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Einleitung

Der Römer-Brief belehrt uns über die grundlegenden Elemente unserer Errettung. Wir lernen hier vor allem, was Gott getan hat, als wir uns zu Ihm bekehrten. Dieser Brief hat eine klare Struktur, die uns hilft, die einzelnen Aussagen besser zu verstehen. Darum geben wir hier eine kurze Übersicht:

Kapitel 1,1-17: Einleitung
Diese einführenden Verse machen uns mit dem Thema dieses Briefs bekannt: Es ist das Evangelium Gottes.

Kapitel 1,18 – 5,11: Das Problem der Sünden
Wir haben alle gesündigt und sind darum schuldig vor Gott. Doch wir müssen nicht verzweifeln. Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist am Kreuz gestorben. Wer an Ihn und sein Erlösungswerk glaubt, wird von Gott von jeder Schuld freigesprochen und als gerecht erklärt.

Kapitel 5,12 – 8,39: Das Problem der Erbsünde
Als Nachkommen Adams besitzen wir alle in uns die Sünde, dieses böse Prinzip, das uns zum Sündigen zwingt. Um von dieser Macht befreit zu werden, sind wir mit Christus der Sünde gestorben. Gott rechnet uns bei der Bekehrung den Tod des Herrn Jesus an. Darum müssen wir nicht mehr sündigen.

Kapitel 9 – 11: Der Weg Gottes mit Israel
Gottes Heilsangebot richtet sich ohne Unterschied an alle Menschen. Doch auch die speziellen Verheissungen für das Volk Israel werden sich alle erfüllen.

Kapitel 12 – 16: Die Antwort des Glaubenden
Der Erlöste darf in seinem Leben Gott durch Hingabe und Gehorsam eine Antwort auf seine wunderbare Errettung geben.

Römer 1,1-7

Der Brief an die Römer behandelt die Frage, wie ein sündiger Mensch mit dem heiligen Gott versöhnt werden kann. Er zeigt, dass dies nur auf der Grundlage des Opfers von Jesus Christus möglich ist.

Nach dem belehrenden Teil (Kapitel 1 – 11) folgen praktische Ermahnungen und Hinweise für alle, die durch den Glauben an Jesus Christus und sein am Kreuz vollbrachtes Erlösungswerk Frieden mit Gott haben.

Der inspirierte Schreiber dieses Briefs ist Paulus, der seine Botschaft mit der Autorität eines berufenen Apostels weitergibt. Bereits in den ersten Versen kommt er auf den Inhalt seiner Mitteilung zu sprechen. Es ist das Evangelium: eine gute Botschaft, die aus dem Herzen Gottes kommt. Das Hauptthema des Evangeliums Gottes ist sein Sohn, der als Mensch Jesus Christus hier gelebt und den Tod am Kreuz erlitten hat, aber aus den Toten auferstanden ist. Wir glauben an einen lebenden Herrn.

Wenn der Apostel Paulus von seinem Dienst spricht, sagt er, er habe sein Apostelamt empfangen, um die Menschen zum Glaubensgehorsam zu führen. Es braucht Glauben, um das zu erfassen, was Gott in der Bibel sagt. Aber ebenso wichtig ist, dass man diese göttlichen Anweisungen auch befolgt. Dazu ist Gehorsam nötig.

Die Empfänger dieses Briefes waren zunächst die gläubigen Christen in Rom. Aber das Evangelium richtet sich an alle Menschen. Darum gilt die Botschaft dieses Briefes auch uns.

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Paulus und die Gläubigen in Rom

Wenn der Apostel Paulus an die Gläubigen in Rom dachte, konnte er Gott danken, denn sie lebten ihren Glauben Tag für Tag aus. Ein solches Leben hinterliess in der ganzen Welt ein Zeugnis für Gott. Doch wenn er für diese Glaubenden betete, brachte er auch einen Wunsch seines Herzens vor Gott: Er wäre gern einmal zu ihnen nach Rom gekommen, um jenen Christen «etwas geistliche Gnadengabe mitzuteilen». Das bedeutet, dass er ihnen gern das Wort Gottes verkündigt hätte, entsprechend dem Auftrag, den er vom Herrn empfangen hatte. Zudem hoffte er, dass dieser Besuch zur gegenseitigen Ermunterung sein würde.

Schliesslich wünschte Paulus, dass durch seinen Dienst bei den Glaubenden in Rom etwas Frucht für Gott entstehen möchte. Die Briefempfänger waren schon bekehrt. Sie kannten aber noch nicht alles, was Gott am Tag ihrer Bekehrung gewirkt hatte. Darum wollte er ihnen das Evangelium verkündigen, indem er ihnen die grossen Heilstatsachen erklärte (Vers 15).

Das Evangelium ist Gottes Kraft. Es ist nicht nur eine Lehre, sondern das Wort Gottes, das Menschen, die es im Glauben annehmen, verändert. Es rettet die Glaubenden für Zeit und Ewigkeit. Es zeigt uns aber auch Christus, der am Kreuz die Strafe Gottes für unsere Sünden und das Gericht Gottes für die Sünde und ertrug. Auf der Grundlage dieses Werkes kann sich Gottes Gerechtigkeit im Evangelium offenbaren: Der Glaubende wird gerecht gesprochen.

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Die gottlosen Heiden

Von Kapitel 1,18 bis Kapitel 5,11 wird nun das Problem der Sünden der Menschen behandelt.

Jeder Mensch hat die Rechtfertigung aus Glauben nötig, denn jeder hat gesündigt und somit den Zorn Gottes auf sich gezogen. Jeder ist vor Gott verantwortlich, auch der, der die Bibel nicht kennt. Gott hat in der Schöpfung sowohl seine Kraft als auch seine Göttlichkeit offenbart, «damit sie ohne Entschuldigung seien».

Aber anstatt sich vor Gott, dem Schöpfer, zu beugen und Ihn zu verehren, hat der Mensch sich seit den Tagen Noahs von Gott weg dem Götzendienst zugewandt. Davon reden die Verse 21-23.

Und was ist die Folge, wenn der Mensch Gott den Rücken kehrt und nur nach seinen Begierden lebt? Bis heute geht Götzendienst mit sittlichem Verfall einher. Das finden wir in den Versen 24 und 25.

Doch es führt noch weiter. In den Versen 26 und 27 haben wir die Unmoral, in die Gott die Menschen laufen lässt, die nichts von Ihm wissen wollen. Sowohl lesbische Praxis als auch Homosexualität ist Sünde in Gottes Augen.

In Vers 28 steht zum dritten Mal in diesen Versen, dass Gott sie hingegeben hat. Dann folgt eine lange Liste von Ausdrücken, wovon einige mit Gewalttätigkeit zu tun haben. Es ist eine schreckliche Tatsache im Leben und in der Geschichte der Menschen, dass sie voll Gewalttat und Blutvergiessen sind.

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Die selbstgerechten Menschen

In den ersten fünf Versen werden jetzt Menschen beschrieben, die anständig leben wollen. Sie kommen ihren Pflichten nach und verwerfen grobe Sünden. Aber sie richten die, die nicht so leben wie sie. Und diesen Richtgeist, der oft milde mit sich selbst und streng mit den anderen ist, verurteilt Gott. Doch Er muss den Anständigen noch etwas Zweites vorhalten: Sie lassen sich nicht durch die Güte Gottes zur Buße leiten. Er greift in ihr Leben ein, aber anstatt Buße zu tun, sind sie störrisch und kehren nicht um. Auch sie werden Gottes gerechtes Gericht empfangen.

Die Erwähnung des Gerichts Gottes führt in den Versen 6-16 zu einigen grundsätzlichen Tatsachen über sein Handeln im Gericht. Gott richtet jeden nach dem, wie er wirklich gelebt hat (nach seinen Werken).

In Vers 7 haben wir das, was Gott anerkennt; aber nur ein bekehrter Mensch kann so leben, wie es hier steht.

In den Versen 8 und 9 haben wir, was Gott verurteilt. Dies betrifft den unbekehrten Menschen. Wenn Gott richtet, berücksichtigt Er das Mass der Kenntnis von Ihm und seinem Willen (Verse 9.10).

Die ernste Schlussfolgerung in den Versen 12 und 16 ist, dass alle Menschen unter das Gericht Gottes fallen, weil sie getan haben, was Ihm missfällt. Wie kann man diesem Tag des Gerichts entfliehen? Nur durch den Glauben an den Herrn Jesus, der gesagt hat: «Wer an mich glaubt, wird nicht gerichtet.»

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Die religiösen Juden

Bis jetzt haben wir zwei Gruppen von Menschen gesehen: die Unmoralischen und die Anständigen. Jetzt kommt noch eine dritte Kategorie vor uns: die Religiösen. Sie werden uns anhand der Juden geschildert. Der religiöse Mensch kennt, liest und hört Gottes Wort, tut es aber nicht. Gott verurteilt drei Verhaltensweisen solcher Leute.

Die Verse 17-20 schildern den Hochmut religiöser Menschen. Sie sind stolz darauf, die Bibel zu besitzen und eine äusserliche Beziehung zu Gott zu haben. Sie meinen, alles richtig beurteilen und andere führen zu können. Welch eine Anmassung! Als Glaubende wollen wir daraus lernen, bescheiden zu sein, nicht hoch von uns zu denken und in echter Demut zu leben.

Zu den Versen 21-24 könnte man sagen: Der religiöse Mensch äussert sich als Moralapostel. Er predigt Wasser und trinkt Wein, wie man so sagt. Wer das Wort Gottes nur predigt, aber nicht danach lebt, schadet dem Namen Gottes. Er bringt Gott in Verruf, der die Anordnungen in der Bibel gegeben hat.

Die Beschneidung ist das äussere Zeichen der Zugehörigkeit zur jüdischen Religion. Wenn ein Jude aber trotz seiner Beschneidung ungerecht und ungehorsam lebt, ist er ein Gesetzes-Übertreter. Er steht auf der gleichen Stufe wie ein Nicht-Jude. Er bildet sich auf die Zugehörigkeit zur richtigen Religion etwas ein, ist aber innerlich weit von Gott entfernt. Darum spricht Paulus in Vers 29 von der Beschneidung des Herzens. Damit meint er den Gehorsam gegenüber Gott und seinem Wort. Das ist entscheidend.

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Kritische Fragen

Dieser Abschnitt ist nicht so leicht zu verstehen. Doch der Apostel möchte in diesen Versen drei falschen menschlichen Schlussfolgerungen entgegentreten.

Die Juden besassen das Wort Gottes (das Alte Testament). Bewies nun der Unglaube von einigen dieser religiösen Menschen, dass Gottes Wort mangelhaft ist? Nein, das kann nicht sein. Gott ist treu, sein Wort ist vollkommen und Er steht zu seinen Aussagen (Verse 1-4).

In den Versen 5-7 wird das Gericht Gottes in Frage gestellt. Wenn das ungerechte Verhalten des Menschen die Herrlichkeit Gottes erst recht hervorhebt, ist Er dann nicht ungerecht, wenn Er das Böse richtet? Auch dieser verkehrten Schlussfolgerung widersteht der Apostel, indem er sagt: «Das sei ferne!»

Die dritte falsche Schlussfolgerung ist noch schlimmer. Man sagt: Böses fördert das Gute. Das wird im Ausspruch: «Lasst uns das Böse tun, damit das Gute komme!», behauptet. Eine solche Aussage ist nicht nur verkehrt, sie offenbart auch eine böse innere Einstellung. Darauf antwortet der Apostel: Wer so spricht, den wird das gerechte Gericht Gottes treffen.

Aus diesen Versen lernen wir drei Tatsachen:

  • Der Mensch kann das Gute von Gott nur verderben.
  • Alles Böse wird von Gott gerichtet und bestraft.
  • Doch Gott kann aus dem Bösen Gutes hervorbringen. Denken wir nur an Golgatha! Der Hass der Menschen hat Jesus Christus ans Kreuz gebracht. Aber sein Opfertod wurde zur Grundlage der Errettung für jeden, der Buße tut und an Ihn glaubt.

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Alle Menschen sind schuldig

In diesem Abschnitt finden wir das abschliessende Urteil Gottes über alle Menschen, egal zu welcher der drei vorgestellten Gruppen jemand gehört.

Alle Menschen sind schuldig, denn alle haben gesündigt. Sieben Bibelstellen aus dem Alten Testament belegen dies. Der Mensch ist im Kern verdorben. Kein Gerechter, keiner in Übereinstimmung mit Gott, alle unbrauchbar für Ihn! Aber der Mensch sündigt auch mit seinen Worten (Verse 13.14). Und sein Tun ist sündig (Verse 15-17). Das letzte Zitat: «Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen», zeigt, dass auch das Innere des Menschen und seine Beweggründe sündig sind.

Wie niederschmetternd lautet das Urteil Gottes in Vers 19! Es betrifft alle Menschen, sowohl die Religiösen, denen der Mund verstopft wird, als auch die Unmoralischen und die Anständigen, die ohne Gott leben. «Die ganze Welt ist dem Gericht Gottes verfallen.»

Im letzten Vers dieses Abschnitts erwähnt Paulus das Gesetz. Er meint damit die zehn Gebote. Sie sind Gottes Minimalanforderungen an den Menschen. Weil er aber ein Sünder ist, kann er Gottes Gebote nicht halten. Wer versucht, sie zu halten, um dadurch vor Gott gerecht zu werden, wird scheitern. Das Gesetz kann den Menschen nicht retten. Es zeigt ihm nur, wie sündig er ist. Das Gesetz gleicht einem Spiegel, der aufdeckt, wie schmutzig ich bin. Doch er kann mich nicht sauber machen.

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Gottes Gerechtigkeit im Evangelium

Der neue Abschnitt beginnt mit den Worten: «Jetzt aber.» Es ist die Zeit der Gnade, in der wir leben. Wir haben gesehen, dass das Gesetz (die zehn Gebote) die Sünde des Menschen nur aufzeigt, ihm aber nicht helfen kann. Gottes Lösung für das Problem unserer Sünden wird jetzt vorgestellt. Es geht um seine Gerechtigkeit, die durch das Erlösungswerk Christi am Kreuz erwirkt wurde. Der Heiland, der absolut gerecht gelebt hat, ging freiwillig für unsere Sünden ins Gericht Gottes. In den drei Stunden der Finsternis am Kreuz hat Ihn die gerechte Strafe über unsere Sünden getroffen. Er hat in diesem Gericht ausgeharrt, bis Er rufen konnte: «Es ist vollbracht!» Dadurch hat Er diese göttliche Gerechtigkeit erworben, die nun allen Menschen angeboten wird. Doch sie kommt nur denen zugut, die sie im Glauben ergreifen.

Vers 24 macht klar, dass Menschen, die gesündigt und Schuld auf sich geladen haben und dem Gericht Gottes entgegengehen, umsonst gerechtfertigt werden können. Der Mensch kann für das Heil nichts bezahlen. Ein anderer hat bezahlt: Jesus Christus. Er hat das Sühnmittel gegeben: sein Blut. Wer sich im Glauben auf Jesus Christus und sein Erlösungswerk stützt, wird vor Gott gerechtfertigt. Unendliche Gnade!

Gott hat auch den alttestamentlichen Gläubigen vergeben. Aber Er hat jene Sünden hingehen lassen, denn Er sah das Werk seines Sohnes voraus. Die Sühnung jener Sünden geschah erst in den drei Stunden der Finsternis am Kreuz. Wie umfassend ist doch das Erlösungswerk unseres Heilands!

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Aus Glauben gerechtfertigt

«Wo ist nun der Ruhm?» Der Apostel stellt diese Frage, weil es ein tief verwurzeltes Problem des Menschen ist, dass er geehrt werden will. Darum meint er auch, durch seine guten Taten Anerkennung bei Gott zu finden. Wie viele Menschen denken, Gott würde ihr Leben anhand einer Waage beurteilen. Auf die eine Schale lege Er die Sünden, auf die andere ihre vermeintlich guten Werke. Sie hoffen, die guten Werke würden die Sünden aufwiegen. Aber Gott benutzt in dieser Hinsicht keine Waage, denn 10 000 gute Werke eines Menschen nehmen nicht eine einzige Sünde weg. Der sündige Mensch kann nur durch das «Gesetz des Glaubens» vor Gott gerechtfertigt werden, d.h. indem er sich im Glauben auf das Erlösungswerk und den Erlöser stützt. Dabei fällt alle Ehre Gott zu. Da bleibt nicht der geringste Ruhm für den Menschen.

Wie herrlich ist die Botschaft der Verse 29 und 30! Gott ist der Gott aller Menschen. Das Angebot der Rechtfertigung gilt für religiöse und gottlose Menschen. Man kann sie aber nur durch den Glauben erlangen. Beim religiösen Menschen heisst es: «gerechtfertigt aus Glauben», im Gegensatz zu den menschlichen Anstrengungen. Beim gottlosen Menschen wird der Ausdruck «gerechtfertigt durch Glauben» benutzt, im Gegensatz zu einem anständigen Leben ohne Gott.

Durch den Glauben wird das Gesetz in keiner Weise aufgehoben. Es bleibt als Anzeiger für das, was Sünde in Gottes Augen ist, bestehen. Das ist der Nutzen des Gesetzes (Römer 7,7).

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Keine Rechtfertigung aus Werken

In diesem Kapitel wird von Abraham und David gesprochen, die bereits zur Zeit des Alten Testaments Rechtfertigung und Vergebung durch den Glauben an die Gnade und Allmacht Gottes erlangten. Paulus spricht von Abraham als «unserem Vater». Dieser Patriarch ist eine wichtige Person für die Menschen aus dem Volk Israel, aber auch für uns, die Glaubenden der Zeit der Gnade.

Abraham ist nicht aufgrund seiner Taten gerechtfertigt worden. Nein, er glaubte Gott aufs Wort und das wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. Wer sein Heil selbst erwirken will, dem sagt Gott, was er schuldig ist. Doch keiner kann es bezahlen. Wer aber nicht wirkt, sondern sich im Glauben auf das vollbrachte Erlösungswerk stützt, bekommt die Rechtfertigung geschenkt. Wie wunderbar! Auch David hat ohne Werke Vergebung empfangen und ist glücklich geworden.

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Keine Rechtfertigung durch das Gesetz

Die Juden sind stolz auf ihre Abstammung von Abraham. Er ist tatsächlich ihr Stammvater. Aber er glaubte, bevor er beschnitten wurde. Darum ist er der Vater aller Glaubenden, die abstammungsmässig nicht zum Volk Israel gehören. Das Glück der Rechtfertigung empfängt auch der Glaubende mit nichtjüdischer Herkunft.

Abraham bekam nachher das Siegel der Beschneidung als Bestätigung seines Glaubens. Darum ist er auch der Vater der Glaubenden mit jüdischem, religiösem Hintergrund. Das Glück der Rechtfertigung gilt auch den Glaubenden, die äusserlich zum Volk Israel gehören.

Die Verheissung im Blick auf das Erbe bedeutet Gottes Versprechen für die Zukunft der Glaubenden. Er hat uns tatsächlich Herrliches versprochen. Aber dieses zukünftige Teil bekommen wir nicht durch das Gesetz. Weil niemand das Gesetz halten kann, bewirkt es Zorn, d.h. göttliche Verurteilung am grossen weissen Thron und eine Zukunft im Feuersee. Nein, unser Erbe ist aus Glauben und nach Gnade. Wir glauben das, was Gott uns verheissen hat, und Er schenkt uns das Erbe aus Gnade.

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Die Auferstehungsmacht Gottes

Gott bringt Leben aus dem Tod hervor. Abraham hatte die Verheissung Gottes, dass er und Sara einen Sohn bekommen würden. Aber beide waren biologisch gesehen zu alt, um Kinder zu bekommen. Doch der Glaube Abrahams war so stark, dass er Gott und seinem Wort vertraute, obwohl es keine Hoffnung mehr gab. Er wusste, dass Gott nicht nur mächtig, sondern allmächtig ist. Er vertraute dem Allmächtigen und kam dadurch im Blick auf die Verheissung zu einer «vollen Gewissheit». Diesen Glauben hat Gott bestätigt und es ihm als Gerechtigkeit angerechnet.

Dies alles aber steht nicht nur wegen Abraham in der Bibel. Es ist auch für uns geschrieben. Wir glauben wie Abraham, dass Gott aus dem Tod Leben hervorbringen kann. Er bewies es in der Auferweckung des Herrn Jesus. Christus ist aus den Toten auferstanden. Am Kreuz hat Er die Strafe für unsere Sünden erduldet und ist gestorben. Das ist die Grundlage unserer Rechtfertigung. Aber der Segen der Rechtfertigung fliesst uns durch den Auferstandenen zu.

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Frieden mit Gott

Nachdem die Rechtfertigung aus Glauben als Antwort auf das Problem unserer Sünden vorgestellt wurde, folgt ein Lobpreis. In diesen Versen heisst es dreimal, dass wir uns rühmen. Wir rühmen uns in der Hoffnung (Verse 1.2), in der Trübsal (Verse 3-10) und wir rühmen uns Gottes (Vers 11).

