer Weise redet, anerkennt er doch die besondere Beziehung, die Daniel zu Gott hat. Dann erzählt der König den Traum, indem er zuerst die Vision des Baumes beschreibt, dann vom Beschluss des Himmels, ihn umzuhauen, spricht und zuletzt die Ursache für das Umhauen erwähnt.

Das Thema dieses Traums und die Erfüllung seiner Deutung behandelt ein wichtiges Merkmal der Zeiten der Nationen: die Selbstüberhebung des Menschen. Durch das, was Gott ihm verliehen hat, erhöht er sich nur und befriedigt seinen Stolz. Er vergisst, dass Gott die Oberherrschaft hat, und schaltet Ihn sogar aus seinem Denken aus. Doch dadurch wird der Mensch wie ein Tier, das kein Verständnis für Gott hat und ohne bewusste Beziehung zu Ihm lebt.

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Der Traum erfüllt sich

Das Entsetzen Daniels ist begreiflich, denn er erkannte in diesem Traum, was Nebukadnezar bevorstand. In der Bibel wird der Baum oft als Symbol für eine irdische Macht gebraucht (z. B. Hesekiel 31,3; Assyrien = eine Zeder; Matthäus 13,32, was die bekennende Christenheit in der Welt geworden ist: ein Baum). Dieser im Traum beschriebene Baum war der grosse und mächtige König Nebukadnezar (Vers 19).

Der Himmel hatte über ihn ein zeitlich begrenztes Gericht angeordnet, um ihn zur Einsicht zu bringen. Er sollte erkennen, dass es einen Höheren über ihm gab und dass er unter der Herrschaft des Himmels stand. Das Gericht bestand im Verlust der Vernunft. Der König würde sich nicht mehr wie ein Mensch, sondern wie ein Tier benehmen. Von den Menschen ausgestossen, würde er bei den Tieren des Feldes wohnen und deren Nahrung teilen.

Die persönliche Warnung Daniels an den König hat auch eine prophetische Bedeutung. In den Zeiten der Nationen wird zwar die Mehrheit der Menschen wie Tiere stets zur Erde blicken, d. h. in ihrem Verhalten nicht auf die Stimme des Gewissens hören und keine bewusste Beziehung zu Gott kennen. Aber Gott wird sich auch in dieser Periode ein treues Zeugnis durch gottesfürchtige Menschen aufrechterhalten. Sie werden sich durch Abhängigkeit von Ihm und Weisheit vor den Menschen (Daniel 2), durch Hingabe an Gott (Daniel 3) und als treue Zeugen für Ihn (Daniel 4) auszeichnen. – Sehen die Menschen, dass wir als Glaubende zu ihnen gehören?

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Belsazar verhöhnt den lebendigen Gott

Dieses Kapitel berichtet uns über ein grosses Festmahl, das wohl kurz vor der Eroberung Babels durch die Meder stattgefunden hat (Daniel 5,30). König Belsazar, ein Nachkomme Nebukadnezars, liess sich während des Festes dazu hinreissen, die aus dem Tempel Gottes in Jerusalem erbeuteten goldenen und silbernen Gefässe holen zu lassen. Dann tranken der König und alle Geladenen daraus und rühmten ihre Götter. Das war offenbare Gottlosigkeit – ein weiteres Merkmal der Zeiten der Nationen.

Da griff Gott auf der Stelle ein – nicht durch ein unmittelbares Gericht, sondern mit einer überaus ernsten Botschaft, die die Finger einer Menschenhand an die Wand des Festsaals schrieben. Auch wenn der König den Sinn dieser Worte nicht verstand, erkannte er doch sofort, dass sie eine Botschaft des Gottes waren, den er herausgefordert und verhöhnt hatte. Schlagartig war aus dem stolzen König ein zitternder Sünder geworden. Seine Angst erhöhte sich noch, als die herbeigerufenen Weisen die Schrift weder lesen noch deuten konnten. Da nützte auch das verlockendste Angebot nichts (Vers 7).

Die Königin-Mutter hörte von der panischen Angst und der Bestürzung, die sich im Haus des Gelages breitgemacht hatten. Sie erinnerte Belsazar an Daniel, der zur Zeit Nebukadnezars verschiedene unlösbare Fragen und Probleme gelöst hatte. Sie war überzeugt, dass er auch diese geheimnisvolle Schrift deuten konnte. Doch Belsazar hatte sich bis dahin so wenig um Daniel gekümmert wie um den höchsten Gott.

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Belsazar muss sterben

Nun trat Daniel als ein dem König unbekannter Mann vor Belsazar. Das Angebot des Königs lautete: grosse Ehrungen, wenn er die Schrift deuten könne. Wie reagierte Daniel darauf? Dieser gottesfürchtige Mann war sich bewusst, dass er jetzt, anders als früher bei Nebukadnezar, vor einem übermütigen, trotzigen Feind Gottes stand. Entschieden wies er die angebotenen Geschenke zurück, erinnerte aber den König, wie Gott den stolzen Nebukadnezar gestürzt und gedemütigt hatte. Er sollte erkennen, wer der Höchste war. Belsazar war über das alles hinweggegangen und hatte sich über den Herrn des Himmels erhoben. Wie gross war seine Verantwortung!

Die Botschaft, die Gott diesem gottlosen König gesandt hatte, lautete: Gezählt, gezählt, gewogen und zerteilt. Die Tage Belsazars und die seines Königtums waren gezählt. Er selbst war auf der göttlichen Waage gewogen und zu leicht befunden worden. Das babylonische Reich würde zerteilt und den Medern und Persern gegeben werden.

Diese Worte waren die letzte feierliche Warnung Gottes vor dem Gericht, eine Warnung aber, die das Gericht ankündigte und keine Zeit mehr zur Busse liess. Belsazar hatte die ernste Warnung aus der Geschichte Nebukadnezars unbeachtet gelassen. So blieb kein Heilmittel für ihn übrig. Seine Stunde war gekommen (Vers 30). Das Gericht über Babel wurde vollzogen.

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Das Verbot des Königs

Im ersten Kapitel sahen wir die Gefahren der Welt, denen Daniel als gottesfürchtiger junger Mann ausgesetzt war. In diesem Kapitel liegt die Betonung auf der Feindschaft der Welt, die der treue Gläubige zu spüren bekommt. – Als Darius, der Meder, regierte, war Daniel nicht mehr der jüngste. Aber obwohl er ein erfahrener alter Mann war, übte er seine beruflichen Aufgaben nicht in eigener Kraft, gestützt auf seine menschlichen Fähigkeiten, aus, sondern in der Kraft Gottes. Die Welt schätzte seine Arbeit und beförderte ihn. So nahm er auch im medisch-persischen Reich eine hohe Position in der Verwaltung ein. Doch da regte sich der Neid der anderen. Diese wollten den treuen, gottesfürchtigen Mann zu Fall bringen. Aber sie fanden keinen Anklagegrund auf beruflicher Ebene. Welch ein Zeugnis vor den Ungläubigen!

Nun diente ihnen sein Gehorsam gegenüber Gott dazu, ihre bösen Absichten auszuführen. Damit stellten sie ihm ein weiteres gutes Zeugnis aus. Der junge Mann, der sich damals im Herzen vorgenommen hatte, Gott treu zu bleiben, besass als alter Mann die gleiche Gesinnung. Er trug die gleiche Furcht Gottes im Herzen.

Wie gingen die bösen Neider gegen Daniel vor? Sie erwirkten einen Erlass, an den auch der König, der ihn unterzeichnete, gebunden war. Dieser Erlass war

  1. gottlos, indem ein Mensch an Gottes Stelle gesetzt wurde;
  2. böse, indem ein treuer Mann aufgrund seines Gehorsams zu Gott beseitigt werden sollte, und
  3. schmeichlerisch gegenüber Darius.

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Daniel bleibt treu

Nach dem Erlass des Königs änderte Daniel seine Gewohnheit, dreimal täglich vor offenem Fenster zu beten, nicht. Warum unternahm er nichts? Alle seine Bemühungen – entweder rechtlich gegen seine Feinde vorzugehen oder den Bedrohungen auf irgendeine Weise auszuweichen – hätten ihm den inneren Frieden geraubt. So stützte er sich mit einer Gottesfurcht, die stärker war als die Angst vor dem Tod, im vollen Vertrauen auf Gott und betete wie bis dahin. Sein Gebet stützte sich auf die Verheissung in 1. Könige 8,46-53.

Die Rechnung seiner Feinde ging auf. Nun hatten sie einen legalen Anklagegrund gegen Daniel vor dem König. Da wurde Darius klar, in welche Falle er getappt war. Doch es gab kein Zurück mehr. Sehen wir hier nicht etwas von der Unerbittlichkeit der Sünde? Wer sie tut, ist ihr Sklave (Johannes 8,34).

Darius ist nicht der Einzige, der eine Tat oder eine Aussage bedauerte, ja, bereute, als er die Folgen erkannte (Herodes, Markus 6,26; Judas Iskariot, Matthäus 27,1-5). Doch ein Zurück gibt es nie. Die Folgen der Sünde bleiben. Darius musste schliesslich den Befehl geben, Daniel in die Löwengrube zu werfen. Er war dem Gesetz verpflichtet. Rettung konnte es nur noch vonseiten des Gottes geben, dem Daniel diente.

Erinnert uns dies nicht an das Wirken von Gottes Gnade für uns? Nach seinen gerechten Forderungen hätte Gott uns alle verdammen müssen (Römer 3,20). Aber weil ein anderer – unser Herr Jesus Christus – allen Forderungen Gottes entsprochen und unsere Schuld bezahlt hat, konnte Er uns Gnade erweisen.

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Daniel wird bewahrt

Wohl wegen seines belasteten Gewissens konnte König Darius in jener Nacht nicht schlafen. Morgens früh eilte er zur Löwengrube und rief mit trauriger Stimme nach Daniel, den er Knecht des lebendigen Gottes nannte. Sein Chefbeamter war tatsächlich noch am Leben!

Daniel sagte, die Löwen hätten ihn nicht verletzt, weil er sich keiner Schuld vor Gott und vor dem König bewusst war. Der 24. Vers gibt als Grund für seine Unversehrtheit sein Gottvertrauen an. Auch wenn Gott nicht immer so spektakulär eingreift, wie Er es hier und z. B. in Apostelgeschichte 12 tat – jeweils zu Beginn einer neuen Zeitperiode –, gilt der Grundsatz: Wer Gott fürchtet, Ihm die erste Priorität gibt und auf Ihn vertraut, den lässt Er nicht im Stich.

Beachten wir, wie Daniel dem König ohne Groll antwortete. Zuerst gab er Gott die Ehre und redete von dem, was Er gewirkt hatte. Erst dann sprach er von seiner Unschuld. – Die Feinde Daniels aber und damit auch die Feinde des allmächtigen Gottes wurden vom Gericht ereilt. Sie stürzten in die Grube, die sie für Daniel «gegraben» hatten. Siehe Psalm 9,16.17!

Schliesslich gab Darius Befehl, dass man «sich vor dem Gott Daniels fürchte; denn er ist der lebendige Gott und besteht ewig, und sein Reich wird nie zerstört werden, und …» Die durch das Gericht hervorgebrachte Wirkung erstreckt sich hier viel weiter als in den früheren Ereignissen (siehe z. B. Daniel 3,28.29; 4,34). Zugleich sehen wir, dass Darius sowohl Daniels Frömmigkeit achtete als auch seinen Gott ehrte, denn er nennt den lebendigen Gott den Gott Daniels.

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Vier Weltreiche

Nach dem geschichtlichen Teil, in dem wir etwas vom Charakter der Weltreiche während den «Zeiten der Nationen» sahen, kommen wir zum prophetischen Teil des Buches. Anhand verschiedener Visionen wird nun die Geschichte der Weltreiche gezeigt.

Im ersten Traumgesicht sah Daniel vier Tiere aus dem grossen Meer (ein Bild des Völkermeers) aufsteigen. Nach der Erklärung in Vers 17 stellen diese vier Tiere vier Weltreiche dar. Der Löwe mit den Adlerflügeln weist auf das babylonische Reich unter Nebukadnezar hin. Der Bär spricht vom medisch-persischen Reich. Der Leopard ist ein Bild des griechischen Reiches unter Alexander dem Grossen. Das vierte Tier war ein besonderes. Es bildet das Römische Reich vor. Die vier Tiere entsprechen den vier bzw. fünf Teilen des Standbildes im Traum Nebukadnezars (Daniel 2).

Vergleicht man die Beschreibung des vierten Tieres mit der des Tieres aus dem Meer in Offenbarung 13,1-8 und Offenbarung 17,7.8, erkennt man Ähnlichkeiten. Das Römische Reich hat also nicht nur historische Bedeutung wie die ersten drei erwähnten Reiche, sondern auch eine zukünftige Seite. Diese steht in der Prophetie der Bibel im Vordergrund.

Die Verse 9-12 reden vom göttlichen Gericht, das über dieses letzte Reich kommen wird. Davon berichtet uns die Offenbarung. In Offenbarung 1 wird der Herr Jesus als der Richter beschrieben. Symbole wie weisses Haar und Feuerflamme finden wir dort und hier. Offenbarung 19 berichtet uns von seinem Kommen im Gericht, um jede Rebellion gegen Ihn auszumerzen.

Buchtipp: Jesus Christus kommt wieder!

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Der Sohn des Menschen

Die Verse 13 und 14 reden vom heute noch zukünftigen Reich unseres Herrn Jesus Christus. Er ist der Sohn des Menschen, der mit den Wolken des Himmels kommen wird, um seine Herrschaft im Tausendjährigen Reich anzutreten, sobald das Gericht über das vierte Reich ausgeführt ist. Der Inhalt dieser Verse entspricht den Aussagen von Daniel 2,44.

Ab Vers 15 bekommt Daniel auf seine Bitte hin eine göttliche Erklärung seiner Visionen. Die vier Tiere weisen auf die vier grossen Weltreiche hin. Aber es geht Gott bei der Prophetie immer um die Seinen, um sein Volk und das schliessliche Friedensreich unter der Herrschaft seines Christus.

Auf die Bitte Daniels wird ihm das vierte Weltreich – es ist das Römische – näher erklärt. Die Beschreibung der Grausamkeit und Härte, mit der die römischen Heere die damalige Welt eroberten, trifft auf das geschichtliche Römische Reich zu. Sobald von zehn Hörnern oder Königen die Rede ist und von dem einen besonderen Horn, geht es um die Zukunft, vor allem um den zukünftigen Herrscher des wiedererstehenden Römischen Reiches. Die Abschnitte in Offenbarung 13,1-8 und Offenbarung 17,7-14 sollte man zu den vorliegenden Versen in Daniel 7 lesen. Dann wird man die Übereinstimmung erkennen. Der andere König entspricht jenem zukünftigen Herrscher. Er wird

  1. Worte gegen den Höchsten reden (Offenbarung 13,6);
  2. die Gläubigen jener Zeit verfolgen (Offenbarung 13,7);
  3. Zeiten und Gesetze (der Juden) ändern und
  4. während dreieinhalb Jahren die Oberhand haben (Offenbarung 13,5).

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Der Widder und der Ziegenbock

Im dritten Jahr der Regierung Belsazars hatte der Prophet Daniel eine weitere Vision. Wieder sah er Tiere, aber dieses Mal keine Raubtiere, sondern zuerst einen Schafbock, dann einen Ziegenbock. Wieder sind wir nicht auf menschliche Fantasie oder Überlegungen angewiesen. Wir haben in den Versen 20 und 21 die göttliche Erklärung für diese beiden Tiere.

Der Widder mit den beiden Hörnern sind die Könige von Medien und Persien. Das höhere Horn, das zuletzt emporstieg, sind die Perser, die schliesslich die Führung übernahmen. – Der Ziegenbock, der von Westen her kam und den Widder überrannte, ist Alexander der Grosse, der König von Griechenland. In den Versen 5-7 werden uns die Merkmale dieses Feldherrn und seines Siegeszuges beschrieben: Schnelligkeit und vollständiger Sieg über die Perser.

Als Daniel diese Gesichte sah, bestand das babylonische Reich noch. Doch Gott zeigte ihm, was darauf folgen würde. Wir können diese Prophetie lesen und dürfen staunen, wie genau sie sich erfüllt hat, sowohl im Blick auf das persische als auch auf das griechische Weltreich. Das stärkt unser Vertrauen in alles, was Gott sonst noch vorausgesagt hat. Es wird sich ebenso genau erfüllen. Welch eine Sicherheit!

Bemerkenswert ist, dass im Urtext ab Kapitel 8 wieder die hebräische Sprache verwendet wird, während von Kapitel 2,4 – 7,28 das Aramäische verwendet wurde (Fussnote zu Daniel 2,4). Der Geist gebraucht das Hebräische, weil sich die Gesichte und Offenbarungen ab Kapitel 8 speziell auf das Volk Israel beziehen.

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Das grosse Horn zerbricht

Als der Ziegenbock stark geworden war, zerbrach das grosse Horn. Alexander der Grosse starb ganz plötzlich auf der Höhe seiner Macht. Seine vier Generäle teilten sein Reich unter sich auf. Sie werden in Vers 8 durch vier ansehnliche, aber doch kleinere Hörner dargestellt.

Unter Seleukos, einem dieser vier Generäle, entstand das Königreich der Seleukiden im Norden Israels. Darin profilierte sich ein besonderer König, den die Bibel als ein «kleines Horn» bezeichnet. Dieses Horn fand eine erste Erfüllung in der geschichtlichen Figur von Antiochus Epiphanes IV., unter dem die Juden schwer zu leiden hatten. Sie werden hier das «Heer des Himmels» genannt, weil die Juden damals das einzige Volk auf der Erde waren, das in Verbindung mit Gott stand und für das Er sich interessierte.

Obwohl die Verse 10-14 in Antiochus eine Erfüllung fanden, weisen die Aussagen darin vor allem auf eine heute noch zukünftige Zeit hin. Dann wird dieses kleine Horn in Form des Königs des Nordens, wie er in anderen Schriftstellen genannt wird, auftreten. Diese Person erhebt sich gegen Christus, den «Fürsten des Heeres». Sie unterbindet den jüdischen Gottesdienst und zerstört das Heiligtum Gottes. Der Herr wird dies «um des Frevels willen» zulassen, d. h. weil sein Volk von Ihm abgefallen ist (Vers 12). Aber diese Züchtigung wird nur eine gewisse, von Gott bestimmte Zeit dauern. Auf die Frage über die Länge jenes Gerichts lautet die göttliche Antwort: 2300 Tage (ungefähr sechs Jahre). «Dann wird das Heiligtum gerechtfertigt werden.»

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Die Deutung der Vision

Daniel wurde vom Anblick des Engelfürsten Gabriel überwältigt. Betäubt sank er auf sein Angesicht. Doch der Engel war gekommen, um ihm die Vision zu erklären, und zwar mit dem Ziel, ihm mitzuteilen, was in der letzten Zeit des Zorns geschehen würde, «denn es geht auf die bestimmte Zeit des Endes».

Zunächst spricht der Engel von dem, was unmittelbar auf das babylonische Reich folgte: das medisch-persische und das griechische unter Alexander dem Grossen. Dann werden der frühe Tod Alexanders des Grossen und die Vierteilung seines Reiches angekündigt. Wie bereits früher erwähnt, weist der König frechen Angesichts auf Antiochus Epiphanes IV. hin, der schlimm gegen die Juden vorging. Dies alles ist Geschichte.

Damit ist die Bedeutung der Verse aber nicht erschöpft. Vers 23 spricht vom Ende, «wenn die Frevler (oder Abtrünnigen) das Mass voll gemacht haben». In einer heute noch zukünftigen Zeit werden die Juden unter der Führung des Antichristen in ärgsten Götzendienst verfallen. Dann wird Gott einen Feind von aussen gegen sie erwecken. Dieser König in Vers 23 – an anderer Stelle als König des Nordens oder als Assyrer bezeichnet – wird das Volk der Heiligen verderben. Er wird sich sogar gegen Christus – den Fürsten der Fürsten – auflehnen. Doch sein Gericht wird ohne Menschenhand direkt vom Himmel aus erfolgen. – Als Daniel diese Mitteilung bekam, lag alles noch in ferner Zukunft. Heute stehen wir kurz vor dieser Endzeit. Darum sollte Johannes im Gegensatz zu Daniel seine Weissagungen nicht verschliessen (V. 26; Offenbarung 22,10).

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Daniel demütigt sich vor Gott

Daniel war ein Mann, dem das Schicksal des Volkes Israel sehr am Herzen lag. Das erkennen wir schon daran, wie sehr ihn die göttlichen Mitteilungen über die Zukunft und besonders über die Zukunft Israels beschäftigten. In diesem Kapitel finden wir ihn wegen all den Sünden seines Volkes und ihren Folgen in ernstem Gebet vor Gott.

Sein Interesse am irdischen Volk Gottes liess ihn auch die Schriften erforschen. Da fand er im Propheten Jeremia, dass Gott die Zeit der Gefangenschaft der Juden auf 70 Jahre begrenzt hatte. Dann wollte Er eine Wiederherstellung schenken. Diese Zeit war nun beinahe verstrichen.

Durch das intensive Lesen der damals vorhandenen Schriften des Alten Testaments erkannte Daniel auch, wie sehr das Volk Israel seinen Gott verunehrt und wie schwer es sich gegen Ihn versündigt hatte. Das beugte ihn tief nieder. Darum wandte er sich im Gebet mit einem rückhaltlosen Bekenntnis der Schuld an Gott. Dabei schloss er sich keineswegs aus, obwohl er zu den Wenigen gehörte, die sogar in der Gefangenschaft Gott treu geblieben waren. Er betete: «Wir haben gesündigt und verkehrt und gottlos gehandelt.» Dabei beschönigte oder rechtfertigte er nichts. Aber er klammerte sich an die Erbarmungen und Vergebung Gottes.

Wie viel können wir von Daniel lernen! Um uns her sehen wir viel Versagen im christlichen Zeugnis für den Herrn. Beugen wir uns in echter, tief empfundener Mitschuld darunter?

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Daniel bittet um Gnade

Daniel erkannte aus den Schriften, wie gerecht Gott gegenüber seinem Volk gehandelt hatte. Im Gesetz Moses war angekündigt, was die Folgen des Abweichens von Ihm und des Ungehorsams gegenüber seinen Anweisungen sein würden. Gott war seinem Wort treu geblieben. Israel hatte es nicht anders verdient.

Nach dem schonungslosen Bekenntnis der Sünden und Fehltritte des Volkes Gottes – wobei er sich völlig einschloss – appellierte Daniel an die Liebe und Barmherzigkeit des Herrn. Er erinnerte Ihn an sein mächtiges Wirken, als Er Israel aus Ägypten herausgeführt hatte. Wie sehr wurde da sein Name geehrt! Aber jetzt waren Jerusalem und das Volk allen zum Hohn geworden. Warum? «Wegen unseren Sünden und den Ungerechtigkeiten unserer Väter», sagte der Prophet.

Dann fuhr er fort, den Herrn um Erbarmen anzuflehen. Dabei verfolgte er überhaupt keine persönlichen Interessen. Es ging ihm nur um Gott und seine Sache, um die Stadt Jerusalem, den heiligen Berg, das verwüstete Heiligtum und das Volk Gottes. Alles brachte er in Beziehung zu Gott selbst. Er erinnerte Ihn an die Ehre seines Namens, die auf dem Spiel stand. Er bat Gott «um des Herrn willen», aber auch «um deiner vielen Erbarmungen willen». Auf dieser Grundlage, und nicht auf der Basis irgendwelcher Vorzüge oder Gerechtigkeiten, flehte er: «Herr, höre! Herr, vergib! Herr, merke auf und handle; zögere nicht!»

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Die 70 Jahrwochen

Daniel hatte sein Gebet noch nicht beendet, als Gott schon seinen Engel zu ihm sandte. Ja, Er versteht die Seinen, bevor sie ihre Anliegen in Worte vor Ihm ausdrücken. Und niemals wird Gott das Flehen von einem seiner Treuen und Vielgeliebten unbeantwortet lassen.

Der Prophet hatte das Wort Gottes untersucht. Nun wollte Gott ihm Verständnis darüber geben. Doch es geht Ihm nicht um die Rückkehr der Juden aus Babel, sondern um die endgültige Befreiung seines Volkes am Ende der Zeit und die Einführung des Friedensreiches unter der Herrschaft des Messias.

Der Zeitablauf wird wie folgt dargestellt: 69 Jahrwochen (1 Jahrwoche = 7 Jahre; vgl. 3. Mose 25,8) werden vom Wiederaufbau Jerusalems unter Nehemia bis zum Kommen des Messias vergehen. Doch Dieser wird weggetan und nichts haben, d. h. Christus wurde gekreuzigt. Da Israel seinen Messias verworfen hat, wurde die Erfüllung der 70. Jahrwoche hinausgeschoben. Gott unterbrach den Zeitablauf mit seinem irdischen Volk durch die Einschaltung der heute noch dauernden Zeit der Gnade. Darüber wird im Propheten Daniel nichts gesagt.

Die Verse 26b und 27 handeln von den Ereignissen der 70. Jahrwoche. Diese wird erst nach der Entrückung der Versammlung anbrechen. In jener Endzeit wird es einen Bund zwischen den Juden unter der Herrschaft des Antichristen mit dem Herrscher des wiedererstehenden Römischen Reiches geben. Von diesem «Miteinander» ist auch in Offenbarung 13 die Rede, wo es eine Verbindung zwischen den beiden «Tieren» gibt.

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Die Vision am Tigris

Die letzten drei Kapitel bilden einen in sich abgeschlossenen Teil des Buches Daniel. Wir finden darin die prophetische Sicht über die Geschichte der Juden, besonders die des gottesfürchtigen Überrests. Die Mitteilung beginnt mit der Zeit der Perserkönige und reicht bis zur endgültigen Befreiung unter der Herrschaft von Jesus Christus, was heute noch zukünftig ist. Das Ganze würde «eine grosse Mühsal» für sein Volk sein. Daniel wusste, dass Gott die Menschen aus Israel wegen ihren Sünden heimsuchen musste, und das demütigte ihn tief. Darüber trauerte er.

Nach drei Wochen hatte er eine Vision. Er sah einen furchterregenden Mann, den die Begleiter Daniels zwar nicht sahen, dessen Gegenwart sie aber spürten, so dass ein grosser Schrecken auf sie fiel. War es ein Engel oder der Herr der Herrlichkeit selbst? Die ganze Beschreibung scheint darauf hinzudeuten, dass es der Herr war, der mit seinem treuen Diener verkehren wollte.

Daniel war damals ein alter Mann. Er war sein ganzes Leben lang treu auf den Wegen Gottes geblieben. Aber als er so mit der Nähe des Herrn der Herrlichkeit konfrontiert wurde und seine Majestät sah, da verliessen ihn seine Kräfte. In diesem Zustand war er wirklich nicht in der Lage, göttliche Mitteilungen aufzunehmen. Doch der Herr war zugegen, um ihn aufzurichten und zu stärken. Er durfte sogar die Berührung einer gnädigen Hand erfahren (Vers 10; vergleiche Offenbarung 1,17).

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Ein Engel stärkt Daniel

Gestärkt durch die Hand, die ihn liebevoll angerührt hatte – und getröstet durch die ermunternden Worte, die er vernommen hatte –, erhob sich Daniel. Nun durfte er hören, dass Gott ihn am Tag der Demütigung erhört hatte. Warum dauerte es drei Wochen, bis die Antwort Gottes den Propheten erreichte?

Wenn wir in den Versen 5 und 6 eine Beschreibung des Herrn selbst erkannt haben, dann spricht jetzt ab Vers 10 eine andere Person. Es ist ein von Gott zu Daniel gesandter Engel (Vers 11). Diesem widerstand der Fürst des Königreichs Persien drei Wochen lang und hinderte ihn, Daniel die Antwort Gottes sofort zu übermitteln.

Diese Verse lassen uns einen Blick hinter die Kulissen werfen. Sie zeigen uns, dass Konflikte auf der Erde, die wir verfolgen können, eigentlich die Folgen von dem sind, was in der unsichtbaren Welt vor sich geht. In diesem Fall haben Engelfürsten mit den bösen Mächten gekämpft, die den weltlichen Herrscher Persiens zu beeinflussen suchten. Die Werkzeuge des Feindes suchen die Boten Gottes aufzuhalten. Aber Gott ist mächtiger als Satan. Das ist unser Trost.

Wie schön sind die Bemühungen der Engel, Daniel aufzurichten und zu stärken, damit er in der Lage ist, Gottes Mitteilung über die Zukunft Israels aufzunehmen. Zum Verständnis der Gedanken Gottes und um Fortschritte in der Erkenntnis seines Wortes zu machen, genügt es nicht, errettet zu sein und das Leben zu haben. Das Herz muss wirklich den Frieden Gottes geniessen und vertrauensvoll in Jesus ruhen.

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Vom persischen zum griechische Reich

In Kapitel 11 fährt der gleiche Engel weiter, der schon in Kapitel 10 mit Daniel geredet hatte. Zunächst geht es kurz um den Niedergang des persischen Weltreiches. Der vierte König in Vers 2 ist in der Geschichte als Xerxes I. bekannt. Sein Feldzug gegen Griechenland endete mit einer Niederlage.

Der tapfere König in Vers 3 ist Alexander der Grosse, der die Perser besiegte und das griechische Weltreich aufbaute. Durch seinen frühen Tod wurde es aber unter seine Generäle in vier Teilreiche aufgeteilt. Da es Gott in der Bibel nicht um Geschichtsschreibung, sondern um sein irdisches Volk Israel geht, werden ab Vers 5 nur die zwei Teilreiche weiterverfolgt, die nördlich und südlich des Landes Israel lagen (der König des Nordens und der König des Südens).

Der erste König des Südens war Ptolemäus. Er herrschte über Ägypten. Der erste König des Nordens hiess Seleukos I. Das Hauptland seines Reiches war Syrien. Die Verse 5-9 beschreiben die Machtkämpfe zwischen diesen beiden Königreichen. Das Land Israel, wo die aus Babel zurückgekehrten Juden wohnten, lag zwischen diesen Machtblöcken. Die Auseinandersetzungen zwischen den Ptolemäern (Süden) und den Seleukiden (Norden) brachten dem jüdischen Volk unsägliche Leiden und Nöte.

Die in diesen Versen erwähnten Einzelheiten erfüllten sich wörtlich. Die menschlichen Geschichtsbücher bestätigen dies.

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Ägypten und Syrien

Jede Niederlage des einen oder anderen Machthabers führte nur zu einem neuen Krieg unter dem nächsten Herrscher. Aber alle diese Konflikte konnten keine stabilen Verhältnisse herbeiführen. Das «Land der Zierde» (Vers 16) wurde daher immer wieder von fremden Heeren durchzogen und überschwemmt. Welch eine Not für seine Bewohner!

In Vers 14 heisst es sogar, dass sich Juden (Gewalttätige deines Volkes) in die Auseinandersetzung einmischten. Sie schlossen sich denen an, die gegen den König des Südens vorgingen, und meinten damit, das Gesicht (die Voraussagen) erfüllen zu können. Doch sie täuschten sich und kamen zu Fall. Gott wollte nicht, dass sich sein Volk mit den Nationen verbündete.

Die Menschen versuchten ihre ehrgeizigen, politischen Ziele nicht nur durch Kriege, sondern auch durch das Knüpfen verwandtschaftlicher Verbindungen zu erreichen (Verse 6.17).

Die Verse 18-20 beschreiben den Niedergang des Reichs des Königs des Nordens, als die Römer immer mehr nach Osten vorrückten. Der Feldherr in Vers 18 ist der Anführer der siegreichen römischen Armee. Er besiegte den Seleukidenkönig und machte dessen Land zu einer römischen Provinz. Der nachfolgende Herrscher in jenem Gebiet (Syrien) war kein selbstständiger König mehr, sondern nur noch ein «Eintreiber der Abgaben» für Rom.

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Antiochus IV. Epiphanes

Nach dem Tod des «Eintreibers der Abgaben» würde ein «Verachteter» aufstehen. Obwohl dieser Mann in der weltlichen Geschichtsschreibung nicht sehr bekannt ist, beschreibt ihn der Heilige Geist in unseren Versen ausführlich. Es ist Antiochus Epiphanes IV., der sich nicht nur mit Gewalt, sondern mit Schmeicheleien des Königtums bemächtigte. Die Geschichte dieses Regenten wird uns hier deshalb so genau mitgeteilt, weil sie eng mit dem Volk Israel verbunden ist.

In Vers 22 wird ein «Fürst des Bundes» – also ein Jude – erwähnt. Doch Antiochus handelte mit Trug gegen die Juden, die sich früher mit denen verbunden hatten, die gegen den König des Südens zogen (Vers 14). Er bedrückte und quälte sie auf schlimmste Art und Weise.

Nach der Einnahme des Landes Israel zog er in einen neuen Krieg gegen den König des Südens (Ägypten). Die Pläne reden von den betrügerischen Anschlägen, mit denen jeder den anderen zu überlisten suchte (Verse 25.27). Der König des Nordens kehrte mit grosser Beute in sein Land zurück. Aber in seinem Herzen hatte er sich vorgenommen, weder die Abmachung mit dem König des Südens noch den Bund mit den Juden zu halten.

Alle diese prophezeiten Ereignisse haben sich tatsächlich abgespielt. Man kann sie in den Geschichtsbüchern nachlesen. Für uns ist dies ein weiterer Beweis für die Genauigkeit der Bibel. Es ermuntert uns, dem Wort Gottes unser völliges Vertrauen zu schenken.

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Ein verlorener Feldzug

Die Schiffe von Kittim stellen die römische Flotte dar. Durch ihre Ankunft wurde der letzte geplante Angriff des Königs des Nordens gegen Süden verhindert. Zur Rückkehr gezwungen, liess Antiochus seine Wut über die durchkreuzten Pläne an den Juden aus.

Die Verse 31-35 beschreiben vor allem das, was die Juden in jener Zeit durchmachen mussten. Die Bücher der Makkabäer schildern die Gräuel jener schrecklichen Zeit. Jeder Gottesdienst wurde im Land abgeschafft. Bei Todesstrafe war es verboten, dem wahren Gott zu opfern oder den Sabbat zu feiern. Im Tempel wurde ein Götzenbild aufgestellt, wobei die Juden gezwungen wurden, es anzubeten.

Jene schreckliche Zeit weist vorbildlich auf die noch zukünftige Drangsalszeit hin. Die Juden werden dann unter der Führung des Antichristen ebenfalls zum Götzendienst verleitet werden.

In jener vergangenen Zeit gab es unter dem Volk solche, «die ihren Gott kennen». Sie unterwiesen viele über die Gedanken und Wege Gottes. Doch sie wurden verfolgt und erlitten den Märtyrertod.

Auch in der kommenden Drangsalszeit wird es einen gottesfürchtigen Überrest der Juden geben. Sie werden an Gott und seinen Gedanken festhalten und dem Antichristen nicht folgen. Viele werden als Märtyrer sterben. Aber in der höchsten Not wird der Herr Jesus in Herrlichkeit erscheinen und die Treuen befreien.

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Der Antichrist und der König des Nordens

Die Schlussworte in Vers 35 deuten an, dass ab Vers 36 über Ereignisse berichtet wird, die heute noch zukünftig sind. Das wird auch durch die Ausdrücke «bis der Zorn vollendet ist» und «zur Zeit des Endes» ersichtlich (Verse 36.40).

Der «König» in den Versen 36-39 ist eine Persönlichkeit, die vom König des Südens und dem König des Nordens unterschieden wird. Es ist der im Neuen Testament beschriebene Antichrist – ein Jude, der sich aber über alles erhebt und sich selbst als Gott verehren lässt (vergleiche 2. Thessalonicher 2,3-10).

Neben dem Antichristen, dem inneren Feind Gottes und des treuen Überrests der Juden, reden die Verse 40-45 von den äusseren Feinden Israels. Vor allem wird der mächtige König des Nordens Israel angreifen, nachdem es bereits in seinem Land wohnen wird. Aber mitten in seinen Erfolgen wird er durch Gerüchte von Osten und Norden erschreckt und auf seiner Rückkehr von Ägypten im «Land der Zierde» direkt von Gott gerichtet werden. Eine ausführliche Beschreibung dieses Gerichts finden wir in Hesekiel 39,1-7.

Die Aussagen der Verse 36-45 zeigen deutlich, was das irdische Volk Gottes in der Zukunft zu erwarten hat. Das Volk der Juden hat den wahren Messias verworfen und gekreuzigt. In der Zukunft wird die Mehrzahl von ihnen den annehmen, der in seinem eigenen Namen kommen wird (Johannes 5,43).

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Die Endzeit

Die in ihrer Schrecklichkeit und Schwere einmalige Zeit der Drangsal ist jene Periode, die dem Kommen des Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit unmittelbar vorausgeht. Sie wird dreieinhalb Jahre dauern. Aber mit ihrem Abschluss werden die Nöte der Juden und ihre Zerstreuung in alle Welt als Folge der züchtigenden Wege Gottes mit seinem irdischen Volk ihr Ende
finden.

Wieder wird der Engelfürst Michael erwähnt. Er steht in einer besonders engen Beziehung zum irdischen Volk Gottes. Welch eine Ermunterung für die dann lebenden gottesfürchtigen Juden, die den treuen Überrest bilden! Sie dürfen wissen, dass einer hinter der Szene steht, «der für die Kinder seines Volkes steht» (Offenbarung 12,7-17).

In Vers 2 wird das Bild der Auferstehung gebraucht, um den nationalen Wiederaufbau Israels als selbstständiges Volk zu beschreiben. Die Masse des Volkes wird aber im Unglauben verharren. Doch die wahrhaft gläubigen Juden werden leuchten und in der Drangsalszeit ein Zeugnis für Gott und Christus sein, dem viele folgen werden.

Daniel musste zu seiner Zeit die Prophetie versiegeln, während für uns Christen die Worte der Weissagung nicht mehr verschlossen sind (Offenbarung 22,10.16). Durch den Heiligen Geist haben wir das volle Licht der Prophetie, das uns in dieser dunklen Welt den Weg weist (2. Petrus 1,19). An uns aber liegt es, diese Teile der Bibel unter Gebet zu durchforschen, um Gottes Gedanken besser kennenzulernen.

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Die Wiederherstellung Israels

Nun ist nochmals von dem in Leinen gekleideten Mann die Rede, den Daniel schon in Daniel 10,5 sah, und der auf den Herrn der Herrlichkeit hinweist. Ihm wird die Frage über die Länge des Zeitabschnitts des Endes gestellt. Die Antwort ist klar: Eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit, was dreieinhalb Jahren entspricht. Diese Zeitangabe findet sich in der Offenbarung wieder und gibt die Dauer der grossen Drangsalszeit an (Offenbarung 12,14.6). Nach ihrem Ablauf wird Gott mit seinem irdischen Volk zum Ziel gekommen sein.

Auf die Frage: «Was wird das Ende (oder der Ausgang) davon sein?», bekommt Daniel keine konkrete Antwort. Wir wissen, dass diese Gerichtszeit zur Herrlichkeit und zum Segen des Tausendjährigen Reiches führen wird. Daniels Aufgabe aber war, nur über die Gerichte zu weissagen. Darum wird ihm nichts über die Herrlichkeit der Herrschaft des Herrn Jesus offenbart und mitgeteilt. Aber eines darf er wissen: Er wird auferstehen und seinen Platz im himmlischen Teil jenes Reiches haben (Vers 13).

Die Zahlen 1290 und 1335 Tage gehen über die Zeit von dreieinhalb Jahren (1260 Tage) hinaus. Sie deuten vielleicht an, dass nach dem Gericht über den Antichristen (nach 1260 Tagen) noch eine gewisse Zeit verstreichen wird, bis ganz Israel gesammelt sein wird. Erst nach einer zusätzlichen Frist wird dem Volk Gottes der volle Segen des Tausendjährigen Reiches zuteil werden.

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Vorbereitungen

Nun waren es nur noch wenige Tage bis zum Passahfest, an dem der Herr Jesus als das wahre Passahlamm am Kreuz sterben sollte.

Judas, der so lange in der Nähe des Heilands gelebt, aber nie wirklich an Ihn geglaubt hatte wie die anderen (Johannes 6,67-71), wurde nun zum Verräter seines Meisters. Was war das Motiv für diese niederträchtige Tat? Habsucht! Anmerkung: Weil Judas sein Herz gegenüber dem Herrn Jesus verschloss, es aber der Liebe zum Geld öffnete, war es für Satan leicht, ihn für seine Zwecke zu benutzen. Der Teufel fuhr aber erst beim Passahmahl wirklich in ihn (Johannes 13,27).

Obwohl der Herr wusste, was Ihm in Kürze bevorstand, blieb Er ruhig und voll Frieden. Er sandte zwei Jünger voraus, damit sie alles für das letzte Passah vorbereiteten. Noch einmal zeigt sich seine göttliche Majestät, obwohl Er der verworfene Erlöser war, der nichts besass. Die Jünger mussten jenem Hausherrn nur sagen: «Der Lehrer sagt dir: Wo ist das Gastzimmer, wo ich mit meinen Jüngern das Passah essen kann?»

Sicher hatte dieser Mann eine persönliche Beziehung zum Herrn Jesus. Er musste einer der Gottesfürchtigen in Jerusalem gewesen sein, die bereit waren, dem Herrn mit dem, was er hatte, zu dienen (vergleiche Lukas 8,3). So durfte er Dem ein Gastzimmer zur Verfügung stellen, der auf dieser Erde keinen Ruhort hatte, «wo er sein Haupt hinlegen konnte» (Lukas 9,58).

Jerusalem zur Zeit des Neuen Testaments

Jerusalem zur Zeit des Neuen Testaments

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Passah und Brotbrechen

Nun war die Stunde des Passahmahls gekommen. Der Herr sprach wie jemand, der von seiner Familie Abschied nehmen wollte, bevor Er sie verliess. Welch eine Zuneigung kommt in seinen Worten zu seinen Jüngern zum Ausdruck! Vers 16 macht aber deutlich, dass mit diesem Passah die menschlichen Beziehungen zwischen Christus und seinem irdischen Volk endeten. Durch seine Leiden und sein Sterben erfüllte sich das, wovon das Passah ein Vorbild war. Mit dem Kelch des Passahs, aus dem Er selbst nicht trank, zeigte Er, dass sein Tag der Freude mit Israel noch in der Zukunft lag. Zuerst musste Er sterben und damit die Grundlage für eine neue Beziehung zu Israel legen.

In diesem Evangelium erkennt man klar den Unterschied zwischen dem Passah und dem Mahl des Herrn, das Er in den Versen 19 und 20 einsetzte. Es ist sein Gedächtnismahl, das uns jedes Mal an das erinnert, was unser Erlöser für uns getan hat. Ja, Er hat uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben (Epheser 5,2). Möchten wir Ihm eine Antwort auf seine grosse Liebe geben und seinem Wunsch nachkommen: «Dies tut zu meinem Gedächtnis.»

Was für ein Schmerz für Ihn, dass Er nun den Verräter blossstellen und dessen schreckliches Ende ankündigen musste! Wie sehr erschraken die Jünger! Ängstlich fragten sie sich, wer es wohl sei. Einer unter ihnen wusste es, doch er schwieg. Für ihn gab es kein Zurück mehr!

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Ermahnungen und Warnungen

Der Meister war auf dem Weg zum Platz tiefster Erniedrigung: zum Kreuz. Wie beschwert muss sein Herz gewesen sein, wenn Er einerseits an den Verräter dachte und anderseits an all das Schwere, das Ihn erwartete. Und die Jünger? Sie stritten sich in diesen Augenblicken darüber, wer unter ihnen für den Grössten zu halten sei. Und wieder zeigt sich die Gnade des Herrn. Er dachte nicht an sich und seine Not, sondern versuchte sie von ihren törichten Gedanken abzubringen, indem Er ihnen zeigte, was wahre Grösse vor Gott ist. Dabei stellte Er sich selbst als leuchtendes Vorbild echter Demut vor.

Anstatt ihnen einen Vorwurf zu machen und ihre schreckliche Selbstsucht anzuprangern, versuchte Er sie in seiner Gnade zurechtzubringen. Er sagte ihnen: «Ihr aber seid es, die mit mir ausgeharrt haben.» Dafür verhiess Er ihnen einen besonderen Segen. Wie viel können wir von unserem Herrn lernen, wenn es darum geht, anderen in Gnade zu begegnen.

Aber dann hatte der Herr noch eine Warnung an Petrus. Er sollte aus Erfahrung lernen, dass das Fleisch nichts nützt. Wir haben in uns keine Kraft, ein gottesfürchtiges Leben zu führen und in den Versuchungen standhaft zu bleiben. Wenn wir dies nicht mit Gott lernen, müssen wir es im Verkehr mit dem Feind lernen.

Der Herr betete für Petrus, damit er im Glauben nicht Schiffbruch erlitt. Aber die bitteren Erfahrungen mit seiner eigenen Natur konnte Er ihm nicht ersparen. Denn Petrus war nicht bereit, sich warnen zu lassen. Zu sehr war er von seiner Liebe zum Herrn überzeugt.

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Im Garten Gethsemane

Bis dahin hatte der Herr als Messias für die Seinen gesorgt. Nun zeigten sich völlig veränderte Umstände. Mit der Kreuzigung würde seine Verwerfung ihren Höhepunkt erreichen. Jetzt galt es, einem verworfenen und von der Erde abwesenden Herrn nachzufolgen. Dazu brauchte es Glauben. Doch die Jünger scheinen die Worte des Herrn nicht erfasst zu haben.

In Kapitel 4,13 lasen wir, dass der Teufel für eine Zeit vom Herrn wich. Hier im Garten Gethsemane, als Christus im Gebet vor seinem Vater war, tauchte der Widersacher wieder auf. Die ganze Schwere des Kelches des Zornes Gottes über die Sünde stand hier vor der Seele des Heilands. Da versuchte Satan Ihn in eine Angst zu treiben, in der Er unterliegen sollte. Und der Herr? Als der Heilige und Sündlose konnte Er niemals wünschen, zur Sünde gemacht zu werden. Wenn es aber keinen anderen Weg gab, als zum Sündenträger und für uns zur Sünde gemacht zu werden, dann war Er dazu bereit. In seinem Gehorsam und in seiner Hingabe an seinen Gott und Vater wollte Er nichts anderes als dessen Willen erfüllen.

Dieses Evangelium betont die Menschheit unseres Erlösers. Darum wird der Engel, der vom Himmel kam und Ihn stärkte, nur hier erwähnt. Wie schwer dieser Kampf war, den der Mensch Jesus Christus im Gebet ausfocht, zeigen auch die Worte: «Sein Schweiss wurde wie grosse Blutstropfen, die auf die Erde herabfielen.» Doch Er stand als Sieger auf, um den Weg nach Golgatha zu gehen.

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Judas verrät seinen Meister

Zweimal hatte der Herr seine elf Jünger aufgefordert: «Betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt.» Dadurch wären sie bereit gewesen, in der nun plötzlich eintretenden Prüfung standhaft zu bleiben.

Welch ein Gegensatz zwischen dem Herrn und seinem Jünger Petrus! Der Heiland war in ringendem Kampf vor Gott gewesen. Nun stand Er ruhig und gefasst vor den Menschen, die Ihn verhaften wollten. Die Jünger aber wurden unruhig und verwirrt. Ohne eine Antwort auf die Frage: «Sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?» abzuwarten, schlug Petrus den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. Das war nutzloser, fleischlicher Eifer für seinen Herrn. Dieser aber heilte in seiner Gnade den Verwundeten.

Doch die Stunde seines Dienstes in Gnade und Liebe gegenüber seinem Volk war vorüber. Jetzt folgte eine andere Stunde. Es war die Stunde seiner Feinde, die Ihn tödlich hassten, und die Gewalt der Finsternis. Hinter den Menschen, die gegen Ihn gekommen waren, stand Satan.

Bevor die Menge Ihn festnahm, hatte der Herr noch ein Wort an ihre Herzen und Gewissen. War Er ein gefährlicher Räuber, dass sie mit einer solchen Bewaffnung gegen Ihn antraten? Täglich hatte Er vor ihren Augen im Tempel gelehrt und gewirkt. Ihn vor den Augen des Volkes gefangen zu nehmen, hatten sie sich nicht getraut. Anderseits hätten sie nicht Hand an Ihn legen können, bevor seine Stunde gekommen war (Johannes 7,30; 8,20).

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Petrus verleugnet seinen Herrn

Nachdem der Herr Jesus als Verhafteter weggeführt worden war, galt es für Petrus ernst. Hatte er nicht erklärt: «Herr, mit dir bin ich bereit, auch ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.»? Er folgte seinem Herrn von weitem. Im Garten Gethsemane hatte er geschlafen statt gebetet. Jetzt versuchte er aus eigener Kraft, dem Herrn zu folgen und Ihm seine Liebe zu beweisen. Das musste schief gehen.

Im Hof des hohenpriesterlichen Hauses hatten sie ein Feuer angezündet, und Petrus setzte sich mitten unter die Feinde seines Meisters. Dann erfolgte der Angriff Satans. Zuerst erklärte die Magd, dann die beiden Diener, dass sie ihn als Anhänger des Nazareners erkannten. Derart in die Enge getrieben und wohl aus Angst um sein eigenes Leben verleugnete er seinen Herrn mit zunehmendem Nachdruck. Beim Krähen des Hahns wandte der Herr sich um und blickte Petrus an. Da wurde dem armen Jünger die ganze Schrecklichkeit seiner Sünde bewusst. Er war tief gefallen, wie Jesus es ihm vorausgesagt hatte. Mit Tränen bitterer Reue verliess er diesen gefährlichen Ort.

Sind wir besser als Petrus? Nein. Unser Fleisch ist genauso trügerisch wie das von Petrus. Deshalb müssen wir die Orte meiden, wo wir kein Zeugnis für unseren Heiland sein können (vergleiche Psalm 1,1). Sich am Kohlenfeuer der Welt zu wärmen, kann für jeden von uns gefährlich werden. Und vergessen wir nicht: Gott hat uns nicht versprochen, uns auf einem eigenwilligen Weg zu bewahren.

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Jesus vor dem Synedrium

Die Führerschaft der Juden liess sich bis zum Morgen Zeit, um ihren Gefangenen vor die höchste jüdische Instanz, das Synedrium, zu führen. In der Zwischenzeit überliessen sie Ihn ihren Untergebenen, die Ihn nach ihrem Gutdünken verspotteten und verschmähten.

Der Herr Jesus wusste, dass seine Verurteilung beschlossene Sache war – noch bevor die Gerichtsverhandlung begann. Darum gab Er ihnen auf ihre Frage, ob Er der Christus sei, keine direkte Antwort. Hatte Er sich ihnen nicht genügend oft als Messias (Christus) vorgestellt? Doch sie hatten Ihn klar verworfen. Nun zeigte Er sich ihnen als Sohn des Menschen, dem der Ehrenplatz zur Rechten der Macht Gottes gehört. Aus seinen Worten zogen die Richter den Schluss: «Du bist also der Sohn Gottes?» Er bejahte es.

Vers 71 deckt die grosse Sünde jener verantwortlichen Führer auf. Im Unglauben lehnten sie Ihn als Den ab, der Er war. Sie meinten, genügend Grund zu haben, Ihn zu verurteilen. Für sie war Er ein Gotteslästerer. Welch eine Schuld luden sie auf sich, als sie Ihn wegen seines Bekenntnisses, der Christus, der Sohn des Menschen und der Sohn Gottes zu sein, zum Tod verurteilten!

Unzählige Male hatte Er ihnen die Wahrheit seiner Worte bewiesen. Zuletzt im Garten Gethsemane, wo Er das Ohr des Knechtes geheilt hatte. Doch ihre Herzen und Gewissen waren völlig verhärtet.

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Jesus vor Pilatus und Herodes

Da die Juden unter römischer Besatzung lebten, war es ihnen nicht erlaubt, ein endgültiges Gerichtsurteil zu fällen. Darum führten sie Jesus zu Pilatus, dem römischen Statthalter und obersten Richter.

Die Juden formulierten ihre Anklage so, dass sie den Argwohn des Römers wecken musste. Sie sprachen von Verführung einer Nation, was zu einem Aufruhr im Römischen Reich hätte führen können. Sie unterschoben dem Herrn, was Er gerade nicht gesagt hatte: dem Kaiser keine Steuern zu zahlen. Das wäre offene Rebellion gegen die bestehende Ordnung gewesen. Schliesslich erwähnten sie, Er sei König. Das wäre ja eine Konkurrenz zum Kaiser gewesen. Doch Pilatus fand keine Schuld an diesem Menschen.

Als er hörte, dass Jesus aus Galiläa war, sandte er Ihn zu Herodes, der damals gerade in Jerusalem weilte. Dieser hätte Ihn schon seit langem gern gesehen. Doch der Herr Jesus hat nie die Neugier der Menschen befriedigt. Es ging Ihm immer um ihre Herzen und Gewissen.

Als Herodes sein Ziel nicht erreichte, überschüttete er den Gefangenen mit Hohn und Spott und sandte Ihn zu Pilatus zurück. Herodes und Pilatus, obwohl sonst neidisch aufeinander und in Feindschaft gegeneinander, wurden Freunde, als es darum ging, Christus zu verwerfen. Was ist das für eine trübe Freundschaft, die zwei Menschen in der Ablehnung und Verachtung des Sohnes Gottes verbindet! – Die treibende Kraft des bösen Willens aber lag bei den Juden. Sie waren überall mit ihren Anklagen zugegen (Verse 2.5.10).

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Jesus wird zum Kreuzestod verurteilt

Nun lag der Fall wieder bei Pilatus. Als Richter versuchte er der Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen. Sein Urteil und das von Herodes lauteten übereinstimmend: schuldlos, nichts, das ein Todesurteil gerechtfertigt hätte. Um dem Volk ein Stück weit entgegenzukommen, wollte er den Angeklagten züchtigen – obwohl kein Grund dafür vorlag – und Ihn dann freilassen. Nun machte ihm eine bestehende Tradition, der er entsprechen musste, einen Strich durch die Rechnung: die Freilassung eines Gefangenen zum jüdischen Passahfest. Die ganze Menge forderte den Tod von Jesus Christus, aber die Freilassung des gefangenen Mörders und Aufrührers Barabbas.

Pilatus gab nicht so schnell auf. Ein zweites und ein drittes Mal versuchte er die Leute von der Unschuld Jesu zu überzeugen und von seinem Willen, Ihn freizulassen. Doch er hatte keine Chance. Hinter den schreienden Menschen stand Satan, der den Sohn Gottes zu beseitigen suchte.

Schliesslich gab der Richter nach. Er liess den Aufrührer und Mörder Barabbas frei und übergab Jesus dem Willen des Volkes. So machte sich der verantwortliche Richter, der gleichzeitig der Vertreter der Nationen darstellt, am Tod von Jesus Christus schuldig. Er hatte den Gerechten nicht beschützt und ein ungerechtes Urteil über Ihn ausgesprochen. Doch der Mensch ohne Gott hat in der Gegenwart des Bösen keine Kraft, das Gute zu tun. Das ist auch heute noch so.

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Jesus wird gekreuzigt

Warum richtete der Herr so ernste Worte an die wehklagenden Frauen, die Ihn auf dem Weg zur Richtstätte begleiteten? Er sah, dass es natürliche Gefühle waren, kein echter Glaube an Ihn, die diese Frauen zu Tränen rührten. Er musste ihnen zeigen, dass man von Mitleid gerührt sein kann und doch unter das Gericht als Folge seiner Verwerfung und seines Todes fallen kann. Das grüne Holz war Er, der seine ganze Kraft für Gott einsetzte. Er wurde von den Menschen verworfen. Das dürre Holz stellt das ungläubige Volk dar, das ohne Leben und Frucht für Gott war und schliesslich von Ihm verworfen wurde.

Die Menschen kreuzigten den Herrn Jesus zwischen zwei Übeltätern, als ob Er der schlimmste gewesen wäre. Er aber bat für die, die Ihn so grausam behandelten. Gott erhörte diese Bitte seines Sohnes und gab dem Volk noch eine Gnadenfrist. In seiner Predigt in Apostelgeschichte 3 sagte Petrus zu den Juden: «Jetzt, Brüder, ich weiss, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt … So tut nun Buße und bekehrt euch.»

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Ein Verbrecher wird gerettet

Kaum war der Heiland gekreuzigt, meinten seine Feinde, ihr Ziel sicher erreicht zu haben. Nun ergoss sich ihr Spott und ihre Verachtung über den «Mann der Schmerzen». Wie sehr haben sie mit ihren bösen Worten seine heilige Seele verletzt! Doch Er war der Christus, der Auserwählte Gottes und der König der Juden. Die ganze Welt konnte es lesen, auch wenn sie es nicht glaubten.

Nicht nur die Zuschauer verspotteten den Heiland, auch einer der gehängten Übeltäter lästerte Ihn. In jedem nicht erneuerten Herzen gibt es einen instinktiven Widerstand gegen Jesus Christus (Römer 3,10-12).

Der andere Verbrecher, der kurz zuvor selbst gespottet hatte (Markus 15,32), sah die Sache plötzlich ganz anders. Er erkannte sich und den in der Mitte Gekreuzigten im Licht Gottes. Er selbst hing zu Recht am Kreuz. Das war die Strafe für seine bösen Taten. Aber «Dieser» war sündlos. Das Einzige, was dieser gehängte Mann tun konnte, tat er: Er bekannte, dass Jesus Christus Herr ist, und glaubte im Herzen an Ihn (vergleiche Römer 10,9). Dann setzte er sein Vertrauen auf den Erlöser und empfing mehr, als er zu bitten wagte. Noch am gleichen Tag, wenn sowohl der Herr als auch er gestorben sein würden – nicht erst wenn Christus in Herrlichkeit wiederkommt –, durfte er mit Ihm vereint im Paradies sein.

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Jesus stirbt

Lukas betont die Ergebnisse des Erlösungswerks. Das Werk selbst fand im Dunkeln statt. Aber dann leuchtete das Licht der Gnade durch die Finsternis. Der Vorhang zum Allerheiligsten riss mitten entzwei und der Weg zu Gott war offen. Alles war vollbracht. Darum übergab Jesus seinen Geist in die Hände des Vaters.

So etwas hatte dieser römische Hauptmann noch nie erlebt. Er verherrlichte Gott und anerkannte: «Wahrhaftig, dieser Mensch war gerecht!» Was dachten die Menschen, die sich an die Brust schlugen? Sie ahnten wohl nichts Gutes. Jene aber, deren Herz für den Herrn schlug, standen voll Furcht von fern.

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Ein würdiges Begräbnis

Nach dem Tod seines Sohnes liess Gott nicht zu, dass irgendein Ungläubiger Hand an Ihn legte. Auch wenn die Feinde des Herrn sein Grab bei Gottlosen bestimmten, sorgte Gott dafür, dass Er in seinem Tod bei einem Reichen war (Jesaja 53,9). Dieser Reiche war Joseph von Arimathia, ein Ratsherr, der sich gegen die Verurteilung des Herrn Jesus eingesetzt hatte. Seine soziale Stellung erlaubte es ihm, bei Pilatus vorzusprechen und um den Leib Jesu zu bitten. Seiner Bitte wurde entsprochen. Und so konnte er den Erlöser würdig begraben, und zwar in einer Felsengruft, in der noch nie ein Toter gelegen hatte.

Das erfolgte am Freitagabend. Dann brach der Sabbat an. Die Frauen, die dem Herrn Jesus von Galiläa nachgefolgt waren (Lukas 8,2), und beim Kreuz von fern zugesehen hatten, nahmen an der Grablegung ihres Heilands teil. Sie sahen alles und wollten nach dem Sabbat zurückkommen, um seinen Leib zum Begräbnis zu salben. – Wo waren die Jünger? Wir finden sie weder beim Kreuz – ausser Johannes (Johannes 19,26) – noch bei der Grablegung. Aber welch eine Hingabe offenbaren diese Frauen!

Mit dem Tod des Herrn Jesus ging die Phase der Erprobung des Menschen durch Gott zu Ende. Der Mensch hatte sich als ein hoffnungslos verlorener Sünder erwiesen. Hoffnung gibt es für ihn nur aufgrund des Todes und der Auferstehung des Sohnes Gottes. Das Angebot der Gnade lautet nicht: «Tu dies oder das», sondern: «Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden.»

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Der Herr Jesus ist auferstanden

Das Herz dieser Frauen brannte wirklich für ihren Herrn. Wie sehr Gott diese Hingabe wertschätzte, zeigt sich darin, dass Er die Namen dieser Frauen in seinem ewigen Wort festgehalten hat (Vers 10). Und so liefen sie, sobald der Sabbat vorbei war, ganz in der Frühe des ersten Tages der Woche, zur Gruft. Doch das Grab war leer! Ihre Verlegenheit in Vers 4 zeigt, dass sie sich in keiner Weise an die Worte Jesu erinnerten. Mehr als einmal hatte Er zu ihnen von seiner Kreuzigung und seiner Auferstehung gesprochen (Lukas 9,22.44; 18,32.33).

Zwei Engel als dienstbare Geister für die Glaubenden halfen ihnen weiter. Sie fragten: «Was sucht ihr den Lebendigen unter den Toten?» Er war auferstanden, gemäss dem Wort, das Er ihnen früher mitgeteilt hatte. Nun erinnerten sich die Frauen wieder daran.

Unverzüglich kehrten sie mit der Botschaft über seine Auferstehung zu den Elfen zurück. Doch sie lösten damit keine Freude aus. Die Reaktion der Jünger war: «Sie glaubten ihnen nicht.» Waren sie wirklich so träge im Begreifen?

Petrus wollte sich selbst vom Tatbestand überzeugen. Er fand es so, wie die Frauen gesagt hatten. Doch die Verwunderung blieb. Er kam in seinen Gedanken nicht weiter. Kurz darauf aber erschien ihm der Herr persönlich (Vers 34). Er liebte seinen Jünger trotz allem Vorgefallenen und wollte ihn wieder zurechtbringen.

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Auf dem Weg nach Emmaus

Diese Geschichte gibt uns nochmals ein sehr schönes Bild von der Gnade des Herrn, wie sie sich besonders in diesem Evangelium zeigt. Zwei niedergeschlagene Jünger verlassen Jerusalem, den Ort des Segens, weil alle ihre Hoffnungen zerstört sind. Sie haben viel miteinander zu reden. Da nähert sich ein Unbekannter und fragt sie nach ihrem Gesprächsthema.

Nun bleiben sie stehen und beginnen zu erzählen. Und der Herr? Er hört zu, ohne die zwei zu unterbrechen. Ihre Worte zeigen, dass ihre Hoffnungen rein irdischer Natur waren. Es ging ihnen in erster Linie um ihr Volk, und erst in zweiter Linie um Ihn, den Erlöser. Ihre Worte offenbaren aber auch Unglauben. Obwohl Er ihnen seine Auferstehung vorausgesagt hatte, glaubten sie nicht recht daran.

Dann beginnt Er, der den beiden immer noch unbekannt ist, zu reden. Er kann ihnen einen Vorwurf des Unverstands, der Trägheit ihrer Herzen und des Unglaubens an die alttestamentlichen Prophezeiungen nicht ersparen. Aber dann – welch grosse Gnade – beginnt Er ihnen die Schriften zu öffnen. Und wer ist ein Lehrer wie Er? (Hiob 36,22). Er zeigte ihnen auch all jene Stellen, die von den Leiden des Christus reden, und erklärte ihnen, dass der Weg zur Herrlichkeit, auf die ihre ganze Hoffnung gerichtet war, durch Leiden führte. Das Kreuz war ein Muss auf dem Weg unseres Heilands. – Welch eine herrliche Stunde, als der Herr ihnen das Alte Testament erklärte und sie auf all die Stellen hinwies, die Ihn betrafen! Das war die beste Medizin für ihre beschwerten Herzen.

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Die Augen werden aufgetan

Auch wenn die beiden Jünger zunächst stehen blieben, als der Unbekannte sich nach ihrem Problem erkundigte (Lukas 24,17), scheinen sie doch zusammen weitergegangen zu sein. Jedenfalls erreichten sie, während sie dem Fremden zuhörten, wie Er ihnen die Stellen über den Messias im Alten Testament erklärte, ihr Ziel. Als der Fremde weiterziehen wollte, nötigten sie Ihn, bei ihnen zu bleiben. Der Herr drängt sich niemand auf. Aber wenn wir Ihn einladen, in unser Herz, in unser Leben und in unser Haus einzukehren, wird Er bleiben. Aber beachten wir Vers 30. Wenn wir Ihn in unser Leben einladen, wird Er die Führung übernehmen. Und das ist gut so.

Bei der gemeinsamen Mahlzeit, als Er die Rolle des Hausherrn übernahm, erkannten sie Ihn am Brechen des Brotes. Vermutlich sahen sie dabei die Wundmale von den Nägeln des Kreuzes in seinen Händen. Dann verschwand Er vor ihnen. Nun begriffen sie, warum ihnen auf dem Weg das Herz warm geworden war, als sie mehr und mehr Verständnis über viele Stellen des Alten Testaments bekamen. Sofort machten sie sich auf den Weg nach Jerusalem zurück zu den anderen Jüngern. Oh, sie hatten ihnen ganz Wichtiges mitzuteilen. Bei den Elfen angekommen, hörten sie zuerst, was diese erlebt hatten: Der auferstandene Herr war seinem gefallenen Jünger Petrus persönlich erschienen. Bei jener höchst privaten Unterredung kam er innerlich wieder in Ordnung mit seinem Meister, den er verleugnet hatte. Dann aber erzählten die beiden Emmaus-Jünger ihre Erlebnisse. Welch eine Freude für alle!

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Der Herr kommt in die Mitte der Seinen

Und dann trat Der, dessen Herzen alle bewegten, der das besondere Gesprächsthema der versammelten Jünger war, höchstpersönlich in ihre Mitte. Trotz seinem Friedensgruss erschraken sie. War Er es tatsächlich, oder war es nur ein Geist? Wie viel Geduld hatte der Herr mit den Seinen, auch nach seiner Auferstehung! Ja, bis heute erträgt Er uns, die wir oft so schwer von Begriff sind, mit grosser Geduld.

Er machte damals den Jüngern deutlich, dass Er leiblich auferstanden war. Er hatte wirklich einen Auferstehungsleib, der zwar nicht mehr an die Gesetze der ersten Schöpfung gebunden war. Doch indem Er vor ihnen ass, verdeutlichte Er seine Worte, sodass es allen klar sein sollte: Christus ist als Mensch auferstanden. Er lebt als Mensch.

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Der Auftrag und die Himmelfahrt

Da Jesus Christus im Begriff stand, sie zu verlassen und in den Himmel zurückzukehren, sandte Er sie als seine Zeugen in die ganze Welt. Ihre Verkündigung sollte bei der Stadt beginnen, die Ihn gekreuzigt hatte. Welch eine Gnade! Dann aber sollten sie weitergehen zu allen Nationen. Das Evangelium ist eine frohe Botschaft für alle Menschen. Keiner ist da ausgeschlossen. Um diesen Dienst tun zu können, würde Er ihnen den Heiligen Geist, diese Kraft aus der Höhe, senden.

Dann verliess der Herr mit segnenden Händen die Erde. Bis heute hat Er sie noch nicht zurückgezogen. Im Himmel verwendet Er sich für die Seinen, die hier auf der Erde leben. Haben wir nicht wie die Jünger damals Grund, unseren Glaubensweg mit Freuden zu gehen?

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David wird zum König gesalbt

Einleitung

Nachdem Gott Saul als König verworfen hatte, ging Samuel in seinem Auftrag nach Bethlehem und salbte dort David zum König. Doch es vergingen noch Jahre, bis David auf den Thron kam.

David besiegte den Riesen Goliath, was dem ganzen Volk zugute kam. Da wurde König Saul eifersüchtig auf David und wollte ihn töten. So musste David viele Jahre vor Saul fliehen.

David ging als Gläubiger durch Höhen und Tiefen. Manchmal handelte er im Vertrauen auf Gott, manchmal wählte er einen eigen Weg. Wie gut, dass Gott ihn immer wieder zurechtbrachte!

Saul offenbarte einen abgrundtiefen Hass gegen David. Er konnte zwar fromm reden, hatte aber keine Glaubensbeziehung zu Gott. Im Kampf gegen die Philister nahm er sich das Leben.

David wird zum König gesalbt

Samuel trauerte so lang um Saul, dass der Herr schliesslich eingreifen und den Propheten aufrütteln musste. Gott bleibt beim Versagen des Menschen nicht stehen, auch wenn es heisst, dass es Ihn reute, Saul zum König gemacht zu haben. Er gibt Samuel einen neuen Auftrag. Mit seinem Horn voll Öl (was von Bestand spricht) soll er einen der Söhne Isais zum König salben. In seiner Gnade kommt Gott dem ängstlichen Propheten und seinen Einwänden entgegen. Die Salbung des neuen Königs soll anlässlich eines Opferfestes erfolgen, sodass kein Verdacht auf Samuel fallen kann.

In Vers 7 wird uns mitgeteilt, was Samuel dachte, als er den Erstgeborenen Isais sah. Er hatte immer noch das äussere Bild Sauls vor Augen. Aber Gott beurteilt die Menschen nach anderen Kriterien als wir. Er sieht auf das Herz. Später sagte Petrus zum Römer Kornelius: «In Wahrheit begreife ich, dass Gott die Person nicht ansieht, sondern dass in jeder Nation, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt (d. h. gläubig ist), ihm angenehm ist» (Apostelgeschichte 10,34.35).

Sieben Söhne Isais kamen vor Samuel, aber keinen von ihnen hatte der Herr erwählt. David, den jüngsten, hatte man gar nicht zum Opferfest geholt. Er war mit den Schafen und Ziegen noch auf der Weide. Aber gerade ihn hatte Gott ausersehen. Er war der Mann nach seinem Herzen. – Wir finden bei David viele Hinweise auf den Herrn Jesus, z. B. als den Hirten, als den Gesalbten des Herrn, aber auch als den, auf den der Geist Gottes kam und blieb (Johannes 1,33).

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David hält sich am Königshof auf

Zur Zeit, als der Geist des Herrn über David kam, wich Er von Saul. Das war die Folge der Verwerfung durch Gott (1. Samuel 15,23). Was aber noch schlimmer war, finden wir im zweiten Teil von Vers 14: «Ein böser Geist von dem Herrn ängstigte ihn.» Die Beamten des Königs hatten Mitleid mit ihm und suchten einen Weg, um ihm Erleichterung zu verschaffen.

Durch Gottes Vorsehung kam der frisch gesalbte König in die Nähe des amtierenden Königs, den Gott aber verworfen hatte. David musste damals noch sehr jung gewesen sein. Und doch hatte er ein aussergewöhnlich schönes Zeugnis von den Menschen (Vers 18). Das Wichtigste aber war, dass es von ihm heisst: «Der Herr ist mit ihm.» Auch darin glich er unserem Herrn Jesus (Apostelgeschichte 10,38).