In den Versen 1 und 2 geht es um unsere Vergangenheit, um die Gegenwart und um unsere Zukunft. Unsere Vergangenheit als Glaubende ist mit Gott geordnet. Wir sind gerechtfertigt und haben Frieden mit Ihm. Jetzt in der Gegenwart haben wir freien Zugang zu Gott. Wir stehen in seiner Gunst. So dürfen wir in jeder Lage zu Ihm kommen – auch dann, wenn wir in Sünde gefallen sind. Unsere Zukunft ist völlig gesichert. Wir werden in seine Herrlichkeit eingehen.

Die Trübsale umfassen alle Prüfungen, die Gott auf unseren Lebensweg legt. Dadurch möchte Er etwas in unserem Leben erreichen. Wir sollen in der Not bei Gott ausharren, in den Übungen Erfahrungen mit Ihm machen und unser ganzes Vertrauen auf Ihn setzen. Es ist gut, wenn wir in schweren Tagen an die Liebe Gottes und an unseren Erlöser denken, wie Er am Kreuz für uns gestorben ist, als wir noch ohne Gott in der Sünde lebten. Die Beschäftigung mit der Liebe Gottes wird unsere Herzen auch in der Trübsal froh machen.

In Vers 11 rühmen wir Gott, den Geber von allem, was uns Gläubigen geschenkt ist. Der Geber ist grösser als die Gabe. Wir sind nicht nur glücklich bei Gott, weil Er uns so viel gibt, sondern weil Er ein so wunderbarer, gnädiger und liebender Gott ist.

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Die Stellung von Gerechten

Jetzt behandelt der Apostel das Problem der Erbsünde. Und die Lösung? Es ist der Tod des Herrn Jesus. Beim Problem der Sünden stand sein Blut als Lösung vor uns (Römer 3,25; Hebräer 9,22).

Fast in jedem Vers dieses Abschnitts gibt es eine Gegenüberstellung. Es geht um zwei Gruppen oder Familien von Menschen. Beide haben ein Oberhaupt und beide Anführer haben eine Tat vollbracht, die für ihre Familie ein weitreichendes Ergebnis zur Folge hat.

Durch Adam ist die Sünde in die Welt gekommen und damit der Tod. Jedes Baby, das geboren wird, gehört zur Familie von Adam und trägt bereits den Keim des Todes in sich. Es hat die Erbsünde in sich.

Im Kontrast zu Adam wird in diesen Versen Jesus Christus vorgestellt als das Haupt einer anderen Gruppe oder Familie. Es sind alle Glaubenden. Sie kommen in den Genuss von dem, was Christus am Kreuz vollbracht hat. Ihnen ist die Gnade zuteil geworden.

In Vers 18 wird sowohl im Blick auf Adam als auch auf Christus von allen Menschen gesprochen. Es geht um die Zielrichtung. Aufgrund des Todes von Jesus Christus können alle die Rechtfertigung des Lebens bekommen. Aber nur die, die an Ihn und seinen Opfertod glauben, empfangen dieses Geschenk wirklich.

In Vers 19 ist von unserer Stellung als Gläubige die Rede. Wir haben sie bekommen, weil der Herr Jesus bis in den Tod am Kreuz gehorsam war. Möchten wir mehr die wunderbare Gnade rühmen, die uns zum ewigen Leben geführt hat!

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Frei von der Sünde

In diesem Kapitel werden wir belehrt, dass wir als Gläubige nicht mehr sündigen müssen, obwohl wir die Erbsünde, dieses böse Prinzip, noch in uns haben. Wie geht das? Wir sind mit Jesus Christus der Sünde gestorben, d.h. Gott rechnet uns den Tod unseres Erlösers an, durch den wir von der Macht der Sünde befreit worden sind. Da wir aber noch sündigen können, helfen uns diese Verse, täglich frei von der Sünde zu leben.

Das Kapitel beginnt mit der rhetorischen Frage: Sollen wir weiter den Begierden der in uns wohnenden Sünde nachgeben und sündigen? Nein, niemals. Wir sind doch der Sünde gestorben. In der Taufe haben wir bezeugt, dass wir gestorbene Leute sind, die auf die Sünde nicht mehr reagieren wollen. Vielmehr möchten wir mit dem Herrn Jesus ein neues Leben führen.

Vor unserer Bekehrung wurden wir von der Sünde beherrscht. Das war «unser alter Mensch». Seitdem wir geglaubt haben, betrachtet Gott diesen alten Menschen als mit Christus gekreuzigt. Am Kreuz hat Er mit ihm abgerechnet, und zwar in der Person unseres Stellvertreters. Nun dürfen wir als solche leben, die der Sünde gegenüber tot sind. Wir reagieren nicht mehr auf ihre Begierden. Wir müssen nicht mehr sündigen. Möchten wir dies Tag für Tag verwirklichen!

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Gott zur Verfügung stehen

Vers 8 schaut in die Zukunft. Einst werden wir das Auferstehungsleben fern von Sünde und Tod mit dem Herrn Jesus teilen. Darum sollten wir bestrebt sein, jetzt schon durch Gottes Gnade ein reines, sündloses Leben zu führen (Vers 11).

Vers 12 schliesst direkt an die Ausführungen in den Versen 5-11 an. Gott fordert uns mit Bestimmtheit auf, der Sünde nicht nachzugeben. Wir sollen auch unsere Glieder – Mund, Hände, Füsse – nicht in den Dienst der in uns wohnenden Sünde stellen, sondern uns mit allem, was wir sind, Gott zur Verfügung stellen. Das wird zu einem glücklichen Leben der Freiheit, aber auch der Dankbarkeit für die erfahrene Gnade führen.

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Gehorsam, Gerechtigkeit, Heiligkeit

In Vers 15 folgt die zweite rhetorische Frage. Das Gesetz sagt klar, was Sünde ist. Und die Gnade? Ist das Sündigen unter der Gnade weniger schlimm? Niemals! Das Bewusstsein der Gnade führt uns dahin, es mit der Sünde noch ernster zu nehmen.

Zum besseren Verständnis gebraucht der Apostel zweimal das Beispiel der Sklaverei:

  • Vor unserer Bekehrung waren wir Sklaven der Sünde, der Unreinheit und der Gesetzlosigkeit. Wir mussten sündigen, wir wurden von unreinen Begierden getrieben und sündigten, wir handelten eigenwillig.
  • Jetzt hat sich das geändert. Wir wünschen nun aus Liebe zum Herrn, Gott in allem zu gehorchen. Wir sind Sklaven der Gerechtigkeit geworden. Als solche sind wir fähig, ein Leben zu führen, das in Übereinstimmung mit Gott ist. Ja, wir sind Gott zu Sklaven geworden. Das bedeutet: Als Erlöste sind wir Ihm von Herzen gehorsam. Die Frucht eines solchen Lebens ist praktische Heiligung (konsequente Trennung von allem Bösen und Hingabe an Gott) und das Ende davon ewiges Leben.

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Frei vom Gesetz

Nun zeigt der Apostel, wie der Gläubige vom Gesetz (vor allem den zehn Geboten) befreit ist. Er muss es nicht erfüllen, um zu Gott zu kommen. Er hat ja durch den Glauben an den Erlöser bereits Frieden mit Gott und steht in seiner Gunst. Das Gesetz ist auch nicht seine Lebensregel. Jesus Christus ist der Massstab für sein Verhalten.

Anhand des Ehegesetzes erklärt Paulus, wie der Gläubige vom Gesetz befreit ist. Wenn der Ehemann einer Frau gestorben ist, ist sie frei, sich mit einem anderen Mann zu verheiraten. In der Anwendung auf die Gläubigen dreht Paulus die Sache um. Nicht das Gesetz ist gestorben, sondern wir, die wir uns bekehrt haben. Dies geschah durch den Leib des Christus, denn Gott sieht uns im Tod von Christus ebenfalls als gestorben an. Dadurch sind wir frei vom Gesetz. Ein Toter steht nicht mehr unter den Forderungen des Gesetzes.

Als Gläubige sind wir mit dem auferstandenen Herrn verbunden. In dieser neuen Beziehung können wir Gott Frucht bringen, d.h. für Ihn leben (Vers 4).

Dass wir vom Gesetz losgemacht sind, ist auch für unser tägliches Glaubensleben wichtig. Wir möchten gern Gottes Willen tun, Ihm dienen. Aber wir tun dies nicht, indem wir das Gesetz zu unserer Lebensregel machen (das Alte des Buchstabens). Nein, wir dienen im «Neuen des Geistes», d.h. in der Verbindung, die wir jetzt zu Christus haben. Unser Leben richtet sich nach Ihm aus. Ihm möchten wir so viel wie möglich gefallen.

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Das Gesetz ist gut, die Sünde ist böse

In diesen Versen wird der Nutzen des Gesetzes (der Gebote) aufgezeigt: Durch das Gesetz erkennt der Mensch, was Sünde in den Augen Gottes ist. Wenn wir an die zehn Gebote denken, müssen wir sagen: Sie sind gut, denn sie kommen von Gott. Das Problem liegt bei uns Menschen, und zwar in verschiedener Hinsicht:

Anhand des Gesetzes erkennen wir, was Sünde ist. Darum hat das Gesetz auch in unserer Zeit seine Bedeutung. Das ist das Erste.

Sobald jedoch ein Verbot vorliegt, regt sich in uns die Begierde, das Unerlaubte erst recht zu tun (Vers 8). Diese Erfahrung macht jeder, der Kinder hat und sie erzieht: Verbote reizen zum Ungehorsam.

Und wenn jemand sich aufrichtig Mühe gibt, die Gebote zu halten? Aus eigener Anstrengung wird er es nicht schaffen, immer alle Gebote zu erfüllen. Darum erweist sich das Gebot, das zum Leben gegeben war, zum Tod (Vers 10).

Aber worin besteht der in Vers 11 erwähnte Betrug? Die in uns wohnende Sünde sagt: Du kannst das Gesetz erfüllen, du musst dich nur anstrengen und an dir arbeiten. Aber das ist ein Betrug. Wir erfahren bald, dass wir es nicht schaffen. Da nützen auch alle guten Vorsätze nichts.

Die Verse 12 und 13 fassen die Resultate zusammen: Durch das Gesetz kommt die Sünde in ihrer ganzen Verdorbenheit ans Licht. Und diese im Menschen wohnende Sünde führt zu dem hoffnungslos toten Zustand, in dem sich jeder Ungläubige befindet – ob er es wahr haben will oder nicht.

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Befreiung durch Jesus Christus

Ab Vers 14 spricht nun ein bekehrter Mensch. Weil es eine Kehrtwendung in seinem Leben gab, möchte er nun ein Leben führen, das Gott gefällt. Doch er versucht es aus eigener Kraft und kommt zur Einsicht: Das schaffe ich nicht. Er stellt dabei Folgendes fest:

  1. Das Gesetz ist gut, der Mensch aber schlecht (Vers 14).
  2. Der Mensch ist ein Sklave der Sünde. Er will das Gute tun, aber er hat keine Kraft dazu. Die in ihm wohnende Sünde führt ihn dahin, das Böse zu tun, obwohl er das Gute zu tun wünscht.
  3. Als bekehrter Mensch lernt er zwischen seiner Persönlichkeit und der in ihm wohnenden Sünde zu unterscheiden (Vers 17).
  4. Durch die Erbsünde, die stärker als sein Wille ist, wird ihm klar, dass nichts Gutes in ihm wohnt.

Die Verse 19-21 zeigen, dass es sich um einen bekehrten Menschen handelt. Denn nur jemand, der neues Leben hat, will Gott gefallen und das tun, was vor Gott recht ist. Aber die Kraft der Sünde in ihm ist stärker als der Wunsch, zur Freude Gottes zu leben. Wie kommt man aus einem solchen Elend heraus? Die Hilfe muss von aussen kommen.

Zu diesem Ergebnis gelangt dieser Mensch in Römer 7. Nun hört er auf, sich selbst helfen zu wollen und sucht die Hilfe bei Gott. Er dankt Ihm dafür, dass der Herr Jesus auch für dieses Problem die Lösung ist (siehe Römer 8). Doch er weiss jetzt auch, dass er zwei Naturen hat: die alte, unverbesserliche, und die neue, von Gott geschenkte.

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Eckpunkte der Befreiung

Am Ende von Kapitel 7 hat der bekehrte Mensch von sich weg auf den Herrn Jesus geblickt. Jetzt wird gesagt, dass es für den Glaubenden keine Verdammnis mehr gibt, obwohl die Sünde noch in ihm ist. Wie kommt es zu einer Befreiung von der Gesetzmässigkeit der Sünde und des Todes, die wir in Römer 7 sahen? Durch den Herrn Jesus, der das Urteil über die Sünde damals am Kreuz auf sich genommen hat und gestorben ist. Er starb für das, was wir von Natur sind. Uns Glaubenden hat Gott ein neues Leben geschenkt. Zudem haben wir den Heiligen Geist empfangen, der die Kraft für dieses Leben ist.

Nun liegt es an uns, die wir an den Herrn Jesus glauben, in der Kraft des Heiligen Geistes ein Gott wohlgefälliges Leben zu führen. Das ist ein Wandel nach dem Geist (Vers 4).

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In der Freiheit leben

Da wir neben dem neuen Leben noch die alte Natur haben, besteht die Gefahr, dass wir der Sünde in uns nachgeben. Dann leben wir nach dem Fleisch (Vers 5) und das ist zur Unehre des Herrn.

In Vers 9 spricht der Apostel die Glaubenden an. Weil der Geist Gottes in jedem Gläubigen wohnt, sollte dies auch im praktischen Leben sichtbar werden. Wie? Indem durch das Wirken des in uns wohnenden Heiligen Geistes die Wesenszüge des Herrn Jesus an uns gesehen werden. Dann ist Christus in uns, wie Vers 10 es sagt. Und einmal wird auch unser sterblicher Körper, in dem jetzt noch die Sünde ist, lebendig gemacht, d.h. erlöst. Garantie dafür ist der Heilige Geist in uns.

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Schuldner, Söhne, Kinder, Erben

Gott möchte nicht, dass die Gläubigen wieder der Sünde, die in ihnen wohnt, nachgeben. Wir sollen nicht nach dem Fleisch leben, denn dadurch kommen wir auf einen Weg des Todes, obwohl wir wissen, dass kein Gläubiger sein Heil wieder verlieren kann. Aber Gott redet ernst, wenn es um die Sünde im Leben seiner Kinder geht.

Gott wünscht von all den Seinen, dass sie im Geist leben, dass sie sich mit Christus beschäftigen, damit Er ihr Herz und Leben praktisch erfüllen kann. Dadurch, dass der Geist Gottes in uns wohnt und dieser uns leitet, sind wir Söhne Gottes geworden. Wir sind von Ihm als Söhne angenommen. Welch eine grossartige Tatsache! Wir dürfen freimütig und mit frohem Zutrauen «Abba, Vater» zu Gott sagen. Was sind wir doch für bevorrechtete Menschen!

In Vers 16 werden wir als Kinder bezeichnet. Kinder Gottes sind wir durch die Neugeburt geworden. Wir sind in die Familie Gottes hineingeboren worden. Der Heilige Geist, der in uns wohnt, lässt uns dies auch empfinden. Er gibt uns durch die Aussagen der Bibel die Gewissheit, dass wir jetzt schon Kinder des himmlischen Vaters sind. Wir dürfen seine Liebe erfahren und geniessen.

Als Kinder sind wir auch Erben. Der Augenblick wird kommen, da der Herr Jesus, der Erstgeborene vieler Brüder, der Haupterbe, seine Herrschaft über das Universum antreten wird. Dann werden wir mit Ihm erben.

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Die Erlösung des Körpers

Im Anschluss an Vers 17 kommt der Apostel nun auf die Leiden zu sprechen, die jetzt das Teil der Glaubenden sind, denn unser Körper ist noch nicht erlöst. Er gehört zur ersten Schöpfung, die durch den Sündenfall Adams unter den Fluch gekommen ist und immer noch seufzt. Aber wir haben eine Hoffnung. Darum harren wir in den Leiden aus.

In dieser Zeit des Wartens freuen wir uns auf die Erlösung unseres Körpers. Sie ist eine sichere Sache, obwohl bei unserer Bekehrung erst die Seele errettet wurde. Seither sind wir unterwegs zum himmlischen Ziel, das wir noch nicht erreicht haben. Daher der Ausdruck «in Hoffnung errettet».

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Nach Vorsatz berufen

Bis sich die Hoffnung der Erlösung unseres Körpers erfüllt, seufzen wir nicht nur, wir haben auch das Vorrecht und die Möglichkeit des Gebets. Aber oft wissen wir nicht, wie wir beten sollen, was vor Gott recht ist. Da kommt uns der Heilige Geist zu Hilfe (Vers 26). Doch eins dürfen wir wissen: Alles, was uns begegnet, wirkt zum Guten mit. Dafür ist Gott besorgt.

In den Versen 29 und 30 stellt der Apostel den Vorsatz Gottes mit uns Glaubenden vor. Diesen zu kennen, bedeutet eine grosse Ermunterung auf dem Glaubensweg. In der Ewigkeit hat Gott an jeden Einzelnen gedacht, der in der Zeit der Gnade an den Herrn Jesus glauben würde. Dabei hat Er ein Ziel mit uns (Vers 29). In der Zeit hat Er dafür gesorgt, dass wir das Evangelium hörten und uns bekehrten. Jetzt steht noch das Letzte aus: Wir sollen verherrlicht werden, d.h. ans Ziel kommen. Gott selbst garantiert, dass jeder Glaubende den Himmel erreicht.

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Gott ist für uns

Nachdem der Apostel in den zurückliegenden Kapiteln das grosse Heil Gottes für die Menschen in seinem ganzen Ausmass vorgestellt hat, ist er selbst überwältigt. Das zeigen uns die Fragen, die aus dem dankbaren Herzen des Apostels kommen.

Wenn Gott, der Höchste, für uns ist, wer kann dann gegen uns sein? Niemand! Der beste Beweis, dass Gott für uns ist, ist die Gabe seines Sohnes. Ihn hat Er als Mensch auf die Erde, ans Kreuz, in die drei Stunden der Finsternis und in den Tod gegeben! Mit Ihm schenkt Er uns alles.

Der Feind versucht immer wieder, glaubende Menschen zu verunsichern und ihre Heilsgewissheit zu erschüttern. Aber niemand – auch Satan nicht – kann uns vor Gott anklagen oder sogar mit der Verdammnis drohen. Gott selbst verteidigt die Seinen.

Und wie ist es mit den Lebensproblemen, die uns oft grosse Mühe bereiten? Müssen wir in den Schwierigkeiten des Lebens verzweifeln? Nein! Der Herr Jesus verwendet sich für uns. Er bemüht sich um uns, dass wir nicht untergehen. In allen Lebenslagen dürfen wir wissen: Jesus Christus im Himmel liebt uns und will uns vom Himmel her helfen.

Wie können wir mehr als Überwinder sein? Indem wir zurück nach Golgatha ans Kreuz blicken. Dort wurde die Liebe Gottes zu uns völlig offenbart. Dort hat der Herr Jesus ein vollgültiges Erlösungswerk vollbracht. Darauf dürfen wir uns in jeder Lebenslage stützen und in der Liebe Gottes ruhen.

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Israel hat grosse Vorrechte

Die Kapitel 9 – 11 bilden einen besonderen Abschnitt im Römer-Brief. Darin wird die Frage behandelt, was mit den speziellen Verheissungen Gottes an das Volk Israel geschieht. Welchen Platz nehmen sie neben den göttlichen Heilsplänen mit allen Menschen, inklusive die Juden, ein?

Der Apostel Paulus beginnt seine Ausführungen zu diesem Thema, indem er seine Liebe zu seinen Landsleuten hervorhebt. In seinen Zuneigungen zu ihnen war er aber doch sehr traurig, denn er dachte an das, was die Führer der Juden getan hatten. Sie haben ihren Messias abgelehnt und gekreuzigt. Sie haben nach der Auferstehung und Himmelfahrt von Christus auch das Zeugnis des Heiligen Geistes abgelehnt. Am liebsten hätte der Apostel auf sein Heil in Christus verzichtet, wenn er den Israeliten damit hätte helfen können. Aber kein Mensch kann für einen anderen die Schuld auf sich nehmen.

In den Versen 4 und 5 zählt der Apostel einige der Vorrechte auf, die dieses Volk von Gott empfangen hatte. Gott bezeichnet Israel als seinen Sohn (2. Mose 4,22.23). In der Wolke der Herrlichkeit machte Gott seine Gegenwart bei diesem Volk sichtbar. Er schloss Bündnisse mit ihnen, gab ihnen sein Gesetz und verordnete in der Stiftshütte den Gottesdienst nach seinen Gedanken. In Abraham, ihrem Stammvater, besassen sie bedingungslose Verheissungen. Aber das grösste Vorrecht war, dass Christus als Mensch von diesem Volk abstammte. Gleichzeitig war Er aber ewiger Gott. Er ist beides: wahrer Mensch und ewiger Gott.