David kam zum König und wurde am Königshof behalten. Seine Bemühung, dem geängstigten König mit Lautenspiel zu helfen, zeigte Wirkung. «Saul fand Erleichterung», aber keine Heilung. Dazu hätte sein Gewissen in Übung kommen, und er hätte Buße tun müssen.

Gleicht er nicht manchen Leuten, die heute in der Bibel Trost suchen und durch manche Ermunterung des Wortes Gottes auch eine momentane Erleichterung erfahren? Aber sie sind nicht bereit, sich ins Licht Gottes zu stellen, sein Urteil über sich zu akzeptieren und an den Erlöser zu glauben. Daher finden sie keinen bleibenden inneren Frieden.

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Goliath verhöhnt Israel

Bereits in Kapitel 14,52 haben wir gelesen, dass der Kampf gegen die Philister heftig war und während der ganzen Regierungszeit Sauls andauerte. So kam es zu Beginn unseres Kapitels zu einem erneuten militärischen Konflikt, und zwar im Stammesgebiet von Juda. Die zwei Heere standen sich auf zwei benachbarten Bergen gegenüber. Dazwischen lag das Tal.

Dieses Mal sollte die Entscheidung nicht in einer Schlacht der beiden Heere fallen, sondern in einem Zweikampf. Die Philister stellten den Riesen Goliath als ihren Mann. Nun sollten die Israeliten auch einen bestimmen, der den Zweikampf mit Goliath aufnahm. Der Ausgang des Kampfes sollte über das Los der beiden Völker entscheiden. Die Verhöhnung der Soldaten Sauls zeigt, wie siegessicher Goliath sich fühlte. Es ist offensichtlich, dass weder Saul noch irgendeiner seiner Soldaten es mit diesem Riesen aufnehmen konnten. Die Hilfe musste von Gottes Seite kommen, der durch die Verhöhnung des Heeres Israels ebenfalls verhöhnt wurde, denn es ging um sein Volk.

Beim Lesen der Beschreibung Goliaths und seiner Bewaffnung denken wir an die Macht Satans. Er ist der Widersacher Gottes und der Feind der Menschen. Seitdem Adam und Eva auf seine Verführung gehört haben und in Sünde gefallen sind, übt Satan seine Macht über die Menschen aus. Durch die Macht des Todes hält er sie in Furcht und Knechtschaft (Vers 11; Hebräer 2,14.15).

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David kommt ins Heerlager

Durch den Ausbruch des Krieges wurde der Lautenspieler des Königs nicht mehr am Hof gebraucht. So kehrte David nach Hause zurück und hütete aufs Neue die Schafe seines Vaters. Seine drei ältesten Brüder aber waren mit Saul in den Kampf gezogen. Sie erlebten Tag für Tag die Verhöhnung durch Goliath. Wie sehr musste die Moral der Truppe darunter gelitten haben.

Nun sandte Isai seinen jüngsten Sohn ins Terebinthental, um Nachricht von seinen Söhnen zu bekommen. Wir werden unwillkürlich an den Herrn Jesus, den Sohn Gottes, erinnert, der vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen war (Johannes 16,28).

David war ein Hirte, dem die Herde am Herzen lag. Es wird ausdrücklich gesagt, dass er sie einem Hüter überliess. Als er zum Heerlager kam, wurde der junge, gottesfürchtige Hirte Zeuge eines Auftritts von Goliath. Was er zu hören bekam, rief seinen Unwillen hervor. Entrüstet fragte er: «Wer ist dieser Philister, dieser Unbeschnittene, dass er die Schlachtreihen des lebendigen Gottes verhöhnt?» Die Belohnung, die König Saul dem versprach, der es mit Goliath aufnehmen würde, beeindruckte ihn nicht. Und von seinem ältesten Bruder liess er sich nicht einschüchtern. Es ging ihm nur um die Ehre Gottes, die derart in den Schmutz gezogen wurde. Darum konnte er nicht schweigen.

David ist hier ein schwaches Vorausbild auf den Herrn Jesus, der in Psalm 69,10 prophetisch zu Gott sagte: «Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.»

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David will gegen Goliath kämpfen

Die mutigen Worte Davids kamen auch Saul zu Ohren. So musste der junge Mann vor den König kommen, der ihn vermutlich nicht mehr erkannte. Mutig und voll Gottvertrauen sagte David: «Dein Knecht will gehen und mit diesem Philister kämpfen.» Die menschlich weise Antwort Sauls vermochte David nicht abzuhalten, denn «das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen» (1. Korinther 1,25). Er berichtete von früher gemachten Erfahrungen mit seinem Gott und vertraute, dass Er ihm auch jetzt helfen und ihn aus der Hand Goliaths erretten werde.

Nun war der König bereit, ihn in den Kampf ziehen zu lassen. Aber wenigstens seine eigene Rüstung wollte er ihm mitgeben. Doch David zog sie wieder aus. Er sagte: «Ich kann nicht darin gehen, denn ich habe es nie versucht.» Seine Waffe bestand aus fünf glatten Steinen und seiner Schleuder.

Wir finden in diesen Versen drei Arten von Waffenrüstungen. Die erste ist die Ausrüstung Goliaths. Sie ist ein Bild von der Macht Satans. Die zweite Waffenrüstung ist die von Saul. Sie symbolisiert die Bemühungen der alten Natur. Alles, was wir aus eigener Kraft und Weisheit tun wollen, gehört zu dieser Waffenrüstung.

Die Bewaffnung Davids schliesslich spricht von den Hilfsquellen des Glaubens. Dazu gehört das geschriebene Wort Gottes, das in Epheser 6,17 als das Schwert des Geistes bezeichnet wird. Es ist das einzige, mit dem wir Satan siegreich widerstehen können (Jakobus 4,7; 1. Petrus 5,9).

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David geht dem Riesen entgegen

Nun gingen die zwei ungleichen Kämpfer aufeinander zu. Goliath hatte noch den Schildträger bei sich. Und David? Er trat dem Riesen auch nicht allein, sondern mit Gott entgegen (Verse 37.45). Der Philister hatte nur tiefe Verachtung und Flüche für den jungen Mann übrig. David aber schwieg zunächst. Doch dann gab er eine Antwort, die von Gottvertrauen zeugte.

Die Worte der beiden Gegner offenbaren ihren Herzenszustand. Während der eine nur Spott und Verachtung äusserte und sich sogar beleidigt zeigte, dass David ihm in dieser Aufmachung entgegentrat, liess sich der andere weder vom Riesen und seiner Bewaffnung noch von seinen Worten beeindrucken. Wir bewundern die Ruhe und Zuversicht, die David ausstrahlte. Sie waren das Ergebnis einer bewusst gelebten Gemeinschaft mit seinem Gott. Als Folge davon war er überzeugt, dass Gott ihm an diesem Tag den Sieg schenken würde.

In Vers 45 spricht David als Vertreter des einzig wahren Gottes. Er handelte sozusagen in seinem Auftrag und kämpfte für die Ehre des Herrn. Darum suchte er nichts für sich. Die Ehre gehörte nur Gott: «Die ganze Erde soll erkennen, dass Israel einen Gott hat …, denn des Herrn ist der Kampf.»

Nun zeigte sich, wie wahr die Worte der Knechte Sauls waren: «Er ist ein tapferer Held und ein Kriegsmann» (1. Samuel 16,18). Aber David focht nicht für sich, sondern er «kämpfte die Kriege des Herrn» (1. Samuel 25,28).

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David besiegt Goliath

Wie sich die beiden Gegner näher kamen, liess David dem Philister gar keine Zeit, die Initiative zu ergreifen. Er eilte dem Riesen entgegen, lud einen Stein in die Schleuder und schleuderte mit hoher Treffsicherheit. Der Stein traf den Philister an seiner Stirn, und zwar derart hart, dass er in seine Stirn drang.

In Vers 50 lesen wir Gottes Kommentar über diesen kurzen, aber entscheidenden Kampf: «So war David mit der Schleuder und mit dem Stein stärker als der Philister, und er schlug den Philister und tötete ihn.» – Die endgültige Niederlage Goliaths besiegelte David damit, dass er ihn mit dessen eigenem Schwert enthauptete. Darin weist er auf einen Grösseren hin – auf unseren Erlöser, von dem es in Hebräer 2,14 heisst, dass «er durch den Tod den zunichte machte, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel». Diesen Sieg errang unser Heiland am Kreuz.

Nun flohen die Philister, was ein Bild der Niederlage der Welt ist. Unser Herr hat am Kreuz nicht nur den Tod und den Teufel besiegt, sondern auch die Welt überwunden. – Interessant ist die Erwähnung von Jerusalem in Vers 54, das damals noch gar nicht Hauptstadt von Israel war. Das wurde diese Stadt erst unter König David (2. Samuel 5,6-9).

Weder König Saul noch sein Oberbefehlshaber Abner kannten David. Er musste sich als Lautenspieler am Hof sehr diskret verhalten haben. Zudem hatten diese Führer in Israel keine wirkliche Beziehung zum Sieger. Es gab auch nie eine. Weder Saul noch Abner teilten den Glauben Davids.

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Jonathan liebt und verehrt David

Während Saul und Abner durch ihre Unwissenheit zeigten, dass sie keine Beziehung zu David hatten – ihnen fehlte sein Glaube –, verband sich die Seele des Kronprinzen Jonathan mit der Seele Davids. Zwischen ihnen gab es eine «Verwandtschaft»: So wie David bei der Begegnung mit Goliath Mut und Gottvertrauen bewiesen hat, so hatten Jonathan und sein Waffenträger in Kapitel 14 Mut und Gottvertrauen gezeigt, als sie zu zweit die Philister angriffen. Auch ihnen schenkte Gott einen Sieg.

Jonathan bewies David seine Freundesliebe, indem er ihm sein Oberkleid, seinen Waffenrock, sein Schwert, seinen Bogen und seinen Gürtel schenkte. So dürfen wir als Glaubende unserem Erlöser und Herrn alles, was wir haben und sind, zur Verfügung stellen und Ihm damit ein wenig unsere Liebe und Dankbarkeit zeigen. Durch sein Verhalten gewann David auch die Anerkennung der Knechte Sauls. Später heisst es sogar: «Ganz Israel und Juda hatten David lieb» (Vers 16).

Und die Reaktion Sauls? Die Frauen empfingen die zurückkehrenden Sieger singend mit den Worten: «Saul hat seine Tausende erschlagen und David seine Zehntausende.» Darüber ergrimmte der König sehr, obwohl die Aussage stimmte. Neid machte sich im Herzen Sauls breit, der später zu tödlichem Hass wurde (Vers 11). Der Mann, den er in Vers 2 bei sich behalten wollte und in Vers 5 beförderte, wurde plötzlich zu seinem Gegenspieler. Erinnerte er sich vielleicht an die Worte Samuels in Kapitel 15,28? War David dieser Nächste, der besser war als er?

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Saul wirft den Speer gegen David

Durch den Neid, den Saul in seinem Herzen aufkommen liess, öffnete er sich dem bösen Geist von Gott erst recht. So verwundert es uns nicht, dass er am Tag nach der triumphalen Rückkehr eine ganz schlimme Zeit hatte. Anstatt dass das Lautenspiel Davids ihm Erleichterung brachte, wuchs der innere Widerstand gegen ihn, sodass er in seinem Hass den Speer nach ihm warf. Zweimal konnte David dem Tod ausweichen. Er durfte erfahren, dass der Herr auch jetzt mit ihm war.

Von Saul aber heisst es, dass er sich vor David fürchtete und sich vor ihm scheute. Er merkte, dass er es mit dem, zu dem der Herr sich offenkundig bekannte, nicht aufnehmen konnte. Also entfernte er ihn aus seiner Gegenwart. Er gab ihm einen Posten in der Armee. Das war der Beginn der Verfolgung Davids durch Saul. Wie viel Schweres lag noch vor dem Mann, der Goliath besiegt und den Gott zum König über sein Volk bestimmt hatte!

Ging es unserem Herrn anders? In seinem ganzen Leben hat Er den Widerspruch vonseiten der Sünder erduldet, der darin endete, dass man Ihn kreuzigte. Aber gerade am Kreuz hat unser Heiland einen Sieg errungen, der unvergleichlich grösser und weitreichender ist als der Sieg Davids über Goliath.

Der vom König gehasste und abgeschobene Mann gewann immer mehr das Herz seiner Landsleute. So wurde die Grundlage für seine spätere Annahme als König gelegt (Vers 16; 2. Samuel 5,2).

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David heiratet Michal

Saul gab den Gedanken, David endgültig zu beseitigen, nicht auf. Wenn es ihm nicht gelang, seinen Gegenspieler an die Wand zu spiessen, gab es vielleicht die Möglichkeit, dass er im Kampf mit den Feinden Israels fiel. Indem Saul ihm seine Tochter Merab versprach, wollte er David zu diesen lebensgefährlichen Unternehmungen animieren. Doch der Plan Sauls misslang.

Michal, die andere Tochter Sauls, liebte David wirklich. Doch es war nur eine natürliche Liebe, mehr nicht. Im Herzen Michals wohnte leider nicht der Glaube, der das Herz und das Leben Davids bestimmte.

Saul aber benutzte die Liebe zwischen seiner Tochter und David, um einen weiteren Versuch zu machen, diesen Mann durch die Hand der Philister zu töten. David tat mehr, als was Saul verlangte – und blieb am Leben! Nun musste der König sein Wort halten und David seine Tochter Michal zur Frau geben. Es wurde keine glückliche Ehe, obwohl es zweimal heisst, dass Michal David liebte. Michal und David trafen sich nur auf menschlicher Ebene. Weil Michal ungläubig blieb, gab es geistlich keine Beziehung zwischen den beiden (2. Samuel 6,16.20-23).

Nun war der Bruch zwischen Saul und David besiegelt. «Saul war Davids Feind alle Tage.» Aber der Herr bekannte sich zu dem vom König Gehassten und Verachteten. Er gab ihm besonderes Gelingen in seinen militärischen Aktionen. «David hatte mehr Gelingen als alle Knechte Sauls, und sein Name wurde sehr geachtet.»

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Saul will David töten

Nun informiert Saul die Menschen, die ihm am nächsten stehen, über seinen Plan, David zu töten. Er macht seinen Hass gegen den Sohn Isais publik. Aber diese Verschärfung der Lage Davids bringt die Echtheit der Freundschaft Jonathans ans Licht. Er erweist sich als ein Freund, «der zu aller Zeit liebt und der als Bruder für die Bedrängnis geboren wird» (Sprüche 17,17). Einerseits warnt er seinen Freund und anderseits versucht er, seinen Vater umzustimmen. Wie geht er vor?

Er stellt ihm seine böse Absicht als Sünde vor. Dann spricht er von der Nützlichkeit der Taten Davids und versucht, sein Herz zu erreichen, indem er ihn daran erinnert, wie er sich über diesen Mann und seine Heldentat gefreut hat. Zuletzt appelliert er an das Gewissen seines Vaters.

Wie reagiert Saul? Er hört auf Jonathan und beteuert mit einem Schwur, dass er David nicht töten wolle. Doch wo bleibt die Buße, die Einsicht und das Bekenntnis, dass er David gegenüber falsch gehandelt hat? Sein Gewissen ist wohl berührt, aber an seiner Haltung ändert sich nichts. Das ist die Tragik im Leben Sauls: Es kam bei ihm nie zu einer echten Umkehr.

Wohl bringt Jonathan seinen Freund wieder zu Saul, aber die Lage ist nur äusserlich wieder wie früher. Ohne aufrichtige Buße bleibt die Wurzel des Hasses gegen David im Herzen Sauls bestehen – um früher oder später wieder hervorzubrechen.

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David muss fliehen

Wie lange diese äusserlich entspannte Lage gedauert hat, wissen wir nicht. Doch es kam der Moment, da der böse Geist vom Herrn erneut über Saul kam. David versuchte ihm durch das Lautenspiel Linderung zu verschaffen. Doch Saul warf erneut den Speer gegen David, der nur durch eine schnelle Reaktion der todbringenden Waffe ausweichen und dann fliehen konnte.

Wir denken an unseren Herrn, der oft Hass für seine Liebe erntete (Psalm 109,4.5). Denken wir nur an das, was Er in der Synagoge von Nazareth erlebte! Obwohl die Menschen sich über seine Worte der Gnade verwunderten, wurden sie so wütend auf Ihn, dass sie Ihn umbringen wollten (Lukas 4,22.28.29).

Michal, die Frau Davids, erkannte den Ernst der Lage und riet ihm, sofort zu fliehen. Ein menschlich weiser Rat, der sicher ihrer natürlichen Liebe zu David entsprang! Aber als ungläubige Frau wusste sie nichts von Gottvertrauen. Aus der Erzählung, wie sie ihren Mann vor dem Zugriff ihres Vaters geschützt hat – durch eine raffinierte List, verbunden mit Lüge –, erfahren wir, dass sie sogar einen Hausgötzen besass. Wie traurig: Im Haus des gottesfürchtigen David gab es einen Teraphim!

Als Michal von ihrem Vater zur Rede gestellt wurde, redete sie sich mit einer Notlüge heraus. Aber denken wir daran: In den Augen Gottes ist auch eine sogenannte Notlüge eine Lüge und damit eine Sünde, die Er verabscheut.

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David bei Samuel

Wohin sollte David fliehen? Er suchte den Propheten Samuel auf. Ein junger gläubiger Mann, der in Not war, suchte den Rat und die Hilfe eines alten, erfahrenen Mannes Gottes! Welch ein nachahmenswertes Beispiel! Für eine Zeit konnte der Flüchtling bei Samuel bleiben.

Sobald jedoch Saul erfuhr, wo David sich aufhielt, versuchte er, ihn zu verhaften. Dazu schickte er Boten – vermutlich Soldaten – nach Najot bei Rama. Es scheint, dass David und Samuel nichts von den bösen Plänen Sauls wussten. Sie befanden sich also in einer lebensgefährlichen Lage.

Nun zeigte sich, was für einen wunderbaren Gott die Seinen haben. Er ist der Allmächtige, dem alles zu Gebote steht. Nie kommt Er in Verlegenheit. In diesem Fall benutzte Er die Macht seines Geistes, um seinen Knecht David vor dem Zugriff Sauls zu schützen.

Sobald die Abgesandten Sauls in die Nähe der Versammlung der Propheten in Najot kamen, wurden sie so vom Heiligen Geist erfasst, dass sie weissagen mussten und den Auftrag des Königs nicht ausführen konnten. Saul machte drei Versuche, um David habhaft zu werden. Alle misslangen. Schliesslich macht er sich selbst auf den Weg, um die Sache persönlich in die Hand zu nehmen. Doch auch er musste sich der Macht des Geistes beugen. Diese zeitweilige Beherrschung durch den Geist änderte das Herz Sauls aber nicht. Er blieb der gottlose Mann, wie die Menschen ihn kannten (vergleiche Vers 24 mit Kapitel 10,12).

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David und Jonathan treffen sich

Durch das mächtige Eingreifen Gottes zum Schutz von David bekam dieser die Möglichkeit, von Najot zu fliehen und so der Verhaftung durch Saul zu entgehen. In seiner Not und Bedrängnis suchte er Jonathan, seinen Freund, aufs Neue auf. Aus dem Gespräch, das die beiden miteinander hatten, erkennt man, dass David einen wesentlich klareren Blick für den Ernst der Lage hatte als Jonathan. Die enge Verbindung zu seinem ungläubigen Vater trübte sein Unterscheidungsvermögen. Auch unser geistliches Urteilsvermögen wird in dem Mass getrübt werden, wie wir uns unnötigerweise mit der Welt verbinden.

Die Worte Davids zeigen, wie gross die Angst seines Herzens war. Er sah tatsächlich den Tod vor sich. Aber die Angst ist kein guter Ratgeber. Sie vertuscht die Wahrheit mit einer Notlüge (Vers 6). Sie fängt an, die Liebe des Freundes in Frage zu stellen (Vers 8). Sie sorgt sich darüber, wie sie die nötigen Nachrichten erhalten kann (Vers 10).

Auch wenn David als ein Verfolgter ein Vorausbild auf unseren Herrn ist, der von den Führern der Juden gehasst und verfolgt wurde, so ist dieses Bild doch mangelhaft. Nie hat unser Herr sich durch eine Unwahrheit aus einer gefährlichen Situation herausgeredet. Als man Ihn fragte: «Wer bist du?», antwortete Er: «Durchaus das, was ich auch zu euch rede.» Seine Worte stellten Ihn als Den dar, der Er war: die Wahrheit. Und in Psalm 17,3 sagt Er prophetisch: «Mein Gedanke geht nicht weiter als mein Mund.»

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Jonathan will David helfen

Um vor irgendwelchen ungebetenen Lauschern geschützt zu sein, setzten die beiden Freunde ihr Gespräch auf dem Feld draussen fort. Es scheint, dass nun auch Jonathan wusste, wie ernst die Sache stand.

In einer gewissen Vorahnung dessen, was über Saul und seine Familie kommen würde, schloss Jonathan einen neuen Bund mit David. Gegenüber dem ersten (1. Samuel 18,3) ging dieser weiter und umfasste auch die Nachkommen der beiden Freunde. Die spätere Geschichte zeigt, dass David sich an diesen Bund gehalten hat. Wie viel Güte und Gnade erwies er später Mephiboseth, dem körperlich behinderten Sohn Jonathans! Er bekam einen festen Platz an der königlichen Tafel (2. Samuel 9).

Die Freundesliebe zwischen Jonathan und David war tief. Aber Jonathan erkannte nie, dass mehr nötig gewesen wäre, als seine Liebe zu beteuern. Er hätte die Verwerfung und das Leben als Flüchtling mit David teilen sollen. Doch er blieb bei seinem Vater und kam schliesslich mit ihm ums Leben (1. Samuel 31,2.6).

Nach dem Gespräch schlug Jonathan seinem Freund ein Zeichen vor, mit dem er ihn, der sich versteckt halten sollte, über die Lage am Hof benachrichtigen konnte. Das Schiessen der Pfeile zu Übungszwecken konnte keinen Verdacht erregen. Niemand würde dahinter etwas Besonderes vermuten.

Wie die Lage auch ausgehen würde, sie wollten sich an die Abmachungen halten. Das war ihr Ernst vor Gott, der alles beurteilt.

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Jonathan setzt sich für David ein

Das Bankett am Königshof anlässlich des Neumondes fand ohne David statt. Als sein Platz leer blieb, dachte Saul: «Er ist nicht rein.» Aber waren sein Herz und seine Gedanken rein? Die Haltung Sauls lässt uns an die Juden denken, die den Tod von Jesus forderten und damit sein Blut auf sich nehmen wollten, aber nicht ins Prätorium hineingingen, um sich nicht zu verunreinigen (Johannes 18,28). Welch eine Heuchelei!

Als David am zweiten Tag immer noch nicht erschien, fragte Saul seinen Sohn Jonathan über den Verbleib des Sohnes Isais. Auf die Antwort Jonathans reagierte Saul mit schrecklichen Schimpfwörtern gegen ihn und seine Mutter. Schliesslich warf er den Speer nach ihm, wie er ihn wiederholt gegen David geschleudert hatte.

Jonathan übernahm die Verantwortung für seinen Freund und versuchte, seinen Vater vom geplanten Mord abzuhalten, indem er fragte: «Warum soll er getötet werden? Was hat er getan?» Er musste einsehen, dass sein Bemühen nichts nützte. Zutiefst verletzt – nicht persönlich, sondern wegen den Schmähworten seines Vaters über seinen Freund – stand er auf und verliess die königliche Tafel. Die Haltung Jonathans erinnert an Nikodemus und Joseph von Arimathia, die sich gegenüber den Feinden des Herrn für Ihn einsetzten – auch ohne Erfolg (Johannes 7,50; Lukas 23,51).

So wie Saul den Speer sowohl gegen David als auch gegen Jonathan warf, so richtet sich der Hass Satans und der Welt sowohl gegen Christus als auch gegen die Christen (Johannes 15,18-20).

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David nimmt Abschied von Jonathan

Am nächsten Morgen ging Jonathan aufs Feld hinaus, um mit dem verabredeten Zeichen David über den Stand der Dinge zu informieren. Entsprechend der Abmachung schoss er den Pfeil über den Knaben hinaus. Als David Jonathan sagen hörte: «Der Pfeil ist ja jenseits von dir!», wusste er, dass sein Schicksal vonseiten Sauls besiegelt war.

Nachdem Jonathan den Knaben mit den Waffen in die Stadt zurückgesandt hatte, konnten sich die Freunde ungestört treffen und aussprechen. Die Trauer war gross. Wir verstehen die übermässige Not Davids. Wie würde sein Leben nach der eindeutigen Todesdrohung des Königs weiter verlaufen?

Interessanterweise bat David seinen Freund nicht, mit ihm zu gehen. Das Neue Testament lehrt uns, dass Jüngerschaft und Nachfolge des Herrn Jesus nichts Erzwungenes sind (Lukas 9,57-62). Der Herr Jesus wünscht, dass wir Ihm nachfolgen, aber Er zwingt uns nicht dazu. Jonathan zeigt gewisse Ähnlichkeit mit dem reichen Jüngling, der den Herrn Jesus betrübt verliess, weil er nicht bereit war, Ihm kompromisslos nachzufolgen (Markus 10,21.22).

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David beim Priester Ahimelech

Als David ins Unbekannte fortzog, kehrte Jonathan in die Stadt zurück. Ihm fehlte die Glaubenskraft, um sein Leben mit dem Verworfenen zu teilen. Oder dachte er, auf dem Weg des Kompromisses zum Ziel zu kommen: dass David König würde und er der Zweite nach ihm sein konnte? (1. Samuel 23,17).

Nun musste David lernen, als mittelloser Flüchtling zu leben. Das war kein einfacher Weg. Der Erste, bei dem er Hilfe suchte, war der Priester Ahimelech. Um seine Lage nicht zu verraten, nahm er es wieder nicht genau mit der Wahrheit. Wir wollen David nicht verurteilen, denn wohl keiner von uns befindet sich in einer derart gefährlichen Lage. Doch wir wollen aus dieser göttlichen Mitteilung lernen, es mit der Wahrheit genau zu nehmen und wirklich in die Fussstapfen unseres Herrn zu treten, in dessen Mund kein Trug gefunden wurde (1. Petrus 2,21-23).

Der Priester gab David schliesslich die Schaubrote, die eigentlich für die Priester bestimmt waren, und das Schwert Goliaths. Sowohl das Brot als auch das Schwert sind ein Bild des Wortes Gottes. Nun war David für den Augenblick gut versorgt.

Als der Herr Jesus als Mensch hier lebte und von den Führern der Juden immer wieder angegriffen wurde, zitierte er einmal diese Begebenheit aus dem Leben Davids (Lukas 6,1-5). Er zeigte damit seinen Gegnern, wie paradox es war, die Sabbatgebote (und andere) peinlich genau einzuhalten und gleichzeitig den Herrn des Sabbats, den Gesetzgeber, zu verwerfen. Die Zeit Jesu in den Evangelien glich der Lage, in der sich David damals befand: Der König nach den Gedanken Gottes wurde nicht anerkannt, sondern mit tödlichem Hass verfolgt.

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David bei Achis in Gat

Am Schluss des gestrigen Abschnitts haben wir gelesen, dass der nächste Ort, wohin David vor Saul floh, das Land der Philister war. Er kam zu Achis, dem König von Gat. Das war keine Glaubenstat, sondern eine Reaktion seines Kleinglaubens. Die Flucht in das Land der Feinde brachte ihn in grosse innere und äussere Nöte.

David hoffte, wie später Petrus, von der Welt unentdeckt zu bleiben. Es gelang beiden nicht. Als die Philister David erkannten, erinnerten sie sich sofort an seinen Sieg über Goliath. Nun war er auch in Gat seines Lebens nicht mehr sicher. Aus Angst vor dem Tod verstellte er seinen Verstand und benahm sich wie ein Wahnsinniger. Und Petrus? Um sein Leben zu retten, verleugnete er seinen Herrn und Meister (Johannes 18,15-18).

Was für Ängste und Nöte David in jener Zeit durchmachte, beschreibt er in den Psalmen 34 und 56, die er damals gedichtet hat. Vor allem Psalm 34 zeigt zudem, wie David in seiner Notsituation innerlich wieder zurechtgekommen ist und die Rettung des Herrn erfahren durfte. Er konnte Gat unbeschadet verlassen. Wie gross ist doch die Gnade und Barmherzigkeit unseres Herrn! Er stellte auch seinen Jünger Petrus ganz wieder her. Einem David anvertraute Gott später sein Volk. Er sollte es weiden wie ein Hirt (Psalm 78,70.71). Und dem Apostel Petrus anvertraute der Herr seine Schafe und seine Lämmer (Johannes 21,15-17).

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David in der Höhle Adullam

Nach der Rückkehr ins Land Israel durfte David die Ermunterung durch seine Familie erfahren. Alle, auch seine Brüder, die ihm früher unfreundlich begegneten, kamen zu ihm. Sowohl Neid als auch Verachtung waren verschwunden. Durch ihr Kommen zeigte die Familie, dass sie verstand, dass David zu Unrecht von Saul verfolgt wurde. Besorgt um seine vermutlich alten Eltern suchte er in Moab einen sicheren Aufenthaltsort für sie. In der Zukunft wird der treue Überrest ebenfalls in Moab Unterschlupf finden (Vers 3; Jesaja 16,4).

David in der Höhle Adullam ist ein schönes Vorausbild auf unseren Herrn, der, obwohl von seinem Volk verworfen, alle Mühseligen und Beladenen zu sich ruft (Matthäus 11,28). Als wir in Buße und Glauben mit unseren Sünden zum Heiland kamen, glichen wir da nicht denen, die sich damals zu David versammelten? Und gerade einige von diesen Männern wurden zu seinen Helden (z. B. 2. Samuel 23,13-17).

Gad, der Prophet, ist hier der Träger des Wortes und Zeugnisses Gottes. Er weist David an, ins Land Juda zu gehen, und David gehorcht dem Wort von Gott. Dann wird er entdeckt und Saul zeigt durch seine Worte, welch einen völlig unbegründeten Hass er gegen David hegte und wie er glaubte, alle hätten sich gegen ihn verschworen. Nun tritt Doeg, der Edomiter, als feiger Verräter auf. Er hatte sich also nicht mit aufrichtigen Absichten vor dem Herrn zurückgezogen aufgehalten (1. Samuel 21,8). Dieser böse Verdacht veranlasste David, Psalm 52 zu dichten.

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Saul rächt sich an den Priestern

Nun wurde der Priester Ahimelech mit seiner ganzen Familie vor den König zitiert. Auf die Vorwürfe Sauls antwortete der Mann, der sich keiner Schuld bewusst war, freimütig. Dabei stellte er David ein gutes Zeugnis aus, verschwieg jedoch die Unwahrheit, die er vorgebracht hatte (1. Samuel 21,3).

Doch die Wut und der Hass Sauls waren so gross, dass er dem Priester Verschwörung unterschob und dafür das Todesurteil über ihn und seine Familie fällte. Wie schrecklich! Sogar die Soldaten des Königs weigerten sich, ein derart ungerechtes Urteil zu vollziehen.

Der Verräter Doeg aber hatte keine Skrupel, 85 Priester zu ermorden und die ganze Stadt der Priester zu schlagen. Männer, Frauen, Kinder, Säuglinge, Tiere – alle fielen dem Schwert zum Opfer. Einerseits erfüllte sich damit die göttliche Prophezeiung über die Familie Elis (1. Samuel 2,31-33); aber anderseits war dieser Edomiter für diese Tat hundertprozentig verantwortlich. Gott wird ihn einmal dafür zur Rechenschaft ziehen.

Ein einziger Priester entkam dem Massaker: Abjathar. Wohin floh er? Zu David! Welch ein Trost müssen die Worte Davids für Abjathar gewesen sein! Dabei ist David nur ein schwacher Hinweis auf unseren Herrn, bei dem jeder, der im Vertrauen zu Ihm kommt, für ewig in Sicherheit ist (Johannes 10,28). Jeder Glaubende ist beim Herrn Jesus wirklich wohl bewahrt.

David aber empfand seine Mitschuld am Tod der Priesterfamilie zutiefst.

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David rettet Kehila

Es muss in Israel manche gegeben haben, die in ihrem Herzen David bereits als König anerkannten, denn in Vers 1 heisst es, dass man David und nicht Saul vom Überfall der Philister berichtete. Wie nachahmenswert ist die Abhängigkeit Davids von seinem Gott! Zuerst fragte er den Herrn, ob er in den Kampf ziehen sollte. Als seine Männer Bedenken äusserten, fragte er den Herrn nochmals, um wirklich sicher zu sein, dass er sich auf Gottes Weg befand.

Wenn wir im Blick auf eine Entscheidung nicht ganz sicher sind, dann dürfen wir den Herrn weiter um Klarheit bitten. Es ist wichtig, dass wir als Kinder Gottes den Weg im Leben gehen, den Er uns weist. Der Herr kann nur mit uns sein, wenn wir auf seinem Weg bleiben.

Mit der klaren Zusage des Herrn zog David in den Kampf und besiegte die Philister. Aber was noch wichtiger war, finden wir am Schluss von Vers 5: «So rettete David die Bewohner von Kehila.» Erwies er sich da nicht als wahrer Hirte seines Volkes, der zum Wohl seiner Herde dem Feind, der zerstören und verderben wollte, mutig entgegentrat? (1. Samuel 17,34.35; Psalm 78,70-72).

Die Erwähnung des Ephods, das der Priester Abjathar mitbrachte, weist wohl auf das Ephod des Hohenpriesters mit dem Brustschild hin, in das die Urim und Tummim gelegt wurden (2 Mose 28,30). Diese spielten bei Fragen nach Gottes Willen eine wichtige Rolle (4. Mose 27,21).

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David flieht in die Wüste Siph

Nach dem Sieg Davids über die Philister erfährt Saul, dass David in Kehila ist. Er meint, Gott habe ihn verworfen und ihn in seine Hand gegeben. Aber Gott ändert seine Meinung nie. Er steht immer zu dem, was Er einmal gesagt hat. Sein Wort durch Samuel in Kapitel 15,26-28 galt immer noch.

Was soll David tun? In aller Unterwürfigkeit fragt er den Herrn, und dieser offenbart ihm die unloyale Haltung der Bewohner von Kehila. So verlassen David und seine Männer die Stadt, bevor Saul sie belagern kann, und suchen auf den Bergfestungen in der Wüste ein neues Versteck. Gott lässt nicht zu, dass David in die Hand Sauls fällt.

Wie anders war es bei unserem Herrn. Als Judas Iskariot Ihn verriet, ging Er seinen Häschern entgegen und liess sich verhaften, obwohl Er die Möglichkeit gehabt hätte, sich zu wehren (Johannes 18,3-6.12; Matthäus 26,53).

Als David realisiert, dass er nirgends vor Saul sicher ist, kommt sein Freund Jonathan zu ihm in den Wald, um ihn zu ermuntern. Wie? Indem er die Hand seines bedrängten Freundes in Gott stärkt. – So dürfen auch wir Mitgläubigen, die in Not sind, eine Hilfe sein, indem wir sie auf den Herrn Jesus hinweisen und ihr Gottvertrauen zu stärken suchen.

So ermunternd diese Begebenheit mit Jonathan für David auch war, so traurig endet sie, und zwar mit den Worten: «Jonathan ging in sein Haus.» Er war nicht bereit, das Los Davids mit ihm zu teilen.

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David in der Wüste Maon

Nicht nur die Bewohner von Kehila, auch die Siphiter hielten zu Saul und verrieten David, der sich in ihrem Gebiet aufhielt. Ihre schmeichelnden Worte an Saul erinnern an das Verhalten von Judas Iskariot gegenüber den Führern der Juden (Markus 14,10.11).

Und Saul? Dieser ungläubige, aber religiöse Mann segnet diese Verräter im Namen des Herrn! Sein Herz voller Hass freut sich in der Hoffnung, sein Ziel – den Tod Davids – zu erreichen.

Vermutlich hörte David von der erneuten Nachstellung Sauls erst, als dieser mit seinen Soldaten bereits in der Nähe war. Er versuchte sich in den Felsen zu verstecken. Es scheint, dass für eine Flucht an einen anderen Ort keine Zeit mehr blieb. Nun wurde es ganz kritisch: Als David ängstlich bemüht war, Saul zu entgehen, wurden er und seine Männer von den Soldaten Sauls umzingelt. Jetzt blieb David wirklich nur noch der Ausweg nach oben.

Wir lesen nicht, dass David besonders gebetet hätte, aber frühere Verse zeigen sein Leben mit Gott. Nun griff der Herr selbst ein. Durch die Nachricht von einem erneuten Einfall der Philister musste Saul die Verfolgung Davids für den Moment aufgeben. Der Herr hatte sichtbar eingegriffen, um David zu retten (Verse 14.27). Der Name, den man jenem Ort gab, lässt uns an Psalm 124,7 denken: «Unsere Seele ist entkommen wie ein Vogel aus der Schlinge der Vogelfänger; die Schlinge ist zerrissen, und wir sind entkommen.»

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David verschont den König

Nachdem David durch das gnädige Eingreifen Gottes der Verfolgung durch Saul für den Augenblick entgehen konnte, suchte er sich mit seinen Männern auf den Bergfestungen von En-Gedi zu verstecken. Aber auch dort blieb er nicht verborgen und wurde an Saul verraten. So zog der König, sobald es die Umstände erlaubten, aufs Neue los. Zusammen mit 3000 auserlesenen Männern versuchte er David zu verhaften.

Als er auf dem Weg an einer Höhle vorbeikam, ging er ein Stück weit hinein, um seine Füsse zu bedecken. Ganz hinten in dieser Höhle aber sassen David und seine Männer. Diese betrachteten die Gelegenheit sofort als günstigen Augenblick für David, um sich an seinem Feind zu rächen. Wie sehr wurde da die Gesinnung Davids auf die Probe gestellt! Was für innere Nöte er dabei hatte, aber auch zu welcher Ruhe er in seinem Gott fand, das zeigt uns Psalm 57, den er zu jener Zeit gedichtet hat. So schnitt er dem schlafenden König einfach einen Zipfel des Oberkleides ab. Sogar dies tat er nur mit Herzklopfen. Wie zart reagierte das Gewissen Davids!

Seinen Männern aber wehrte er, Hand an den König zu legen. Solange Gott diesen Mann am Leben liess, war er für ihn der Gesalbte des Herrn, d. h. der regierende König. Auf keinen Fall wollte er Gott vorgreifen und sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Er wusste, dass Gott ihn zum König über sein Volk bestimmt hatte. Doch der Zeitpunkt seines Regierungsantritts lag ganz in Gottes Hand.

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David bezeugt seine Unschuld

Kaum war Saul weiter gezogen, da verliess auch David die Höhle. Dann rief er hinter dem König her und versuchte Sauls Herz und Gewissen zu erreichen. Zuerst bewies er ihm, dass er ihn hätte töten können, und erklärte ihm, warum er es nicht getan hatte. Der abgeschnittene Zipfel des königlichen Oberkleides sollte der Beweis dafür sein, dass er nichts Böses gegen den König im Schild führte. Es gab keinen Grund für die Verfolgung Davids durch Saul.

Mit den weiteren Worten legte er die ganze Sache in die Hand Gottes. «Der Herr richte zwischen mir und dir.» In seinem ersten Brief stellt der Apostel Petrus den Herrn Jesus in seinem Leben als Mensch auf dieser Erde als nachahmenswertes Beispiel für uns vor. Dabei schreibt er unter anderem von ihm: «Der, gescholten, nicht wiederschalt, leidend, nicht drohte, sondern sich dem übergab, der gerecht richtet» (1. Petrus 2,23). Darin glich David seinem Herrn.

Mit den Vergleichen in Vers 15 wollte David in aller Demut sagen: Ich bin ja nichts. – Von unserem Heiland heisst es, dass Er sich selbst zu nichts machte (Philipper 2,7). Und von sich sagte Er: «Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig» (Matthäus 11,29).

Zum Schluss legte David noch einmal die ganze Angelegenheit in die Hand Gottes. Hätten diese Worte Saul nicht zu Herz und Gewissen gehen sollen? Wenn Gott die Rechtssache Davids in die Hand nahm, musste Er dann nicht Sauls unbegründeten Hass bestrafen?

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Saul zeigt eine oberflächliche Reue

Die ergreifenden Worte Davids liessen die Emotionen Sauls hochgehen. Er weinte und bekannte: «Du bist gerechter als ich.» Die ganze Reaktion Sauls macht den Anschein einer echten Bekehrung: Tränen, Bekenntnis, Selbstgericht, Anerkennung der Gerechtigkeit Davids und ein Ja zu Gottes Aussagen im Blick auf das Königtum. Er wünschte für David sogar das Gute vom Herrn. Doch die weitere Geschichte zeigt, dass es bei Saul nicht zu einer definitiven inneren Umkehr gekommen war. Zu einer solchen gehören die Buße zu Gott und der rettende Glaube (Apostelgeschichte 20,21). Saul fehlte der Glaube, und darum blieb bei ihm auf die Länge gesehen alles beim Alten.

David war weise genug, den schönen Worten Sauls nicht zu vertrauen. Wohl versprach er ihm, dessen Nachkommen nicht auszurotten. Aber er zog es doch vor, auf der Bergfestung zu bleiben, als Saul in sein Haus zurückkehrte.

Was können wir für uns aus dieser Geschichte lernen? Dem Herrn sei Dank, werden wir als gläubige Christen in unseren Ländern äusserlich nicht verfolgt. Aber vergessen wir nicht: Die Welt um uns her hasst den Herrn Jesus. Lassen wir uns von ihrem Schein und ihren schönen Worten nicht betören und verführen. Nur wenn wir uns nahe beim Herrn aufhalten und die Waffenrüstung Gottes tragen (Epheser 6,10-18), sind wir sicher und geschützt.

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David bittet Nabal um Nahrung

Der Tod Samuels markiert den Auftakt zur letzten Periode des traurigen Lebens von Saul. Das Volk empfand den grossen Verlust und klagte um Samuel. Ein grosser Prophet und ein Mann der Fürbitte, den Jeremia auf eine Stufe mit Mose stellt (Jeremia 15,1), war verstummt.

Zu jener Zeit hielt sich David in der Wüste Paran vor Saul verborgen. Doch wovon sollten er und die Männer, die bei ihm waren, leben? Nun dachte er an Nabal, dessen Herden sie während längerer Zeit bewacht hatten. Ob dieser reiche Viehzüchter ihnen vielleicht etwas von seinem Überfluss abgab?

Wer war dieser Nabal? Er war ein Kalebiter. Doch er hatte nur die Energie, aber nicht den Glauben seines Vorfahren. Kaleb hatte seine Fähigkeiten in den Dienst Gottes und seines Volkes gestellt, während Nabal seine Energie nur für sich einsetzte. «Der Mann aber war hart und boshaft in seinen Handlungen.» So beschreibt ihn der Geist Gottes.

Aus der harten Antwort an die Abgesandten Davids können wir weiter entnehmen, dass Nabal seinen Reichtum nur sich selbst zuschrieb. Da war kein Gedanke an Gott, von dem doch alles kam. Diese Selbstsucht machte ihn hart, sodass er anderen gegenüber keinerlei Barmherzigkeit zeigte.

Möge dieses abschreckende Beispiel uns anspornen, die Aufforderung aus Lukas 6,36 mehr auszuleben: «Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.»

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Abigail reitet David entgegen

Die Reaktion Davids auf die harte Antwort Nabals ist menschlich verständlich. Vielleicht hätten wir ähnlich reagiert. Aber – so müssen wir fragen – ist das der gleiche David, der kurz vorher so grosszügig und barmherzig mit seinem Feind umgegangen war und ihn am Leben gelassen hatte? War eine solche Veränderung im Herzen Davids vorgegangen?

Die Antwort lautet: David hatte als gläubiger Mann nicht nur das neue Leben von Gott in sich, sondern auch noch die alte Natur – eine Tatsache, die von jedem gläubigen Christen ebenso wahr ist. In diesem Moment war es nicht das Gottvertrauen, sondern die alte Natur in David, die sein Handeln bestimmte. Wir wollen uns merken, was das Neue Testament dazu sagt: «Rächt nicht euch selbst, Geliebte», und: «Eines Mannes Zorn wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit» (Römer 12,19; Jakobus 1,20).

Als Abigail von der Reaktion ihres Mannes auf die Anfrage Davids hörte, handelte sie sofort. Sie «eilte», um «durch eine Gabe im Verborgenen den Zorn abzuwenden» (Sprüche 21,14). Ohne ihrem Mann etwas zu sagen, machte sie sich mit Lebensmitteln für 600 Mann auf den Weg, David entgegen.

In Vers 20 wird das Zusammentreffen von Abigail mit David erwähnt. Aber in Vers 21 wird nochmals die innere Einstellung Davids beschrieben, um zu zeigen, dass Abigail einem fest entschlossenen Mann begegnete. Nun musste sie mit Weisheit handeln, die sie nur vom Herrn bekommen konnte, um das Unglück noch abzuwenden.

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Abigail hält David von der Rache ab

Der Geist Gottes berichtet ausführlich über das Verhalten und die Worte Abigails, als sie David begegnete. Er zeigt uns damit, was für eine gottesfürchtige und weise Frau sie war.

Ihre Haltung und ihre Worte bewiesen ihre Demut (Verse 23.24). Sie wusste, was für ein Mensch ihr Ehemann Nabal war. Sie beschönigte nichts von seinem Verhalten. Und welche Weisheit offenbarte sie, indem sie die Schuld auf sich nahm, ohne sich zu rechtfertigen (Verse 24.28). Sie anerkannte David als Herrn, der die Kriege des Herrn kämpfte. 13-mal nennt sie ihn in diesen Versen «Herr». Aber sie glaubte auch an seine zukünftige Stellung als Fürst über Israel. Trotzdem hiess sie das Böse, das er vorhatte, nicht gut. Mit Worten, die Davids Gedanken auf den Herrn lenken mussten, sprach sie das geplante Blutvergiessen an (Verse 26.31). Sie sagte sogar: «Der Herr hat dich verhindert, in Blutschuld zu kommen.» Aber sie war das Werkzeug in der Hand Gottes.

Die Worte Abigails erreichten das Herz und das Gewissen Davids. Er sah ein, dass er auf einem verkehrten Weg war und im Begriff stand, fleischlich zu handeln. Er dankte dem Herrn, dass Er ihn durch diese weise Frau vor einer grossen Sünde bewahrt hatte.

Der Frieden, den er früher Nabal und seinem Haus gewünscht hatte (Vers 6), der aber mit bösen Worten zurückgewiesen worden war, kam auf Abigail. Wie sehr hatte sie diesen Frieden nötig für ihr schweres Leben mit einem Mann, wie Nabal einer war!

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Nabal stirbt, Abigail wird Davids Frau

Abigail verhielt sich auch ihrem Mann gegenüber weise. Als sie zurückkam, hielt dieser ein Festmahl wie ein Königsmahl, wobei er dem Alkohol übermässig zusprach. Den gesalbten, aber verworfenen König hatte er abgewiesen. Selbst aber wollte er wie ein König leben.

Erst als er seinen Rausch ausgeschlafen hatte, berichtete ihm seine Frau, welche Gefahr ihm gedroht hatte. Welch ein Schock für Nabal! Einen ähnlichen Schock hatte König Belsazar, als während eines ausgelassenen Festes eine Hand erschien und das Urteil Gottes über ihn an die Wand schrieb (Daniel 5,5.6). In beiden Fällen folgte kurz darauf der Tod. Wie gut, dass David verhindert worden war, Gott vorzugreifen! Nun konnte er den Herrn dafür preisen, dass Er seinen Rechtsstreit geführt hatte.

Als David nach dem Tod Nabals um Abigail warb und sie seine Frau wurde, kommen weitere schöne Charakterzüge dieser Frau zum Vorschein. Die reiche Gutsherrin war bereit, den Platz einer Dienerin einzunehmen. Welch eine Demut! Zudem erwähnt das Wort, dass sie sich schnell aufmachte, um zu David zu kommen und seine Frau zu werden. Sie wartete nicht, bis David offiziell König wurde, um seine Frau zu werden. Sie war bereit, sein Leben als Verfolgter mit ihm zu teilen.

Abigail ist ein schönes Bild der Glaubenden in der jetzigen Zeitperiode, die zusammen die Versammlung Gottes bilden. Wir Glaubende bekennen uns zum Herrn Jesus, der heute noch verworfen ist. Doch wir werden dereinst seine Herrlichkeit mit Ihm teilen.

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David verschont Saul zum zweiten Mal

Schon einmal hatten die Siphiter David an Saul verraten (1. Samuel 23,19). Nun tun sie es ein zweites Mal. Entgegen aller schönen Worte, die der König gegenüber David geäussert hatte, zog er erneut mit einer Spezialeinheit von 3000 Mann in die Wüste Siph, um David zu suchen und wenn möglich zu verhaften.

Als David sicher war, dass Saul ihm aufs Neue nachstellte, ergriff er die Initiative und schlich in die Nähe Sauls und seiner Soldaten. Dann suchte er einen mutigen Gefährten, der mit ihm ins Lager Sauls eindringen wollte. Abisai, sein Neffe, war bereit, ihm zu folgen. Welch eine Kühnheit des Glaubens zeigte sich bei diesen zwei Männern! – Wer heute dem Herrn Jesus in allen Umständen treu nachfolgen will, braucht auch einen kühnen Glauben. Doch Gott will ihn jedem entschiedenen Jünger des Herrn Jesus schenken.

Ohne entdeckt zu werden, gelangten die zwei mutigen Männer bis zu Saul, der, umgeben von seinen Soldaten, in der Wagenburg schlief. Abisai hätte den König am liebsten auf der Stelle getötet. Er meinte, es sei die Gelegenheit für David. Aber dieser antwortete in Gnade: «Töte ihn nicht!» Aufgrund der Erfahrung, die er soeben mit Nabal gemacht hatte, konnte er Saul dem Herrn überlassen. Er würde ihn zu seiner Zeit schlagen. Aber als Beweis seiner eigenen Unschuld nahm er den Speer und den Wasserkrug Sauls mit.

Zum Schutz von David und Abisai hatte Gott selbst einen tiefen Schlaf auf Saul und sein Heer fallen lassen. So antwortete Er auf die Kühnheit des Glaubens.

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David spricht zum letzten Mal mit Saul

Nachdem David genügend Abstand zwischen sich und Saul mit seinen Soldaten hat, ruft er Abner, dem Heerführer Sauls, zu und wirft ihm vor, den König nicht genügend geschützt zu haben. Abner weiss nicht, wer so ruft, aber Saul erkennt die Stimme Davids.

Nun wendet sich der Verfolgte erneut an das Herz und Gewissen von Saul. Es gab überhaupt keinen Grund für den Hass Sauls. David zeigt seinem Feind, welche Folge die ständige Verfolgung hat: Er wird aus dem Erbteil des Herrn vertrieben. Wohin? Zu Menschen, die Götzen dienen. Oder er sieht den Tod vor sich. Doch auch im Tod möchte er nicht von Gott getrennt sein. So spricht der Glaube. Aber wie stark ist dieser nach der langen Zeit der Verfolgung noch? Die Antwort gibt uns Kapitel 27,1.

Ein weiteres Mal bekennt Saul: «Ich habe gesündigt», ohne der Buße würdige Frucht zu zeigen. Es bleibt bei einem leeren Bekenntnis und mündlichen Beteuerungen. Doch David traut der Sache nicht. Er lässt den Speer und den Krug holen und übergibt die Sache dem Herrn. Dieser wird jedem seine Gerechtigkeit und seine Treue vergelten.

David hat an jenem Tag das Leben Sauls geschont. Für sein eigenes Leben stützte er sich nicht auf die Aussagen Sauls, sondern auf den Herrn. «Er möge mich erretten aus aller Bedrängnis» (vergleiche Psalm 62,2.6). Wie wertlos ist die Segnung Sauls in Vers 25! Früher hatte er mit ähnlichen Worten jene gesegnet, die David verrieten (1. Samuel 23,21)!

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David flieht zu den Philistern

Die dauernde Verfolgung und die ständigen Gefahren machten David schliesslich mutlos. Unglaube erfüllte sein Herz, sodass er den Entschluss fasste, zu den Philistern zu fliehen. Wie schade! Ist David nicht ein Bild von uns? Wie leicht ermatten wir, wenn eine Prüfung lang andauert oder eine Situation ausweglos scheint! Doch wir erleiden einen grossen Verlust, wenn wir Gott aus der Schule laufen. Das lernen wir aus der Geschichte Davids. Wir wollen sie zu Herzen nehmen!

Nun gab Saul die Verfolgung Davids auf (Vers 4). Doch die Zeit, die David in Feindesland zubrachte, war für Gott verloren. Wie hätte er auf einem solchen Weg Gemeinschaft mit dem Herrn haben können? Das war unmöglich.

Um sich mit den Philistern zu arrangieren und damit kein Verdacht auf ihn fiel, musste er zu Lügen und Unehrlichkeit greifen. Der zweite Teil von Vers 11 illustriert uns die Vorsicht des Fleisches. Aber in Jeremia 17,5 heisst es: «Verflucht ist der Mann, der auf den Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht und dessen Herz von dem Herrn weicht!» Wie ernst!

Durch sein unehrliches Verhalten betrachteten ihn die Philister als Verräter seines eigenen Volkes. Achis meinte sogar, er hätte David zum Knecht für immer – anstatt dass David der Knecht des Herrn gewesen wäre.

Für uns wollen wir den wichtigen Schluss ziehen: Auf einem Weg der Kompromisse mit der Welt kann der Gläubige weder ein Zeuge für den Herrn sein noch einen Dienst für Gott tun – eine verlorene Zeit!

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Saul fürchtet sich vor den Philistern

Ein neuer Krieg bahnt sich zwischen den Philistern und Israel an. David steht auf der Seite der Feinde des Volkes Gottes und wird mit in den Konflikt hineingezogen. Daran hat er wohl nicht gedacht, als er vor Saul zu den Philistern floh. Er gibt Achis eine doppelsinnige Antwort, die dieser als Zusage versteht. Daraufhin befördert er David zum Kommandanten seiner Leibgarde. War er für eine solche Aufgabe gesalbt worden?

Davids Erfahrungen zeigen uns, wohin wir kommen können, wenn wir uns als Glaubende mit der Welt verbinden, anstatt uns von ihr zu trennen.

In Vers 3 wechselt die göttliche Berichterstattung den Schauplatz. Wir erfahren nun, wie es Saul in dieser neuen Bedrohung durch die Philister erging. Zunächst wird an den Tod Samuels und an die Trauer Israels über diesen Verlust erinnert. Wie nötig hätte das Volk den Propheten und seine Fürbitte jetzt gehabt! Weiter wird erwähnt, dass Saul alle Totenbeschwörer und Wahrsager aus dem Land entfernt hatte. Damit hatte er eine Anweisung des Gesetzes ausgeführt (5. Mose 18,10-14). Aber dieses richtige Verhalten stellte kein Gegengewicht zu seinem Ungehorsam gegenüber Gott dar. Die Klammer von Vers 3 ist eigentlich die Einleitung zu dem, was nun folgt.

Als Erstes versucht ein angstvoller, zitternder Saul den Herrn um Rat zu fragen. Doch Gott antwortet ihm nicht mehr. Er war von dem ungehorsamen König gewichen, weil dieser wie einst Esau «keinen Raum zur Buße» gefunden hatte (Hebräer 12,17), obwohl er mehrmals die Möglichkeit dazu gehabt hatte.

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Saul sucht eine Wahrsagerin auf

Als Saul merkte, dass Gott ihm auf keine Weise mehr antwortete, wandte er sich an den Teufel und begab sich in den Bereich der Mächte der Finsternis. Durch seine Verkleidung konnte er die Wahrsagerin täuschen. Und durch einen Schwur, bei dem er den Namen des Herrn missbrauchte, konnte er sie dazu bewegen, ihm zu Diensten zu sein. Aber Gott konnte er nicht täuschen.

Bis jetzt hatte diese Frau Kontakt zur Dämonenwelt. Auf ihren Wunsch und den ihrer Kunden verstellte sich der gerufene Dämon jeweils und nahm die Gestalt der gewünschten, bereits gestorbenen Person an. Aber dieses Mal war es anders. Nicht der Dämon in Gestalt von Samuel kam, sondern Samuel selbst. Das war durch den Herrn bewirkt worden, der allein die Schlüssel des Todes und des Hades hat (Offenbarung 1,18). Nun kam der Betrug Sauls ans Licht.

Aus dem Mund Samuels musste Saul noch einmal Gottes Urteil vernehmen und den Grund, warum Gott so mit ihm handelte. Schliesslich sagte ihm Samuel, wie die Schlacht mit den Philistern ausgehen würde und dass er und seine Söhne am nächsten Tag fallen würden.

Da im Alten Testament noch nicht offenbart war, dass es im Totenreich zwei Orte gibt, sagte Samuel: «Morgen wirst du bei mir sein», d. h. im Totenreich. Aus dem Neuen Testament wissen wir, dass der Geist und die Seele derer, die im Glauben sterben, im Paradies sind, während die im Unglauben Gestorbenen am Ort der Qual sind (Lukas 16,19-31; 23,43).

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Saul isst und geht nachts davon

Was Saul zu hören bekam, warf ihn zu Boden. Nun war keine Kraft mehr in ihm. Unwillkürlich denken wir an einen anderen Saul, den Gott auch zu Boden geworfen hatte: Saulus von Tarsus. Aber wie gewaltig gross ist der Unterschied zwischen den beiden!

König Saul stand schliesslich auf und ass das Mahl, das die Wahrsagerin ihm und seinen Begleitern zubereitete. Dann ging er in jener Nacht fort – in den Tod, in die ewige Finsternis. Saul, der erste König in Israel, starb «in seiner Sünde». Er hatte treulos gegen Gott gehandelt. Er war gegenüber dem Wort von Gott ungehorsam gewesen, als er den Auftrag bekam, Amalek auszurotten. Und am Ende seines Lebens offenbarte er ein völliges Abfallen von Gott, als er eine Totenbeschwörerin aufsuchte (1. Chronika 10,13.14). Welch ein tragisches Bild!

Und dann der Gegensatz dazu: Saulus von Tarsus. Als der Herr ihn zu Boden warf, erkannte er sich im Licht Gottes, tat Buße und fand Frieden mit Gott. Obwohl er nach diesem Ereignis noch drei Tage blind war, stand er doch als ein anderer Mensch auf.

Als der Herr den Jünger Ananias zu Saulus sandte, charakterisierte er ihn mit den Worten: «Siehe, er betet.» Aus dem «Lästerer und Verfolger und Gewalttäter» (1. Timotheus 1,13) war ein Beter geworden, der später ein besonderes Werkzeug in der Hand des Herrn Jesus wurde.

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Die Philister lehnen David ab

Während Saul sich mit den Mächten der Finsternis einliess, bereiteten sich die Philister zum Krieg gegen Israel vor. Beim Defilee vor dem Kampf waren auch David und seine Männer dabei. Wird David so weit gehen und gegen sein eigenes Volk kämpfen? Nein! Gott lässt es nicht zum Schlimmsten kommen.

Die Fürsten der Philister stellen sich gegen Achis, der David als ein von Israel Abgefallener in Schutz nehmen will. Sie werden zornig über Achis und fordern klar: «Schicke den Mann zurück.» Sie wollen das Risiko nicht eingehen, dass er ihnen plötzlich in den Rücken fällt. Sein Sieg über den Riesen Goliath ist noch lebendig in ihrem Gedächtnis.

Wird David für diesen Ausweg aus einer sehr schwierigen Lage danken? Leider nein. Auf die Worte von Achis, der ihm sein volles Vertrauen ausspricht, gibt er eine scheinheilige Antwort und verleugnet sein eigenes Volk. Er spricht von Israel als von den Feinden meines Herrn. Aber Achis beugt sich dem Druck der Fürsten seines Volkes und schickt David zurück, der dann auch geht.

Aus dem unrühmlichen Verhalten Davids wollen wir für uns lernen: Ein weltlicher Christ verliert die Sympathie der Welt und die Anerkennung Gottes. Das sehen wir auch bei Lot (1. Mose 19,9). Doch der Herr gibt in seiner Treue die Seinen, wenn sie sich von Ihm abgewandt und in die Welt begeben haben, nicht auf. Wie oft benutzt Er seine Vorsehung, um sie zurückzubringen. Welch eine Liebe und Gnade!

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An einem Tiefpunkt angelangt

Drei Tage später treffen David und seine Männer in Ziklag ein. Wenn sie gehofft hatten, zu Hause zur Ruhe kommen zu können, wurden sie schwer enttäuscht. Ziklag war verbrannt und die Frauen und Kinder weggeführt worden. Da wurden die Männer von übermässiger Traurigkeit übermannt: «Sie weinten, bis keine Kraft mehr in ihnen war zu weinen.»

David hatte das Gleiche erlitten wie seine Männer. Auch seine beiden Frauen waren gefangen weggeführt worden. Aber jetzt kam er neben seiner Trauer über den Verlust noch in Bedrängnis. Das Volk suchte in seiner Erbitterung einen Schuldigen und sprach davon, David zu steinigen. Nun begann die Züchtigung Gottes Frucht zu tragen. Es heisst: «Aber David stärkte sich in dem Herrn, seinem Gott.» Die grosse Not hatte dazu geführt, dass er zu seinem Gott zurückfand (Psalm 46,2; 94,19).

Und sofort bewahrheitete sich Psalm 119,71: «Es ist gut für mich, dass ich gedemütigt wurde, damit ich deine Satzungen lernte», und Vers 67: «Bevor ich gedemütigt wurde, irrte ich; jetzt aber halte ich dein Wort.» David wollte keinen Schritt mehr in Unabhängigkeit vom Herrn tun. Er fragte Ihn um Wegweisung. Und der Herr? Er gab ihm eine klare Antwort ohne einen Tadel. Wie gütig ist Er!

Als David das Wort von Gott hatte, konnte ihn nichts mehr zurückhalten, auch die körperliche Müdigkeit nicht. Mit 400 Mann, die noch genug Energie hatten, nahm er die Verfolgung der Amalekiter auf.

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Gott gibt einen Sieg

Nachdem David zum Herrn zurückgefunden hat und aufs Neue auf einem Weg der Abhängigkeit und des Gehorsams vorangeht, ist er wieder ein schönes Vorausbild auf den Herrn Jesus. Der ägyptische Mann, den sie auf dem Feld finden und der David und seine Männer schliesslich zu den Amalekitern führt, illustriert auf eindrückliche Weise die Bekehrung eines Menschen.

Jeder Mensch gehört von Geburt an zur Welt der Ungläubigen. Er ist ein Sklave Satans und der Sünde. Doch die Welt ist grausam. Wenn jemand im Leben nicht mehr klarkommt (wie dieser ägyptische Jüngling krank wurde), wird er einfach fallen gelassen. Doch der Herr Jesus (von dem David ein Bild ist) kümmert sich gerade um solche «Mühseligen und Beladenen». Sehen wir das nicht auch im Gleichnis vom barmherzigen Samariter, der sich um den kümmerte, der halbtot am Wegrand lag? (Lukas 10,30-35). Beim Herrn Jesus findet der Mensch wahre Hilfe (Nahrung und Stärkung), aber auch ein neues Leben und Befreiung vom alten Meister (Vers 15). Zu einer echten Bekehrung gehört zudem ein aufrichtiges, schonungsloses Bekenntnis (Verse 13.14). Schliesslich dürfen wir uns als Glaubende dem Herrn Jesus zur Verfügung stellen, wie dieser Ägypter bereit war, David den Weg zu zeigen.

Gott schenkte David und seinen Leuten einen überwältigenden, vollständigen Sieg über Amalek. Alle Frauen und Kinder und all ihr Vieh brachten sie zurück. Nichts fehlte. Niemand war getötet worden oder sonst umgekommen.

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David handelt gnädig

Nun kommt die siegreiche Schar mitsamt ihrer Beute zu den 200 Männern zurück, die am Bach Besor geblieben sind, weil sie keine Kraft mehr hatten, den Feinden nachzujagen. David, ihr Anführer, fragt zuerst nach ihrem Wohlergehen. Dann wehrt er denen, die in ihrem Egoismus nicht bereit sind, die Beute gerecht zu verteilen. Er antwortet in Gnade und weist darauf hin, dass sie den Sieg und die Beute nur dem Herrn zu verdanken haben. Dann stellt er eine Regelung auf, die fortan gelten sollte: Die Beute soll zwischen den Kämpfenden und denen, die bei den Geräten bleiben, gleichmässig verteilt werden.

Auf uns angewendet können wir sagen, dass der Herr einmal jeden Dienst, der für Ihn getan worden ist, belohnen wird. Er weiss, dass wir nicht alle das gleiche Mass des Glaubens haben, und daher nicht alle gleich grosse Dienste tun können. Doch Er sieht die Treue, mit der wir unsere Aufgabe erfüllen, und wird diese belohnen.

Die Gnade im Herzen Davids denkt auch an die Bewohner im südlichen Teil des Stammesgebiets von Juda. Es sind jene Orte, wo er auf seiner Flucht vor Saul umhergezogen war und die ihn sicher auch unterstützt hatten. Ihnen allen schickt er einen Teil der Beute, gewissermassen als Dank. Bemerkenswert ist, dass er in Vers 26 von seinen Freunden spricht, während er vor Achis von den gleichen Leuten als den Feinden meines Herrn gesprochen hatte. David hat wirklich eine vollständige innere Wiederherstellung erfahren.

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Saul und Jonathan fallen im Kampf

Während David erfolgreich gegen die Amalekiter kämpfte und alles Geraubte wieder zurückführte, spielte sich der letzte Akt im Leben Sauls ab. Israel unterlag im Kampf mit den Philistern. Saul und seine Söhne kamen in arge Bedrängnis. Zuerst fielen Jonathan, Abinadab und Malkischua, die Söhne Sauls. Armer Jonathan! Er war bereit, David den Thron zu überlassen und der Zweite im Königreich zu sein. Weil er sich aber nie von seinem ungläubigen Vater trennte, musste er schliesslich auch sein Los im Tod mit ihm teilen: Beide fielen im gleichen Krieg mit den Philistern. Wie ernst!

Als Saul merkte, dass die Feinde ihn im Visier hatten, wurde ihm sehr angst. Als religiöser Mensch wollte er nicht, dass unbeschnittene Heiden ihn töteten. Doch seine eigene Beschneidung, d. h. seine Zugehörigkeit zum Volk Gottes, war nur eine äusserliche. In seinem Herzen gab es keinen Glauben und keine Beziehung zu Gott (Römer 2,28.29). Als sein Waffenträger davor zurückschreckte, den König zu töten, verübte Saul seine letzte schwere Sünde und nahm sich selbst das Leben. Und der Waffenträger? In seiner Verzweiflung sah er keinen anderen Ausweg, als sich ebenfalls zu töten (Matthäus 27,5). War dies ein Ausweg? Nein, denn damit fiel er direkt in die Hand des lebendigen Gottes (Hebräer 10,31).

Das traurige Ende des Königs nach den Wünschen der Menschen blieb nicht ohne Folgen. Viele Leute aus Israel flohen nach verlorener Schlacht, und ihre Städte wurden von den Philistern besetzt.

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Saul und seine Söhne werden begraben

Die Philister verbreiteten die Nachricht ihres Sieges über Israel in ihrem Land, indem sie den Kopf Sauls und seine Waffen dorthin sandten. Gewissermassen um ihren Göttern zu danken, legten sie die Waffen Sauls in den Götzentempel der Astarot. Die Leichname der gefallenen Königsfamilie hängten sie an die Stadtmauer von Beth-Schean: Eine öffentliche Verhöhnung der Führer Israels!

Am Anfang des ersten Buches Samuel hatten wir die traurige Geschichte des Hohenpriesters Eli und seiner Söhne. Sie dokumentiert den Niedergang des Priestertums. Dann zeigt es uns mit dem Tod Samuels das Ende der Zeit der Richter. Das Buch schliesst mit dem Ende des Königtums nach dem Menschen. Damit wird der Weg frei für die Regierung von König David, dem Mann nach dem Herzen Gottes. Drei Personen treten in diesem Buch besonders hervor: Samuel, der letzte Richter und der erste Prophet; Saul, der König nach dem Fleisch und David, der Mann nach dem Herzen Gottes und der zukünftige König.

Doch die letzten Verse werfen noch einen Lichtstrahl auf das sonst so düstere Bild. Die Bewohner von Jabes-Gilead hatten nicht vergessen, dass Saul sie einst aus der Hand der Ammoniter gerettet hatte (1. Samuel 11,1-11). Tapfere Männer aus ihnen machten sich auf, um die geschändeten Leichname Sauls und seiner Söhne von der Stadtmauer von Beth-Schean herabzuholen und würdig zu begraben, und zwar in Jabes. Sie fasteten sieben Tage, um ihre Trauer über den Tod des Königs auszudrücken.

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Gruss

Der Apostel Paulus hatte während 1 ½ Jahren in Korinth gearbeitet und gewirkt. Viele Menschen öffneten sich dem Evangelium und glaubten an Gott. So entstand dort eine grosse Versammlung. Doch es gab Probleme. Uneinigkeit machte sich breit. Zudem sandten die Korinther dem Apostel einen Brief, in dem sie ihm verschiedene Fragen vorlegten. Nun schrieb Paulus den Korinthern von Ephesus aus diesen Brief. Dabei geht er nicht nur auf ihre Fragen ein. Er nimmt die Missstände in jener Versammlung zum Anlass, um über die kollektive Verantwortung der Gläubigen zu reden, die örtlich als Versammlung zusammenkommen. Gemeinsam bilden sie ein sichtbares Zeugnis von dem, was von der Versammlung als Gesamtheit aller Erlösten wahr ist. Was dazu gehört und was dabei zu beachten ist, zeigt uns dieser Brief.

Der Apostel richtet sich nicht nur an die Versammlung Gottes in Korinth, sondern darüber hinaus an «alle, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen». Die Gültigkeit des Briefes erstreckt sich also auch auf uns. Wir wollen daher die Lehre, die der Herr uns darin vorstellt, beherzigen und praktisch befolgen.

Sosthenes, den der Apostel im Eingangsgruss erwähnt, ist vermutlich der in Apostelgeschichte 18,17 erwähnte Synagogenvorsteher. Als Jude wurde er damals von der aufgebrachten Menge vor dem Richterstuhl von Gallion geschlagen. Jetzt ist er ein Bruder, der als ein Korinther zusammen mit Paulus die Gläubigen der dortigen Versammlung grüsst.

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Einleitung

Wie gross war die Gnade Gottes, die die Versammlung in Korinth empfangen hatte! Diese Gläubigen waren in allem reich gemacht worden – in allem Wort und aller Erkenntnis. In geistlicher Hinsicht fehlte ihnen nichts für ein gesundes inneres Wachstum. Für alles hatte der Herr gesorgt. Dafür konnte der Apostel seinem Gott von Herzen danken.

In der Versammlung von Korinth fehlte keine Gnadengabe. Da gab es Brüder, die als Lehrer das Wort erklären und die biblische Wahrheit verständlich weitergeben konnten. Es gab Hirten, die versuchten, die Herzen mit dem Herrn Jesus zu verbinden, aber auch Evangelisten, die die Botschaft vom Kreuz solchen verkündigten, die noch ungläubig waren.

Von Gottes Seite aus gesehen fehlte nichts. Aber es fällt auf, dass der Apostel nichts über die Korinther sagt. Der weitere Verlauf des Briefs zeigt, dass sie ihren grossen, von Gott geschenkten Vorrechten nicht entsprachen. Bei den meisten von ihnen hatte wieder die alte Natur die Oberhand, statt dass sie das neue Leben nährten und förderten.

Darum erinnert sie Paulus an die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus und nicht an die Entrückung. Wenn das Offenbarwerden des Herrn erwähnt wird, hat dies meistens mit unserer Verantwortung zu tun. Dann wird unser Leben in sein Licht gestellt. Doch Er wird nur das belohnen, was seine Anerkennung findet. Gott ist treu. Sind wir es auch im Blick auf unsere Verantwortung?

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Spaltungen

Nach dem Dank gegenüber Gott für das, was Er den Korinthern geschenkt hatte, muss Paulus die Briefempfänger ermahnen. Zuerst prangert er die Spaltungen und Parteiungen unter ihnen an. Auf dieses unerfreuliche Thema kommt er bis zum Ende des vierten Kapitels immer wieder zurück. Die Spaltungen führten zu Streitigkeiten, die die Einheit in der örtlichen Versammlung zerstörten.

Die verschiedenen Gruppen unter den Korinthern, die sich voneinander abgrenzten, beriefen sich auf einzelne Diener des Herrn – ohne deren Einwilligung zu haben – als ihre Führer. Die einen bezogen sich auf Paulus, andere auf Apollos oder Petrus. Es gab sogar solche, die Christus zum Haupt ihrer Partei machten. – Die Fragen, die der Apostel den Briefempfängern in Vers 13 stellt, hätten ihnen zeigen sollen, wie verkehrt es war, Gruppen zu bilden. Christus und seine Versammlung bilden eine Einheit. Jede Spaltung ist ein Angriff auf die von Gott geschenkte und bewirkte Einheit.

Paulus war froh, dass er in der grossen Versammlung von Korinth nur einige wenige getauft hatte. Wären es mehr gewesen, hätte dies zu einer Sondergruppe führen können. Die von ihm Getauften hätten als besonders Privilegierte auftreten können.

Paulus hatte nicht den gleichen Auftrag wie die zwölf Apostel (Matthäus 28,19). Seine Botschaft war das Evangelium der Herrlichkeit. Er verkündigte, dass jeder, der an den Herrn Jesus glaubt, mit Ihm, dem Verherrlichten, verbunden ist und ein Glied seiner Versammlung wird.

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Das Wort vom Kreuz

In Vers 17 hat der Apostel das Thema der Redeweisheit angesprochen. Die Griechen waren für ihre menschliche Weisheit bekannt und berühmt. Viele waren in der Lage, ihre Weisheit redegewandt an den Mann zu bringen. Da Korinth eine grosse Stadt in diesem Kulturbereich war, lebten die gläubig gewordenen Korinther in diesem Umfeld.

Als der Apostel Paulus dort hinkam, verkündigte er etwas ganz anderes. Er predigte das Wort vom Kreuz. Er tat es nicht mit menschlicher Redeweisheit. Der Inhalt seiner Verkündigung war ein Schlag gegen die Weisheit der Welt. Er musste den Menschen zeigen, dass ihre Weisheit sie keinen Schritt näher zu Gott gebracht hatte. Sie lebten weit entfernt von Ihm.

Die Botschaft von Paulus – das Evangelium von Jesus Christus – verlangt von den Zuhörern Glauben, keine Weisheit. Aber das fiel den Menschen so schwer. Dass einer am Kreuz für andere sterben sollte, um ihnen den Weg zu Gott zu bahnen, lehnten die Juden ab. Sie wollten Gott durch ihr Tun befriedigen. Aber auch die Griechen verwarfen diese Botschaft als etwas Törichtes: Wie soll einer einem anderen helfen können, wenn er wie ein Verbrecher stirbt?

Und doch gab es in Korinth Menschen, die an Jesus Christus glaubten und errettet wurden. Doch sie gehörten nicht zur Elite der Welt. Gott sorgte dafür, dass der Mensch sich niemals vor Ihm rühmen kann. Als Glaubende wissen wir, dass wir nichts, gar nichts zu rühmen haben. Aber wir dürfen uns des Herrn rühmen, der uns alles geworden ist.

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Das Zeugnis Gottes

Nun erinnert Paulus die Briefempfänger an seinen ersten Besuch in Korinth. Er hatte ihnen das Zeugnis Gottes auf ganz einfache Weise verkündigt. Dieses Zeugnis zeigt dem Menschen, dass er in Gottes Augen ein Sünder ist, der das Gericht, die Hölle, verdient hat. Aber es hält auch einen Ausweg, eine Rettung bereit: den Sühnungstod von Jesus Christus am Kreuz von Golgatha. Deshalb wollte Paulus nichts anderes als «Jesus Christus, und ihn als gekreuzigt», predigen. Diese Worte schliessen auch das Erlösungswerk mit ein.

Die Predigt war von Schwachheit, Furcht und Zittern begleitet. Die Verse 9 und 10 in Apostelgeschichte 18 bestätigen, dass der Apostel Grund hatte, sich zu fürchten. Paulus versuchte auch nicht, seine Botschaft mit menschlicher Rhetorik an den Mann zu bringen.

Es war der Geist Gottes, der an den Herzen wirkte, so dass die Botschaft die Gewissen der Zuhörer erreichte und sie zur Buße und zum Glauben an den Erlöser führte. Das ist heute noch so: Wenn durch die Verkündigung des Evangeliums Menschen zum lebendigen Glauben an den Herrn Jesus kommen, dann geschieht dies nicht durch menschliche Intelligenz oder Fähigkeit, sondern nur durch die Tätigkeit des Heiligen Geistes.

Das Fundament unseres Glaubens ist nicht Menschenweisheit, sondern das Wort Gottes, hinter dem seine ganze Macht steht. Wer sich im Glauben darauf stützt, hat auf Felsengrund gebaut (Matthäus 7,24.25).

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Wie Gott sich offenbart

Nun spricht der Apostel von einer Weisheit. Sie steht im Gegensatz zur Weisheit der Welt, die den Korinthern so wichtig war. Es ist Gottes Weisheit. Es sind seine ewigen Gedanken, die Er im Alten Testament noch nicht offenbart hatte. Doch jetzt will Er den Seinen dieses Geheimnis kundtun. In den Versen 10-16 wird erklärt, auf welchem Weg dies geschieht.

Im 6. Vers sagt der Apostel, für wen diese Weisheit Gottes ist: für die geistlich erwachsenen Christen, d. h. für die, die im vollen Bewusstsein ihrer Stellung in Christus als Kinder Gottes leben. Das konnte man von den Korinthern nicht sagen. In 1. Korinther 3,1 bezeichnet der Apostel sie als Unmündige in Christus, weil bei ihnen die alte Natur statt das neue Leben die Oberhand hatte. Deshalb konnte er bei ihnen nicht auf den Inhalt des Geheimnisses, d. h. der Gedanken Gottes, eingehen.

In Vers 10 sind die Apostel und Propheten des Neuen Testaments gemeint. Sie besassen den Heiligen Geist. Dadurch verstanden sie, was Gott ihnen durch diesen Geist mitteilte. Das, was Gott ihnen schenkte, verkündigten sie (und schrieben es auch auf). Die Weitergabe dieser Botschaft durch die Apostel und Propheten erfolgte unter der Inspiration des Heiligen Geistes (Vers 13). So wurde uns das Neue Testament unfehlbar und fehlerlos übermittelt. Weil wir als Gläubige den Heiligen Geist besitzen, verstehen wir dieses Wort von Gott (Verse 14-16).

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Fleischliches Verhalten

Der geistliche Zustand der Korinther liess sehr zu wünschen übrig. Anstatt im Glauben gewachsen zu sein, musste der Apostel sie als Unmündige bezeichnen, die immer noch «Milch» nötig hatten und keine feste geistliche Speise vertrugen.

Sie waren fleischlich, d. h. ihr Leben und Verhalten wurde von der alten Natur bestimmt, obwohl sie neues Leben aus Gott besassen. Neid und Streit unter ihnen bewiesen dies.

Ab Vers 6 spricht Paulus vom Dienst für den Herrn. Er und Apollos hatten verschiedene Aufgaben. Doch sie arbeiteten miteinander für die gleiche Sache. Sie waren auf dem Ackerfeld Gottes tätig. In diesem Fall waren die Korinther das Ackerfeld. Paulus hatte gepflanzt, d. h. er hatte in Korinth das Evangelium verkündigt. Apollos unterwies die gläubig gewordenen Korinther, nachdem Paulus weitergereist war. Aber weder Paulus noch Apollos vermochten von sich aus etwas zu bewirken. Das Wachstum konnte nur Gott schenken. Trotzdem war jeder für seinen Arbeitsbereich verantwortlich.

Die Verse 10 und 11 zeigen uns die Verantwortung jedes Glaubenden auf. Der Grund ist gelegt. Es ist Jesus Christus und mit Ihm die Lehre des Neuen Testaments, wie wir sie vor allem in den Briefen des Apostels Paulus finden. Was machen wir damit? Bauen wir auf den gelegten Grund, indem wir die Wahrheit, wie wir sie im Neuen Testament finden, praktisch verwirklichen und uns entsprechend verhalten?

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Am Haus Gottes arbeiten

In diesen Versen wird die Versammlung als Haus (Tempel) Gottes bezeichnet. Dieses Bild wird im Neuen Testament unter zwei Gesichtspunkten gesehen:

  1. Als das Haus, das der Herr selbst mit lebendigen Steinen, d. h. mit wahren Gläubigen baut. Die Grundlage ist Er selbst, der ewige Sohn Gottes als der Fels (Epheser 2,20.21; 1. Petrus 2,5; Matthäus 16,18).
  2. Als das, was die Menschen in ihrer Verantwortung auf den gelegten Grund bauen. Um diese zweite Sichtweise geht es in unseren Versen.

Jeder, der sich an der Arbeit am Haus Gottes beteiligt, wirkt entweder zum Segen oder zum Schaden. Das wertvolle Material ist die gute Belehrung, die zur geistlichen Auferbauung der Gläubigen dient. Das schlechte, wertlose Material entspricht einer schlechten Belehrung, die z. B. von der Bibel abweicht oder ihre Aussagen verwässert. Sie hilft den Gläubigen nicht weiter. Oft schadet sie ihnen. Die Auswirkungen eines Dienstes sind nicht immer sofort erkennbar. Doch der Tag wird kommen, da unsere Arbeit im Feuer der Heiligkeit Gottes geprüft und beurteilt wird.

In den Schlussversen kommt der Apostel auf die menschliche Weisheit zurück und warnt die Korinther vor Selbsttäuschung. Die Weisheit der Welt ist Torheit bei Gott! Zwei Zitate aus dem Alten Testament bestätigen Gottes Handeln gegen die Weisen dieser Welt und sein Urteil über ihre Gedankengebäude.

Der Gläubige sollte sich nicht über Menschen rühmen, sondern alles, was Gott ihm schenkt – auch durch menschliche Diener –, aus seiner Hand annehmen.

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Das richtige Urteil

Die Korinther sollten die Knechte des Herrn nicht als Führer ihrer Parteien betrachten, sondern als das, was sie sein wollten: Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes. Als Diener waren sie dem Herrn treu und als Verwalter waren sie treu im Blick auf das, was Gott ihnen anvertraut hatte.

Aus den Worten von Vers 3 kann man schliessen, dass die Korinther die verschiedenen Diener des Herrn in ihrer Beurteilung gegeneinander auszuspielen suchten. Der Apostel nimmt dieses Verhalten zum Anlass, ihnen einige wichtige Belehrungen zu geben.

Paulus wich dem Urteil der Korinther über seinen Dienst nicht aus. Doch er wusste, dass das entscheidende Urteil vom Herrn selbst kommt. Persönlich beurteilte er seinen eigenen Dienst überhaupt nicht. Auch wenn ihm nichts Negatives bewusst war, überliess er die Sache ganz dem Herrn.

In Vers 5 geht es nicht um das Beurteilen oder Richten von vorgefallenem Bösen, das z. B. in die Versammlung eingedrungen ist (vergleiche 1. Korinther 5). Es handelt sich um die Beurteilung eines Dieners des Herrn vor der Zeit.

Beim Kommen des Herrn, am Richterstuhl des Christus, werden nicht nur die Resultate unseres Dienstes für den Herrn offenbar und belohnt. Dann wird Er auch die Beweggründe, die verborgenen Gedanken und Gefühle beurteilen und belohnen. Jeder wird dann für sich selbst vor dem Herrn offenbar werden.

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Gutes Verhalten der Diener Gottes

Paulus und Apollos waren demütige Diener des Herrn, die nichts aus sich machten. Die Briefempfänger konnten von ihnen lernen. Wir haben in 1. Korinther 1 gesehen, dass die Korinther an keiner Gnadengabe Mangel hatten. Aber nun scheint es, dass sie sich auf das, was sie von Gott empfangen hatten, etwas einbildeten.

Hochmütig dachten sie, es handle sich um ihre eigenen Errungenschaften. Sie waren selbstgefällig und überheblich geworden. Sie verwechselten die heutige Zeit, die eine Zeit des Ausharrens und des Leidens für den Herrn Jesus ist, mit der Zukunft, wenn wir mit Ihm herrschen werden.

In überaus eindrücklicher Weise beschreibt Paulus dann die Stellung der Apostel in der Welt. Sie bildeten sozusagen das Schlusslicht und waren für die ungläubigen Menschen bedeutungslos. Indem Paulus sich zusammen mit den anderen Aposteln den Korinthern gegenüberstellte, versuchte er ihre Herzen und Gewissen zu erreichen. Hätten sich die Korinther nicht schämen und ihr Verhalten ändern müssen, wenn sie daran dachten, wie die Apostel alles auf sich nahmen und erduldeten?

Diese Diener des Herrn aber litten nicht nur. Sie zeigten auch nicht nur Ausharren, sie praktizierten auch Gnade: «Geschmäht, segnen wir; verfolgt, dulden wir; gelästert, bitten wir.» Die Gnade verlieh ihnen Kraft, auch die grösste Verachtung zu erdulden: ein Abschaum aller zu sein.

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Paulus und Timotheus

Die erklärenden Worte in Vers 14 schreibt Paulus den Korinthern nicht als ein Erzieher, der Korrekturen anbringt, sondern als ein Vater, der sie von Herzen liebt. Es ging ihm um das Wohl der Gläubigen in Korinth, wo leider manches nicht in Ordnung war. O wie wünschte er, dass sie, denen er das Evangelium verkündigt hatte und die es im Glauben angenommen hatten, jetzt seine Nachahmer würden!

Da es dem Apostel im Augenblick nicht möglich war, persönlich nach Korinth zu kommen, hatte er Timotheus, seinen Mitarbeiter, zu ihnen gesandt. Dieser Mann wusste, was Paulus in allen Versammlungen lehrte (sie hatten damals noch kein Neues Testament), und konnte deshalb auch die Korinther in der richtigen Weise belehren.

Aber es gab Männer in Korinth, die gegen den Apostel arbeiteten und das Vertrauen der Gläubigen zu Paulus untergraben wollten. Sie behaupteten, er habe Timotheus geschickt, weil er es nicht wage, selbst zu kommen.

Aber Paulus würde bald kommen – sobald der Herr es ihm klar zeigte. Dann würde es eine Konfrontation mit den Aufgeblasenen geben. Doch es ging ihm nicht um ihre Worte, sondern um das praktische Verhalten. Im Leben zeigt sich die Kraft wahrer Gottesfurcht nicht in vielen schönen Worten.

Es war dem Apostel jedoch ein grosses Anliegen, nicht in Strenge, sondern in Liebe und im Geist der Sanftmut zu den Korinthern zu kommen.

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Darf Böses geduldet werden?

In der Versammlung von Korinth kam Hurerei vor. Paulus hatte davon gehört und nimmt klar Stellung gegen dieses Böse. Traurigerweise hatten sich die Korinther über diese Sache weder gebeugt noch vor Gott gedemütigt. Gingen sie einfach darüber hinweg?

Der Apostel erklärt ihnen nun, dass jemand, der so in Sünde lebt – der Fehlbare hatte mit seiner Stiefmutter sexuellen Kontakt –, aus der Mitte der Gläubigen weggetan werden muss. Die Sache war für ihn so schlimm, dass er für sich selbst bereits ein apostolisches Urteil gefällt hatte: einen solchen dem Satan zu überliefern. Er hatte die Autorität, dies zu tun (1. Timotheus 1,20). Doch in diesem Fall handelte er nicht als Apostel, sondern band die Sache auf die Herzen der Gläubigen in Korinth. Sie mussten als Versammlung (Vers 4) gegen das Böse in ihrer Mitte vorgehen.

Sauerteig ist in der Bibel immer ein Bild des Bösen, von etwas Sündigem. Der alte Sauerteig bezeichnet die Sünden, die wir vor der Bekehrung verübt haben, und die sich durch die Wirksamkeit der alten Natur leider auch im Gläubigen wieder zeigen können.

Wenn wir das Böse in unserem Leben oder unter den Gläubigen dulden, wirkt es weiter. Damit kein weiterer Schaden entsteht, muss es entschieden gerichtet und weggetan werden (Sprüche 28,13). Als Gläubige waren die Korinther ihrer Stellung vor Gott nach ungesäuert. Nun sollten sie auch im täglichen Leben mit Ungesäuertem der Lauterkeit und Wahrheit leben, also alles Böse meiden (1. Thessalonicher 5,22).

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Zucht in der Versammlung

Aus Vers 5 kann man wohl schliessen, dass der Mann, der in einer solch schlimmen Sünde lebte, tatsächlich Leben aus Gott hatte («damit der Geist errettet werde am Tag des Herrn Jesus»). Er war ein Bruder, aber er verhielt sich überhaupt nicht wie ein Gläubiger, sondern wie ein ungläubiger Weltmensch, in dessen Leben die Sünde regiert.

Der Apostel weist die Korinther nun an, mit einer solchen Person keinen Umgang zu haben. Es geht nicht darum, dass die Gläubigen die Sünden in der Welt anprangern und gar keinen Umgang mit Ungläubigen haben. Wir leben noch in der Welt und sind von all diesen Sünden und Sündern umgeben, aber wir sind nicht mehr von dieser Welt. Wir haben keinen Auftrag, die Welt zu verbessern.

Unsere Aufgabe ist es, entschieden gegen das Böse, das in der Mitte der Gläubigen vorkommen kann oder von aussen in die Versammlung eindringen will, Stellung zu nehmen und uns davon zu trennen. So mussten die Korinther diesen Mann hinaustun, also von der Gemeinschaft am Tisch des Herrn ausschliessen und auch sonst keinen Umgang mehr mit ihm haben. Dann befand er sich «draussen», ganz in der Hand Gottes. Die Gläubigen in Korinth hatten keine Möglichkeit mehr, einen Dienst an ihm zu tun. Sie konnten nur für eine Wiederherstellung des Fehlbaren beten, sonst aber mussten sie ihn ganz Gott überlassen. Auf diese Weise konnte die Versammlung zeigen, dass sie Böses entschieden ablehnte.

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Keinen Rechtsstreit unter Christen!

In diesem Kapitel schneidet der Apostel ein weiteres Problem unter den Korinthern an. Da bei ihnen die alte Natur wieder die Oberhand hatte, gab es Streitigkeiten unter ihnen. Aber anstatt diese irdischen Probleme brüderlich, vielleicht mit Hilfe von erfahrenen Gläubigen zu lösen, zogen sie einander vor weltliche Gerichte.

Mit dem vorwurfsvollen «Wisst ihr nicht?», erinnert der Apostel sie an die Zukunft, da wir mit dem Herrn Jesus herrschen und Verwaltungsaufgaben in dieser Welt wahrnehmen werden. Wie unwürdig war es da, vor weltlichen Richtern für ihr Recht zu kämpfen!

Sie hätten die Sache unter sich regeln sollen. Aber nun taten sie es vor den Ungläubigen. Welch eine Unehre fiel da auf den Namen des Herrn! – Doch es gab eine zweite Überlegung: «Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen?» Hätte die Gesinnung des Herrn Jesus sie geprägt (1. Petrus 2,23), dann hätten sie auf ihr Recht in irdischen, weltlichen Belangen verzichten können. Aber diese himmlische Gesinnung fehlte ihnen.

Mit dem zweiten «Wisst ihr nicht?» appelliert der Apostel an die Verantwortung der Gläubigen in Korinth. Anhand der in den Versen 9 und 10 aufgeführten Liste sollten sie ihr Leben ernsthaft prüfen. Einst lebten sie in diesen schlimmen Sünden. Doch durch die Gnade des Herrn waren sie abgewaschen, geheiligt und gerechtfertigt worden. Entsprach ihr praktisches Leben nun wirklich der Stellung, in die die Gnade sie gebracht hatte? Eine herzerforschende Frage auch für uns!

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Flieht die Hurerei!

Ab Vers 12 kommt der Apostel auf unseren menschlichen Körper zu sprechen. Er beginnt mit der Freiheit, in der ein Christ leben darf. Er ist nicht unter Gesetz, sondern frei, um für seinen Herrn zu leben (Galater 5,1). Ein Leben zur Ehre unseres Herrn umfasst auch unseren Körper. Dieser ist zwar noch nicht erlöst (Römer 8,23). Aber er gehört zu unserer Persönlichkeit. Der Mensch besteht aus Geist, Seele und Körper (1. Thessalonicher 5,23).

Wenn der Apostel nun das Sündigen mit dem Körper – die sexuelle Beziehung ausserhalb der Ehe – anspricht, fragt er wieder: «Wisst ihr nicht?» Das geht auch uns an. Wie leicht vergessen wir, dass unser Körper ein Glied von Christus ist. Zudem ist er der Tempel des Heiligen Geistes, den jeder Glaubende persönlich in sich wohnend hat. Wie sehr sollten wir deshalb darauf achten, mit unserem Körper nicht zu sündigen!

Der Apostel macht deutlich, dass beim sexuellen Kontakt eines Mannes mit einer Frau die zwei ein Fleisch werden. Wie schlimm, wenn ein Gläubiger, der doch aufs Engste mit seinem Herrn verbunden ist, einen solchen Kontakt ausserhalb der Ehe eingeht! Eine schreckliche Sünde gegen den Herrn! Deshalb: «Flieht die Hurerei!»

Lasst uns mehr an den hohen Preis – das Leben und Blut unseres Heilands – denken, um den wir für Gott erkauft worden sind! Dann wird es sicher unser aller Begehr sein, Gott in unserem Körper zu verherrlichen. Der Heilige Geist, der in uns wohnt, wird uns die Kraft dazu schenken.

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Ehe und Ehescheidung

Im Anschluss an die Sünde der Hurerei beantwortet der Apostel Paulus jetzt eine Frage, die die Korinther ihm gestellt hatten. Es gibt nur wenige Menschen, die fähig sind, unverheiratet zu bleiben – und nicht zu sündigen (Vers 1). Darum ist es der Normalfall, dass gläubige Menschen heiraten.

Die Verse 3-6 richten sich an verheiratete Kinder Gottes. Wie wichtig ist es, dass sie in der Ehe aufeinander Rücksicht nehmen! Aber sie sind grundsätzlich für einander da und sollen sich einander nicht entziehen.

In Vers 5 wird die Möglichkeit einer gewissen Zeit der Enthaltsamkeit angesprochen. Doch sofort wird auch die Gefahr des Sündigens vorgestellt. Wir haben also alle nötig, uns immer wieder bewahren zu lassen. Vor dem Hintergrund der Gefahren auf sexuellem Gebiet gibt Paulus seine geistlichen Hinweise, ohne über die Korinther zu herrschen.

Den Unverheirateten und Witwen empfiehlt der Apostel, allein zu bleiben wie er, aber nicht um jeden Preis. Wenn die Natur ihr Recht fordert, sollen sie heiraten. Das ist sicher der bessere Weg, als von sexuellem Verlangen verzehrt zu werden oder gar in Sünde zu fallen.

Den Verheirateten sagt er klar, dass eine Ehescheidung niemals nach Gottes Gedanken ist. Sollte dies trotzdem vorkommen, dann stellt er zwei Möglichkeiten vor: Unverheiratet bleiben oder sich mit dem geschiedenen Ehepartner versöhnen und wieder als Ehepaar leben.

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Unterschiedliche Situationen

In diesen Versen geht es nicht um eine Ehe, die ein Kind Gottes im Ungehorsam gegen Gottes Wort mit einem ungläubigen Partner eingegangen ist (2. Korinther 6,14). Eine solche Verbindung hat keine Verheissungen. Der Apostel spricht hier von Ehen, die von zwei ungläubigen Menschen geschlossen wurden. Nachdem sie geheiratet haben, wird entweder der Mann oder die Frau gläubig. Was nun?

Wir leben heute in der Zeit der Gnade. Etwas von dieser Gnade wird in den Anweisungen der Verse 12-16 deutlich. Die gläubig gewordene Person soll, wenn immer möglich, mit dem noch nicht bekehrten Ehepartner zusammenbleiben. Von der gläubigen Seite wird ein heiligender Einfluss auf die ganze Familie ausgehen. Vielleicht kommt der ungläubige Mann oder die ungläubige Frau ebenfalls zum Glauben an den Herrn Jesus und wird errettet (Vers 16).

Wenn der ungläubige Partner sich aber vom gläubig gewordenen trennen will, soll der Erlöste ihn ziehen lassen. Der Bruder oder die Schwester ist in diesem Fall nicht sklavisch gebunden.

Die Verse 17-24 enthalten einen allgemeinen Grundsatz: Jeder Gläubige bleibe in dem Stand, in den der Herr ihn gestellt und in den Gott ihn berufen hat. Wenn ein Mensch zum Glauben an den Herrn Jesus kommt, ändert sich seine Lebenssituation in der Regel nicht. Normalerweise muss und soll er sie auch nicht ändern. Er darf da, wo Gott ihn hingestellt hat, nun ein Zeugnis für seinen Heiland und Herrn sein.

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Nur im Herrn heiraten

Nicht jeder Bibelleser kommt mit diesen Versen gleich gut zurecht. Wir wollen versuchen, die Schwerpunkte zu erfassen, die der vom Geist Gottes inspirierte Apostel darin niedergelegt hat.

Als glaubende Christen haben wir eine himmlische Bestimmung. Ehe und Familie gehören aber zur Erde und zur ersten Schöpfung. Deshalb empfiehlt Paulus, um des Herrn und anderer Gründe willen (V. 26.29) unverheiratet zu bleiben. Aber er legt es nicht als ein Gebot auf die Gläubigen, sondern bemerkt, dass dieser «bessere» Weg wirklich nur für den ist, der mit der natürlichen Geschlechtlichkeit keine Probleme hat, seinen Willen entsprechend zügeln und das Alleinsein ertragen kann. Die Praxis zeigt, dass die Ehelosigkeit um des Herrn willen eher eine Ausnahme ist.

Deshalb gibt Paulus in diesen Versen neben seiner persönlichen Meinung auch nützliche Hinweise für die, die heiraten. Zunächst macht er klar, dass es keine Sünde ist zu heiraten (V. 28.36). Doch der Verheiratete wird erfahren, dass eine Ehe und Familie zusätzliche Sorgen und Verpflichtungen mit sich bringt (V. 28.32-34).

Vers 39 macht nochmals deutlich, dass eine Ehe fürs Leben geschlossen wird. Sie wird erst durch den Tod des einen Partners aufgelöst. Wer sie vorher durch eine Scheidung auflöst, handelt gegen Gott und seine Anordnungen. Vers 39 betont, dass eine Ehe «nur im Herrn» geschlossen werden soll. Das bedeutet: Beide sollen nicht nur von neuem geboren sein, sondern auch dem Herrn Jesus in Treue nachfolgen. Zudem soll jeder dem anderen wirklich eine Hilfe sein.

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Das Essen von Götzenopfern

Hier kommt der Apostel auf eine weitere Frage der Korinther zu sprechen. Darf ein Christ Fleisch essen, das einem Götzen geopfert worden ist? Als Antwort darauf zeigt Paulus zunächst die Nichtigkeit eines Götzenbildes auf, dem ein solches Opfer gebracht wurde. Für uns ist klar: Es gibt nur einen Gott und einen Herrn. Daher unterscheidet sich das Fleisch von einem Tier, das einem Götzenbild geopfert wurde, in nichts vom Fleisch eines normal geschlachteten Tieres.

Starke und Schwache

Nicht alle Gläubigen in Korinth erkannten dies. Sie hatten sich von den Götzenbildern zu Gott bekehrt und wollten mit allem, was zum Götzendienst gehörte, nichts mehr zu tun haben. Manche von ihnen hätten ihr Gewissen belastet, wenn sie weiter Götzenopferfleisch gegessen hätten. Paulus bezeichnet diese Personen als Schwache. Sie hatten den ganzen Umfang der christlichen Freiheit noch nicht erfasst.

Aber jene Gläubigen in Korinth, die Erkenntnis hatten, sollten auf diese Schwachen Rücksicht nehmen. Wenn sie jedoch entsprechend ihrer Erkenntnis der christlichen Freiheit lebten, ohne in Liebe an die Schwachen zu denken, wurden sie diesen zum Anstoss und zu einem ernsten Hindernis für deren Glaubensleben (Verse 8-13). Paulus zeigt ihnen und auch uns den guten Weg: Lieber auf etwas verzichten, von dessen Richtigkeit man von der Bibel her überzeugt ist, als dem Bruder einen Anstoss zu geben oder ihn sogar zu Fall zu bringen.

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Dienst und Lohn

Kapitel 9 ist eine gewisse Fortsetzung von Kapitel 8.Paulus spricht von seinen Rechten als Apostel, von denen er aber in Korinth keinen Gebrauch gemacht hat. Er wollte den Gläubigen keinen Anstoss geben. In Vers 1 legitimiert er sich aber als Apostel. Die Korinther, die durch seinen Dienst zum lebendigen Glauben an den Herrn Jesus gekommen waren, bewiesen, dass er seinen Auftrag als Apostel ausgeführt hatte. Damit gab er denen eine klare Antwort, die versuchten, sein Apostelamt in Frage zu stellen, weil er sich anders verhielt als viele der zwölf Apostel oder die Brüder des Herrn: Er war nicht verheiratet. Er sorgte neben seinem Dienst für seinen Lebensunterhalt. Er hätte ein Recht zu beidem gehabt. Aber er hat es nicht beansprucht.

Die drei in Vers 7 erwähnten Beispiele unterstreichen das Recht eines Dieners des Herrn auf Unterstützung. Wenn der Herr jemand ganz in seinen Dienst ruft wie z. B. die Apostel, sollte ein solcher von denen, die Nutzen von ihm haben, unterstützt werden. Es gab sogar eine Anweisung im Gesetz von Mose, die in ihrer geistlichen Bedeutung diesen Grundsatz unterstreicht.

Paulus und seine Begleiter haben den Korinthern das Evangelium gebracht. Sie haben ihnen «das Geistliche gesät». Viele sind zur Buße und zum Glauben an Jesus Christus gekommen. Es war für diese Diener eine gewisse Ernte, wenn die gläubig Gewordenen sie ihrerseits materiell unterstützten. Dieser Grundsatz gilt heute noch.

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Freiwilliger Verzicht auf Unterstützung

Es scheint, dass die Korinther andere Diener des Herrn materiell unterstützten und damit das Recht dieser Arbeiter bestätigten. Paulus hatte dieses Recht ebenfalls, nahm es aber nicht in Anspruch. Er hat während seines Aufenthalts in Korinth beim Zeltmacher-Ehepaar Aquila und Priszilla seinen Lebensunterhalt verdient. Vermutlich erkannte er die negativen Charakterzüge der gläubigen Korinther schon früh und verzichtete daher auf eine materielle Unterstützung von ihnen.

Die Verse 13 und 14 bestätigen anhand der Priester und Leviten im Alten Testament den Grundsatz der materiellen Unterstützung der Arbeiter des Herrn. Es ist eine Anordnung des Herrn, dass die, die Gottes Wort verkündigen, auch davon leben sollen, indem sie von den Hörern unterstützt werden (Lukas 10,7).

In den Versen 15-18 erläutert der Apostel nochmals, warum er von dem ihm zustehenden Recht keinen Gebrauch gemacht hat. Wie sehr lag es ihm am Herzen, den Auftrag, den er von seinem Herrn empfangen hatte, im Gehorsam auszuführen. Er fühlte, wie die ausserordentliche Gabe, die ihm sein Herr verliehen hatte, ihm zu einer Notwendigkeit wurde. Er musste sie ausüben. Er konnte nicht anders, als das Evangelium zu verkündigen. Aber das war nicht alles. Er wollte diese Botschaft auch kostenfrei machen. Keiner sollte irgendwie auf den Gedanken kommen, er müsse für das Evangelium etwas bezahlen. Eine materielle Unterstützung des Apostels hätte in Korinth zu diesem Fehlschluss führen können.

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Selbstverleugnung im Dienst

Paulus hat wohl wie kein anderer Apostel völlig erfasst, was echte christliche Freiheit bedeutet. Aber er, der von allem frei war, machte sich zum Sklaven von allen. Sein grosses Ziel war: auf alle Weise einige zu erretten. Er konnte sich äusserlich den Juden anpassen und besonders denen, die noch sehr am Gesetz von Mose festhielten. Aber er konnte sich äusserlich auch denen anpassen, die aus dem Heidentum kamen. Immer ging es ihm darum, einen Zugang zu den Herzen und Gewissen seiner Zuhörer zu finden, damit diese das Evangelium annahmen und errettet wurden.

In Vers 24 fragt Paulus erneut: «Wisst ihr nicht?» (vergleiche z. B. 1. Korinther 3,16; 5,6; 6,9). Er erinnert sie an Tatsachen, die sie eigentlich kannten. Aber er musste sie darauf aufmerksam machen. Oft folgt im Anschluss an seine Frage eine Ermahnung, so auch hier.

Sie kannten das Bild aus der Sportwelt. Ein Läufer, der in der Rennbahn gewinnen will, verzichtet schon im Training auf vieles, was andere sich erlauben können. Jene Athleten taten dies für einen vergänglichen Preis.

Wie viel mehr sollten Kinder Gottes in ihrem Glaubenslauf bereit sein, aus Rücksicht auf schwache Mitgläubige auf ihre vermeintlichen Rechte zu verzichten! Paulus stellt sich dabei selbst als Beispiel vor. Dieser Glaubensmann lebte – im Gegensatz zu den eingebildeten Korinthern – in ständiger Selbstverleugnung. Ein Vorbild auch für uns!

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Das Volk Israel als warnendes Beispiel

Die äussere Zugehörigkeit zum Volk Gottes – wir könnten auch sagen: das äussere Bekenntnis zum Christentum – genügt nicht. Das zeigt uns die Geschichte Israels. Alle waren aus Ägypten gezogen, durch das Rote Meer hindurchgegangen und in die Wüste gelangt. Alle waren in den Genuss des Brotes vom Himmel (Manna) und des Wassers aus dem Felsen gekommen. Sowohl das Manna als auch der Fels weisen auf Jesus Christus hin (Vers 4; Johannes 6,32-35). Doch an den meisten Israeliten hatte Gott kein Wohlgefallen (Vers 5). Warum nicht? Weil sie keinen Glauben hatten! Genauso ist es im Christentum. Wer sich nur äusserlich – z. B. durch die christliche Taufe – zum Christentum bekennt, aber nicht an den Herrn Jesus als seinen persönlichen Erlöser glaubt, wird nicht in den Himmel kommen. Er geht verloren.

In den Versen 6-10 erinnert Paulus an verschiedene Situationen während der Wüstenwanderung des Volkes Israel. In allen offenbart sich das Murren und die Auflehnung gegen Gott. Sie sind zu unserer Warnung aufgeschrieben, damit wir die uns drohenden Gefahren erkennen. Wir haben immer noch die alte Natur in uns, die zu allem fähig ist, wie wir bei Israel sehen. Möge niemand von uns denken, ihm könne nichts passieren, er sei stark genug, um nicht zu fallen. Jeder hat Gottes bewahrende Gnade nötig!

Prüfungen, die Gott uns schickt, erproben unser Vertrauen. Manchmal gehen sie sehr weit. Aber Gott wird nicht zulassen, dass wir als seine Kinder überfordert werden. Zu seiner Zeit wird Er helfend eingreifen.

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Der Tisch des Herrn

In diesen Versen stellt der Apostel die Grundsätze des Tisches des Herrn vor. Er tut es vor dem Hintergrund der Warnung vor dem Götzendienst. Die Korinther standen in Gefahr, sich wieder mit Götzen einzulassen. Dadurch hätten sie aber eine Gemeinschaft mit den Dämonen ausgedrückt, die sich hinter den toten Götzen verbargen. Eine solche Gemeinschaft ist wie jede andere religiöse Gemeinschaft unvereinbar mit der Gemeinschaft, die wir als Gläubige mit dem Herrn Jesus an seinem Tisch ausdrücken.

Um diese Gemeinschaft verständlich zu machen, erinnert Paulus an das Friedensopfer im Alten Testament. Von jenem Opfer bekam jeder sein Teil: Gott, der Priester, der Opfernde und jeder reine Israelit (3. Mose 3,3.4; 7,31-34.19).

Durch die Teilnahme an Brot und Wein des Mahls des Herrn drücken wir unsere Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus und miteinander aus. Der Kelch wird zuerst genannt. Er erinnert an das Blut des Heilands, an den Preis der Erlösung (1. Petrus 1,19). Auf dieser Grundlage haben wir Frieden mit Gott und Vergebung unserer Sünden. Beim Brot denken wir einerseits an den Körper unseres Heilands, den Er für uns in den Tod gegeben hat. Anderseits ist dieses Brot ein Bild der Einheit der Erlösten. Zusammen bilden sie den Leib des Christus. Wenn wir sonntags das Brot brechen und jeder anwesende Gläubige davon isst, drücken wir mit dieser Handlung unsere Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus und untereinander aus.

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Freiheit und Rücksichtnahme

Was der Apostel in diesen Versen behandelt, ist nicht neu in diesem Brief. Schon in 1. Korinther 6,12; 8,9; 9,1 hat er das Thema der christlichen Freiheit erwähnt. Die Korinther hatten eine falsche Vorstellung und meinten, sie hätten die Freiheit, alles zu tun, was ihnen passte.

Paulus schränkt die christliche Freiheit in keiner Weise ein, zeigt aber, dass wir als Gläubige immer an die anderen und ihr Wohl denken sollten. Wir stehen z. B. im Begriff, etwas tun, wozu wir vor dem Herrn die volle Freiheit haben. Nun merken wir aber, dass wir dadurch das Gewissen eines anderen beunruhigen, der nicht frei ist, dieses zu tun. Wie verhalten wir uns dann? Beharren wir auf den Rechten unserer christlichen Freiheit oder fragen wir, ob unser Verhalten wirklich zur Ehre Gottes ausschlägt? Wie kann es zu seiner Ehre sein, wenn ein anderes Kind Gottes durch mein Benehmen beunruhigt oder irritiert wird?

Darum schliesst der Apostel seine Ausführungen mit den bemerkenswerten Worten: «Seid ohne Anstoss, sowohl Juden als Griechen als auch der Versammlung Gottes.» Paulus ging in dieser Sache mit dem guten Beispiel voran. Er suchte nicht seinen Vorteil, sondern das Wohl der anderen – ob sie nun religiös waren (Juden) oder zu den Heiden (Griechen) gehörten oder Mitgläubige (Versammlung Gottes) waren. Von ihm wollen wir lernen und mehr an die anderen und weniger an uns denken.

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Die Schöpfungsordnung Gottes

Gewissermassen als Abschluss zu dem, was er in Kapitel 10 gesagt hat, fordert Paulus die Korinther auf: «Seid meine Nachahmer.» Doch er will sie nicht zu seinen Anhängern machen, sondern ihnen ein Vorbild in der Nachfolge des Herrn Jesus sein. Darum fügt er hinzu: «Wie auch ich Christi.»

In den weiteren Versen geht es um die Schöpfungsordnung Gottes. Sie gilt für uns, solange wir auf der Erde leben. Christus, der Mensch gewordene Sohn Gottes und der verherrlichte Sohn des Menschen, steht über jedem Mann und jeder Frau. Aber Gott hat den Mann als sichtbares Haupt der Frau eingesetzt. Gott selbst steht über allem, auch über Christus als Mensch.

Wir anerkennen diese göttliche Ordnung und stellen uns darunter, indem der Mann keine Kopfbedeckung trägt, wenn er betet oder weissagt. Die Frau dagegen soll nicht unbedeckt beten oder weissagen. So drücken wir unseren Gehorsam gegenüber Gottes Wort aus. Ab Vers 5 folgen verschiedene Argumente dafür, dass die Frau sich bedecken soll. Indem sie sich beim Beten und Weissagen bedeckt, bejaht sie ihre von Gott gegebene Stellung. In diesen Argumenten spielt auch das Haupthaar eine Rolle. Für eine Frau ist frei wachsendes Haar eine Ehre. Aber Gott bezeichnet es als eine Unehre, wenn sie ihr Haar schneidet. Beim Mann ist es gerade umgekehrt: Er soll sein Haar schneiden, denn langes Haar ist eine Unehre für ihn. – Diese Fragen können nicht wie menschliche Ansichten diskutiert werden (Vers 16).

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Schlechtes Verhalten beim Brotbrechen

Zu Beginn dieses Kapitels konnte der Apostel den Korinthern noch ein Lob aussprechen (Vers 2). Im Blick auf die Themen, die er jetzt anschneidet, kann er nicht loben.

Der erste Punkt betrifft die Parteiungen, die es unter den Korinthern gab (1. Korinther 1,10-12). Diese Gruppen machten sich auch in den Zusammenkünften bemerkbar. Da, wo man auf dem Boden der Einheit aller Gläubigen zusammenkam, zeigten sich Spaltungen. Damit wird der Charakter der Versammlung, die örtlich sichtbar werden soll, gestört und der Name des Herrn Jesus als Mittelpunkt der Versammelten verunehrt. Es ist wichtig, den 19. Vers gut zu verstehen. Gottes Wort ruft uns dazu auf, einander in Liebe zu ertragen, und das geht sehr, sehr weit (Epheser 4,2). Aber nie werden wir aufgefordert, etwas zu dulden, was im Widerspruch zum Herrn und seinem Wort steht.

Beim zweiten Punkt geht es um das Mahl des Herrn. Die Korinther hatten aus dem Gedächtnismahl eine gewöhnliche gemeinsame Mahlzeit der Glaubenden gemacht. Dabei warteten sie nicht aufeinander und versuchten, bei diesem Mahl ihren Hunger zu stillen. Es kam vor, dass sie dabei sogar übermässig tranken. Entrüstet muss Paulus sie fragen: «Habt ihr denn nicht Häuser, um zu essen und zu trinken? Oder verachtet ihr die Versammlung Gottes?» Das Verhalten der Korinther war eine Beleidigung Gottes, indem sie auf diese Weise seine Versammlung verachteten. Der Apostel musste sie deshalb ernst tadeln.

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Das Mahl des Herrn

Als der Herr Jesus in der Nacht seiner Verhaftung das Gedächtnismahl einsetzte, war Paulus nicht dabei. Doch der verherrlichte Herr hat ihm darüber eine Offenbarung geschenkt und ihm gezeigt, dass dieses Mahl von den gläubigen Christen als Gedächtnis an ihren Erretter gehalten werden soll. Das Brot erinnert an den Körper des Heilands, der damals am Kreuz geopfert wurde (Hebräer 10,10). Der Kelch mit dem Wein erinnert an das Blut des Herrn Jesus als die Grundlage unserer Erlösung. Um uns vom ewigen Tod zu befreien, ist Er für uns gestorben. Durch das Essen vom Brot und das Trinken aus dem Kelch verkündigen wir den Tod des Herrn, bis Er uns zu sich holt. Dann benötigen wir diese Zeichen nicht mehr, dann werden wir Ihn von Angesicht zu Angesicht sehen.

Gläubige Menschen können dieses Mahl in unwürdiger Weise halten. Das ist dann der Fall, wenn sie es leichtfertig tun, ohne an den Ernst der Sache zu denken, oder mit Sünden im eigenen Leben, die sie nicht im Selbstgericht verurteilt und weggetan haben. Unwürdiges Essen und Trinken hat göttliche Konsequenzen. Wegen der Unordnung in Korinth musste Gott züchtigend eingreifen (Vers 30). Die einen wurden schwach, andere krank, es gab sogar solche, die der Herr in seiner Züchtigung vorzeitig aus dem Leben abrief. Das heisst nicht, dass diese verloren gingen. Aber es war doch ernst für sie und die ganze Versammlung. Darum die warnende Schlussfolgerung des Apostels, das Gedächtnismahl des Herrn nicht zu missbrauchen.

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Der Geist Gottes und die Gnadengaben

Vermutlich haben die Korinther dem Apostel auch eine Frage bezüglich der geistlichen Gaben gestellt (vergleiche 1. Korinther 12,1 mit 1. Korinther 7,1; 8,1). In 1. Korinther 1,7 hatten wir gesehen, dass sie alle Gnadengaben besassen. Weil bei vielen von ihnen die alte Natur statt das neue Leben die Oberhand hatte, gingen sie mit diesen göttlichen Gaben nicht richtig um. Das führte zu Problemen.

In der Zeit vor ihrer Bekehrung wurden sie von den Götzenpriestern als Unwissende behandelt. Sie konnten nicht beurteilen, was ihnen vorgegaukelt wurde und wie sie geleitet wurden. Jetzt aber steht der Heilige Geist hinter allem. Sein Wirken hat ein grosses Ziel: die Verherrlichung des Herrn Jesus (Johannes 16,14).

Gnadengaben sind Geschenke Gottes, mit denen der Herr die Seinen ausstattet. Sie können sehr verschieden sein. Aber alle werden in der Kraft und Energie des Heiligen Geistes ausgeübt. Die Verschiedenheiten von Diensten ergeben sich, wenn diese Gaben unter der Leitung und Autorität des Herrn Jesus zur Ehre Gottes und zur Förderung des geistlichen Lebens der Gläubigen ausgeübt werden. Und die Resultate? Nicht die Menschen, die sich gebrauchen lassen, bewirken etwas, sondern Gott, «der alles in allen wirkt».

Die Verse 8-10 zeigen, wie verschieden die geistlichen Begabungen sein können. Aber alles wird von ein und demselben Geist hervorgebracht und von Ihm in göttlicher Weisheit benutzt. Und jede Gnadengabe kann nur in seiner Kraft ausgeübt werden.

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Der Leib und die Glieder (1)

Alle Glaubenden, die heute auf der Erde leben, bilden zusammen eine wunderbare Einheit: den Leib des Christus. Jeder Einzelne – so verschieden wir unserer Herkunft oder unserer sozialen Stellung nach sein mögen – ist ein Glied an diesem Leib. Es ist der in uns wohnende Heilige Geist, der uns als Glieder miteinander und mit dem verherrlichten Herrn als dem Haupt seines Leibes verbindet. – In diesem einen Leib des Christus gibt es eine grosse Vielfalt durch die einzelnen Glieder. Der Apostel Paulus zeigt dies anhand unseres menschlichen Körpers. Dabei spricht er zwei besondere Gefahren an:

  1. Die Unzufriedenheit der Glieder mit dem Platz, den Gott ihnen an dem Leib gegeben hat (Verse 16-20).
  2. Der Hochmut einzelner Glieder gegenüber anderen (Verse 21-25).

Wir verstehen gut, dass der Fuss nicht behaupten kann, er sei nicht Teil unseres Körpers, nur weil er nicht Hand ist. Aber wenn es um unseren Platz unter den Glaubenden geht, können wir unzufrieden werden. Wir denken, wir seien zu nichts nütze und deshalb überflüssig. Wir meinen, wenn wir anders wären als wir sind, wenn wir die Begabung unseres Mitgläubigen hätten, dann sähe es besser aus. Darauf gibt es zwei Antworten:

  1. Der Leib kann doch nicht ein Glied, z. B. alles Auge sein. Die Vielfalt der Glieder und ihrer Aufgaben ist nötig, damit der Körper richtig funktioniert.
  2. Es ist Gott, der die einzelnen Glieder an den von Ihm gewollten Platz am Leib gesetzt hat. Unzufriedenheit darüber ist daher eine Auflehnung gegen Ihn.

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Der Leib und die Glieder (2)

Ab Vers 21 begegnet der Apostel der zweiten Gefahr: dem Hochmut einzelner Glieder gegenüber anderen. Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht. Jedes Glied am menschlichen Körper hat seine besondere Funktion: Mit dem Auge sieht der Mensch, mit der Hand fasst er Dinge an und die Beine und Füsse dienen zur Fortbewegung.

Aber als Gläubige stehen wir in Gefahr, uns zu überschätzen. Hochmütig denken wir dann, wir hätten den «geringeren» Bruder neben uns nicht nötig. Haben wir nicht schon gemeint, wir kämen ohne diesen oder jenen Mitgläubigen zurecht? Nein, sagt der Apostel: «Sondern vielmehr die Glieder des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig.» Wir wollen jede aufkommende Überheblichkeit gegenüber anderen sofort im Selbstgericht entschieden verurteilen, «damit keine Spaltung in dem Leib sei». Lasst uns vielmehr das Wohl der anderen suchen, auf sie Acht haben, und sie als Brüder und Schwestern, die der Herr uns zur Seite gestellt hat, lieben und schätzen.

Wie beim menschlichen Körper so ist es auch im geistlichen: Wenn ein Glied leidet, wird der ganze Körper in Mitleidenschaft gezogen. «Ihr aber seid Christi Leib, und Glieder im Einzelnen.» Die Korinther als örtliche Versammlung waren ein sichtbares Zeugnis von dem, was von der ganzen Versammlung gilt. Wie wichtig war es da, dass sich jeder von ihnen als Glied an diesem Leib richtig verhielt. Das konnte er nur, wenn er sich an dem Platz befand, an den Gott ihn gestellt hatte, und das tat, wozu er begabt war.

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Die Liebe als Motiv

Die Korinther waren stolz auf die von Gott geschenkten Gaben. Es scheint sogar, dass sie das Reden in Sprachen als das Begehrenswerteste betrachteten. Was ihnen aber fehlte, war echte Liebe zueinander. Deshalb fügt Paulus unter der Leitung des Heiligen Geistes an dieser Stelle das Kapitel der Liebe ein. Sie sollte bei jeder Tätigkeit für den Herrn die Triebfeder sein. Das ist der «weit vortrefflichere Weg».

In den ersten drei Versen konstruiert Paulus Beispiele, die über die Realität hinausgehen. Damit zeigt der Apostel den Korinthern und uns, wie wertlos jeder Dienst und jede Aufopferung ohne Liebe als Triebfeder ist. Haben wir seine Botschaft verstanden?

In den Versen 4-7 haben wir eine Beschreibung der göttlichen Liebe. Sie verhält sich so, ohne dass ihr Gegenüber sie dazu veranlasst. Hat Gott uns seine Liebe in der Dahingabe seines Sohnes nicht zu einer Zeit erwiesen, als wir noch Sünder waren? Lasst uns doch seine Nachahmer sein!

Die Liebe vergeht nie

 

Die Verse 8-13 zeigen, dass alles Erkennen in unserem Leben hier nur Stück um Stück möglich ist. Das Vollkommene erreichen wir erst mit dem Kommen des Herrn zur Entrückung. Dann wird jeder Dienst zu Ende gehen. Es wird kein geistliches Wachstum, kein Zunehmen der Erkenntnis mehr geben. Jetzt leben wir noch in der Begrenztheit eines Kindes. Wir sehen vieles undeutlich. Dann aber wird alles klar. Und die göttliche Liebe? Sie vergeht niemals. Sie ist unvergänglich und ewig. Wenn wir am Ziel sind, werden wir sie in vollkommenem Mass geniessen.

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Weissagen und in Sprachen reden

Vor dem Hintergrund der Überbetonung der Gabe des Redens in fremden Sprachen in Korinth spricht der Apostel über den Dienst der Weissagung. Mit Weissagen ist hier nicht ein Voraussagen zukünftiger Ereignisse gemeint. Weissagen bedeutet hier, dass bei der Verkündigung des Wortes Gottes unter der Leitung des Heiligen Geistes die Herzen und Gewissen der Zuhörer ins Licht Gottes gestellt werden (V. 24.25). Eine solche Verkündigung dient zur geistlichen Auferbauung der Versammlung. Das ist es, worauf der Apostel in diesem Kapitel das Schwergewicht legt. Auch ein solcher Dienst, der «den Menschen zur Erbauung und Ermahnung und Tröstung» sein soll, muss die Liebe als Triebfeder haben (V. 1).

Das Reden in fremden Sprachen war in Korinth wohl sehr verbreitet. Wenn die Sprachen jedoch nicht übersetzt oder ausgelegt wurden, nützte dieser Dienst niemand. «Ihr werdet in den Wind reden.»

Im Gegensatz zum Reden in Sprachen wollte der Apostel in Offenbarung oder in Erkenntnis oder in Weissagung oder in Lehre zu ihnen reden. Offenbarungen haben wir heute keine mehr, da die Bibel abgeschlossen ist. Aber die übrigen drei Punkte gehören heute noch zu einer Gott gewollten Verkündigung.

Auch wenn wir heute das Reden in Sprachen nicht mehr haben – dieser Dienst hat aufgehört (1. Korinther 13,8) –, sollte jeder Verkündiger des Wortes Gottes die Hinweise der Verse 8-12 zu Herzen nehmen. Von Nutzen ist nur eine Botschaft, die von den Zuhörern verstanden wird.

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Mit Verstand und zum Nutzen

Auch diese Verse enthalten beherzigenswerte Hinweise für unser Zusammenkommen als Gläubige, sei es zur Wortverkündigung, zum Gebet oder zu Lob und Anbetung. Wie wichtig ist es für jeden Bruder, der ein öffentliches Gebet spricht, dass er auch mit dem Verstand betet. Das wird ihn davor bewahren, zu lang zu beten oder Gebetsgegenstände zu erwähnen, die nicht in die Öffentlichkeit gehören. Wenn wir mit dem Geist und mit dem Verstand beten, wird es den Hörern nicht schwer fallen, am Schluss ein deutlich hörbares Amen zu sagen. Hingegen ist es schwierig, von Herzen Amen zu sagen, wenn ein Gebet so lang ist, dass man am Schluss nicht mehr recht weiss, was der Bruder zu Beginn gesagt hat. – Auch beim Vorschlagen und gemeinsamen Singen von Liedern wollen wir den Verstand gebrauchen. So wird auch das Beten und Singen zur Erbauung der Versammlung dienen.

In Vers 23 haben wir den Ausdruck «als Versammlung zusammenkommen». Eine Zusammenkunft der Gläubigen hat dann diesen Charakter, wenn sie auf der alleinigen Grundlage des Wortes Gottes im Namen des Herrn versammelt sind und Er der alleinige Mittelpunkt ist. Wenn in einer solchen Zusammenkunft der Heilige Geist ungehindert einen Dienst der Weissagung bewirken kann, wird dies auf einen Unkundigen, der hereinkommt, nicht ohne Wirkung bleiben. Er wird ins Licht Gottes gestellt werden und anerkennen, dass Gott in dieser Versammlung anwesend ist und sich offenbart.

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Anweisungen für die Wortverkündigung

Wenn die Gläubigen an einem Ort als Versammlung zusammenkommen, dann wird der Dienst nicht von einer Person ausgeführt, auch nicht von einigen dafür bestimmten Personen. Der Herr Jesus möchte, dass der Dienst von mehreren getan wird, ohne dass man vorher eine menschliche Abmachung trifft. Diese Freiheit bedeutet jedoch nicht, dass jeder tun kann, was er will. Wer etwas sagt, muss unter der Leitung des Heiligen Geistes stehen, die Anweisungen in der Bibel beachten und sich fragen, ob sein Beitrag wirklich zur Erbauung der Versammlung dient.

Erneut wird klar, dass das Reden in Sprachen den Zuhörern nur dann von geistlichem Nutzen ist, wenn ein Ausleger da ist. Propheten waren Brüder, die einen Dienst taten, wie er in diesem Kapitel beschrieben wird. Auf heute übertragen kann es sein, dass in einer Zusammenkunft zur Verkündigung des Wortes Gottes mehr als ein Bruder spricht. Oberstes Ziel, das jeder Redende im Auge behalten muss, ist die Auferbauung der Versammlung. Deshalb dürfen wir in keinem Fall den Verstand ausschalten (Vers 32).

Und die Zuhörer? Sie werden aufgefordert, das Gehörte anhand der Bibel zu beurteilen. Dabei geht es nicht um Kritik an den menschlichen Schwächen, die wohl jeder Diener des Herrn hat. Sie sollen vielmehr feststellen, ob das Gesagte mit der Lehre der Schrift übereinstimmt und zur geistlichen Erbauung der Versammlung dient. – Wie wichtig ist es, diese Punkte stets zu beachten und zu befolgen, damit in der Versammlung keine Unordnung entsteht.

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Ordnung und Frieden

Sowohl gläubige Männer als auch gläubige Frauen sind Kinder Gottes, die der Vater mit der gleichen Liebe liebt. In ihrem Wert vor Gott unterscheiden sie sich in nichts (Galater 3,28). In Bezug auf die Stellung von Mann und Frau auf der Erde, wo die Schöpfungsordnung Gottes gilt, gibt es jedoch Unterschiede. Das haben wir in 1. Korinther 11,2-16 gesehen. Das kommt auch in den Zusammenkünften der Versammlung zum Tragen. Da sollen die Frauen schweigen und keinen öffentlichen Dienst tun. Auf diese Weise nehmen sie ihren von Gott gegebenen Platz der Unterordnung ein.

Wenn eine Frau Fragen zum Wort Gottes hat, soll sie zu Hause ihren Mann fragen und die Frage nicht öffentlich in den Zusammenkünften stellen. Das ist eine ernste Herausforderung für alle gläubigen Ehemänner. Sind wir in der Lage, die Fragen unserer Frauen zu beantworten? Wir merken, wie nötig es ist, dass wir das Wort Gottes zuerst für uns persönlich lesen und studieren.

Aus Vers 36 kann man schliessen, dass die Korinther es im Blick auf das öffentliche Reden der Frauen in der Versammlung nicht so genau nahmen und von der göttlichen Ordnung abwichen. Aber Paulus macht klar, dass dies ein Gebot des Herrn und daher verbindlich ist. – Noch einmal ermuntert der Apostel die Korinther zu weissagen (vergleiche 1. Korinther 14,39 mit 1. Korinther 12,31; 14,1). Dieser Dienst fördert die Auferbauung der Versammlung. Aber ebenso wichtig ist, dass die Zusammenkünfte anständig und in Ordnung verlaufen. Unordnung schadet den Zuhörern.

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Christus ist auferstanden

In diesem Kapitel geht es um die leibliche Auferstehung der heimgegangenen Gläubigen. Es gab in der Versammlung in Korinth Personen, die die von den Aposteln verkündete leibliche Auferstehung in Frage stellten (Vers 12). Es war für sie etwas Unmögliches. Vermutlich hielten diese Leute am Weiterleben der Gläubigen in der Ewigkeit fest, beschränkten es aber auf die Seele.

Der Apostel begegnet diesem Problem, indem er die leibliche Auferstehung des Herrn Jesus herausstellt. Sie gehört zu den Fundamenten des Evangeliums, das die Korinther im Glauben angenommen hatten. Drei Heilstatsachen bilden diese Grundlage. Sie sind bereits im Alten Testament angekündigt worden (Jesaja 53,8.12).

  1. Christus ist für unsere Sünden gestorben.
  2. Er ist begraben worden.
  3. Er ist am dritten Tag auferweckt worden.

Nun fügt der Apostel sechs Beweise der Auferstehung von Christus hinzu. Es sind Begebenheiten, bei denen der Auferstandene den Seinen erschienen ist. Diese alle konnten die Wahrheit der leiblichen Auferstehung des Herrn bezeugen. Ja, Er war auch Paulus erschienen.

Die Verse 9 und 10 zeugen von der Demut des Apostels der Nationen. Nie hat er vergessen, dass er einst die Versammlung Gottes verfolgt hat. Er sagt: Ich bin nicht wert, ein Apostel genannt zu werden. Aber dann rühmt er die Gnade Gottes, die ihn in den Dienst im Werk des Herrn gestellt hat. Welch ein unermüdlicher Arbeiter ist er geworden! Doch er schreibt alles der Gnade Gottes zu, die ihn dazu befähigt hat.

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Ohne Auferstehung keine Hoffnung

In diesen Versen argumentiert Paulus mit den Leuten, die die leibliche Auferstehung der Gläubigen leugnen. Dabei denkt er die Sache konsequent bis zum Ende durch. Die ernsten Schlussfolgerungen, die er nacheinander zieht, sollten jedem deutlich machen, wie unsinnig die Leugnung der Auferstehung ist.

Wenn es keine Auferstehung gibt, dann kann auch Christus nicht auferstanden sein. Doch gerade seine Auferstehung hat der Apostel in den Eingangsversen des Kapitels durch mehrere Zeugen belegt. Sollte Christus tatsächlich nicht auferstanden sein, dann war die Predigt des Evangeliums eine wertlose Botschaft, die Korinther hatten einer inhaltslosen Verkündigung geglaubt und die Apostel waren falsche Zeugen.

Aber seine Argumentation geht noch weiter. Die Korinther hatten geglaubt, dass Jesus Christus für ihre Sünden gestorben war. Auf Grund des vollbrachten Erlösungswerks hatte Gott ihnen alles vergeben. Aber ohne Auferstehung würde die göttliche Bestätigung des vollbrachten Erlösungswerks fehlen (Römer 4,24.25). Die Korinther wären trotz ihres Glaubens an Jesus Christus noch in ihren Sünden. Und die heimgegangenen Gläubigen wären verloren. Schliesslich wäre das Christentum auf das Leben vor dem Tod begrenzt und wir Christen hätten keine Hoffnung.

Doch Gott sei Dank, es gibt eine Auferstehung und Christus, auf den wir unser Vertrauen gesetzt haben, ist auferstanden! Er lebt als Mensch im Himmel.

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Die Auferstehung und ihre Ordnung

An dieser Stelle unterbricht der Apostel seine Ausführungen über die leibliche Auferstehung. Nachdem er aufgezeigt hat, welch tragische Konsequenzen es für uns Christen hätte, wenn Christus nicht auferstanden wäre, ruft er jetzt triumphierend aus: «Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt.»

Im Anschluss daran führt Paulus aus, was aus der Auferstehung des Herrn Jesus folgt und was damit zusammenhängt. Auf die Sünde des ersten Menschen folgte der Tod, aber durch den Menschen Jesus Christus kam die Auferstehung aus den Toten. Er ist der Erstling einer grossen Ernte. Alle, die im Glauben sterben, werden wie Er aus den Toten auferstehen – die einen bei der Entrückung, die Märtyrer der Drangsalszeit bei seinem Kommen in Herrlichkeit.

Dann wird der auferstandene und verherrlichte Christus 1000 Jahre lang in Gerechtigkeit und Frieden herrschen. Seine Regierung dauert an, bis Er alle Feinde unter seine Füsse gelegt hat. Der letzte Feind, der beseitigt wird, ist der Tod (Offenbarung 20,14).

Die Verse 27 und 28 machen klar, dass es hier um die Stellung von Christus als Mensch geht. Als ewiger Sohn Gottes ist Er eins mit Gott, dem Vater. Aber Er ist Mensch geworden und bleibt es in Ewigkeit. Als solcher ist Er für uns am Kreuz gestorben und wird alle Pläne Gottes mit der ersten Schöpfung erfüllen (Hebräer 2,5-9). Wenn dieses Ziel erreicht ist, wird es neue Himmel und eine neue Erde geben, in denen Gerechtigkeit wohnen wird (2. Petrus 3,13). Dann wird Gott alles in allem sein.

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Das Verhalten im Licht der Auferstehung

Jetzt greift Paulus das in Vers 19 unterbrochene Thema wieder auf. Die Taufe wird hier eingeführt, weil sie ein Bild des Begrabenwerdens mit Christus ist – aber mit dem Blick auf die Auferstehung (Römer 6,3.4). Mit den Toten, für die andere getauft werden, meint der Apostel jene gläubigen Christen, die bereits heimgegangen sind. An ihre Stelle traten andere Menschen, die an den Herrn Jesus glaubten und getauft wurden. Ohne die Gewissheit, dass es eine Auferstehung gibt, wäre es sinnlos, Christ zu werden und sich taufen zu lassen.

Ebenso sinn- und zwecklos wären all die Strapazen und Gefahren, die der Apostel Paulus und viele andere Diener seither auf sich genommen haben. Weil das Leben der Christen sich nicht auf das Diesseits beschränkt – sie haben eine wunderbare Hoffnung auf die Auferstehung und das Leben bei Christus in der Herrlichkeit –, werden sie in den notvollen Umständen nicht mutlos.

Menschen, die weder an eine Auferstehung noch an ein Leben im Jenseits glauben, konzentrieren sich nur auf das Diesseits. Von solchen Gedanken sollten sich die Korinther nicht anstecken lassen. Die Warnung gilt auch uns. Wir sollten unser Leben im Licht Gottes und zu seiner Ehre führen. Der Augenblick kommt, da wir vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden, um unser Leben mit seinen Augen zu sehen und für das, was Er anerkennen kann, belohnt zu werden (2. Korinther 5,9.10).

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Sterben und auferstehen

Die Ausführungen des Apostels in den Versen 35-41 gelten vor allem jenen Menschen, die die leibliche Auferstehung leugnen, weil sie diese mit ihrem Verstand nicht erklären können. Er verweist auf zwei Tatsachen, die jeder in der Natur beobachten kann:

  1. Damit aus einem Samenkorn eine neue Pflanze entstehen kann, muss dieses sterben.
  2. Die Pflanze, die aus dem gesäten Korn wächst, gleicht diesem in keiner Weise. Der Auferstehungsleib wird ganz anders aussehen als der beerdigte sterbliche Körper (Vers 40).

Ab Vers 42 folgt die Anwendung des Gesagten. Wenn wir am Grab eines heimgegangenen Erlösten stehen und seinen Körper der Erde übergeben, redet dieser von Verwesung, Unehre und Schwachheit. Doch wir sind nicht ohne Hoffnung. Der Augenblick wird kommen, da dieser Körper als ein geistiger Leib in Unverweslichkeit, Herrlichkeit und Kraft auferweckt werden wird.

Dann zieht der Apostel einen Vergleich zwischen Adam und Christus, als Auferstandenem. Gott bildete den ersten Menschen aus dem Staub der Erde und hauchte ihm den Odem des natürlichen Lebens ein (1. Mose 2,7). Der Herr Jesus, der Mensch vom Himmel, trat nach vollbrachtem Erlösungswerk als Auferstandener in die Mitte der Jünger und hauchte in sie (Johannes 20,22). Damit teilte Er ihnen das Auferstehungsleben mit. Der letzte Adam ist ein lebendig machender Geist!

Jetzt tragen wir das Bild des ersten Menschen mit seiner Begrenztheit. Nach der Auferstehung werden wir dem Herrn gleichförmig sein (Philipper 3,21; Römer 8,29).

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Auferstehung und Verwandlung

Jetzt will der Apostel noch ein Wort über den Zeitpunkt der Auferstehung der Glaubenden sagen. Dabei spricht er von einem Geheimnis. Damit meint er eine Wahrheit, die im Alten Testament noch nicht offenbart war. Das Geheimnis betrifft nicht die Auferstehung – diese war den Gläubigen des Alten Testaments bekannt –, sondern die Verwandlung der zu jenem Zeitpunkt lebenden Gläubigen. Aus 1. Thessalonicher 4,15-17 wird klar, dass der Zeitpunkt, von dem Paulus hier spricht, das Kommen des Herrn Jesus zur Entrückung der Seinen ist. Wenn Er aus dem Himmel kommen wird, um uns zu sich zu holen, werden alle im Glauben Gestorbenen auferstehen und alle dann lebenden Gläubigen verwandelt werden. Dieses gewaltige Ereignis wird sich in einem Augenblick abspielen.

Das «Muss» in Vers 53 bezieht sich auf Vers 50, wo gesagt wird, dass Fleisch und Blut (das Sterbliche) das Reich Gottes nicht erben können. Ebenso kann die Verwesung nicht Unverweslichkeit erben. Aber, Gott sei Dank, das Kommen des Herrn Jesus zu unserer Entrückung wird zu einem gewaltigen Sieg über den Tod ausschlagen.

Als glaubende Christen haben wir eine wunderbare Hoffnung auf die Verwandlung des Körpers beim Kommen des Herrn. Zudem wissen wir mit Sicherheit, dass es eine leibliche Auferstehung gibt. Beides spornt uns an, die Zeit, die uns auf dieser Erde bleibt, voll für das Werk unseres Herrn einzusetzen. Es lohnt sich, es ist der Mühe wert!

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Sammlungen und Reisepläne

In Vers 1 spricht der Apostel den letzten offenen Punkt an: die Sammlungen oder das materielle Opfer (vergleiche 1. Korinther 7,1; 8,1; 12,1). In Korinth ging es vor allem um die Unterstützung der verarmten Gläubigen in Jerusalem und Judäa (siehe 2. Korinther 8 und 9). Unser Abschnitt gibt uns einige allgemeine Hinweise über das materielle Opfer der Gläubigen:

  1. Jeder soll persönlich vor dem Herrn geübt sein, wie viel er am Sonntag in die Kollekte einlegt. Der Herr zwingt niemand und überfordert auch keinen.
  2. Die Sammlung soll an jedem ersten Tag der Woche erfolgen, also in Verbindung mit dem Halten des Gedächtnismahls. Der enge Zusammenhang zwischen den Opfern des Lobes und den materiellen Opfern wird auch aus Hebräer 13,15.16 ersichtlich (siehe auch 5. Mose 12,6).
  3. Die Verwaltung der eingelegten Gaben geschieht durch vertrauenswürdige Brüder, die von der örtlichen Versammlung dazu bestimmt werden.

Obwohl Paulus den Korinthern einen ernsten Brief schreiben musste, wollte er sie wieder besuchen und für eine Zeit bei ihnen bleiben. Beweist dies nicht seine Liebe zu ihnen? – Bis dahin blieb er in Ephesus, wo er eine geöffnete Tür, aber auch grossen Widerstand fand.

Den von Natur aus ängstlichen Timotheus sollten die Korinther als einen Diener aufnehmen, der am gleichen Werk arbeitete wie der Apostel. – Apollos war ein selbstständiger, dem Herrn verantwortlicher Diener. Vielleicht wegen den Spaltungen dort wollte er noch nicht nach Korinth gehen (1. Korinther 1,12).