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Gott handelt souverän

Nun kommt der Apostel auf die Souveränität Gottes zu sprechen. Wenn Er etwas tut, ist Er niemand dafür verantwortlich. Er handelt nach seinem Willen und entsprechend seinem Wesen. Das musste das Volk Israel, das so stolz auf seine Vorrechte ist, verstehen lernen.

Zuerst wird anhand der zwei Söhne Abrahams und der Zwillingssöhne Isaaks und Rebekkas gezeigt, dass der Segen Gottes nur den Nachkommen zukam, die Gott in seiner souveränen Gnade ausgewählt hatte: Isaak und Jakob.

Bei Jakob und Esau kommt nicht nur die Souveränität Gottes zum Ausdruck, da wird auch klar, dass der Mensch für sein Tun verantwortlich ist. Bevor die Zwillinge geboren waren, traf Gott eine freie Wahl: «Der Grössere wird dem Kleineren dienen.» Der souveräne Gott legte die Rangordnung fest. Viele Jahre nachdem die beiden gelebt hatten und gestorben waren, sagte Gott: «Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst» (Maleachi 1,2.3). Gott hat Jakob aus Gnade geliebt, aber Er hat Esau auf Grund seines Verhaltens gehasst. Er war ein Ungöttlicher und hat das Erstgeburtsrecht verachtet (Hebräer 12,16).

Es stellt sich nun die Frage, ob Gott in seinem souveränen Handeln ungerecht ist. Er ist es nicht. Im Blick auf Israel handelte Er in Gnade, obwohl das Volk das Gericht verdient hatte (Verse 15.16). Im Blick auf den Pharao handelte Er gerecht. Erst nachdem dieser Herrscher mehrmals sein Herz gegenüber Gott verhärtet hatte, folgte das göttliche Gericht der Verhärtung.

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Gott wartet lange, bis Er richtet

Immer wieder getraut sich der Mensch, Gott zu kritisieren oder gegen Ihn zu reden. Da muss der Apostel klarstellen, wie klein wir Menschen und wie erhaben Gott ist. Er ist der Töpfer, wir sind der Ton. Der Töpfer kann ein Gefäss nach seinem Gutdünken machen, er muss nicht zuerst den Ton fragen.

Wenn der inspirierte Schreiber auf die Gefässe des Zorns und die Gefässe der Begnadigung zu sprechen kommt, werden zwei Punkte klar: Die Gefässe des Zorns (die gottlosen Menschen) sind nicht von vornherein zum Verderben bestimmt. Sie ziehen sich durch ihren Ungehorsam und ihre Auflehnung gegen Gott selbst das Gericht zu. Die Gefässe der Begnadigung sind alles Erlöste. Gott hat sie begnadigt, obwohl sie das Gericht verdient hatten. Alles ist geschenkt.

Die Verse 24-26 beschreiben die Zeit, in der wir leben. Da gibt es Menschen aus den Juden und aus den Nationen, die die Gnade Gottes erfahren. Beide werden auf den Boden des christlichen Glaubens gestellt.

Die Verse 27-29 beschreiben die zukünftige Drangsalszeit, in der ein Überrest aus Israel gerettet und von Gott wieder als sein irdisches Volk anerkannt wird. Er wird diese schlimme Zeit abkürzen, weil sonst kein Einziger überleben und in das Tausendjährige Reich eingehen würde. – In den Schlussversen wird deutlich, dass Gott das Volk Israel als Nation verworfen hat. Sie haben das Gesetz nicht gehalten, obwohl sie meinten, auf diesem Weg Gott zu gefallen, und sie haben Christus, den Stein in Zion, gekreuzigt. Nur der Einzelne, der an Christus glaubt, wird gerettet.

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Rettung nur durch Glauben

Welch eine Liebe des Apostels zu den Israeliten! (Vers 1). Es ist der Wunsch seines Herzens, dass sie errettet werden. Warum? Weil sie verloren sind. Nur Abgeirrte und Verlorene haben Errettung nötig.

Leider versuchen sie – und dies mit grossem Eifer – auf einem falschen Weg, vor Gott gerecht zu werden: durch die Erfüllung des Gesetzes. Aber wegen der im Menschen wohnenden Sünde gelingt es niemand – auch den Juden nicht –, das Gesetz immer und in allem zu halten. Sie hätten erkennen sollen, dass Christus das Ende des Gesetzes ist, d.h. dass die Epoche zu Ende ist, in der das Gesetz das Mittel war, um vor Gott gerecht zu werden. Und sie hätten an den Herrn Jesus glauben sollen. Doch das wollten sie nicht (Vers 3).

Jetzt ist Jesus Christus und der Glaube an Ihn der Weg zu Gott. Um diese Rettung zu erlangen, sind keine Anstrengungen des Menschen nötig (Verse 6.7). Der Retter ist zu uns gekommen und am Kreuz für uns gestorben. Seine Auferstehung ist der Beweis für die Vollgültigkeit seines Erlösungswerks. Der Mensch, der gerettet werden will, muss nur eines tun: mit dem Mund Jesus als Herrn bekennen (sich Ihm und seinem Urteil unterordnen) und im Herzen an Ihn und sein vollbrachtes Erlösungswerk glauben.

Die Verse 11-13 enthalten eine wunderbare Botschaft. Jeder ist angesprochen. Jeder hat die gleiche Möglichkeit. Jeder kann errettet werden. Der Heiland ist reich für alle, die Ihn anrufen. Aber diesen Schritt – zu Ihm kommen – muss der Mensch tun.

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Verkündigung und Unglaube

Ab Vers 14 geht es um die Verkündigung der herrlichen Botschaft des Evangeliums (Verse 11-13). Der Weg zur Errettung ist wirklich einfach. Doch wie sollen Menschen davon wissen, wenn es ihnen nicht erzählt wird? Sie können doch erst glauben, wenn sie die Botschaft gehört haben.

Damit ein Verkündiger des Evangeliums seine Aufgabe wirklich erfüllen kann, muss er vom Herrn gesandt sein (Vers 15). Dabei wird er die traurige Erfahrung machen, dass nicht alle das Evangelium annehmen. Manche lehnen Gottes Botschaft ab (Vers 16).

Der 17. Vers stellt einen allgemeinen Grundsatz vor: Der Glaube kommt aus der Verkündigung, aber diese muss das Wort Gottes zur Grundlage haben.

Gott spricht die Menschen nicht nur durch das verkündete Evangelium an. Er benutzt dazu auch die Schöpfung. Er hat verschiedene Mittel, um die Menschen aufzurütteln. Keiner kann sich entschuldigen, alle können gerettet werden, wenn sie nur wollen (Vers 18).

Die Verse 19-21 beziehen sich auf die Zeit, in der wir leben. Weil das Volk Israel auf die Geduld Gottes mit Ungehorsam und Widerspruch geantwortet hat, hat Er sich von ihm als Nation abgewendet. Israel ist zur Zeit nicht ein Volk mit besonderen Vorrechten. Stattdessen richtet Gott sein Evangelium an alle Menschen. Das gilt sogar für die Einzelnen aus Israel, die sich von Gottes Liebe zum Heiland ziehen lassen.

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Nicht für immer verworfen

Der inspirierte Schreiber belegt seine Ausführungen über das Volk Israel in den Kapiteln 9 – 11 mit sehr vielen Bibelstellen aus dem Alten Testament. Das fällt auch in den vorliegenden Versen auf.

Gott hat sein irdisches Volk nicht völlig verstossen. Auch in der Zeit der Gnade rettet Er Einzelne aus diesem Volk. Paulus selbst ist dafür der schlagendste Beweis. So wie es zur Zeit des Propheten Elia einen Überrest nach Auswahl der Gnade gab, so gibt es ihn auch heute (Vers 5). Aber jeder Erlöste aus Israel kann nur aus Gnade, ohne irgendetwas selbst tun zu können, errettet werden (Vers 6).

In Vers 7 haben wir drei Unterscheidungen in Israel:

  • Israel als Volk erlangte Gottes Gunst nicht, weil es den Messias verwarf.
  • Die Auserwählten sind von Gott angenommen, denn sie haben sich vor Ihm gebeugt und an Jesus Christus geglaubt.
  • Die Übrigen sind bis heute verstockt, denn sie lehnen Jesus Christus als ihren Messias ab. Sie verharren im Unglauben.

Als Folge ihres Unglaubens sind die Übrigen «verhärtet worden», d.h. das göttliche Gericht der Verhärtung kam über sie. Das wird durch drei Zitate aus dem Alten Testament belegt, und zwar je eine Stelle aus den Büchern Mose (5. Mose 29,3), den Psalmen (Psalm 69,23.24) und den Propheten (Jesaja 29,10). Alle drei grossen Teile des Alten Testaments dokumentieren dieses ernste göttliche Gericht.

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Der Ölbaum

In Vers 11 geht es um die Frage, ob das Volk Israel für immer zu Fall gekommen ist. Nein, nur für eine bestimmte Zeit. Weil die Menschen aus Israel Jesus Christus verworfen haben, haben sie ihre besondere Stellung als Volk Gottes verloren. Ihr Fall bringt den anderen Nationen einen grossen Reichtum. Ihnen wird jetzt durch das Evangelium uneingeschränkt und direkt die Gnade Gottes zur Errettung angeboten. Doch die Zeit wird kommen, da Gott den gläubigen Überrest des Volkes Israel in den Segen des Tausendjährigen Reiches einführt. Dann werden die Nationen wieder von Israel profitieren. Davon reden die Verse 12 und 15.

Das Bild vom Ölbaum (ab Vers 16) weist auf das Zeugnis Gottes auf der Erde und den damit verbundenen Segen hin. Abraham, dem Gott Verheissungen gab und den Er aus der Welt für sich heiligte, ist der Erstling, die Wurzel dieses Baums. Nach der Verwerfung von Jesus Christus wurde Israel als Gottes Zeuge auf der Erde beiseite gesetzt: Einige Zweige sind ausgebrochen worden. Ein wilder Ölbaum wurde eingepfropft. Das Christentum, vorwiegend aus Menschen aus den Nationen, wurde zum Zeugnis Gottes auf der Erde.

Doch das Christentum hat versagt. Darum werden die Warnungen in den Versen 21 und 22 wahr werden. Die eingepfropften Zweige werden wieder ausgebrochen werden. Das Christentum als Zeugnis Gottes wird weggetan werden. In der Zukunft ist es der treue Überrest aus Israel, der erneut das Zeugnis Gottes auf der Erde bilden wird (Israel im Tausendjährigen Reich).

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Der Erretter kommt aus Zion

Die «Vollzahl der Nationen» bedeutet die Gesamtheit derer, die in der gegenwärtigen Zeit an den Herrn Jesus glauben. Gott kennt die Gesamtzahl aller Erlösten der Gnadenzeit. Wenn der letzte von ihnen zum Glauben kommt, ist die christliche Zeit abgeschlossen. Dann wendet sich Gott erneut dem Volk Israel zu.

Ganz Israel – repräsentiert durch den zukünftigen Überrest – wird gerettet werden. Dies geschieht durch den Erretter, der aus Zion kommen wird: Jesus Christus. Er wird die Gottlosigkeit Jakobs abwenden und diesen Abfall von Gott heilen.

Auch wenn die Juden gegenüber dem Evangelium der Gnade Gottes heute noch Feinde sind, so wird Gott doch mit ihnen zum Ziel kommen. Er wird seine Verheissungen einlösen. Wie schön ist der Ausdruck: «Sie sind Geliebte, um der Väter willen!» Gott liebt sie, weil Er den Patriarchen Verheissungen gegeben hat. Die Wiederherstellung Israels wird auf der gleichen Grundlage erfolgen, wie wir zum Frieden mit Gott gekommen sind: aus reiner Gnade.

Wenn Paulus das Handeln Gottes mit den Menschen überdenkt – Er bietet das Evangelium der Gnade allen Menschen an und erfüllt alle Verheissungen an Israel –, dann kann er Ihn nur loben und preisen. Voll Bewunderung betrachtet er die Grösse und Erhabenheit Gottes und staunt über seine Wege mit den Menschen. Was Er tut und wie Er handelt, übersteigt unseren Verstand. Ihm gebührt jedes Lob und jede Anbetung, jetzt und ewig.

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Für Gott leben und dem Herrn dienen

In diesem und den weiteren Kapiteln des Römer-Briefs finden wir Hinweise für unser tägliches Leben als glaubende Christen. Wie soll unser Dienst für Gott aussehen? Wie sollen wir uns in Ehe und Familie, im Beruf, im Zusammenleben mit anderen Gläubigen und gegenüber Ungläubigen verhalten? Das wird nun gezeigt.

In Vers 1 werden wir zu einem Leben der Hingabe an den Herrn Jesus und der Selbstverleugnung aufgerufen. Wir sollen uns weder äusserlich der Welt anpassen, noch uns innerlich von ihren Ideen beeinflussen lassen. In unserem täglichen Leben sollte nicht die Meinung der Menschen massgebend sein, sondern der Wille Gottes. Er möchte, dass wir die Anweisungen der Bibel befolgen, das tun, was Ihm Freude bereitet, und im rechten Moment das Richtige auf die richtige Weise ausführen.

Nach den Ermahnungen, die für alle gelten, geht es in den Versen 3-8 um den persönlichen Dienst. Der Herr schenkt jedem andere Fähigkeiten und gibt nicht jedem die gleiche Aufgabe. Die Gefahr besteht, dass wir uns überschätzen. Daher die Ermahnung in Vers 3.

Die Gläubigen bilden zusammen eine Einheit: den Leib des Christus. Einzeln sind sie Glieder an diesem Leib und haben unterschiedliche Aufgaben und Funktionen. Eine ganze Reihe von Diensten wird erwähnt. Wenn jeder von uns seine Gabe und damit seinen Auftrag in Weisheit, Rücksicht und Demut ausübt, harmoniert das Ganze. Dann kommen wir einander nicht in die Quere, sondern ergänzen uns. Dazu ist es nötig, dass jeder die entsprechende Ermahnung beherzigt.

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Anweisungen für das Glaubensleben

Die Verse 9-11 beschreiben das Verhalten des Gläubigen im Allgemeinen. Als Erstes wird die Liebe erwähnt. Sie soll echt sein. Doch genauso wichtig ist, das Böse im Leben zu verabscheuen und das Gute zu tun. Und bei allem, was wir tun, wollen wir auf den Herrn schauen. Ihm dienen wir! Möge es mit Fleiss und innerer Hingabe (inbrünstig im Geist) geschehen!

Als gläubige Christen kommen wir in ganz unterschiedliche Umstände. Wie wir uns darin verhalten sollen, zeigen die Verse 12-16. In guten Tagen dürfen wir uns freuen, und wenn schwere Tage kommen, wollen wir ausharren und uns nicht gegen Gott auflehnen. Um allem nachzukommen, was in diesen Versen vorgestellt wird, brauchen wir täglich die Hilfe und die Gnade des Herrn. Aus uns selbst schaffen wir es nicht. Denken wir nur an das Mitfreuen, wenn es den anderen gut, uns aber schlecht geht! Auch echtes Mitgefühl mit den Trauernden kann uns nur der Herr schenken.

Die Ermahnungen ab Vers 17 zeigen, dass wir als Gläubige auch Widerstand und Feindschaft erfahren. Wie verhalten wir uns dann? Möchten wir unserem Herrn nachfolgen, der nie Böses mit Bösem vergalt. Ein Christ sollte seinen Mitmenschen jederzeit anständig begegnen und versuchen, mit allen in Frieden zu leben. Und wenn uns jemand anfeindet und uns Böses tut? Dann sollen wir die Sache Gott überlassen und das erlittene Unrecht mit Gutem vergelten. Doch dazu brauchen wir die besondere Hilfe und Gnade des Herrn. Das gilt auch für die Verwirklichung von Vers 21.

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Der Christ und die Regierung

In diesen Versen werden wir Christen über unser Verhalten gegenüber der Obrigkeit unterwiesen. Als Christen akzeptieren wir die Regierung auf allen Stufen und unterstellen uns ihrer Ordnung. Denn diese Regierungen sind von Gott verordnet. Widerstand gegen sie und ihre Anordnungen wäre Sünde gegen Gott.

Die Verse 3 und 4 beschreiben die Aufgabe der Regierung. Gott hat sie eingesetzt, um das Böse zu verbieten und zu bestrafen. Wir wollen Gott für die Regierung danken. Gäbe es sie nicht, würde das Faustrecht gelten, der Stärkere würde unbarmherzig über den Schwächeren herrschen. Das Schwert, das die Regierung nicht umsonst trägt, spricht von ihrer Macht, das Recht durchzusetzen und zu kontrollieren.

Weil Gott die Regierung gegeben und mit Vollmacht versehen hat, sollen wir uns ihr unterordnen. Nur wenn sie etwas von uns fordert, das direkt gegen Gottes Willen verstösst, dann gilt Apostelgeschichte 5,29: «Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen.» Das findet aber nur Anwendung, wenn etwas direkt in krassem Widerspruch zum Wort Gottes steht.

Wir gehorchen der Regierung auch wegen unserem Gewissen, denn Ungehorsam gegen die Regierung ist Sünde gegen Gott! Vers 6 macht klar, dass es vor Gott recht ist, wenn wir die Steuern korrekt bezahlen. Ja, Er möchte, dass wir allen Verpflichtungen nachkommen (Vers 7). Und wenn uns von der Regierung Unrecht geschieht? Dann dürfen wir sie darauf aufmerksam machen (vergleiche 1. Mose 21,25; Johannes 18,23).

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Einander lieben und anständig leben

«Seid niemand irgendetwas schuldig.» Wir sollen also keine Schulden machen, sondern unsere Rechnungen bezahlen und unseren Schuldigkeiten nachkommen. Aber wir sind schuldig, einander zu lieben: die anderen Gläubigen, die unbekehrten Menschen, den Nächsten. Obwohl wir Christen nicht mehr unter Gesetz stehen, erfüllen wir es, wenn wir anderen Liebe erweisen. Werden wir nicht selbst mit unendlicher Liebe von Gott geliebt? Lasst uns davon reichlich weitergeben!

Seit dem Kreuz und seit der Rückkehr des Herrn in den Himmel ist es in dieser Welt geistlicherweise Nacht. Aber nicht mehr lange. Wir stehen kurz vor dem Tagesanbruch. Wach zu sein, ist die Lebenshaltung des Erlösten, denn er wartet auf den Tag. Die Errettung hier meint, das Kommen des Herrn zur Entrückung. Anschliessend werden wir mit Ihm in Herrlichkeit erscheinen.

Mit jedem Tag kommen wir dieser Errettung näher. Darum wollen wir in der Zeit, in der wir noch hier leben, alles Böse meiden und uns dafür als Kinder des Lichts verhalten. Im Licht des Herrn erkennen wir das Böse und verurteilen es. So ist sein Licht eine Waffe gegen die Werke der Finsternis.

Wir leben noch in der Nacht, gehören aber zum Tag. Das soll sich in unserem Leben zeigen, indem wir mit allem Lichtscheuen nichts zu tun haben. Vielmehr soll an uns das Verhalten des Herrn gesehen werden. Möchten wir sein Reden und Handeln, wie es uns die Evangelien zeigen, nachahmen. Und lasst uns alles meiden, was unsere alte Natur anstachelt (Verse 13.14).

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Die Schwachen und die Starken

Wenn jetzt bis Kapitel 15,7 von «Schwachen im Glauben» die Rede ist, dann geht es um Gläubige, die die christliche Freiheit nicht verstanden haben. Das Gegenstück sind die Starken (Römer 15,1). Die Schwachen sind nicht oberflächliche, fleischliche oder weltliche Christen. Es sind Glaubende, die durch Erziehung, Tradition oder Mentalität belastet sind. Ihr Problem ist nicht die Sünde oder die Welt, sondern Essensvorschriften und das Halten von speziellen Tagen. Die Schwachen gilt es zu tragen. Sie sollen wohl in die christliche Gemeinschaft aufgenommen werden. Doch für die Behandlung schwieriger Fragen des Versammlungslebens sollen sie nicht beigezogen werden.

Wo liegen nun die Gefahren für den Schwachen und den Starken? Als Starke sind wir in Gefahr, solche zu verachten, die etwas anders machen als wir. Als Schwache sind wir schnell bereit, in einem Richtgeist den anderen zu verurteilen

In jedem Fall sollten wir bedenken, dass wir alle – ob schwach oder stark – Kinder Gottes sind. Auf christlichem Boden steht keiner über dem anderen. Und jeder von uns ist für sein Tun dem Herrn persönlich verantwortlich. Die Beurteilung können wir getrost dem Herrn überlassen. Sein Entscheid ist massgebend.