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Ermahnende Schlussworte

Bevor der Apostel zum Schluss des Briefes kommt, ermahnt er die Korinther nochmals. Die Verse 13 und 14 erinnern an das, was bei ihnen fehlte: die Wachsamkeit gegenüber den Listen des Teufels, das Feststehen im Glauben, die geistliche Energie und die Liebe als Triebfeder jeder praktischen Tätigkeit.

Es gab unter den Korinthern auch einige, die das Herz von Paulus erfreuten. Drei Brüder hatten ihn besucht, als viele der Korinther sich dem Apostel gegenüber eher reserviert verhielten. Einer von ihnen – Stephanas – war wohl der erste Gläubige in jener Provinz. Seiner Familie stellt Paulus ein besonderes Zeugnis aus. Aus Liebe zu ihrem Herrn hatten sie sich den Glaubensgeschwistern zum Dienst verordnet, d. h. sie waren bereit, den anderen zu dienen, was immer diese nötig hatten. – Aquila und Priszilla waren den Korinthern gut bekannt. Jetzt wohnten sie in Ephesus und hatten den Gläubigen ihr Haus geöffnet, damit sie dort zusammenkommen konnten.

Wie die meisten seiner Briefe hat Paulus auch diesen diktiert. In Vers 21 fügt er den Gruss eigenhändig an. Auch wenn ein anderer Bruder diesen Brief niedergeschrieben hat, war doch Paulus der von Gott inspirierte Verfasser des Textes. Der Brief endet

  • mit einem ernsten Appell an solche, die nur dem Bekenntnis nach Christen sind,
  • mit einem Hinweis auf das Kommen des Herrn,
  • mit der Gnade für den weiteren Glaubensweg und
  • mit der Liebe des Apostels zu den Briefempfängern.

Kleinasien zur Zeit des Neuen Testaments

Kleinasien zur Zeit des Neuen Testaments

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Struktur und Überblick

Kapitel 1 – 8

Elia und Elisa dienen als Propheten Gottes im Nordreich von Israel. Ihr Wirken ist ein Beweis, dass der Herr sich in Gnade um sein untreues, götzendienerisches Volk bemüht.

Kapitel 9 – 17

Nach der Thronbesteigung Jehus geht es im Zehnstämme-Reich weiter bergab, bis Gott nach ungefähr 130 Jahren einschreitet und die Menschen nach Assyrien wegführen lässt.

Kapitel 18 – 25

Das Zweistämme-Reich im Süden bleibt noch ungefähr 130 Jahre bestehen. In dieser dunklen Zeit gibt es treue Könige: Hiskia und Josia. Am Ende werden die Juden nach Babel verschleppt.

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Einleitung

Der Herr Jesus suchte den Kontakt zu den Menschen: Er besuchte Martha und Maria, nahm die Einladung eines Pharisäers an und kehrte bei Zachäus ein. Anhand von Gleichnissen stellte Er die Gnade Gottes vor: Der barmherzige Samariter kümmert sich um den Verwundeten, der Hirte sucht sein Schaf, der Vater nimmt den verlorenen Sohn auf. In seinen Werken und Worten zeigte sich: «Der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist» (Lukas 19,10).

Der Herr sendet 70 Jünger aus

Auf seinem letzten Weg nach Jerusalem sandte der Herr nochmals siebzig Jünger zu je zwei aus. Sie sollten in die Städte gehen, wohin Er selbst kommen wollte, um den Menschen zu sagen: «Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen» (d. h. in der Person des Messias, der aber bereits von der Allgemeinheit verworfen worden war). Für den Einzelnen gab es immer noch die Möglichkeit, die Boten von Christus aufzunehmen und den Frieden zu empfangen, den sie brachten.

Diese Verse reden direkt in unsere Zeit hinein, die wir am Ende der Periode der Gnade stehen. Gibt es nicht viel zu wenig Arbeiter? Es befinden sich noch so viele Menschen auf dem Weg ins Verderben! Zwar verschliesst sich die Mehrzahl dem Evangelium. Aber das entbindet uns keineswegs vom Auftrag, die Botschaft der Gnade so lange wie möglich weiterzusagen (vergleiche Vers 11). Vers 12 kann direkt auf unsere christlichen Länder angewandt werden. Nachdem das Evangelium so viele Jahrhunderte verkündigt worden ist, wird die Ablehnung der Gnade äusserst ernste Folgen haben. Es wird diesen Leuten am Tag des Gerichts schlimmer ergehen als den Bewohnern von Sodom.

Der Herr musste ernste Wehen über jene Städte in Galiläa aussprechen, die seine Belehrungen hörten und seine Wunderwerke sahen und doch nicht Buße taten. Sie hatten ein schreckliches Gericht zu erwarten.

Vers 16 zeigt die weitreichenden Konsequenzen der Verwerfung der Boten von Christus. Sie bedeutet, dass man damit den allmächtigen Gott verwirft!

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Freude und Lobpreis

Die Siebzig kehrten freudig von ihrer Mission zurück und berichteten dem Herrn, wie ihnen die Dämonen in seinem Namen untertan waren. Darauf antwortete Er mit dem Hinweis auf das, was in der Zukunft mit Satan geschehen wird (Vers 18; Offenbarung 12,7-9). Sein Endgericht wird der Feuersee sein (Offenbarung 20,10).

Dann aber sprach der Herr von der neuen Zeitperiode der Gnade. Durch seine Verwerfung stand sie damals im Begriff, eingeführt zu werden. Heute sind wir an ihrem Ende angelangt. In dieser Zeit geht es nicht um Sichtbares oder um Werte dieser Erde, sondern um himmlische Dinge, um Beziehungen zum Himmel. Auch wenn gläubige Christen in dieser Welt nicht viel gelten, so sind doch ihre Namen im Himmel angeschrieben. Weiter dürfen wir den Herrn Jesus als Sohn des Vaters kennen und etwas von der Beziehung zwischen dem Vater und dem Sohn in der Gottheit wissen. Nachdem sein Volk Ihn als Messias abgelehnt hatte, offenbarte Er sich den Wenigen, die an Ihn glaubten, und zeigte ihnen das, wovon die Glaubenden des Alten Testaments noch nichts wussten.

Die Jünger damals waren tatsächlich glückliche Leute. Sie haben Den mit eigenen Augen gesehen, auf den Propheten und Könige gehofft hatten. Zudem durften sie von Ihm hören, dass Er nicht nur der Christus (der Messias), sondern auch der Sohn des Vaters ist. Doch um diese Person wirklich mit dem Herzen zu erfassen, braucht es Glauben.

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Der barmherzige Samariter

Welche Antwort gab der Herr dem Gesetzgelehrten, als er Ihn fragte, was er tun müsse, um ewiges Leben zu erben? Er stellte ihm das Gesetz vor, und der Fragesteller zeigte, dass er die wesentlichen Punkte des Gesetzes erfasst hatte: Gott lieben und seinen Nächsten lieben wie sich selbst. Der Herr konnte darauf nur sagen: «Tu dies, und du wirst leben.» Die rechtfertigende Frage des Gesetzgelehrten zeigt, dass er nicht ohne Weiteres bereit war, jeden, dem er begegnete, wie sich selbst zu lieben.

Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter stellte sich der Herr selbst und sein Handeln in Gnade vor. Wir dürfen von Ihm lernen und uns in seiner Gesinnung unseren Mitmenschen gegenüber verhalten.

Der Mensch, der unter die Räuber fiel, stellt uns Menschen von Natur dar. Wir haben uns von Gott weg gewandt und den Weg der Sünde eingeschlagen. Die Folgen sind schlimm. Nur einer kann da noch helfen: unser Heiland, der sich in Barmherzigkeit zu uns neigt. Er hat ein Heilmittel für die Wunden. Er giesst Öl und Wein darauf und verbindet sie. So kümmert Er sich heute noch um den einzelnen Sünder. Er will ihm Heil und Vergebung und ewiges Leben schenken. Doch die Fürsorge des Herrn Jesus beschränkt sich nicht auf die Bekehrung eines Menschen. Wer Ihn als Retter erfahren hat, erlebt Tag für Tag seine Fürsorge auf dem Glaubensweg, bis Er wiederkommt. Welch eine Gnade und Liebe!

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Martha und Maria

Im Gegensatz zum Pharisäer Simon in Lukas 7 lud Martha den Herrn Jesus mit dem aufrichtigen Wunsch, Ihm zu dienen, in ihr Haus ein. Ihre Schwester Maria, die wie sie an Christus glaubte, benutzte diese schöne Gelegenheit, um sich auch zu den Füssen Jesu niederzusetzen und auf seine Worte zu hören. Sie wollte Ihm nicht nur dienen, sondern vor allem etwas von Ihm für ihr Herz empfangen.

Diese Frau zeigt uns, wie wichtig es ist, beim Herrn Jesus zur Ruhe zu kommen. Erst dann können wir beim Lesen seines Wortes wirklich auf seine Stimme hören. Man kann die Bibel nicht im Stehen oder im Vorbeigehen lesen. Um den Segen daraus zu empfangen, brauchen wir Zeit und Ruhe. Wir wollen uns doch bemühen, regelmässig diesen Platz zu den Füssen unseres Herrn einzunehmen, um von Ihm geistlich gesegnet zu werden (5. Mose 33,3).

Und Martha? Sie meinte es gut mit ihrem hohen Gast. Aber durch ihr vieles Dienen wurde sie von Ihm abgezogen. Das musste Er ihr klarmachen. Gleicht sie nicht vielen eifrigen Christen, die nur an das Dienen – an christliche Aktivität – denken, aber kaum Zeit finden, beim Herrn und vor seinem Wort zur Ruhe zu kommen? Vielleicht gilt seine Ermahnung: «Du bist besorgt und beunruhigt um viele Dinge; eins aber ist nötig», sogar mir oder dir! Martha hatte die Lektion gelernt und später ihren Dienst an den richtigen Platz gestellt (Johannes 12,1.2).

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Herr, lehre uns beten!

Die Jünger sahen, wie ihr Meister oft im Gebet war. Da kam der Wunsch auf: «Herr, lehre uns beten.» Die Apostel kannten damals noch nicht das Vertrauensverhältnis eines Kindes zum Vater, wie wir Christen dies zu Gott haben. Wir dürfen jederzeit mit allem, was uns beschäftigt, zu Gott, unserem Vater, kommen. Auch wenn wir einmal nicht wissen, wie und was wir beten sollen, dürfen wir Ihm dies sagen.

Ab Vers 5 illustriert der Herr seinen Jüngern und uns, dass wir im Gebet zu Gott «kühn» sein dürfen. Manchmal wünscht Er von uns sogar, dass wir durch anhaltendes Flehen zeigen, wie ernst es uns mit unserem Anliegen ist und ob wir auf seine Hilfe warten können.

Vers 9 macht deutlich, dass Er unser Bitten, unser Suchen oder unser Anklopfen nicht unbeantwortet lassen wird. Aber vielleicht müssen wir zuerst beweisen, dass wir echt Bittende, Suchende oder Anklopfende sind, d. h. solche, die nicht nach der ersten Bitte, wenn sie nicht sofort erhört wird, wieder aufgeben, sondern im Gebet anhalten.

Und wie fällt die Antwort unseres himmlischen Vaters aus? Immer so, dass es nur zu unserem Guten, nie zu unserem Schaden ist. Wir geben unseren Kindern auch nur das, was gut für sie ist und ihnen nicht schadet.

Die Jünger hatten damals den Heiligen Geist noch nicht. Darum war es richtig, so zu bitten. Heute aber empfängt jeder Glaubende den Geist Gottes (Epheser 1,13). Wir müssen nicht mehr darum bitten.

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Christus ist stärker als Satan

Der Herr heilte einen von einem Dämon besessenen stummen Mann. Nachdem der böse Geist von ihm ausgefahren war, konnte dieser Mensch plötzlich reden. Die einen verwunderten sich. Andere versuchten das Wunder dadurch zu erklären, dass sie behaupteten, der Herr stehe mit Satan im Bund. Darum könne Er Dämonen austreiben. Welch eine Lästerung des Sohnes Gottes!

In seiner Gnade verurteilte der Herr die Menschen, die derart böse Gedanken über Ihn hatten, nicht einfach, sondern versuchte ihnen zu zeigen, wie absurd ihre Überlegungen waren. Jedes Reich, das gegen sich selbst kämpft, zerstört sich selbst. Nein, Er trieb die Dämonen nicht durch den Fürsten der Dämonen, sondern durch den Finger Gottes aus! Wie gern hätte Er durch seine Beweisführung ihre Herzen und Gewissen erreicht und sie zur Buße geführt.

Im Weiteren deutete Er an, dass Er der Stärkere ist, der den Starken (Satan) besiegt. Dies geschah am Kreuz, als Er durch den Tod den zunichte machte, der die Macht des Todes hat (Hebräer 2,14).

Die Verse 24-26 illustrieren den Zustand des Volkes Israel. Lange Zeit wurde es vom Geist des Götzendienstes beherrscht. Aber zur Zeit, als Christus hier lebte, gab es keinen Götzendienst. Doch anstatt Ihn als Messias anzunehmen, blieb das «Haus» Israel leer. Jener böse Geist wird in der Endzeit zurückkehren und es unter dem Antichristen schlimmer treiben als je zuvor. Das Letzte des ungläubigen Volkes Israel wird schlimmer sein als sein Anfang.

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Kein Zeichen für den Unglauben

Mit «diesem Geschlecht» wird nicht pauschal das ganze Volk bezeichnet, sondern die Masse der Ungläubigen. Sie sind ein böses Geschlecht. Sie wollen Zeichen sehen, aber nicht glauben.

Was sollen wir unter dem Zeichen Jonas verstehen? Der Herr selbst vergleicht seinen Tod, sein Begrabenwerden und seine Auferstehung mit dem, was Jona erlebt hatte (Matthäus 12,40). Er, der Sohn des Menschen, ist das Zeichen, das dem Volk Israel gegeben wird (Matthäus 24,30). Dann sprach Er von Menschen, die viel weniger gesehen hatten als die Juden damals und doch glaubten: die Königin des Südens und die Männer von Ninive. Bei den Zuhörern des Herrn Jesus aber, die das Vorrecht hatten, den Sohn des Menschen zu sehen und zu hören, fand sich weder Buße noch Glauben.

Der Herr Jesus war «das Licht der Welt» (Johannes 8,12). Alle konnten es sehen. Damit das Licht aber seine Wirkung in dem haben kann, der es sieht, ist ein lauteres Auge nötig. Das einfältige Auge des Glaubens sieht Jesus Christus, wie Er uns in der Bibel gezeigt wird, und stellt keine kritischen Fragen. Wer Ihn ohne Vorbehalte annimmt, ist «Licht in dem Herrn» (Epheser 5,8) und darf anderen leuchten.

Nicht nur ein «böses Auge», d. h. offener Unglaube, sondern auch eine halbfromme Sache ist gefährlich. Äusserliche Veränderungen ohne Glauben, ohne neues, ewiges Leben, lassen die Seele im Finstern (Vers 35).

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Göttliches Urteil über religiöse Führer

Ein weiteres Mal war der Herr Jesus bei einem Pharisäer zu Gast. Die Kritik des Gastgebers an seinem Gast – zwar erst in Gedanken – veranlasste den Herrn, ernste Worte sowohl an die Pharisäer als auch an die Gesetzgelehrten zu richten. Beide Gruppen waren bei jenem Essen zugegen.

Den Pharisäern warf der Herr Heuchelei vor. Sie legten grossen Wert auf eine übermässig genaue äussere Erfüllung des Gesetzes. Aber wie sah es in ihrem Herzen aus? Die Augen des Herrn sahen in ihr Inneres und stellten dort Habsucht (Raub) und Bosheit fest. Das Recht und die Liebe Gottes bedeuteten ihnen nichts. Ein weiterer Punkt, den ihnen der Herr vorwerfen musste, war ihr Hochmut. Wenn immer möglich liessen sie sich von den Mitmenschen als besonders fromme Leute verehren. Aber Gott sah tiefer.

Die Gesetzgelehrten legten schwere Lasten (des Gesetzes) auf andere, während sie sich aus allen Schwierigkeiten heraushielten. Indem sie die Grabmäler der Propheten schmückten, suchten sie ihre eigene Ehre. Aber auf die Worte jener Propheten, die immer noch Gültigkeit hatten, hörten sie nicht. Indem diese Lehrer das, was sie lehrten, weder glaubten noch praktizierten, nahmen sie «den Schlüssel der Erkenntnis» weg. War es im Mittelalter nicht ganz ähnlich? Da wurden die Bibeln sozusagen in die Klöster eingeschlossen. Die Menschen hatten kaum eine Ahnung mehr vom Inhalt des Wortes Gottes.

Wie schlimm war die Reaktion dieser Leute, die so ins Licht gestellt worden waren!

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Heuchelei und Menschenfurcht

Die Worte, die der Herr in diesem Kapitel an seine Jünger richtet, beziehen sich auf die Zeit nach seiner Rückkehr in den Himmel. Es sind Warnungen, Mahnungen und Ermunterungen.

In den ersten Versen geht es um Heuchelei. Ausgangspunkt dafür war die Heuchelei der Pharisäer. Doch wir alle müssen uns davor hüten, und wir wollen uns daran erinnern, dass Gott alles ans Licht bringen wird.

Ab Vers 4 ermuntert der Herr die Seinen, die Er seine Freunde nennt, sich nicht vor dem Widerstand und der Verfolgung der Menschen zu fürchten. Sie können nur bis zur Tötung des Körpers gehen. Gott aber, dessen Gewalt weit darüber hinausgeht, sorgt für einen jeden der Seinen. Er vergisst keinen! Ja, Gott ist für uns. Möge dies uns ermuntern, dem Herrn treu zu bleiben, auch wenn es schwierig wird.

Der grösste Beweis für die Wahrheit des 10. Verses ist der Apostel Paulus und das Volk der Juden. Paulus, der einst meinte, «gegen den Namen Jesu, des Nazaräers, viel Feindseliges tun zu müssen», kam zur Umkehr und fand Gnade und Barmherzigkeit. Die Juden aber haben den Herrn verworfen und gekreuzigt und dabei auch den Heiligen Geist gelästert. Nach seiner Auferstehung lehnten sie auch das Zeugnis des Heiligen Geistes durch die Apostel und durch Stephanus ab. Für das Volk als Ganzes blieb keine Hoffnung mehr. Die Schuld blieb unvergeben, und daher folgte das göttliche Gericht.

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Habsucht

Nachdem das Volk den Herrn Jesus als Messias abgelehnt hatte, weigerte Er sich, in Israel Recht zu sprechen. Aber Er benutzte die Gelegenheit, ein ernstes Wort über Habsucht zu sagen. Die Neigung, das Geld zu lieben, steckt in jedem von uns. Wenn der Herr uns materiellen Segen schenkt, stehen wir dann nicht in Gefahr, uns in einer gewissen Sicherheit zu wiegen?

Im daran anschliessenden Gleichnis kommt deutlich zum Ausdruck, wie gefährlich es ist, sich auf das Sichtbare zu stützen und dabei seine Seele und die Beziehung zu Gott zu vernachlässigen.

Diese Geschichte will uns sicher in erster Linie die Situation eines ungläubigen Menschen schildern, der nur für das diesseitige Leben lebt und nur an das Sichtbare denkt. Was er in Vers 19 zu seiner Seele sagt, gilt eigentlich seinem Körper. Die Bedürfnisse seiner unsterblichen Seele hatte er völlig ausser Acht gelassen. Darum war er in Gottes Augen ein Tor.

Wir wollen aber nicht denken, dieses Gleichnis habe uns Glaubenden nichts zu sagen. Wie mancher gläubige Christ konzentriert seine Kraft auf das irdische Leben. Die berufliche Karriere und der dadurch mögliche Wohlstand beherrschen ihn. Für die Belange des Herrn bleiben kaum noch Kraft und Zeit. Wenn unser Leben als Glaubende in dieser Weise verläuft, verkümmert unsere Seele und wir sind nicht reich in Bezug auf Gott.

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Lebenssorgen

Durch das Wort «deshalb» verbindet der Herr die folgenden Hinweise an seine Jünger mit dem, was Er soeben im Blick auf die Habsucht gesagt hat. Solange wir auf dieser Welt leben, müssen wir uns mit den materiellen Belangen beschäftigen. Wir kommen nicht darum herum. Doch wir sollen uns sowohl vor dem Geist der Habsucht als auch vor dem Sorgengeist hüten. Sind wir nicht Kinder des himmlischen Vaters? Er weiss, was wir an Materiellem auf dieser Erde nötig haben, und wird dafür sorgen. Wir können ganz unbesorgt sein.

Die Natur um uns her beweist uns täglich, wie Gott als Schöpfer für seine Geschöpfe sorgt. Wie viel mehr wird Er sich um seine geliebten Kinder kümmern. Sind sie Ihm nicht mehr wert als die Vögel? Und zudem: Können wir mit unseren Sorgen irgendetwas verändern? Nein, überhaupt nicht. So gesehen sind die Sorgen völlig nutzlos.

Wenn Gott uns die Sorgen abnimmt, dann ermuntert Er uns gleichzeitig, nach dem Reich Gottes zu trachten. Wie ist das zu verstehen? Im Reich Gottes hat der Herr das Sagen. Da geht es um seine Sache. Nun möchte Gott, dass wir unsere Arbeit und die Aufgaben des gegenwärtigen Lebens für den Herrn, nach seinem Sinn und Willen erfüllen, und nicht für uns selbst. Die ungläubigen Menschen leben für sich selbst. Sie haben nur das Diesseits im Auge. Wir dürfen uns für den Herrn und für das einsetzen, was Ewigkeitswert hat.

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Schätze sammeln und warten

Als Gläubige werden wir in der Welt immer in der Minderheit sein. Darum der Ausdruck: «Du kleine Herde.» Aber wie reich sind wir! Wir sind Kinder und Söhne, ja, Erben Gottes. Unsere Bestimmung ist nicht diese Erde, sondern der Himmel. Wir dürfen unsere irdischen Güter uneigennützig dazu verwenden, anderen Gutes zu tun. Unser Schatz – Christus und alles, was wir in Ihm besitzen – ist ja im Himmel, wo wir ihn nicht mehr verlieren können.

Die Frage ist nur: Sieht man das an unserem praktischen Verhalten? Wird unser Herz wirklich zum Himmel gezogen, wo unser Schatz ist? Oder ist unser Christenleben von der Erde oder gar von den Ideen der Welt geprägt?

Bis heute ist unser Herr, an den wir glauben, abwesend. Doch Er hat verheissen wiederzukommen. Von dieser Zeit, in der wir als Wartende und Dienende hier leben, reden die Verse 35-40. Dabei sind umgürtete Lenden das Kennzeichen eines Knechtes, der zum Dienst bereit ist, während die brennenden Lampen ein Bild unseres Zeugnisses für unsere Mitmenschen sind. Und während wir an der Arbeit für Ihn sind, dürfen wir Ihn täglich, ja, in jeder Wache der Nacht, erwarten.

Wenn Er dann kommt und uns so findet, wie Er es von uns erwartet, werden nicht nur Freude und Glück herrschen, dann wird Er uns für die Wachsamkeit im Dienst noch belohnen. Er selbst will sich wie ein Knecht umgürten und uns bedienen. Unvorstellbare Gnade!

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Gute und böse Knechte

Die Zeit der Abwesenheit unseres Herrn ist die Zeit unserer Verantwortung. Möchten wir alle zu den treuen und klugen Verwaltern zählen! Jeder von uns hat eine Aufgabe vom Herrn. Diese besteht einfach darin, den Platz in Treue auszufüllen, an den Er uns gestellt hat, z. B. als Hausfrau und Mutter. – In Vers 37 fanden wir die Belohnung für die Wachsamkeit: Er selbst! In Vers 44 haben wir jetzt die Belohnung für die Treue im Dienst. Sie besteht im Teilhaben an seiner Herrschaft.

In den Versen 45-48 zeichnet der Herr ein düsteres Bild der bekennenden Christenheit. Sie hat den Gedanken an das Wiederkommen des Herrn weitgehend aufgegeben. Dadurch ging die himmlische Gesinnung verloren. Sie hat einem weltlichen Christentum Platz gemacht.

Wenn wir bei jenem Knecht in Vers 45 an jene denken, die die Herde Gottes hüten sollten, wie viel Selbstherrlichkeit und Eigenmächtigkeit haben sich da eingeschlichen! Nicht umsonst warnt Petrus die Ältesten: «Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist … nicht um schändlichen Gewinn, sondern bereitwillig, und nicht als solche, die über ihre Besitztümer herrschen, sondern die Vorbilder der Herde sind» (1. Petrus 5,2.3).

Das in den Versen 47 und 48 angekündigte Gericht ist das der Lebendigen bei der Erscheinung des Herrn in Macht und Herrlichkeit. Es wird absolut gerecht sein. Das Urteil wird entsprechend der empfangenen Vorrechte gefällt. Wie schlimm wird das Ende derer sein, die viel wussten, aber nach ihrem eigenen Willen lebten!

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Die Zeit erkennen

Bei der Ankündigung der Geburt des Heilands verkündeten die Engel: «Friede auf Erden.» Doch die Menschen wollten Christus nicht. Die Folge davon war Hass und Entzweiung. Das wird deutlich, wenn sich in einer Familie jemand bekehrt. Sofort regt sich Widerstand von den übrigen, noch ungläubigen Familiengliedern.

Mit der Taufe in Vers 50 meint der Herr seinen Sühnungstod für uns. Aber was konnte das Herz des Heilands bis dahin beengen? Die vollkommene, unendliche Liebe Gottes war sozusagen in Ihm eingeschlossen. Sie konnte erst ungehindert fliessen, nachdem das Problem der Sünde durch seinen Opfertod gelöst war.

Bis jetzt war das ganze Kapitel an seine Jünger gerichtet (Lukas 12,1). Ab Vers 54 richtet sich der Herr an die Volksmengen. Die Zeichen Gottes in der Natur konnten sie beurteilen, aber als Er seinen Sohn als Mensch zu ihnen sandte, erkannten sie dies nicht als ein Zeichen seiner Barmherzigkeit (Lukas 1,77-79).

Weil sie seinen Sohn ablehnten, war Gott mit den Juden sozusagen auf dem Weg zum Gericht. Die einzige Möglichkeit, mit Gott, gegen den sie gesündigt hatten, ins Reine zu kommen, war die Annahme des Herrn Jesus als Messias. Doch das Volk als Ganzes blieb bei seiner Verwerfung von Christus. Darum ist es «ins Gefängnis geworfen worden». Es bleibt als irdisches Volk Gottes auf die Seite gestellt, bis Jesaja 40,1.2 erfüllt sein wird. Gott wird nicht von ihnen ablassen, bis sie aus seiner Hand das Doppelte für ihre Sünden empfangen haben.

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Echte Buße rettet vor dem Gericht

Wenn wir in der Welt offensichtliches Unrecht sehen, denken wir schnell einmal, Gott müsse mit Gericht eingreifen, oder wir meinen, wenn jemand etwas Besonderes zustösst, er stehe für sein Verhalten unter dem speziellen Gericht Gottes. Bei all diesen Überlegungen kommen wir uns besser vor als die Betroffenen. Dem widerspricht der Herr klar. Er zeigt, dass wir alle ausnahmslos vor Gott schuldig sind. Wer dies nicht einsieht und nicht Buße tut (und an den Erlöser glaubt), wird ins Gericht Gottes kommen und ewig verloren gehen.

Das Gleichnis vom Feigenbaum, den jemand in seinen Weinberg pflanzte, spricht vom Volk Israel. Das irdische Volk Gottes wird sowohl mit einem Feigenbaum als auch mit einem Weinberg verglichen (Joel 1,7). Hier geht es besonders um die Zeit, da Jesus Christus als Mensch unter ihnen lebte. Gott erwartete Frucht von seinem Volk. Doch Er fand keine. Sein Sohn wurde abgelehnt, obwohl dieser sich in Liebe und Gnade um die Menschen kümmerte. Alle Mühen des Heilands waren vergeblich. Keine Frucht für Gott vom Volk als Ganzem, sodass Er den Feigenbaum umhauen, d. h. sein Volk auf die Seite stellen musste.

Mit der Kreuzigung des Herrn Jesus endete die Zeit, da Gott vom natürlichen Menschen etwas erwartete. Der Beweis war erbracht, dass wir völlig versagt haben und unfähig sind, aus uns selbst Gott zu gefallen (Römer 3,19.20). Frucht für Gott kann ein Mensch erst bringen, wenn er Buße getan, geglaubt und neues Leben empfangen hat.

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Eine Frau wird am Sabbat geheilt

Auch wenn die Zeit seines öffentlichen Dienstes zu Ende ging, wirkte der Herr doch immer noch in Gnade. Er sah die arme, zusammengekrümmte Frau und befreite sie von ihrer Schwachheit, sodass sie sich aufrichten konnte. Dafür verherrlichte sie Gott. Der Synagogenvorsteher aber getraute sich, den Herrn zu kritisieren. Er wollte, dass zuerst das Gesetz eingehalten wurde. Die Gnade durfte sich nach seiner Meinung nur unter Einhaltung des Sabbatgebots entfalten. Der Herr des Sabbats aber bezeichnete ihn als Heuchler. Wie manches taten diese frommen Leute für ihre Tiere am Sabbat, und Ihm wollten sie verbieten, am Sabbat zu heilen!

Für den Augenblick waren seine Widersacher beschämt, und das Volk freute sich. Damit jedoch niemand auf den Gedanken kam, das Reich würde nun in Herrlichkeit erscheinen, fuhr der Herr fort, die Entwicklung des Reiches, nachdem man den König verworfen hatte, aufzuzeigen.

Wir leben heute in dieser Zeit, und die beiden Gleichnisse zeigen die Entwicklung der Christenheit auf. Sie ist einerseits zu etwas Grossem, in der Welt Anerkanntem geworden. Im Gegensatz zu ihrem Herrn, der demütig und sanftmütig war und den letzten Platz einnahm (Philipper 2,5-8), wurde die Christenheit zu einer Macht, die vielen Schutz und Vorteil bietet. Anderseits ist die Christenheit von der reinen Lehre der Bibel abgekommen und von allen möglichen menschlichen Ideen verseucht worden. Das Böse ist überall eingedrungen.

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Bald schliesst sich die Tür

Christus war auf dem Weg nach Jerusalem. Zum letzten Mal durchzog Er diese Städte und Dörfer. – Auf die Frage, ob der Überrest, der errettet werden würde, gross oder klein sei, gab der Herr keine direkte Antwort. Er forderte aber alle auf, sich persönlich zu entscheiden und durch die enge Tür einzugehen, d. h. Ihn als den Verworfenen anzunehmen. Viele werden ins Reich Gottes einzugehen suchen, aber nicht auf dem Weg der Buße und der glaubensvollen Annahme des Verworfenen (und Gekreuzigten). Sie werden dereinst draussen stehen und von Ihm verworfen werden. Das Gericht wird darin bestehen, dass die ungläubigen Juden ihre Vorväter und solche aus den Nationen in die Herrlichkeit des Reiches eingehen sehen, während sie hinausgeworfen werden, weil sie im Unglauben verharrten.

Der Herr liess sich durch die Warnung von Herodes nicht vom Weg des Willens Gottes abbringen. Er führte seinen Dienst unbeirrt weiter. Er musste nach Jerusalem ziehen, um dort ausserhalb der Stadt zu sterben.

Aber dann kam noch eine Wehklage über Jerusalem über seine Lippen. Er sprach hier als Gott, der allein Israel sammeln konnte (Jeremia 31,10). Doch sein Volk hatte seinen Gott (den Herrn) in voller Verantwortung verworfen, wie sie die Propheten verworfen hatten (2. Chronika 36,15.16; Markus 12,6.7).

In der Endzeit wird Er in souveräner Gnade erscheinen. Dann wird der gläubige Überrest Ihn als Messias annehmen.

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Demut und Gnade

Zum dritten Mal in diesem Evangelium sehen wir den Herrn Jesus bei einem Pharisäer zu Gast. Wieder waren die Motive der Einladung nicht aufrichtig. Trotzdem nahm der Herr sie in seiner Gnade an.

Den Juden ging es immer wieder um die Einhaltung des Sabbatgebots. Deshalb fragte der Herr, ob es erlaubt sei, am Sabbat zu heilen. Da sie in ihrer Verstocktheit schwiegen, heilte Er den wassersüchtigen Mann. In der Unterweisung von Vers 5 geht es um eine Notsituation, nicht um ein tägliches Bedürfnis (Lukas 13,15). Die traurige Lage, in die der Mensch durch die Sünde gekommen ist, ruft dringend nach Rettung. Ruhe für Gott und den Menschen gibt es erst, wenn die Frage der Sünde gelöst ist.

Die Grundsätze, die der Herr in den Versen 7-14 vorstellt, sollten auch unser Leben als Christen prägen. Lasst uns nicht nach Ansehen und Ehre streben, sondern in der Gesinnung unseres Meisters den letzten Platz einnehmen. Der Herr wird uns helfen, diesen Weg der Demut, der unserem Ich entgegensteht, zu gehen.

Der Herr hatte nicht nur für die Gäste ein Wort, sondern auch für den Gastgeber. Die göttliche Liebe offenbart sich darin, dass Christus für Feinde, für Kraftlose, für Sünder gestorben ist (Römer 5,6-11). Jetzt dürfen wir ein Stück weit in die Fussstapfen unseres Meisters treten, die empfangene Liebe Gottes weitergeben und Gnade üben, ohne eine Gegenleistung oder Anerkennung zu erwarten. Gott selbst hat versprochen, die Vergeltung zu übernehmen.

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Das Gastmahl der Gnade

Auf den Ausruf eines Gastes antwortete der Herr mit dem Gleichnis vom grossen Gastmahl der Gnade. Dabei zeigte Er, dass man die Einladung annehmen muss, um zu den Glücklichen zu gehören, die den Segen des Reiches Gottes geniessen dürfen.

Gott hat in seiner Gnade ein grosses Gastmahl für die Menschen bereitet. Am Kreuz auf Golgatha wurde die Grundlage dafür gelegt, dass Sünder zu Gott kommen können. Die erste Einladung erging an die Juden. Viele hatten Entschuldigungen. Es gab in ihrem Leben Wichtigeres als die Einladung zum Festmahl der Gnade. Auch heute bringen Menschen, denen das Evangelium vorgestellt wird, viele Entschuldigungen vor, warum sie es nicht annehmen können oder wollen. Vers 21 macht aber klar, dass jeder, der das Heil im Herrn Jesus ablehnt, den Zorn Gottes zu erwarten hat.

Wie gut, dass Gott sein Angebot nicht zurückzog, als die Juden es ablehnten. Zuerst wurde der Knecht – ein Bild des Heiligen Geistes – auf die Strassen und Gassen der Stadt gesandt. Später wurde der Kreis noch weiter gezogen: die Wege und Zäune. So liess Gott zunächst sein Evangelium am Anfang der Apostelgeschichte den Juden verkünden, die sich ihrer Schuld der Kreuzigung des Messias bewusst wurden. Später erreichte die frohe Botschaft auch die Menschen aus den Nationen.

Das Haus ist noch nicht voll. Aber mit dem Kommen des Herrn zur Entrückung wird die Einladung der Gnade zu Ende gehen.

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Die Kosten der Jüngerschaft

Wenn wir an die gestern gelesenen Verse über das grosse Gastmahl der Gnade denken, verstehen wir, dass viele Menschen mit dem Herrn Jesus gingen. Seine Gnade zog sie an. Aber jetzt wendet Er sich um und spricht ihre Verantwortung an. Wer seine Gnade in Anspruch genommen hat, von dem möchte der Herr, dass er Ihm als Jünger nachfolgt.

Was schliesst echte Jüngerschaft in sich? Zunächst macht der Herr klar, dass wir als seine Nachfolger Ihm in unserem Leben den Vorrang geben müssen. Es geht um klare Prioritäten. Unsere nächsten Angehörigen, ja, sogar unser eigenes Leben kommen da erst an zweiter Stelle.

Aber es gilt auch, die Kosten der Nachfolge zu überschlagen. Es wird nicht immer einfach sein, dem Herrn Jesus in dieser Welt, die Ihn verworfen hat, in Treue nachzufolgen. Wenn unser Christsein sich auf einen gesetzlichen Gehorsam gründet, werden wir Schiffbruch erleiden. Wenn wir aber mit dem Herrn und seiner Hilfe – nicht aus eigener Kraft – diesen Weg gehen wollen, brauchen wir uns nicht zu fürchten. Wenn Er mit uns ist, wird die Nachfolge glücklich und leicht sein.

Zum Schluss vergleicht Er den echten Jünger mit Salz. Nur wenn wir uns in unserem praktischen Leben konsequent von aller Art des Bösen trennen, sind wir für den Meister brauchbar. Unmöglich kann ein untreuer Christ, der Kompromisse mit der Welt eingeht, ein Zeugnis für den Herrn sein.

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Das verlorene Schaf, die verlorene Drachme

Die fromme Führungsschicht der Juden kritisierte Jesus, weil Er Sünder aufnahm, die von seiner Gnade angezogen wurden, und mit ihnen ass. Daraufhin zeigte der Herr in einem dreifachen Gleichnis, wie Gott in seiner Gnade an den Menschen wirkt. Gleichzeitig machte Er seinen Zuhörern klar, dass sie alle – ob religiös oder nicht – seine Gnade nötig hatten; denn alle Menschen sind ausnahmslos Sünder vor Gott. Wer aber seine Gnade ablehnt, geht ewig verloren.

Der erste Teil des Gleichnisses zeigt uns die Tätigkeit des Herrn Jesus, des guten Hirten. Er geht dem Verlorenen nach, bis Er es findet, und trägt es dann auf seinen starken Schultern nach Hause. Das verlorene Schaf findet den Rückweg nicht mehr selbst. Ohne die Bemühung der Liebe des Herrn Jesus fände kein Mensch den Weg zu Gott zurück.

Im zweiten Teil sehen wir in der Frau und ihrem Suchen die unermüdliche Tätigkeit des Heiligen Geistes. Die Lampe spricht vom Wort Gottes, das Er auf Herz und Gewissen der Menschen anwendet, um sie zur Buße und zum Glauben an den Erlöser zu führen. Der Sünder wird in diesem Teil mit einem toten Geldstück verglichen, was an Epheser 2,1 erinnert. Obwohl wir in der Sünde lebten, waren wir in Gottes Augen «tot in unseren Vergehungen und Sünden».

Beachten wir, wie in den beiden Teilen dieses Gleichnisses nicht die Freude des erlösten Sünders, sondern die gemeinsame Freude des Himmels betont wird. Wenn ein Mensch Buße tut, gerät der Himmel in Bewegung.

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Der verlorene Sohn

Der dritte Teil dieses Gleichnisses ist der ausführlichste. Hier steht die Tätigkeit Gottes, des Vaters, gegenüber dem Sünder im Vordergrund. Der jüngere Sohn, der forderte: «Gib mir …» und dann den Vater verliess, ist ein Bild von uns Menschen, wie wir von Natur sind. Haben wir als Geschöpfe Gottes nicht Forderungen an Ihn gestellt und Ihm doch den Rücken gekehrt? Aber getrennt von Gott kommt der Mensch ins Elend wie der verlorene Sohn. Doch er muss auf den Punkt tiefster Demütigung (ein Jude als Schweinehirt!) und grösster Not (niemand gab ihm) kommen, damit er anfängt nachzudenken.

Als der verlorene Sohn an das Zuhause beim Vater dachte, gab es einen Wendepunkt in seinem Leben. Der Entschluss reifte in ihm, mit einem aufrichtigen Sündenbekenntnis zum Vater zurückzukehren. Dann machte er sich auf und ging zu seinem Vater. Echte, gottgemässe Buße führt zu einer inneren und einer äusseren Umkehr. Der Umkehr im Herzen müssen die Füsse folgen.

Und was traf der Sohn zu Hause an? Der Vater wartete schon lange auf ihn, lief ihm, als er ihn von weitem sah, mit bewegtem Herzen entgegen und schloss ihn liebevoll in die Arme. Welch ein Empfang der Gnade!

Nachdem der Sohn sein sündiges Verhalten bekannt hatte, war nur das Beste gut genug für den, der aufs Neue Sohn des Vaters sein durfte. Wieder steht die gemeinsame Freude im Vordergrund. Dieser Teil des Gleichnisses zeigt, wie sehr sich Gottes Herz freut, seine Liebe über einen Sünder auszuschütten.

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Der ältere Sohn

Nur einer nahm an der allgemeinen Freude im Haus des Vaters nicht teil. Der ältere Bruder (der Selbstgerechte) war zornig und wollte nicht ins Haus hineingehen. Sein Herz stand draussen. Für die Gnade hatte er nichts übrig. Die Freude seines Vaters teilte er nicht. Er verfolgte seine eigenen Ziele. «Auf dem Feld», in der Welt – fern vom Bereich göttlicher Barmherzigkeit und geistlicher Freude – war er tätig.

Mit diesem Teil des Gleichnisses wollte der Herr Jesus den murrenden Pharisäern zeigen, was sie in sich selbst waren. Der ältere Sohn ist aber auch ein Bild von jedem, der dem Namen nach ein Christ ist und sich bemüht, religiös zu leben, aber weder Buße getan noch sich bekehrt hat. Solche Menschen meinen, Gott müsse mit ihnen zufrieden sein. Und wenn Er sie einladet, auch zum Fest der Gnade zu kommen, versteigen sie sich so weit, dass sie Gott Vorwürfe machen.

Wie gross ist Gottes Langmut! Sie wird darin sichtbar, was jener Vater alles versuchte, um seinen älteren Sohn zu gewinnen. Warum wollte er nicht? Wenn ein so grosser Sünder wie sein jüngerer Bruder hineingehen durfte, dann galt ja seine ganze Rechtschaffenheit nichts. Ja, so ist es. Wo die Freude Gottes herrscht, kann die Selbstgerechtigkeit nicht eintreten. Im Himmel wird es einmal nur begnadigte Sünder, keine Selbstgerechten geben. Die Erlösten werden ewig die Gnade rühmen, der sie alles verdanken. Die Gnade ist in der Person Jesu gekommen, um das Verlorene zu suchen und zu erretten.

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Der untreue Verwalter

Um diesen Abschnitt richtig zu verstehen, müssen wir daran denken, dass der Herr hier zu seinen Jüngern spricht. Es geht um das Verhalten von gläubigen Menschen, während sie noch auf der Erde, in der Welt leben, aber nicht mehr von ihr sind.

Mit dem Kommen des Herrn Jesus auf diese Erde ging die Erprobung des Menschen durch Gott zu Ende. Mit welchem Resultat? Wir haben uns als Verwalter von dem, was Gott, unser Schöpfer, uns anvertraut hat, als völlig untreu erwiesen. Versagen in jeder Hinsicht! Was nun?

Jesus Christus hat uns die Gnade gebracht. Sie kommt jedem zugut, der sich in Buße und im Vertrauen zu Ihm wendet. So wird jeder Glaubende für den Himmel gerettet. Das Gleichnis zeigt uns nun, wie wir als Himmelsbürger mit den materiellen Gütern umgehen sollen. Der Herr lobte nicht die Ungerechtigkeit dieses Verwalters, sondern sein Handeln im Blick auf die Zukunft. Davon sollen wir lernen.

Alles Materielle, das wir als Gläubige hier besitzen, ist «das Fremde». Es gehört eigentlich nicht uns. Aber wir sollen es im Blick auf den Himmel verwalten und verwenden. Anstatt uns ans Geld zu klammern und möglichst viel für uns zusammenzukratzen, dürfen wir es verwenden, um Liebe zu üben. Gott hat uns nicht ewiges Leben gegeben, um als Gläubige möglichst viel Geld zu verdienen, sondern um die Gnade weiterzugeben und dabei von den materiellen Mitteln, die wir haben, guten Gebrauch zu machen.

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Ein Blick ins Jenseits

Die Geld liebenden Pharisäer, die alles hörten, was der Herr den Jüngern über die materiellen Güter sagte, nahmen seine Worte überhaupt nicht ernst. Nun musste der Herr ihnen ihre Selbstgerechtigkeit vorhalten. Aber Er zeigte ihnen auch, dass die Zeit des Gesetzes durch das «Reich Gottes» abgelöst wird. In diesen Bereich kommt der Mensch nur durch Buße und Glauben. Wer diesen Weg, den die Gnade zeigt, jedoch ablehnt, bleibt unter dem Gesetz und all seinen Forderungen.

Mit der Erzählung ab Vers 19 zeigt der Herr was im Jenseits folgt, und zwar als Konsequenz unseres irdischen Lebens. Der reiche Mann lebte nur für das diesseitige Leben. Er genoss alles, was es zu geniessen gab. Um Gott kümmerte er sich nicht, denn sein Name war bei Gott nicht bekannt. Den armen Mann aber kannte man im Himmel mit Namen. Lazarus bedeutet: «Mein Gott ist Hilfe.» Seine notvollen Umstände führten ihn sicher dahin, seine Zuflucht bei Gott zu suchen. Er wurde nicht enttäuscht.

Nach dem Tod dieser ungleichen Menschen waren ihre Rollen vertauscht. Lazarus war am Ort des Glücks und der reiche Mann am Ort der Qual. Es gab keine Möglichkeit mehr, die Lage zu ändern (Prediger 11,3).

Nun dachte er an seine Brüder. Er meinte, wenn Lazarus als Auferstandener zu ihnen ginge, würden sie sich warnen lassen. Abraham aber verwies auf die Autorität des geschriebenen Wortes. Vers 31 bestätigte sich in der Apostelgeschichte. Jesus war auferstanden. Doch die Masse der Juden liess sich nicht überzeugen.

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Vergebung, Glaube, Dienst

Der Weg des Glaubens durch diese Welt ist kein einfacher. Da gibt es viele Ärgernisse, d. h. manches, wodurch wir zu Fall kommen können. Jakobus schreibt: «Wir alle straucheln oft.» Auslöser dafür können Ungläubige sein. Sie stellen eine besondere Gefahr für die dar, die noch nicht lange gläubig sind. Doch auch als Glaubende können wir dem Bruder ein Hindernis sein. Daher die Ermahnung: «Habt Acht auf euch selbst», indem ihr euch misstraut und Selbstgericht übt. Dem Bruder gegenüber aber soll uns eine Gesinnung der Vergebung prägen. Also Wachsamkeit gegenüber uns und Gnade gegenüber anderen!

Die Apostel merkten, dass die Verwirklichung dieser Grundsätze Glaubensenergie erforderte. Darum ihre Bitte: «Mehre uns den Glauben!» Die Antwort des Herrn könnte man mit folgenden Worten wiedergeben: Es kommt nicht auf die Grösse eures Glaubens an. Wichtig ist, dass der Glaube Gott in die Umstände hineinbringt (Markus 9,23). Er ist die Quelle der Kraft. Sie liegt nicht in uns.

Vertrauen zu Gott und Gehorsam zum Herrn Jesus sind eng miteinander verbunden. Der Herr möchte von uns als seinen Knechten, dass wir Ihm gehorchen. Und wenn wir getan haben, was Er uns aufgetragen hat, wollen wir sagen: «Wir sind unnütze Knechte.» Das Gegenteil einer solchen Aussage wäre die Erwartung einer Belohnung. Doch wir wollen nicht vergessen, dass der Herr sein Werk auch ohne uns tun könnte. Wenn Er uns gebrauchen will, ist es eine Gnade, und wir wollen Ihm dienen, weil wir Ihn lieben.

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Zehn Aussätzige

In der Geschichte mit den zehn Aussätzigen, die geheilt wurden, wird deutlich, wie die Zeitperiode des Gesetzes zu Ende ging und die neue Zeit der Gnade eingeführt wurde.

Alle zehn Männer standen auf dem Platz, den das Gesetz dem Aussätzigen anwies (3. Mose 13,45.46). Aus Distanz riefen sie den Herrn um Erbarmen an. Wie reagierte der Heiland? Er forderte sie zu einem Glaubensschritt auf. Alle zehn befolgten seine Anweisung, machten sich auf den Weg zum Priester und wurden gereinigt.

Sicher freuten sich alle über ihre Heilung und waren dankbar. Aber einer kehrte auf der Stelle um. Er wollte nicht nur das Geschenk der Heilung geniessen, sondern dem Geber danken. Indem er laut Gott verherrlichte, kehrte er zum Herrn Jesus zurück, fiel Ihm in Huldigung zu Füssen und dankte Ihm. Der Herr nahm seinen Dank und die Anbetung Gottes an und schickte ihn nicht mehr zum Priester. Er stand nun auf dem Boden der Gnade und nicht mehr unter Gesetz. Das Wort des Herrn entliess ihn in die Freiheit der Gnade.

Und die anderen, nach denen der Herr fragte? Sie gingen zum Priester, damit er sie für rein erklären konnte. Sie erkannten wohl die Kraft, die sie gesund gemacht hatte, aber sie blieben in ihren religiösen Gewohnheiten und Verbindungen. Sie fanden nicht zur Quelle der Kraft zurück. Diese neun gleichen Christen, die mit dem Heil im Herrn Jesus zufrieden sind, aber nie zu wahrer Anbetung kommen. Wie traurig für das Herz des Herrn!

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Das zukünftige Erscheinen des Herrn

Die Pharisäer bekamen auf ihre Frage: «Wann kommt das Reich Gottes?», eine klare Antwort. Das Reich Gottes war in der Person seines Königs mitten unter ihnen. Weil Er aber in Gnade und nicht in Macht und Herrlichkeit gekommen war, lehnten sie Ihn ab und verwarfen Ihn.

Die Worte, die der Herr anschliessend an die Jünger richtete, betrafen die Zeit seiner Verwerfung und Abwesenheit von dieser Erde. Es würden schwere Tage für sie kommen, sodass sie die Zeit von damals, als Er unter ihnen weilte, zurückwünschten. Trotz der Schwere der Zeit und der Gefahr der Verführung versicherte ihnen der Herr, dass Er einmal in Herrlichkeit erscheinen würde. Aber nicht jetzt. Nun war Er auf dem Weg zum Kreuz.

Ab Vers 26 beschreibt Er ihnen die Endzeit. Mit seinem Kommen als Sohn des Menschen in Herrlichkeit wird ein Gericht über die Menschen hereinbrechen wie in den Tagen Noahs oder Lots. Dieses Gericht wird plötzlich und mit Sicherheit kommen. Für menschliche Überlegungen wird dann keine Zeit mehr bleiben. Der Herr selbst wird das Gericht über die dann lebenden Menschen ausüben (Matthäus 25,31-46). Die einen werden genommen und gerichtet werden. Die anderen, die zum treuen Überrest gehören und zu denen, die das Evangelium des Reiches angenommen haben, werden für den Segen des Tausendjährigen Reiches gelassen werden.

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Die Witwe und der ungerechte Richter

Das Gleichnis von der Witwe und dem ungerechten Richter gehört noch zu dem, was der Herr in Kapitel 17 über die Endzeit sagte. Die Witwe stellt die treuen jüdischen Zeugen in der Zukunft dar, die von den ungläubigen Volksgenossen und vom Antichristen schlimm bedrängt werden. Dieser gläubige Überrest wird Gott inständig um Hilfe anrufen und ein gerechtes Gericht über seine Widersacher fordern.

Dieser Abschnitt enthält aber auch eine allgemeine Belehrung für uns. Das Wort des Herrn, allezeit zu beten und nicht zu ermatten, gilt für alle Erlösten. Jeder von uns macht hin und wieder die Erfahrung, dass alle Umstände gegen ihn sind. Aber Gott ist für uns. Zu Ihm dürfen wir allezeit mit allen unseren Nöten und Schwierigkeiten kommen. Und wenn Er nicht sofort erhört, wie wir dies erwarten, dann lasst uns im Gebet nicht ermatten, sondern festhalten: Er ist für uns.

Wie schön ist der Ausdruck «seine Auserwählten». Ja, das sind wir! Vor Grundlegung der Welt hat Er uns auserwählt, um in den Genuss seiner Liebe zu kommen (Epheser 1,4). Könnte es da sein, dass Er uns seine Hilfe versagen würde? Nein, Er wird uns niemals im Stich lassen.

Aber wie steht es mit unserem Glauben, mit unserem Vertrauen zu Ihm? Beten wir nicht manchmal für eine Sache und trauen dem Herrn die Erhörung doch nur halbherzig zu? Denken wir an die Versammlung in Jerusalem, als sie für Petrus im Gefängnis betete! (Apostelgeschichte 12,5.14-16).

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Der Pharisäer und der Zöllner

Mit diesem Gleichnis wollte der Herr deutlich machen, dass Selbstgerechtigkeit Gott missfällt, aber Demut und Beugung wegen unseren Sünden Ihm wohlgefällt. Der Pharisäer war kein Gottloser. Aber er betete bei sich selbst, obwohl er Gott anredete. Er hielt Gott eine Lobrede über seine eigenen Vorzüge, aber dankte Ihm nicht für das, was Gott ist und was er von Ihm empfangen hatte.

Der Zöllner hatte sich im Licht Gottes als ein Sünder erkannt. Was konnte er tun? Seine Hoffnung lag bei dem, in dessen Licht er sich erkannt hatte. Und so beugte er sich vor Gott und bekannte Ihm seinen Zustand. Dann hoffte er auf seine Barmherzigkeit, flehte um Gnade und wurde nicht enttäuscht.

Seit jenem Gleichnis hat der Herr Jesus das Werk der Erlösung vollbracht. Keiner, der sich als Sünder vor Gott erkennt, muss jetzt auf Abstand bleiben. Die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen. Wer mit dem aufrichtigen Bekenntnis seiner Sünden zum Heiland kommt, empfängt Heil und Vergebung.

Die Jünger meinten, kleine Kinder seien zu unwichtig für den Herrn Jesus. Er aber zeigte ihnen, wie wertvoll Ihm diese sind. Dann belehrte Er seine Zuhörer anhand der Kinder über den Eintritt ins Reich Gottes. Nur der kann da eingehen, der nicht auf sich selbst vertraut, sondern die Wahrheit von Gott so aufnimmt, wie ein Kind auf ein Wort seiner Mutter hört.

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Verkaufe alles und folge mir nach!

Dieser Oberste hatte sich schon sehr viel Mühe gegeben. Er meinte jedenfalls, er hätte die zehn Gebote von seiner Jugend an befolgt. Doch er war trotz allem nicht befriedigt, oder er erwartete vom Herrn Jesus eine Bestätigung für sein bisheriges Verhalten. Jedenfalls kam er fragend zu Ihm. Aber er sah in diesem einfachen, demütigen Menschen nur einen guten Lehrer, der ihm weiterhelfen konnte. Er erkannte Ihn weder als Messias noch als Sohn Gottes. Wusste er überhaupt, was Sünde und was Gnade ist? Nein, er kannte weder sich noch Gott.

Nun stellte der Herr sein Herz auf die Probe. Da zeigte sich, wie er seine Reichtümer liebte und wie er in sich keine Kraft hatte, das Gute zu tun. Betrübt kehrte er dem Herrn den Rücken.

Als Folge davon deckte der Herr zwei wichtige Tatsachen auf:

  1. Irdische Reichtümer bilden eine grosse Gefahr. Sie können einen Menschen daran hindern, sich als verlorener Sünder zu erkennen und die Gnade anzunehmen.
  2. Wenn es auf den Menschen ankommt, ist es unmöglich, dass irgendjemand errettet wird. Die Errettung ist ausschliesslich ein Werk Gottes. Sie basiert auf dem Erlösungswerk seines Sohnes am Kreuz von Golgatha.

Auf die Frage von Petrus versicherte ihm der Herr, dass Nachfolge keinen Verlust bedeutet. Jeder Verzicht, der um des Reiches Gottes Willen in Kauf genommen wird, wird in vielfachen Gewinn umschlagen.

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Ein Blinder am Weg

Wir sind im Lauf dieses Evangeliums immer wieder der Gnade Gottes, die der Herr Jesus uns Menschen brachte, begegnet. Damit Gott uns aber wirklich Gnade erweisen und sündige Menschen erretten kann, war der Sühnungstod von Jesus Christus unerlässlich. Ein lebender Christus hätte uns nicht helfen können. Darum redete der Herr von seinem bevorstehenden Tod und dessen Begleitumständen, aber auch von seiner Auferstehung. Seine Auferstehung bestätigte die Vollgültigkeit seines Erlösungswerks. Die Herzen der Jünger aber waren so von den Gedanken des Reiches in Herrlichkeit erfüllt, dass die Worte über seinen Tod an ihnen abprallten.

Vor den Toren Jerichos sass ein blinder Bettler, der in Jesus mehr als den Nazaräer sah. Er erkannte Ihn als den Sohn Davids, den Messias, und rief Ihn um Erbarmen an. Er wurde nicht enttäuscht. Die Menschen empfanden sein lautes Rufen als Störung und wollten ihn zum Schweigen bringen. Aber für den Blinden war dies nicht nur eine einmalige, sondern auch die letzte Gelegenheit, dem Herrn Jesus zu begegnen. Diese wollte er sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Wenn sich heute ein Mensch im Bewusstsein seiner Sünden bekehren will, stellen sich ihm oft auch Hindernisse in den Weg. Freunde und Bekannte warnen ihn davor, fromm zu werden. Aber wie gut, wenn er sich wie dieser Blinde nicht aufhalten lässt. Als Sehender wurde er ein freudiger Nachfolger des Herrn mit einem Herzen voll Lob und Dank zu Gott.

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Zachäus

In Jericho gab es noch ein Herz, das Verlangen nach dem Herrn Jesus hatte. Der reiche Oberzöllner Zachäus wünschte den Heiland zu sehen. Auch er musste Hindernisse überwinden, um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Als er dann auf dem Baum sass, sah er nicht nur Jesus. Dieser sah vor allem ihn. Noch heute sind die Augen des Herrn auf den Elenden gerichtet und auf den, der vor seinem Wort zittert (Jesaja 66,2).

Nun hörte Zachäus ein Wort, das seine kühnsten Erwartungen übertraf. Jesus blickte ihn nicht nur an. Er wollte zu ihm nach Hause kommen. Welch eine Freude für Zachäus, diesen Gast willkommen zu heissen! – Nicht alle freuten sich darüber. Die meisten murrten und sagten: Er ist zu einem sündigen Mann eingekehrt. Sie kannten ihr eigenes Herz schlecht. Wo hätte der Herr in dieser Welt einkehren können, ohne einen Sünder zu finden?

Zu Hause erzählte Zachäus seinem Gast, was er alles unternommen hatte, um sein Gewissen zu entlasten. Aber es half nichts. Es gibt nur einen Weg zum Heil: der Glaube an den Erlöser, der gekommen ist, zu suchen und zu erretten, was verloren ist. Diesen Schritt tat Zachäus, denn der Herr konnte bezeugen: «Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, da ja auch er ein Sohn Abrahams ist», d. h. ein Glaubender (Römer 4,16; Galater 3,7).

Den 10. Vers könnte man als Kernvers des ganzen Lukas-Evangeliums bezeichnen. Der Sohn des Menschen ist bis zu uns verlorenen Menschen gekommen. Er ist uns nachgegangen, um uns zu erretten!

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Das Gleichnis der Pfunde

Immer noch meinten damals viele Menschen, das Reich Gottes würde nächstens erscheinen. Doch der Herr Jesus war auf dem Weg nach Jerusalem, wo es zum Abschluss seiner Verwerfung zur Kreuzigung kommen würde. Durch ein weiteres Gleichnis zeigte Er, dass Er weggehen und später zurückkehren werde. In der Zeit seiner Abwesenheit sollten seine Knechte mit dem ihnen anvertrauten Pfund handeln.

In diesem Gleichnis geht es um die Verantwortung des Menschen. Die Ausgangslage ist bei jedem Knecht die gleiche. Jeder bekommt ein Pfund. Dann liegt die Betonung auf dem Wort «handelt». Wenn der Herr zurückkehrt, werden der Fleiss und die Treue belohnt. Entsprechend unterschiedlich fallen die Belohnungen aus.

Für uns Gläubige lässt Vers 15 an den Richterstuhl des Christus denken, wo Er unser Leben in seinem Licht beurteilt und das belohnen wird, was wir für Ihn getan haben. Die Belohnung entspricht unserer Stellung im Tausendjährigen Reich. Sie wird nicht bei jedem Gläubigen gleich ausfallen. Der Lohn wird auf der Erde, d. h. in dem Bereich ausbezahlt, wo wir während der Zeit der Abwesenheit des Herrn unsere Verantwortung hatten. Unsere Stellung im Himmel wird dadurch in keiner Weise beeinflusst. Sie gründet sich nur auf die Gnade.

Der böse Knecht kannte den Herrn überhaupt nicht, wenn er sagte: «Du bist ein strenger Mann» (vergleiche 1. Petrus 2,3). Er bewies, dass er keine Herzensverbindung zu Ihm hatte. Er stellt einen ungläubigen Bekenner dar.

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Der Einzug in Jerusalem

Bevor der Herr Jesus in Jerusalem gekreuzigt wurde, bezeugte Er sich dieser Stadt noch einmal als Sohn Davids. Seine Rechte als Herr über alles sollten proklamiert werden. Ihm stand das Recht zu, als König empfangen zu werden. Aber alles geschah in Niedrigkeit der Gnade. Er kam nicht hoch zu Ross, sondern ritt auf einem Eselsfohlen.

Als die Menge der Jünger anfing, freudig Gott zu loben, regte sich der Widerstand der Pharisäer. Und was musste Er ihnen sagen? «Wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien.» Er sah die Zerstörung dieser Stadt voraus. Oh, wie trauerte Er über die Widerspenstigkeit Jerusalems! Etwa 40 Jahre nach seiner Kreuzigung wurde die Stadt von den Römern zerstört. Sie hatte ihren König nicht erkannt. Doch der Augenblick wird kommen, da sich die Pläne Gottes mit Jerusalem und seinem Volk erfüllen werden. Dann wird diese Stadt zum Zentrum der Friedensherrschaft von Christus werden.

In jenem Moment aber sagten die Jünger: «Friede im Himmel», nicht mehr «Friede auf Erden» wie die Engel bei seiner Geburt. Christus wurde hier verworfen. Als Folge davon sind Verwirrung, Krieg und Gericht das Teil der Erde. Frieden auf Erden wird es erst geben, wenn der einst Gekreuzigte in Macht und Herrlichkeit wiederkommen wird. In der Zwischenzeit gibt es Frieden im Himmel, aber auch Frieden für das Herz dessen, der an den Herrn Jesus und sein Erlösungswerk glaubt (Kolosser 1,20-22).

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Jesus im Tempel

Für den Herrn Jesus war der Tempel immer noch das Haus Gottes, ja, das Haus seines Vaters (vergleiche Kapitel 2,49). In seiner Vollmacht als Herr dieses Hauses trieb Er all jene hinaus, die mit dem Verkauf von Opfertieren ihre Geschäfte machten (5. Mose 14,24-26). Es war nicht verkehrt, dass sie jenen, die von weither kamen, an Ort und Stelle Opfertiere verkauften. Aber musste das im Tempel geschehen? Das Haus Gottes war doch ein Bethaus und kein Ort, um Geld zu verdienen.

Dieser Eingriff in «ihren Bereich», wie die religiösen Führer dachten, passte ihnen ganz und gar nicht. Aber solange der Dienst des Herrn Jesus noch nicht zu Ende war, konnte niemand Hand an Ihn legen.

Doch die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Ältesten liessen nicht locker. Als selbst ernannte Hüter des Hauses Gottes wollten sie vom Herrn Jesus wissen, in welchem Recht Er die Verkäufer aus dem Tempel getrieben und woher Er diese Vollmacht hatte. Als Antwort stellte Er ihnen eine Gegenfrage: War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen? Nun deckt der Geist Gottes die Unaufrichtigkeit ihrer Herzen auf. Sie wollten nicht glauben – weder an Johannes noch an Jesus Christus. Darum stellten sie sich unwissend.

Der Herr nahm sie sozusagen beim Wort. Seine Frage hätten die meisten aus dem Volk beantworten können. Für sie war Johannes ohne Zweifel ein Prophet. Die Führer aber stellten sich unwissend, forderten jedoch vom Herrn eine Legitimation für sein Tun. Nein, solche Menschen verdienten keine Antwort.

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Das Gleichnis der Weingärtner

Der Weinberg in diesem Gleichnis stellt das Volk Israel dar, das Gott aus Ägypten erlöst und auf den Berg seines Erbteils gepflanzt hatte (2. Mose 15,17). Die Weingärtner waren die Verantwortlichen dieses Volkes. Gott erwartete Frucht von seinem Weinberg, aber Er bekam sie nicht. Die Knechte, die Er zum Volk sandte, waren die Propheten des Alten Testaments. Doch auch ihr Dienst blieb im Blick auf das Volk als Ganzes ohne Erfolg. Als Gott schliesslich seinen geliebten Sohn sandte, handelten die Führer wie jene Weingärtner: Sie warfen Jesus hinaus und kreuzigten Ihn. Kurz bevor sie diesen Mord wirklich ausführten, versuchte der Herr mit diesem Gleichnis nochmals ihr Gewissen zu erreichen. Es war vergeblich.

Gott wird den Weinberg anderen geben. Darauf antworteten sie entrüstet: «Das sei ferne!» Dass Gott den Juden aufgrund ihrer Untreue ihre Vorrechte nehmen konnte, war für das stolze Volk ein unmöglicher Gedanke. Doch der Herr sah sie an und ging noch weiter. Er sprach von sich als dem verworfenen Stein, der zum Eckstein geworden ist. Nach Ihm wird sich alles ausrichten. Aber diese gleiche Person ist für alle, die nicht an Ihn glauben wollen (= die auf diesen Stein fallen), ein Fels des Ärgernisses (1. Petrus 2,8; 1. Korinther 1,23).

Der zweite Teil von Vers 18 spricht vom Endgericht. Wenn der Herr in Herrlichkeit erscheinen wird, fällt sein Gericht auf alle, die im Unglauben verharrten.

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Die Frage über die Steuer

Durch die arglistigen Fragen der Feinde des Herrn Jesus zeigt sich die Verdorbenheit des menschlichen Herzens. Durch seine Antworten wird etwas von der Herrlichkeit seiner Person, aber auch von seiner Gnade sichtbar.

Diese Aufpasser, die mit einer raffiniert gestellten Frage den Herrn Jesus in seiner Rede fangen wollten, versuchten sich vor Ihm zu verstellen. Aber dieser demütige Mensch war gleichzeitig Gott, der ihre Schmeichelei und ihre Arglist durchschaute. Trotzdem war Er in seiner Gnade bereit, ihnen eine Antwort zu geben.

Worin bestand die Arglist ihrer Frage? Wenn der Herr geantwortet hätte: Es ist richtig, dem Kaiser Steuern zu bezahlen, hätten sie gesagt: Es kann nicht der Messias sein, denn Er hält zu den Römern. Hätte Er gegenteilig geantwortet, dann hätten sie Ihn als Rebell bei den Römern angeklagt.

Wie göttlich klar ist seine Antwort. Dass die Juden unter der Oberherrschaft des römischen Kaisers standen, war die Folge ihrer Untreue und ihres Ungehorsams gegen Gott. An diesen Platz, wohin ihre Sünde sie gebracht hatte, stellte der Herr sie mit dem ersten Teil seiner Antwort: «Gebt daher dem Kaiser, was des Kaisers ist.» Aber wie stand es um die Seite Gottes? Die Römer hatten den Juden bis dahin ihre religiöse Freiheit gelassen. Doch ihr Gottesdienst im Tempel war zu einer kalten, toten Form erstarrt, ohne Herzensbeziehung zu Gott. Darum der zweite Teil seiner Antwort: «Gebt … Gott, was Gottes ist.»

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Die Frage über die Auferstehung

In der nächsten Frage zeigt sich der Unglaube der Sadduzäer. Diese jüdische Sekte lehnte die Wahrheit von der Auferstehung ab. Durch ihre ausgeklügelte Geschichte wollten sie den Glauben an die Auferstehung lächerlich machen. Wie und was antwortete der Herr diesen Leuten?

In den Versen 34 und 35 macht Er einen klaren Unterschied zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Die «Söhne dieser Welt» sind die Ungläubigen, die sich nur für das diesseitige Leben interessieren. Die Glaubenden aber haben eine herrliche Zukunft in der Auferstehungswelt vor sich. Sie werden als «Söhne der Auferstehung» bezeichnet.

Nicht im Leben auf dieser Erde, sondern in der Auferstehung unterscheiden sich die Gläubigen am meisten von den Ungläubigen. Die Glaubenden werden zu einem anderen Zeitpunkt auferstehen als die Ungläubigen (Johannes 5,28.29). Alle, die im Glauben an Christus gestorben sind, werden zuerst auferstehen, und zwar zum Leben. Die Ungläubigen werden mindestens 1000 Jahre später auferstehen, und dann zum Gericht.

Alles, was der Herr in den Versen 35-38 sagt, bezieht sich auf die entschlafenen Gläubigen. Sie leben für Gott, wie Vers 38 es sagt, und erwarten die Auferstehung aus den Toten.

Die Schriftgelehrten, die an die Auferstehung glaubten, pflichteten Ihm in dieser Sache bei: «Lehrer, du hast recht gesprochen.»

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Christus – Herr und Sohn Davids

Nachdem die Menschen nicht mehr wagten, Ihn über irgendetwas zu befragen, hatte der Herr selbst noch eine Frage. Sie betraf Ihn. Wie konnte Christus gleichzeitig Davids Herr und Davids Sohn sein?

Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort: Der Messias, Davids Sohn, muss eine göttliche Person sein, damit Er Davids Herr sein konnte. Jesus Christus ist der Sohn Gottes, der sich erniedrigte und als sündloser, abhängiger Mensch hier in Sanftmut und Demut gelebt hat. Seine Erniedrigung ging bis zum Tod am Kreuz, wo Er das Erlösungswerk vollbracht hat. Nach seiner Auferstehung hat Gott Ihn hoch erhoben und Ihm den Platz zu seiner Rechten gegeben. Diesen Platz, der Ihm als Gott gehörte, nimmt Er nun auch als Mensch ein. Einmal wird sich jeder vor Ihm beugen und Ihn als Herrn anerkennen müssen (Philipper 2,9-11).

Die Menschen, die dem Herrn Jesus am schlimmsten widerstanden, waren Heuchler der übelsten Art. Sie benutzten die Religion, um ihre Selbstsucht und Habgier zu bemänteln. Der Herr entlarvte sie und sprach das Gericht über sie aus. Es würde bei diesen Leuten schwerer ausfallen als bei anderen.

Auch in uns steckt diese Wurzel, dass wir gern von den Menschen geehrt werden. Und wie schnell überheben wir uns dann! Vor einer solchen Haltung können wir nur bewahrt bleiben, wenn wir in die Fussstapfen unseres Herrn und Heilands treten und Ihn nachahmen.

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Der Tempel wird zerstört

Am Ende des letzten Kapitels musste der Herr die Jünger vor denen warnen, die die Häuser der Witwen verschlingen. In den ersten Versen dieses Kapitels lenkt Er die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer auf eine solch arme Witwe. Er sagte von ihr, dass sie mehr eingelegt habe als alle. Bei unserer Bewertung der Gaben für Gott gehen wir meistens von der Höhe des Betrags aus. Der Herr aber bewertet unsere Gabe nach dem, was wir für uns zurückbehalten. Diese Witwe legte alles ein, was sie noch hatte, und vertraute dann ganz auf Gott.

Der Hinweis auf den schönen Tempel veranlasste den Herrn, von der Zukunft zu reden. Es würde alles zerstört werden. Auf die Frage, wann dies sein werde, sprach der Herr von der bevorstehenden Zerstörung Jerusalems und vom Gericht, das die nationale Einheit dieses Volkes beendete. (Die Evangelisten Matthäus und Markus reden praktisch nur von der Endzeit). Lukas bezieht die ganze Zeit bis zur Vollendung der Zeiten der Nationen mit ein, also auch die Zeit, in der wir leben. Erst ab Vers 25 geht es um die Endzeit.

Und die Jünger? Sie sollten sich nicht verführen und erschrecken lassen, sondern ausharren und ihren Weg des Glaubens weitergehen. Wie die Jünger dürfen auch wir nicht vergessen, dass der Feind den Gläubigen sowohl als verführerische Schlange (Vers 8) als auch als brüllender Löwe zu schaden sucht.

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Die Jünger werden verfolgt

In Vers 9 hiess es: «Das Ende ist nicht sogleich da.» Was jetzt in dem gelesenen Abschnitt folgt, beschreibt die Zeit, die direkt auf die Kreuzigung des Herrn Jesus folgte. Es handelt sich hier nicht um zukünftige Ereignisse in der Drangsalszeit.

Ab Vers 12 sagt der Herr den Jüngern Verfolgungen voraus. Die Apostelgeschichte bestätigt die feindselige Behandlung der gläubigen Christen (z. B. Apostelgeschichte 8,1-3). Aber diese Verfolgungen wurden zu einem Zeugnis für die Ungläubigen. Sie haben das Christentum nicht zerstören können. Wie der Herr den Seinen geholfen hat, sich in Weisheit vor ihren Anklägern zu verantworten, sehen wir z. B. in Apostelgeschichte 4,13-22. Gott liess zu, dass sie geprüft wurden, doch kein Haar von ihrem Kopf würde verloren gehen. Wichtig war für sie, dass sie in der Bedrängnis ausharrten und nicht aufgaben. Das gilt auch für uns.

Die in den Versen 20-24 beschriebene Belagerung und Zerstörung Jerusalems bezieht sich auf das, was unter dem römischen Feldherrn Titus im Jahr 70 geschah. Unbeschreibliche Not kam damals über die Bewohner Jerusalems. Die Christen, die sich an diese Worte des Herrn hielten, flohen rechtzeitig aus der Stadt. Was etwa 40 Jahre nach der Kreuzigung des Herrn über die Juden kam, war der Tag der Rache für die Verwerfung ihres Messias. Seither sind viele Juden unter die Nationen zerstreut worden. Und es gibt noch längst keinen Frieden bezüglich Jerusalems.

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Der Herr wird wiederkommen

Aus Vers 27 wird deutlich, dass die Beschreibung der Ereignisse ab Vers 25 auf die Zeit zutrifft, die dem Erscheinen des Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit unmittelbar vorausgeht. Es ist die heute noch zukünftige Drangsalszeit. Sie beginnt erst nach der Entrückung, also nach Abschluss der jetzt noch andauernden Zeit der Gnade. Kein gläubiger Christ wird mehr hier leben, wenn jene Zeit beginnt.

Der Feigenbaum stellt das Volk Israel dar. Eine gewisse Neubelebung, was durch das Ausschlagen der Knospen illustriert wird, sehen wir heute bereits (Gründung des Staates Israel 1948, Rückkehr vieler Juden nach Israel). Auf diese Weise zeigt uns Gott, dass sein Reich (in Herrlichkeit) nahe ist. Doch bevor der Herr erscheint, um seine Herrschaft anzutreten, wird Er für uns kommen, um all die Seinen zu sich zu entrücken. Wie nahe muss daher sein Kommen sein!

Der Ausdruck «dieses Geschlecht» bezieht sich nicht auf die Lebensdauer einer Generation, sondern weist auf die unveränderte ungläubige Haltung der Juden gegenüber Jesus Christus hin. Bis heute lehnen sie Ihn als Messias ab.

Diese Sicht auf zukünftige Zeiten soll eine praktische Auswirkung auf unser Leben als gläubige Christen haben. Möge unser Verhalten uns als Himmelsbürger und nicht als auf der Erde Ansässige auszeichnen. Lasst uns wachen und beten, um in einer gerichtsreifen Welt abgesondert für den Herrn leben zu können.

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Einleitung

Das erste Buch Samuel beschreibt den Übergang von der Zeit der Richter zur Zeit der Könige. Mit dem Hohenpriester Eli und seiner Familie ging es bergab. Seine Söhne versündigten sich schwer, so dass Gott sie richten musste.

Doch der Herr gab sein Volk nicht auf. Er berief Samuel zum Propheten und Richter in Israel. Dieser Mann Gottes war ein treuer Beter. Als Samuel alt geworden war, wünschten sich die Israeliten einen König wie die Nationen.

Da bekam Samuel den Auftrag von Gott, Saul zum König über Israel zu salben. Saul kam aus dem Stamm Benjamin. Er hatte viele menschliche Vorzüge, aber keine Glaubensbeziehung zu Gott. Deshalb versagte er auf der ganzen Linie.

Hanna und Peninna

Wie das Buch der Richter so zeigen uns auch die Fortsetzungsbücher, 1. und 2. Samuel, das Volk Israel in seiner Verantwortung. Gott muss viel Versagen aufdecken, weil sowohl das Richteramt verfällt, als auch das Priestertum versagt.

In dieser Situation sendet Gott Samuel, den Propheten, der beim Volk für Ihn einsteht. Durch Samuel wird auch das Königtum eingeführt: zuerst König Saul, den das Volk verlangte. Er war der Mann nach ihren Wünschen. Dann David, der Mann nach dem Herzen Gottes.

Elkana war ein Levit, der im Stammesgebiet von Ephraim wohnte. Er gehorchte den Anordnungen Gottes und zog mit seiner Familie Jahr für Jahr nach Silo, wo die Stiftshütte stand, um dem Herrn zu opfern (2. Mose 34,23.24).

Obwohl Elkana ein gottesfürchtiger Mann war und diese Gottesfurcht sicher auch für die Seinen wünschte, war seine Familie nicht glücklich. Wo lag die Ursache? Er hatte zwei Frauen! Obwohl Gott im Alten Testament Polygamie zuliess, gibt es in der Bibel keine Familie mit mehreren Frauen, die wirklich glücklich gewesen wäre. Gott hatte die Einehe eingesetzt. Das war und ist nach seinen Gedanken.

Peninna, die eine Frau Elkanas, hatte Kinder, die andere, Hanna, war kinderlos. Die Kränkungen Peninnas verletzten Hanna zutiefst. Sie war darüber so traurig, dass auch die gut gemeinten Trostworte ihres Mannes, der sie wirklich liebte, nicht halfen.

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Hanna betet

Konnte Elkana wirklich nachempfinden, wie betrübt Hanna war? Warum hatte er eine zweite Frau genommen? Geschah es, um nicht kinderlos zu bleiben?

Hanna scheint niemand gehabt zu haben, der sie verstand und ihr helfen konnte. Doch sie konnte ihre Zuflucht zu Gott nehmen. So stand sie nach dem Essen auf und schüttete ihre Not vor dem Herrn aus. «Sie betete zu dem Herrn und weinte sehr.»

Der Wunsch Hannas nach einem Sohn war überaus gross. Doch sie wünschte sich nicht einfach ein Kind für sich selbst, sondern einen Sohn, der ein brauchbares Werkzeug in der Hand Gottes werden konnte. Darum wollte sie ihn ganz dem Herrn weihen.

Der Hohepriester Eli beobachtete Hanna beim Gebet. Obwohl er Priester Gottes war, fehlte ihm das nötige Unterscheidungsvermögen. Er meinte, Hanna sei betrunken. Warum übersah er die Betrübtheit dieser Frau?

Eli war ein Vater, der seiner eigenen Familie schlecht vorstand. Er wusste um das böse, gottlose Tun seiner beiden Söhne, wehrte ihnen aber nicht. Er richtete nur einige ermahnende Worte an sie, mehr nicht (1. Samuel 2,17.22-25). Sein Mangel an Entschiedenheit für Gott und seine Rechte nahm ihm das gesunde Urteilsvermögen.

Trotzdem blieb Eli der Hohepriester, durch den Gott einer Hanna die Erhörung ihres Flehens ankündigen konnte, nachdem ihm sein Irrtum bewusst geworden war. Welch eine Gnade vonseiten Gottes, der das Vertrauen der Seinen nie enttäuscht (Psalm 34,5)!

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Samuel wird geboren

Der Trost Gottes war ins Herz von Hanna gefallen. Man konnte es ihr am Gesicht ablesen (Vers 18). Dann kehrte Elkana mit seiner Familie nach Rama zurück.

Nun heisst es so schön: «Der Herr gedachte ihrer.» Der Sohn, den Hanna gebar, war wirklich die Antwort auf ihre Gebete. Darum gab sie ihm den Namen Samuel (= von Gott erhört).

Während einigen Jahren machte Hanna die jährliche Reise der Familie nach Silo nicht mehr mit. Sie blieb mit dem kleinen Samuel zu Hause. Elkana war damit einverstanden. Nur hoffte er, dass seine Frau ihr Versprechen gegenüber Gott auch einhalten würde.

Dann kam die Zeit, da Hanna ihr Gelübde einlöste. Sie brachte ihren noch kleinen Jungen nach Silo zu Eli. Den Sohn, den sie einst vom Herrn erbeten hatte, wollte sie Ihm nun zurückgeben. «Alle Tage, die er lebt, ist er dem Herrn geliehen.» Die grosse Opfergabe, die sie bei dieser Gelegenheit mitbrachte, zeugt sicher von der grossen Dankbarkeit ihres Herzens. Wie glücklich muss Hanna gewesen sein! Das Kapitel endet damit, dass sie den Herrn anbeteten.

In den kommenden Kapiteln werden wir nun den Werdegang Samuels vom Knaben zum Propheten und Fürsprecher des Volkes Gottes verfolgen können. Wenn wir dabei bedenken, wie gottlos die Söhne Elis waren, in deren Nähe er jetzt lebte, dann müssen wir sagen: Der Einfluss einer gottesfürchtigen Mutter und ihre Gebete sind von unschätzbarem Wert für die Kinder.

Buchtipp: Samuel – der Mann Gottes

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Hanna lobt

Wir wissen nicht, was Hanna zum Herrn gesagt hat, als sie ihre Seele vor Ihm ausschüttete und weinte. Aber jetzt hat der Geist Gottes uns ihre Worte des Dankes und des Lobes, die sie zu Gott betete, in ihrem Wortlaut aufbewahrt. Ihr Gebet ist ein herrliches Zeugnis ihres Glaubens.

Dabei rühmt sie nicht nur die Hilfe und Rettung, die sie erfahren hat. Sie denkt auch daran, wer Gott ist, der sich zu ihr geneigt hat. Er ist heilig, d.‍ ‍h. Er verabscheut das Böse (Habakuk 1,13). Er ist ein Fels, der durch die Umstände der Menschen und durch alles, was auf der Erde geschieht, nicht erschüttert wird. Wer sich auf Ihn stützt, ist wirklich in Sicherheit. Aber Er ist auch ein Gott des Wissens, dem nichts entgeht und der all unser Tun und Lassen beurteilt.

Der achte Vers findet eine wunderbare Erfüllung in der Zeit, in der wir leben. Denken wir doch daran, was wir vor unserer Bekehrung waren und aus welchem Kot der Sünde uns der Heiland errettet hat (Epheser 2,1-8; Titus 3,3-7)! Zu welch einer herrlichen Höhe sind wir nun erhöht. Wir sind Kinder und Söhne Gottes, mit jeder geistlichen Segnung überschüttet, und das Ziel vor uns ist das Vaterhaus droben.

Vers 10 weist prophetisch auf den Herrn Jesus hin. Er ist der Gesalbte Gottes, wie dies in den Worten «Messias» (hebräisch Gesalbter) und «Christus» (griechisch Gesalbter) ausgedrückt wird.

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Hophni und Pinehas

Als Elkana mit seiner Familie nach Rama zurückkehrte, blieb der Knabe Samuel allein bei Eli, dem Hohenpriester, zurück. Sein Dienst für den Herrn begann vor Eli, dem Priester. Obwohl bei Eli die Gottesfurcht sehr zu wünschen übrig liess, versuchte der junge Samuel zunächst vom alten Priester zu lernen und im Dienst von ihm unterwiesen zu werden.

In der Umgebung, in der dieser Knabe nun lebte, wurden schlimme Sünden verübt. Die Söhne Elis, die Priester Gottes hätten sein sollen, werden vom Heiligen Geist als «Söhne Belials» bezeichnet. Belial bedeutet Nichtswürdigkeit, Bosheit. «Sie kannten den Herrn nicht.»

Das Gesetz bestimmte, welche Teile der verschiedenen Opfer dem Priester gehörten. Aber diese beiden Männer, Hophni und Pinehas, stellten sich über Gottes Wort, missbrauchten ihre Autoritätsstellung als Priester und nahmen sich, was sie wollten. Sie bestahlen nicht nur das Volk, sondern auch Gott. Noch bevor das Fett, das Gott allein gehörte, geräuchert wurde, nahmen sie die besten Teile des Opfers für sich. Welch eine Beleidigung Gottes!

Die Folgen eines solch respektlosen und sündigen Verhaltens blieben nicht aus. «Die Leute verachteten die Opfergabe des Herrn.» Sie fragten sich wohl: Wozu sollen wir überhaupt noch Opfer bringen?

Wenn heute ein Diener des Herrn sündigt oder es mit dem, was gegen Gottes Wort ist, nicht so genau nimmt, wird es verheerende Folgen für das Volk Gottes haben (vergleiche 1. Timotheus 5,19.20).

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Samuel dient vor dem Herrn

Wie schön ist das geistliche Wachstum Samuels! Im Gegensatz zu Vers 11 heisst es jetzt: «Samuel diente vor dem Herrn.» Er muss wohl gemerkt haben, dass es in der Familie Elis manches Verkehrte gab. Für Samuel wurden die Anweisungen Gottes entscheidend. Nach ihnen wollte er sich richten. Eine solche Haltung führt zu weiterem Wachstum, wie dies die Verse 21 und 26 beschreiben. Das registrierten auch die Menschen.

Gott bleibt nie unser Schuldner. Wenn wir Ihm etwas weihen – z.‍ ‍B. unser Leben –, wird Er es uns reich vergelten. Das sehen wir auch bei Hanna. Nachdem sie ihren Erstgeborenen Gott geweiht hatte, schenkte Er ihr noch drei Söhne und zwei Töchter.

Die Verse 22-25 sind eine ernste Warnung an alle gottesfürchtigen Väter. Wir haben eine Verantwortung vor Gott. Er möchte, dass wir entschieden gegen das Böse, das in unsere Familien eindringen will oder vielleicht schon eingedrungen ist, vorgehen.

Das Verhalten der Söhne Elis war bereits so gravierend, dass ermahnende Worte nicht mehr genügten. Zudem sagte Eli nur: «Nicht so, meine Söhne! Denn nicht gut ist das Gerücht, das ich höre.» Als Hoherpriester und Vater hätte er die Sünden seiner Söhne klar beim Namen nennen und ihr Tun eindeutig verurteilen müssen. In diesem schweren Fall wären sogar weitere Massnahmen nötig gewesen. Eli unterliess sie.

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Eine Gerichtsankündigung

Nun kommt ein Mann Gottes zu Eli, um ihm eine ernste Botschaft des Herrn zu überbringen und das Gericht über seine Familie anzukündigen. Gott erinnert ihn zuerst an die Gnade und Gunst, die Er dem Stamm und der Familie Elis erwiesen hatte (Levi, Aaron). Er und seine Söhne aber hatten diese Vorrechte verachtet und die Opfer Gottes mit Füssen getreten. Die ganz persönliche Schuld Elis vor dem Herrn wird mit den Worten ausgedrückt: «Du ehrst deine Söhne mehr als mich!»

Ab Vers 30 haben wir das göttliche Gericht, das der Mann Gottes über die Priesterfamilie aussprechen musste. Es betraf nicht nur Eli und seine Söhne, sondern seine ganze Nachkommenschaft. Es sollte keinen Greis mehr in seinem Haus geben. Sie würden alle vor der Zeit sterben (siehe 1. Samuel 4,11; 22,11-23; 1. Könige 2,26.27).

Eli gehörte zur priesterlichen Linie Ithamars, des einen der beiden übrig gebliebenen Söhne Aarons. Doch diese Linie würde durch die Linie Eleasars, des anderen Sohnes Aarons, ersetzt werden. Gott wollte sich einen treuen Priester erwecken, der vor seinem Gesalbten stehen würde. Der 35. Vers erfüllte sich, als Zadok aus der Linie von Eleasar unter der Regierung Salomos Hoherpriester wurde (1. Chronika 29,22). Doch die Prophezeiung geht bis zum Tausendjährigen Reich. Dann wird Christus der Gesalbte des Herrn sein, und die Söhne Zadoks werden den Priesterdienst in jenem zukünftigen Tempel ausüben (Hesekiel 44,15).

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Der Herr ruft Samuel

Das dritte Kapitel beginnt mit einer positiven und einer negativen Bemerkung. Von einer Reaktion Elis auf die ernsten Worte des Mannes Gottes lesen wir leider nichts. Wenn der alte Priester versagte, so diente doch der junge Samuel in Treue weiter dem Herrn. Weil aber das Priestertum in seinem Mittlerdienst zwischen Gott und dem Volk versagt hatte (Maleachi 2,7), war das Wort des Herrn selten in jenen Tagen.

Der Mensch in seiner Verantwortung hat versagt. Aber Gott in seiner Gnade steht im Begriff, einen gewissen Neuanfang zu machen. Weil das Priestertum versagt hat, will Gott nun durch Propheten zu seinem Volk reden. Samuel, zu dem Gott hier zum ersten Mal direkt spricht, soll Prophet einer langen Reihe von Propheten werden, durch die Gott die Verbindung mit seinem Volk aufrechterhalten will (Vers 20; Apostelgeschichte 3,24; 13,20).

Nicht zum alten Priester, sondern zum jungen Samuel, der Gott in Treue diente, wollte der Herr reden. Doch der Knabe kannte Ihn noch nicht so nah, und Eli war träge im Verstehen, dass Gott redete. Wie langmütig ist der Herr! Wie viel Geduld hat Er mit uns, wenn wir träge im Hören und Verstehen sind!

Dreimal hört Samuel seinen Namen rufen, steht auf und läuft zu Eli, um ihm zu dienen. Erst beim dritten Mal merkt der alte Mann, dass Gott den Knaben ruft. Nun unterweist er ihn über das weitere Verhalten, sollte die Stimme noch einmal ertönen.

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Der Herr spricht zu Samuel

Ein viertes Mal hört Samuel seinen Namen rufen. Dieses Mal wiederholt ihn Gott sogar: «Samuel, Samuel!» Bereit, auf Gott zu hören und Ihm zu gehorchen, antwortet der Knabe: «Rede, denn dein Knecht hört!»

In den Versen 1 und 8 wird Samuel zum letzten Mal als Knabe bezeichnet. In Vers 15 heisst es: «Samuel blieb bis zum Morgen liegen.» Die Botschaft, die Gott ihm mitteilte, war fast zu schwer für sein junges Alter. Aber der Ernst der Lage liess ihn geistlich reifer werden. So sagt Vers 19: «Und Samuel wurde gross.» Da war er geistlich erwachsen.

Die Mitteilung, die Samuel in jener Nacht erhielt, zeigt, dass das Gericht über Eli und seine Familie fest beschlossen war. Er hatte alles gewusst und doch seinen Söhnen nicht gewehrt. Nun gab es keine Sühnung mehr für ihr Verhalten. Vater und Söhne konnten dem Gericht nicht mehr entfliehen. Die tragischen Begleitumstände würden das ganze Volk erschrecken.

Wir verstehen, dass Samuel über das Gehörte lieber nicht gesprochen hätte. Aber Eli wollte alles wissen. Dann beugte sich der Priester demütig unter Gott und sein Tun. Er lehnte sich nicht dagegen auf. Besser wäre gewesen, er hätte vorher Energie und Entschiedenheit des Glaubens gezeigt.

Nun wird Samuel zum Propheten des Herrn für das Volk, indem Gott fortfährt, ihm zu erscheinen und sich ihm durch sein Wort zu offenbaren. So wird Samuel zum Sprachrohr Gottes für das Volk. Seine Worte bekommen durch die Tatsache: «Der Herr war mit ihm», das nötige Gewicht.

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Niederlage gegen die Philister

Unter Simson, dem letzten Richter im Buch der Richter, hatte Gott sein Volk in die Hand der Philister gegeben. Diese Feinde scheinen unter Eli immer noch stark gewesen zu sein. Jedenfalls zieht Israel zur Zeit, da Samuel seinen Prophetendienst unter dem Volk beginnt, in den Krieg gegen sie. Aber Israel erleidet eine empfindliche Niederlage. 4000 Israeliten verlieren ihr Leben.

Die Führer des Volkes halten Kriegsrat und fragen: «Warum hat der Herr uns heute vor den Philistern geschlagen?» Doch wir hören und sehen nichts von einer Selbstprüfung vor Gott. Keiner kommt auf die Idee zu fragen: Liegt der Grund für die Niederlage vielleicht bei unserem Verhalten gegenüber Gott? Konnte Er uns keinen Sieg schenken, weil es bei uns ungerichtete Sünden gibt?

Ohne eine Antwort abzuwarten, beschliessen sie, die Bundeslade ins Lager zu holen. Dann wird Gott bei ihnen sein, und es kann nichts mehr schief gehen. Das ist reiner Aberglaube!

Als die Lade ins Lager kommt, ist der Jubel so gross, dass die Erde dröhnt. Der Himmel aber bleibt still. Die ebenfalls abergläubischen Philister werden durch diese Wendung der Dinge bestärkt, noch mutiger und tapferer zu kämpfen. Dann folgt Gottes Antwort: Es gibt eine noch empfindlichere Niederlage, die beiden Priester werden getötet und die Bundeslade fällt in die Hände der Feinde.

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Eli stirbt

Ein Mann kann aus der Schlacht fliehen. Er bringt die Nachricht der Niederlage Israels nach Silo. Der 98-jährige Eli sitzt auf einem Stuhl am Wegrand und wartet mit grosser Sorge auf Nachricht. «Sein Herz war bange wegen der Lade Gottes.»

Der Bote kommt auch zu ihm und berichtet ihm von der Niederlage Israels, vom Tod seiner beiden Söhne und vom Verlust der Bundeslade. Was der Mann als Letztes erwähnt, ist für Eli das Wichtigste. Am Ende seines Lebens ist ihm die Ehre Gottes doch wichtiger als seine Söhne, denn diese letzte Mitteilung trifft ihn am härtesten. Das Schicksal der Lade nimmt ihn so her, dass er vom Stuhl fällt, das Genick bricht und stirbt.

Noch eine Person wird erwähnt, die die Nachricht von der gestohlenen Lade besonders schwer nimmt: die Frau von Pinehas. So wie der Geist Gottes von ihr berichtet, bekommt man den Eindruck, dass sie im Gegensatz zu ihrem gottlosen Mann gottesfürchtig war.

Sowohl in Vers 19 als auch in Vers 21 wird die Lade Gottes zuerst erwähnt und der Tod ihres Mannes an letzter Stelle. Der Schock löst bei ihr die Wehen aus. Sie gebar einen Sohn, konnte sich darüber aber nicht freuen. Zu gross scheint der Schmerz über den Verlust der Bundeslade gewesen zu sein. Sie starb an den Folgen der Geburt. Der Name ihres Sohnes, Ikabod (= Nicht-Herrlichkeit), erinnerte stets an jenen traurigen Tag, als die Herrlichkeit Gottes von Israel gewichen war.

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Die Bundeslade bei den Philistern (1)

Wenn die Philister meinten, mit dem Sieg über Israel und der Erbeutung der Bundeslade auch den Gott Israels bezwungen zu haben, täuschten sie sich gewaltig. Der einzig wahre Gott gibt seine Ehre keinem anderen (Jesaja 48,11). Wer es mit Ihm aufnimmt, wird immer den Kürzeren ziehen. Auch wenn Gott sein Bundesvolk wegen dessen Untreue in die Hand seiner Feinde gab, durften diese sich doch nicht über Ihn erheben (vergleiche Daniel 4,25-30; 6,27.28).

Die siegreichen Philister stellten ihre Trophäe in den Götzentempel neben ihren Götzen Dagon. In der Nacht wurde das Götzenbild von unsichtbarer Hand umgeworfen. Da lag Dagon auf seinem Gesicht vor der Bundeslade, als beuge er sich vor dem Gott Israels. In der zweiten Nacht geschah noch Schlimmeres: Dem Götzenbild, das erneut auf der Erde lag, waren Kopf und Hände abgehauen worden. Nun begann sich der Triumph der Philister in eine Niederlage zu verwandeln. Aus ihrem Hochmut wurde eine Schmach.

Diese Ereignisse hätten jenen Heiden klar machen müssen, wie nichtig Götzenbilder sind, die von Menschen hergestellt werden (Jesaja 40,18-20; 1. Korinther 8,4; 10,19.20). Aber hinter diesen Götzen verbergen sich Dämonen, d.‍ ‍h. satanische Mächte. Sie haben die Menschen, die Götzenkult betreiben, in ihrer Gewalt. Nur so können wir Vers 5 verstehen. Anstatt sich vor dem wahren Gott zu beugen, verstrickten sich jene Götzenpriester noch mehr in ihrem Aberglauben.

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Die Bundeslade bei den Philistern (2)

Gott schlug nicht nur Dagon, den Gott der Philister. Er schlug auch die Menschen mit einer tödlichen Krankheit und verdarb ihr Land durch eine Mäuseplage (1. Samuel 6,5). Die Bewohner von Asdod versuchten zunächst, die Unheil bringende Lade des Gottes Israels nach Gat abzuschieben. Doch die Hand des Herrn kam auch über jene Stadt. Schliesslich wollte niemand mehr die Lade haben, die nur Unheil brachte.

Die Bestürzung unter den Philistern war so gross, dass die Menschen ihre Fürsten aufforderten, die Lade Gottes nach Israel zurückzuschicken. Gezwungenermassen beugten sich diese dem wahren Gott, dem Gott Israels. Das Geschrei der leidenden Bevölkerung – es war ein Notschrei – stieg zum Himmel empor. Aber Gott konnte sie erst erhören, nachdem sie die für sie demütigende Tat auch ausführten und die Lade nach Israel zurücksandten (1. Samuel 6,3).

Können wir hier nicht eine Parallele zu unserer Zeit ziehen? Gott lässt im Leben eines Menschen manchmal äussere Not zu, um ihn zum Bewusstsein seiner Sünden und zur Umkehr zu bringen. Denken wir an den verlorenen Sohn im Gleichnis von Lukas 15. Nachdem er sein Vermögen vergeudet hatte, liess Gott eine Hungersnot zu, die ihn bis an den Schweinetrog brachte. Da kam er zur Besinnung. Doch der Einsicht über seine Sünden musste die Umkehr zum Vater folgen, sonst hätte sich seine Situation nicht geändert.

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Der Plan zur Rückführung

Es ist klar, dass die Philister den Gott Israels nicht für sich anerkennen wollten. Nach siebenmonatiger Leidenszeit der Bevölkerung waren sie bereit, die Lade nach Israel zurückzuschicken, um endlich der Hand des Herrn zu entrinnen. Sie erinnern uns an die Gadarener, die den Herrn Jesus einst baten, aus ihrem Gebiet wegzugehen. Seine Anwesenheit war ihnen äusserst unangenehm (Markus 5,17).

Die politischen Führer berieten sich mit den Götzenpriestern und Wahrsagern. Gemäss ihren heidnischen Vorstellungen dachten sie, sie müssten Gott mit einem Opfer beschwichtigen. Sie empfahlen den Fürsten der Philister, fünf goldene Beulen und fünf goldene Mäuse, die an ihre Plagen erinnerten, mit der Lade zurückzuschicken. «Und gebt dem Gott Israels Ehre.» Das war das Wichtigste.

Da diese Heiden Gottes Anordnung nicht kannten, hatte Er Nachsicht mit ihnen, als sie die Lade auf einen neuen Wagen luden. Dieser wurde von zwei säugenden Kühen gezogen, deren Kälber sie zu Hause einsperrten. Wenn diese Kühe sich von ihren Kälbern trennen liessen und den Weg zur Grenze Israels gehen würden, war dies für die Philister die Bestätigung, dass die ganze Not von Gott kam.

Mit den Unwissenden konnte der Herr Nachsicht haben. Als aber David, der die Anweisung Gottes hätte kennen müssen, die Lade auf einen neuen Wagen lud, griff Gott mit Gericht ein (2. Samuel 6,3-7).

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Die Lade kommt nach Beth-Semes

Die ganze Not, unter der das Volk der Philister während Monaten zu leiden hatte, war kein Zufall. Die Hand Gottes hatte sie geschlagen. Das wurde klar, als die Kühe geradewegs zur Grenze liefen und weder nach rechts noch nach links abwichen.

Noch einmal wurden die Philister Zeugen eines klaren Zeichens Gottes, denn die säugenden Kühe wären nach ihrem Instinkt, den sie vom Schöpfer bekommen hatten, zu ihren Kälbern zurückgekehrt.

Die Rückkehr der Bundeslade nach Israel löste bei den Bewohnern von Beth-Semes Freude aus. War das Eintreffen der Bundeslade nicht ein grosser Beweis der Gnade Gottes? Ohne dass wir von einer Veränderung im Volk Gottes oder von Buße lesen, kam Gott gewissermassen zurück.

Die Dankbarkeit der Bewohner von Beth-Semes über die erfahrene Barmherzigkeit des Herrn zeigte sich in der spontanen Opferung der Kühe. Indem sie an jenem Tag dem Herrn Brandopfer opferten und Schlachtopfer schlachteten, priesen sie Ihn für seine Gnade.

Die Fürsten der Philister betrachteten dies alles. Doch dann kehrten sie zu ihrem Gott Dagon zurück. Alle Erfahrungen, die sie mit dem einzig wahren Gott gemacht hatten, brachten sie nicht dazu, sich vor Ihm zu beugen und an Ihn zu glauben. Vermutlich waren sie froh, als sie die Bundeslade und damit den Gott Israels endlich los waren.

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Bestrafung der Leute von Beth-Semes

Warum gab es unter den Leuten von Beth-Semes solche, die in die Bundeslade schauen wollten? Wir wissen es nicht mit Bestimmtheit. Jedenfalls waren sie neugierig, ja, verwegen und missachteten die Heiligkeit Gottes, der ihnen in Gnade begegnet war. Das göttliche Gericht traf 70 Mann von ihnen, die auf der Stelle starben.

Die Bundeslade ist ein Bild von unserem Erlöser, der in einer Person wahrer Gott und wirklicher, aber sündloser Mensch ist. Der Sühndeckel spricht mehr von seinem Erlösungswerk. Wenn wir Menschen versuchen, diese einzigartige Person und ihr Werk verstandesmässig zu erfassen, handeln wir gegen Gottes Wort. Dann wollen wir in die Bundeslade schauen. Aber «niemand erkennt den Sohn als nur der Vater» (Matthäus 11,27).

Anstatt ihre Sünde einzusehen, sagten die Leute von Beth-Semes: «Wer vermag vor dem Herrn, diesem heiligen Gott, zu bestehen?» Nun handelten sie ähnlich wie die Philister: Sie sandten die Bundeslade weiter nach Kirjat-Jearim. Wieder müssen wir an jene Gadarener denken, die den Herrn Jesus aus ihrem Gebiet vertrieben. Warum? Das Wunder der Heilung jenes Besessenen führte für sie zum Verlust von 2000 Schweinen. Die unreinen Geister, von denen der Herr Jesus den armen Mann befreite, fuhren in die Schweine, sodass die ganze Herde sich in den See stürzte und ertrank. Für jene Leute als Juden waren dies zwar unreine Tiere. Aber mit den Römern und anderen Fremden konnten sie damit gute Geschäfte machen. Darum fanden sie es besser, wenn der Herr ihre Gegend wieder verliess!

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Umkehr zu Gott

Die Bundeslade kam nicht mehr nach Silo zurück. Wegen der Untreue des Volkes scheint Gott jenen Ort, wo das Zelt der Zusammenkunft gestanden hatte, aufgegeben zu haben (Psalm 78,60). Die Lade blieb 20 Jahre im Haus von Abinadab in Kirjat-Jearim.

Und wie sah der geistliche Zustand des Volkes aus? Die Mehrheit von ihnen hatte sich von ihrem Gott abgekehrt und sich den sichtbaren Götzen zugewendet. Darum liess der Herr zu, dass die Philister stark wurden und das Volk bedrückten. Und Samuel? Er selbst konnte das Herz des Volkes nicht zu Gott zurückführen, aber er konnte für die Menschen beten (Verse 5.8; Psalm 99,6).

Nach 20 Jahren kam Israel endlich zur Einsicht seiner verkehrten Wege und seines sündigen Verhaltens. «Das ganze Haus Israel wehklagte dem Herrn nach.» Auf diesen Moment hatte Samuel wohl schon lange gewartet. Jedenfalls war er als Prophet und Richter sofort zur Stelle, um den Menschen zu sagen, was sie tun sollten.

Daraufhin gab es eine Umkehr der Leute zum Herrn. Sie schafften die Götzen ab, dienten dem Herrn allein und versammelten sich in echter Buße nach Mizpa. Durch das Wasser, das sie schöpften und vor dem Herrn ausgossen, bezeugten sie ihre Kraftlosigkeit. Das Fasten zeigt, dass ihre Herzen über die geschehenen Sünden betrübt waren. Schliesslich lesen wir auch von einem Bekenntnis ihrer Sünden. Nun konnte sich Gott ihnen wieder zuwenden.

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Sieg über die Philister

Als Israel sich in Mizpa zur Buße versammelte, vermuteten die Philister kriegerische Absichten. Diesen wollten sie zuvorkommen und zogen sofort mit ihrer Armee nach Mizpa. Solange Israel den Götzen diente, wurde es in Ruhe gelassen. Aber jetzt, da sich eine echte Umkehr zu Gott zeigte, griff Satan an.

Wir können die Angst der Israeliten verstehen, die sich doch zur Buße und nicht zum Kampf versammelt hatten, und nun angegriffen wurden. Sie bitten Samuel, den Propheten, für sie als Mittler und Fürsprecher vor Gott einzustehen. Er verbindet seine Fürbitte mit der Opferung eines Brandopfers. Dieses erinnert an die Tatsache, dass eine Beziehung zwischen uns Menschen und Gott nur aufgrund eines Opfers überhaupt möglich ist. Welch ein schöner Hinweis auf den Herrn Jesus, der sowohl Mittler als auch Opfer geworden ist (1. Timotheus 2,5.6)!

Gott erhörte seinen Knecht und kämpfte selbst gegen die Feinde seines Volkes, sodass die Männer von Israel die Philister nur noch verfolgen konnten. Ein Gedenkstein mit Namen Eben-Eser (= Stein der Hilfe) erinnerte fortan an Gottes wunderbares Eingreifen. Der Herr schenkte seinem Volk einen vollständigen Sieg. Welch eine gnädige Antwort auf ihre Herzensumkehr!

Die Verse 15-17 zeigen, dass Samuel nicht nur Prophet war, sondern auch als letzter Richter amtete, und zwar in Bethel, Gilgal, Mizpa und Rama. Aber zu Hause in Rama baute er dem Herrn einen Altar, was von seiner Gemeinschaft mit Gott redet.

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Israel wünscht einen König

Die Jahre, in denen Samuel das Volk Israel richtete, waren eine Zeit des Friedens für die Menschen (1. Samuel 7,14). Nun macht die biblische Berichterstattung einen Sprung. In Kapitel 8 sehen wir einen alt gewordenen Samuel. Als seine Kräfte nachliessen, setzte er, ohne den Herrn zu fragen, seine Söhne als Richter über Israel ein. Wenn Gott uns einen Dienst anvertraut, ist dieser Auftrag auf unsere Person begrenzt. Der Herr will nicht, dass wir unsere Nachfolger bestimmen. Das tut Er.

Die Söhne Samuels lebten nicht in der Gottesfurcht ihres Vaters. «Sie wandten sich dem Gewinn zu» und liessen sich bestechen. Der Glaube und die Gottseligkeit sind etwas Persönliches. Wir können sie nicht an unsere Kinder weitervererben.

Als Folge des schlechten Verhaltens der Söhne Samuels fordern die Ältesten Israels einen König «gleich allen Nationen». Tief betrübt über diese Worte bringt Samuel seine Not vor den Herrn. Dieser macht ihm keine Vorwürfe über sein eigenes Fehlverhalten, sondern erklärt ihm: «Nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, dass ich nicht König über sie sein soll.»

Gott kannte das Herz seines Volkes durch und durch. Die Menschen wollten eine sichtbare Autorität über sich haben. Um an einer unsichtbaren Autorität (Gott) festzuhalten, wäre Glauben nötig gewesen. Und dieser fehlte ihnen. Samuel sollte trotz seiner Bedenken auf ihre Stimme hören.

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Die Weise des Königs

In der Forderung des Volkes nach einem König ihrer Wünsche kommt ihre Undankbarkeit gegenüber Gott, ihr Verlangen nach Unabhängigkeit von Ihm und das Streben nach menschlicher Sicherheit anstelle von Gottvertrauen zum Ausdruck. Samuel sollte auf ihre Stimme hören, aber ihnen auch die Weise des Königs vorstellen. Er tut dies in den Versen 10-18.

Dabei sagt Samuel sechsmal: «Er wird nehmen.» Auch heute glaubt der Mensch, er würde freier sein, wenn er die Autorität Gottes verwirft. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Der Mensch ist ein Sklave seiner sündigen Natur. Wenn er Gott verwirft, kommt er unter das Diktat der Welt, hinter der Satan steht. Wie ernst sind die Schlussworte in Vers 18.

Doch das Volk ist entschlossen, seine Forderung nicht aufzugeben. Es «weigerte sich, auf die Stimme Samuels zu hören». Sie wollen sich als Volk Gottes ganz der Welt anpassen. Welch eine Gefahr auch für uns Christen!

Samuel bringt die Worte des Volkes im Gebet vor Gott. Was soll er den Leuten antworten? Der Herr weist ihn an: «Höre auf ihre Stimme und setze einen König über sie ein.» Und Samuel gehorcht.

Einige Jahrhunderte später kommt der Prophet Hosea auf die Zeit zurück, da das Volk einen König forderte, und sagt, dass Gott ihnen in seinem Zorn einen König gegeben habe (Hosea 13,10.11).

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Saul sucht die Eselinnen

Nun wird der Mann eingeführt, der der erste König in Israel werden soll. Er weist alle Vorzüge auf, die man sich von einem König nur wünschen kann. Er ist der Sohn eines reichen Mannes, ist jung und ausnehmend schön, zudem gross gewachsen, sodass er «alles Volk überragte», und trägt den Namen Saul (= Erbetener). Wie dieser Mann aber persönlich zu Gott steht, darüber schweigt die Bibel an dieser Stelle.

Die Geschichte selbst beginnt mit den Eselinnen von Kis, dem Vater Sauls, die verloren gegangen waren. Zusammen mit einem Knecht sollte Saul die verirrten Tiere suchen. Doch die Suchaktion blieb erfolglos. Als Saul unverrichteter Dinge umkehren wollte, machte sein Begleiter den Vorschlag, zu Samuel, dem Mann Gottes, zu gehen und ihn um Auskunft zu bitten.

Es befremdet, dass nicht Saul auf die Idee kam. Kannte er Samuel überhaupt? Jedenfalls scheint Saul bis dahin kein Verlangen nach Gott gehabt zu haben. Aber jetzt, wo es darum geht, einen Gefallen vom Propheten und damit von Gott zu erbitten, denkt er an Bezahlung. Wie viele Menschen denken heute ähnlich! Man will Gott für die Gnade, die Er einem erweisen soll, mit guten Werken, einem anständigen Leben usw. entschädigen. Doch der Mensch muss einsehen, dass er vor Gott ein armer, mittelloser Sünder ist. Die Gnade, die Gott anbietet, ist unverdient und umsonst (Römer 3,22-24). Aber das zu akzeptieren und im Glauben anzunehmen, fällt dem stolzen Herzen des Menschen überaus schwer.

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Saul trifft mit Samuel zusammen

Die Mädchen, die aus der Stadt herauskommen, um Wasser zu schöpfen, können Saul und seinem Knaben eine gute Antwort geben. Samuel ist an jenem Tag in die Stadt gekommen. Sie würden ihn direkt treffen. Alles klappt wunderbar.

Diese Mädchen sind ein Bild von freudigen Zeugen für den Herrn Jesus. Möchten wir ihnen nacheifern.

  1. Sie schöpften das Wasser, was auf das Wasser des Lebens hinweist, das uns erfrischt.
  2. Sie kennen den Mann Gottes sehr gut. Sie wissen, wo er ist, was er macht und was er vorhat. Wie gut kennen wir den Herrn Jesus?
  3. Wenn sie nach dem Mann Gottes gefragt werden, freuen sie sich, von ihm zu reden. Möchten auch wir unseren Herrn und Heiland freudig bekennen.
  4. Sie weisen den Weg zu ihm. So dürfen auch wir Wegweiser zum Herrn Jesus und zum Himmel sein.

Der Herr hatte Samuel gesagt: «Setze einen König über sie ein» (1. Samuel 8,22). Nun zeigt Er seinem Diener, welchen Mann er zum Fürsten über das Volk Israel salben soll. Er informiert Samuel einen Tag zuvor über das Eintreffen von Saul, einem Mann aus Benjamin.

Obwohl Gott sagen muss: «Sie haben mich verworfen» (1. Samuel 8,7), zieht Er seine Gnade nicht zurück. Er spricht von meinem Volk. Und der König, den das Volk verlangte, sollte die Menschen, die unter der Bedrückung der Philister litten und dieserhalb zum Herrn schrien, aus der Hand der Feinde retten. Wie gross ist Gottes Liebe zu seinem Volk (5. Mose 7,7.8)!

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Saul isst mit Samuel

Im Tor der Stadt trifft Saul auf Samuel. Er weiss nicht, wer dieser Mann ist und fragt ihn nach dem Seher. Samuel, der wohl weiss, wen er vor sich hat, antwortet nicht nur: «Ich bin der Seher.» Er ladet Saul zum Opferfest ein und erklärt ihm: «Morgen werde ich dich entlassen; und alles, was in deinem Herzen ist, werde ich dir kundtun.» Trug wohl Saul den geheimen Wunsch im Herzen, König zu werden? Weiter beruhigt Samuel den Sohn von Kis über die verirrten Eselinnen: «Sie sind gefunden.»

Die Antwort Sauls zeugt von einem edlen Charakter und von menschlicher Demut. Doch auf eine Herzensbeziehung zu Gott lassen seine Worte nicht schliessen. Saul nahm einen Ehrenplatz unter den 30 Geladenen ein, ohne dass diese wussten warum.

Der Schlusssatz von Vers 24 und Vers 25 deuten auf den Anfang einer Beziehung zwischen Samuel und Saul hin. Sie dauerte lange, verlief jedoch nicht sehr glücklich. Es war für Samuel ein grosser Schmerz, dass der erste König in Israel auf einem Weg des Eigenwillens verharrte, sodass Gott ihn verwerfen musste (1. Samuel 15,35; 16,1).

Am nächsten Morgen wurde Saul früh geweckt. Samuel wollte ihn ein Stück weit begleiten. Als sie die Stadt hinter sich hatten und der Begleiter Sauls vorausgeschickt worden war, sprach Samuel das bemerkenswerte Wort zu Saul: «Du aber steh jetzt still, dass ich dich das Wort Gottes hören lasse.» Wie wichtig ist dies auch für uns! Möchten wir vor jeder Entscheidung zuerst auf Gottes Wort hören.

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Samuel salbt Saul zum König

Saul wurde aus einer Ölflasche zum König gesalbt. Als Samuel David zum König salben sollte, sagte der Herr zu ihm: «Fülle dein Horn mit Öl.» Die Flasche ist zerbrechlich, und so zerbrach auch das Königtum Sauls. Das Horn hingegen spricht von Bestand. Als der Engel Gabriel die Geburt von Jesus Christus, dem wahren Sohn Davids, ankündigte, sagte er zu Maria: «Der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben … und sein Reich wird kein Ende haben.»

Was der Prophet für den Heimweg von Saul voraussagte, sollte diesem beweisen, dass Samuel wirklich ein Mann Gottes war und das Wort des Herrn weitergab. Die vorausgesagten Ereignisse waren aber auch eine Bestätigung für Saul, dass das Wort Samuels eintreffen und er König werden würde.

König über das Volk Gottes zu werden und zu sein, war eine grosse Ehre und ein grosses Vorrecht. Doch die Königswürde brachte auch eine sehr grosse Verantwortung mit sich. Ob Saul dieser auch nachkommen wird? Auf jeden Fall sagte Samuel: «Gott ist mit dir», und fügte dann einen Test an, durch den der Glaube Sauls erprobt werden sollte.

Gott kann nur mit dem sein, der auch sein Vertrauen auf Ihn setzt. Er kann sich unmöglich zu jemand bekennen, der im Eigenwillen seinen Weg geht und nicht bereit ist, auf Ihn zu warten und seine Anweisungen zu befolgen. «Sieben Tage sollst du warten, bis ich zu dir komme, und ich werde dir mitteilen, was du tun sollst.» Würde Saul diesen Test bestehen?

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Die drei Zeichen treffen ein

Als sich Samuel und Saul trennten und der frisch gesalbte König mit seinem Knaben auf dem Weg nach Hause weiterzog, traf alles ein, wie Samuel es vorausgesagt hatte. Eine Bestätigung des Wortes des Herrn!

Was bedeutet der Ausdruck in Vers 9: «Da verwandelte Gott sein Herz.»? Durch diese Veränderung, die Gott bewirkte, befähigte Er ihn, als König zu regieren. Das bedeutet aber nicht, dass Saul neues Leben empfangen hätte. Eine geistliche Veränderung ist im Leben Sauls nicht zu erkennen. Vielmehr heisst es, dass er wegen seiner Treulosigkeit starb, ohne Vergebung (1. Chronika 10,13.14).

Als ihnen die Schar der Propheten entgegenkam, geriet der Geist Gottes tatsächlich über Saul, aber nur für eine begrenzte Zeit (Vers 13). Doch die Veränderung, die sich in jenen Augenblicken zeigte, war für die, die ihn von früher kannten, verblüffend. So kannten sie Saul nicht. Er scheint allem Göttlichen fremd gegenüber gewesen zu sein. Sein Leben muss völlig losgelöst von Gott verlaufen sein. Anders kann man sich die ungläubig tönende Frage: «Ist auch Saul unter den Propheten?» nicht erklären.

Das Neue Testament erwähnt in Hebräer 6,4 Menschen, die «geschmeckt haben die himmlische Gabe und teilhaftig geworden sind des Heiligen Geistes» und doch kein Leben aus Gott hatten. Sie kamen unter den Einfluss des Christentums, genossen seine Vorrechte, glaubten aber nie persönlich an Christus.

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Saul wird König

Nun sollte der König, den Gott bestimmt und den Samuel gesalbt hatte, dem Volk vorgestellt werden. Zu diesem Zweck berief Samuel die Menschen aus Israel nach Mizpa. In der Nähe jenes Ortes stand der Stein Eben-Eser, der von der beständigen Treue Gottes für das Volk zeugte (1. Samuel 7,12). Jetzt wurde dieser Ort zum Zeugen für ihre Verwerfung des treuen Gottes. Noch einmal hielt Samuel durch das Wort des Herrn dem Volk seine Untreue vor: «Ihr aber habt heute euren Gott verworfen, der euch aus all eurem Unglück und euren Drangsalen gerettet hat.»

Dann wurde der König durch das Los bestimmt. Im Alten Testament war das Losen vor dem Herrn der Weg, um seinen Willen zu erfahren (Sprüche 16,33). Im Christentum tut Gott seinen Willen durch sein geschriebenes Wort und durch den Heiligen Geist kund. Vor Beginn unserer Zeitperiode wurde das Los ein letztes Mal für die Wahl des zwölften Apostels anstelle von Judas Iskariot benutzt (Apostelgeschichte 1,26).

Das Los fällt auf Saul, den Sohn des Kis, aus Benjamin. Warum versteckte er sich? Wollte er seine Demut zeigen? Die Bibel teilt uns den Grund nicht mit. Die Freude über den König, den der Herr erwählt hat, ist gross, denn er ist wirklich eine imponierende Persönlichkeit.

Samuel schrieb das Recht des Königtums in ein Buch. Es beinhaltete wohl die Worte aus Kapitel 8,11-17. Vielleicht hat er auch noch den Text aus 5. Mose 17,14-20 dazu geschrieben.

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Der Angriff der Ammoniter

Obwohl Israel nun einen König hatte, änderte sich vorläufig noch nichts. Das ganze Volk und auch Saul gingen nach Hause und lebten weiter wie bisher (1. Samuel 10,26). Dann aber wurde Jabes-Gilead, eine Stadt auf der Ostseite des Jordan – sie lag vermutlich im Stammesgebiet von Gad –, von den Ammonitern angegriffen und belagert.

Angesichts dieser Bedrohung waren die Bewohner von Jabes bereit, mit dem Feind einen Bund zu schliessen. Wie traurig! Wo blieb das Vertrauen auf ihren Gott?

Als die Belagerer jedoch übermässige Forderungen stellten und eine Schmach auf das ganze Volk Israel bringen wollten, erbaten sich die Führer von Jabes eine siebentägige Schonfrist. In dieser Zeit wollten sie sehen, ob ihnen nicht irgendjemand aus Israel zu Hilfe käme.

Jetzt war der neue König gefordert, und er reagierte sofort. Er weinte nicht mit dem Volk, sondern handelte in der Energie des Geistes Gottes, der für diese Tat über ihn gekommen war. Aber zeugten solche Drohungen, die das Volk in Schrecken versetzten, von einer weisen Regierung? Der Befehl entsprang dem menschlichen Zorn dieses Mannes.

Um seinen Worten zusätzliches Gewicht zu geben, verband er seinen Namen mit dem Namen Samuels, von dem er wusste, dass das Volk ihn schätzte. Daraufhin zog Israel aus wie ein Mann. Ein Heer von 330 000 Mann war in Kürze beisammen.

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Saul besiegt die Feinde

Die Boten aus Jabes brachten eine gute Botschaft zurück, sodass sich die eingeschlossenen Bewohner freuten und neuen Mut schöpften. Durch einen taktisch klugen Überraschungsangriff in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages errang Saul einen Sieg über Ammon.

Der militärische Erfolg des neuen Königs beeindruckte das Volk. Nun wollten sie jene bestrafen, die sich in Mizpa verächtlich über den neuen König geäussert hatten. Aber Saul, der die Rettung an jenem Tag Gott zuschrieb, liess nicht zu, dass Rache geübt wurde.

Bemerkenswert ist, dass in Vers 12 das Volk zu Samuel kam und dass er die Menschen aufforderte, nach Gilgal zu gehen, um das Königtum zu erneuern. Das bedeutet, dass der Prophet, der die Verbindung zwischen Gott und dem Volk darstellte, die höchste moralische Autorität war.

Aus dem Buch Josua lernen wir, dass Gilgal der Ort des Selbstgerichts und des Urteils über das Fleisch in uns ist (Josua 4,19.20; 5,2-9). Die Friedensopfer, die sie dort schlachteten, reden von der Gemeinschaft mit Gott und untereinander, denn von diesem Opfer bekam sowohl Gott als auch der Priester und der Opfernde und jeder Reine in Israel seinen Teil. Friedensopfer in Gilgal bedeuten: Wahre Gemeinschaft mit Gott ist nur nach vorausgegangenem Selbstgericht möglich. Ob Saul dies damals erfasste?

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Ein treuer Mann

Samuel war der letzte Richter. Aber er war auch Prophet, und zwar im Sinn eines Mittlers zwischen Gott und dem Volk, wie es in der Folge die übrigen Propheten unter den Königen in Israel und Juda waren. Jetzt stand ein König an der Spitze des Volkes. Das Richteramt Samuels war zu Ende. Nun hält er seine Abschiedsrede als Richter, während er weiter als Prophet Gottes unter dem Volk lebt.

Wie schön sind die Worte von Vers 2 im Blick auf seine Söhne! Früher hatte er sie, ohne den Herrn zu fragen, als Richter über Israel eingesetzt (1. Samuel 8,1). Er hat seinen Fehler vor Gott eingesehen und korrigiert, denn jetzt sagt er: «Meine Söhne, siehe, sie sind bei euch.»

Samuel hatte ein gutes Gewissen vor Gott und Menschen (vergleiche Apostelgeschichte 24,16). Er hatte niemand übervorteilt und seine amtliche Autorität als Richter in keiner Weise missbraucht. Auf seine diesbezügliche Frage an das Volk stellten sie ihm ein gutes Zeugnis vor Gott aus. Dieses korrekte Verhalten gab nicht nur seiner amtlichen Autorität das nötige Gewicht. Dadurch wurde er auch zu einer sittlichen Autorität.

So ist es heute noch. Wenn der Herr einen Gläubigen in einen bestimmten Dienst ruft, z.‍ ‍B. als Evangelist oder als Lehrer, der das Wort verkündigt, dann ist es überaus wichtig, dass er sich in den täglichen Umständen richtig verhält. Erst sein Verhalten gibt seinen Worten das nötige Gewicht.

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Ein klarer Rückblick

In der Fortsetzung seiner Abschiedsrede als Richter nimmt Samuel nun das Wort für Gott. Er erinnert das Volk an die wunderbare Errettung aus Ägypten unter Mose und Aaron. Aber er spricht auch von ihrem Abweichen vom Herrn, nachdem sie ins verheissene Land gekommen waren.

Doch Gott in seiner Barmherzigkeit liess nicht nur zu, dass die Feinde sie bedrückten. Sobald sie sich demütigten und zu Ihm um Hilfe schrien, sandte Er ihnen Richter, die sie aus der Hand ihrer Feinde erretteten.

Drei Feinde werden besonders erwähnt: Sisera, der Heeroberste von Hazor, die Philister und der König von Moab. Diese drei symbolisieren die drei Feinde, mit denen wir es als Glaubende zu tun haben: Satan (Sisera), die Sünde in uns (die Philister) und die Welt (Moab). Doch der Herr will uns helfen, ein sieghaftes Christenleben zu führen. Dem Teufel müssen wir widerstehen, der Sünde sollen wir uns für tot halten und wenn die Versuchung von aussen an uns herantritt, gilt es zu fliehen (Jakobus 4,7; 1. Petrus 5,8.9; Römer 6,11; 1. Korinther 6,18; 1. Timotheus 6,11; 2. Timotheus 2,22).

Als die Bedrohung durch Nahas, den König der Ammoniter, auftauchte, hätten sie an Gottes Rettungen denken und ganz auf Ihn vertrauen sollen. Doch es fehlte ihnen an Gottvertrauen, und so forderten sie einen König, den Gott ihnen auch gab. Doch sowohl der König als auch das Volk wahren verantwortlich, dem Herrn nachzufolgen.

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Ein letzter Appell

Die ernsten Worte Samuels, die er in seiner Abschiedsrede als Richter dem Volk mitteilte, fanden die Bestätigung Gottes. Das geschah durch den Donner und den Regen, den Gott auf das Gebet Samuels hin gab (vergleiche Markus 16,20).

Diese Zeichen bewirkten, dass die Worte Samuels das Gewissen der Menschen wirklich erreichten. Nun fürchteten sie sich vor dem Herrn, weil ihnen ihre Sünde – die Forderung nach einem König – bewusst wurde. Daraufhin konnte Samuel sie wohl mit einem «Fürchtet euch nicht!» beruhigen. Doch die Sache selbst war nicht mehr rückgängig zu machen. Das Einzige, wozu das Volk jetzt aufgefordert wurde, war, auf dem gottgemässen Weg dem Herrn nachzufolgen und Ihm mit ganzem Herzen zu dienen.

Wie sehr kam Gott ihnen in der neuen Situation entgegen! Er würde sein Volk nicht verlassen (Vers 22). Das ist seine Gnade. Samuel wollte als Prophet niemals aufhören, für sie zu bitten. Wie wertvoll war die Fürbitte eines solchen Mannes Gottes! Zudem wollte er sie den guten und richtigen Weg lehren. Sie hatten also das Wort Gottes als Wegweisung.

Die letzten Verse des Kapitels zeigen die geheime Sorge des Propheten. Aufgrund der negativen Erfahrungen, die er schon mit dem Volk gemacht hatte, warnte er sie: «Wenn ihr aber dennoch Böses tut, so werdet sowohl ihr als auch euer König weggerafft werden.»

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Die Philister greifen an

Nun ist Saul als König etabliert. Nach dem Sieg über Nahas behält er eine persönliche Garde von 3000 Mann für sich. Die übrigen Soldaten werden nach Hause entlassen. Rein zahlenmässig gesehen ist diese Garde reichlich gross für den persönlichen Schutz des Königs, aber viel zu klein, um den Feind zu schlagen.

Jonathan, der Sohn Sauls, hat im Gegensatz zu seinem Vater einen echten Glauben. Das wird im nächsten Kapitel noch deutlicher erkennbar. Doch auch hier sehen wir, wie er mit einer begrenzten Zahl Soldaten im Glauben gegen den Feind vorgeht, der sich im Land befindet, und einen Sieg erringt.

Saul, der keinen Glauben hat, versucht den Erfolg seines Sohnes zu seinem Vorteil auszunützen. Auf einmal heisst es: «Saul hat die Aufstellung der Philister geschlagen.» Ohne Gott zu fragen, ohne Gebet versucht der ungläubige Saul den Kampf gegen die Philister aufzunehmen. Es wird ein Misserfolg.

Angesichts des riesigen Heeres, das die Feinde auf die Beine stellen, bekommen es die Israeliten, die ohne Glauben einem König folgen wollen, der ebenfalls kein Gottvertrauen hat, mit der Angst zu tun. Sie verstecken sich vor dem Feind.

Und Saul? Er ist in Gilgal mit einem zitternden Volk, von dem schliesslich noch 600 Mann übrig bleiben (Verse 7.15). Dort muss er auf Samuel warten, der kommen und ihm mitteilen würde, was er tun soll. Wird er den Test bestehen?

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Saul kann nicht warten

Menschlich gesehen war die Lage für Saul nicht einfach: Das Volk lief ihm davon und das Heer der Philister stand zum Angreifen bereit. Aber Gott lässt manchmal solch extreme Situationen zu, bei denen jede Hoffnung auf menschliche Stützen schwindet. Er möchte dadurch unser Gottvertrauen wecken und unseren Glauben dahin führen, sich auf Ihn, den unsichtbaren Gott, und auf sein Wort zu stützen. «Es ist gut, dass man still warte auf die Rettung des Herrn» (Klagelieder 3,26).

Doch Saul kann nicht warten. Er verliert die Geduld und begeht eine Sünde. Er, der weder Priester noch Levit ist, nimmt das Opfern vor. Nachdem er das Brandopfer geopfert hat, erscheint Samuel. Als ob nichts geschehen wäre, geht Saul ihm entgegen, um ihn zu begrüssen. Der König hat in der von Gott bewirkten Erprobung völlig versagt.

Die Entschuldigungen, mit denen er sein Tun rechtfertigen möchte, gelten vor Gott nicht. Sein Ungehorsam besiegelt sein Königtum. Ja, so ernst beurteilt Gott den Ungehorsam gegenüber seinen Geboten. Ist uns das immer bewusst?

Der Nachfolger Sauls als König über Israel wird ein Mann nach dem Herzen Gottes sein, im Gegensatz zu Saul, der den Vorstellungen der Menschen entsprach, aber ungläubig war. Dann trennten sich die Wege von Samuel und Saul wieder. Wie schwer muss es für den Propheten gewesen sein, die negative Entwicklung im Leben Sauls zu sehen!

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Eine traurige Situation in Israel

Saul gibt uns in seiner Geschichte bis zu diesem Punkt das Bild eines Mannes, bei dem nichts auf einen echten Glauben hindeutet. Bei ihm hat die alte Natur die Oberhand, denn er hat keine andere. Ihm fehlt das Unterscheidungsvermögen. Er handelt in Unabhängigkeit von Gott, und das führt schliesslich zu Ungehorsam gegenüber den klaren Geboten Gottes.

Und das Volk? Unter einem solchen Führer konnte es den Menschen nicht gut gehen. So sehen wir, wie die Philister die Oberhand gewannen. Ihre Vernichtungszüge bewegten sich in alle Richtungen, sodass sie schliesslich das ganze Land Israel im Griff hatten. Zudem sorgten sie dafür, dass es im ganzen Gebiet von Israel keinen Schmied mehr gab. Eine erneute Aufrüstung und Bewaffnung war damit unterbunden. Welch eine raffinierte Taktik des Feindes!

Bis heute wirkt der Teufel in dieser Richtung. Denken wir z.‍ ‍B. an das Mittelalter. Da brachte er es fertig, dass es nur noch in den Klöstern Bibeln gab. Dem Volk war das Schwert des Geistes weggenommen worden. Und heute gehen seine Bestrebungen dahin, das geschriebene Wort Gottes abzuschwächen, zu verwässern und auszuhöhlen, bis es keine Kraft mehr hat und die Herzen und Gewissen unberührt lässt.

Lassen wir uns das reine, untrügliche Wort Gottes nicht nehmen! Halten wir es fest! Wie? Indem wir uns auf eine möglichst grundtextgenaue Übersetzung stützen.

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Jonathan besiegt die Philister

Während Saul sich mit dieser demütigenden Situation abzufinden scheint, dachte sein Sohn Jonathan anders. Für ihn waren die Philister die Feinde des Volkes Gottes, die es im Glauben zu überwinden galt. Und wenn er und sein Waffenträger die einzigen waren, die sich auf Gott stützten und auf Ihn vertrauten, dann wollten sie es eben allein wagen. Hätte er seinem ungläubigen Vater von seinem Vorhaben erzählt, dann hätte ihm dieser abgeraten, so etwas Gewagtes zu unternehmen.

Wenn wir an die damalige Situation denken, dann hatte der Feind alle Vorteile auf seiner Seite. Die Philister befanden sich in der Höhe; sie waren gut bewaffnet und zahlreich. Aber Jonathan und sein Waffenträger stützten sich auf den Herrn. Sie waren überzeugt, dass es für Ihn keinen Unterschied machte, durch viele oder durch wenige zu retten. Der Glaube schaut einfach auf Gott.

Dann suchten sie den Willen des Herrn zu erfahren, denn sie wussten noch nicht genau, wie sie nach seinen Gedanken vorgehen sollten. Sobald sie jedoch vom Weg des Herrn überzeugt waren, zogen sie im festen Glauben los: «Steige hinauf, mir nach; denn der Herr hat sie in die Hand Israels gegeben.»

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Gott gibt eine wunderbare Rettung

Aus diesen Versen wollen wir uns zwei Punkte merken. Der erste betrifft König Saul. Nachdem seine Wächter im Lager der Philister eine grosse Unruhe und ein Durcheinander feststellten, liess der König untersuchen, wer von seinen Soldaten fehlte. Jonathan und sein Waffenträger wurden vermisst. Was hatte dies zu bedeuten? Saul beschloss, Gott zu fragen. Aber während er mit dem Priester redete, verstärkte sich das Getümmel im Lager der Philister. Nun änderte Saul seine Meinung. Eine Antwort von Gott schien überflüssig zu sein. Er meinte, die Situation hätte sich geklärt, und es sei jetzt wichtig, so schnell wie möglich den Feind zu verfolgen. Saul hatte tatsächlich keine Beziehung zu Gott und suchte sie auch nicht wirklich.

In diesem Abschnitt sehen wir aber auch die Ergebnisse des Glaubens von Jonathan und seinem Gefährten. Das ist der zweite Punkt, den wir nicht übersehen wollen. Sobald sich bei den Philistern eine Niederlage abzeichnete, hervorgerufen durch die mutige Tat Jonathans, verliessen die zum Feind übergelaufenen Israeliten ihren Platz und stellten sich auf die Seite ihres Volkes. Und all die furchtsamen Männer, die sich vor dem Feind versteckt hatten, kamen nun hervor und verfolgten die fliehenden Philister ebenfalls.

Ein mutiger Glaube wirkt auch heute ansteckend auf solche, die verzagt sind oder die es aufgegeben haben, für die Wahrheit Gottes einzustehen. Möchten wir unseren Mitchristen auf dem Glaubensweg ein Ansporn sein!

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Jonathan isst vom Honig

In Vers 24 finden wir den tragischen und folgenschweren Befehl eines egoistischen Königs. Saul auferlegte seinen Soldaten etwas völlig Unvernünftiges. Sie durften nichts essen, «bis ich mich an meinen Feinden gerächt habe». So lautete seine Begründung. Gesetzlichkeit und Selbstsucht behindern das Werk und den Sieg Gottes.

Die Verse 25 und 26 machen die Tragik der Lage deutlich. In seiner Gnade liess Gott sein Volk zur Stärkung Honig finden. Doch die Menschen fürchteten den Schwur des Königs und gingen an der Fürsorge Gottes vorbei.

Jonathan, der vom Befehl seines Vaters nichts wusste, aber ein Leben des Glaubens mit dem Herrn führte, ass von dem Honig und wurde neu belebt. Als er von der törichten Anordnung seines Vaters hörte, reagierte er entrüstet. Aber es schmerzte ihn auch, dass dem Feind nicht die Niederlage beigefügt werden konnte, die Gott eigentlich schenken wollte.

Noch schlimmer aber war die Folge des unsinnigen Befehls des Königs für das Volk: Weil die Menschen derart ausgehungert waren, fielen sie über die Beute her und assen das Fleisch mit dem Blut. Der König hatte das Volk zur Sünde verleitet (1. Mose 9,4).

Der 35. Vers erinnert an Vers 18. Der religiöse Saul wollte wieder einen Anfang mit Gott machen. Doch es blieb erneut ein Anfang, der im Sand verlief. Es gab in seinem Leben nie eine ganze Entscheidung für Gott.

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Das Volk rettet Jonathan

Bevor Saul die Philister weiterverfolgte, sollte Gott befragt werden. Doch Er gab dem König keine Antwort. Wie hätte der Herr antworten können, wo doch so vieles ungeregelt war? Der König hatte einen törichten Befehl gegeben. Das Volk hatte Blut gegessen. Weder die eine noch die andere Sünde war vor Gott eingesehen und bekannt worden.

Wie reagierte Saul auf das Schweigen Gottes? Er dachte nur an die Übertretung seines Befehls und verdächtigte wohl bereits seinen Sohn (Vers 39). Gott bewirkte, dass das Los auf Jonathan fiel. Sollte dieser treue Glaubensmann nun sterben? Saul zeigte überhaupt keine Einsicht über seine eigene Schuld. Er hätte Jonathan umgebracht, wenn das Volk nicht Partei für den Sohn des Königs ergriffen hätte. Das Volk hatte mehr Einsicht als der ungläubige König. Sie sagten von Jonathan: «Er hat mit Gott gehandelt an diesem Tag.» Dafür hatte er wirklich nicht den Tod verdient!

In den Schlussversen 47-52 haben wir eine Zusammenfassung des Königtums von Saul. Mit Vers 52 endet die Geschichte seiner Regierung. Das nächste Kapitel beschreibt eine Sache im Detail, die in Vers 48 kurz angetönt wird: sein militärisches Vorgehen gegen Amalek. Mit dieser Erzählung als Anhang zur Zusammenfassung des Königtums wird gezeigt, dass Saul auch den letzten Test von Gott nicht bestanden hat und darum von Ihm endgültig als König über Israel verworfen wurde.

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Der Kampf gegen Amalek

Der von Gott bestimmte und durch Samuel gesalbte König bekommt einen klaren Auftrag. Er soll die Amalekiter schlagen und völlig ausrotten. Dieses Volk hatte Israel einst in der Wüste angegriffen, besonders die Schwachen unter ihnen. Nachdem Josua Amalek siegreich bekämpft hatte, redete der Herr bereits von einer Vernichtung dieses Volkes (2. Mose 17,14; 4. Mose 24,20; 5. Mose 25,17-19).

Amalek ist ein Bild von Satan, der durch das Fleisch (die alte Natur) in uns wirkt, um dem Geist zu widerstehen. Das Neue Testament zeigt uns, dass es im Gläubigen kein friedliches Nebeneinander vom Fleisch (der alten Natur) und dem Geist gibt (Galater 5,17). Wir werden aufgefordert, gegen alle Auswüchse der alten Natur radikal vorzugehen (Kolosser 3,5-11). Das wird uns in dieser Begebenheit bildlich vorgestellt.

Obwohl der Auftrag klar war, führte ihn Saul nicht konsequent aus. Er nahm den König der Amalekiter lebend gefangen. Das war die Sünde des Königs. Weil er mit dem schlechten Beispiel voranging, verwundert es nicht, dass auch das Volk ungehorsam war. Sie wollten das Beste vom Vieh nicht verbannen.

Wie ernst redet dies zu uns! Obwohl das Neue Testament sagt: «Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind», stehen wir in Gefahr, gewisse Neigungen der alten Natur zu tolerieren. Kommt es nicht vor, dass wir gegen gewisse «Lieblingssünden» in unserem Leben nicht so radikal vorgehen, wie wir eigentlich sollten? (Römer 13,14).

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Gehorchen ist besser als Schlachtopfer

Gott konnte diesen Ungehorsam des Königs nicht tolerieren. Wenn Er zu Samuel sagte: «Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe», dann bedeutet das nicht, dass Gott seine Meinung änderte (vergleiche Vers 29). Diese Aussage drückt vielmehr die Trauer Gottes über den Ungehorsam des gesalbten Königs aus. Wenn es heisst: «Er hat meine Worte nicht erfüllt», dann wird klar, dass vor Gott ein halber Gehorsam ein ganzer Ungehorsam ist.

Samuel ist so erschüttert, dass er die ganze Nacht zu Gott schreit. Doch dann steht er auf, um dem fehlbaren König entgegenzutreten und ihm das Urteil des Herrn mitzuteilen.

Und Saul? Nachdem er zu seinem eigenen Ruhm ein Denkmal aufgestellt hat, begegnet er Samuel mit einem frommen Gruss und den Worten: «Ich habe das Wort des Herrn erfüllt.» Auf die Frage Samuels bezüglich der lebenden Tiere schiebt er die Schuld dem Volk zu. Er will die Sache beschönigen, indem er von Opfern für Gott spricht.