Die Verse 9-12 machen klar, dass Gott alles in letzter Instanz beurteilt. Wenn der Herr wirklich die Herrschaft über alle Menschen hat, warum richten oder verachten wir dann andere? Wir sind doch nicht der Herr! Vergessen wir nicht, dass wir einmal vor Gott Rechenschaft ablegen müssen!

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Die christliche Freiheit richtig gebrauchen

Diese Verse belehren uns – die Schwachen und die Starken –, wie wir im praktischen Leben in Frieden und zum Segen miteinander umgehen können. Einander richten – das ist der Richtgeist der Schwachen. Einander ein Ärgernis geben – das ist die Rücksichtslosigkeit der Starken. Beides sollen wir vermeiden (Vers 13).

In Vers 14 sehen wir, wie der Apostel an der christlichen Freiheit festhält. Die Schwachen dürfen ihre Haltung nicht als einen allgemein gültigen Grundsatz aufstellen. Aber es wird doch vor allem der Starke angesprochen. Es scheint, dass er am meisten zu einem friedlichen Miteinander beitragen kann. Wenn er aber keine Rücksicht nimmt, handelt er nicht nach der Liebe. Doch sie ist das bestimmende Element für das Miteinander der Gläubigen. Und denken wir daran: Auch für den schwachen Bruder ist Christus gestorben. Wie wertvoll ist er Ihm!

In Vers 19 erwähnt der Apostel neben dem Frieden untereinander auch die gegenseitige Erbauung. Wir wollen dies bedenken und die christliche Freiheit nicht so ausleben, dass dabei im schwachen Bruder ein Werk Gottes zerstört wird, sondern Rücksicht nehmen.

Der letzte Vers spricht vom Schwachen. Er isst etwas, weil er gesehen hat, dass der Starke so handelt. Aber er zweifelt und ist unsicher. Er tut dies nicht aus Glauben. Er ist verurteilt, nicht weil er diese Speise isst, sondern weil er nicht aus Glauben handelt. Möge der Herr jeden dahin führen, alles im Leben nur aus Glauben zu tun. Dann sind unser Herz und Gewissen in Ruhe vor Gott.

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Die Schönheit der christlichen Freiheit

Diese Verse gehören noch zum Thema von Römer 14. Sie zeigen uns das Verhalten und die Gesinnung des Herrn Jesus, die auch uns im Blick auf die christliche Freiheit prägen soll.

Zunächst werden wir aufgefordert, die Schwachheiten der Schwachen zu tragen. Dazu ist Kraft und Geduld nötig. Wir bekommen sie vom Herrn, der diese Gesinnung vollkommen ausgelebt hat. Er dachte nur an die andern. Ihm wollen wir nacheifern und nicht an uns, sondern an den anderen denken und ihm zu helfen suchen. Darin zeigt sich die Schönheit der christlichen Freiheit, wenn wir sie in bestimmten Fällen aus Rücksicht zu Schwachen nicht gebrauchen.

Wie viel können wir von unserem Herrn lernen! Weil Er vollkommen Gott wohlgefällig gelebt hat, wurde Er verachtet und gehasst. Aber gerade die Hinweise im Alten Testament auf Ihn, unseren Herrn, machen uns Mut und helfen uns, auszuharren, wenn wir es in seiner Nachfolge schwer haben und nicht verstanden werden.

Wie schön sind die Titel, die Gott in Vers 5 gegeben werden! Er ist der «Gott des Ausharrens». Wie viel Geduld hat Er mit uns! Und Er ist der «Gott der Ermunterung». Er liebt es, die Glaubenden und besonders die Schwachen zu ermuntern.

Wenn wir «gleich gesinnt sind untereinander», d.h. wenn alle dieselbe Einstellung haben – und zwar die Gesinnung, die Christus entspricht –, dann dürfen wir trotz unserer Unterschiede (Starke, Schwache) gemeinsam und einmütig Gott loben.

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Gottes Wirken an allen Menschen

Christus ist zunächst ein Diener der Beschneidung, d.h. die Botschaft des Evangeliums wird zuerst den Menschen aus dem Volk Israel verkündigt. Gott hatte ihren Vorfahren Verheissungen gegeben, und so hatten die Nachkommen der Patriarchen ein gewisses Anrecht auf diese Gnade.

Aber Gott bietet die Errettung, die Jesus Christus am Kreuz erwirkt hat, auch den Menschen anderer Nationalitäten an. Ihnen hatte Gott zwar keine Verheissungen gemacht, aber seine unendliche Gnade ist auch für sie da. Lasst uns Ihm immer wieder dafür danken, dass die gute Botschaft von Jesus Christus, dem Heiland der Welt, auch uns erreicht hat und wir sie im Glauben annehmen durften!

Obwohl wir im Alten Testament keine Verheissungen für die Nationen finden, zeigen doch verschiedene Stellen, dass Gott die Absicht hatte, auch Menschen, die nicht aus Israel sind, die Errettung anzubieten. Drei solche Stellen werden in den Versen 10-12 zitiert. Wer dieses wunderbare Evangelium angenommen hat, darf fröhlich den Herrn loben und auf Ihn hoffen.

Der Ausdruck «Gott der Hoffnung» erinnert daran, dass wir in Hoffnung errettet sind (Römer 8,24). Die volle Errettung – wenn auch unser Körper inbegriffen ist – erfahren wir erst beim Kommen des Herrn. Im Wissen, was die Zukunft uns bringt, können wir uns freuen und mit innerem Frieden den Glaubensweg gehen.

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Paulus und sein Dienst

In diesem Abschnitt erfahren wir einiges über den Dienst des Apostels Paulus. Er spricht in Vers 15 von der «Gnade, die mir von Gott gegeben ist». Damit meint er seine von Gott geschenkte Gabe und die Fähigkeit, seinen Dienst im Werk des Herrn zu tun.

Lasst uns nie vergessen, dass alles, was wir für den Herrn tun können, eine von Ihm geschenkte Gnade ist. Das wird uns helfen, demütig zu bleiben, damit wir uns niemals auf das, was wir tun konnten, etwas einbilden.

Der besondere Dienst des Apostels Paulus betraf die Nationen. Ihnen verkündigte er das Evangelium und unterrichtete sie in der christlichen Wahrheit. Er durfte Menschen aus der Welt heraus zu Gott führen. Sie bilden dieses Opfer, von dem er in Vers 16 schreibt.

Der Apostel hatte seinen ihm übertragenen Dienst treu ausgeführt. Aber er gibt alle Ehre dem Herrn, der durch ihn gewirkt hatte. Was war die Wirkung, die der Herr bei diesen Menschen, die zum Glauben kamen, hervorbrachte? Gehorsam. Sie gehorchten dem Wort Gottes aus Liebe zum Herrn.

Wie weit reichte das Arbeitsfeld des Apostels Paulus! Von Jerusalem bis nach Illyrien! Er hatte das Evangelium Gottes völlig verkündigt. Welch ein grosser Einsatz verbirgt sich hinter dieser Aussage!

Trotzdem blieb noch manches zu tun. Er dachte an Gegenden, wo Christus noch nicht verkündigt worden war, und plante, auch dorthin zu gehen.

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Paulus und seine Pläne

Es war der grosse Wunsch des Apostels, die Gläubigen in Rom zu besuchen. Er hatte eine herzliche Liebe zu ihnen und hätte ihnen gern gedient. Wie wichtig ist es doch, dass man die liebt, denen man mit dem Wort dienen möchte!

Weiter teilt Paulus den Gläubigen in Rom seine Pläne mit. Er hatte die Absicht, nach Spanien zu reisen, aber noch keine klare Bestätigung von Gott. Doch er hoffte, wenn es soweit wäre, auf die Unterstützung der Brüder in Rom.

Ab Vers 25 spricht Paulus von seiner bevorstehenden Reise nach Jerusalem. Er wollte dabei eine finanzielle Gabe der Versammlungen in Mazedonien und Achaja den bedürftigen, vermutlich verarmten Gläubigen in Jerusalem überbringen. Aber war es wirklich die Aufgabe des Apostel Paulus materielle Gaben nach Jerusalem zu bringen? Er hatte doch einen speziellen Auftrag an den Menschen aus den Nationen, nicht an den Juden!

Die gläubig Gewordenen aus den Nationen hatten gegenüber den Menschen des Volkes Israel eine gewisse Schuld. Der Herr Jesus stammte aus den Juden. Die Nationen hatten das Evangelium von Jesus Christus als geistliches Gut vom Volk Israel empfangen.

Am Schluss des Kapitels bittet der Apostel um die Fürbitte der Römer. Wie nötig war sie, denn die Feindschaft gegen ihn und was er verkündigte, war gross. Nochmals drückt er seinen Wunsch aus, zu ihnen zu kommen, wenn dies der Wille Gottes sei.

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Eine Reihe aufschlussreicher Grüsse

Wir haben in den ersten zwei Versen einen Empfehlungsbrief vor uns. Mit einem solchen Brief wird jemand, der in eine örtliche Versammlung kommt, in der er unbekannt ist, den dortigen Geschwistern als ein Gläubiger zur vollen christlichen Gemeinschaft empfohlen. In diesem Fall konnte der Apostel dieser Schwester ein besonderes Zeugnis ausstellen. Die Gläubigen in Rom sollten sie der Heiligen würdig aufnehmen und ihr uneingeschränkt helfen.

Ab Vers 3 folgt eine Reihe von Grüssen, die uns manches zu sagen haben. Wir können uns fragen: Was hätte der Apostel von uns schreiben können? Doch wir wollen uns auch ermuntern lassen, den hier erwähnten Brüdern und Schwestern nachzueifern.

Wie viel Einsatz und welchen Mut im Werk des Herrn sehen wir bei Priska und Aquila! Sowohl sie als auch andere ermuntern uns, im Werk des Herrn fleissig zu sein und uns zu bewähren. Von nichts kommt nichts.

Bei einigen wird das Haus, d.h. die Familie, erwähnt. Welch eine Gnade, wenn alle, die in einem Haus leben, gläubig sind!

Epänetus wird als der Erstling Asiens für Christus bezeichnet. Er war zeitlich der Erste, der in jener Gegend zum Glauben kam. Dann folgten andere nach. Es braucht Mut, sich als Erster zu bekehren.

Einige werden als Geliebte bezeichnet. Sie waren von Gott geliebt, denn Er liebt alle seine Kinder. Aber vielleicht wird dadurch auch ausgedrückt, dass sie von den anderen Gläubigen besonders geliebt wurden.

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Der Feind und das Geheimnis des Christus

Der Apostel Paulus muss auch zur Wachsamkeit vor dem Feind ermahnen. Wenn solche auftreten, die Zwiespalt und Ärgernis unter den Gläubigen anrichten, müssen wir uns von ihnen abwenden. Wer ihnen trotzdem nachgeht und vielleicht meint, einen Hirtendienst an ihnen tun zu können, läuft Gefahr, selbst verführt zu werden.

Wie schön ist das Zeugnis, das Paulus den Gläubigen in Rom ausstellen konnte: Sie gehorchten Gott und standen fest. Er fordert sie auf, sich mit dem Guten, mit dem, was von Gott kommt, zu beschäftigen und sich wenn immer möglich nicht mit dem Bösen zu befassen.

Auch wenn Satan durch böse Arbeiter wirken kann, so ist es doch sicher, dass Gott ihn richten wird. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Gnade Gottes da, um uns vor dem Feind zu bewahren. Welch ein Trost!

Es folgen noch die Grüsse derer, die sich bei Paulus befanden, als dieser Brief geschrieben wurde. Tertius war der eigentliche Schreiber. Paulus hat ihm alles, was wir bis jetzt gelesen haben, diktiert.

Der Brief endet mit einem Lobpreis. Gott, der uns die Gedanken seines Herzens offenbart hat – sowohl das Evangelium als auch die Wahrheit über die Versammlung (die Einheit aller Erlösten) –, vermag uns auch zu bewahren und zu befestigen. Wenn wir versagen, sind wir immer selber schuld. Gott hat alles bereitgestellt, damit wir im Glauben befestigt werden. Ihm allein gebührt alle Ehre und Herrlichkeit.

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Joseph beim Vater

Mit diesem Kapitel beginnt die Geschichte Josephs, des älteren Sohnes von Rahel. Warum heisst es jedoch in Vers 2: «Dies ist die Geschichte Jakobs: Joseph, 17 Jahre alt …»? Diese Aussage wird verständlich, wenn wir daran denken, dass Joseph eines der eindrücklichsten Vorausbilder auf den Herrn Jesus ist. Er ist der geliebte Sohn des Vaters, der Ihm alles bedeutet. Darum ist seine Geschichte auch die Geschichte des Vaters.

Joseph «weidete die Herde». Damit weist er auf den guten Hirten hin: Jesus Christus liess nicht nur sein Leben für die Schafe, Er sorgt auch unermüdlich für die Seinen (Johannes 10,11; 13,1).

«Joseph brachte ihre üble Nachrede vor ihren Vater.» Der Herr Jesus sah und erlebte in seinem Leben auf der Erde, wie die Juden Gott, seinen Vater, verunehrten. Daher sehen wir Ihn in den Evangelien oft im Gebet, um alles vor seinen Gott und Vater zu bringen.

Die besondere Liebe Jakobs zu Joseph wurde durch das Ärmelkleid öffentlich gesehen. Dass der Herr Jesus Gottes geliebter Sohn ist, bezeugte der Vater zweimal vom Himmel her (Matthäus 3,17; 17,5).

In den zwei Träumen Josephs offenbarte Gott etwas über die zukünftige Herrschaft dieses Sohnes Jakobs. Doch für die Brüder Josephs waren diese Mitteilungen ein zusätzlicher Grund, ihn zu hassen. Ganz ähnlich erging es unserem Herrn, als Er zu den Juden von seiner zukünftigen Macht und Herrschaft sprach. Sie legten es Ihm als Lästerung aus und forderten dafür seinen Tod (Matthäus 26,64-66).

Buchtipp: Durch Leiden zur Herrlichkeit.

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Zu den Brüdern gesandt

Wie Joseph sich von Hebron aus zu seinen Brüdern senden liess, so war der Sohn Gottes bereit, sich von seinem Vater zu uns Menschen – vor allem zum Volk Israel – senden zu lassen. Als Er hier lebte, konnte Er sagen: «Ich bin von dem Vater ausgegangen und bin in die Welt gekommen» (Johannes 16,28).

Als Joseph endlich seine Brüder fand, sahen sie ihn von weitem kommen. «Da ersannen sie gegen ihn den Anschlag, ihn zu töten.» Was erlebte der Herr Jesus, als Er zu seinem irdischen Volk kam? Die jüdische Führungsschicht plante schon bald nach seinem öffentlichen Auftreten in Israel seinen Tod (Matthäus 12,14). Weshalb suchten sie Ihn umzubringen? Weil Jesus Christus Gott seinen eigenen Vater nannte (Johannes 5,18). Das war ein Grund für ihren tödlichen Hass, es gab aber auch noch andere Ursachen.

Ruben konnte verhindern, dass die anderen Brüder Joseph auf der Stelle totschlugen. Doch als Joseph zu ihnen kam, zogen sie ihm sein Ärmelkleid aus und warfen ihn in eine leere Zisterne. Das Ausziehen des Kleides redet davon, wie die Menschen das Vertrauen und die herzliche Beziehung, die der Herr Jesus zu seinem Gott hatte, verspotteten. Als Er am Kreuz hing, riefen sie: «Er vertraute auf Gott, der rette ihn jetzt, wenn er ihn begehrt; denn er sagte: Ich bin Gottes Sohn» (Matthäus 27,43). Die Grube spricht von den Leiden, die der Heiland vonseiten der Menschen während seines Lebens erdulden musste. Wenn wir an Klagelieder 3,53 denken, erkennen wir in der Grube auch die Leiden seines Todes.

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Gehasst, abgelehnt, verkauft

Nachdem die Brüder fürs Erste ihren Hass an ihrem Bruder ausgelassen hatten, «setzten sie sich, um zu essen» (vergleiche Johannes 18,28). Als dann ein Zug Ismaeliter vorbeikam, verkauften sie Joseph für 20 Silberstücke in die Sklaverei. Damit hatten sie keinen Mord auf dem Gewissen und sich trotzdem ihres verhassten Bruders entledigt.

Der Herr Jesus wurde auch für Geld verkauft. 30 Silberstücke zahlten die Führer des Volkes dem Jünger Judas für den Verrat seines Meisters. Der Prophet Sacharja nennt diesen Geldbetrag einen «herrlichen» Preis (Sacharja 11,13). Darin widerspiegelt sich sowohl die Habsucht von Judas als auch die Geringschätzung der Hohenpriester gegenüber dem Herrn Jesus.

Die Söhne Jakobs täuschten ihren Vater mit dem Blut eines Ziegenbocks, in das sie das Ärmelkleid Josephs getaucht hatten. Jakob schloss daraus, dass Joseph von einem wilden Tier zerrissen worden sei. Gross war seine Trauer um den Sohn, den er besonders geliebt hatte. Ja, er weigerte sich, sich von seinen Söhnen trösten zu lassen. Hätten ihn diese harten Männer überhaupt trösten können?

Im Gegensatz zu Joseph musste unser Herr wirklich sterben. Mit seiner Kreuzigung verwarfen die Juden die wunderbare Gnade Gottes. Wie die Brüder Josephs das blutige Ärmelkleid ihrem Vater sandten, schickten die Juden mit der Steinigung von Stephanus eine Botschaft zum Himmel: Wir wollen nicht, dass Christus über uns herrsche! Damit lehnten sie die göttliche Gnade endgültig ab (Lukas 19,14; Apostelgeschichte 7,54-58).

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Juda in Sünde und Schande

Der Geist Gottes fügt dieses Kapitel hier ein, um uns prophetisch zu zeigen, welchen Weg das Volk der Juden nach der Verwerfung des Herrn Jesus gegangen ist. Juda verband sich mit einem heidnischen Mann: Hira. Aus diesem Gang in die Welt gab es eine Verbindung zu ihr: Juda heiratete eine heidnische Frau, die ihm drei Söhne gebar. Das jüdische Volk wurde nach der Kreuzigung seines Messias in die ganze Welt zerstreut. Die Juden verbanden sich mit der Welt und wurden erfolgreiche Geschäftsleute. Und Gott? Auch wenn Er sein Volk bis heute auf die Seite stellen musste und es seine eigenen Wege gehen liess, hat Er es doch nicht aufgegeben. Die Zeit wird kommen, da Er einen Überrest seines irdischen Volkes begnadigen und segnen wird. Das sehen wir in Tamar, die trotz ihrer Sünde im Geschlechtsregister von Jesus Christus erwähnt wird (Matthäus 1,3). Nur auf der Grundlage des Sühnungstodes des Herrn Jesus wird es für sein irdisches Volk Gnade und Barmherzigkeit vonseiten Gottes geben.

Dieses Kapitel redet aber auch ganz praktisch zu unseren Herzen. Es zeigt uns, wozu wir fähig sind. Die Gottlosigkeit Judas, seine Unenthaltsamkeit, seine Sünde, aber auch seine Heuchelei und sein hartherziges Urteil sollen uns zur Warnung dienen. Und Tamar? Mit einer Sünde (Hurerei) versuchte sie zu ihrem Recht zu kommen, das ihr vorenthalten wurde (Vers 14). Dafür hätte sie sterben müssen (Vers 24). Aber Gott erwies ihr schliesslich seine unumschränkte Gnade. Ihr Sohn Perez wurde ein Vorfahre des Messias.

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Joseph als Sklave bei Potiphar

Werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf die prophetische Bedeutung dieses Kapitels. Als Folge der Verwerfung des Herrn Jesus durch sein irdisches Volk ist das Heil und der Segen Gottes zu den Nationen gekommen (Römer 11,11). Bis heute wird auf der Welt das Evangelium von Jesus Christus verkündigt. Wer es im Glauben annimmt, wird errettet werden. Wo Menschen zum Herrn Jesus kommen, ändert sich vieles in ihrem Leben zum Guten. Das wird durch Vers 5 illustriert.

Wir können aus diesem Kapitel auch manches für unser Verhalten als Glaubende in schwierigen Lebenssituationen lernen. Joseph haderte nicht mit seinem Schicksal. Er blieb da, wohin er als Sklave gekommen war, seinem Gott treu und verrichtete seine Arbeit gewissenhaft. Wie schön ist die Antwort des Herrn! Er war mit Joseph und gab ihm Gelingen bei allem, was er tat.

Wenn wir da, wo der Herr uns hingestellt hat, unsere Arbeit fleissig und treu ausführen, wird dies auch von der Welt positiv wahrgenommen werden (Vers 3). Lasst uns auf diese Weise ein Zeugnis für unseren Herrn sein!

Doch Satan, der Feind der Seelen, war auch da und versuchte den gottesfürchtigen jungen Mann durch die Frau von Potiphar zu Fall zu bringen. Auf die erste Versuchung reagiert Joseph mit einem entschiedenen Nein: «Wie sollte ich diese grosse Bosheit tun und gegen Gott sündigen?» Er wollte seinem Gott treu bleiben.

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Joseph sündigt nicht

In einer einmaligen Versuchung standhaft zu bleiben und nicht zu sündigen, ist eine Sache. Wenn aber die Verführung «Tag für Tag» an einen herantritt, was dann? Dann brauchen wir täglich die Bewahrung des Herrn und Kraft von Ihm, um uns der Sünde für tot zu halten. Joseph musste weiter seine Arbeit verrichten und seine Aufgaben erfüllen. Er konnte dieser verführerischen Frau nicht ausweichen. Als aber der Moment kam, an dem sie ihn zur Sünde zwingen wollte, floh er. Das war seine einzige Rettung (1. Korinther 6,18).

Nun zeigte die Frau von Potiphar ihr wahres Gesicht. Sie wollte nur ein kurzes sündiges Vergnügen mit ihrem Sklaven haben. Als dieser sich weigerte und floh, verdrehte sie die Wahrheit und sorgte dafür, dass Joseph ins Gefängnis kam. So handelt der Teufel bis heute. Zuerst versucht er uns zur Sünde zu verleiten, indem er sie verharmlost. Bleiben wir standhaft und weigern uns zu sündigen, tritt er als brüllender Löwe gegen uns auf. Doch er kann uns nicht verschlingen, weil er nicht weitergehen darf, als Gott es zulässt.

Joseph befand sich unschuldig im Gefängnis. Aber der Herr war genauso mit ihm wie vorher im Haus von Potiphar. So schwer die Prüfung für den unschuldigen Sklaven auch war, der Herr hatte ihn nicht verlassen. Er wandte ihm vielmehr Güte zu (Vers 21). Für Joseph war es eine Zeit der Glaubensprüfung und der Läuterung (Psalm 105,18.19). Was für Schlacken dabei entfernt wurden, sagt die Bibel nicht. Als unser Herr geläutert wurde, fand sich nichts Unreines (Psalm 17,3).

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Joseph im Gefängnis

Während Joseph unschuldig in Haft war, wurden eines Tages zwei prominente Gefangene an den gleichen Ort gebracht: der Oberste der Mundschenken und der Oberste der Bäcker. Joseph durfte sie bedienen.

Nach einer Zeit hatten beide in der gleichen Nacht einen sonderbaren Traum. Weil sie ihre Träume nicht verstanden und auch keine Möglichkeit hatten, Traumdeuter beizuziehen, waren sie missmutig. Das entging dem aufmerksamen Joseph nicht, so dass er sie nach dem Grund ihrer Niedergeschlagenheit fragte. Als sie ihm von ihren Träumen berichteten, verwies er auf den allein wahren Gott, der die Deutungen kennt.

Nun erzählten sie ihm ihre Träume und Joseph konnte ihnen die Deutung mitteilen, die genau so eintraf: Der Oberste der Bäcker wurde nach drei Tagen gehängt, während der Oberste der Mundschenken wieder in sein Amt eingesetzt wurde. Obwohl Joseph diesem einflussreichen Mann seine Lage geschildert hatte, dachte dieser nach seiner Freilassung nicht mehr an ihn und vergass ihn. Wieder wurde Joseph von Menschen enttäuscht. Aber Gott blieb bei ihm und vergass ihn nicht.

Beim Lesen dieses Kapitels denken wir an Golgatha, wo der Herr Jesus zwischen zwei Verbrechern am Kreuz hing. Der eine sah ein, dass er das Todesurteil verdient hatte, und appellierte an die Gnade des Herrn. Ihm versicherte der gekreuzigte Heiland: «Heute wirst du mit mir im Paradies sein» (Lukas 23,43). Der andere tat nicht Buße und ging ewig verloren.

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Zwei Träume

«Nach Verlauf von zwei vollen Jahren …» Für Joseph müssen es zwei Jahre sehnsüchtigen Wartens gewesen sein. Aber nun war Gottes Zeit gekommen, um die Leiden und die Erniedrigung dieses bescheidenen und gottesfürchtigen jungen Mannes zu beenden. Auslöser für die Befreiung Josephs aus dem Gefängnis waren zwei Träume, die Gott dem Pharao schickte und die seine Wahrsager nicht deuten konnten.

Im Alten Testament sehen wir, wie Gott den Menschen in gewissen Situationen durch Träume etwas Wichtiges mitteilte. In der heutigen Zeit besitzen wir die Bibel, das vollständige Wort Gottes. Darum spricht Gott nicht mehr in dieser Weise durch Träume zu uns.

Die Beschreibung der Träume in den Versen 2-7 zeigt, dass der Pharao beim Erwachen noch genau wusste, was er geträumt hatte. Am Morgen war sein Geist voll Unruhe, weil er merkte, dass diese Träume für ihn und sein Land bedeutungsvoll sein mussten. Aber niemand konnte ihm weiterhelfen.

Nun war der Moment da, an dem der Oberste der Mundschenken sich an Joseph im Gefängnis erinnerte. Er erzählte dem ägyptischen Herrscher von seinem früheren Vergehen und wie der Pharao ihn ins Gefängnis gebracht hatte. Er berichtete weiter von dem hebräischen Sklaven, der ihm und dem Obersten der Bäcker den Traum gedeutet hatte. «Wie er uns deutete, so ist es geschehen.» Das war die entscheidende Aussage, die den Pharao veranlasste, Joseph aus dem Gefängnis holen zu lassen (Vers 14).

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Die Deutung der Träume

Damit der gefangene Sklave vor dem Pharao erscheinen konnte, musste er äusserlich entsprechend zurechtgemacht werden: «Er schor sich und wechselte seine Kleider.» Zudem ging jetzt alles sehr schnell. Der Pharao drängte auf eine Antwort. War Joseph der Mann, der diese schwierige Aufgabe lösen und seinen Traum deuten konnte? Wie schön und nachahmenswert ist die Reaktion Josephs! Demütig verwies er auf Gott: «Das steht nicht bei mir; Gott wird antworten.»

Wie bereits in 1. Mose 40,8 bildete sich Joseph gar nichts auf irgendwelche persönliche Fähigkeiten ein. Er wusste, dass nur Gott, der die Träume schickt, auch ihre Deutung anzeigen konnte. Aber dieser Mann, der in allen Umständen – auch in den schwierigsten und schwersten – mit seinem Gott lebte, hatte ein starkes Vertrauen in dessen Hilfe.

Nachdem der Pharao Joseph seine Träume erzählt hatte, konnte dieser auf der Stelle antworten: Nach sieben Jahren des Überflusses würden sieben notvolle Jahre der Hungersnot kommen. Obwohl die Sache bei Gott fest beschlossen war, warnte Er doch den ägyptischen Herrscher im Voraus. Durch Joseph, der diese Träume mit göttlicher Hilfe deuten konnte, gab Gott dem Pharao ausserdem weise Vorschläge, um für die mageren Jahre vorzusorgen. Wie klug waren diese Massnahmen, die Joseph zur Erhaltung des Lebens vorstellte!

In seiner Güte warnt Gott die Menschen zu allen Zeiten vor dem kommenden Gericht. Er gibt ihnen immer die Zeit und Möglichkeit, sich retten zu lassen. Nie kommt ein göttliches Gericht ohne Vorwarnung.

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Joseph wird Herrscher

Der Vorschlag Josephs leuchtete dem Pharao und seinen Beamten ein. Beeindruckt von Joseph, der im Vertrauen zu seinem Gott die Träume deuten und weise Vorschläge machen konnte, fragte der Pharao: «Werden wir einen finden wie diesen, einen Mann, in dem der Geist Gottes ist?» Dann setzte er Joseph auf den höchsten Platz, der in Ägypten zu vergeben war. Er stattete ihn mit allen Vollmachten aus, um die nötigen Vorkehrungen zum Überleben zu treffen.

Bei dieser Erhöhung Josephs denken wir unwillkürlich an den Herrn Jesus, den Gott nach seiner tiefen Erniedrigung am Kreuz auf den höchsten Platz der Ehre gesetzt hat. Bald wird der Augenblick kommen, wo alle Welt sich vor Ihm beugen und Ihn als Herrn anerkennen muss (Philipper 2,9-11).

Asnat, die Joseph zur Ehefrau bekam, weist auf die Versammlung Gottes hin, die aus allen Erlösten der Gnadenzeit besteht. Sie entstand an Pfingsten, nachdem der Herr Jesus im Himmel verherrlicht war (Apostelgeschichte 2,1-4; Epheser 1,22.23), so wie Asnat erst die Frau Josephs wurde, als dieser bereits in seine hohe Position eingesetzt war.

Die beiden Söhne, die Asnat gebar, sprechen von dem, was auf die Verwerfung und Kreuzigung des Herrn Jesus folgte. Seine Freude über die Versammlung ist grösser als sein Schmerz über die Ablehnung durch Israel (Vers 51). Die Erlösten der Gnadenzeit sind die erste und kostbarste Frucht aus seinen Leiden und seinem Sterben (Vers 52).

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Die Hungersnot beginnt

Josephs Deutung der Träume erfüllte sich. Nach den sieben Jahren des Überflusses begannen die sieben Jahre der Hungersnot. Als die hungernden Menschen zum Pharao um Brot schrien, antwortete er: «Geht zu Joseph; tut, was er euch sagt!»

Was haben diese Verse uns zu sagen? Wir leben am Ende der Gnadenzeit. Nach der Entrückung kommen die sieben mageren Jahre. Sie weisen auf die zukünftige Gerichtszeit hin, die in der Bibel angekündigt ist. Es ist «die Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird» (Offenbarung 3,10).

Die Aufforderung «Geht zu Joseph!» lässt uns an die Tatsache denken, dass der Mensch nur durch den Glauben an den Herrn Jesus dem göttlichen Gericht entrinnen kann. Es gibt keinen anderen Retter (Apostelgeschichte 4,12).

Die Bibel belehrt uns, dass Gott sich nach Ablauf der Gnadenzeit wieder mit seinem irdischen Volk Israel beschäftigen wird. Das werden wir anhand der weiteren Geschichte der Brüder Josephs sehen. Die Juden müssen einsehen, dass sie mit der Kreuzigung von Jesus Christus ihren Messias umgebracht haben, und darüber Buße tun. Sie müssen auch erkennen, dass ihre Beziehung als Volk zu Gott nur aufgrund seiner Gnade und Barmherzigkeit wiederhergestellt werden kann.

Die Hungersnot, die auch die Familie Jakobs zu spüren bekam, spricht von der zukünftigen Drangsalszeit, die Israel besonders treffen wird (Jeremia 30,7). Der Hunger trieb die Söhne Jakobs nach Ägypten, wo sie Joseph begegnen mussten.

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Die Brüder kommen zu Joseph

Als die Brüder Josephs nach Ägypten kamen, erkannte er sie. Sie aber wussten nicht, wer dieser Gebieter war, der sie mit äusserer Härte behandelte und sie als Spione bezeichnete.

Als die zehn Männer sich vor ihm mit dem Gesicht zur Erde niederbeugten, dachte Joseph an die Träume, die er als junger Mann zu Hause gehabt hatte (1. Mose 37,5-11). Nun erfüllte sich, was er damals geträumt hatte!

Warum behandelte Joseph seine Brüder derart hart und unfreundlich? Weil er ihre Gewissen erreichen wollte. Sie mussten zur Einsicht und zum Bekenntnis ihrer Schuld kommen, die sie ihm gegenüber hatten. Nur auf diese Weise konnte es eine völlige Wiederherstellung geben.

In Vers 11 bekennen sie: «Wir sind redlich.» Ja, vielleicht jetzt! Aber sie waren es nicht immer. Denken wir nur daran, wie sie ihren Vater mit dem blutgetränkten Kleid Josephs betrogen hatten. Von ihrem Bruder, den sie in die Sklaverei verkauft hatten, sagten sie nur: «Der eine ist nicht mehr.» Aber gerade diese Angelegenheit musste geklärt werden.

Anhand des jüngsten Bruders sollte die Wahrheit ihrer Worte geprüft werden. Doch bevor Joseph seinen Brüdern genaue Anweisungen gab, steckte er sie für drei Tage ins Gefängnis. Nun hatten sie Zeit, über alles Vorgefallene nachzudenken. Nachdem sie ihre Herzen über so lange Zeit verhärtet hatten, waren diese drei Tage nötig, um sie zum Bewusstsein ihrer Schuld an Joseph zu führen.

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Das Gewissen erwacht

Nach drei Tagen wurden die Brüder Josephs aus dem Gefängnis entlassen. Der Gebieter über das Land Ägypten wollte ihre Aufrichtigkeit testen. Er sandte sie mit Getreide beladen nach Hause, behielt jedoch Simeon gefangen in Ägypten zurück. Er erwartete von ihnen, dass sie mit ihrem jüngsten Bruder zurückkämen. Das würde die Wahrheit ihrer Worte beweisen.

Aus den Aussagen der Brüder – die Joseph verstand, ohne dass sie es wussten – sieht man das wachsende Bewusstsein ihrer Schuld gegenüber Joseph. Sie merkten: «Wir sind schuldig wegen unseres Bruders.» Ruben versuchte sich im Moment noch zu rechtfertigen. Doch er musste ebenfalls zur Erkenntnis seiner Mitschuld kommen, obwohl er es nicht so böse gemeint hatte wie die anderen.

Und Joseph? Die ersten Anzeichen der Buße bei seinen Brüdern rührten ihn zu Tränen. Aber er konnte ihnen seine Empfindungen im Moment nicht zeigen. Es war noch zu früh. Das Werk in ihren Herzen und Gewissen musste sich noch vertiefen. Diese Tränen sprechen prophetisch von der Zuneigung des Herrn Jesus zu seinem irdischen Volk. Er liebt Israel, obwohl es Ihn verworfen und gekreuzigt hat.

Joseph veranlasste, dass seinen Brüdern das Geld zurückgegeben wurde. So muss Israel in der Zukunft erkennen, dass es den Segen Gottes nur durch Gnade empfangen kann. Die Wegzehrung zeigt, dass der Herr auch in der Drangsalszeit für die Treuen in Israel sorgen wird (Psalm 132,15).

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Die Brüder kehren zum Vater zurück

Auf dem Heimweg entdeckt einer, dass sein Geld oben in seinem Sack liegt. Sie freuen sich nicht über diese Güte. Es ist für sie vielmehr ein neuer Schrecken, der sie aber zur Einsicht führt, dass Gott hinter all dem stehen muss, was sie in letzter Zeit erlebt haben. Doch Gott ist nicht gegen sie. Seine Güte durch Joseph will sie zur Buße leiten. Solange aber ein Mensch mit seinem Schöpfer nicht im Reinen ist, hat er immer den Eindruck, Gott sei gegen ihn, sobald er etwas Unerklärliches oder Schweres erlebt. Diese Ansicht ändert sich erst, wenn er Frieden mit Gott hat.

Dass Joseph ihnen das Geld zurückgab, weist auf die Zukunft hin. Israel wird den Segen Gottes «ohne Geld und ohne Kaufpreis» bekommen (Jesaja 55,1).

Der alte Vater Jakob ist über den Bericht seiner Söhne alles andere als erfreut. Traurig ruft er aus: «Ihr habt mich der Kinder beraubt … Dies alles kommt über mich!» Ja, Jakob hat in seinem Leben bitter erfahren müssen, wie wahr Galater 6,8 ist: «Wer für sein eigenes Fleisch sät, wird von dem Fleisch Verderben ernten.» Hier steht er an einem gewissen Tiefpunkt in seinem Leben: «Joseph ist nicht mehr, und Simeon ist nicht mehr; und Benjamin wollt ihr nehmen!» Da helfen auch die gut gemeinten Worte Rubens nicht. Für Jakob sieht alles sehr schlimm aus. Er meint, er müsse vor Verzweiflung sterben, falls Benjamin nicht zurückkommt. Im Augenblick ist er absolut nicht bereit, seinen jüngsten Sohn nach Ägypten mitzugeben. Erst der bittere Hunger wird ihn zwingen, dem Befehl des ägyptischen Herrschers nachzukommen.

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Die Hungersnot ist schwer

Obwohl sich Jakob zunächst gegen den Gedanken wehrte, seinen jüngsten Sohn Benjamin nach Ägypten zu senden, zwang ihn der Hunger, die Sache nochmals zu überdenken. Schliesslich willigte er ein, weil Juda als Bürge für Benjamin eintrat. Durch sein Einverständnis beugte sich Jakob unter die Autorität Josephs, so dass auch der zweite Traum, den der junge Joseph gehabt hatte, in Erfüllung ging: «Siehe, die Sonne und der Mond und elf Sterne beugten sich vor mir nieder» (1. Mose 37,9).

Was Jakob in Vers 11 versuchte, ist mit dem vergleichbar, was heute manche Menschen unternehmen. Um mit Gott ins Reine zu kommen, bieten sie Ihm das Beste an, das sie haben. Damit versuchen sie seine Gunst zu erlangen. Aber der Allmächtige «gebietet jetzt den Menschen, dass sie alle überall Buße tun sollen» (Apostelgeschichte 17,30). Das ist der einzige Weg, auf dem ein Mensch mit Gott versöhnt werden kann. Gute Werke oder sonstige Anstrengungen bringen den sündigen Menschen keinen Schritt näher zu Gott.

Beim Lesen dieser Verse können wir auch an die prophetische Seite denken, bei der es um die Wiederherstellung der Beziehung zwischen Gott und seinem irdischen Volk Israel geht. Aus diesem Blickwinkel gesehen zeigt dieser Abschnitt, dass es nur einen Weg gibt, auf dem der glaubende Überrest der Juden aus der Drangsalszeit befreit wird: Erst wenn sie die Grösse ihrer Schuld, die ihr Volk an der Verwerfung und Tötung von Christus hat, einsehen und bekennen, wird Gott sie aus ihrer Bedrängnis erlösen.

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Die Brüder im Haus Josephs

Wie muss es das Herz Josephs bewegt haben, als er sah, dass seine Brüder mit Benjamin gekommen waren! Aber er hatte das Ziel mit ihnen noch nicht erreicht. Deshalb konnte er sich noch nicht zu erkennen geben. Aber sie sollten mit dem Herrscher über Ägypten zu Mittag essen. Weil jedoch Angst und Sorgen ihre Herzen beschwerten, konnten sie sich über diese Ehre, die ihnen zuteilwurde, nicht freuen.

Strenge und Güte charakterisierten das Handeln Josephs mit seinen Brüdern. Im Augenblick erfuhren sie nur Güte. Der Chefbeamte von Joseph konnte ihre Furcht zerstreuen: Ihm war das Geld für das gekaufte Getreide zugekommen (Vers 23). Interessant ist seine Bemerkung über ihren Gott und den Gott ihres Vaters. Dieser hochgestellte Mann hatte beim Übersetzen der Konversation zwischen Joseph und seinen Brüdern wahrscheinlich einiges mitbekommen. Im Gespräch war sicher auch von ihrem Gott die Rede gewesen.

Dann wurde Simeon, der im Gefängnis gesessen hatte, zu ihnen geführt. Zusammen machten sie sich für das Bankett mit dem ägyptischen Herrscher bereit. Auch das Geschenk für ihren Gastgeber legten sie zurecht.

Sie hatten wohl nicht im Geringsten erwartet, dass sie in Ägypten auf eine solche Weise überrascht würden. Aber alles musste dazu beitragen, ihre Herzen zu erreichen und sie zu dem Punkt zu bringen, an dem Joseph sich ihnen zu erkennen geben konnte. Ganz ähnlich wird es in der Zukunft sein, bevor Christus sich dem treuen Überrest zeigen wird.

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Wiedersehen mit Benjamin

In 1. Mose 42,24 haben wir bereits einmal davon gelesen, dass Joseph sich von seinen Brüdern abwenden musste, um im Verborgenen zu weinen. Jetzt sah er bei den anderen auch Benjamin, seinen jüngsten Bruder, den Sohn seiner eigenen Mutter Rahel. Da konnte er seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Doch seinen Brüdern gegenüber durfte er diese Empfindungen noch nicht zeigen. So weinte er im inneren Gemach. Nach aussen aber bezwang er sich. Die Tränen Josephs erinnern uns an die Tränen des Herrn Jesus über Jerusalem. Er weinte über diese Stadt, die Ihn verworfen hatte und deshalb noch viel Schweres erleben wird (Lukas 19,41-44). Wie liebte Er doch sein irdisches Volk!