Nun teilt Samuel ihm die ernsten Worte des Herrn mit. Doch Saul pocht immer noch auf seinen Gehorsam und schiebt dem Volk die Schuld zu. Aber Gottes Urteil lautet: «Weil du das Wort des Herrn verworfen hast, so hat er dich verworfen, dass du nicht mehr König sein sollst.» – Die Verse 22 und 23 wollen wir auch auf unsere Gewissen wirken lassen. Gott schätzt den Gehorsam der Seinen über alles, aber Er verurteilt jeden Eigenwillen. Wir können Ihn niemals mit Opfern beschwichtigen, wenn wir nicht gehorchen wollen.

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Kein aufrichtiges Bekenntnis

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als habe Saul seine Sünde eingesehen. Betrachtet man aber die Sache etwas genauer, dann wird klar, dass Saul erst unter dem Druck der Umstände seine Sünde bekannte. Als er realisierte, welch weitreichende Folgen sein Ungehorsam hatte, sagte er: «Ich habe gesündigt.» Aber er hängte dem Bekenntnis noch eine Entschuldigung an, um seine Schuld abzuschwächen. So etwas gilt vor Gott nicht. Weiter bat er Samuel, mit ihm umzukehren, um anzubeten. Doch jetzt ging es nicht um Anbetung, sondern um das Ordnen der Schuld vor Gott. Das ist aber nur durch ein aufrichtiges, schonungsloses Bekenntnis möglich, nicht durch Worte, wie Saul sie äusserte.

In Vers 30 macht Saul nochmals einen Versuch und wiederholt: «Ich habe gesündigt.» Doch es wird klar, dass er mit seinem Bekenntnis der Strafe entgehen wollte und die Folgen seines Fehltritts zu mindern suchte. Ein solches Bekenntnis ist vor Gott wertlos. Ebenso nutzlos war die Anbetung Sauls in Vers 31. Wie kann man anbeten, wenn ungerichtete Schuld vorliegt? Das akzeptiert Gott nicht.

Das Gericht über den König der Amalekiter, das Saul hätte ausführen müssen, vollstreckte nun Samuel. Dann trennten sich die Wege des Propheten und des Königs endgültig. So weit wird es immer kommen, wenn der eine Gottes Willen tun möchte und der andere dem eigenen Willen folgen will. Für Samuel war es ein tiefer Schmerz, dass Gott so handeln musste. Er trauerte mit dem Herrn über den ungehorsamen König.

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Einleitung

In seinen beiden Briefen hat der Apostel Petrus vorwiegend die christliche Lebenspraxis vor Augen.

  • Im ersten Brief unterweist er uns zu einem Verhalten, das Gott ehrt. Er stellt uns Jesus Christus als das vollkommene Beispiel vor und fordert uns auf, seinen Fussspuren zu folgen.
  • Im zweiten Brief warnt uns Petrus vor Verführern in der Christenheit. Ein lebendiges Glaubensleben in Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus bewahrt uns vor ihrem schädlichen Einfluss.

Das himmlische Erbteil

Der Apostel Petrus schrieb diesen Brief an gläubige Christen mit jüdischer Herkunft, die als Fremde in verschiedenen Provinzen des Römischen Reiches lebten. Als Teil des inspirierten Wortes Gottes ist dieser Brief auch für uns verbindlich. Sind wir als Himmelsbürger nicht auch Fremde in dieser Welt? Wir sind jedoch Auserwählte Gottes, die durch den Heiligen Geist in eine Beziehung zu Gott gekommen sind. Als Erlöste, deren Sünden durch das Blut des Herrn Jesus abgewaschen sind, leben wir jetzt für Gott und gehorchen Ihm, und zwar nach dem Vorbild des Herrn Jesus, der uns diesen Gehorsam vorgelebt hat.

Nach der Anrede beginnt Petrus seinen Brief mit einem Lobpreis, in dem er die grosse Barmherzigkeit Gottes rühmt. Unser Gott und Vater hat uns durch die Neugeburt ein neues Leben geschenkt und gleichzeitig eine lebendige Hoffnung gegeben. Wir gehen als Pilger einer herrlichen Zukunft entgegen, wo unser himmlisches Erbteil – der ganze christliche Segen – für uns aufbewahrt ist. Wir geniessen heute schon «die Zinsen» davon, indem wir uns an diesem geistlichen Reichtum freuen.

Vers 5 zeigt, dass Gott nicht nur das Erbteil im Himmel für uns aufbewahrt, Er wird auch uns ans himmlische Ziel bringen. Wie? Durch seine Macht. Unser Glaube ergreift diese Tatsache, so dass wir mit Gottvertrauen dem Ziel entgegengehen.

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Die Errettung der Seele

Zu wissen, dass wir durch Gottes Barmherzigkeit das Ziel sicher erreichen werden, macht uns froh, selbst wenn die gegenwärtigen Umstände nicht immer angenehm sind. Aber Gott schickt uns diese Erprobungen des Glaubens, weil sie nötig sind. Er verfolgt mit ihnen ein Ziel. Unser Gottvertrauen soll sich als echt erweisen, damit alles zur Verherrlichung des Herrn Jesus ausschlägt. Ja, wenn Er in Herrlichkeit wiederkommen wird, wird Er in all denen bewundert werden, die ihr ganzes Vertrauen auf Ihn gesetzt haben (2. Thessalonicher 1,10).

Unseren Herrn und Heiland haben wir noch nie gesehen. Trotzdem vertrauen wir auf Ihn, ja, wir lieben Ihn, der uns erlöst hat und jetzt in seiner Güte für uns sorgt. Weil wir in einer Glaubensbeziehung zu Ihm leben, freuen wir uns an Ihm.

Das Ende oder Ziel unseres Glaubens ist die Errettung unserer Seele. Jeder Erlöste der Gnadenzeit besitzt sie seit seiner Bekehrung. Die Propheten des Alten Testaments haben diese Errettung angekündigt. Aber sie kannten das volle Heil, das wir seit dem Kreuz besitzen, noch nicht. Doch sie wiesen auf Christus und seine Leiden hin (Psalm 22; Jesaja 53), prophezeiten aber auch seine zukünftige Herrlichkeit als König Israels und Universalherrscher (Psalm 2; Psalm 8). Heute, in der Zeit der Gnade, wird das volle Evangelium in der Kraft des Heiligen Geistes den Menschen auf der ganzen Welt gepredigt.

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Der heilige Wandel

Jeder Mensch, der an den Herrn Jesus als seinen Erlöser glaubt, ist für die Ewigkeit gerettet. Während er noch hier lebt und auf dem Weg zur Herrlichkeit ist, soll er sich als Kind des Gehorsams erweisen. Gehorsam ist die Antwort der Liebe, die wir Gott und unserem Herrn und Heiland geben dürfen (Johannes 14,15.21.23).

Doch wir werden nicht nur zum Gehorsam aufgefordert, Gottes Wort gibt uns in diesen Versen auch drei Motive, die uns anspornen, Gott zu gehorchen:

Der erste Beweggrund ist seine Heiligkeit. Weil Gott heilig ist, sollen auch wir, die Ihm angehören, uns von allem Bösen trennen und nicht sündigen – und zwar «in allem Wandel», d.‍ ‍h. in jedem Bereich unseres Lebens.

Das zweite Motiv finden wir in Vers 17. Gott, unser Vater, beurteilt unser Verhalten während unseres Lebens hier und handelt entsprechend mit uns: Wir werden ernten, was wir säen. Befolgen wir sein Wort, so ernten wir Segen. Wenn wir Ihm aber nicht gehorchen, erfahren wir seine Erziehung. Deshalb wollen wir uns als Fremde von der Welt trennen und in Gottesfurcht leben.

Das dritte Motiv zum Gehorsam ist das kostbare Blut des Herrn Jesus, durch das wir erlöst worden sind. Weder Silber noch Gold genügten zu unserer Erlösung. Ein unendlich höherer Preis war dazu nötig: das Blut des vollkommenen Lammes Gottes. Unser Heiland hat ihn mit seinem Tod bezahlt.

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Der Glaube an Gott

Dieses Lamm, das zu unserer Erlösung am Kreuz gestorben ist, ist «zuvor erkannt vor Grundlegung der Welt». In der Ewigkeit vor der Zeit wusste Gott schon, dass sein geliebter Sohn einst als Mensch für andere sterben würde. So konnte die Erfüllung seines ewigen Vorsatzes nicht durch den Sündenfall verhindert werden. Der Tod des Lammes Gottes geschah «am Ende der Zeiten», d.‍ ‍h. als die Zeit der Erprobung des Menschen mit dem Kommen von Jesus Christus zu Ende ging. Er kam wegen uns und starb für uns.

Ab Vers 22 bis Kapitel 2,10 behandelt der Apostel die gemeinsame Bestimmung der Christen. Er beginnt wieder bei der Bekehrung. Damals haben wir persönlich an den Heiland geglaubt. Doch als bekehrte Menschen gehören wir zum himmlischen Volk Gottes. Und was prägt das gemeinsame Leben der Glaubenden? Die Bruderliebe. Sie soll herzlich sein und aus reinem Herzen kommen, d.‍ ‍h. sich im göttlichen Licht entfalten.

Bei unserer Bekehrung, als wir Buße taten und an den Erlöser glaubten, geschah in uns ein Werk der Gnade Gottes: Wir wurden von neuem geboren, und zwar durch die Wirkung des Wortes Gottes (Vers 23). Vor unserer Bekehrung waren wir wie Gras und Blumen. Unser Leben hatte keinen Wert für die Ewigkeit. Doch seitdem wir unser Herz dem Herrn Jesus geöffnet haben, besitzen wir ewiges Leben. Wir haben es durch den Glauben an das ewige Wort Gottes empfangen und werden es nie verlieren. Es hat Ewigkeitswert.

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Die heilige Priesterschaft

Auf die Bekehrung (1. Petrus 1,22-25) folgt das praktische Glaubensleben im Volk Gottes. In den ersten drei Versen von Kapitel 2 werden wir aufgefordert, uns einerseits von allem in Vers 1 aufgezählten Bösen abzuwenden. Anderseits sollen wir uns mit dem Wort Gottes beschäftigen und uns durch nichts davon abhalten lassen, diese geistliche Nahrung regelmässig aufzunehmen. Dadurch werden wir innerlich wachsen und unseren gütigen Herrn immer besser kennen lernen.

Die Verse 4 und 5 beschreiben unseren Platz und unseren Dienst im Haus Gottes. Einerseits ist jeder Erlöste ein lebendiger Stein am geistlichen Haus Gottes, das von allen Gläubigen zusammen gebildet wird. Anderseits ist jeder Mensch, der sich bekehrt hat, auch ein heiliger Priester. Gemeinsam bilden wir die priesterliche Familie und bringen Gott geistliche Schlachtopfer in Form von Lob, Dank und Anbetung dar, die aus unseren Herzen zu Ihm aufsteigen.

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Die königliche Priesterschaft

Als Eckstein ist der Herr Jesus das Mass und die Grenze von allem, sowohl in unserem persönlichen Leben als auch im gemeinsamen der Kinder Gottes (Epheser 2,20). Für die ungläubigen Menschen aber, die Ihn und das Evangelium ablehnen, wird Er zum Stein des Anstosses und zum Fels des Ärgernisses.

Als königliche Priester sind wir vor den Menschen, die uns umgeben, durch unser Verhalten und Reden ein Licht und ein Zeugnis für den Herrn. Wir dürfen durch ein Leben, in dem wir Jesus Christus nachahmen, den Menschen zeigen, dass Gott Licht und Liebe ist.

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Das Verhalten als Staatsbürger

Ab Kapitel 2,11 beginnt im ersten Petrus-Brief ein neuer Abschnitt. Nun erklärt der Apostel, wie wir in unserem täglichen Leben für die Mitmenschen ein Zeugnis vom Herrn Jesus sein können (königliche Priesterschaft). Er zeigt, dass wir dies in jeder Stellung, in der wir uns befinden, in jeder Lebenssituation und in jedem Lebensbereich verwirklichen sollen.

Zuerst ermahnt er uns als Fremde auf der Erde. Weil wir Himmelsbürger sind, engagieren wir uns in der Welt nur so weit es nötig ist. Zudem enthalten wir uns der fleischlichen Begierden, die in der Welt in jeder Hinsicht angeregt werden. Den ungläubigen Mitmenschen gegenüber gilt es, korrekt zu sein, damit sie keinen berechtigten Grund haben, gegen uns zu reden. Weil sie uns nicht verstehen, werden sie manchmal trotzdem schlecht über uns reden. Aber Gott wird dies einmal klarstellen.

Zur königlichen Priesterschaft gehört auch, dass wir uns als Staatsbürger gegenüber der Regierung korrekt verhalten. Die «Unwissenheit der unverständigen Menschen» äussert sich oft in der Kritik über die gewählten oder eingesetzten Amtspersonen. Als Glaubende wollen wir uns nicht gegen die von Gott gegebene Regierung auflehnen. Beachten wir die vier Aufforderungen in Vers 17 und verwirklichen wir sie! Dann steht unser Verhalten in der Welt in einem guten Gleichgewicht.

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Das Verhalten am Arbeitsplatz

Was können wir aus dem, was zu den Hausknechten gesagt wird, für uns ableiten? Einerseits finden wir hier Anweisungen für unser Verhalten am Arbeitsplatz, anderseits allgemeine Belehrungen für unser Verhalten in schwierigen Situationen. Nicht jeder von uns hat einen angenehmen Chef. Doch als Glaubende sollen wir uns auch den «verkehrten» Vorgesetzten unterordnen. Es kann vorkommen, dass wir ungerecht behandelt werden, weil wir dem Herrn Jesus treu bleiben wollen. Bitten wir Ihn um Kraft, dies geduldig zu ertragen. Gott übersieht eine solche Haltung nicht und gibt seine Zustimmung dazu.

Hatte unser Herr und Heiland ein leichtes Leben, als Er hier war? Nein. Sein Weg des Gehorsams zu Gott war ein Weg vielfältiger Leiden. Er ist unser grosses Vorbild. Im «Sand der Wüste» dieser Erde hat Er uns seine Fussspuren hinterlassen. Ihnen dürfen wir nun nachfolgen. Er tat keine Sünde. Seine Worte waren ohne Trug. Wenn Er ungerecht getadelt wurde, schwieg Er. Als die Menschen Ihn quälten und Ihm viele Schmerzen zufügten, drohte Er nicht mit dem Gericht. Alles erfahrene Unrecht übergab der Herr Jesus als Mensch seinem Gott.

Den Weg zum Kreuz, wo Er unsere Sünden sühnte, ging Er ganz allein. Darin können und müssen wir Ihm nicht nachfolgen. Aber sein Erlösungswerk hat Konsequenzen für unser Glaubensleben: Es bewahrt uns davor, leichtfertig zu sündigen (Vers 24).

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Das Verhalten in der Ehe

Petrus gibt in diesen Versen Anweisungen zum Verhalten im Eheleben. Das ist der engste Bereich, in dem verheiratete Christen etwas von den Eigenschaften Gottes verwirklichen können.

Zuerst wird die Ehefrau angesprochen. Sie soll sich ihrem eigenen Mann unterordnen und ein Leben führen, das von Gottesfurcht und Reinheit statt von vielen Worten geprägt ist. Das wird nicht ohne Einfluss auf den Ehemann bleiben. Ein bis dahin noch ungläubiger Mann kann dadurch für den christlichen Glauben gewonnen werden.

Frauen schmücken sich gern. Gott möchte aber nicht, dass sie durch äusseren Schmuck die Aufmerksamkeit der Männer auf sich ziehen. Für Ihn ist der innere Schmuck – der durch den Heiligen Geist gewirkte sanfte und stille Geist – bedeutsam und wertvoll.

In Vers 7 geht es um das Verhalten des Ehemannes. Er wird aufgefordert, so viel wie möglich bei seiner Ehefrau zu sein und sie mit Verständnis zu behandeln. Die Frau ist das schwächere Gefäss. Darum erwartet Gott vom Mann, dass er seiner Frau mehr gibt, als er von ihr bekommt. Verwirklichen wir dies? Bringen wir Männer unseren Ehefrauen immer die nötige Achtung und Ehre entgegen? Das unkorrekte Verhalten der gläubigen Ehemänner zieht ernste Folgen nach sich: Ihre Gebete werden nicht erhört.

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Das Verhalten unter den Gläubigen

Die Verse 8-12 beziehen sich auf unser Verhalten unter den Gläubigen. Es soll durch Wohlwollen geprägt sein. Dies zeigt sich anhand der folgenden fünf Merkmale: Seid gleichgesinnt; seid mitleidig; seid voll brüderlicher Liebe; seid barmherzig; seid demütig. Die Briefempfänger wussten, dass es unter dem Gesetz hiess: Auge um Auge, Zahn um Zahn (Matthäus 5,38; 2. Mose 21,24). Jetzt gilt es, nach dem Grundsatz der Gnade zu handeln und Böses nicht mit Bösem zu vergelten.

Die Verse 10-12 sind ein Zitat aus Psalm 34. Sie zeigen uns, wie wir als Christen leben sollen und wie wir auf der Erde gute Tage haben können. Dabei müssen wir Folgendes beachten: Die Zunge im Zaum halten, Gutes statt Böses tun und Energie für Frieden aufwenden. Die Augen des Herrn sehen und begleiten uns. Wenn wir das tun, was in seinen Augen recht ist (praktische Gerechtigkeit), wird Er uns segnen und uns seine Güte erweisen. Verüben wir als Christen aber Böses, wird Er uns widerstehen.

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Das Verhalten in der Welt

Ab Vers 13 geht es um unser Verhalten in der Welt. Normalerweise sind die Leute recht mit uns, wenn wir uns für das Gute einsetzen und es auch tun. Aber es kann vorkommen, dass wir um der Gerechtigkeit willen zu leiden haben, wenn Ungläubige etwas von uns wünschen, was gegen Gottes Wort ist, und wir es nicht tun.

In solchen Situationen kann es vorkommen, dass Menschen Rechenschaft von uns fordern. Sie möchten wissen, weshalb wir so fromm leben und nichts Unrechtes tun wollen. Dann lasst uns den Mut, aber auch die Sanftmut haben, für unseren Herrn zu zeugen.

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Christus – das stärkste Argument

Das Wörtchen «denn» am Anfang von Vers 18 verbindet seine Aussage mit dem, was in den vorangehenden Versen steht. Weil der Herr Jesus einst für unsere Sünden gelitten hat und am Kreuz gestorben ist, wollen wir als Glaubende nicht mehr Böses tun und sündigen, sondern ein Gott wohlgefälliges Leben führen.

Christus ist als Mensch von anderen umgebracht worden. Doch Er blieb nicht im Tod. Er ist auferweckt worden und lebt jetzt in der Herrlichkeit. Obwohl Er nicht mehr auf der Erde lebt, ist der Herr Jesus für uns eine Realität. Wenn wir das Wort Gottes lesen, macht der Geist Gottes Ihn in unseren Herzen lebendig. Wir glauben an Ihn und lieben Ihn, obwohl wir Ihn mit unseren natürlichen Augen nicht sehen (1. Petrus 1,8).

Dass der Herr durch den Geist auf der Erde ist und wirkt, ist nicht neu. Schon vor der Flut predigte Er durch den Geist zu den damals lebenden Menschen, als Noah sie vor der kommenden Flut warnte. Gott hatte lange Geduld. Doch die meisten hörten nicht auf seine Warnung. Dann kam die Flut und brachte sie um. Nur Noah und die Seinen wurden durch die Wasser, in denen die Gottlosen umkamen, gerettet. Noah und seine Familie waren nicht besser als die übrigen Menschen. Auch sie hatten das Gericht verdient. Aber sie nahmen im Glauben in der Arche Zuflucht und überlebten. Uns ging es ebenso. Wir hatten das Gericht verdient. Aber durch den Glauben an Jesus Christus, der für uns ins Gericht ging, wurden wir gerettet.

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Gott ehren

Der erste Vers knüpft an 1. Petrus 3,18 an. Christus hat für uns gelitten, denn als Sündloser lebte Er in einer sündigen Welt. Lieber wollte Er sterben, als Gott ungehorsam sein. Doch diese Entschiedenheit brachte Ihm Leiden bis zum Tod am Kreuz ein. Nun sollen auch wir ein Leben führen, in dem wir lieber leiden als sündigen. Es geht darum, den Forderungen der in uns wohnenden Sünde nicht nachzugeben. Das bedeutet zwar zu leiden, aber dann ruhen wir von der Sünde.

Die «im Fleisch noch übrige Zeit» ist das Leben nach unserer Bekehrung. Die «vergangene Zeit» ist die Zeit, bevor wir an den Herrn Jesus glaubten. In unserem Leben als gläubige Christen soll der Wille Gottes massgebend sein. Das alte Leben, das wir vor der Bekehrung geführt haben, sollen wir ganz aufgeben. Das werden unsere ungläubigen Mitmenschen nicht nachvollziehen können. Vielleicht klagen sie uns sogar an, wir wollten besser sein als sie, nähmen aber die gesellschaftliche Verantwortung in der Welt nicht wahr. Sie lästern uns, indem sie uns falsche Beweggründe unterschieben.

Ungläubige Menschen, die sich den Glaubenden gegenüber so verhalten, müssen einmal dem Herrn Jesus dafür Rechenschaft ablegen.

Den Toten in Vers 6 wurde zu ihren Lebzeiten die gute Botschaft verkündigt, wie sie heute noch gepredigt wird. Wer sie im Glauben annimmt, empfängt neues Leben und damit die Fähigkeit, Gott gemäss zu leben. Wer sie ablehnt, wird von Gott gerichtet.

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Einander dienen

Diese Verse spornen uns an, im Kreis der Glaubenden das Gute zu wirken. Das Erste, was wir dabei bedenken müssen, ist, dass alles Sichtbare und Materielle vergehen wird, vielleicht schon sehr bald. Das hilft uns, die richtige Einstellung zum Irdischen zu bekommen. Weil alles vergehen wird, sollen wir durch das Gebet den Kontakt mit dem Himmel suchen und pflegen. Wir dürfen zu unserem himmlischen Vater und zum Herrn Jesus beten.

Diese Gebetsgemeinschaft mit Gott wird unsere Liebe zu den Mitgläubigen fördern. – «Die Liebe bedeckt eine Menge von Sünden» bedeutet nicht Toleranz gegenüber dem Bösen. Wenn Böses unter den Gläubigen vorkommt, muss es Gott gemäss verurteilt und geordnet werden, aber es soll uns nicht auseinander bringen. Gott möchte uns helfen, unsere Glaubensgeschwister trotz Versagen und fleischlichem Benehmen zu lieben.

Die Gastfreundschaft fördert die Bruderliebe. Aber sie bringt Aufwand und Verzicht mit sich. Daher: «Seid gastfrei ohne Murren!»

Jeder Erlöste hat vom Herrn eine Gnadengabe empfangen, mit der er den anderen dienen darf. Wichtig ist, dass wir diesen Dienst in Abhängigkeit vom Herrn tun. Dann werden wir gute Verwalter sein. In Vers 11 werden zwei Aufgabenbereiche unterschieden: das Reden und das Dienen. Das Reden soll unter der Leitung des Heiligen Geistes geschehen. Weil das Dienen viel Geduld und Selbstverleugnung erfordert, kann es nur in der Kraft, die Gott gibt, ausgeübt werden.

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Verschiedene Leiden

Durch den ganzen Brief hindurch macht Petrus klar, dass das Glaubensleben Leiden mit sich bringt: Leiden um der Gerechtigkeit und um des Gewissens willen, Leiden für Gutestun und für Bösestun. Leiden, weil wir nicht sündigen wollen, Leiden in der Nachfolge und Leiden als Christ. Wie verhalten wir uns in den verschiedenen Leiden, in die wir kommen können?

Einst sagte der Herr Jesus zu seinen Jüngern: «Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen.» So erfahren wir Verachtung, Spott, vielleicht sogar Verfolgung, wenn wir uns klar zu Ihm bekennen. Doch das soll uns nicht niederdrücken. Denken wir daran, dass wir bald mit unserem geliebten Heiland verherrlicht werden, und freuen wir uns auf diese Zukunft!

Vers 15 spricht von Leiden, die wir uns durch ein verkehrtes Verhalten selbst einbrocken. Der Herr zeigt uns, dass wir zu solchen Handlungen fähig sind, aber Er möchte nicht, dass sie bei uns vorkommen.

In den Schlussversen finden wir das richterliche Handeln Gottes mit uns Menschen. Es fängt bei denen an, die Ihm am nächsten stehen, wird aber auch die Ungläubigen treffen. Doch es gibt einen grossen Unterschied:

  1. Der Glaubende erfährt die Wege Gottes mit sich in seinem irdischen Leben, wenn Gott ihn erzieht.
  2. Der Ungläubige, der das Evangelium Gottes in seinem Leben ablehnt, wird von Gott ewig gerichtet werden und in die Hölle kommen.

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Ältere und Jüngere

In diesen Versen geht es um die Beziehung zwischen älteren und jüngeren Gläubigen. Petrus wendet sich zuerst an die Älteren. Sie haben die grössere Verantwortung als die Jüngeren. Darum hat er ihnen mehr zu sagen.

Die älteren Brüder werden – weil sie in ihrem Glaubensleben viele Erfahrungen gesammelt haben – beauftragt, die Herde Gottes zu hüten. Es ist nicht ihre, sondern Gottes Herde. Hüten beinhaltet ernähren, beschützen und führen. Die Glaubenden brauchen geistliche Nahrung. Sie müssen vor Gefahren gewarnt und den rechten Weg gewiesen werden. Wie sollen die Ältesten ihre Aufgabe wahrnehmen? Freiwillig, ohne Zwang, nicht um Geld oder Ehre zu erlangen, nicht als Herrscher, sondern als Vorbilder. Ihre Aufgabe ist nicht einfach, aber Gott hat ihnen eine besondere Belohnung zugedacht: die Krone der Herrlichkeit.

In Vers 5 spricht Petrus die Jüngeren an. Sie werden einfach ermahnt: Ordnet euch den Älteren unter! Mehr nicht. Aber denken wir daran: Unterordnung heilt, Rebellion hingegen zerstört!

Der zweite Teil von Vers 5 richtet sich an alle Christen. Uns alle soll in den gegenseitigen Kontakten Demut kennzeichnen. Dadurch erschliessen wir die Gnadenquellen Gottes für uns.

Und wenn es Schwierigkeiten gibt, wenn sich das alles nicht so leicht verwirklichen lässt? Dann wollen wir uns demütig unter Gottes Hand beugen und alle Nöte und Sorgen im Gebet vor Ihn bringen.

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Der Gott aller Gnade

Die Probleme im Glaubensleben wollen uns mutlos machen. Wie gut, dass wir alle unsere Sorge auf Gott werfen dürfen, der ein Interesse an uns hat (Verse 6.7)!

Was ist das Ziel des Feindes, wenn er als brüllender Löwe auftritt? Er will uns einschüchtern. Doch wir werden aufgefordert, ihm im Glauben zu widerstehen. Denken wir daran: Er ist ein besiegter Feind, und der Herr möchte uns beistehen, wenn Satan uns einschüchtern will (2. Timotheus 4,17).

Zum Schluss richtet Petrus unseren Blick auf Gott selbst. Er ist der Gott aller Gnade. Das bedeutet, dass der Umfang seiner Gnade unerschöpflich ist und dass Gott für jede Situation und jede Not der Seinen eine besondere Art von Gnade bereit hat.

Dieser wunderbare Gott hat uns zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen. Unser Ziel ist das Haus des Vaters, der ewige Wohnort Gottes. Wenn wir das vor Augen haben, werden wir ermutigt, trotz Schwierigkeiten vorwärts zu gehen, und zwar mit einem Herzen voll Lob und Dank (Vers 11).

Silvanus war der Überbringer dieses Briefes. Die Miterwählte in Babylon ist wohl die Frau von Petrus, denn wir wissen, dass er verheiratet war (1. Korinther 9,5). Markus nennt er seinen Sohn. Wie schön, wenn Alt und Jung in einer guten geistlichen Beziehung miteinander leben. Der Brief endet mit Liebe und Frieden.

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Merkmale des Glaubenslebens

Wie der erste Brief des Petrus so ist auch sein zweiter ein Hirtenbrief. Der inspirierte Schreiber ist für das Wohl der Schafe des Herrn Jesus besorgt. Er gibt ihnen Hilfestellungen für das tägliche Glaubensleben und warnt sie vor den drohenden Gefahren. Der Apostel Petrus richtete seine beiden Briefe an die gleichen Empfänger (2. Petrus 3,1). Es waren Menschen mit jüdischer Herkunft, die durch den Glauben an den Herrn Jesus das christliche Glaubensgut empfangen hatten.

Gott hat uns bei unserer Bekehrung alles geschenkt, was wir nötig haben, um als Christen in Gottesfurcht zu leben. Er möchte, dass wir hier zu seiner Ehre sind. Weil wir dies nicht aus uns selbst vermögen, hat Er uns mit allem Nötigen ausgestattet. Bei unserer Bekehrung haben wir durch die Neugeburt ewiges Leben empfangen und besitzen seither den Heiligen Geist, der die Kraft des neuen Lebens ist.

Ab Vers 5 bis Vers 7 spricht Petrus unsere Verantwortung an. Als reich Beschenkte sollen wir nun allen Fleiss anwenden, um mit Gottes Hilfe täglich ein reines Leben, getrennt von der Welt, zu führen. Dieser geistliche Fleiss soll durch acht Merkmale gekennzeichnet sein: Am Anfang steht die Glaubensbeziehung zu Gott und dem Herrn Jesus und am Schluss die göttliche Liebe, die sich in unserem Leben entfalten soll. Doch es gilt, alle acht Merkmale zu beachten und zu verwirklichen, damit unser Glaubensleben ausgewogen bleibt.

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Erinnern und befestigen

Die in den Versen 8 bis 10 erwähnten «Dinge» sind die acht Merkmale, die unseren geistlichen Fleiss kennzeichnen sollen: Glauben, Tugend (Entschiedenheit), Erkenntnis, Enthaltsamkeit, Ausharren, Gottseligkeit, Bruderliebe, Liebe. Wenn sie sich in unserem praktischen Leben zeigen und zunehmen, sind wir im Glauben gesund. Wo sie fehlen, offenbart sich bei einem Gläubigen ein schlechter geistlicher Zustand. Jener Christ hat sowohl den Herrn Jesus als auch das Erlösungswerk aus den Augen verloren. Darum fordert Petrus uns in Vers 10 auf, «diese Dinge» zu tun. Je konsequenter wir im Alltag für Gott leben, umso eher werden wir vor einem Fall bewahrt. Ist es nicht unser aller Wunsch, als Christen zu leben und nicht zu sündigen?

In den Versen 12 und 15 erwähnt Petrus noch zweimal «diese Dinge». Wieder sind es die acht Merkmale, die in den Versen 5-7 erwähnt werden. Er erinnert die Briefempfänger an das, was ihr praktisches Glaubensleben auszeichnen soll, und ermuntert sie, dies zu verwirklichen anstatt geistlich einzuschlafen.

Der Märtyrertod von Petrus stand nahe bevor. Doch er wollte bis zuletzt für seinen Herrn arbeiten. Es lag ihm vor allem am Herzen, dass die Schafe der Herde des Herrn Jesus geistlich auf eigenen Füssen standen, wenn er, Petrus, als Hirte nicht mehr da war. – Dazu ist es nötig, dass wir regelmässig die Bibel lesen, um uns so die Glaubenstatsachen in Erinnerung zu rufen.

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Der Blick in die Zukunft

Petrus war zusammen mit Jakobus und Johannes auf dem heiligen Berg gewesen, wo die drei einen Blick auf die zukünftige Herrlichkeit des Herrn Jesus werfen durften. Damals hörten sie aus der Wolke, die hier die prachtvolle Herrlichkeit genannt wird, die Stimme Gottes, des Vaters, der bezeugte: «Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.» So wurden diese drei Jünger sowohl Augen- als auch Ohrenzeugen von dem, was die Propheten des Alten Testaments angekündigt hatten. Alles, was die Jünger den Glaubenden über die Macht und Ankunft des Herrn Jesus und über die weitere Prophetie sagten, waren bestätigte Mitteilungen. Sie selbst hatten es gesehen und gehört.

Das prophetische Wort gleicht einer Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet. So zeigt uns die Prophetie der Bibel den tatsächlichen Zustand der uns umgebenden Welt. Sie zeigt uns aber auch einen gangbaren Weg, den wir im Glauben gehen können. Das prophetische Wort beleuchtet zudem das Ziel, das vor uns liegt. Es ist einerseits der Herr Jesus selbst, den wir als Morgenstern erwarten, aber anderseits auch der Tag des Herrn, der mit seiner Erscheinung anbrechen wird.

Wie wichtig ist Vers 21! Alles, was in der Bibel steht, wurde durch den Geist Gottes inspiriert, und zwar wörtlich (2. Samuel 23,2; 1. Korinther 2,12.13). Die Bibel ist göttlichen Ursprungs, auch wenn Menschen ihre Worte niedergeschrieben haben.

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Falsche Lehrer

So wie es zur Zeit des Alten Testaments falsche Propheten gab, so treten auch in der christlichen Zeitperiode falsche Lehrer auf. Sie verkünden verkehrte Lehren und verführen damit viele Menschen. Unmoral und Habsucht kennzeichnen ihr Leben. Doch Gott wird diese Verführer einmal richten.

Petrus beweist das soeben Gesagte mit drei Beispielen aus dem Alten Testament. Zuerst nennt er Engel, die gesündigt haben. Sie haben ihren Zustand in der Schöpfung verlassen und sich mit den Menschen verbunden (1. Mose 6,1.2; Judas 6). Gott hat sie in den tiefsten Abgrund hinabgestürzt, wo sie für das endgültige Gericht aufbewahrt werden. Das zweite Beispiel ist die Sintflut, in der die alte Welt untergegangen ist. Nur Noah und seine Familie überlebten in der Arche. Das dritte Gericht ist der Untergang von Sodom und Gomorra. Lot – als einziger Gerechter in jenen gottlosen Städten – wurde mit knapper Not, zusammen mit zwei Töchtern, gerettet.

Gott bewahrt die Seinen, wenn Er das Gericht bringt. Aber welch ein Unterschied zwischen Noah und Lot! Noah war gerecht und gottesfürchtig, so dass sein Leben eine Predigt an seine Mitmenschen war. Lot hingegen lebte in Sodom und passte sich äusserlich der Welt an. Er quälte zwar seine gerechte Seele durch das, was er jeden Tag sah. Doch er trennte sich nicht von der Welt und konnte daher kein Zeugnis für Gott sein (1. Mose 19,14).

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Merkmale der Gottlosen

Petrus beschreibt nun die Merkmale der falschen Lehrer in der Christenheit, damit wir diese Verführer erkennen können. Sie sind verwegen und verachten jede Form von Autorität. Ist das nicht ein Merkmal unserer Tage? Im Weiteren sind diese Menschen hemmungslos. Sie sündigen, ohne sich irgendwie zu schämen. Petrus vergleicht sie mit unvernünftigen Tieren. Damit unterstreicht er, dass diese Menschen keine Gläubigen sind, auch wenn sie sich zu den Christen halten und mit ihnen Feste feiern. Sie versuchen, unbefestigte Seelen anzulocken, um sie zum gleichen sündigen Treiben zu verführen. Zudem lieben diese Verführer das Geld.

Petrus vergleicht die falschen Lehrer in der Christenheit mit Bileam, diesem falschen Propheten, der das Volk Israel hätte verfluchen sollen (4. Mose 22 – 24):

  • Der Weg Bileams war eigenwillig und krumm und führte schliesslich ins Gericht (4. Mose 31,8). So ist es auch mit den Verführern heute.
  • Der Lohn der Ungerechtigkeit weist auf die Habsucht Bileams hin, der sich für seine Weisheit bezahlen liess. Dieser Beweggrund leitet auch die falschen Lehrer (2. Petrus 2,3.13.14).
  • Der Esel, der mit Menschenstimme redete, erinnert an die Torheit Bileams. Der falsche Prophet glaubte, Gott für seine habsüchtigen Ziele gewinnen zu können. Da wies ihn seine Eselin zurecht. Sie machte ihm klar, dass er auf diesem eigenwilligen Weg Gott gegen sich hatte. So wird Gott auch die Verkehrtheit der Verführer in der Christenheit entlarven (2. Timotheus 3,9).

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Verführen und verführt werden

Mit einigen Vergleichen beschreibt Petrus in Vers 17 den Charakter der falschen Lehrer. Sie versprechen etwas, aber der Durst der Seelen wird nicht gestillt. Der Nebel deutet an, dass man bei ihnen nicht weiss, woran man ist. Das Dunkel der Finsternis weist darauf hin, dass für sie, die ungläubig sind, das Gericht aufbewahrt ist.

Die Verse 18 und 19 beschreiben die Tätigkeit dieser Verführer. Ihre Reden sind beeindruckend, aber sie nähren die Herzen der Glaubenden nicht. Sie verführen andere zur Sünde. Sie versprechen Freiheit, indem sie sagen: Sündigen ist erlaubt. Aber sie und ihre Anhänger sind Sklaven der Sünde (Johannes 8,34).

Die Verse 20 und 21 machen klar, um was für Menschen es sich hier handelt. Es sind solche, die einmal mit dem christlichen Glauben in Kontakt gekommen sind. Sie haben etwas von Jesus Christus erkannt. Sie sind äusserlich den Befleckungen der Welt entflohen, d.‍ ‍h. sie unterlassen die groben Sünden und übernehmen manches Gute, das sie im Leben des Herrn Jesus sehen. Aber durch die Verführung fallen sie wieder in ihr früheres sündiges Leben zurück. Weil sie sich nie bekehrt haben und nicht aus Gott geboren sind, werden sie aufs Neue von der Macht der Sünde überwältigt. Jetzt sind sie schlimmer dran als vorher, denn sie kennen den richtigen Weg und gehen doch den falschen.

Mit einem Sprichwort macht Petrus das Verhalten dieser ungläubigen Menschen deutlich. Weil sie sich nur äusserlich angepasst haben, aber kein neues Leben besitzen, bleiben sie, was sie waren.

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Der Wert des Wortes Gottes

In diesem Kapitel redet Petrus die Briefempfänger viermal mit «Geliebte» an. Als Hirte der Schafe des Herrn Jesus hat er ihnen noch Wichtiges zu sagen. In den ersten sieben Versen will er den «Geliebten» den Wert des Wortes Gottes gross machen. Mit den «von den heiligen Propheten zuvor gesprochenen Worten» ist das Alte Testament gemeint. «Das Gebot des Herrn und Heilandes durch eure Apostel» verweist auf das Neue Testament. Beide Teile der Bibel sind für uns Christen wichtig.

Doch es wird immer Spötter geben, die das Wort Gottes infrage stellen und lächerlich machen wollen. Unter ihnen sind viele, die mit wissenschaftlichen Argumenten und intellektuellen Schlussfolgerungen die Bibel angreifen. Doch wegen ihres Eigenwillens bekommen diese Menschen keine Klarheit über Gottes Gedanken (Vers 5). Wie entscheidend ist doch die innere Einstellung, mit der wir die Bibel lesen!

Zur Zeit Noahs ging die Welt im Wasser unter. In der Zukunft wird das Gericht in Form von Feuer über die jetzige Schöpfung kommen. Es wird auch die gottlosen Spötter treffen.

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Gott ist treu

Doch den «Geliebten» sagt Petrus weiter, dass Gott treu ist und zu seinem Wort steht. Nur ist seine Zeitrechnung eine andere als die unsere (Vers 8). In seiner Langmut hat Er bis heute das Gericht noch zurückgehalten. Er möchte nicht, dass Angehörige der Seinen verloren gehen.

Ab Vers 10 spricht der Apostel vom Tag des Herrn. Dieser beginnt mit dem Erscheinen des Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit. Er endet, wenn alles im Brand aufgelöst werden wird (Vers 12). Für die ungläubigen Menschen wird dieser Tag überraschend kommen. Sie werden alles verlieren, wofür sie gelebt haben. Uns soll das Wissen um den bevorstehenden Tag des Herrn und die Aussicht auf den ewigen Zustand (Vers 13) heute zu einem Leben in Absonderung von der Welt und in Gottesfurcht anspornen. Täglich dürfen wir unseren Herrn erwarten. Wie sehr wird diese Hoffnung die Entscheidungen in unserem Leben beeinflussen!

Der in Vers 13 beschriebene ewige Zustand weist einen Unterschied zum Tausendjährigen Reich auf. Unter der Regierung des Herrn wird Gerechtigkeit herrschen (vergleiche Jesaja 32,1), im ewigen Zustand wird Gerechtigkeit wohnen, weil es dann keinen inneren Widerstand gegen Gott mehr geben wird.

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Letzte Appelle

Noch zweimal werden die Briefempfänger als Geliebte angeredet. Vers 14 fordert uns auf, mit Fleiss ein gottgefälliges Leben zu führen. Durch die praktische Gemeinschaft mit Gott realisieren wir, wie langmütig Er gegenüber den noch unerretteten Menschen ist. Das spornt uns an, das Evangelium zu verbreiten.

In den Versen 17 und 18 geht es nochmals um eine Warnung vor dem Bösen. Aber dann werden unsere Blicke auf unseren Herrn und Heiland gerichtet. Mit Ihm sollen wir uns beschäftigen. Ihn möchten wir immer besser kennen lernen. Ihm gebührt alle Ehre.

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Einleitung

Lukas schreibt, wie der Heiland in Bethlehem geboren wurde. Er erzählt auch, dass Jesus Christus den Menschen in Gnade begegnet ist und unzählige Kranke geheilt hat. Beim Lesen seines Evangeliums begleiten wir den Herrn, wie Er in Israel durch die Städte und Dörfer zog, um zu suchen und zu erretten, was verloren ist. Leider lehnten Ihn viele Menschen ab. Aber es gab einige, die an Ihn glaubten und Ihm nachfolgten.

Von Anfang an

Lukas war unter den von Gott inspirierten Schreibern des Neuen Testaments der einzige Nichtjude. Er durfte den Herrn Jesus als den Sohn des Menschen, der die Gnade Gottes allen Menschen offenbarte, beschreiben. Der Kernvers dieses Evangeliums steht in Lukas 19,10: «Der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist.» Zu diesen Verlorenen zählen alle Menschen von Natur. Auch das Heil, das Jesus Christus am Kreuz von Golgatha erwirkt hat, wird nun allen angeboten (Lukas 24,46.47). Welch eine herrliche Botschaft!

Lukas, von Beruf Arzt, schrieb seinen Bericht an Theophilus, einen gläubigen Griechen. Zu Beginn der christlichen Zeitperiode kursierten manche Erzählungen über das Leben unseres Erlösers. Aber nur vier Berichte sind von Gott inspiriert. Einer davon ist die Arbeit von Lukas, der allem von Anfang an genau gefolgt war. Was wir vor uns haben, ist ein göttlicher Bericht über Jesus Christus. Gott liess ihn durch einen von Ihm ausgewählten Diener niederschreiben.

Als Arzt durfte Lukas ausführlich über die Menschwerdung des Sohnes Gottes berichten (seine Geburt, seine Kindheit, sein Wachstum). Weiter stellt er Ihn als den sündlosen Menschen vor, der Tag für Tag im Gehorsam und in Abhängigkeit von seinem Gott hier lebte. Wie zutreffend war das Zeugnis des römischen Hauptmanns, nachdem Jesus am Kreuz gestorben war: «Wahrhaftig, dieser Mensch war gerecht!»

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Gabriel bringt Zacharias eine Botschaft

Es war eine traurige Zeit in Israel. Herodes, ein Edomiter, regierte als König in Judäa. Das Volk Gottes lebte unter fremder Herrschaft. Zudem hatte sich Gott während 400 Jahren nicht mehr direkt bezeugt. Maleachi war der letzte Prophet gewesen, den Gott als seinen Boten zu Israel gesandt hatte. Aber so, wie es zur Zeit Maleachis einige gab, die inmitten des ungläubigen Volkes den Herrn fürchteten, so finden wir es auch zu Beginn des Lukas-Evangeliums. Es gab noch eine geringe Zahl Gottesfürchtiger in Israel, die in Treue vor Gott lebten und den Messias erwarteten. Zu ihnen gehörte das alte Priesterehepaar Zacharias und Elisabeth.

Vermutlich hatten die beiden während längerer Zeit um ein Kind gebetet. Doch ihre Bitte war bis dahin nicht erhört worden. Wir können die Bestürzung und die Furcht von Zacharias verstehen, als plötzlich, während seines Priesterdienstes im Tempel, ein Engel vor ihm stand und ihm mitteilte, seine Frau würde einen Sohn bekommen. Er nannte ihm weiter den Namen des Kindes und erklärte ihm, was für eine besondere Person dieser Sohn werden würde: Johannes durfte der Vorläufer des Messias sein, auf den das Volk schon so lange wartete. Die in Vers 14 angekündigte Freude können wir gut verstehen. Wenn der Herold erschien, würde auch der Messias folgen.

Johannes sollte von Mutterleib an ein Nasir, ein Gottgeweihter sein (4. Mose 6). Sein Dienst für Gott würde darin bestehen, die Menschen und ihre Herzen für das Kommen des Messias vorzubereiten.

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Zacharias ist kleingläubig

Anstatt sich über diese Nachricht zu freuen, zweifelte Zacharias an der Erfüllung der göttlichen Zusage. Ungläubig fragte er: Wie soll das gehen, da wir ein altes Ehepaar sind? Aus Vers 19 spürt man förmlich die Entrüstung des Engels über den Unglauben von Zacharias, nachdem Gabriel ihm eine so gute Nachricht überbracht hatte. Eine zeitlich begrenzte Strafe war die Antwort auf die Haltung des Priesters. – Zweifeln nicht auch wir manchmal, anstatt dem Wort Gottes einfach zu vertrauen?

Die Menschen, die lange auf den diensttuenden Priester warten mussten, merkten, dass im Tempel etwas Besonderes geschehen war. Sie wussten aber nicht was, und Zacharias konnte es ihnen nicht sagen. Als stummer Mann kehrte er nach Ablauf seiner Dienstzeit nach Hause zurück.

Und was geschah weiter? Elisabeth wurde schwanger, wie es der Engel angekündigt hatte. Die Worte von Vers 25 lassen erkennen, was für eine grosse Freude diese Gebetserhörung für sie war.

Der stumme Priester ist ein Bild des Volkes Israel heute. Die Juden haben ihren Messias im Unglauben abgelehnt und sind daher unfähig, Gott für sein Erbarmen zu loben.

Aber ist nicht jeder, der noch nicht an den Herrn Jesus als seinen Erlöser glaubt, ebenso stumm, wenn es um das Lob Gottes geht? Nur der Erlöste kann wirklich loben.

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Gabriel bringt Maria eine Botschaft

Einige Monate später wurde der Engel Gabriel wieder mit einer Botschaft Gottes auf die Erde gesandt, dieses Mal zu einer jungen, gottesfürchtigen Frau. Die Jungfrau Maria, zu der Gabriel kam, war aus dem Stamm Juda und wie Joseph, ihr Verlobter, aus der Nachkommenschaft Davids.

Der Engel begrüsste sie mit der Anrede «Begnadete». Welch eine grosse, einmalige Gnade wurde dieser jungen Frau zuteil: Sie durfte die Mutter unseres Erlösers werden. Ihrer Bestürzung begegnete der Engel mit dem tröstlichen «Fürchte dich nicht!» Sie, die von Natur aus auch eine Sünderin war wie alle Menschen, hatte bei Gott Gnade gefunden. Sie war eine Gläubige, die wusste, dass auch sie einen Heiland nötig hatte (Lukas 1,47).

Dann hörte sie die herrlichste Botschaft, die je einer Frau mitgeteilt worden ist. Sie durfte die Mutter des Messias werden. Ihren Sohn sollte sie Jesus (= der Herr ist Rettung) nennen. Weil sie nicht wusste, wie dies gehen sollte, stellte sie die Frage in Vers 34. Das war nicht Unglaube wie bei Zacharias (Lukas 1,18).

Aus der Antwort des Engels wird klar, dass Jesus Christus nicht nur wahrer, sündloser Mensch (das Heilige) war. Infolge der Zeugung durch den Heiligen Geist war Er auch der Sohn Gottes. Der ewige Sohn Gottes, wie Johannes Ihn uns vorstellt (Johannes 1,1.14) wurde Mensch, blieb aber Gott. Gott und Mensch in einer Person – ein für uns unergründliches Geheimnis! – Demütig, aber voll Vertrauen sagte Maria schliesslich: «Mir geschehe nach deinem Wort.»

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Maria besucht Elisabeth

Als Maria vom Engel erfahren hatte, dass Elisabeth, ihre Verwandte, ebenfalls schwanger war, machte sie sich auf den Weg zu ihr. Als sie dort ankam und Elisabeth begrüsste, zeigte Gott der Frau des Priesters auf besondere Weise, wen sie vor sich hatte: die Mutter ihres Herrn! Diese beiden im Alter so unterschiedlichen Frauen hatten die gleiche gottesfürchtige Herzenseinstellung. Voll Vertrauen freuten sie sich über das, was Gott im Begriff stand, für sein irdisches Volk und im Weiteren für alle Menschen zu tun. Ist ihre Freude, die von einem festen Glauben genährt wurde, nicht nachahmenswert?

In einem Gedicht oder Lied rühmte Maria Gott, den Herrn. Sie blieb demütig, erkannte aber die grosse Gunst und Barmherzigkeit, die Gott ihr erwies. Doch sie rühmte nicht nur die Barmherzigkeit und Gnade Gottes, sie vergass auch seine Heiligkeit nicht.

Barmherzigkeit, die in diesem Kapitel fünfmal erwähnt wird (Lukas 1,50.54.58.72.78), und Gnade werden uns in diesem Evangelium auf jeder Seite begegnen, aber nie auf Kosten der Heiligkeit. Das Leben Jesu in Gnade gegenüber den Menschen trägt die Überschrift: «Ausgenommen die Sünde» (Hebräer 4,15).

Nachdem diese beiden frommen Frauen einander im Glauben gestärkt hatten, trennten sie sich wieder, damit jede ihre Aufgabe an dem Platz erfüllen konnte, wo Gott sie haben wollte.

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Johannes wird geboren

Dann kam für Elisabeth der Zeitpunkt der Geburt. Sie gebar einen Sohn, wie der Engel es ihrem Mann vorausgesagt hatte. Alle Nachbarn und Verwandten freuten sich mit Elisabeth und rühmten die Barmherzigkeit des Herrn, die Er diesem alten, treuen Ehepaar erwiesen hatte.

Es scheint, dass man in jener Zeit im Zusammenhang mit der Beschneidung, die nach dem Gesetz am achten Tag nach der Geburt zu erfolgen hatte, dem Neugeborenen den Namen gab (Vers 59; Lukas 2,21; 3. Mose 12,3). Dabei war es gebräuchlich, dass der Sohn den Namen des Vaters bekam. Doch hier lag die Sache anders. Der Engel hatte Zacharias klar gesagt: «Du sollst seinen Namen Johannes (= der Herr ist gütig) nennen (Lukas 1,13). Das wusste auch Elisabeth, und sie verlangte es so. Doch die Verwandten waren nicht einverstanden. Als der stumme Vater Zacharias die Sache schriftlich bestätigte: Johannes ist sein Name, wurde seine Zunge gelöst. Die zeitlich begrenzte Züchtigung Gottes war vorüber.

Nun konnte er mit Worten den Willen Gottes bekräftigen. Aber dann öffnete er seinen monatelang stummen Mund zum Lob Gottes. Aus dem zweifelnden Priester war ein Anbeter geworden, der Gott lobte.

Das alles blieb nicht ohne Wirkung auf die Menschen, die davon hörten. Herzen wurden aufgerüttelt. Sie merkten, dass Gott am Werk war. So klein wie Johannes war – erst ein neugeborenes Baby –, so heisst es doch: «Die Hand des Herrn war mit ihm.» Wirklich, ein aussergewöhnliches Kind!

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Zacharias lobt Gott

Nachdem die zeitliche Züchtigung Zacharias vorüber war, konnte Gott ihn als Werkzeug für eine prophetische Aussage benutzen. Dazu wurde er mit Heiligem Geist erfüllt. Mit seinen Worten lobte er Gott, der im Begriff stand, seinem irdischen Volk die früher gemachten Verheissungen über den Messias wahr zu machen.

Das Kommen von Christus (= Messias) beinhaltete Erlösung, Heil und Rettung für Israel. Dass dies aber nur durch den Kreuzestod des Heilands möglich wurde, wird hier nicht erwähnt. Warum wohl nicht? Weil der Tod des Herrn Jesus auch eine Folge der Ablehnung, des Hasses und der Verwerfung durch sein Volk war, und dies zeigte sich erst im Lauf seines Lebens.

Was Zacharias unter der Leitung des Geistes Gottes prophezeite, wird sich aber vollständig erfüllen. Rettung von ihren Feinden erlebten die Juden damals nicht. Aber sie werden es in der Endzeit erfahren. Die Erkenntnis des Heils in Vergebung ihrer Sünden blieb auf eine kleine Anzahl aus dem Volk beschränkt: nur die, die an den Herrn Jesus glaubten. Am Anfang der Apostelgeschichte ist von 120 Personen die Rede. Das Volk als Ganzes war nicht bereit, den Sohn des Höchsten zu empfangen. Sie merkten nicht, wie sehr sie in Finsternis und Todesschatten sassen und dieses Licht aus der Höhe so nötig gehabt hätten.

Johannes wurde ein Prophet des Höchsten. Die Zeit bis zu seinem öffentlichen Auftreten verbrachte er in den Wüsteneien. Als Nasir lebte er abgesondert von allen, erstarkte aber im Geist.

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Jesus wird geboren

Ein halbes Jahr nach der Geburt von Johannes wurde der Heiland geboren. Die Anfangsverse zeigen uns etwas vom Wirken Gottes, der im Verborgenen alle Fäden in seiner Hand hält – für jeden Glaubenden ein überaus tröstlicher Gedanke!

Der Prophet Micha hatte vorausgesagt, dass der Messias in Bethlehem geboren werden sollte. Aber Maria lebte mit Joseph, ihrem Verlobten, in Galiläa. Nun lenkte allmächtige Gott die Weltereignisse so, dass der römische Kaiser eine Verordnung erliess, die von jedem seiner Untertanen verlangte, sich in seiner Herkunftsstadt einschreiben zu lassen (vermutlich in ein Steuerregister oder in eine ähnliche Liste). Diese äusseren Umstände zwangen Joseph mit seiner verlobten Frau, die schwanger war, nach Bethlehem zu reisen. Als sie dort waren, kam der Geburtstermin. Der Geist Gottes beschreibt die Geburt unseres Herrn Jesus Christus mit einfachen Worten. Für die damalige Welt war dieses Ereignis nichts Besonderes, eher etwas Nebensächliches. Aber für Gott war «die Fülle der Zeit» gekommen, in der sein Sohn als Mensch von einer Frau geboren wurde (Galater 4,4).

Im Weiteren unterstreicht der Heilige Geist die Armut der Eltern Jesu. Sie fanden keinen Raum in der Herberge. Kein Platz für so arme Leute! Nun musste Maria ihren erstgeborenen Sohn irgendwo in einem Tierunterstand zur Welt bringen. Da lag der Schöpfer und Erhalter des Universums in Windeln gewickelt in einer Krippe! Wie arm ist Er, der doch unendlich reich war, für uns geworden (2. Korinther 8,9)!

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Die Engel bei den Hirten

Wem teilte Gott zuerst mit, dass sein Sohn als Mensch in diese Welt hineingeboren worden war? Einfachen Hirten, die in jener Nacht auf freiem Feld über ihre Herden Wache hielten! Bestimmt gehörten sie zu den wenigen Gottesfürchtigen in Israel, die bewusst auf den Messias warteten.

Aber als der Engel des Herrn zu ihnen trat und die Herrlichkeit des Herrn sie umleuchtete, da fürchteten sie sich doch mit grosser Furcht. Doch der Engel hatte eine frohe Botschaft für sie, die sich ihres Zustands vor Gott bewusst waren. Christus, der Heiland, der Erretter und Helfer, war geboren. Darum brauchten sie sich nicht zu fürchten. Sie durften Ihn im Glauben annehmen.

Die Menge des himmlischen Heeres, die plötzlich bei dem Engel erschien, rühmte die Folgen des Kommens von Christus in diese Welt. Durch Ihn sollte Gott verherrlicht werden und schliesslich Frieden auf der Erde herrschen. Doch dazu musste Jesus Christus am Kreuz sterben (Kolosser 1,19.20). Nur auf der Grundlage dieses Opfers können sündige Menschen mit Gott versöhnt werden, und nur auf dieser Basis wird Christus sein Friedensreich errichten können.

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Die Hirten sehen das Kind in der Krippe

Die Hirten glaubten dem Wort des Engels, machten sich auf den Weg und fanden alles bestätigt. Doch sie behielten die Sache nicht für sich. Mit glücklichen, dankbaren Herzen lobten sie Gott und erzählten weiter, was sie vom Heiland wussten.

Acht Tage nach der Geburt wurde der Sohn der Maria beschnitten, wie es das Gesetz vorschrieb. «Da wurde sein Name Jesus genannt.» Jesus: ein Name, der das Herz jedes Glaubenden froh macht! Was bedeutet er für dich?

In Vers 22 geht es um die Reinigung der Maria, wie dies in 3. Mose 12 vorgeschrieben war. Doch Maria und Joseph konnten kein Lamm aufbringen. So brachten sie das dar, was Gott im Gesetz für die Armen vorgesehen hatte: zwei Tauben (3. Mose 12,8). Unser Heiland war ein Kind armer Eltern!

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Simeon und Anna

Um alles zu erfüllen, was das Gesetz verlangte, mussten Maria und Joseph mit ihrem einige Wochen alten Kind in den Tempel nach Jerusalem gehen. Dort wartete ein alter gottesfürchtiger Mann auf den Trost Israels. Gott hatte ihm durch den Heiligen Geist bezeugt, dass er vor seinem Tod den verheissenen Christus sehen würde. Welch eine Freude muss es für Simeon bedeutet haben, dieses Kind auf die Arme nehmen zu dürfen! Doch er wusste, dass sich die Menschen an dieser Person scheiden würden: Die einen glauben an Ihn, die andern – leider sehr viele – verwerfen Ihn.

In Jerusalem gab es noch andere Herzen, die vom verheissenen Erlöser erfüllt waren. Zu ihnen gehörte die Prophetin Anna, eine alte Witwe. Der Tempel war sozusagen ihr Wohnort geworden. Auch sie durfte Dem begegnen, auf den sie wartete. Dafür lobte sie Gott für seine Gnade. Dann aber redete sie von Ihm zu all denen, die wie sie zu den Wartenden gehörten.

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Jesus als Zwölfjähriger im Tempel

Seine Kindheit verbrachte Jesus in Nazareth. Der Geist Gottes bezeichnet diesen Ort als «ihre Stadt», d.‍ ‍h. die Stadt Josephs und Marias. Von dort reiste dieses gottesfürchtige Ehepaar alljährlich zum Passahfest nach Jerusalem. Als ihr erstgeborener Sohn zwölf Jahre alt war, nahmen sie Ihn mit.

Nach dem Fest kehrten die Eltern zusammen mit vielen anderen nach Galiläa zurück und merkten nicht, dass ihr Junge in Jerusalem geblieben war. Am Abend des ersten Reisetages suchten sie Ihn erfolglos unter den Verwandten und Bekannten. Wo war Er? Nach dreitägigem Suchen in Jerusalem fanden sie Ihn, «wie er inmitten der Lehrer sass und ihnen zuhörte und sie befragte».

Welch ein schönes Bild: Jesus Christus – die Hauptperson – aber noch ein Junge, der demütig zuhörte und mit Interesse Fragen stellte! Der nächste Vers zeigt, wer Er wirklich war: der Gott seines Wortes. Als solcher war Er allen Lehrern überlegen (Psalm 119,99.100).

Die Worte Marias beweisen, dass sie noch nicht wirklich erkannt hatte, wer ihr Sohn war – der Sohn Gottes, der im Haus seines Vaters sein wollte, ja, sein musste, denn Er war gekommen, um Gottes Wohlgefallen zu tun (Psalm 40,8.9).

Doch wie schön sind die Schlussverse! Obwohl Er der Sohn Gottes war, blieb Er der unterwürfige Mensch, der sich in seinem jungen Alter seinen menschlichen Eltern unterordnete. Zudem erkennen wir, wie Er als Mensch ein ganz normales Wachstum aufwies. Er war in jeder Hinsicht der Mensch nach Gottes Gedanken.

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Johannes ruft zur Buße auf

Die Verse 1 und 2 illustrieren den traurigen äusseren und inneren Zustand des irdischen Volkes Gottes. Das Land Israel war nicht frei, sondern in verschiedene Herrschaftsgebiete aufgeteilt. Regenten aus den Nationen bestimmten über die Juden. Über allem stand der römische Kaiser. Auch um das von Gott eingesetzte Priestertum stand es nicht gut. Es gab zwei Hohepriester statt nur einen!

Unter diesen Umständen sandte Gott den letzten Propheten des Alten Bundes zu seinem Volk. Dieser rief die Menschen nicht zum Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes auf – das war der Dienst seiner Vorgänger gewesen –, sondern zur Buße. Buße ist eine tiefgehende Herzenssache, die zum Bekennen der Sünden und zur Vergebung (Markus 1,5), aber auch zu einer Umkehr im Leben führt. Die Predigt von Johannes hatte zum Ziel, die Herzen für das Kommen des Messias bereit zu machen.

Johannes musste seinen Zuhörern ernst ins Gewissen reden, denn viele dachten, ihre Abstammung von Abraham genüge vor Gott. Nein, die äussere Zugehörigkeit zum Volk Gottes genügte nicht. Mit dieser Einstellung gingen sie dem Gericht entgegen (Vers 9).

Auf die Fragen der Menschen erklärte ihnen Johannes, wie sich echte Buße zeigt. Durch die der Buße würdige Frucht sollte die Umkehr sichtbar werden. Wer mehr besass als andere, sollte den Armen helfen. Die Zöllner sollten nicht mehr fordern, als festgesetzt war. Und die Söldner sollten sich mit ihrem Sold begnügen und sich nicht gewaltsam bereichern.

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Johannes kündigt Christus an

Wenn Johanns der Täufer in seiner Predigt Jesaja 40,3-5 zitierte, sprach er auch vom Kommen des Messias (Vers 6). Wir können daher die Überlegungen seiner Zuhörer verstehen, wenn sie sich fragten, ob er wohl der Christus sei. Der Prophet verneinte diesen Gedanken klar und zeigte dann, wie viel grösser und stärker der nach ihm Kommende war. Verglichen mit Jesus Christus war Johannes nicht einmal wert, Ihm den geringsten Sklavendienst zu tun (Vers 16). Welch eine demütige Gesinnung offenbarte dieser Mann!

Vom Messias, der nach ihm kommen würde, sagte er: Er wird euch mit Heiligem Geist und mit Feuer taufen. Die Taufe mit Heiligem Geist war die Folge der Rückkehr des Herrn Jesus in den Himmel und geschah damals zu Pfingsten (Apostelgeschichte 2). Die Taufe mit Feuer spricht von Gericht, wie Vers 17 deutlich macht. Sie findet statt, wenn Christus zum zweiten Mal auf die Erde kommt, dann nicht mehr in Niedrigkeit, sondern in Macht und Herrlichkeit.

Die Verse 18-20 behandeln das Ende des Dienstes von Johannes. Sie geben auch die Gründe an, warum Herodes ihn ins Gefängnis einschloss und später enthaupten liess (Markus 6,17-29). Er hatte den gottlosen König wegen der unrechtmässigen Heirat der Frau seines Bruders und wegen alles Bösen zurechtgewiesen. Das Ende des Dienstes des Vorläufers des Messias wird hier vorweggenommen, weil mit dem nächsten Vers der Dienst des Herrn Jesus beginnt. Dieser war ein Dienst der Gnade.

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Jesus wird getauft

Unter den vielen Menschen, die zu Johannes kamen, um Buße zu tun und sich taufen zu lassen, war auch Jesus. Als sündloser Mensch hatte Er nicht nötig, Buße zu tun. Doch in seiner Gnade stellte Er sich neben seine Landsleute, die die Taufe zur Buße brauchten. Da öffnete Gott den Himmel über Ihm. Mit einer für Menschen verständlichen Stimme bezeugte Er, dass dieser demütige Mensch, der durch das Gebet seine Abhängigkeit von Ihm ausdrückte, sein geliebter Sohn war. An Ihm fand Er sein Wohlgefallen. In der Ewigkeit hatte Gott, der Vater, seine Wonne am Sohn seiner Liebe. Nun ruhte sein Wohlgefallen auch auf dem Sohn des Menschen, der gekommen war, um Gottes ewige Ratschlüsse auszuführen.

Bei der Taufe Jesu geschah noch etwas anderes: Der Heilige Geist fuhr in leiblicher Gestalt wie eine Taube auf Ihn hernieder. Dadurch wurde Er für seinen öffentlichen Dienst gesalbt, den Er unter der Leitung und in der Kraft dieses Geistes ausübte (Lukas 4,1; Apostelgeschichte 10,38).

Warum steht das Geschlechtsregister in diesem Evangelium am Anfang seines öffentlichen Dienstes und nicht am Anfang seines Erdenlebens? Hier geht es nicht um den Beweis, dass der Herr Jesus in Wahrheit der Messias ist, sondern dass Der, den Gott soeben als seinen Sohn bekannte, wahrer Mensch ist. Es ist eigentlich das Geschlechtsregister der Maria. Er war, «wie man meinte», ein Sohn Josephs. In Wahrheit war Er Mensch, nicht aufgrund seiner Beziehung zu Joseph, sondern zu Maria.

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Jesus in der Wüste

Bevor der Herr Jesus öffentlich auftrat (Lukas 4,14.15), führte Ihn der Geist in die Wüste, wo Er vom Teufel versucht wurde. Diese Zeit der Erprobung oder Versuchung dauerte 40 Tage und brachte seine Vollkommenheit auf besondere Weise zum Vorschein.

Zunächst müssen wir festhalten, dass unser Heiland nicht versucht wurde, um zu sehen, ob Er standhaft bleiben würde. Er konnte nicht sündigen. Diese Zeit erbrachte vielmehr den Beweis, dass der Teufel bei Ihm keinen Anknüpfungspunkt finden konnte (Johannes 14,30). Vergleichen wir den Herrn mit Adam, dem ersten Menschen, dann sehen wir einen grossen Unterschied. Adam lebte unter den günstigsten Umständen. Als er von Satan versucht wurde, fiel er. Jesus, der zweite Mensch vom Himmel, blieb unter den schwierigsten Umständen (Wüste, Hunger) siegreich.

Der Teufel versuchte den Herrn durch natürliches Verlangen, durch weltliche Begierden und durch geistliche Versuchungen zu Fall zu bringen. Doch der von Gott abhängige Mensch liess sich in keine Diskussion mit dem Teufel ein. Seine Antworten stützten sich immer auf das geschriebene Wort Gottes. Da wich der Teufel für eine Zeit von Ihm. In Gethsemane war er wieder da, um den Heiland durch die Schrecken des Kreuzestodes, die vor seiner Seele standen, vom Weg des Gehorsams und der Hingabe an Gott abzubringen (Lukas 22,40-46). Doch der Herr blieb Sieger, sowohl in Gethsemane als auch am Kreuz (Hebräer 2,14.15).

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In der Synagoge von Nazareth

Der Herr Jesus begann seinen öffentlichen Dienst in Galiläa, indem Er in den Synagogen lehrte. Dabei kam Er auch nach Nazareth, wo Er auferzogen worden war und wo Ihn daher alle gut kannten. Er las eine Stelle aus dem Propheten Jesaja vor (Jesaja 61,1.2), hielt aber mitten im Satz inne. In Jesaja 61 werden das Jahr des Wohlgefallens des Herrn und der Tag der Rache unseres Gottes zusammen genannt. Jesus sprach aber nur vom angenehmen Jahr des Herrn. Das war die Zeit damals. Er, von dem diese Jesajastelle redet, war gekommen, um seinem Volk die Gnade zu bringen.

Obwohl sie sich über seine Worte der Gnade verwunderten, regte sich Widerstand. War dieser nicht der Sohn von Joseph, den sie alle kannten? Er konnte doch nicht der Messias sein! Die Wunder, die Er an anderen Orten gewirkt hatte, hätten sie angenommen, wenn Er sie auch in Nazareth getan hätte. Aber als Messias lehnten sie Ihn ab.

Der Herr Jesus war nicht der erste Prophet, der von seinen nächsten Landsleuten abgelehnt wurde. Aber diese Ablehnung im Unglauben würde dazu führen, dass Gott seine Gnade anderen zukommen liess.

Beispiele aus dem Alten Testament zeigten, dass dies mehr als einmal der Fall war. Doch das wollten die Leute von Nazareth nicht hören. Ihre Wut gegen Ihn steigerte sich so weit, dass sie Ihn vom Berg hinunter zu Tode gestossen hätten, wenn es ihnen gelungen wäre. Aber die Stunde seines Todes war noch nicht gekommen.

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In Vollmacht lehren und wirken

Auch in Kapernaum, einer Stadt am See Genezareth, lehrte Er an den Sabbaten. Er sprach anders als die Schriftgelehrten. Das merkten seine Zuhörer bald. Sein Wort predigte Er mit Vollmacht. Wie hätte es anders sein können, wenn Gott selbst, in der Person seines Sohnes, der Mensch geworden war, sein Wort verkündigte?

In der Synagoge war ein Mensch, der einen Geist eines unreinen Dämons hatte. Vermutlich hatte er sich bis dahin ruhig verhalten. Aber als der Herr Jesus in die Synagoge kam, regte sich der Dämon. Er wusste, dass der Sohn Gottes den bösen Geistern befehlen konnte und sie gehorchen mussten. Er konnte sie sogar verderben. Wenn die Menschen den demütigen Mann aus Nazareth verkannten, die Dämonen wussten ganz genau, mit wem sie es zu tun hatten.

Mit der gleichen göttlichen Vollmacht, mit der Jesus Christus das Wort verkündigte, gebot Er dem bösen Geist zu schweigen und von dem Menschen auszufahren. Der Dämon musste gehorchen. Erschreckt fragten die Anwesenden: «Was ist dies für ein Wort? Denn mit Vollmacht und Kraft gebietet er den unreinen Geistern, und sie fahren aus.»

Die Menschen waren erstaunt und beeindruckt. Sie erzählten das Erlebte weiter. Aber glaubten sie auch an Ihn? Erkannten sie die Person, die unter ihnen lebte und wirkte? Es war ihr Messias (= Christus), Gott, der Sohn, als wahrer, vollkommener Mensch.