Dämmerte vielleicht bei dem einen oder anderen der Brüder Josephs die Ahnung, dass dieser mächtige Mann ihr Bruder sein könnte? Doch Gewissheit darüber hatten sie noch nicht. Das Verhalten Josephs ihnen gegenüber liess sie jedoch Schritt für Schritt etwas von seiner Person erkennen:

  1. Er interessierte sich auffallend stark für ihren Vater.
  2. Er liess sie dem Alter nach Platz nehmen. «Die Männer sahen einander staunend an.» Wie konnte er dies über sie wissen?
  3. Benjamin hob er durch ein fünfmal grösseres Ehrengericht hervor.

Darin gibt uns Joseph wieder ein schönes Bild vom Herrn Jesus, wie Er in Liebe und Weisheit mit dem gläubigen Überrest seines irdischen Volkes umgehen wird, um eine völlige Wiederherstellung zu bewirken.

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Der Becher im Sack Benjamins

Der Verwalter über das Haus Josephs wurde schon in Kapitel 43 mehrmals erwähnt. Hier war er es, der den silbernen Kelch Josephs in den Sack von Benjamin stecken und den abgereisten Brüdern nachjagen musste. Alles, was dieser Mann tat, weist auf die Tätigkeit des Heiligen Geistes hin. Er stellt den Sünder ins Licht Gottes. Er überführt ihn, er wendet das Wort Gottes auf ihn an, um ihm neues Leben zu schenken.

Warum machte Joseph Benjamin zum Schuldigen? Was bezweckte er damit? Er wollte einerseits die Brüder von ihrer Schuld an ihm selbst überführen. Als sie das erste Mal vor Joseph standen, erklärten sie: «Wir sind redlich» (1. Mose 42,11). Sogar jetzt, als der Verwalter Josephs sie eingeholt hatte, beteuerten sie: «Fern sei es von deinen Knechten, so etwas zu tun!» (Vers 7). Schliesslich aber kamen sie zum Bekenntnis: «Gott hat die Ungerechtigkeit deiner Knechte gefunden» (Vers 16). Vor Gott war das, was sie Joseph angetan hatten, nicht einfach in Vergessenheit geraten.

Anderseits machte Joseph seinen jüngeren Bruder zum Schuldigen, um zu sehen, wie die anderen jetzt reagieren würden. Würden sie Benjamin preisgeben und gleichgültig seinem Schicksal überlassen, wie sie damals Joseph gefühllos verkauft hatten?

Bis zu diesem Morgen, an dem sie entlassen worden waren, war alles über Erwarten gut gegangen. Und nun? In welch einem tieftraurigen Zustand – davon reden die zerrissenen Kleider – kehrten sie in die Stadt zurück, um erneut vor Joseph zu erscheinen!

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Juda tritt für Benjamin ein

Alles drehte sich nun um Benjamin, bei dem der silberne Becher gefunden worden war. Da sehen wir Juda, den Bürgen für Benjamin, wie er hervortritt und sich für seinen jüngsten Bruder einsetzt (Verse 14.16.18). Aus seinen Worten, die er auch im Namen seiner Brüder äussert, zeigt sich echte Buße.

Gewissermassen als Richter wirft Joseph ihnen vor: «Was ist das für eine Tat, die ihr getan habt!» Sie rechtfertigen sich nicht mehr, sondern anerkennen ihre Schuld. Sie bezeichnen ihr böses Tun mit Joseph als Ungerechtigkeit (Vers 16). Das ist Buße!

Weil Joseph nur Benjamin zurückhalten will, beginnt Juda eine längere Rede. Aufrichtig erzählt er, wie alles gekommen ist. Von Benjamins Bruder sagt Juda: Er ist tot (Vers 20). Jakob drückt sich nicht so abschliessend aus (Vers 28). Der Hauptpunkt der Rede Judas aber ist: Benjamin muss unter allen Umständen zu seinem Vater zurückkehren. Da er für ihn Bürge geworden ist, sagt er: «Lass doch deinen Knecht anstatt des Knaben bleiben, als Knecht meines Herrn» (Vers 33). Das ist der Beweis echter Buße. Juda ist bereit, sein Versprechen einzulösen und mit Benjamin anders zu handeln als damals mit Joseph. Damit zeigt er der Buße würdige Frucht.

Durch die Gerichte, die Gott in der Drangsalszeit über Israel bringen wird, wird Er dieses Ziel mit dem Volk Israel erreichen: Ein Überrest wird über die Kreuzigung seines Messias Buße tun und seine Sinnesänderung durch ein verändertes Verhalten beweisen.

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Joseph gibt sich zu erkennen

Nun war der Moment gekommen, dass Joseph sich seinen Brüdern zu erkennen geben konnte. Doch dazu mussten alle Ägypter hinausgehen (Vers 1). Joseph wollte mit seinen Brüdern allein sein, wenn er ihnen erklärte: «Ich bin Joseph!» Vergebung und Wiederherstellung eines Gläubigen, der vom Weg abgekommen und in Sünde gefallen ist, kann nur der Herr bewirken. Zudem bleibt es eine persönliche Sache zwischen Ihm und dem Fehlbaren. Das sehen wir auch bei Petrus (Lukas 24,34; 1. Korinther 15,5). Doch die Auswirkungen einer solchen Begegnung werden auch andere erkennen (Verse 2.16).

So wie Joseph sich hier den Brüdern zu erkennen gab, so wird der Herr Jesus am Ende der Drangsalszeit dem Überrest aus Israel erscheinen. Nachdem diese Gläubigen ihre Schuld über die Kreuzigung ihres Messias eingesehen und darüber Buße getan haben werden, wird Er sich ihnen offenbaren. Sie werden sehen, dass es die gleiche Person ist, den ihre Vorfahren einst gekreuzigt hatten. Der verachtete Jesus von Nazareth ist der Herr, der dann in Macht und Herrlichkeit erscheinen wird.

In den Worten Josephs erkennen wir prophetisch die beiden Seiten des Kreuzes von Golgatha:

  • Die Seite der Menschen ist, dass wir den Sohn Gottes umgebracht haben, ähnlich wie die Brüder Joseph nach Ägypten verkauft haben (Vers 4).
  • Die Seite Gottes aber ist, dass Er seinen Sohn in den Tod gegeben hat, damit jeder, der an Ihn glaubt, errettet wird. Joseph erklärte: «Zur Erhaltung des Lebens hat Gott mich vor euch hergesandt» (Verse 5-7).

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Joseph, dein Sohn, lebt!

In Vers 13 forderte Joseph seine Brüder auf, seinem und ihrem Vater von all seiner Herrlichkeit in Ägypten zu erzählen und ihn dann herabzubringen. Er wollte nun seinen alten Vater bei sich haben und für ihn sorgen.

Auch am Hof des Pharaos, wo Joseph hoch angesehen war, wurde man aktiv (Verse 17-20). Der Pharao und die Ägypter stellen hier prophetisch die Nationen dar, die zu Beginn des Tausendjährigen Reichs die Rückkehr der Israeliten nach Jerusalem unterstützen werden. Die angebotenen Wagen illustrieren die verschiedenen Transportmittel, die den Israeliten dann zur Verfügung gestellt werden (Jesaja 66,20).

Der Pharao erklärte: «Das Beste des Landes Ägypten soll euer sein.» In dieser Aussage sehen wir, wie in der Zukunft die ganze Bevölkerung der Erde die Vorrangstellung des Volkes Israel anerkennen wird. Dann wird Gott Israel über alle Völker erheben und zur höchsten Nation machen (5. Mose 28,1).

Mit Nahrungsmitteln und Geschenken reich beladen kehrten die elf Männer zu ihrem Vater Jakob zurück. Doch dieser konnte im ersten Moment die Nachricht, die sie mitbrachten, gar nicht fassen: «Joseph lebt noch, und er ist Herrscher über das ganze Land Ägypten.» Wir können diese Reaktion gut verstehen. Seit dem Tag, an dem er aufgrund des blutigen Gewandes meinte, Joseph sei gestorben, waren immerhin 22 Jahre vergangen. Als er aber alle Worte Josephs hörte und die Wagen sah, die sein Sohn gesandt hatte, wurde er überzeugt. Nun wollte er nach Ägypten aufbrechen, um seinen Sohn Joseph noch einmal zu sehen.

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Jakob zieht nach Ägypten

Der alte Mann, der mit seiner Sippe aufbrach, um nach Ägypten zu ziehen, machte sich mit Gott auf den Weg. Er ging nicht im Eigenwillen. Darum wird er hier mit seinem neuen Namen – Israel – genannt. An der Grenze des verheissenen Landes legte er nochmals einen Halt ein. Er wollte sicher wissen, ob dies der richtige Weg sei. Gott antwortete ihm. Er versprach ihm, dass Er ihn begleiten und seine Nachkommen später in das Land Kanaan zurückführen werde. So zog Jakob mit Gott nach Ägypten.

In den Versen 8-27 wird die Familie Jakobs namentlich aufgeführt: seine Söhne und Enkel. Es waren weniger als hundert Personen, die diese Reise machten. Einige Jahrhunderte später zählte das Volk Israel vermutlich über zwei Millionen Menschen (600 000 Gemusterte; 2. Mose 12,37; 4. Mose 1,46), die von Ägypten ins verheissene Land zurückkehrten.

Schliesslich traf Jakob mit seinem lange tot geglaubten Sohn Joseph zusammen. Welch ein Wiedersehen! Nun hatte Jakob keine Wünsche mehr. Dann teilte Joseph dem Pharao die Ankunft seiner Familie mit. Dieser hochgestellte Mann in Ägypten bekannte sich zu den Seinen, die Schafhirten waren und Viehzucht betrieben – ein Beruf, der in Ägypten nichts galt. Damit weist Joseph auf den Herrn Jesus hin, der sich nicht schämt, uns Brüder zu nennen (Hebräer 2,11). In der Zukunft wird Er sich auch zu Israel bekennen und es öffentlich wieder als sein Volk anerkennen (Jesaja 51,16).

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Jakob vor dem Pharao

Nun stellte Joseph seine Familie dem Pharao vor. Er nahm fünf Männer aus seiner Verwandtschaft und brachte sie als Vertreter seiner Familie vor den ägyptischen König. Auf die Frage nach ihrer Berufstätigkeit antworteten sie freimütig: «Deine Knechte sind Schafhirten.» Dann legten sie ihm ihre Notsituation vor und baten den Pharao: «Lass doch deine Knechte im Land Gosen wohnen.» Ihrer Bitte wurde um Josephs willenentsprochen. Sieht es bei uns nicht ganz ähnlich aus? Unsere Stellung vor Gott ist einzig und allein im Herrn Jesus gesichert. Wir sind «begnadigt in dem Geliebten» (Epheser 1,6).

Auch seinen alten Vater Jakob brachte Joseph vor den Pharao. Dieser fragte den Patriarchen nach seinem Alter. Jakob war 130 Jahre alt, aber in seinem Leben hatte er viele verlorene Jahre zu beklagen. Es waren schwere Jahre gewesen mit wenig Frucht für Gott. Ehrlich bekannte er, dass er sein Leben nicht mit dem seiner Vorfahren vergleichen konnte.

Doch jetzt als alter gläubiger Mann lebte er in Gemeinschaft mit seinem Gott. Dadurch war er in der Lage, den Pharao zu segnen (Verse 7.10). Weil er der Träger der göttlichen Verheissungen war und an der Hand Gottes ging, besass Jakob eine besondere Würde. So konnte dieser einfache Nomade und Viehhirt den vermutlich grössten Monarchen jener Zeit segnen. Der Grundsatz, den wir in Hebräer 7,7 finden, kommt hier deutlich vor uns: «Ohne allen Widerspruch aber wird das Geringere (= der Pharao) von dem Besseren (= Jakob) gesegnet.»

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Die Herrschaft und Macht Josephs

Diese Verse sind auf den ersten Blick nicht so leicht verständlich. Es entsteht die Frage: Warum musste sich das ganze Volk der Ägypter dem Pharao verkaufen, um überleben zu können? War das recht?

Sobald wir an die prophetische Seite dieses Abschnitts denken, klärt sich die Sache. Der Geist Gottes will hier ein Bild von der Herrschaft des Herrn Jesus im Tausendjährigen Reich zeigen. Wie Joseph über alles herrschte und alles bestimmte, so wird Christus in seinem Reich unumschränkt regieren.

Joseph versorgte alle Menschen mit Brot. In der Zukunft wird es unter der Herrschaft von Jesus Christus auf der Erde keine Hungersnot geben – weder materiell noch geistlich. Alle Menschen werden genug zu essen haben. Gleichzeitig werden sie den lebendigen und wahren Gott kennen, «denn die Erde wird voll Erkenntnis des Herrnsein, wie die Wasser den Meeresgrund bedecken» (Jesaja 11,9). Was für eine herrliche Zeit wird das sein!

Schliesslich gehörte alles dem Pharao: das Geld, das Vieh, das Land und die Menschen. Auch diese Tatsache weist auf die Zukunft hin. Sie wird im Blick auf das Tausendjährige Reich durch folgende Bibelstellen bestätigt:

  • «Mein ist das Silber und mein das Gold, spricht der Herr der Heerscharen» (Haggai 2,8).
  • «Mein ist alles Getier des Waldes, das Vieh auf tausend Bergen» (Psalm 50,10).
  • «Des Herrn ist die Erde und ihre Fülle, der Erdkreis und die darauf wohnen» (Psalm 24,1).

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Jakob steht vor dem Tod

Jakob lebte noch 17 Jahre in Ägypten. Bereits in dieser Zeit begannen sich seine Nachkommen sehr zu mehren (vergleiche 1. Mose 46,3). Doch nun nahte für ihn das Ende seines Lebens auf der Erde. Da rief er Joseph zu sich, um ihm Anweisung für das Begräbnis zu geben. Auf dem Weg nach Ägypten, als Jakob in Beerseba Halt gemacht hatte, hatte Gott ihm unter anderem zugesagt: «Ich will mit dir nach Ägypten hinabziehen, und ich will dich auch gewiss heraufführen» (1. Mose 46,4). An den zweiten Teil dieses Versprechens dachte Jakob jetzt. Joseph musste seinem Vater schwören, dass er ihn nach seinem Tod nicht in Ägypten, sondern im Land Kanaan begraben würde – in der Höhle des Feldes Machpela, wo auch seine Vorfahren beerdigt waren.

Wie schön ist der Schluss von Vers 31! Jakob, der Überlister, betete am Ende seines Lebens an und rühmte die Gnade Gottes, die ihn nie aufgegeben, sondern ans Ziel gebracht hatte.

In den letzten Tagen seines Lebens traf Jakob noch eine wichtige Entscheidung. Er «adoptierte» gewissermassen die beiden Söhne Josephs als seine eigenen. Die Folge war, dass es nicht einen Stamm Joseph, sondern einen Stamm Ephraim und einen Stamm Manasse gab. Auf diese Weise wurde Joseph der Haupterbe, der das doppelte Teil bekam. Jakob gab ihm den Platz des Erstgeborenen (5. Mose 21,17).

Wieder weist uns Joseph auf den Herrn Jesus hin. Gott hat Ihn zum Erben aller Dinge gemacht (Hebräer 1,2). Er wird der Haupterbe von Himmel und Erde sein.

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Jakob segnet die Söhne Josephs

Weil Ruben gesündigt hatte, wurde ihm das Erstgeburtsrecht mit dem doppelten Erbteil entzogen und den Söhnen Josephs gegeben (1. Mose 49,4; 1. Chronika 5,1). In Ephraim und Manasse bekam Joseph dieses doppelte Teil. Das weist auf Christus als den Haupterben hin. Manasse und Ephraim sind zudem ein Bild von den beiden Seiten seines Erbes:

  • Ephraim, der Jüngere, spricht von den Glaubenden, die ein himmlisches Erbteil besitzen. Es sind einmal alle, die im Glauben gestorben sind und zum Leben auferstehen werden. Aber auch die lebenden Gläubigen, die bei der Entrückung verwandelt werden, gehören zu ihnen. Gemeinsam werden sie mit Christus am himmlischen Segen des Tausendjährigen Reichs teilhaben.
  • Manasse, der Ältere, weist auf die Glaubenden hin, die ein irdisches Erbteil haben. Das betrifft alle, die nach der Drangsalszeit als lebende Menschen auf der Erde ins Reich eingehen und den Segen Gottes unter der Regierung von Christus geniessen werden.

Beim Segnen der beiden Söhne Josephs kreuzte Jakob seine Hände. Joseph protestierte dagegen, aber Jakob wusste es besser. Er handelte nach Gottes Ratschluss. Von Manasse sagte er: «Auch er wird gross sein», aber er fügte hinzu: «doch wird sein jüngerer Bruder grösser sein als er» (Vers 19). Das erfüllte sich später. Ephraim wurde zum Repräsentanten des ganzen Zehn-Stämme-Reichs. Doch wichtiger ist die prophetische Seite: Das Vorrecht derer, die im Himmel am Friedensreich teilhaben werden, ist grösser als der Segen derer, die dann auf der Erde leben werden.

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Der Segen Jakobs (1)

In diesem Kapitel richtet der alte Patriarch seine letzten Worte an seine Söhne. In Vers 28 wird diese Rede der Segen Jakobs genannt. Doch seine Mitteilung ist eigentlich eine Prophetie, eine Vorausschau auf die Geschichte des Volkes Israel (Vers 1).

In Ruben sehen wir die Anfangszeit des Volkes. Israel war Gottes Erstgeborener (2. Mose 4,22). Und die Sünde Rubens? Sie weist auf die Verdorbenheit der Menschen in Israel hin. Kaum waren sie aus Ägypten befreit, da murrten sie schon. Und am Sinai machten sie das goldene Kalb (2. Mose 32,7).

In seinen Worten über Simeon und Levi dachte Jakob an ihre Gewalttat, die sie in Sichem verübt hatten (1. Mose 34). Hier wird prophetisch der Zustand des Volkes zur Zeit der Richter und Könige vorgestellt.

Über Juda wird am meisten ausgesagt, weil aus ihm der Messias kommen sollte. Der 10. Vers erfüllte sich zunächst in David. Doch seine volle Bedeutung bezieht sich auf Christus. Beim ersten Kommen legte der Herr Jesus durch seinen Opfertod die Grundlage für Ruhe und Frieden. Bei seinem zweiten Kommen in Herrlichkeit werden Ihm die Völker gehorchen.

Die beiden Söhne Sebulon und Issaschar sprechen von der Zeit, da Israel unter den Völkern zerstreut ist – eine Folge der Verwerfung ihres Messias!

Mit Dan wird die zukünftige Drangsalszeit beschrieben. Dann wird in Israel der Antichrist als hinterlistiger Regent regieren. – Weil Jakob sah, wie schrecklich diese Zeit sein würde, unterbrach er seine Worte und betete zu Gott (Vers 18).

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Der Segen Jakobs (2)

Gad ist hier ein Bild des treuen Überrests aus Israel, der in der Drangsalszeit von allen Seiten bedrängt wird. Doch schliesslich wird der Herr Jesus in Macht und Herrlichkeit erscheinen und die Glaubenden befreien.

Die Aussagen über Aser zeigen uns, wie Christus in der Zukunft dem Volk Israel Segen und Ruhe bringen wird.

Die Worte über Naphtali reden von der Freude, die die befreiten Israeliten dann geniessen werden.

Der Segen Jakobs über Joseph weist vor allem auf Christus hin. Der Ausdruck «Sohn eines Fruchtbaums am Quell» spricht vom Leben des Herrn Jesus, das Frucht zur Ehre und Freude Gottes brachte. Der Segen aus seinem Erlösungswerk überstieg die «Mauer» des Volkes Israel, denn Er ist der Heiland der Welt. «Sein Bogen blieb fest», so dass Er am Kreuz einen endgültigen Sieg über Satan, die Sünde und die Welt errang. In Vers 24b werden zwei Titel unseres Herrn erwähnt: Er ist der Hirte und der Stein Israels. Auch in den Versen 25 und 26 finden wir Hinweise auf Christus. Der Abgesonderte unter seinen Brüdern lässt uns an Hebräer 7,26 denken.

In Benjamin sehen wir die Macht von Jesus Christus im zukünftigen Gericht.

Was Jakob in 1. Mose 47,29.30 bereits mit Joseph besprochen hatte, forderte er jetzt auch von allen seinen Söhnen: Sie sollten ihn im Erbbegräbnis seiner Väter, in der Höhle von Machpela bei Hebron, begraben. Das war sein letzter Wunsch. Dann nahm Gott ihn zu sich.

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Jakob wird in Kanaan begraben

Diese Verse machen noch einmal deutlich, was für eine hohe Stellung Joseph im Land Ägypten einnahm. Der Körper Jakobs wurde so behandelt, als ob er eine hochgestellte Persönlichkeit im Reich des Pharaos gewesen wäre. Wie gross war die Trauer, die für ihn veranstaltet wurde!

Dann bat Joseph den Pharao um die Bewilligung, den Schwur gegenüber seinem Vater einzulösen. Der Pharao antwortete positiv: «Zieh hinauf und begrabe deinen Vater, so wie er dich hat schwören lassen.» So wurde der Körper Jakobs mit einem sehr grossen Trauerzug von Ägypten nach Kanaan überführt und in der Höhle des Feldes Machpela begraben.

Was war der tiefe Grund für diese Anordnungen Jakobs gegenüber seinen Söhnen? Die Gläubigen im Alten Testament wussten noch wenig über das Jenseits. Aber sie glaubten an die Auferstehung. Jakob wollte bei seinen Vätern begraben sein, denn er erwartete wie sie die Auferstehung und die himmlische Stadt (Hebräer 11,13-16). Wenn der Herr Jesus zur Entrückung aller Gläubigen wiederkommen wird, werden auch die Glaubenden des Alten Testaments zum Leben auferstehen (Johannes 5,28.29; 1. Thessalonicher 4,16).

Dass Jakob in Kanaan begraben sein wollte, zeigt auch, dass er an die Verheissung Gottes für seine Nachkommen glaubte. Auch wenn sie für eine Zeit in Ägypten wohnten und dort ein grosses Volk wurden, war doch Kanaan das Land, das ihnen verheissen war. Gott würde es ihnen zu seiner Zeit zum Besitztum geben.

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Bekenntnis und Vergebung

Nach dem Tod ihres Vaters kamen die Brüder Josephs nochmals zu ihm und baten ihn: «Ach, vergib doch die Übertretung deiner Brüder und ihre Sünde!» Sie hatten noch keinen inneren Frieden. Mit Tränen antwortete Joseph ihnen: «Fürchtet euch nicht!» – So wird es einmal dem gläubigen Überrest Israels in der Zukunft ergehen. Sie werden erst dann das Bewusstsein der vollen Vergebung ihres Messias haben, wenn Er sie in den Segen des Reichs einführen und ihnen damit erklären wird, dass ihre Schuld gesühnt ist (Jesaja 40,2).

Wir Christen dürfen im Glauben auf ein vollbrachtes Erlösungswerk zurückblicken und wissen: Alle unsere Sünden sind gesühnt. Wir haben neues, ewiges Leben empfangen. Wir haben Frieden mit Gott und sind seine geliebten Kinder. Mit dieser Heilsgewissheit im Herzen wollen wir das Danken nie vergessen!

Auch Joseph wusste, dass die Endbestimmung der Nachkommen Jakobs nicht Ägypten, sondern Kanaan war. Deshalb ordnete er an, dass die Israeliten, wenn sie als Volk das Land Ägypten viele Jahre später verlassen würden, seine Gebeine mitnehmen sollten. Den Zeitpunkt allerdings wusste Joseph nicht. Aber er war felsenfest davon überzeugt, dass Gott diese Verheissung einlösen und sein Volk nach Kanaan bringen würde.

Als es schliesslich so weit war und Israel aus Ägypten zog, nahm Mose die Gebeine Josephs mit sich (2. Mose 13,19). Unter Josua wurden sie in Sichem auf dem Feld begraben, das Jakob einst gekauft hatte (Josua 24,32).

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Hiob 1,1-22

Ein kurzer Überblick:

Kapitel 1 – 2: Hiob wird geprüft

  • Durch verschiedene Unglücksfälle verliert Hiob seine Kinder und seinen gesamten Besitz. Schliesslich wird er schwer krank.
  • Trotz dieser schweren Schläge hält Hiob an seinem Gott fest und sündigt nicht.

Kapitel 3 – 31: Hiob und seine drei Freunde

  • Seine drei Freunde meinen, ein Unrecht im Leben Hiobs sei der Grund für sein Elend und seine Leiden.
  • Hiob besteht auf seiner Gerechtigkeit und nimmt das Wort gegen Gott, weil er dessen Tun nicht versteht.

Kapitel 32 – 37: Elihu spricht zu Hiob

  • Elihu weist Hiob für seine unbedachten Worte und sein Hadern gegen Gott zurecht.
  • Elihu stellt Gottes Segensabsichten in seinem Handeln mit den Menschen vor.

Kapitel 38 – 41: Der Herr spricht zu Hiob

  • Gott beschreibt viele Wunder in der Natur, um seine eigene Grösse vorzustellen.
  • Dabei wird sich Hiob bewusst, wie klein er vor dem Allmächtigen ist.

Kapitel 42: Das Ende von Hiob

  • Hiob demütigt sich vor Gott und verurteilt sein Fehlverhalten in der Prüfung.
  • Gott segnet Hiob mit dem Doppelten von allem, was er vorher besessen hat.

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Der Heilige Geist sendet aus

Wie wichtig ist die Belehrung und Auferbauung der Versammlung! Die Gläubigen brauchen geistliche Nahrung für ihr neues Leben. Sie sollten in den Gedanken Gottes, wie Er sie uns in seinem Wort offenbart und mitgeteilt hat, unterwiesen werden. Es ist der Herr selbst, der seiner Versammlung für diesen Dienst die nötigen Gaben schenkt (Epheser 4,11.12).

In Antiochien gab es verschiedene Personen, die als Propheten und Lehrer wirkten. Die fünf mit Namen genannten Brüder hatten alle eine andere Herkunft. Aber jetzt waren sie eins in Christus und dienten dem gleichen Herrn.

Doch sie dienten nicht nur, sie fasteten auch. Damit wird angedeutet, dass sie in ihrem Dienst ernsthaft nach dem Willen Gottes fragten. Sie wollten das tun, was nach seinen Gedanken war. Da machte ihnen der Heilige Geist klar, dass Er für zwei von ihnen – Barnabas und Saulus – einen besonderen Auftrag hatte.

In Vers 3 geht es nicht nur um die fünf genannten Diener des Herrn, sondern um die ganze örtliche Versammlung. Sie beteten und fasteten, um gemeinsam vor dem Herrn Klarheit über den Dienst von Barnabas und Saulus zu bekommen. Durch das Auflegen der Hände bezeugten sie, dass sie hinter ihnen und ihrem Dienst standen. Dann liessen sie die beiden ziehen.

Es war nicht die Versammlung in Antiochien, die die beiden Missionare aussandte, sondern Gott, der Heilige Geist. Aber die Versammlung hatte sich mit ihnen einsgemacht. Die erste Station war die Insel Zypern, das Geburtsland von Barnabas.

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Auf Zypern

Die beiden Missionare nahmen Johannes Markus als Diener mit sich. Er sollte sich um die praktischen Belange kümmern, die es auf einer solchen Reise zu tun gab.

In Römer 1,16 wird vom Evangelium gesagt: «Es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen.» So gingen die beiden Verkündiger zunächst in die Synagogen der Juden und predigten dort das Wort.

Auf ihrer Reise durch die ganze Insel stiessen sie in Paphos, auf einen jüdischen Zauberer, der sich bei einem Staatsbeamten namens Sergius Paulus aufhielt. Dieser verständige Mann interessierte sich für das Wort Gottes. Doch der Teufel versuchte durch sein Werkzeug, den Zauberer Elymas, den Prokonsul vom Glauben abzuhalten. Aber jetzt zeigte sich, wer der Stärkere ist, und die Verkündiger der frohen Botschaft standen auf seiner Seite. Ihr Herr, den sie den Menschen als Retter verkündigten, hat am Kreuz den Teufel besiegt. Der Widerstand, dem Paulus und Barnabas hier begegneten, kam von einem besiegten Feind. Mit apostolischer Vollmacht trat Paulus diesem Gegner des Herrn entgegen und sprach ein zeitliches Gericht über den Zauberer aus: Er wurde eine Zeit lang blind.

Die Auseinandersetzung, die sich vor dem hohen Beamten abspielte, blieb nicht ohne Wirkung auf ihn. Er glaubte an das, was er über den Herrn Jesus gehört hatte. Die Lehre, die er hörte, war zwar neu für ihn. Doch das, was er gerade erlebt hatte, bewies ihm den göttlichen Ursprung der Sache.

Karte der ersten Missionsreise des Apostels Paulus

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Verkündigung in der Synagoge

Von Zypern aus segelten Paulus und seine Begleiter nach Perge, das in der heutigen Türkei liegt. Dort erlebten sie eine Enttäuschung. Ihr Diener Johannes Markus verliess sie und kehrte nach Jerusalem zurück. War ihm der Dienst für den Herrn zu schwer? Waren die Anforderungen und Entbehrungen zu gross? Gottes Wort sagt nichts Konkretes dazu. Aber die Bemerkung in Apostelgeschichte 15,38 lässt doch den Schluss zu, dass er aus dem Dienst für den Herrn davongelaufen war.

In der nächsten Stadt, in Antiochien in Pisidien, suchten Barnabas und Paulus am Sabbat wieder die Synagoge auf. Ab Vers 16 gibt uns der Heilige Geist den Wortlaut der Predigt wieder, die Paulus in jener Synagoge gehalten hat. Sie gibt uns ein Muster davon, wie er wohl auch an anderen Orten in den Synagogen gesprochen hat. Dabei wandte er sich sowohl an die Menschen aus dem Volk Israel als auch an die Proselyten, d.h. an Menschen aus den Nationen, die Gott fürchteten und sich dem Judentum zugewandt hatten.

Im ersten Teil seiner Rede skizzierte Paulus kurz die Geschichte Israels vom Auszug aus Ägypten bis auf David, den König nach den Gedanken Gottes. Damit kam er auf die Hauptperson seiner Verkündigung zu sprechen: auf Jesus, den Sohn Davids. Die von Johannes dem Täufer angekündigte Person war der von Gott verheissene Retter Israels. Jesus war der Messias, der weit über Johannes dem Täufer stand. Dieser sagte von dem nach ihm Kommenden: Ich bin nicht würdig, Ihm den geringsten Sklavendienst zu tun.

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Christus – gestorben und auferstanden

Nachdem Paulus den Herrn Jesus erwähnt hatte, zeigte er den Zuhörern, dass dieses Wort des Heils (die Botschaft vom gekommenen Erretter) für sie persönlich war. Die Verantwortung der Juden in der Zerstreuung war geringer als die der Juden in Jerusalem, die das Leben Jesu gesehen und seine Worte gehört hatten und Ihn doch kreuzigen liessen. Danach legten sie den gestorbenen Christus in eine Gruft.

Mit Vers 30 kommen wir zum Höhepunkt der Rede von Paulus: zur Auferstehung des Herrn Jesus. «Gott aber hat ihn aus den Toten auferweckt.» Obwohl die Juden in Jerusalem den Messias umgebracht hatten, war Er nicht im Grab geblieben. Er war auferstanden. Er hat die Verwesung nicht gesehen, wie dies in Psalm 16 vorausgesagt war. Die Auferstehung von Jesus Christus war der Beweis dafür, dass Er der Sohn Gottes ist (Vers 33; Römer 1,3.4).

Es war eine gewaltige Botschaft, die die Zuhörer in der Synagoge von Antiochien zu hören bekamen: Der von Gott verheissene Messias war tatsächlich gekommen, aber verworfen und gekreuzigt worden. Doch Er war auferstanden, Er lebte. Die Schriften des Alten Testaments, die dies vorausgesagt hatten, haben sich in Jesus Christus erfüllt.

Petrus hatte in seiner Rede am Pfingsttag ebenfalls Psalm 16 zitiert. Sowohl Petrus als auch Paulus machten deutlich, dass David in Psalm 16 nicht von sich gesprochen hatte. Er war ja gestorben. Es ging um Jesus Christus, den Messias, der die Verwesung nicht sah, weil Gott Ihn auferweckt hatte.

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Grosses Interesse und Eifersucht

Zuletzt stellte Paulus seinen Zuhörern den Herrn Jesus als Heiland vor. Durch den Glauben an Ihn empfängt der Mensch Vergebung seiner Sünden. Der Glaubende wird durch seine Gnade gerechtfertigt, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist (Römer 3,22-24).

Bis dahin hatten die Menschen in Israel versucht, das Gesetz Moses zu halten, um dadurch vor Gott gerechtfertigt zu werden. Aber kein Mensch ist in der Lage, aus eigener Kraft jederzeit alle Forderungen des göttlichen Gesetzes zu erfüllen. Jetzt zeigte Paulus diesen Menschen den Weg, den die Gnade Gottes für jeden bereithält. Aber dazu ist Glauben nötig, echter Glauben an den verachteten, gekreuzigten, aber auferstandenen Jesus Christus und an sein am Kreuz vollbrachtes Erlösungswerk. Das Zitat aus dem Propheten Habakuk in Vers 41 warnte alle Zuhörer, doch nicht im Unglauben zu verharren.

Viele wollten diese Worte am nächsten Sabbat nochmals hören. Aber die Interessierten, die ihr Herz dem Evangelium geöffnet hatten, konnten nicht bis zum folgenden Sabbat warten. Sie folgten den beiden Missionaren sofort. Diese ermunterten sie, das Angebot der Gnade im Glauben anzunehmen und es festzuhalten. Man kann sich vorstellen, wie diese Predigt zum Stadtgespräch wurde. So etwas hatten die Leute noch nie gehört. Die Reaktion blieb nicht aus. Am nächsten Sabbat versammelte sich fast die ganze Stadt, um das Wort Gottes zu hören.

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Annahme und Ablehung

Wie traurig ist die Reaktion der Juden! Anstatt sich über das grosse Interesse der Menschen für das Wort Gottes zu freuen, wurden sie eifersüchtig. Sie, die sich so viel auf das Gesetz Moses und ihren Gottesdienst einbildeten, wollten nicht einsehen, dass Gott jetzt für alle Menschen einen neuen Weg geöffnet hatte. Sie widerstanden der Gnade und lehnten den einfachen Weg des Glaubens an den Erretter Jesus Christus und an sein vollbrachtes Erlösungswerk ab. Mit allem Ernst erklärten Paulus und Barnabas diesen eifersüchtigen Juden, sie würden sich nun den Nationen zuwenden. Sie belegten ihre Entscheidung mit einem Wort aus dem Alten Testament (Jesaja 49,6). Mit dem Kommen des Messias sollte das Evangelium auch zu den Nationen gelangen. Er war wirklich der Heiland der Welt.

Die Zuhörer aus den Nationen freuten sich, dass diese Botschaft der Gnade auch ihnen galt. Sie glaubten an den Herrn Jesus und empfingen ewiges Leben. Auch in der Umgebung der Stadt Antiochien verbreitete sich das Wort des Herrn.

Wo der Herr ein Werk hat, versucht der Feind zu stören und zu hindern. So dauerte es hier nicht lange, bis eine von den Juden angezettelte Verfolgung gegen Paulus und Barnabas einsetzte und sie aus ihrem Gebiet vertrieben wurden. Indem sie den Staub von ihren Füssen gegen sie abschüttelten, handelten sie nach dem Wort des Herrn in Lukas 9,5. Die gläubig gewordenen Menschen – Jünger genannt – freuten sich über ihre Errettung und wurden mit Heiligem Geist erfüllt.

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Widerstand in Ikonium

In Ikonium, der nächsten Station ihrer Reise, suchten die beiden Missionare wieder zuerst die Synagoge auf. Auch dort nahmen viele Menschen – Juden und Griechen – die Botschaft im Glauben an. Doch der Feind liess nicht locker. Er bekämpft bis heute das Werk des Herrn, wo immer es vor sich geht. Der Widerstand ging wieder von den ungläubigen Juden aus, die auch viele aus den Nationen als Gegner der Christen gewinnen konnten. Aber der Herr liess diesmal nicht zu, dass seine beiden Knechte sofort vertrieben wurden. Sie konnten trotz des Widerstands lange Zeit freimütig das Evangelium verkündigen. Gott bekannte sich durch Zeichen und Wunder zur Botschaft der Gnade.

Dann geschah das, was bis heute immer wieder passiert: Am Herrn Jesus scheiden sich die Geister. «Die Menge der Stadt aber spaltete sich.» Ein Teil der Einwohner hielt sich zu denen, die dem Herrn Jesus widerstanden, die anderen waren mit denen, die Ihn als Retter verkündigten. Sie glaubten an das Evangelium, oder standen ihm zumindest positiv gegenüber.

Der Herr liess nicht zu, dass seine Diener misshandelt und umgebracht wurden. Er sorgte dafür, dass sie früh genug vom geplanten ungestümen Angriff hörten und fliehen konnten. Der Widerstand und die Verfolgung hinderten sie aber nicht, ihren vom Herrn empfangenen Auftrag fortzusetzen. In Lystra und Derbe angekommen, verkündigten sie auch dort das Evangelium. Welch ein Eifer für die Sache des Herrn!

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Die Heilung des Gelähmten

In Lystra gab es unter den Zuhörern einen schwer behinderten Mann, der von Geburt an gelähmt war. Mit grösster Aufmerksamkeit folgte er dem, was der fremde Mann verkündigte. Paulus erkannte, dass der Mann Glauben hatte, geheilt oder gerettet zu werden. Er muss auch gemerkt haben, dass es Gottes Wille war, dass dieser Gelähmte geheilt wurde. So rief er ihm mit lauter Stimme zu: «Stelle dich gerade hin auf deine Füsse!» Der Glaubende gehorchte sofort und empfing die nötige Kraft, um aufzuspringen. – So ist es auch in geistlicher Hinsicht. Wenn wir dem Wort Gottes gehorsam sind, wird der Herr uns die geistliche Kraft schenken, es praktisch auszuleben.

Nun meinten die Volksmengen, die Götter seien zu den Menschen gekommen. Paulus und Barnabas verstanden wohl nicht, was die Menschen auf Lykaonisch riefen. Als sie jedoch merkten, dass die Leute sie als Götter verehren und ihnen opfern wollten, reagierten sie sofort. Sie waren keine Götter, sondern Menschen wie sie. Aber sie wollten ihnen den einen wahren Gott verkündigen. Die Griechen stellten sich vor, ihre Götter lebten auf dem Olymp und kümmerten sich nicht um die Menschen. Der wahre Gott aber, der der Schöpfer von allem ist, hat das Wohl seiner Geschöpfe am Herzen. Obwohl sie Ihn nicht ehrten, hatte Er ihnen als ihr Erhalter viel Gutes getan.

Trotz dieser klaren Worte wollten die Leute ihnen opfern. Sich von den nichtigen Götzen zum lebendigen Gott zu bekehren, ist immer eine Sache des Glaubens. Aber so weit waren die meisten noch nicht.

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Rückkehr nach Antiochien

Wie gross war der Hass der ungläubigen Juden gegenüber Paulus und seiner Botschaft! Sie wehrten sich gegen den Gedanken, dass Gottes Gnade auch für die Nationen war (Apostelgeschichte 22,21.22). In 1. Thessalonicher 2,15.16 schreibt Paulus: Sie gefallen Gott nicht, sind allen Menschen entgegen und wehren uns, zu den Nationen zu reden. In Lystra gelang es den Juden, die Menschen, die Paulus und Barnabas kurz vorher als Götter verehren wollten, derart aufzustacheln, dass sie Paulus steinigten. Doch die gute Hand Gottes war über ihm. So blieb er am Leben. Sein Dienst war noch nicht zu Ende.

Die letzte Station war Derbe. Nachdem sie auch dort das Evangelium gepredigt hatten, kehrten sie auf dem Weg, den sie gekommen waren, nach Perge zurück. Auf dem Rückweg arbeiteten die beiden nicht mehr als Evangelisten. Jetzt betätigten sie sich als Hirten und Lehrer, indem sie die Jünger geistlich befestigten. Sie ermahnten sie, auf dem Glaubensweg zu verharren, auch wenn es Drangsale gab. Solches ist für den, der dem Herrn Jesus treu nachfolgen möchte, nichts Abnormales (2. Timotheus 3,12). Bevor sie diese Jünger, die sich erst vor Kurzem bekehrt hatten, verliessen, befahlen sie sie dem Herrn an, an den sie geglaubt hatten.

Schliesslich kamen Paulus und Barnabas an ihren Ausgangspunkt, nach Antiochien in Syrien, zurück. Vieles hatten sie den dortigen Gläubigen zu erzählen! Sie rühmten die Führung und Bewahrung Gottes, die sie erfahren hatten. Aber vor allem berichteten sie von der Bekehrung derer aus den Nationen.

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Ein falsches Evangelium

Nun startete der Feind Gottes einen neuen Angriff auf die gläubigen Christen. In Antiochien tauchten auf einmal Leute auf, die Verkehrtes lehrten. Sie behaupteten, die Gläubigen aus den Nationen müssten äusserlich Juden werden, um errettet zu werden. Sie wollten das Halten des Gesetzes Moses mit der souveränen Gnade vermischen. Wir können uns vorstellen, wie Paulus und Barnabas solchen Ideen entschieden widerstanden. Es entstand ein ernster Zwiespalt. Was war da zu tun?

Die Versammlung in Antiochien entschied, Paulus und Barnabas mit einigen Brüdern nach Jerusalem zu senden, um diese Streitfrage dort zu besprechen. Es ging darum, dass es zwischen Jerusalem und Antiochien keine Trennung gab. Es hätte die Versammlung Gottes gespalten.