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Der Herr heilt Kranke

Von der Synagoge kam der Herr Jesus in das Haus von Simon. Dieser Mann hatte Christus bereits kennengelernt (Johannes 1,41.42). Damals hatte der Heiland ihm einen zweiten Namen gegeben: Kephas oder Petrus. Der Herr hatte ihn auch schon in seine Nachfolge gerufen, wie wir dies aus Markus 1,16.17 erkennen können. Nun war der Heiland zu Gast im Haus von Petrus, dessen Schwiegermutter aber von einem starken Fieber befallen war. Auf die Bitte der Anwesenden heilte Er sie. – Die fieberkranke Frau gibt uns das Bild eines unbekehrten Menschen. Er hat keinen Frieden, ist beunruhigt durch sein belastetes Gewissen. Ruhelos lebt er in einer Welt voll Unruhe, Hast und Eile. Nur Einer kann ihm Ruhe und Frieden geben: der Heiland, der für sündige Menschen am Kreuz gestorben ist. Und was ist die Folge, wenn jemand Frieden und Ruhe beim Herrn Jesus gefunden hat? Er darf Ihm dienen (Vers 39).

Das Elend im Volk Gottes war gross. Es gab nicht nur viele Kranke; manche waren auch in den Bann Satans geraten und von Dämonen besessen. Aber Christus, der Sohn Gottes, heilte in seiner Gnade alle, die zu Ihm gebracht wurden.

Als wahrer, abhängiger Mensch brauchte auch der Herr Jesus das Alleinsein mit Gott. Daher suchte Er einen öden Ort auf. Doch die Menschen liessen Ihn nicht in Ruhe. Sie wollten Ihn bei sich behalten. Er aber war für das ganze Volk gekommen. Darum zog Er weiter.

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Ein wunderbarer Fischfang

Viele Menschen drängten sich um den Herrn Jesus, um seine Worte zu hören. Um von allen besser gehört zu werden, bat Er Simon (Petrus), Ihn mit seinem Schiff ein wenig hinauszufahren. Von hier aus lehrte Er dann die am Ufer stehende Menge.

Warum war der Herr gerade in das Schiff von Petrus gestiegen? Er wollte auch sein Herz erreichen. Wäre Simon weiter mit seinen Netzen beschäftigt geblieben, hätte er wohl nicht so aufmerksam zugehört, wie jetzt, wo er untätig beim Herrn im Schiff sass.

Der Herr verlangt von den Seinen nichts, ohne es in reichem Mass zu erstatten. Das sehen wir auch hier. Für die Zeit und das Schiff, die Petrus dem Herrn zur Verfügung stellte, wurde er reich entschädigt. Dabei lernte er sowohl seinen Herrn und Meister als auch sich selbst besser kennen.

Der wunderbare Fischfang zeigte Petrus, dass Der, den er Meister nannte, auch Herr über die Fische, also Gott, der Schöpfer, ist. Doch im gleichen Moment erkannte Petrus sich auch im Licht Gottes. Ihm wurde seine ganze Sündhaftigkeit bewusst. Da dachte er: Wir zwei – der Heilige Gottes und ich –, wir passen nicht zusammen. Doch wie wunderbar lautet die Antwort des Herrn: «Fürchte dich nicht!» Das konnte Er Petrus sagen, weil Er an seinen eigenen Tod am Kreuz dachte. Dann würde Er nicht nur für die Sünden von Petrus, sondern auch für dessen sündige Natur sterben. Als Glaubender, der dem Wort des Herrn vertraute, konnte Petrus nun ein Menschenfischer werden.

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Heilung des Aussätzigen und des Gelähmten

Der Aussätzige, der vor Jesus auf sein Angesicht fiel, glaubte, dass der Herr ihn heilen könne, aber er wusste nicht, ob die Gnade sich auch ihm zuwenden würde. Er wurde in seinem Vertrauen nicht enttäuscht.

Dadurch, dass er die Reinigungsvorschriften eines geheilten Aussätzigen erfüllte, musste der Priester erkennen, dass Gott unter ihnen war, denn der Aussatz war aus der Sicht der Menschen unheilbar.

Wenn die Gnade sich bei der Heilung des Aussätzigen in ihrer reinigenden Wirkung zeigte, so sehen wir bei dem Gelähmten, wie die Gnade vergibt. Das war die Antwort des Herrn Jesus auf die grossen Bemühungen des Glaubens dieser vier Männer. Trotz der Hindernisse brachten sie ihren kranken Freund, der ebenfalls glaubte, vor Ihn.

Nicht alle hörten dem Herrn Jesus aufrichtig zu. Pharisäer und Gesetzeslehrer waren mit kritischer Einstellung aus Jerusalem gekommen, um zu hören, was dieser unbekannte Lehrer zu sagen hatte. Als Er von Sündenvergebung sprach, fragten sie sofort: «Wer kann Sünden vergeben, ausser Gott allein?» Darin hatten sie recht. Aber als der Herr Jesus ihnen durch die Heilung des Gelähmten bewies, dass Er Gott, der Herr, war, wie Ihn Psalm 103,3 beschreibt, wollten sie nicht an Ihn glauben. Der Geheilte aber hatte nicht nur die Vergebung seiner Sünden empfangen, sondern auch die Kraft, um aufzustehen und nach Hause zu gehen. Diese wunderbare Entfaltung der Gnade führte zur Verherrlichung Gottes durch den Geheilten und all jene, die das Ganze mit Staunen verfolgt hatten.

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Gnade kontra Gesetz

In der nächsten Begebenheit sehen wir, wie der Herr Jesus in seiner Gnade zum Anziehungspunkt für Levi wurde. Die Aufforderung: «Folge mir nach!», beantwortete der Zöllner sofort, indem er alles verliess, aufstand und dem Herrn nachfolgte.

«Alles verlassen» heisst hier nicht, dass er nicht mehr in sein Haus zurückkehrte. Es bedeutet, dass Levi nun alles, was er war und besass, seinem Herrn und Meister zur Verfügung stellte. In diesem Sinn gehörte es nicht mehr ihm. Er hatte es verlassen.

Dass er seinen Besitz in den Dienst Jesu stellte, sehen wir aus Vers 29. Levi nahm die Gelegenheit wahr, ein grosses Mahl zu machen und viele Kollegen und andere einzuladen, damit auch sie den Herrn Jesus kennenlernten. Wieder regte sich der Widerstand der religiösen Führer der Juden, die den Jüngern Jesu vorwarfen, mit Sündern zu essen. Wie schön ist die Antwort des Herrn! Er war für die gekommen, die wussten, dass sie einen Heiland brauchten. Die Selbstgerechten standen sich selbst im Weg.

Der Schluss des Kapitels zeigt, dass die Zeitperiode des Gesetzes ihrem Ende zuging und etwas Neues begann: die Zeit der Gnade. Gesetz, das vom Menschen nur fordert, und Gnade, die unverdientermassen gibt, sind unvereinbar. Das wollte der Herr mit den Illustrationen in den Versen 36-38 deutlich machen.

Warum wird der alte Wein (das Gesetz) von vielen vorgezogen? Weil das Gesetz vom natürlichen Menschen etwas fordert und er sich lieber bemühen will, als zuzugeben, dass er Gott nicht gefallen kann.

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Die Sabbatfrage

Als die Jünger am Sabbat Ähren abpflückten und die Körner im Gehen assen, betrachteten die streng religiösen Leute dies als Übertretung des Sabbatgebots. Der Herr musste ihnen klarmachen, dass es nicht um das peinlich genaue Einhalten unbiblischer Sabbatgebote ging, sondern um die Anerkennung des Sohnes des Menschen. Er, der vor ihnen stand, war auch Herr des Sabbats. Doch sie verwarfen Ihn, von dem David ein schwaches Vorausbild war. Obwohl dieser zum König über Israel gesalbt war, wurde er verworfen und verfolgt.

Ein weiteres Mal suchten die Feinde Jesu eine Anschuldigung gegen Ihn, als sie Ihn am Sabbat in der Synagoge belauerten. Jesus Christus, der wirklicher Mensch geworden ist, hat seine Gottheit nie aufgegeben. Das ist das Geheimnis seiner Person: Gott und Mensch in einer Person. Deshalb kannte Er auch die Überlegungen der Schriftgelehrten und Pharisäer.

Er forderte den Mann auf, den die Feinde als Testobjekt betrachteten, in die Mitte zu treten. Dann fragte Er sie, ob es erlaubt sei, am Sabbat Gutes oder Böses zu tun. Keine Antwort, obwohl Er sie alle anschaute! Da heilte Er den Mann mit der verdorrten Hand.

Welche Wirkung hatte diese Heilung auf die Anwesenden? «Sie aber wurden mit Unverstand erfüllt und besprachen sich untereinander, was sie Jesus tun sollten.» Miteinander gegen Ihn! Und das alles, weil Gott in einer Welt, die durch die Sünde des Menschen und die Listen Satans ruiniert war, Gutes tun wollte!

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Berufung der Apostel

Als Mensch stand der Herr hier vor einer grossen Aufgabe: die Berufung seiner zwölf Jünger, die Er auch Apostel nannte. Seine Abhängigkeit von Gott und seine Unterordnung unter dessen Willen kommt hier sehr schön zum Ausdruck: «Er verharrte die Nacht im Gebet.»

Am andern Tag rief Er dann die Zwölf herzu, die seine Apostel werden sollten. Der letzte Name erstaunt uns vielleicht: Judas Iskariot, der auch sein Verräter wurde. Hatte der Herr bei der Berufung von Judas einen Fehler gemacht? Nein, unmöglich! Als Mensch beging Er nach einer Nacht des Gebets keinen Fehler, und als Gott wusste Er, wer Judas war. Doch Er gab ihm eine einmalige Chance. Die ganze Zeit des Dienstes des Heilands durfte dieser Mann in seiner Nähe sein und alles direkt miterleben. Leider verharrte Judas im Unglauben.

Als der Herr vom Berg herunterkam, war Er sogleich wieder der Mittelpunkt des Interesses von vielen. Sogar aus dem Ausland waren die Menschen mit ihren Bedürfnissen nach Körper und Seele zu Ihm gekommen. Keiner wurde enttäuscht. Er heilte alle.

Aber diesen zentralen Platz unter den Menschen gönnten Ihm die Obersten des Volkes nicht. In ihrer Eifersucht versuchten sie Ihn zu beseitigen. Auch heute will man dem Herrn Jesus nicht den Platz geben, der Ihm zusteht. Aber welchen Platz geben wir Ihm in unserem persönlichen Leben? Hat Er da wirklich den ersten und zentralen Platz?

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Die Feinde lieben

Die Belehrungen des Herrn Jesus in diesem Abschnitt richten sich ausdrücklich an seine Jünger, nicht nur an die Zwölf, sondern an alle Glaubenden, die Ihm nachfolgen wollen. Vergleicht man diese Verse mit den ähnlich lautenden Aussagen in der Bergpredigt (Matthäus 5 – 7), fällt auf, dass sie hier viel direkter sind. Der Herr spricht im Lukas-Evangelium seine Zuhörer persönlich an. Im Weiteren werden hier nicht Juden, Zöllner und Nationen unterschieden. Es geht einfach um Menschen, um Sünder. Wir dürfen diese Verse direkt auf uns anwenden. Möchten wir sie beherzigen und ausleben!

Als Glaubende, die den Fussstapfen unseres Herrn nachfolgen wollen, sollen wir uns nicht wie die Allgemeinheit verhalten. Sie möchte für ihr Gutestun entschädigt werden. Wir sollen etwas von der empfangenen Gnade ausleben. Alles, was wir von Gott bekommen haben, war unverdient. Und so sollen wir barmherzig sein, «wie auch unser Vater barmherzig ist» und sogar unsere Feinde lieben. Auf diese Weise zeigen wir, zu welcher Familie wir gehören. Unser Verhalten wird uns als Söhne des Höchsten kennzeichnen.

Es wird nicht immer leicht sein, die Gnade in dieser Weise auszuleben, d.‍ ‍h. zu lieben, Gutes zu tun, zu leihen, nicht zu richten, nicht zu verurteilen, loszulassen, zu geben. Doch der Gott aller Gnade will uns dafür reich belohnen, d.‍ ‍h. ein gutes, gedrücktes, gerütteltes und überlaufendes Mass geben. Was wollen wir noch mehr?

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Demut und Gehorsam

Die Grundsätze, die der Herr Jesus in diesen Versen vorstellt, gelten auch für die Zeit, in der wir leben, und für uns persönlich. Gibt es in der Christenheit nicht manche Menschen, die anderen auf religiösem oder seelsorgerlichem Gebiet helfen wollen, ohne dass sie eine persönliche Glaubensbeziehung zum Herrn Jesus haben? (Vers 39).

Wir alle neigen dazu, die Fehler beim anderen zu sehen. Bei uns aber übersehen wir sie. Und wenn wir zugeben, dass auch wir Fehler machen, sehen wir sie dann wirklich als Balken gegenüber dem Splitter im Auge des Nächsten? Ohne ernstes Selbstgericht werden wir dem Bruder nicht helfen können.

Die Äusserungen im Leben zeigen, wie es in unserem Inneren aussieht. Aus unseren Taten (Früchte) und Worten können die Menschen auf unseren Herzenszustand schliessen. Der «gute» Mensch ist einer, der an den Herrn Jesus als seinen Heiland glaubt. Erkennen die Menschen, dass wir Dem gehorchen wollen, der für uns gestorben ist und den wir als unseren Erlöser, aber auch als unseren Herrn bekennen?

Das Hören erfolgt meistens ohne grosse Anstrengung; aber das Tun verlangt einiges an Energie. Der Mann, der sein Haus auf die Erde baute, ohne Grundlage, wählte den Weg des geringsten Aufwandes. Sein Haus hielt den Fluten nicht stand. Wie viel geistliche Energie wenden wir auf, um das, was wir aus der Bibel gelernt haben, auch zu tun? Lasst uns unser Lebenshaus auf Felsengrund bauen!

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Der Hauptmann und sein Knecht

Der Hauptmann, dessen Sklave so schwer krank war und im Sterben lag, war ein römischer Offizier, also kein Jude von Geburt. Aber er glaubte an den Gott Israels, denn er hatte den Juden eine Synagoge erbaut. Und er setzte sein Vertrauen auf Den, der von Gott gekommen war und als wahrer Mensch hier lebte und die Gnade Gottes offenbarte.

Aber welch eine Demut zeigte er! Er fand sich nicht würdig genug, selbst zum Heiland zu gehen. So sandte er zunächst Älteste der Juden zu Ihm mit der Bitte, seinen Knecht gesund zu machen. Als der Herr unterwegs zu seinem Haus war, sandte er Freunde zu Ihm, um Ihm sagen zu lassen, er sei nicht würdig, dass Er unter sein Dach trete. Er war von der Autorität des Herrn überzeugt. Ein Wort von Ihm würde genügen, um seinen Sklaven zu heilen. Er wusste, wovon er sprach, denn er selbst hatte einen kleinen Autoritätsbereich, in dem sein Wort Macht hatte.

Der Herr Jesus bezeichnet den Glauben dieses Römers als gross, ja, er war grösser als das, was Er in Israel gefunden hatte. Können auch wir einen grossen Glauben haben? Ja, wenn wir den Herrn einfach bei seinem Wort nehmen, ohne Rücksicht auf Urteile, Gefühle oder Erfahrungen.

Wir hören nicht, dass der Herr ein besonderes Wort gesprochen hätte. Doch der grosse Glaube des Hauptmanns wurde beantwortet: Die Abgesandten fanden zu Hause einen gesunden Knecht vor.

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Ein Toter wird auferweckt

Die Verse 11-17 zeichnen uns ein anderes Bild der Gnade, die der Herr Jesus offenbart hat. Hier sehen wir keinen tätigen Glauben, sondern göttliches Mitleid und göttliche Vollmacht. Die Gnade zeigt sich auch auf diese Weise. Der Herr Jesus, umringt von einer grossen Volksmenge, nähert sich der Stadt Nain. Aus der Stadt kommt ebenfalls eine zahlreiche Volksmenge. Sie begleitet eine Witwe, die ihren einzigen Sohn zu Grabe trägt. Die eine Volksmenge hatte das Leben in ihrer Mitte, die andere den Tod.

Ohne Bitte, ohne irgendeine äussere Veranlassung übernimmt der Herr die Initiative. Voll tief empfundenem Mitleid tröstet Er die Witwe mit den Worten: «Weine nicht!» Dann ruft Er mit göttlicher Autorität den jungen Mann ins Leben zurück und gibt ihn der trauernden Mutter. Welch einen gütigen und gnädigen Herrn haben wir doch!

Wir können die Frage des im Gefängnis schmachtenden Johannes verstehen. So viele Wunderwerke geschahen durch die Hand des Herrn Jesus, aber er blieb im Gefängnis. Warum? War der nach ihm Gekommene wirklich der Messias? Er war es. Vor den Augen aller erfüllten sich die Verheissungen des Alten Testaments, die den Messias und sein Tun ankündigten. Aber Er konnte seine öffentliche Herrschaft noch nicht antreten. Das Volk, vor allem die Führer, nahmen Ihn nicht an, sondern lehnten Ihn ab und verwarfen Ihn. Sein Weg führte daher nicht zum Thron, sondern zum Kreuz. Glückselig, wer trotzdem an Ihn glaubte!

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Johannes der Täufer und Christus

Nachdem die Boten des Johannes weggegangen waren, sprach der Herr Jesus über seinen Vorläufer. Er war der grösste Prophet des alten Bundes, denn er sah den Messias, den er ankündigte. Dieses Vorrecht hatte keiner der Propheten des Alten Testaments.

Aber dann sprach der Herr von einer neuen Zeitperiode, vom Reich Gottes. Es ist die Zeit, in der wir leben. Wir stehen in einer viel engeren Beziehung zu Gott als die Glaubenden unter dem Gesetz. Wir sind Kinder und Söhne Gottes. Darum sagte der Herr: «Der Kleinste aber im Reich Gottes ist grösser als er» – nicht in moralischer Hinsicht, aber in seiner Stellung vor Gott.

Nachdem der Herr von Johannes dem Täufer gesprochen hatte, redete Er auch von der Reaktion der Menschen auf die Predigt zur Buße. Viele waren sich ihres Zustands vor Gott bewusst, taten Buße und liessen sich taufen. Die selbstgerechten Pharisäer und Gesetzgelehrten verwarfen dieses Zeugnis. Indem sie meinten, nicht Buße tun zu müssen, entzogen sie sich dem, was Gott auch für sie bereitet hatte: das Heil, das der Erlöser brachte. Jene aber, die auf die Predigt von Johannes reagierten, waren auch offen für den Herrn Jesus, der für sie gekommen war (Lukas 5,31.32).

Die Verse 31-35 sind eine gleichnishafte Beschreibung der ungläubigen Menschen damals. Sie beugten sich weder unter den herzerforschenden Dienst von Johannes, noch freuten sie sich über die Gnade in Jesus Christus. – Die wenigen, die beide Zeugnisse annahmen, waren die Kinder der Weisheit.

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Die weinende Sünderin

Ein Pharisäer, der eigentlich zu den Gegnern des Herrn Jesus gehörte, lud Ihn zum Essen ein. Obwohl der Herr wusste, dass Er nicht herzlich empfangen würde, nahm Er in seiner Gnade die Einladung an.

Eine Frau, die das Wort eine Sünderin nennt, benutzte die Gelegenheit für eine Begegnung mit dem Heiland. In ihrem Herzen war eine tiefe Reue über ihr sündiges Leben. Das zeigen ihre Tränen. Sie war überzeugt, dass der Herr Jesus ihr helfen könne. Darum war sie gekommen. Ja, sie hatte bereits eine brennende Liebe zu Ihm. Das sehen wir an dem kostbaren Salböl, mit dem sie seine Füsse salbte, und an den vielen Küssen, mit denen sie seine Füsse küsste. Was ihr fehlte, war die Heilsgewissheit.

Der Gastgeber betrachtete die Szene und machte sich seine Gedanken. «Wenn dieser ein Prophet wäre …» Er war mehr: der Erlöser. Gerade für solche wie diese sündige Frau war Er auf die Erde gekommen. Doch Er vergass auch seinen Gastgeber nicht. In Liebe und Gnade versuchte Er das Herz des selbstgerechten Mannes zu erreichen, der seine Gnade ebenso nötig hatte (Verse 41.42). Ob er den Herrn Jesus und sein Angebot angenommen hat, wissen wir nicht.

Aber die Frau durfte vom Heiland die Zusicherung hören: «Deine Sünden sind vergeben. Dein Glaube hat dich gerettet; geh hin in Frieden.» Nicht der Kummer und die Tränen hatten sie gerettet, sondern ihr Glaube an den Erlöser. Nun hatte sie sein Wort, was ihr absolute Sicherheit des Heils gab. Darauf konnte sie sich stützen und mit innerer Ruhe weitergehen.

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Der Sämann sät das Wort

Auf seinem Weg durch Stadt und Dorf begleiteten auch einige Frauen den Herrn Jesus. Sie hatten Ihm so viel zu verdanken, denn Er hatte sie von bösen Geistern und Krankheiten geheilt. Nun stellten sie sich ihrem Retter und Wohltäter zur Verfügung, indem sie Ihm mit ihrer Habe dienten.

Das Gleichnis vom Sämann zeigt, dass das verkündigte Wort bei den Menschen, die es hören, auf sehr unterschiedliche Herzenszustände trifft. Das war damals so, und das ist heute nicht anders.

Da gibt es solche, deren Herz so hart wie ein festgetretener Weg ist. Wenn das Evangelium sie erreicht, ist der Teufel sofort zur Stelle, um das Wort wegzunehmen, damit sie es nicht glauben und errettet werden. – Andere stimmen der göttlichen Botschaft freudig zu. Aber das Wort Gottes kann bei ihnen nicht wirklich in Herz und Gewissen dringen. Oberflächliche Menschen haben keinen Bestand. Wenn es schwierig wird, geben sie alles wieder auf. – Der dritte Herzenszustand zeigt, dass sowohl die Sorgen als auch der Reichtum oder die Vergnügungen des Lebens das Herz derart erfüllen können, dass das gehörte Wort erstickt wird. Man ist so von anderem erfüllt, dass das Wort Gottes richtiggehend verdrängt wird.

Wer aber das gehörte Wort aufrichtig und bereitwillig aufnimmt und bewahrt, bei dem kann der Same aufgehen und Frucht bringen, und dies mit Ausharren. Das bedeutet wohl, dass es im Leben eines Glaubenden Schwierigkeiten und Erprobungen geben kann. Doch das soll kein Hindernis für das Fruchtbringen sein.

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Mit dem Herrn im Sturm

Die Verse 16 und 17 schliessen direkt an Vers 15 an. Der Herr Jesus möchte, dass alle, die sein Wort in einem redlichen und guten Herzen aufgenommen haben und bewahren, auch ein Zeugnis gegenüber anderen Menschen sind. Sehen meine Mitmenschen zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, dass ich an den Herrn Jesus glaube?

Wie ernst ist Vers 18! Die Menschen, deren Herz dem felsigen oder dornigen Ackerboden gleicht, meinen etwas zu haben. Doch es fehlt ihnen das wahre Leben. Sie werden schliesslich alles verlieren.

Die Mutter Jesu und seine Brüder sind hier ein Bild des jüdischen Volkes. Der Herr löst sich von denen, die Ihn nicht annehmen wollen und wendet sich denen zu, die das Wort Gottes hören und befolgen. Diese bilden nun seine Familie. Seine Mutter gehörte damals schon dazu, und später glaubten auch seine Brüder an Ihn (1. Korinther 9,5; Galater 1,19).

In der Nachfolge des Herrn Jesus läuft nicht immer alles glatt. Das erfuhren auch die Jünger bei ihrer Überfahrt. Zwar hatten sie ihren Meister mit im Boot. Doch Er schlief, auch als der Sturm aufkam und das Schiff voll Wasser lief. – Wir können die Not der Jünger nachvollziehen. Aber lasst uns bedenken: Der Herr hatte sie aufgefordert, ans jenseitige Ufer zu fahren. Sie waren also auf einem gottgewollten Weg. Zudem war Er mit im Schiff. Sie brauchten wirklich nicht zu verzweifeln. Doch sie hätten vertrauen sollen. Daran fehlt es auch bei uns oft. Trotz des Mangels an Glauben lässt Er uns in seiner Gnade nicht im Stich.

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Befreiung aus der Macht Satans

Der Mann, der dem Herrn Jesus entgegenkam, war ein Sklave Satans und der Sünde – das eindrückliche Bild eines nicht erlösten Menschen. Die ungläubigen Menschen meinen zwar, sie seien frei, sie könnten tun und lassen, was sie wollten. Dass dies nicht stimmt, illustriert Vers 29. Wie viele versuchten den Menschen zu kultivieren und zu verbessern. Alle Bemühungen sind zum Scheitern verurteilt. Es gibt für uns Menschen nur ein Heilmittel, um aus der Macht Satans, die durch die gefallene Natur des Menschen wirkt, befreit zu werden: den Herrn Jesus im Glauben als Heiland annehmen.

Die Veränderung, die mit einem Menschen geschieht, der an den Herrn Jesus glaubt, illustriert Vers 35. Der Mann, der nackt in den Grabstätten lebte, sitzt bekleidet und vernünftig zu den Füssen Jesu. Auf die Bekehrung übertragen können wir sagen: Befreit von der Knechtschaft der Sünde, mit Kleidern des Heils und dem Mantel der Gerechtigkeit bekleidet (Jesaja 61,10; Lukas 15,22), vernünftig, d.‍ ‍h. fähig zu denken, wie Gott denkt, und beim Heiland zur Ruhe gekommen (sitzend).

Dass der Geheilte wünschte, bei seinem Retter zu bleiben, verstehen wir gut. Doch der Herr hatte eine Aufgabe für ihn. Da die Bewohner jener Gegend Jesus wegwiesen, sollte er als sein Zeuge dort bleiben. Was er zu tun hatte, war einfach: «Erzähle, wie viel Gott an dir getan hat.» Heute sind wir Glaubende in einer Welt zurückgelassen, die den Herrn Jesus hinausgeworfen und gekreuzigt hat. Wir dürfen den Menschen ebenfalls weitersagen, was wir in Ihm gefunden haben.

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Heilung vom Blutfluss

Von Jairus, dem Synagogenvorsteher, lernen wir, dass wir mit jeder Not zum Herrn Jesus kommen dürfen. Es gibt nichts, was wir Ihm im Gebet nicht sagen könnten. Aber manchmal kommt die Hilfe, die wir so dringend nötig haben, nicht so schnell. Dann wird unser Glaube und unser Vertrauen zum Herrn auf eine harte Probe gestellt, wie dies bei Jairus der Fall war.

In dieser Volksmenge, die den Herrn auf dem Weg zum Haus von Jairus umdrängte, gab es noch jemand anders, der eine grosse Not hatte. Zwölf Jahre litt diese Frau an ihrer Krankheit, und kein Arzt konnte ihr helfen. Aber wie es in einem Lied heisst: «Wo der Menschen Hilf zu Ende, bleiben mächtig seine Hände», so war es auch hier. Im festen Glauben, dass der Heiland ihr helfen könne, und mit dem Gedanken, dass es genüge, die Quaste seines Gewands anzurühren, kam sie von hinten zu Jesus. Ihr Glaube wurde herrlich belohnt.

Doch warum wollte der Herr wissen, wer Ihn angerührt hatte? Als der Allwissende wusste Er es doch! Es ging Ihm um diese Frau. Sie sollte zu wirklicher Heilsgewissheit kommen. In Römer 10,9 werden der Glaube des Herzens und das Bekenntnis mit dem Mund als Voraussetzungen genannt, um errettet zu werden. So war es hier. Nachdem die Frau alles bekannt hatte, durfte sie mit der Zusicherung des Herrn: «Dein Glaube hat dich geheilt; geh hin in Frieden», nach Hause gehen. Nun konnte sie sich auf sein Wort stützen und musste sich nicht auf ihre gemachte Erfahrung verlassen.

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Auferweckung aus dem Tod

Über die Nöte und Ängste im Herzen von Jairus als der Gang des Herrn Jesus zu seinem Haus verzögert wurde, wird uns nichts gesagt. Doch nun kam das Schwerste. Einer brachte ihm die niederschmetternde Nachricht vom eingetretenen Tod seiner Tochter. Für die Menschen war jetzt jede Hoffnung dahin. Nicht aber für den Herrn Jesus, der das Leben ist. Als Erstes tröstet und beruhigt Er das Herz des schwergeprüften Vaters. So handelt Er auch uns gegenüber. Wenn wir Ihm unsere Nöte und Probleme vorbringen, will Er zuerst unsere Herzen mit dem Frieden Gottes erfüllen und uns ruhig machen (Philipper 4,6.7). Welch eine Gnade!

Unabhängig davon, wie die Menschen die Lage beurteilten, ging der Herr den Weg weiter bis zum Haus von Jairus. Dort erlaubte Er nur drei seiner Jünger, dem Vater und der Mutter des Mädchens ins Haus einzutreten, wo die verstorbene Tochter lag. Zu den Klagenden und Weinenden, die nicht dabei sein durften, sagte Er: «Weint nicht, denn sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft.» Als Herr über Leben und Tod wusste Er, was Er tun wollte. Für Ihn schlief sie. Doch Er wurde von denen verlacht, die Ihn nicht als den Sohn Gottes anerkannten.

Dann rief Er das Mädchen ins Leben zurück und wies die Eltern an, ihr zu essen zu geben. Wie wichtig ist diese Aufforderung für alle, die mit Neubekehrten zu tun haben! Diese brauchen dringend die nötige, ihrem geistlichen Zustand angepasste, geistliche Nahrung, damit ihr neues Leben gedeihen kann.

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Der Herr senden zwölf Jünger aus

In Lukas 6, wo der Herr die Zwölf erwählt, werden sie Apostel genannt, was «Gesandte» bedeutet. Jetzt war der Augenblick gekommen, da Er sie als seine Gesandten ausschickte, um das Reich Gottes zu predigen und die Kranken zu heilen. Zu diesem Dienst, der seinem eigenen glich (Lukas 9,11; 8,1.2), rüstete Er sie mit der nötigen Vollmacht aus. Auch heute beruft der Herr Jesus keinen der Seinen in einen Dienst, ohne ihn nicht mit allem dazu Nötigen auszurüsten. Wir haben wirklich den besten Herrn und Meister, dem wir dienen dürfen!

Als Gesandte des Messias, der bei ihnen auf der Erde lebte, brauchten sie sich nicht um die äusseren Belange zu kümmern. Er versorgte sie mit allem. Es fehlte ihnen nichts (Lukas 22,35).

Die Nachricht über das, was durch die Apostel geschah, kam bis an den Hof von König Herodes. Das weckte sein Gewissen auf, weil er Johannes den Täufer enthauptet hatte. War dieser vielleicht auferstanden und drohte ihm nun die Strafe für den begangenen Mord?

Um Klarheit zu bekommen, hätte er gern Näheres über Jesus Christus gewusst. «Er suchte ihn zu sehen.» Er bekam Ihn tatsächlich zu sehen, und zwar als Gefangener der Juden und der Römer (Lukas 23,6-12). Seine Neugier wurde aber nicht gestillt. Weder wirkte der Herr ein Zeichen vor ihm, noch gab Er ihm eine Antwort auf seine vielen Fragen. An jenem Tag regte sich das Gewissen von Herodes nicht mehr. Nun hatte er nur noch Hohn und Spott für Jesus übrig.

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Die Speisung der Volksmenge

Jeder Diener des Herrn darf seine im Dienst gemachten Erfahrungen mit seinem Meister besprechen. Wie wichtig und nötig ist dies für jeden von uns! So kamen auch die Apostel zurück und erzählten Ihm alles, was sie getan hatten. Vermutlich waren sie ganz erfüllt von allem, was sie erlebt hatten. Nun nahm der Herr sie mit und zog sich mit ihnen in die Stille zurück.

Dieses Sich-Zurückziehen dauerte nicht lange. Bald war Er wieder von Volksmengen umgeben, die Ihm nachgelaufen waren. In seiner Gnade war der Herr sofort wieder bereit, sie aufzunehmen und ihren geistlichen und körperlichen Bedürfnissen zu entsprechen. Nie dachte Er an sich, immer nur an die anderen!

Gegen Abend sorgten sich die Jünger um das leibliche Wohl der vielen Zuhörer, denn diese waren ihnen an einen öden Ort nachgefolgt. Wie gut, dass sie ihre Sorge ihrem Herrn vorlegen konnten! Doch nun prüfte Er sie. «Gebt ihr – die kurz vorher mit Vollmachten von Ihm ausgestattet worden waren – ihnen zu essen.» Sie bestanden den Test nicht. Anstatt sich auf Ihn, die Quelle aller Kraft, zu stützen, schauten sie auf das Sichtbare; und dieses war völlig unzureichend für den Hunger der grossen Menge. Wie oft machen auch wir diese Erfahrung!

Die Gnade des Herrn aber nahm das vorhandene Wenige und segnete es so, dass alle mehr als genug zu essen bekamen. Und die Jünger, die soeben versagt hatten, durften die Kanäle des Segens werden, der vom Herrn zu allen ausging! Wie gross ist seine Barmherzigkeit!

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Dem abgelehnten Herrn nachfolgen

Im Lukas-Evangelium stossen wir immer wieder auf Bibelstellen, die ausdrücklich sagen, dass der Herr betete. Er war wirklicher Mensch, der sich seiner Abhängigkeit von Gott bewusst war und Tag für Tag darin lebte. Welch ein Vorbild für uns alle!

Die Meinungen über seine Person gingen schon damals auseinander. Auch heute kursieren die verschiedensten Ansichten über Jesus Christus. Nur der Glaube erkennt, wer Er wirklich ist. Dieser demütige Mensch, der damals lebte und auf dem Weg zum Kreuz war, wo Er zur Erlösung sündiger Menschen sterben wollte, war und ist der Christus Gottes, d.‍ ‍h. der Messias und der Sohn Gottes (Lukas 1,32.35). Da im Lukas-Evangelium die Betonung auf seiner Menschheit liegt, fährt der Herr fort, von sich als dem Sohn des Menschen zu reden. Gleichzeitig zeigt Er den Jüngern, wohin sein Weg der Leiden und der Verwerfung führen würde: zum Tod am Kreuz von Golgatha. Doch am dritten Tag würde Er auferstehen.

Die Jünger mussten lernen, ihre Hoffnungen nicht länger auf den Messias zu setzen, sondern bereit zu sein, einem von der Welt verworfenen Herrn nachzufolgen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Doch eine solche Nachfolge verlangt Selbstverleugnung. Aber sie lohnt sich! Denn wer Ihm heute in Treue und Selbstverleugnung nachfolgt, wird dereinst seine Herrlichkeit als Sohn des Menschen mit Ihm teilen. Einige der anwesenden Jünger durften noch vor ihrem Tod einen Blick auf jene Herrlichkeit werfen (Lukas 9,28-36).

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Ein Blick in die herrliche Zukunft

Aufs Neue heisst es vom Herrn Jesus, wie Er betete – dort auf dem Berg der Verklärung. Nun sahen die drei Jünger, die Er mitgenommen hatte, wie sich sein Aussehen veränderte. Das war nicht mehr der demütige Sohn des Menschen, den sie bis dahin kennengelernt hatten, sondern eine strahlend herrliche Person.

Die ganze Szene, die sich dort auf dem Berg abspielte, zeigt ein eindrückliches Bild der zukünftigen Herrlichkeit des Reiches Gottes. Mose und Elia, die mit dem Herrn in Herrlichkeit erscheinen, stellen Gläubige dar: Mose die gestorbenen und auferweckten, Elia die entrückten himmlischen. Das Gesprächsthema dieser drei Personen ist der Tod des Herrn in Jerusalem, eine Sache, die die Gedanken von Himmel und Erde beschäftigen. Die drei Jünger stellen den gläubigen Überrest des Volkes Israel in der Zukunft dar. Dieser wird dann unter der Herrschaft des Herrn Jesus auf der Erde leben.

Die zentrale Stellung gehört allein dem Herrn Jesus. Als Petrus einen Vorschlag machte und damit seinen Meister mit Mose und Elia auf die gleiche Stufe stellen wollte, kam die Wolke der Gegenwart Gottes über sie und eine Stimme – es war die Stimme Gottes, des Vaters – bezeugte die Einzigartigkeit seines geliebten Sohnes. Auf diesen Sohn sollten sie und sollen wir hören. Dann verschwanden Mose und Elia. «Jesus wurde allein gefunden.» Vor dieser einmaligen herrlichen Person müssen das Gesetz (Mose) und die Propheten (Elia) zurücktreten.

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Hilf meinem Sohn!

Welch ein Gegensatz zur Szene auf dem Berg! Nun befinden wir uns wieder mitten in der Welt, die noch nicht unter der Herrschaft des Herrn Jesus, sondern unter der Macht Satans steht. Aber hatte der Herr seine Apostel nicht mit Vollmacht und Kraft ausgesandt? (Lukas 9,1.2). Wo blieb die «Kraft und Gewalt über alle Dämonen»? Überstieg der Zustand dieses armen Jungen ihre Möglichkeiten? Nein, aber es fehlte ihnen der feste Glaube an die Kraft Gottes, und das betrübte den Herrn sehr. Er stand im Begriff, am Kreuz zu sterben und dann die Jünger zu verlassen, aber es gab noch so viel Unglauben bei ihnen.

Es genügt nicht, mit Jesus zu sein und seine Gaben zu besitzen. Glauben ist nötig, um sie anzuwenden. Der Knabe ist ein Bild der Macht Satans über den Menschen. Nur Gott kann sein Geschöpf davon befreien. Aber die Macht Gottes fand sich im Herrn Jesus und stand dem Glauben derer zur Verfügung, die Er zum Austreiben von Dämonen befähigt hatte.

Und was können wir von diesem Vater lernen? Wir dürfen all unsere Schwierigkeiten und Nöte – ob sie uns persönlich, unsere Familie oder unsere Mitglaubenden betreffen – zum Herrn Jesus bringen und sie Ihm im Gebet sagen. Wenn wir dies im Vertrauen tun, werden wir die Antwort bekommen, die seine Liebe uns zugedacht hat. Lasst uns beim glaubensvollen Gebet nie vergessen: Unsere Schwierigkeiten sind für Gott absolut kein Problem!

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Unverständnis und Hochmut

Wenn wir gestern Mangel an Glauben bei den Jüngern gesehen haben, so kommt jetzt noch ein Mangel an Verständnis dazu. Als der Herr Jesus zum zweiten Mal von seinem Tod sprach (vergleiche Lukas 9,22), sagt der inspirierte Text: «Sie aber verstanden dieses Wort nicht, und es war vor ihnen verborgen, damit sie es nicht begriffen.» Warum fanden die einfachen Worte ihres Meisters über das, was Ihn erwartete, keinen Eingang in ihre Herzen? Weil sie von den Vorstellungen über die Herrlichkeit des kommenden Reiches derart erfüllt waren, dass sie keinen anderen Gedanken zulassen wollten. Sie waren nicht bereit, sich mit dem Gedanken seiner Verwerfung zu beschäftigen, denn dann hätten sie ihre eigenen hochtrabenden Vorstellungen begraben müssen.

Die Apostel dachten wohl alle, dass sie im Reich des Messias eine wichtige Position einnehmen würden. Aber wer von ihnen würde der Grösste sein? – Der Herr, der ihre Überlegung sah, belehrte sie anhand eines Kindes, das keine Ansprüche in dieser Welt hat und in der Bewertung der Menschen keinen besonderen Platz einnimmt. Das war eigentlich seine Lage, als sein Volk Ihn verwarf. Nun ging es darum, dass die Jünger Ihn als den Verworfenen aufnahmen. Dann würden sie auch klein in den Augen der Welt, aber gross vor Gott sein.

Die Antwort des Herrn auf den Einwand von Johannes ist bedeutsam. Es zeigte sich damals schon, dass eigentlich die ganze Welt gegen Christus war (sie ist es heute noch). Wer daher etwas im Namen Jesu tat, stellte sich unweigerlich auf seine Seite.

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Unterweisungen für Jünger

Ab Vers 51 beginnt in diesem Evangelium der letzte Weg des Herrn Jesus nach Jerusalem, wo Er am Kreuz sterben sollte. Als Er mit Entschiedenheit und ohne sich durch irgendetwas hindern zu lassen, diesen schweren Weg des Willens Gottes ging, musste Er auch die Ablehnung der Samariter erfahren. Jakobus und Johannes, die noch kaum etwas von der Sanftmut und Gnade ihres Meisters gelernt hatten, wollten diese mit Gericht bestrafen.

In den Versen 57-62 wird das Thema der Nachfolge des Herrn Jesus behandelt. Da dieser Abschnitt nach Vers 51 steht, geht es um die Nachfolge eines von den Menschen verworfenen und gekreuzigten Herrn und Meisters. Der Erste, der Ihm nachfolgen wollte, scheint die Kosten der Nachfolge nicht überschlagen zu haben. Wenn er für diese Erde einen Vorteil erwartete, musste der Herr ihm klarmachen: Du folgst einem Meister, der hier kein Zuhause, nicht einmal einen Ort hat, wo Er sein Haupt in Ruhe hinlegen kann. Der Zweite, den der Herr in seine Nachfolge rief, wollte zuerst seinen Verpflichtungen in den natürlichen Beziehungen nachkommen. Der Dritte wollte zuvor in angemessener Weise von seinen Angehörigen Abschied nehmen. Echte Jüngerschaft ist aber nur möglich, wenn der Herr in jeder Hinsicht zuerst kommt, wenn seine Rechte über alles andere gestellt werden. Wer nur mit halbem Herzen nachfolgt, gleicht dem Pflüger, der ständig zurückblickt. Er wird keine gerade Furche ziehen können. Halbherzige sind für das Reich Gottes untauglich. Haben wir das auch schon bedacht?

Buchtipp: Bibel-Auslegung zum Lukas-Evangelium

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Einleitung

In den Psalmen 41 – 72 lesen wir von Erfahrungen, die einzelne Gläubige in notvollen Zeiten mit dem Herrn gemacht haben. Ihr Beispiel ermutigt uns, in Schwierigkeiten auf Gott zu vertrauen. Zugleich reden diese Psalmen prophetisch von den Gläubigen aus dem Volk Israel in der Zukunft. Sie werden in grosser Bedrängnis zu Gott rufen und seine Rettung erfahren. Christus wird sie in das Friedensreich einführen.

Der Gläubige sehnt sich nach Gott

Obwohl die Psalmen vorwiegend prophetisch sind, enthalten sie auch für uns Christen praktische Unterweisungen, denn wie jene Gläubigen des Alten Testaments stehen auch wir unter der Regierung Gottes. Zudem ist ihr Gott auch unser Gott, den wir durch den Glauben an Jesus Christus jetzt als unseren Vater kennen dürfen.

Die Psalmen 42 und 43 gehören zusammen und bilden die Einleitung oder das Vorwort zum zweiten Psalmbuch (Psalmen 42 – 72). Der Psalmdichter ist sehr niedergeschlagen und sehnt sich nach Gott, nach Gemeinschaft mit Ihm im Haus des Herrn. Wenn er an früher Erlebtes denkt, als er mit vielen zusammen voll Jubel und Lob zum Tempel zog, dann wird er erst recht niedergeschlagen.

Wir wollen aber vom Gläubigen, der hier spricht, lernen, auch in schweren Zeiten nicht zu verzweifeln. Der Mann nahm seine Zuflucht zu Gott im Gebet und sagte Ihm alle Not, die ihn niederbeugte. Auch den Spott derer, die ihn höhnend fragten: «Wo ist dein Gott?», brachte er im Gebet vor den Herrn.

Dann ermutigte er seine niedergebeugte Seele mit den Worten: «Harre auf Gott!» Weiter blickte er hoffnungsvoll vorwärts und wusste: «Ich werde ihn noch preisen, der die Rettung meines Angesichts und mein Gott ist.» Jemand hat gesagt: «Die dunkelste Nacht hat ihren Stern und die längste Nacht ihren Morgen.» Das gilt auch für dich und für mich.

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Der Gläubige wird getröstet

Nehmen wir die beiden Psalmen 42 und 43 zusammen, dann finden wir trotz der spottenden Frage der Feinde: «Wo ist dein Gott?», viele bemerkenswerte Bezeichnungen unseres Gottes. Er ist der lebendige Gott, nach dem sich der Dichter sehnt. Der Mann hat aber auch eine persönliche Beziehung zu Ihm und nennt Ihn den Gott meines Lebens.

Auch wenn er den Eindruck hat, Gott habe ihn vergessen, hält er an Ihm fest und nennt Ihn: Gott, mein Fels (Psalm 42,10); Gott meiner Stärke (Psalm 43,2). Er denkt an zukünftige Tage, wo er erneut zum Altar Gottes kommen wird. In der Vorfreude auf jenen Moment spricht er vom Gott, der meine Jubelfreude ist und nennt Ihn: Gott, mein Gott.

Warum-Fragen (Psalm 42,10; 43,2) tauchen manchmal auch in unserem Leben auf. Hoch und tief gehende Empfindungen, wie wir sie in diesen zwei Psalmen ausgedrückt finden, kennen auch wir: Ängstliche Furcht und Vertrauen, Zweifel und Hingabe, Bedrückung und freudiger Jubel.

Alles dürfen wir im Gebet vor den Herrn bringen. Aber lasst uns nicht bei den Fragen, den Zweifeln und den Schwierigkeiten stehen bleiben. Sie könnten uns auf einmal überwältigen. Nein, wir wollen vom Psalmisten lernen, vertrauensvoll auf Gott zu warten, und dabei von uns und unseren Umständen wegschauen und auf den Herrn blicken. Er wird uns nicht im Stich lassen.

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Der Gläubige erinnert sich an Gott

Die Sprache dieses Psalms ist die Sprache des treuen Überrests der Juden in der Endzeit. Sie erinnern sich an die Grosstaten Gottes gegenüber ihren Vorvätern. Doch ihre eigenen Erfahrungen sind ganz anderer Art. Ihre Feinde bedrücken und verhöhnen sie. Sie sind unter den Völkern zum Sprichwort geworden.

Trotz allem halten sie im Glauben an Gott fest und anerkennen seine Autorität als König. Sie bezeugen, dass seine Hand hinter allem steht, was sie erfahren, und sie beugen sich unter Gottes Züchtigung. Doch es ist nicht einfach, in der Züchtigung auf Gott zu vertrauen, besonders dann nicht, wenn man Gottes Wege nicht versteht (Verse 18-20).

Aus Hebräer 12 wissen wir, dass Gott all die Seinen auf die eine oder andere Weise erzieht. Dabei ist seine Züchtigung nie angenehm und bereitet keine Freude, wenn man mitten drin steckt. Doch die Liebe des Vaters verfolgt mit der Erziehung seiner Kinder ein wichtiges Ziel: Wir sollen Ihm ähnlicher werden.

Und wie sollen wir uns verhalten, wenn seine Erziehungswege mit uns unverständlich sind? Dann lasst uns sowohl seine Souveränität anerkennen als auch die Tatsache, dass Er uns nicht alles erklären kann. Dabei wollen wir aber nicht vergessen, dass Er es gut mit uns meint. Seine Wege werden schliesslich zu seiner Ehre und zu unserem Segen ausschlagen.

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Der Gläubige ruft zu Gott

Die bedrängten Gläubigen fragen sich, warum dies alles über sie gekommen ist, da sie doch Gott nicht vergessen haben. Sie sind auch nicht von Ihm abgewichen und haben sich nicht zu einem fremden Gott gewandt. Diese Fragen und Argumentationen berühren einen wichtigen Punkt in den Erziehungswegen Gottes mit den Seinen. Die Wege Gottes, die Er uns führt, sollten wir niemals als Strafe oder Vergeltung auffassen. Wir lernen dies aus dem Buch Hiob. Die Strafe für unsere Sünden trug der Heiland am Kreuz. Und Gott straft nicht zweimal. Aber Er erzieht uns. Manchmal legt Er uns etwas Schweres auf, um uns vor Überheblichkeit, vor Hochmut und Eigendünkel zu bewahren. Immer entspringen seine Wege der Erziehung oder Züchtigung seinem liebenden Herzen, das nur das Beste für uns im Sinn hat.

Vers 23 zeigt, dass die Leiden jener Juden mit denen eines Märtyrers vergleichbar sind, die für den Namen des Herrn Jesus Christus verfolgt werden (vergleiche das Zitat aus Römer 8,36).

Die Fragen in den Versen 24 und 25 verstehen wir alle sehr gut. Auch unser Leben verläuft nicht immer im Stillsein und im Vertrauen auf den Herrn. Sobald wir auf die Umstände statt auf den Herrn blicken, besteht die Gefahr, dass die herrschende Situation uns niederdrückt. Verzweifelt fragen wir dann: «Warum schläfst du, Herr?» Aber Er schläft nicht und vergisst uns nicht (Psalm 121,4).

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Christus regiert als König

Sozusagen als Antwort auf das Rufen des bedrängten gläubigen Überrests der Juden in den vorherigen Psalmen, wird jetzt der Messias (Christus) vorgestellt. Es geht um sein Kommen in Herrlichkeit und wie Er sich mit dem treuen Überrest verbindet, was durch die Vermählung mit der Königin vorgestellt wird.

Der inspirierte Psalmdichter freut sich, die Herrlichkeit des kommenden Königs zu beschreiben (Vers 2). Es ist die gleiche Person, die einst als abhängiger Sohn des Menschen in Demut einen Dienst der Gnade ausgeübt hat. Die Holdseligkeit seiner Lippen erinnert an seine Worte der Gnade, über die sich seine Landsleute einst verwunderten (Lukas 4,22).

In diesem Psalm wird Er aber als einer beschrieben, der «Krieg führt in Gerechtigkeit». Nach der Unterwerfung seiner Feinde richtet Er ein Reich auf, das durch nichts erschüttert werden kann und in dem Gerechtigkeit herrscht.

Vers 7 wird in Hebräer 1 zitiert und macht deutlich, dass der König, der einmal über Israel und alle Nationen regieren wird, niemand anders als der ewige Sohn Gottes ist. Darum ist sein Thron ein ewig bleibender.

Die Königin, die zur Rechten des Messias-Königs steht, ist die irdische Braut des Herrn Jesus. Wir denken an das irdische Jerusalem im Gegensatz zum himmlischen, das von der Versammlung Gottes spricht (Offenbarung 21,9-11). Wenn Christus in Herrlichkeit erscheinen wird, wird Er sich mit dem gottesfürchtigen Überrest der Juden verbinden und diese Treuen als sein Volk anerkennen.

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Die Königin zur Rechten des Königs

In den Versen 11 und 12 wird die Königin angesprochen. Warum soll sie ihr Volk und das Haus ihres Vaters vergessen? In der Zukunft wird die Beziehung zwischen Christus und seinem Volk eine ganz andere sein als die Beziehung, die zwischen Gott und seinem Volk auf der Grundlage des Gesetzes bestand. Im neuen Bund wird Gott alle Verpflichtungen übernehmen und nichts mehr vom Menschen verlangen. Alles Versagen des Menschen unter Verantwortung wird dann vorüber sein. Christus wird in seiner irdischen Braut die Schönheit sehen, die seine Gnade ihr verleiht. Sie wird aufgefordert, Ihm, der auch ihr Herr ist, zu huldigen oder Ihn anzubeten.

Vers 13 deutet an, dass auch die Nationen ihren Platz im Friedensreich des Herrn Jesus haben werden. Alle werden Christus als König der Könige und Israel als sein Volk anerkennen und mit Geschenken ihre Gunst suchen.

Welch eine Freude für den Herrn Jesus, wenn Israel, seine irdische Braut, als herrliche Königin vor Ihm stehen wird! Auch diese wunderbare Szene (Verse 14-16) gehört zur Frucht der Mühsal seiner Seele, an der Er sich sättigen wird. Denn die Wiederherstellung seines irdischen Volkes und seine Einführung in den Segen des Tausendjährigen Reiches gründen sich auf das Werk, das Christus am Kreuz vollbracht hat. Ohne das Kreuz könnte Psalm 45 nicht in Erfüllung gehen. Darum wird Er, der einst das Lamm Gottes in Niedrigkeit war und dann der König in Herrlichkeit sein wird, immer und ewig gepriesen werden.

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Gott ist Zuflucht und Stärke

Dieser Psalm spricht vom Vertrauen des gläubigen Überrests aus Israel und von der Befreiung Jerusalems beim Kommen des Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit. Wenn Gott durch Christus zugunsten seines Volkes und der Stadt Jerusalem eingreifen wird, dann werden alle Feinde besiegt werden. Die gottesfürchtigen Juden werden die Hilfe und den Beistand ihres Gottes auf wunderbare Weise erfahren.

Doch die Worte dieses Psalms ermuntern auch jeden gläubigen Christen. In einer Gott feindlichen Welt bleibt Er unsere Zuflucht und Stärke. Bei Ihm finden wir jede nötige Hilfe. Wir brauchen uns wirklich nicht zu fürchten. Die Frage ist nur: Vertrauen wir Ihm auch von ganzem Herzen?

Ströme und Bäche reden in der Bibel oft von Segen (Psalm 36,9; Offenbarung 22,1). Wo entspringen diese Wasser, die die Stadt und das Heiligtum Gottes erfreuen? In Offenbarung 22,1 fliesst der Strom von Wasser des Lebens aus dem Thron Gottes und des Lammes hervor. Der Fluss, den Hesekiel sieht, entspringt im Tempel Gottes (Hesekiel 47). Wahrer Segen hat seine Quelle in der Gegenwart Gottes. Haben wir das nicht schon erfahren, wenn wir als Glaubende im Namen des Herrn versammelt waren und Er mit seinem Segen in unserer Mitte war? (Matthäus 18,20).

Vers 10 deutet an, dass einmal alle Kriege zu Ende sein werden. Wenn Christus in Gerechtigkeit und Frieden 1000 Jahren regieren wird, wird man den Krieg nicht mehr lernen. Die vorhandenen Waffen werden zerstört oder umfunktioniert werden (Jesaja 2,4).

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Gott herrscht als König

Dieser Psalm ist gewissermassen die Fortsetzung von Psalm 46. Christus wird in Macht und Herrlichkeit erscheinen und dem treuen Überrest seines Volkes zu Hilfe kommen. Er wird Jerusalem, die Stadt Gottes, befreien und dann seine Herrschaft antreten. Das wird einen weltweiten Jubel auslösen. Nicht nur das irdische Volk Gottes wird zum Lob aufgerufen. Auch die übrigen Völker der Erde, die ebenfalls in den Genuss der segensreichen Regierung des Herrn Jesus Christus kommen, sollen dem König der ganzen Erde Psalmen singen. Es wird eine unvorstellbar herrliche Zeit für die Erde sein.

Der fünfte Vers erinnert an die Auserwählung Israels auf Grund der Liebe und Gnade Gottes. «Nicht weil ihr mehr wäret als alle Völker, hat der Herr sich euch zugeneigt und euch erwählt; denn ihr seid das geringste unter allen Völkern; sondern wegen der Liebe des Herrn zu euch» (5. Mose 7,7.8).

Wenn schon das Volk Israel und mit ihm die Nationen zu Beginn des Tausendjährigen Reiches so viel Grund zum Jubeln und zum Lobpreis Gottes haben, wie viel mehr wir Christen! Sind wir nicht auserwählt vor Grundlegung der Welt, um Kinder und Söhne Gottes zu sein? Ist der allmächtige, grosse Gott nicht unser Vater geworden, der uns als seine Kinder liebt und in dessen ewigem Haus wir einmal für immer zu Hause sein werden? Ja, gepriesen und angebetet sei Er, der uns so sehr geliebt hat, dass Er seinen eingeborenen Sohn auf die Erde und in den Tod gab, damit jeder Glaubende ewiges Leben habe und sein Kind werde.

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Die Stadt des grossen Königs

Thematisch gehört dieser Psalm zu den zwei vorangegangenen. Er handelt ebenfalls vom Lob Gottes zu Beginn des Tausendjährigen Reiches. Jerusalem wird das Zentrum der Regierung des Herrn Jesus sein. Sie wird genannt: Stadt des grossen Königs, Stadt des Herrn und Stadt unseres Gottes. Eng verbunden mit der Stadt Jerusalem ist der Berg Zion. Zion spricht von Gnade. Grundlage des zukünftigen Segens für Israel und die Welt ist nicht das Verdienst der Menschen, sondern die unumschränkte Gnade Gottes. Und so ist der Berg Zion der Sitz der königlichen Macht in Gnade (Hebräer 12,22).

«Wie wir gehört hatten, so haben wir es gesehen.» So reden die gläubigen Juden, die in das Reich eingegangen sind. Mit Bewunderung werden sie bekennen, dass alle Verheissungen Gottes sich erfüllt haben. Im Innern des Tempels, in der Gegenwart Gottes, denken sie über all seine Güte nach. Die Folge wird Lob und Freude sein.

Der letzte Vers ist von allgemeiner Bedeutung und trifft auch auf uns zu. Was Gott für das Volk zu Beginn des Reiches war, das wird Er auch während 1000 Jahren sein. «Dieser Gott ist unser Gott.» Die Beziehung, in die wir bei unserer Bekehrung zu Ihm kamen, bleibt für ewig. Wir sind und bleiben seine geliebten Kinder. Er ist und bleibt unser Gott und Vater. Gestützt auf diese Tatsache können wir mit vollem Vertrauen sagen: Er wird uns leiten bis ans Ziel. Kein Gläubiger braucht sich zu fürchten. Der Herr selbst ist die Garantie dafür, dass all die Seinen das Ziel erreichen werden.

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Reichtum kann nicht erretten

Die Aussagen, die wir in diesem Psalm finden, gelten für alle Zeitalter. Und weil diese Worte für uns Menschen so bedeutungsvoll sind, hat dieser Psalm eine besonders lange Einleitung (Verse 2-5). Jeder ist angesprochen, jeder soll hinhören, wenn der von Gott inspirierte Psalmdichter spricht.

Es geht um Menschen, die auf ihr Vermögen vertrauen, die sich ihres materiellen Reichtums rühmen. Der Glaubende braucht sich vor ihrem Einfluss nicht zu fürchten, denn er weiss, dass sie mit all ihrem Reichtum ihre Seele nicht erlösen können. Kein Mensch kann sich einen Platz im Himmel erkaufen. Die Erlösung sündiger Menschen hat viel mehr gekostet als aller Reichtum dieser Welt. Der Apostel Petrus schreibt, dass die Glaubenden nicht mit Silber oder Gold erlöst worden sind, sondern mit dem kostbaren Blut des Lammes Gottes (1. Petrus 1,18-21). Gott hat seinen eigenen Sohn als Mensch auf diese Erde und in den Tod gegeben. Am Kreuz ist Jesus Christus für alle die gestorben, die je an Ihn glauben. Nur aufgrund dieses Sühnungstodes kann Gott Glaubende begnadigen und erlösen. Einen anderen Weg gibt es nicht.

Eine weitere wichtige Wahrheit finden wir in Vers 11. Der Psalmist erkannte, dass alle Menschen sterben müssen, ob sie nun weise oder unvernünftig gelebt haben. Und von ihrem materiellen Besitz kann keiner etwas mitnehmen. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Und doch nehmen die Menschen etwas in die Ewigkeit mit: alle ihre unvergebenen Sünden.

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Reichtum besteht nicht ewig

Ab Vers 12 kommt der Psalmist wieder auf die Reichen dieser Welt zu sprechen. Vielleicht weil sie merken, dass der Tod auch für sie eine Realität ist, versuchen sie, ihren Namen und ihre Häuser auf dieser Erde möglichst zu verewigen. Aber was nützt dies, wenn der Mensch selbst nicht bleibt? «Wenn er stirbt, nimmt er das alles nicht mit; nicht folgt ihm hinab seine Herrlichkeit.» Aber etwas anderes folgt dem, der nur für das Diesseits gelebt und sich nicht um die Rettung seiner Seele gekümmert hat. Wir haben bereits gestern daran gedacht: seine vielen Sünden. Wenn er einmal zum Gericht auferstehen wird, werden all die ungesühnten Sünden auch noch da sein.

Der Psalmdichter aber kennt Gott als seinen Erlöser. Deshalb kann er zuversichtlich sagen: «Gott aber wird meine Seele erlösen von der Gewalt des Scheols; denn er wird mich aufnehmen.» Obwohl er die Belehrung des Neuen Testaments über die Auferstehung zum Leben und die Entrückung nicht kannte, wusste er, dass Gott ihn aufnehmen würde.

Aus den Versen 15 und 21 haben gewisse Menschen den falschen Schluss gezogen, der Ungläubige würde nach dem Tod vernichtet, d.‍ ‍h. er höre auf zu existieren. Aber das ist eine Lüge des Teufels, mit der er die ungläubigen Menschen zu beruhigen sucht. Tatsache ist, dass der Herr Jesus selbst von einer Auferstehung zum Gericht spricht und in der Offenbarung das Gericht aller Ungläubigen klar beschrieben wird (Johannes 5,28.29; Offenbarung 20,11-15).

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Gott richtet sein Volk (1)

In diesem Psalm tritt Gott als Richter gegen sein eigenes Volk auf. Worin machte es sich schuldig? Die Menschen aus Israel hatten Gott viele Opfer gebracht.

Aber wie sah es in ihrem Herzen aus? Sie meinten, mit den Tieropfern Gott zufrieden zu stellen. Er aber schaute aufs Herz, und darin fand Er weder wahres Lob noch ein ernsthaftes Beten zu Ihm. Er, dem ohnehin alle Tiere, ja, überhaupt alles gehört, brauchte die Opfertiere der Israeliten nicht. Vielmehr wartete Er auf Opfer des Lobes und Dankes von ihnen.

Gott sieht in seinem Volk, dem Er als Richter gegenübertreten muss, auch einen gläubigen Überrest, «die Frommen». Wodurch zeichnen sie sich aus? «Sie haben meinen Bund beim Opfer geschlossen», sagt Er von ihnen. Ist das nicht eine schöne Bezeichnung für Glaubende, die sich als Sünder nicht auf eigene Bemühungen oder religiöse Übungen stützen, sondern nur auf das Blut und das Opfer des Heilands?

Der 15. Vers ist vielen Gläubigen gut bekannt. Man hat im Blick auf seinen Inhalt auch schon von der Telefon-Nummer des Himmels gesprochen: 5015. Ja, in der Not darf jeder Erlöste seinen Gott anrufen und auf seine Rettung warten. Er verheisst jedem aufrichtig Rufenden: «Ich will dich erretten.» Und wenn wir Gottes Durchhilfe erfahren haben, dann lasst uns das Danken nicht vergessen: «Und du wirst mich verherrlichen.»

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Gott richtet sein Volk (2)

Ab Vers 16 hat Gott als Richter seines Volkes ein ernstes Wort an die Gottlosen. Es sind die Ungläubigen, die die Worte der Bibel wohl im Mund führen, aber nicht nach den Anweisungen des Wortes Gottes leben. Er sagt zu ihnen: «Du hast meine Worte hinter dich geworfen» und führst ein sündiges Leben.

Gott wartet oft sehr lange, auch heute. Wenn aber jemand nur ein äusseres Bekenntnis zum Christentum hat, daneben aber ein Leben führt wie die ungläubigen Menschen dieser Welt, die nichts von Gott wissen wollen, wird er einmal ewig verloren gehen. Wenn seine Stunde der Verantwortung kommt, wird kein Retter da sein, denn er hat sich nie in Buße und Glauben zum Heiland gewandt.

Im letzten Vers werden zwei wichtige Sphären aufgezeigt, in denen der Gläubige sich bewegt. Er darf in die Gegenwart Gottes treten und Ihm das Lob und den Dank seines Herzens darbringen.

Anderseits befindet er sich in der Welt, umgeben von Ungläubigen. Hier soll er täglich in praktischer Gerechtigkeit leben, d.‍ ‍h. seinen Lebensweg so einrichten, dass er Gottes Anerkennung findet. Das ist kein einfacher Weg. Da begegnen uns manche Schwierigkeiten. Doch dann dürfen wir uns an Vers 15 erinnern und am «Tag der Bedrängnis» zu Gott rufen. Er wird nach seiner Weisheit und wie es am besten für uns ist antworten.

Das Ziel dieses Weges ist das Heil oder die Errettung nach Geist, Seele und Körper, wenn der Herr kommt, um uns zu sich zu holen.

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Sündenbekenntnis

David war ein gläubiger Mann. Doch er fiel als König Israels in eine schwere Sünde. Er hatte Ehebruch betrieben und wollte diese Sünde mit einem Mord vertuschen. Aber Gott sandte den Propheten Nathan zu ihm, um ihn von seiner bösen Tat zu überführen (2. Samuel 11,1 – 12,15). Dieser Psalm zeigt uns, wie David durch ein aufrichtiges, schonungsloses Bekenntnis gegenüber Gott wieder zurechtkam. Auch wenn wir als Gläubige keine so schwere Sünde wie David verübt haben, wollen wir doch die in diesem Psalm enthaltenen Grundsätze auch für uns nehmen. Wenn wir als Kinder Gottes sündigen, dürfen wir dies jederzeit aufrichtig unserem Vater bekennen. Dann wird Er uns vergeben. Aber vielleicht ist uns nicht immer bewusst, dass jede Sünde, die wir verüben, ein Vergehen gegen Gott ist (Vers 6)!

Eine weitere Erkenntnis liegt in Vers 7. Unsere alte Natur ist durch und durch verdorben. Jeder von uns hat die Sünde als Wurzel in sich, und dies solange wir hier leben. In unserem Fleisch wohnt nichts Gutes. Es kann auch nicht verbessert werden.

Vers 8 warnt uns vor Unaufrichtigkeit. Wie leicht reden wir uns ein, es sei nicht so schlimm. Wir bemühen uns, die Sache in einem möglichst guten Licht darzustellen. Doch im Innersten wissen wir: Es ist eine Sünde, die bekannt werden muss, sonst kann Gott nicht vergeben. Froh können wir erst wieder werden, wenn die Sache vor Gott und wenn nötig vor Menschen wieder in Ordnung gekommen ist (Vers 10).

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Wiederherstellung

David betete: «Verwirf mich nicht von deinem Angesicht.» Wird Gott, der Vater, eines seiner Kinder verwerfen, wenn es in Sünde fällt? Nein! Vom Herrn Jesus lesen wir, dass Er unser Sachwalter oder Fürsprecher ist, «wenn jemand gesündigt hat» (1. Johannes 2,1). Er übernimmt unseren Fall und gibt ihn nicht einfach auf. Welch ein Trost für jeden, der über die Sünde trauert, die in seinem Leben als Kind Gottes vorgekommen ist!

Aber die Sünde stört die Gemeinschaft zwischen uns und Gott. Und damit verschwindet auch die Freude (Vers 14). Sie kehrt erst wieder zurück, wenn wir zu Gott zurückgefunden haben, und zwar mit einem zerbrochenen und zerschlagenen Herzen. Dann wird Gott vergeben und wir dürfen aufs Neue die Freude der Gemeinschaft mit Ihm geniessen.

Als solche, die Gottes Barmherzigkeit und Vergebung erfahren haben, dürfen wir unsere Erfahrungen weitergeben (Vers 15). Um uns her leben noch so viele Menschen unversöhnt mit Gott. Sagen wir ihnen doch, dass Gott auch ihnen alle Schuld und jede Sünde vergeben will, wenn sie mit einem aufrichtigen Bekenntnis zu Ihm umkehren! Dann wird die Freude des Heils auch in ihr Herz einkehren.

Der Psalmist schliesst mit Opfern als einem Ausdruck von Lob und Dank. Das ist die Antwort eines Herzens, das sich der Vergebung Gottes gewiss ist und sich darum wieder uneingeschränkt freuen kann.

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Der Gottlose und der Gerechte

Die Anfangsverse beschreiben die Begleitumstände, unter denen dieser Psalm gedichtet wurde. Es war die Anfangszeit der Flucht Davids vor Saul. Da kam er ins Haus des Priesters Ahimelech und bat um Brot für seine Leute. Aber Doeg, der Edomiter, der sich zu jener Zeit in Silo aufhielt, verriet die priesterliche Familie, sodass König Saul alle töten liess (1. Samuel 22 und 23).

Die ernsten Worte, die David in diesem Psalm an den gewalttätigen Doeg richtete, haben eine prophetische Bedeutung. Dieser Gewaltige, der das Böse mehr geliebt hat als das Gute, deutet auf den Antichristen in der Endzeit hin. Dieser Mensch der Sünde plant und führt auch Verderben gegen die gottesfürchtigen Juden aus, die ihn nicht als Messias anerkennen. Aber Gott wird ihn zerstören. Wenn Christus in Macht und Herrlichkeit erscheinen wird, werden das Tier (der Herrscher des Römischen Reiches) und der falsche Prophet (der Antichrist) auf der Stelle in den Feuersee geworfen werden (Offenbarung 19,20).

In den Versen 10 und 11 äussert David prophetisch die Worte des treuen Überrests, den der Herr Jesus bei seinem Kommen befreien wird. Sie haben vertraut und wurden nicht beschämt. Nun preisen sie Den in Ewigkeit, der alles für sie so wunderbar ausgeführt hat.

Nie beschämt Gott das Vertrauen der Seinen. Darum lasst auch uns auf seine Güte vertrauen und auf seinen Namen harren.

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Der Abfall der Gottlosen

Interessanterweise ist dieser Psalm bis auf wenige Worte eine Wiederholung von Psalm 14. Es ist sicher nicht von ungefähr, wenn Gott in seinem ewigen Wort etwas wörtlich wiederholt. Betrachten wir den Inhalt der Verse genauer, dann müssen wir sagen: Er ist zeitlos aktuell.

Der Mensch hat Gott, seinem Schöpfer, nicht nur den Rücken zugekehrt (1. Mose 4,16). Manch einer versteigt sich sogar zur Behauptung: «Es ist kein Gott!» Aber Gott ist da, und Er sieht alle Menschen. Ja, Er schaut nach Verständigen aus, nach solchen, die nach Ihm fragen. Doch da ist kein Einziger, der, gemessen am Massstab Gottes, Gutes tut. Als seine Geschöpfe haben wir alle versagt.

Die Verse 5-7 beziehen sich zwar auf das irdische Volk Gottes und wie Er den Gottesfürchtigen zu Hilfe kommt und sich gegen ihre Feinde wendet. Allgemein gesehen, deuten sie aber darauf hin, dass Gott das gottlose Verhalten der Menschen nicht einfach übergeht. Die Zeit wird kommen, da Er jeden zur Rechenschaft ziehen wird, der nicht umgekehrt ist, der Gott nicht gesucht und den Heiland, Jesus Christus, nicht im Glauben angenommen hat. Am grossen weissen Thron des Weltenrichters wird kein Ungläubiger vorbeikommen (Offenbarung 20,11-15).

Warum aber muss der Tor es in seinem Herzen beteuern: «Es ist kein Gott!»? Weil sein Gewissen, solange es sich noch regt, das Gegenteil sagt. Ist nicht die Schöpfung einer der Beweise dafür, dass es einen Gott gibt? (Römer 1,19.20).

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Der Gottesfürchtige ruft um Rettung

Zweimal heisst es, dass die Siphiter David an Saul verrieten, als er sich auf der Flucht vor dessen Nachstellungen in ihrer Gegend aufhielt (1. Samuel 23,19; 26,1).

Beide Male versuchte der König mit seinen Soldaten, David zu verhaften. Das erste Mal gelang es Saul, David und seine Männer zu umzingeln. Da blieb dem tapferen, gottesfürchtigen David wirklich nur noch der Ausweg nach oben. Der Psalm zeigt uns etwas von seinem Rufen nach Rettung. Im geschichtlichen Bericht finden wir, wie Gott auf seine Weise eingegriffen hat: Die Philister fielen ins Land ein, sodass Saul die Verfolgung Davids für den Moment aufgeben und den Feinden entgegenziehen musste. So konnte David dem Würgegriff Sauls entschlüpfen (1. Samuel 23,26-28).

In der zweiten Hälfte des Psalms sehen wir etwas vom Gottvertrauen Davids. Auch als die Lage menschlich gesehen ausweglos war, hielt er am Herrn fest: «Gott ist mein Helfer.» Er wurde nicht enttäuscht.

Und so endet der Psalm mit Lob und Dank und mit dem Zeugnis: «Aus aller Bedrängnis hat er mich errettet.» Wie gut ist der Herr!

Der Gott Davids ist auch unser Gott. Darum lasst uns Ihm ebenso vertrauen, und wenn wir im Leben in eine Situation kommen, die für uns ausweglos aussieht, dann wollen wir unser Vertrauen auf Gott nicht aufgeben, sondern wie David sagen: «Gott ist mein Helfer», und uns einfach auf Ihn stützen.

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Der Gläubige wird bedrängt

David fleht hier in grosser Bedrängnis und Angst zu Gott. Seine Worte lassen uns an die Zeit denken, da er vor seinem Sohn Absalom fliehen musste.

Prophetisch drücken die von David geäusserten Worte die grosse Not aus, in der sich der gläubige Überrest in der Endzeit befinden wird.

Aber manchmal werden die Angriffe der Menschen auch für einen gläubigen Christen so schlimm, dass er am liebsten weit fort fliehen würde. David wünschte sich Flügel einer Taube, um wegzufliegen. Aber dieses Gebet erhört Gott nicht immer. Oft können wir den Umständen einfach nicht entfliehen. Dann möchte der Herr, dass wir auf Ihn harren und auf Ihn vertrauen. Er wird uns nach seiner Verheissung neue Kraft schenken, damit wir uns mit unseren Flügeln des Glaubens aufschwingen können und nicht von den Umständen erdrückt werden (Jesaja 40,31).

Was David in diesem Psalm beschreibt, erlebte der Herr Jesus in besonderer Weise. Er kam als Mensch auf diese Erde und erfuhr sehr viel Feindschaft von den Menschen. Wie haben sie Den gehasst, der ihnen nur Liebe erwies! Wo fand Er einen Zufluchts- und Ruheort für seine Seele? Nur in seinem Gott. Darum suchte Er frühmorgens einen öden Ort auf, um zu beten, oder verharrte eine ganze Nacht im Gebet auf dem Berg (Markus 1,35; Lukas 6,12).

So dürfen auch wir immer wieder im Gebet unsere Zuflucht zu unserem Gott und Vater nehmen und bei Ihm zur Ruhe kommen.

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Der Gläubige hofft auf Gott

Wer war diese Person, von der David in den Versen 13-15 spricht? Wer war dieser Freund und Vertraute, der zu seinem Widersacher wurde? Wir können an seinen Sohn Absalom denken, der sich gegen ihn erhob, um das Königtum an sich zu reissen. Aber da war auch Ahitophel, einer seiner weisen Berater, der den König verliess und zu seinem rebellischen Sohn hielt (2. Samuel 15 – 17).

Hat der Herr Jesus mit seinem Jünger Judas Iskariot nicht Ähnliches erleben müssen? Jahrelang genoss dieser Mann die Nähe eines Meisters, wie es keinen zweiten gibt. Am Ende dieser Zeit «verkaufte» er Ihn an seine Feinde für den lächerlichen Preis von 30 Silberstücken und verriet Ihn in der Dunkelheit des Gartens Gethsemane mit einem Kuss. Welch ein Schmerz für das Herz unseres Herrn!

Ahitophel und Judas fanden beide ein schreckliches Ende, indem sie in der Verzweiflung Selbstmord begingen.

Prophetisch reden die Worte dieses Psalms vom Antichristen. Dieser Mann der Sünde wird sich als sehr religiös ausgeben. Aber er wird schlimm gegen alle die vorgehen, die ihn nicht als Messias anerkennen werden, und das werden die Gottesfürchtigen des Überrests sein.

Der 23. Vers ist eine Ermunterung für jeden geprüften Gläubigen. Wenn wir alles im Gebet auf den Herrn werfen, wird Er uns erhalten und nicht zulassen, dass wir wanken oder einknicken.

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Vertrauen auf Gottes Treue

Vers 1 erinnert an die Situation, in der David diesen Psalm dichtete. Wieder war er in Not. Dieses Mal hielt er sich in Gat auf, da er hoffte, im Land der Philister Ruhe vor Sauls zu finden. Doch da gab es neue Bedrohungen (1. Samuel 21,11-16).

Auch dieser Psalm spricht prophetisch von dem, was die treuen Juden des Überrests in der zukünftigen Drangsalszeit durchmachen werden. Doch wir wollen uns heute auf die Verse konzentrieren, die für die Gläubigen aller Zeitperioden gültig sind:

Vers 5. Wohl jedes Kind Gottes hatte schon einmal Angst. Kennst du das nicht aus eigener Erfahrung? Dann dürfen wir diese Worte für uns nehmen und unser ganzes Vertrauen auf den Herrn setzen.

Vers 9. Nichts in unserem Leben entgeht Gott. Er nimmt Kenntnis von unserem Weg und weiss um jeden Fehltritt. Keine unserer Tränen übersieht Er. Und einmal wird der herrliche Augenblick kommen, da alle Schwierigkeiten, Nöte und alles Versagen hinter uns liegen werden. Dann wird Er selbst jede Träne von unseren Augen abwischen und damit jede Erinnerung an vergangenes Leid wegnehmen. Wie herrlich wird das sein!

Vers 10. «Dies weiss ich, dass Gott für mich ist.» Das sagt Paulus auch in Römer 8,31 und fügt hinzu: «Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?»

Verse 5.11. Das Wort Gottes nimmt hier einen wichtigen Platz ein. Der Glaube empfängt es, stützt sich darauf und freut sich darüber.

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Vertrauen auf Gottes Rettung

Die Überschriften mancher Psalmen Davids zeigen, dass er sie vor allem in Zeiten der Verfolgung und Bedrängnis gedichtet hat. So hat er diesen Psalm vermutlich damals geschrieben, als er sich mit seinen Männern in einer Höhle versteckte und Saul ein Stück weit in die gleiche Höhle hineinging (1. Samuel 24,1-8). Was wäre geschehen, wenn David entdeckt worden wäre?

In seiner Not und Bedrängnis nahm er Zuflucht zum Schatten der Flügel Gottes, «bis das Verderben vorübergezogen ist». Die Flügel der göttlichen Liebe sind besser als die Flügel der Taube, um den Umständen zu entrinnen (Psalm 55,7). Unter ihnen findet der Gläubige sowohl Ruhe als auch Schutz. Zudem erwartete David die Rettung von oben, von Gott, der es für ihn vollendet. So wird auch in der Zukunft der Herr Jesus als «König der Könige und Herr der Herren» aus dem Himmel herniederkommen, um seine Feinde zu vertilgen und den treuen Überrest der Juden zu befreien (Offenbarung 19,11-21).

«Befestigt ist mein Herz, o Gott.» Das ist die Sprache eines Gläubigen, der sich völlig auf Gott stützt. Er weiss: Der Herr wird es für mich vollenden (Vers 3). In diesem Vertrauen kann er ruhen und Gott loben und preisen.

Es fällt auf, wie oft in den Psalmen, in denen David sein Gottvertrauen ausdrückt, von Lob und Dank die Rede ist. David konnte singen, bevor die Antwort auf seine Bitte eintraf. Und wir? Loben wir auch im Vertrauen, bevor die Antwort da ist?

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Gott zeigt sich im Gericht

Die Fragen des zweiten Verses richten sich an die Richter, d.‍ ‍h. an die, deren Aufgabe es ist, für Gerechtigkeit zu sorgen. Doch die weiteren Verse sind eine Anklage gegen alle, die Unrecht tun und das Böse fördern. Es ist eigentlich der Weg des Menschen, der ohne Gott lebt. Von den Gottlosen heisst es in Vers 4: Sie sind von Geburt an abgewichen. Ja, der Mensch wird als Sünder geboren und solange er nicht Buße tut und an den Erlöser glaubt, lebt er als Sünder. Daher sucht man auf dieser Welt vergeblich nach echter Gerechtigkeit.

Erst wenn Gott selbst, in der Person des Herrn Jesus als Sohn des Menschen, als Richter auftreten wird, wird es auf dieser Erde wahre Gerechtigkeit geben (Vers 12b; Johannes 5,22.27; Matthäus 25,31.32). Vorher nicht.

Heute sind diese Verse, die nach Rache des Gerechten rufen, noch zukünftig. Jetzt leben wir im Zeitalter der Gnade, da der Herr Jesus den Menschen, bevor Er als Richter auftritt, als Heiland und Erlöser begegnen möchte. An uns liegt es, die Rettung, die Gott anbietet, im Glauben anzunehmen. Wer sein Gebot der Gnade zurückweist, wird seine Gerechtigkeit im Gericht erfahren müssen.

Der letzte Vers spricht vom Lohn für den Glaubenden. Gott wird einmal jede Treue im Leben der Seinen und jeden Einsatz für Ihn und seine Sache belohnen. Diese Anerkennung kommt mit der Regierung im Tausendjährigen Reich, die wir mit dem Herrn Jesus ausüben werden, zum Tragen (Lukas 19,16-19).

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Bitte um Rettung von den Feinden

Dieser Psalm Davids entstand zu Beginn der langen Zeit, in der er von Saul mit tödlichem Hass verfolgt wurde. Nachdem eindeutig klar geworden war, dass sein Schwiegervater ihn töten wollte, gab es für David nur einen Ausweg: die Flucht (1. Samuel 19,10-12).

Warum wollte Saul ihn umbringen? Lag eine todeswürdige Schuld vor? Nein, überhaupt nicht. Gott hatte dem ungehorsamen König Saul erklärt, dass Er ihn verworfen habe. Das Königtum sollte sein Nächster bekommen, der besser war als er. Schon bald nach dem Sieg Davids über Goliath wurde Saul klar, wer dieser andere war: David (1. Samuel 18,8-11). Keine Schuld vonseiten Davids, sondern böser Neid und Hass machten Saul zum Feind Davids (Verse 4.5).

Diese schwere Zeit der Verfolgung gehörte zur Lebensschule Gottes für David. Da bereitete Er ihn für das wichtige Amt eines Richters und Königs in Israel vor. In diesen Jahren der Prüfung lernte David, sein Vertrauen allein auf Gott zu setzen, Hilfe nur von Ihm zu erwarten und nur bei Ihm Zuflucht in der Not zu suchen.

Vers 9 erinnert an Psalm 2, wo die Nationen gegen den Herrn und seinen Gesalbten auftreten und sich von Gott lossagen möchten. Die erste Reaktion Gottes auf diese Überhebung des Menschen ist ein spöttisches Lachen. Ja, der Mensch meint, er sei gross und mächtig, und ist doch so verschwindend klein in den Augen seines Schöpfers (Jesaja 40,12-17). Auch wir als Gläubige wollen nicht vergessen, wie gering und klein wir sind, und stets demütig vor Gott sein.

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Bitte um Rache an den Feinden

In den notvollen Umständen, durch die Gott seinen Knecht David führte, machte dieser ganz persönliche Erfahrungen mit dem Allmächtigen. Nun konnte er sagen: Mein Gott, meine Stärke, meine hohe Festung, Gott meiner Güte (Verse 10.11.18). In Psalm 18, den David geschrieben hat, nachdem der Herr ihn aus der Hand aller seiner Feinde gerettet hatte, finden wir ähnliche persönliche Aussagen über Gott. Es gab für ihn keine unüberwindbaren Hindernisse mehr: «Mit meinem Gott werde ich eine Mauer überspringen» (Psalm 18,30).

Wenn wir uns ganz auf den Herrn stützen, werden wir ähnliche Erfahrungen wie David machen und unser Vertrauen zum Herrn wird gestärkt.

Vers 13 erinnert an Sünden, die wohl am häufigsten vorkommen. Wie schnell haben wir mit Worten gesündigt! Darum sollte das Gebet in Psalm 141,3 auch unsere Bitte sein: «Setze, Herr, meinem Mund eine Wache, behüte die Tür meiner Lippen!»

Auch dieser Psalm endet ähnlich wie Psalm 57 mit einem Lobgesang. David hat das Bedürfnis, seinen Gott, der ihm eine so starke Zuflucht ist, jubelnd zu preisen. Er will dem Gott seiner Güte Psalmen singen. Haben wir auch den Wunsch, Gott trotz den Schwierigkeiten, in denen wir uns befinden, zu loben und Ihm zu singen? Grund genug dafür hätten wir, wenn wir an seine Güte und Durchhilfe in vergangenen Tagen denken. Auch für uns bleibt wahr: Danken schützt vor Wanken; Loben zieht nach oben.

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In grosser Bedrängnis

Die Überschrift lässt an schwere kriegerische Auseinandersetzungen denken. Aber aus den Versen 3-5 muss man doch schliessen, dass diese Angriffe verschiedener Feinde auf sein Volk eine Züchtigung Gottes waren. Irgendein Abweichen des Volkes führte dazu, dass Gott das Land erschüttern musste. Aber nun bittet der König David: «Führe uns wieder zurück!»

Auch in unserem Leben kann es vorkommen, dass Gott eingreifen muss, weil wir vom Weg abgekommen sind oder sonst versagt haben. Wie kann die Sache wieder in Ordnung kommen? Indem wir auf Gott blicken und auf Ihn hören. Er «hat geredet in seiner Heiligkeit». Sobald wir die Sache im Licht seiner Heiligkeit erkennen, dürfen wir sie bekennen und Er wird vergeben (1. Johannes 1,9).

Nachdem in den Versen 8-10 Gott gesprochen hat, fragt König David in Vers 11: «Wer wird mich … führen?» Wie schön ist die Antwort in Vers 12: «Nicht du, Gott, der du uns verworfen hast?» Der Herr, der sein Volk gezüchtigt hat, wird sein sicherer und treuer Retter und seine Kraft sein. Durch Ihn und mit Ihm werden die, die ohne Kraft sind, tapfere Taten tun.

Welch eine Ermunterung auch für uns! Der Gott Davids und Israels ist auch unser Gott. So wollen wir aus diesem Psalm lernen, die Züchtigung Gottes anzunehmen, das in Ordnung zu bringen, worauf Er allenfalls den Finger legt, und durch alles hindurch im Glauben auf Ihn zu blicken. Dann gilt auch für uns: «Mit Gott werden wir Mächtiges tun.»

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Gebet

Die drei Psalmen 61, 62 und 63 stellen einen zusammenhängenden Gedanken vor. In Psalm 61 finden wir das Gebet des Glaubenden, in Psalm 62 sein Gottvertrauen und in Psalm 63 seine Gemeinschaft mit Gott.

David schreit hier im Gebet zu Gott. Haben wir nicht auch schon erlebt, dass Not beten lehrt? Und wenn wir zu Gott rufen, erfahren wir, dass Er uns auf einen Felsen leitet. Dieser Fels sind die Zusagen Gottes für uns in der Bibel – ein unerschütterliches Fundament für uns als Glaubende.

In Vers 4 blickt der Beter zurück und denkt an die erfahrene Hilfe Gottes in der Vergangenheit. Aber er schaut auch nach vorn und weiss: Mag passieren, was will, Gott wird mich ans Ziel bringen. Für uns Christen ist dies das Vaterhaus droben. Doch der Schutz seiner Flügel redet davon, dass wir als Gläubige schon auf dieser Erde Geborgenheit bei Gott finden.

Der erste Teil von Vers 7 hat sich bei David erfüllt, als er, nachdem er vor Absalom fliehen musste, wieder nach Jerusalem zurückkam. Aber der zweite Teil von Vers 7 und Vers 8 reden prophetisch vom Herrn Jesus. Er ist Mensch geworden und als Mann im Alter von ungefähr 33 Jahren gestorben. Doch Er ist auferstanden und lebt als Mensch in alle Ewigkeit vor Gott (obwohl Er gleichzeitig der ewige Sohn Gottes ist, der nie aufgehört hat, Gott zu sein).

Der Psalm endet mit dem Gedanken der ewigen Anbetung der Erlösten.

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Gottvertrauen

Dieser Psalm spricht von echtem Gottvertrauen. Was ist darunter zu verstehen? Es ist ein Leben des Glaubens in Gemeinschaft mit Gott. David stützte sich nur auf seinen Gott (Verse 2.3.6.7). Er suchte keine Alternativen. Nur zu Ihm nahm er in allen Lebenslagen Zuflucht. Sein Gottvertrauen war eine Sache des Herzens. Er vertraute still.

In Vers 2 sagt er: «Von ihm kommt meine Rettung.» Aber Gott greift nicht immer sofort ein. Das müssen auch wir lernen und können dann mit David sagen: «Von ihm kommt meine Erwartung» (Vers 6) und den Zeitpunkt seines Eingreifens Gott überlassen.

Die Verse 4 und 5 deuten an, dass der Feind unserer Seelen sich bemüht, unser Gottvertrauen zu zerstören. Sowohl durch seine Macht (Vers 4) als auch durch seine Listen (Vers 5) versucht er, unseren Glauben an Gott zu erschüttern. Dazu bedient er sich Menschen, die sich gegen uns stellen. Mögen die Verse 6-8 auch unsere Antwort auf diese Angriffe sein!

David gab seine Erfahrungen weiter, indem er andere ermunterte, ebenfalls auf Gott zu vertrauen und dabei alles im Gebet vor Ihm auszuschütten (Philipper 4,6.7).

Die Verse 10 und 11 warnen davor, weder auf Menschen noch auf sich selbst zu vertrauen. Wir werden vielmehr aufgefordert, uns auf das Wort Gottes zu stützen, auf alles, was Er geredet hat und in der Bibel aufschreiben liess.

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Gemeinschaft

In diesem Psalm spricht David nun von Gott selbst. Es geht ihm jetzt um Den, zu dem er gebetet und auf den er vertraut hat. Er hat eine persönliche Beziehung zu Ihm, denn er sagt von Ihm: «Du bist mein Gott!»

Den zweiten Teil von Vers 2 können wir gut auf die Zeit des Neuen Testaments übertragen, in der wir leben. Bei unserer Bekehrung empfingen wir das Heil unserer Seele, neues Leben; aber unser Körper ist noch nicht erlöst. Darum «schmachtet unser Fleisch» nach dem Tag der Erlösung. Darum erwarten wir den Herrn Jesus als Heiland, der kommen und uns zu sich entrücken wird (Philipper 3,20.21). Auch wir dürfen, während wir in dieser Welt (Wüste) leben, im Heiligtum die Macht Gottes, seine Herrlichkeit, aber auch seine Güte betrachten. Alles dies erkennen wir in unserem Herrn, der als verherrlichter Mensch zur Rechten Gottes thront und bald in Macht erscheinen wird.

Wenn David über all das nachdenkt, was sein Gott ihm bedeutet, dann kann er nur jubeln und preisen. Nicht nur seine Lippen sollen loben, auch sein Leben, sein ganzes Verhalten, soll zur Ehre Gottes sein.

Um die Gemeinschaft mit Gott geniessen zu können, müssen wir zur Ruhe kommen. Davon spricht Vers 7. Und Vers 8 erwähnt nochmals die erfahrene Hilfe und den Schutz, den wir bei Gott finden. Was ist die Schlussfolgerung von allem, was dieser Psalm uns vorstellt? Nachdem wir den Herrn und seine Herrlichkeit gesehen haben, möchten wir Ihm unmittelbar nachfolgen (Vers 9 Fussnote).

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Schutz vor listigen Angriffen

Solange wir Gläubige in dieser Welt leben, sind wir von ungläubigen Menschen umgeben. Manchmal lassen sie uns ihre Feindschaft, die sich auch gegen unseren Herrn Jesus richtet, offen spüren. Dann dürfen wir uns im Gebet an Gott wenden, Ihm alles sagen und uns seinem Schutz und seiner Bewahrung anbefehlen.

Ungläubige Menschen denken oft, niemand würde sie sehen. Sie könnten ihre Pläne ohne Weiteres ausführen. Aber sie vergessen Gott. Ihm entgeht nichts. Manchmal greift Er plötzlich ein und lässt sie ernten, was sie gesät haben. Und wenn Er in der heutigen Zeit der Gnade den Dingen oft lange Zeit den Lauf lässt, bedeutet dies keineswegs, dass Er sie übersieht oder dass Ihm irgendetwas aus den Händen gleiten würde. In der Zukunft, wenn die Gläubigen entrückt sind, wird Gott wieder direkter in die Ereignisse eingreifen. Die Menschen werden dies erkennen und sich fürchten. Doch es wird für sie dann zu spät sein, noch Buße zu tun. Die Zeit der Gnade wird dann vorbei sein.

Als Glaubende wollen wir uns durch Vers 11 trösten und ermuntern lassen. Die tiefe Ursache unserer Freude sind nicht die Umstände – die oft sehr notvoll sein können –, sondern der Herr. Bei Ihm finden wir unsere Zuflucht. Und wir dürfen uns freuen, dass unserem Herrn und Heiland, der viel mehr als wir die Angriffe böser Menschen erfahren hat, einmal alle Ehre zuteil wird, die Ihm gebührt.

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Gottes Segen im Friedensreich

Welch ein schöner Titel gibt David hier seinem Gott. Er nennt Ihn: Hörer des Gebets. Zu Ihm dürfen wir jederzeit und mit allem im Gebet kommen. Das gilt auch, wenn eine Sünde in unserem Leben vorgefallen ist. Dann wollen wir sie Ihm aufrichtig bekennen – und Er wird vergeben.

Wir denken bei diesen Versen vor allem an das Volk der Juden. Obwohl viele Juden in ihr Land zurückgekehrt sind, schweigt im Augenblick der Lobgesang in Zion. Er wird erst wieder zu Gottes Ehre ertönen, wenn dieses Volk im Glauben zu Ihm umgekehrt sein wird, d.‍ ‍h. wenn der gläubige Überrest die Schuld der Verwerfung von Christus einsehen, Buße tun und Vergebung erlangen wird. Sie werden in den Segen des Tausendjährigen Reiches eingehen. In jener Zeit wird Gott sich in wunderbarer Weise der Erde annehmen und alle dann lebenden Menschen werden es gut haben wie noch nie (Verse 5.10-14).

«Glückselig der, den du erwählst und herzunahen lässt!» Auch jeder gläubige Christ ist auserwählt, aber zu einer weit höheren und herrlicheren Bestimmung als die Israeliten. Wir sind auserwählt in Christus vor Grundlegung der Welt, um Söhne des himmlischen Vaters zu sein (Epheser 1,3-7). Als solche dürfen wir einmal ewig bei Ihm in seinem Haus weilen, da, wo der Herr Jesus selbst ist (Johannes 14,2.3; 17,24). Freust du dich über diese herrliche Stellung? Weilst du in Gedanken oft im Himmel, wo wir bald auch dem Körper nach sein werden?

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Gott hilft seinem Volk

Diese Verse sind ein Psalm-Lied, das zum Lob Gottes und zur Bewunderung seiner Grosstaten aufruft. Zu Beginn des Tausendjährigen Reiches wird das wiederhergestellte Volk Israel die Menschen an die Grösse Gottes und an die Herrlichkeit seiner Werke erinnern und die ganze Erde zum Lob und zur Anbetung Gottes auffordern.

Dem Herrn Jesus als König der Könige und Herr der Herren werden sich alle unterwerfen müssen. Während seines Friedensreiches wird das geringste Anzeichen von Auflehnung sofort mit dem Tod bestraft werden. Seine gerechte Regierung wird den Frieden garantieren. Doch die Menschen, die dann nicht von neuem geboren sind, werden Ihm Gehorsam heucheln und sich Ihm mit Schmeichelei unterwerfen (Vers 3). Am Ende der tausend Jahre wird der Teufel für kurze Zeit losgelassen. Dann wird sich zeigen, dass die besten äusseren Voraussetzungen, wie sie während des Tausendjährigen Reiches herrschen werden, das Herz des Menschen nicht verändern können. Es wird zu einer letzten Rebellion gegen Jesus Christus kommen (Offenbarung 20,7-10).

In der Anwendung für uns sind die beiden Psalmen 65 und 66 eine Illustration von Jakobus 5,13: «Leidet jemand unter euch Trübsal? Er bete» (Psalm 65). «Ist jemand guten Mutes? Er singe Psalmen» (Psalm 66). Diese Reihenfolge sollte auch unser Leben prägen. Mit jeder Not dürfen wir im Gebet zu Gott kommen. Aber nachdem Er unser Flehen erhört hat, sollten wir das Loben und Danken auf keinen Fall vergessen.

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Das Volk betet Gott an

In den Versen 10-12 denken die Gottesfürchtigen aus Israel an die Wege Gottes mit ihnen während der Drangsalszeit. Diese Prüfung und Läuterung, diese Bedrängnisse und Nöte (Feuer und Wasser) sind nötig, um die gläubigen Juden zur Buße und zur Einsicht über ihre Sünde der Verwerfung ihres Messias zu führen. Dann wird Gott aufgrund des Erlösungswerks von Golgatha vergeben und eine völlige Wiederherstellung schenken.

Nach der Wiederherstellung der Beziehung zwischen Gott und seinem irdischen Volk wird es wieder Opfer geben, die Gott wohlgefällig sind.

Wenn es um die Grosstaten Gottes, um seine auf der Erde offenbarten Werke geht, sagt der Psalmist: «Kommt und seht!» Wenn es sich aber um das Werk Gottes im Innern eines Menschen handelt, das niemand sieht, dann heisst es: «Kommt und hört!» Erst durch das mündliche Zeugnis und das veränderte Verhalten eines Menschen können andere erkennen, wenn ein Werk Gottes an Herz und Gewissen stattgefunden hat und jemand errettet ist (vergleiche Römer 10,9.10).

Vers 12b gilt auch für uns. Jedes Kind Gottes wird in der Schule Gottes erzogen. Dabei möchte der Vater, der uns liebt, uns von allem befreien, was nicht zu Ihm passt (Vers 10). Prüfungen sind nicht angenehm. Aber lasst uns ans Ziel denken: Er wird uns herausführen zu überströmender Erquickung.

Vers 18 erinnert uns daran, dass Gott die Beweggründe sieht, die unseren Gebeten zugrunde liegen. Er wird nur aufrichtige Bitten erhören.

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Bitte um Segen

Dieser Psalm spricht von der herrlichen Zeit des Tausendjährigen Reiches. Dann werden alle Völker Gott preisen. Welch ein Gegensatz zu heute, da in unseren einst christlichen Ländern die Gottesfurcht immer mehr schwindet! Andere Nationen verehren entweder einen falschen Gott oder falsche Götter oder der Gedanke an einen allmächtigen Schöpfer-Gott wird überhaupt abgelehnt.

Bis der in diesen Versen beschriebene Zustand eintritt, muss die Welt noch zwei wichtige Lektionen lernen. Die erste ist Gerechtigkeit. Gott wird all das Böse nicht einfach übersehen. «Wenn deine Gerichte die Erde treffen, so lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit» (Jesaja 26,9). Das zweite ist Gnade. Darum die Bitte: «Gott sei uns gnädig … damit man auf der Erde deinen Weg erkenne.» Das Handeln Gottes mit seinem Volk Israel wird eine Demonstration seiner göttlichen Güte sein. «Jerusalem soll mir zum Freudennamen, zum Ruhm und zum Schmuck sein bei allen Nationen der Erde, die all das Gute hören werden, das ich ihnen tue» (Jeremia 33,9). Die Wiederannahme des irdischen Volkes Gottes, das wegen der Verwerfung seines Messias so lange Zeit auf die Seite gestellt wurde, wird für die Welt «Leben aus den Toten» bedeuten (Römer 11,15).

Die Aussicht dieses Psalms ist herrlich. Doch er geht nicht über die Erkenntnis Gottes hinaus. Wir aber dürfen Ihn als Vater kennen und sind als seine geliebten Kinder in seine unmittelbare Nähe gebracht.

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Gott segnet sein Volk

Der Grundton dieses Psalms ist prophetisch. David als inspirierter Schreiber denkt an eine zukünftige Zeit und beschreibt das Kommen Gottes in der Person des Messias als ein mächtiger Monarch. Wir denken an das Erscheinen des Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit auf dieser Erde. Niemand wird Ihn auf diesem Weg hindern und Ihm entgegentreten können. Alle seine Feinde werden wie Wachs vor dem Feuer zerschmelzen (Offenbarung 19,19-21). Gleichzeitig blickt David zurück auf die Wege Gottes mit seinem Volk. Er beginnt den Lied-Psalm mit den gleichen Worten, die Mose einst äusserte, als die Bundeslade vom Sinai aufbrach, um weiterzuziehen (4. Mose 10,35).

Gott ist ein Vater der Waisen und ein Richter der Witwen. Bis heute will Er denen, die keine menschliche Stütze haben, ein liebender und fürsorgender Vater sein. Er übernimmt die Rechtssache derer, die leicht übervorteilt und ausgenützt werden, weil sie die Schwächeren sind. Welch ein Trost für alle einsamen und benachteiligten unter den Seinen!

«Gott lässt Einsame oder einzeln Zerstreute in einem Haus oder einer Familie wohnen, führt Gefangene hinaus ins Glück.» Menschen, die den Herrn Jesus noch nicht als ihren Heiland angenommen haben, sind oft innerlich einsam und gefangen in ihrem Leben als Sünder. Wer aber in Buße und Glauben zu Ihm gekommen ist und Ihm nachfolgt, hat eine grosse Familie, die Familie Gottes, gefunden. Er gehört als Kind des himmlischen Vaters nun auch dazu und erlebt das Glück und die Freiheit der Kinder Gottes.

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Gott richtet die Feinde seines Volkes

Die Bibel berichtet uns von verschiedenen Bergen, die für Gott und sein Volk von Bedeutung sind. Vers 18 erinnert uns an den Berg Sinai. Er steht als Symbol für die Heiligkeit Gottes da. Dort hatte Israel sich freiwillig allen Forderungen Gottes unterstellt und musste dann erleben, wie furchtbar, ja, grauenerregend seine Heiligkeit für den natürlichen, nicht von neuem geborenen Menschen ist. Doch der Sinai ist nicht der Berg, den Gott zu seinem Wohnsitz begehrt hat (Vers 17). Das ist der Berg Zion (Psalm 132,13). Im Tausendjährigen Reich wird Zion der Sitz der königlichen Macht in Gnade sein. Und worauf gründet sich diese Gnade? Auf den Sühnungstod von Christus am Kreuz und auf seine siegreiche Auferstehung, die in Vers 19 angedeutet wird (vergleiche Epheser 4,8-10).

«Gepriesen sei der Herr!» Das gilt sowohl für das, was in Vers 19 steht, als auch für das, was in Vers 20 folgt. Wenn wir an den Herrn Jesus denken, der am Kreuz Satan besiegt und «die Gefangenschaft gefangen geführt» hat, dann haben wir als Erlöste und Befreite allen Grund, Ihn in alle Ewigkeit zu loben und zu preisen. Aber wir dürfen Ihn auch preisen für das, was wir jeden Tag erfahren: seine Durchhilfe und seine Rettung in den Umständen. «Tag für Tag trägt er unsere Last.» Nie wird Er müde, nie überlässt Er das, was Er uns auferlegt hat, einfach uns selbst. Jeden Tag ist Er mit seiner Kraft und seiner Gnade da. Gepriesen sei Er dafür!

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Die Nationen anerkennen Israel

Bei der Beschreibung «der Züge meines Gottes» dachte David sicher an den triumphalen Einzug der Bundeslade in Jerusalem (1. Chronika 15). Die Bundeslade ist ein eindrückliches Bild von Christus selbst – wahrer Gott und wahrer, sündloser Mensch in einer Person. Wenn Er in der Zukunft in Jerusalem einziehen wird, wird nicht nur sein Volk Ihm zujauchzen, sondern alle Völker werden Ihn ehren (Psalm 66,8). Die Könige werden Geschenke bringen und sich der Oberherrschaft des Herrn Jesus unterwerfen. Alles wird sich auf Jerusalem konzentrieren; denn in dieser Stadt wird im Reich von Christus der Sitz der Zentralregierung der ganzen Erde sein.

Vers 32 erinnert an die Prophezeiung Jesajas über Ägypten und Assyrien, in der es heisst, dass Israel mit Ägypten und Assyrien ein Segen inmitten der Erde sein wird (Jesaja 19,23-25).

Obwohl im Tausendjährigen Reich die Universalherrschaft des Herrn Jesus von allen anerkannt werden muss und auch anerkannt wird, herrscht nicht einfach sklavische Unterwerfung, sondern Freude. Zu gross und herrlich ist der weltweite Segen jener Zeit, als dass sich jemand beklagen könnte oder es anders wünschte. So löst der Segen, unter dem dann alle Menschen auf der Erde stehen werden, in den Herzen Lob und Dank gegenüber dem Geber aus. «Singt Gott, besingt den Herrn … Gepriesen sei Gott!» Alle Ehre gebührt Dem, der hier einst der Verworfene und Gekreuzigte war.

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Christus leidet

Dieser Psalm wird im Neuen Testament öfters zitiert. Immer geht es um die Erfüllung seiner Aussagen im Blick auf unseren Herrn. Im Zentrum stehen die Leiden unseres Erlösers in seinem Leben und am Kreuz. Wenn wir an seinen Tod denken, zeigt uns dieser Psalm besonders die Seite des Schuldopfers. Durch seinen Sühnungstod hat Er unsere Schuld, die wir vor Gott aufgehäuft haben, bezahlt (Vers 5b).

Die Verse 1-7 drücken prophetisch die Empfindungen des Heilands aus, als Er am Kreuz hing. Da ergoss sich der ganze Hass seiner Feinde über Ihn, obwohl sie überhaupt keine Ursache hatten, Ihn so zu behandeln. Und wie schwer war es für Ihn, die drei Stunden der Finsternis vor sich zu haben! Die Verse 2-4 drücken etwas von dieser Seelennot aus.

Die Verse 8-13 sind ein Rückblick auf sein Leben. Diese Worte zeigen uns seine Leiden um der Gerechtigkeit willen. Seine Brüder, die Söhne seiner Mutter, glaubten nicht an Ihn und lehnten Ihn damals noch ab (Johannes 7,5).

Auch die Tränen des Herrn Jesus drücken seine Leiden aus. Er weinte über Jerusalem. Er weinte am Grab von Lazarus, und auch im Garten Gethsemane hat Er «mit starkem Schreien und Tränen» zu Gott gebetet.

«Die im Tor sitzen» – das waren die Männer der Justiz und Verwaltung. Die Zecher sind die Leute in den Gaststätten. Beide Gruppen von Menschen – die hochgestellten und die gewöhnlichen Leute – lachten über Ihn. Wie furchtbar musste das alles den Herrn getroffen haben!

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Christus betet

Diese Verse zeigen uns den Herrn Jesus am Kreuz. Wie gross war die Schmach, die Er da empfand! Sein Gebet ging zu Gott, der im Begriff stand, Ihn in den drei Stunden der Finsternis für uns zu schlagen. Obwohl Er um Erlösung und Errettung flehte, konnte Gott Ihm jene Wasser des Gerichts und jene Tiefen des völligen Verlassenseins nicht ersparen.

Wenn wir in Schwierigkeiten und Nöte kommen, in denen wir meinen, den Boden unter den Füssen zu verlieren, dann dürfen wir zu Gott rufen. Er vermag uns aus dem Schlamm zu ziehen und vor dem Ertrinken zu bewahren (Matthäus 14,30.31). Aber unser Herr bekam in den drei Stunden der Finsternis keine Antwort von Gott, zu dem Er schrie (Psalm 88,2.3.14-19).

Dreimal erwähnt der Herr in diesem Psalm den Hohn der Menschen. Er wurde für seine Treue und Hingabe an Gott in seinem Leben verhöhnt (Vers 8). Doch am Kreuz brach der Hohn sein Herz (Verse 20.21). Der Herr Jesus wartete gewissermassen auf irgendeine Liebes- und Mitleidsbezeugung vonseiten der Menschen. Doch Er fand nichts dergleichen (vergleiche dazu Psalm 22,7-9).

Die gottesfürchtigen Frauen, deren Herz für Ihn schlug, sahen von weitem zu (Matthäus 27,55). Sie waren selber so erschüttert. Wie hätten sie trösten können?

Vers 22b erfüllte sich, als nach dem Ausruf des Erlösers: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?», Ihm jemand mit einem Schwamm, den er mit Essig gefüllt hatte, zu trinken gab.

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Gericht, Rettung, Lob

Um die Verse 23-29 dieses Psalms zu verstehen, müssen wir bedenken, dass wir die Anfangsverse auch auf den treuen Überrest aus dem irdischen Volk Gottes in der zukünftigen Drangsalszeit anwenden können. Auch sie werden angefeindet und verhöhnt und gehen durch die Wasser der Trübsal. Es ist ihre Stimme, die nach Gericht über ihre Feinde ruft. Wenn der Herr Jesus zu ihrer Befreiung erscheinen wird, wird dies für die Ungläubigen Gericht bedeuten.

Doch die letzten Verse des Psalms lassen uns noch einmal an den Herrn Jesus denken und an den Sieg, den Er am Kreuz errungen hat. Er wurde doch noch erhört. Gott hat Ihn nach vollbrachtem Erlösungswerk aus den Toten auferweckt.

Nun liegen alle Leiden für immer hinter Ihm. An die Stelle der Not und der Leiden ist jetzt Freude getreten. Davon spürt man etwas in diesen Versen. Die «Sanftmütigen» sind seine Erlösten, die in die Freude Dessen eintreten, der so viel für sie gelitten hat.

Die Wiederherstellung des Volkes Israel (Gott wird Zion retten) und die Segnungen des Tausendjährigen Reiches gründen sich auf das am Kreuz vollbrachte Erlösungswerk. Darum werden schliesslich Himmel und Erde und das Meer aufgefordert, Gott zu loben. Es wird ein universelles Lob zur Ehre Dessen sein, der einst am Kreuz unsäglich gelitten hat.

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Hilferuf in der Bedrängnis

Diese Verse entsprechen im Wesentlichen den letzten Versen von Psalm 40. Auch jener Psalm weist prophetisch auf unseren Herrn hin. In Vers 1 heisst es, dass dieser Psalm «zum Gedächtnis» sei. Liegt hier vielleicht der Grund dafür, dass David diese Zeilen wiederholen musste? Wir wollen, wenn wir geprüft werden, an unseren Herrn denken und an das, was Er durchgemacht hat! Er wandte sich mit allem im Gebet an seinen Gott und klammerte sich an Ihn. Lasst uns Ihn nachahmen!

Das Lachen der Spötter beim Unglück der Gläubigen verletzt tief. Auch die Seele des Heilands wurde auf diese Art verwundet (Markus 15,29.30). Manchmal haben auch wir als Gläubige ein vorschnelles Urteil, wenn es einem anderen schlecht geht. Wir meinen, den Grund für die Prüfung zu kennen und reden offen davon. Dabei merken wir nicht, wie sehr wir damit den anderen verletzen.

Der 5. Vers zeigt uns einen Menschen, der nicht an sich, sondern an das Wohl der anderen denkt: «Lass fröhlich sein und in dir sich freuen alle, die dich suchen!» Wie gut für uns, wenn wir in der Prüfung von uns wegblicken und für andere besorgt sein können!

Der Herr Jesus ist uns auch darin ein einzigartiges Vorbild. Selbst in den grössten Leiden, als Er am Kreuz hing, war Er noch für andere – für seine Mutter – besorgt (Johannes 19,26.27). Nie hat Er an sich, immer nur an die anderen gedacht.

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Gott hilft in der Jugend und im Alter (1)

Aus verschiedenen Versen dieses Psalms wird deutlich, dass der inspirierte Schreiber ein alter Mann war, der aber von Jugend an mit seinem Gott gelebt hat. Auf Ihn hatte er sich in jungen Jahren im Vertrauen gestützt. Diesem seinem Gott gehörte aber auch sein Lob und sein Dank. So sollte es auch bei uns sein. Denn das, was wir durch den Glauben erleben durften, ist doch ein Wunder der Gnade: Einst waren wir Feinde Gottes, jetzt sind wir seine geliebten Kinder!

Aber nun spürt der Psalmschreiber, wie die Kräfte abnehmen. Da klammert er sich umso fester an Gott (Vers 9). Er bittet: «Sei mir ein Fels zur Wohnung, zu dem ich stets gehen kann!» – auch im Alter.

Doch er hat noch ein anderes Problem. Als alt werdender gläubiger Mann empfindet er die Welt der Ungläubigen, die ihn umgibt. Er hat den Eindruck, dass die Menschen jetzt besonders auf ihn schauen und sehen möchten, ob sein Gott ihm in der Zeit des Altwerdens und des Abnehmens der Kräfte hilft. Seine ungläubigen Feinde sagen bereits: «Gott hat ihn verlassen.»

Doch wir haben einen grossen, gütigen und gnädigen Gott und Vater, der die Seinen auch im Alter nicht verlässt. Eine Antwort auf die Bitte des Psalmisten in den Versen 10-12 finden wir z.‍ ‍B. in Jesaja 46,4: «Bis in euer Greisenalter bin ich derselbe, und bis zu eurem grauen Haar werde ich euch tragen; ich habe es getan, und ich werde heben, und ich werde tragen und erretten.»

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Gott hilft in der Jugend und im Alter (2)

Voll Zuversicht auf den Gott, der ihn auch im Alter nicht verlassen wird, sagt der Psalmdichter: «Ich aber will beständig harren und all dein Lob vermehren.» Aber er tut noch etwas. Nachdem der grösste Teil seines Lebens mit Gott hinter ihm liegt, will er seine Erfahrungen weitergeben, anderen von der Durchhilfe seines Gottes erzählen, damit auch sie auf Ihn vertrauen. – Wenn er weiter sagt: «Gott, du hast mich gelehrt von meiner Jugend an», dann bezeugt er, dass er in der Schule Gottes war. Gott erzieht jedes seiner Kinder. Möchten wir an den Bemühungen seiner Liebe nicht achtlos vorbeigehen, sondern bereit sein, seine Lektionen zu lernen. Es wird nicht immer einfach sein. Aber unser Vater erzieht uns, damit die Wesenszüge seines Sohnes in unserem Leben vermehrt sichtbar werden.

«Bis ich deinen Arm dem künftigen Geschlecht verkünde.» Wie schön ist es, wenn gläubige Grossväter und Grossmütter oder andere ältere Gläubige den Kindern und Heranwachsenden nicht von sich erzählen, sondern vom Arm und von der Macht des Herrn, die sie erleben durften.

Jede Prüfung in unserem Leben sollte am Ende zweierlei bewirken: dass wir Gott besser kennenlernen («Gott, wer ist wie du?») und Ihn dafür loben, dass Er alles zu seinem Ziel gebracht hat (Verse 20-24). Es wird nach seiner Gerechtigkeit sein (Verse 2.16.19.24). Bei Gott ist nichts zufällig. Alles, was Er tut, stimmt mit dem überein, was Er ist: gerecht, allmächtig und treu. Ihm wollen wir vertrauen.

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Christus wird herrlich regieren

Obwohl dieser Psalm «für Salomo» war, weist er doch auf einen grösseren als den direkten Sohn Davids hin: auf Jesus Christus, den König der Könige. Diese Verse beschreiben den Wohlstand in Israel und auf der Erde unter der Regierung des Friedefürsten. Alles hängt von Christus ab, der in Gerechtigkeit regieren wird. Er wird sich denen besonders annehmen, die unter der ungerechten Regierung der Menschen so oft benachteiligt wurden. Es sind die Elenden, die Armen, die Geringen. In jener Zeit wird sich Sacharja 14,9 erfüllen: «Der Herr wird König sein über die ganze Erde, an jenem Tag wird der Herr einer sein und sein Name einer.»

Als König wird der Herr Jesus alle Richter der Erde übertreffen. Sein Urteil wird immer gerecht und göttlich weise sein, wie wir dies bei Salomo nur angedeutet finden (1. Könige 3,16-28). Die Folge dieser göttlich gerechten Herrschaft wird Frieden, Glück und Wohlergehen für die Menschen sein (Vers 3). Vers 6 illustriert den Segen jener Zeit. Er wird wie Regen auf die gemähte Flur sein. Die gemähte Wiese weist wohl auf den schwer geprüften treuen Überrest des Volkes Israel sowie auf die durch Gerichte heimgesuchte Erde hin.

Dann wird es keine Bedrückung der Gläubigen mehr geben wie heute (Vers 7). Die Unterwerfung unter die Herrschaft des Herrn Jesus wird global sein. Alle werden sich Ihm beugen. Wie in Vers 11 lesen wir auch in Offenbarung 21,24.26 von Königen und Nationen, die den Herrn ehren werden.

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Christus wird retten und segnen

Die Verse 12-14 erinnern an das erste Kommen des Herrn Jesus auf diese Erde. Wie sehr hat Er sich damals um die Elenden und Armen gekümmert! Nicht die Selbstgerechten, sondern alle, die sich ihrer Not und ihrer Sünden bewusst waren, haben seine Gnade erfahren.

Im Tausendjährigen Reich wird es für alle dann lebenden Menschen genug zu essen geben; keinen Hunger mehr auf dieser Erde! Der zweite Teil von Vers 16 lässt daran denken, dass die Bevölkerung der Erde durch die Gerichte in der Drangsalszeit sehr stark dezimiert werden wird. Im Tausendjährigen Reich aber werden die Menschen aufs Neue «hervorblühen».

«Sein Name wird ewig sein.» Es ist der Name unseres Erlösers, von dem es in Philipper 2,9 heisst: «Darum (weil er bis zum Tod am Kreuz gehorsam wurde) hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen gegeben, der über jeden Namen ist.» Als Antwort auf den Segen, den alle Völker dann geniessen werden, werden alle Nationen Ihn glücklich preisen. Alles wird zur Verherrlichung Gottes, des Vaters, ausschlagen (Verse 18.19; Philipper 2,11).

Mit der Aufrichtung des Königreichs von Christus enden alle Wünsche und Bitten und jedes Verlangen des Volkes Israel. Deshalb schliesst der Psalm und damit das zweite Psalmbuch mit den Worten: «Die Gebete Davids, des Sohnes Isais, sind zu Ende.» Alle finden im Reich und in seinen Segnungen ihre Antwort.

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Einleitung

Als viele Menschen weder lesen noch schreiben konnten, war das Erlernen und die Kenntnis weiser Sprüche eine besondere Form der Unterweisung. Gott hat dem Rechnung getragen und in sein ewiges Wort auch eine solche Sammlung aufgenommen: das Buch der Sprüche.

Salomo, der Sohn Davids, von dem es heisst, dass er weiser war als alle Menschen, ist der von Gott inspirierte Verfasser dieses Bibelbuchs (Sprüche 1,1).

Das Buch der Sprüche zeigt, was der gottesfürchtige Mensch in dieser Welt suchen und was er meiden soll. Es lehrt, dass jeder Mensch – auch der gläubige – unter der Regierung Gottes das erntet, was er gesät hat. Es enthält die Ratschläge göttlicher Weisheit für das tägliche Leben eines gottesfürchtigen Menschen in allen Schwierigkeiten, Prüfungen, Gefahren und Freuden seines Erdenweges.

Dieses von Salomo, dem König des Friedens, geschriebene Buch weist auch gewisse Parallelen zu den Grundsätzen des Reiches Gottes auf, wie sie der Herr Jesus in Matthäus 5 – 7 (Bergpredigt) dargelegt hat.

Die in den Sprüchen häufig erwähnte göttliche Weisheit, die in den Kapiteln 8 und 9 sogar als Person spricht, findet im Neuen Testament ihren vollkommenen Ausdruck in Christus, dem Sohn Gottes (1. Korinther 1,30).

Die Furcht des Herrn ist das Schlüsselwort dieses Buchs. Sie ist der Anfang der Erkenntnis und Weisheit und vieles mehr. Achte beim Lesen besonders auf die Verse, in denen die Furcht des Herrn erwähnt wird.

Zweck des Buches

Gott hatte Salomo, den König von Israel, mit besonderer Weisheit ausgestattet (1. Könige 3,12; 5,9-14). Als inspirierter Schreiber erteilt er im Buch der Sprüche Ratschläge göttlicher Weisheit für ein Leben in Gottesfurcht. Gott hat uns dieses Buch als Teil seines ewigen Wortes geschenkt, damit wir in der Welt, die von Ihm und seinen Grundsätzen nichts wissen will, den rechten Weg gehen können. Es zeigt, wonach wir als Gläubige streben und was wir meiden sollen. Wir lernen auch, dass jeder Mensch erntet, was er gesät hat. Das gilt auch für den Gottesfürchtigen.

Nach den einleitenden Worten stellt Salomo das Schlüsselwort dieses Buches vor: die Furcht des Herrn. Sie wird in verschiedenen Zusammenhängen erwähnt. In Vers 7 wird sie als Anfang der Erkenntnis vorgestellt (vergleiche auch Sprüche 9,10; 15,33). Doch im gleichen Vers wird auch gesagt, dass längst nicht jeder bereit ist, auf die Ratschläge der göttlichen Weisheit zu hören. Als Narr wird der unvernünftige, eigenwillige Mensch bezeichnet, der diese Weisheit und Unterweisung verachtet.

Mit der Anrede «mein Sohn», der wir im ersten Teil der Sprüche immer wieder begegnen, werden Gläubige angesprochen. Weil sie neues Leben besitzen, können sie die Ratschläge der Weisheit befolgen. Als Erstes wird ein solcher die Autorität seiner Eltern respektieren und sich ihr unterstellen (Epheser 6,1-3). Damit anerkennt er die Ordnung, die Gott für die Beziehung in der Familie gegeben hat.

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Warnung vor Sündern

Die Welt, in der wir uns als Gläubige bewegen müssen, ist voller Gefahren für uns. Im vorliegenden Abschnitt geht es um die Versuchung durch ungläubige Mitmenschen, die uns zum Mitmachen verleiten wollen. Sie schmieden Pläne, um sich unrechtmässig zu bereichern, und wir sollen uns an ihren Machenschaften beteiligen. Auch in unserem Herzen sitzt die Wurzel der Habsucht. Darum dürfen wir die uns drohende Gefahr nicht unterschätzen. Lasst uns die Empfehlung des Wortes beherzigen und praktizieren!

Durch Salomo sagt Gott: «Wenn Sünder dich locken, so willige nicht ein … Mein Sohn, geh nicht mit ihnen auf dem Weg.» Und der Herr Jesus sagte zu seinen Jüngern – und damit auch zu uns: «Gebt Acht und hütet euch vor aller Habsucht» (Lukas 12,15).

Wenn Paulus an Timotheus von der Geldliebe als einer Wurzel alles Bösen schreibt, fügt er hinzu: «Du aber, o Mensch Gottes, fliehe diese Dinge!» (1. Timotheus 6,10.11).

Wohin führt die Habsucht? Vers 19 sagt: «Sie nimmt ihrem eigenen Herrn das Leben.» Der Apostel Paulus warnt: «Die aber, die reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstrick und in viele unvernünftige und schädliche Begierden, die die Menschen versenken in Verderben und Untergang» (1. Timotheus 6,9).

Wir wollen diese praktischen Ratschläge der Weisheit zu Herzen nehmen und uns vor aller Habsucht hüten.

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Die Botschaft der Weisheit

Wir haben gesehen, dass durch die Anrede «mein Sohn» erlöste Menschen angesprochen werden, die in Gottesfurcht ihren Weg gehen möchten. In Vers 22 spricht die göttliche Weisheit die Einfältigen, die Spötter und Toren an. Wen meint sie damit?

Die Einfältigen sind die Unerfahrenen. Ihnen fehlt das Unterscheidungsvermögen. Sie sind offen für alles und daher auf Verführung besonders anfällig. Auch Gläubige können zu den Einfältigen zählen.

Der Spötter verhöhnt Gott und sein Wort. Für die Anweisungen der Bibel hat er nur ein Lächeln übrig. Sie sind für ihn wertlos, und er meint, sie gingen ihn nichts an.

Der Tor ist unwissend über Gott und seine Gedanken. Er will auch nichts mit Ihm zu tun haben: Er ist ein gottloser Mensch (Psalm 14,1).

Die Weisheit gibt sich alle Mühe, auch diese Personen zu erreichen, um ihnen zu raten und zu helfen. Doch sie verschweigt die Folgen nicht, die jene treffen, die sich weigern, auf ihren Rat zu hören. Wir wollen bei diesen Worten der Weisheit daran denken, dass unser Herr Jesus Christus die personifizierte Weisheit ist (1. Korinther 1,24.30). Im Licht des Neuen Testaments betrachtet, ist Er es, der all jene warnt, die nicht auf Ihn hören wollen. Aber welch eine Ruhe und Sicherheit verspricht Er denen, die auf Ihn hören und Ihm gehorchen! Ähnliches sagt Er in Johannes 5,24. Wer auf Ihn vertraut, braucht sich nicht zu fürchten.

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Der Weg der Weisheit

In diesem Kapitel wird uns gezeigt, wie wir in der uns umgebenden gefahrvollen Welt bewahrt bleiben können. Es ist nötig, dass wir uns unter die Autorität des Wortes Gottes beugen, indem wir es annehmen und ihm gehorchen. Die Verse 2-4 reden von der geistlichen Energie, mit der wir die Bibel lesen sollen, um Gottes Willen immer besser kennen zu lernen. Der Herr wird sich zu einem solchen Einsatz bekennen und das Verständnis öffnen.

Und was wird die Folge sein? «Dann wirst du die Furcht des Herrn verstehen und die Erkenntnis Gottes finden.» Ein vertieftes Verständnis von dem, was in den Augen des Herrn recht und gut ist, wird uns bewahren. Es wird uns sowohl von dem Mann, der Verkehrtes redet, als auch von der fremden Frau, die ihre Worte glättet, erretten. Unter diesem Mann und dieser Frau können wir physische Personen sehen, die eine Gefahr für uns bilden. Heute wird in der Welt viel Verkehrtes propagiert und praktiziert, ohne dass man es böse oder anstössig findet. Das beeinflusst auch uns Gläubige.

Die Verse 21 und 22 zeigen zwei ganz unterschiedliche Ziele auf: Die Aufrichtigen werden das Land bewohnen, die Gottlosen werden aus dem Land ausgerottet werden. In der Sprache des Neuen Testaments heisst das: Die Glaubenden werden in Ewigkeit eine ungetrübte Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus geniessen, während die Ungläubigen in der ewigen Gottesferne enden werden.

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Vom Segen der Weisheit

In Vers 3 werden Güte und Wahrheit miteinander verbunden. Das erinnert uns an Johannes 1,17, wo es heisst: «Die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.» In seinem Leben gab es stets eine vollkommene Ausgewogenheit zwischen Gnade (Güte) und Wahrheit. Wie leicht überwiegt bei uns die Güte auf Kosten der Wahrheit, oder wir vergessen beim entschiedenen Festhalten der Wahrheit die Gnade!

Den 5. Vers wollen wir uns für alle Zeiten merken, und auch dann auf den Herrn vertrauen, wenn wir Mühe haben, unsere Lebenssituationen als seine Wege zu erkennen. Er wird unser Vertrauen bestimmt nicht enttäuschen (Vers 6b).

2. Korinther 9,6-11 zeigt, dass der Grundsatz der Verse 9 und 10 auch in der Zeit des Neuen Testaments gültig ist. «Wer segensreich sät, wird auch segensreich ernten.» In Hebräer 13,15.16 finden wir, dass unser materielles Opfer ebenso zum Wohlgefallen Gottes ist wie unser Lobopfer.

Die Verse 11 und 12 unseres Abschnitts werden in Hebräer 12,5.6 zitiert. Dort spricht der Schreiber von der Erziehung Gottes. Wir alle, die wir durch den Glauben an den Herrn Jesus zur Familie Gottes gehören und Kinder des himmlischen Vaters sind, haben Erziehung nötig. Oft schätzen wir das nicht. Aber lasst uns daran denken: Alles, was der Vater uns auferlegt, kommt aus seinem liebenden Herzen. Seine Züchtigung hat immer den Zweck, uns Ihm ähnlicher zu machen und unsere Gemeinschaft mit Ihm zu vertiefen.

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Weisheit finden

In den Versen 13-18 werden Vorzüge der göttlichen Weisheit gerühmt. Wer sie gefunden hat und wer sie festhält, wird glückselig gepriesen (Verse 13 und 18). Wir können diese Verse am besten verstehen, wenn wir anstelle der Weisheit den Namen des Herrn Jesus einsetzen. Er personifiziert sie ja! Es gibt auf der Erde tatsächlich nichts Besseres, als dass ein Mensch den Herrn Jesus als seinen persönlichen Retter findet, durch den Glauben an Ihn neues Leben empfängt und ein Kind Gottes wird (Johannes 1,11-13). Wer als ein Erlöster Ihm nachfolgt, befindet sich auf einem «lieblichen Weg» und einem «Pfad des Friedens» (Vers 17).

Die Verse 19 und 20 erinnern an Gottes Weisheit in der Schöpfung. Wie wunderbar hat Er alles gemacht! Alles Geschaffene zeugt von seiner Herrlichkeit (Psalm 19,2).

Damit die göttliche Weisheit unser praktisches Leben als Gläubige zum Guten beeinflussen kann, müssen wir uns an die Anweisungen des Wortes Gottes halten (Psalm 119,105). Im Weiteren hat uns Christus in seinem Leben hier ein Beispiel hinterlassen (1. Petrus 2,21). Wenn wir im Vertrauen zu Gott und im Gehorsam zu seinem Wort den Fussstapfen unseres Herrn folgen, sind wir in Sicherheit. Wir brauchen uns vor nichts in dieser Welt zu fürchten. Wir befinden uns ja in den Händen unseres guten Hirten. Nichts und niemand kann uns aus diesem sicheren Platz vertreiben (Johannes 10,28).

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Gerecht leben

Die praktischen Ermahnungen in den Versen 27 und 28 werden im Neuen Testament bestätigt. Jakobus schreibt, dass wir unseren Glauben vor den Menschen dadurch beweisen können, dass wir unserem bedürftigen Nächsten Gutes tun (Jakobus 2,15-17). Der Apostel Johannes fragt sich, wie die Liebe Gottes in einem Gläubigen bleiben kann, wenn er sein Herz (und seine Hand) gegenüber dem Bruder verschliesst, der Mangel leidet (1. Johannes 3,17).

Was wir in Vers 29 haben, ist ein grober Missbrauch des Vertrauens, das jemand zu uns hat. Die Ermahnungen der Verse 30 und 31 erinnern daran, dass die Wurzel zu Streit, Missgunst und Neid auch in der alten Natur jedes Gläubigen noch vorhanden ist. Wenn wir nicht wachsam sind, treiben diese Wurzeln ihre Schosse. Darum sagt Kolosser 3,5.8: «Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind … Jetzt aber legt auch ihr das alles ab.»

Die Verse 32-35 zeigen uns göttliche Gegensätze auf, damit es uns leichter fällt, das Gute zu wählen. Was der Herr verabscheut und verurteilt, sollten auch wir meiden. Der 34. Vers wird im Neuen Testament wie folgt wiedergegeben: «Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade» (Jakobus 4,6; 1. Petrus 5,5). Denken wir an unseren Herrn, der von sich sagen konnte: «Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig» (Matthäus 11,29) und treten wir in seine Fussstapfen!

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Weisheit annehmen

Salomo unterweist nicht nur als Vater seine Söhne. Er stellt sich selbst als ein Sohn vor, der von seinem Vater Belehrung empfangen hat. Das, was er von ihm gelernt hat, gibt er nun seinem Sohn weiter. Wie schön, wenn dies auch heute noch vorkommt! Was für ein grosses Vorrecht hat ein gläubiger Mensch, wenn seine Eltern und Grosseltern gottesfürchtig und gläubig sind. Mögen wir, wenn der Herr uns dies gewährt hat, ein solches Geschenk schätzen und von Herzen dafür dankbar sein!

Im Neuen Testament lesen wir von Timotheus, der zwar einen griechischen Vater, aber sowohl eine gläubige Mutter als auch eine gläubige Grossmutter hatte. Dadurch lernte er die heiligen Schriften von Kind auf kennen (2. Timotheus 1,5; 3,15).

In den Versen 10-13 betont Salomo den Weg der Weisheit. Sein Sohn sollte die Weisheit nicht nur verstandesmässig erfassen, sondern sie in seinem täglichen Leben praktisch verwirklichen. Es genügt nicht, das Wort Gottes zu kennen – obwohl dies die Voraussetzung für ein gottesfürchtiges Leben ist –, man muss das aus der Bibel Gelernte auch ausleben. Diese Reihenfolge finden wir z.‍ ‍B. im 2. Timotheus-Brief, wo der Apostel zuerst von seiner Lehre, dann aber auch von seinem Betragen schreibt (2. Timotheus 3,10).

Vers 13 erinnert an 2. Timotheus 1,13.14, wo der Apostel seinen jüngeren Mitarbeiter Timotheus ermahnt: «Halte fest das Bild gesunder Worte … bewahre das schöne anvertraute Gut.»

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Weisheit umsetzen

Das Festhalten und Verwirklichen der Anweisungen des Wortes Gottes ist eine Sache. Eine zweite ebenso wichtige Sache ist die klare Trennung von denen, die diesen Weg nicht gehen wollen. Die Gefahr ist gross, dass wir mit Menschen Kompromisse schliessen, die nicht bereit sind, sich in allem unter die Autorität des Wortes Gottes zu stellen und es zu befolgen. Doch ein solcher Weg führt in die Irre, ins Dunkel. Wie viel herrlicher ist der Weg einer entschiedenen Nachfolge des Herrn Jesus, indem man in seine Fussstapfen tritt! «Der Pfad der Gerechten ist wie das glänzende Morgenlicht, das stets heller leuchtet bis zur Tageshöhe.»

In den Versen 20-27 werden verschiedene Körperteile erwähnt, auf die wir Acht haben und die wir bewahren müssen:

  • Die Ohren sollen offen sein, um das verkündete Wort Gottes aufzunehmen.
  • Das Herz ist der Sitz unserer Persönlichkeit. Dort treffen wir unsere Entscheidungen.
  • Der Mund und die Lippen sind schnell dabei, Verkehrtes zu sagen. Darum betete David: «Setze, Herr, meinem Mund eine Wache, behüte die Tür meiner Lippen» (Psalm 141,3).
  • Die Augen schweifen gern umher, und sehen dann manches Ungute, das aber anziehend ist. Hiob machte einen Bund mit seinen Augen, um nicht zu sündigen (Hiob 31,1).
  • Die Füsse sind in Gefahr, vom Weg Gottes abzubiegen. Auch sie müssen behütet werden.

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Leben in Reinheit

In diesen Versen werden wir zunächst vor einer Verbindung mit dem anderen Geschlecht ausserhalb der von Gott gegebenen Verbindung – der Ehe – gewarnt. Wir wollen diese Verse als Warnung vor jeder Verführung des Fleisches zu Herzen nehmen. Gott möchte, dass wir als Gläubige ein reines Leben führen.

Wie können wir uns vor dieser Gefahr schützen? Unsere Bewahrung liegt in der konsequenten Trennung von diesen Verführungen. Entsprechend der Warnung von Vers 8 sagt Römer 13,14: «Treibt nicht Vorsorge für das Fleisch zur Befriedigung seiner Begierden.» 1. Korinther 6,18 wird noch eindringlicher: «Flieht die Hurerei!»

Wie manch einer, der nicht vorsichtig genug war und mit der Sünde gespielt hat, musste die bitteren Folgen seines Weges tragen, wie die Verse 9-11 es schildern. Es ist sehr gefährlich, diese Warnungen in den Wind zu schlagen. Mit Selbstvorwürfen (Verse 12.13)kann man keine Sünde ungeschehen machen.

Glücklicherweise gibt es aber immer einen Weg zurück. Er führt über echte Buße und ein aufrichtiges Bekenntnis der vorgefallenen Sünden vor Gott. Dann ist Er treu und gerecht, dass Er uns vergibt und uns von aller Ungerechtigkeit reinigt (1. Johannes 1,9).

Das durfte auch König David nach seinem tiefen Fall (Hurerei mit Bathseba und Ermordung Urijas, des Ehemanns von Bathseba) erfahren. Gott vergab ihm alles, doch die Folgen seines Fehltritts blieben (2. Samuel 12,13.14).

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Leben in ehelicher Treue

Als Gott den Menschen als Mann und Frau schuf und sie in der Ehe miteinander verband, da hatte Er das Wohl und Glück für beide im Auge. Wir wissen, dass durch den Sündenfall auch die Ehe in Mitleidenschaft gezogen wurde. Und doch bleibt die eheliche Liebe, die zwei Menschen – ein Mann und eine Frau – in der Ehe miteinander geniessen dürfen, ein Geschenk unseres Schöpfers. Doch sie muss ständig gepflegt werden. Der Herr Jesus will jedem gläubigen Ehemann und jeder gläubigen Ehefrau täglich helfen, dies zu verwirklichen. Die Verse 15-20 sind Ansporn dazu. Gleichzeitig wird der Sohn davor gewarnt, sich mit einer fremden Frau einzulassen. Wir werden nur bewahrt, wenn wir auch als Verheiratete dem anderen Geschlecht gegenüber den nötigen Abstand einhalten.

Die Augen des Herrn sehen unser ganzes Leben, und Er beurteilt es. In Hebräer 13,4 heisst es: «Die Ehe sei geehrt in allem und das Ehebett unbefleckt; denn Hurer und Ehebrecher wird Gott richten.» Er sieht auch die Sünden, die im Verborgenen verübt werden. Oft richtet Gott die Sünden der Menschen nicht sofort. Doch dadurch verschwinden sie nicht einfach. Spätestens beim Endgericht vor dem grossen weissen Thron wird der Ungläubige realisieren, dass seine eigenen Ungerechtigkeiten ihn fangen (Vers 22; Offenbarung 20,11-15). Er wird verloren gehen, weil er nicht auf Gott und sein Wort gehört und nicht an den Herrn Jesus als seinen Erlöser geglaubt hat.

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Warnung vor Bürgschaft und Faulheit

In diesem Buch werden wir mehrfach davor gewarnt, Bürge zu werden. Warum sollen wir das nicht tun? Wer Bürgschaft leistet, verspricht etwas im Blick auf die Zukunft, die er weder kennt noch in der Hand hat. Wir sind nicht Gott, der etwas versprechen kann und es auch einlösen wird. Die göttliche Weisheit sagt uns daher: Werde niemals Bürge für einen anderen. Falls du diese Torheit bereits begangen hast, setze alles daran, dich davon zu befreien.

Die zweite Warnung der Weisheit in diesen Versen richtet sich an den Faulen. Ehrlicherweise müssen wir zugeben, dass in uns allen der Wunsch vorhanden ist, mit möglichst geringem Aufwand möglichst viel zu verdienen. Die Bibel aber fordert uns Gläubige zum Fleiss bei der Arbeit auf. Unabhängig davon, wie die Menschen unsere Arbeit honorieren, wollen wir uns 100-prozentig einsetzen und dabei Kolosser 3,23.24 verwirklichen: «Was irgend ihr tut, arbeitet von Herzen, als dem Herrn und nicht den Menschen, da ihr wisst, dass ihr vom Herrn die Vergeltung des Erbes empfangen werdet; ihr dient dem Herrn Christus.» Welch ein Adel verleiht es unserer Berufsarbeit, wenn wir sie für unseren Erlöser tun! Zudem spornt uns dieser Gedanke zu grösstem Fleiss an.

Die Folgen der Faulheit bei der Arbeit werden nicht ausbleiben. Wie mancher hat seine Arbeitsstelle aus eigener Schuld verloren. Hätte er das Wort Gottes zu Herzen genommen und sich angestrengt, wäre er nicht in Armut geraten. Diese Worte sind heute so aktuell wie zur Zeit Salomos.

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Warnung vor einem bösen Herzen

Der in den Versen 12-15 beschriebene Mensch wird als ein heilloser Mann bezeichnet. Gottes Wort spricht von einem Menschen als von einem hoffnungslosen Fall, wenn er nur Böses schmiedet und zu aller Zeit Zwietracht ausstreut. Wie kommt es so weit, dass Gott, dessen Gnade und Barmherzigkeit uns gegenüber unendlich gross sind, über einen solchen Menschen derart ernst urteilt?

Eine Antwort auf diese Frage findet sich nicht so leicht. Vielleicht liegt sie in der Tatsache, dass in diesem Abschnitt der Mund, die Augen, die Füsse, die Finger und das Herz erwähnt werden. Doch die Ohren fehlen. Wenn ein Mensch nicht mehr auf Gott und sein Wort hören will, wird er zu einem hoffnungslosen Fall.

Die Wurzel zu all dem, was der Herr hasst, findet sich auch in unserem Herzen, in unserer alten Natur. Deshalb wollen wir die ernsten Warnungen dieser Verse keineswegs übergehen. Wir sind in grösster Gefahr, wenn wir meinen, so etwas könne bei uns nicht vorkommen. Konkret werden wir vor Hochmut, Lüge, Gewalttätigkeit, bösen Absichten, bösen Taten, falschen Aussagen und vor dem Säen von Zwietracht gewarnt. An erster Stelle steht der Hochmut. Er zeigt sich in verschiedenen Formen. Der eine bildet sich etwas auf seinen Reichtum ein, ein anderer ist stolz auf seine Bildung. Gläubige können sogar auf die geistliche Gabe stolz werden, die der Herr ihnen geschenkt hat! In ihrem Hochmut stellen sie sich dann über die anderen Gläubigen. Wie traurig!

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Warnung vor Ehebruch

Es ist ein grosses Vorrecht, gläubige Eltern zu haben, die ihre Kinder nicht nur erziehen, sondern ihnen auch biblische Unterweisung und Belehrung geben. Ihre Zurechtweisungen sind nicht nur nötig, sondern auch eine Hilfe, um auf dem rechten Weg zu bleiben (Vers 23).

Die Warnungen der gottesfürchtigen Eltern decken sich mit denen des Geistes Gottes in diesen Versen. Es geht um die Sünde des Ehebruchs und der sexuellen Verbindung mit einer fremden Frau.

Heute sind die Verführungen in dieser Hinsicht enorm. Lasst uns davor fliehen, wie man vor Feuer flieht! Wer Feuer in die Hand nimmt oder über glühende Kohlen geht, wird Brandwunden erleiden. Sich mit einer fremden Frau einzulassen, wird zu ähnlich schlimmen Folgen führen. Sowohl unser Zeugnis nach aussen (Kleider) als auch unser Lebenswandel (Füsse) werden massiv beeinträchtigt.

Ein Dieb kann das Gestohlene erstatten und damit den Schaden be