Auf dem Weg nach Jerusalem erzählten die beiden Missionare von der Bekehrung derer aus den Nationen. Götzendiener waren durch den Glauben an Jesus Christus errettet und als Glieder zum Leib des Christus, zur Versammlung, hinzugefügt worden. Überall gab es grosse Freude.

Auch in Jerusalem berichteten sie von dem, was Gott unter den Nationen gewirkt hatte. Alle hörten es: die Versammlung, die Apostel und die Ältesten. Einige von den gläubig gewordenen Pharisäern hatten Mühe damit. Sie waren der Überzeugung, alle Christen müssten auch noch das Gesetz Moses halten und sich äusserlich zum Judentum bekennen. Obwohl sie an Christus glaubten, hielten sie noch sehr am Judentum fest.

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Besprechung in Jerusalem

Der Widerstand der gläubig gewordenen Pharisäer gegen den Bericht von Paulus und Barnabas über das Wirken Gottes unter den Heiden machte eine Besprechung nötig. So kamen die verantwortlichen Brüder (die Apostel und Ältesten) der Versammlung von Jerusalem mit den Missionaren und Brüdern von Antiochien zusammen, um diese Sache zu behandeln. Nach einer fruchtlosen Diskussion benutzte der Heilige Geist den Apostel Petrus, um göttliches Licht auf die Angelegenheit zu werfen. Er erzählte noch einmal von den Ereignissen im Haus des Römers Kornelius.

Was war damals geschehen? Gott, der die Herzen kennt, antwortete auf den Glauben jener Zuhörer aus den Nationen, indem Er ihnen den Heiligen Geist gab. Gott machte also keinen Unterschied. Alle, die das Evangelium im Glauben annahmen – sowohl die aus den Juden als auch die aus den Nationen –, empfingen den Heiligen Geist. Das Entscheidende war der Glaube, nicht das Einhalten gesetzlicher Vorschriften.

Wie ernst sind die Worte des 10. Verses! Da wollten Menschen den Glaubenden etwas Zusätzliches auferlegen, das sich längst als ein untaugliches Mittel erwiesen hatte, um vor Gott gerecht zu werden. «Christus ist das Ende des Gesetzes» (Römer 10,4). Er hat durch sein Kommen die Zeitperiode des Gesetzes abgeschlossen. Wer sich vom Gesetz abwendet und sich im Glauben zu Christus hinwendet, bekommt die Gerechtigkeit Gottes geschenkt. Nur Jesus Christus ist jetzt der Weg zu Gott, und zwar für alle Menschen.

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Christliche Freiheit

Nachdem die Missionare ihren Bericht beendet hatten, ergriff eine weitere wichtige Person das Wort. Es war Jakobus, ein leiblicher Bruder des Herrn Jesus, der als Säule und Stütze in der Versammlung von Jerusalem angesehen wurde (Galater 1,19; 2,9).

Er sprach von einem Volk, das Gott für seinen Namen aus den Nationen nehmen wollte. Damit ist das himmlische Volk Gottes, die Versammlung, gemeint. In der Anfangszeit bestand sie zwar hauptsächlich aus gläubigen Menschen aus den Juden. Heute aber kommen die meisten gläubigen Christen aus den Nationen.

In Vers 16 spricht Jakobus von einem Danach. Die Zeit der Versammlung wird einmal zu Ende gehen – heute stehen wir kurz vor diesem Abschluss. Dann wird Gott sich erneut dem Volk Israel zuwenden. Im Tausendjährigen Reich, wovon dieses Zitat aus dem Propheten Amos handelt, wird Israel unter der Herrschaft des Messias im Zentrum der Gedanken Gottes stehen.

Aber in der jetzigen Zeit, da Gott seine Versammlung auf der Erde hat, sollten den Glaubenden keine weiteren Gesetze auferlegt werden als vier göttliche Anordnungen, die durch alle Zeitalter hindurch Gültigkeit haben (z.B. 1. Mose 9,4).

Mit dem, was zwei führende Brüder in Jerusalem – Petrus und Jakobus – erklärten, sorgte Gott dafür, dass diese wichtige Angelegenheit schriftgemäss geordnet wurde. Viele gläubige Christen aus den Juden hatten Mühe, das aufzugeben, worin sie bis dahin gelebt hatten. Doch die Zeit des Gesetzes war zu Ende.

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Mitteilung an die Gläubigen

Das Problem wurde im Kreis der Apostel und Ältesten besprochen. Aber nun fasste die ganze Versammlung einen Beschluss. Sie schrieben einen Brief an die Gläubigen aus den Nationen und sandten ihn durch zwei führende Brüder, die das Besprochene bezeugen konnten, mit Paulus und Barnabas nach Antiochien. Den Wortlaut des Briefes hat Gott uns in seinem Wort aufbewahrt.

Zunächst erklärten sie, dass die Männer, die die Gläubigen in Antiochien beunruhigt hatten, keinen Auftrag von der Versammlung gehabt hatten. Im Gegensatz zu diesen, die etwas Verkehrtes lehrten, waren die Begleiter von Barnabas und Paulus von der Versammlung für diesen Dienst ausgewählt worden. Wie schön ist das Zeugnis, das sie den beiden Missionaren ausstellten! Sie hatten unter Einsatz ihres Lebens dem Herrn gedient.

Der Beschluss selbst war unter der Wirkung des Heiligen Geistes gefasst worden. Er ist bis heute gültig. Kein Christ ist gehalten, das Gesetz zu erfüllen. Es ist auch nicht seine Lebensregel. Gott möchte nicht, dass Gesetz und Gnade irgendwie vermischt werden. Damit würde der einzige Weg der Errettung durch den Glauben an das Erlösungswerk des Herrn Jesus in Frage gestellt. – Die vier aufgezählten Verbote Gottes gelten für die Gottesfürchtigen aller Zeiten: das Essen von Blut, wozu auch der Genuss von Ersticktem gehört, das Vergehen gegen den eigenen Körper und gegen die Ehe, und das Abweichen von Gott, dem Schöpfer von Himmel und Erde, zu einem Götzen.

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Paulus trennt sich von Barnabas

In Antiochien löste der Brief grosse Freude aus. Auch das mündliche Zeugnis der beiden Abgesandten trug zur Ermunterung und Stärkung der Gläubigen bei. Durch Gottes Gnade war ein Angriff Satans auf die Einheit der Versammlung und auf die Alleingültigkeit des Erlösungswerks abgewehrt worden. Aus dem Galater-Brief und aus anderen Stellen in den Briefen des Apostels Paulus geht hervor, dass die Gefahr der Vermischung von Gesetz und Gnade nicht endgültig gebannt war. Menschen mit jüdischem Hintergrund versuchten später – leider mit Erfolg – weiterhin, diese verkehrte Lehre einzuführen.

Für eine gewisse Zeit wirkten Paulus und Barnabas neben anderen in Antiochien. Aber dann schlug Paulus vor, die Versammlungen aufzusuchen, die auf der ersten Reise entstanden waren. Wegen Johannes Markus, der auf der ersten Reise in seinem Dienst versagt hatte, trennten sich leider die beiden Diener des Herrn. Ihre Meinungen über diesen jungen Mann gingen auseinander. Für Paulus war der Moment noch nicht gekommen, ihn wieder im Werk des Herrn zu beschäftigen. Doch die Zeit kam, da Johannes Markus völlig hergestellt war und der Apostel Paulus über ihn schreiben konnte: «Nimm Markus und bring ihn mit dir, denn er ist mir nützlich zum Dienst» (2. Timotheus 4,11).

Barnabas und Markus reisten, ohne die Versammlung hinter sich zu haben, nach Zypern. Der neue Begleiter von Paulus war Silas. Sie zogen, «von den Brüdern der Gnade Gottes anbefohlen», in Richtung Derbe und Lystra.

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Die Befestigung der Versammlungen

In der Versammlung von Lystra fanden die beiden Diener des Herrn einen jüngeren Mann mit Namen Timotheus. Seine Mutter war Jüdin, sein Vater ein Grieche. Sie war gläubig, vom Vater wissen wir es nicht.

Timotheus hatte ein gutes Zeugnis von zwei Versammlungen. Man kannte ihn als einen treuen Jünger des Herrn Jesus. Er hatte sich an seinem Wohnort bewährt. Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, dem Herrn in einem grösseren Arbeitsfeld zu dienen: als Mitarbeiter und Begleiter des Apostels der Nationen.

Warum beschnitt Paulus diesen Mann? Handelte er damit nicht gegen den Beschluss von Jerusalem, der den Gläubigen aus den Nationen keine weiteren gesetzlichen Forderungen auferlegte? Diese Beschneidung hatte nichts mit der Errettung zu tun, die Timotheus nur durch den Glauben an den Herrn Jesus empfangen hatte. Aber als beschnittener Sohn einer Jüdin hatte er Zugang zu den Juden, was für seinen Dienst wichtig und nützlich war (1. Korinther 9,20).

So zogen sie zu dritt weiter: Paulus, Silas und Timotheus. Überall, wo sie Gläubige trafen, teilten sie ihnen die Beschlüsse mit, die in Jerusalem festgesetzt worden waren. Auf diese Weise befleissigten sie sich, die Einheit des Geistes im Band des Friedens zu bewahren (Epheser 4,3). Die Besuche dieser drei Diener des Herrn dienten zur Befestigung der Versammlungen im Glauben. Gleichzeitig kamen weitere Menschen zum Glauben an den Erretter. So gab es ein inneres und ein äusseres Wachstum der Versammlungen.

Karte der zweiten Missionsreise des Apostels Paulus

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Der Heiligen Geist führt nach Europa

In den Versen 6-10 zeigt uns der Heilige Geist ein interessantes Beispiel göttlicher Führung. Die Fortsetzung der Reise von Lystra führte die drei Knechte des Herrn durch weite Teile der heutigen Türkei, immer in Richtung Westen. Der Heilige Geist hinderte sie, in der Provinz Asien das Wort zu reden. Auch der Versuch, nach Bithynien zu reisen, wurde ihnen untersagt. War es verkehrt, in Asien das Evangelium zu verkündigen? Nein, ganz und gar nicht. Später wirkte Paulus drei Jahre lang in Ephesus (Apostelgeschichte 19,10; 20,31). Aber jetzt hatte der Herr etwas anderes im Sinn. In Troas wies Er dem Apostel Paulus durch einen Traum den Weg nach Europa. Nachdem dieser die Sache mit seinen Begleitern besprochen hatte, zogen alle den Schluss, dass Gott sie nach Mazedonien rief.

In Philippi gab es keine Synagoge, aber einen Gebetsort an einem Fluss ausserhalb der Stadt. Diesen suchten sie am Sabbat auf. Dort trafen sie nur Frauen, die zusammengekommen waren. Wo blieb der mazedonische Mann, den Paulus im Traum gesehen hatte?

Eine dieser Frauen, eine begüterte Purpurhändlerin aus Thyatira, hörte aufmerksam zu, als Paulus ihnen das Evangelium verkündete. Ähnlich wie bei Kornelius war sie für die Botschaft zubereitet. Der Herr öffnete ihr Herz und schenkte ihr den Glauben an Ihn. Nachdem sie getauft worden war, zeigte sich das neue Leben, das sie empfangen hatte: Sie lud die fremden Männer in ihr Haus ein. Die Bruderliebe ist ein Kennzeichen derer, die aus Gott geboren sind (1. Johannes 3,10.14).

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Widerstand in Philippi

Es scheint, dass die Verkündiger der frohen Botschaft jenen Gebetsort am Fluss regelmässig aufsuchten. Doch nun regte sich der Widerstand Satans. Wie immer war er auch hier auf dem Plan, um dem Werk des Herrn zu schaden. Er benutzte dazu eine arme Sklavin, die einen Wahrsagegeist hatte, also dämonisch belastet war.

In Philippi trat der Feind nicht mit offenem Widerstand gegen Paulus auf, wie wir das bisher gesehen haben. Hier wirkte er als Engel des Lichts. Oberflächlich gesehen unterstützte er die Diener des Herrn. Aber die Frau sagte kein Wort vom Herrn Jesus, dem Erretter. Doch das Heil für die Menschen gründet sich einzig und allein auf Ihn und sein Erlösungswerk. Paulus erkannte die Stimme des Feindes und gebot dem bösen Geist im Namen Jesu Christi von der Frau auszufahren.

Jetzt änderte der Teufel seine Taktik. Als brüllender Löwe sorgte er dafür, dass Paulus und Silas mit Ruten blutig geschlagen und ins innerste Gefängnis geworfen wurden. Auslöser für diese heftige Reaktion waren die Herren dieser Sklavin, die durch ihre Wahrsagerei an ihr verdient hatten. Nun war dies plötzlich zu Ende. Ihre Wut war gross.

Ohne die Sache näher zu untersuchen, behaupteten sie, Paulus und Silas seien Juden, die mit ihrer Botschaft die ganze Stadt verwirrten. Da sie das Wirken von Paulus und Silas als Angriff auf sie als Römer ausgaben, fanden sie bei den höchsten Beamten der Stadt Gehör. Ohne Prozess wurden die beiden wie die schlimmsten Verbrecher behandelt.

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Das Erdbeben

Es war für Paulus und Silas bestimmt schwer, mit blutendem Rücken, die Füsse fest in den Stock geschlossen, im innersten Gefängnis zu sitzen. Sie waren doch dem Willen des Herrn gefolgt und hierher gekommen. Und jetzt? – Nach einigen notvollen Stunden im Kerker kamen ihre Herzen beim Herrn zur Ruhe. Nun konnten sie beten und sogar lobsingen. So etwas kann nur der Herr in den Seinen zustande bringen. Für die anderen Gefangenen war dies etwas Einmaliges. Solches hatten sie noch nie erlebt. Dann folgte Gottes Antwort auf den Lobgesang der Seinen: Ein Erdbeben erschütterte das Gefängnis so stark, dass sich alle Türen öffneten und alle Fesseln lösten. Welch ein Schrecken für den Kerkermeister, der für die Gefangenen verantwortlich war! Mit einem Selbstmord wollte er der Vergeltung für die entlaufenen Gefangenen zuvorkommen. Doch Paulus konnte ihn vor dieser schrecklichen Sünde zurückhalten.

Nun fiel der grausame Gefängnisaufseher innerlich gebrochen vor Paulus und Silas nieder. Zitternd fragte er: «Was muss ich tun, um errettet zu werden?» Ein göttliches Erdbeben hatte sein Herz und Gewissen zutiefst erschüttert. Diesem Mann mussten die Diener des Herrn nicht mehr die Buße vorstellen. Sie konnten ihn direkt auf den Herrn Jesus hinweisen. Der Mann und alle, die in seinem Haus waren, hörten das Wort des Herrn, glaubten und wurden getauft. Das neue Leben, das Gott ihnen schenkte, zeigte sich sofort: Er nahm die beiden Gefangenen zu sich, wusch ihnen die Striemen ab und bewirtete sie.

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Ausweisung aus Philippi

Gottes Wort sagt uns nicht, weshalb die Stimmung bei der obersten Stadtbehörde von Philippi umgeschlagen hatte und sie die beiden Gefangenen freilassen wollten. Hatte das Erdbeben auch sie erschüttert? Der bekehrte Kerkermeister gab die erhaltene Botschaft an Paulus weiter. Doch der Apostel akzeptierte diese Behandlung nicht. Warum nicht?

Es ging ihm nicht um ihn, sondern um die junge Versammlung in Philippi. Hätten die beiden einen Vorteil für sich gesucht, dann hätten sie am Tag zuvor schon ihr römisches Bürgerrecht geltend machen und den Rutenschlägen entgehen können. Wenn sie aber jetzt öffentlich rehabilitiert wurden und dann die Stadt verliessen, kam dies auch dem Ansehen der gläubigen Christen in Philippi zugut. Deshalb die Antwort von Paulus in Vers 37.

Zur Wirkung des Erdbebens kam bei den Hauptleuten jetzt noch die Furcht dazu, römische Bürger ohne Prozess geschlagen zu haben. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als auf den Wunsch von Paulus einzugehen und sie höflich aus der Stadt hinauszubegleiten.

Paulus und Silas waren bereit, Philippi zu verlassen, doch nicht ohne vorher ins Haus der Lydia zu gehen und sich von den Brüdern zu verabschieden. In der kurzen Zeit, in der Paulus und Silas in Philippi wirken konnten, hatte sich eine ganze Anzahl Menschen bekehrt. Sie bildeten nun die dortige örtliche Versammlung. Nach relativ kurzer Betreuung durch die Diener des Herrn waren sie jetzt auf sich gestellt. Doch der Herr war ihr Mittelpunkt und sorgte für sie.

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Paulus und Silas in Thessalonich

In Apostelgeschichte 16,10-16 ist der Text in der Wir-Form abgefasst. Jetzt in Kapitel 17 geht der Bericht wieder in der dritten Person Mehrzahl weiter. Wir können daraus schliessen, dass Lukas, der inspirierte Schreiber der Apostelgeschichte, den Apostel Paulus auf der Reise von Troas nach Europa begleitet hatte. Doch jetzt war er in Philippi geblieben.

Die nächste grosse Stadt war Thessalonich. Dort gab es eine Synagoge, die der Apostel nach seiner Gewohnheit als Erstes aufsuchte. An drei Sabbaten war es ihm möglich, den Zuhörern aus den Schriften des Alten Testaments zu zeigen, dass der angekündigte Messias leiden und sterben, aber dann aus den Toten auferstehen musste. Der zweite Hauptpunkt seiner Botschaft lautete: Jesus, der vor Kurzem gelebt hatte und von den Juden in Jerusalem umgebracht worden, aber nach drei Tagen auferstanden war, ist der Christus. Einige Juden liessen sich überzeugen. Viele von den Griechen, die sich dem Judentum zugewandt hatten, glaubten.

Das erweckte den Neid der ungläubigen Juden. Mit Hilfe von bösen Männern aus dem Gassenpöbel inszenierten sie einen Volksauflauf. Doch der Herr sorgte dafür, dass Paulus und Silas nicht in die Hände dieser gewalttätigen Menschen fielen. Aber Jason und einige Brüder wurden vor die Obersten der Stadt geschleppt. Die Anklage gegen die Missionare stimmte nicht. Sie wiegelten weder den Erdkreis auf, noch handelten sie gegen den Kaiser. Denken wir an das Wort des Herrn in Lukas 20,25!

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Es geht weiter nach Beröa und Athen

Noch in der gleichen Nacht verliessen Paulus und Silas die Stadt Thessalonich und reisten nach Beröa weiter. Die Juden in jener Synagoge waren edler als die in Thessalonich. Sie verglichen die Botschaft, die ihnen verkündigt wurde, mit dem geschriebenen Wort Gottes. Weil sie die Sache bestätigt fanden, nahmen sie sie im Glauben an. Hier waren es nicht nur einige (Vers 4), sondern viele. Auch von den griechischen Frauen und Männern glaubten viele an das Evangelium.

Aber der Feind ruhte nicht. Er benutzte die ungläubigen Juden aus Thessalonich, um auch in Beröa eine Verfolgung gegen Paulus anzuzetteln. Diesmal reiste Paulus allein weiter nach Athen. Silas und Timotheus blieben in Mazedonien. Sie folgten dem Apostel später. – Aus dem ersten Thessalonicher-Brief geht hervor, dass Timotheus von Athen aus einen Besuch in Thessalonich machte, um die Gläubigen zu befestigen und zu trösten. Er kam mit einem guten Bericht zurück (1. Thessalonicher 3,1-8).

Während Paulus in Athen auf seine Mitarbeiter wartete, bedrückte ihn der schreckliche Götzendienst in jener Stadt. Er unterredete sich mit verschiedenen Leuten – Juden, Proselyten, Marktbesuchern und Philosophen –, bis einige merkten, dass er etwas für sie Unbekanntes verkündigte. Aus reiner Neugier wollten sie mehr über die neue Lehre wissen. So führten sie Paulus auf den Areopag, wo sich auch der athenische Gerichtshof befand. – Vers 21 zeigt, dass Athen nicht nur eine Stätte des Götzendienstes, sondern auch ein Sammelpunkt für menschliche Philosophie war.

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Die Rede auf dem Aeropag

Der Apostel Paulus redete nicht gegen den Götzendienst der Griechen, aber er knüpfte dort an. Er hatte in der Stadt einen Altar gefunden, der dem unbekannten Gott geweiht war. Diesen verkündigte er ihnen, und zwar als den einzig wahren Gott, der auch der Schöpfer von Himmel und Erde ist. Der lebendige Gott ist viel grösser und gewaltiger, als dass ein Mensch Ihn erfassen könnte. Er wohnt nicht in Tempeln, die von Menschen erbaut sind. Er hat auch nichts von ihnen nötig, da Er selbst der Geber von allem ist.

Die Menschen hätten in der Schöpfung erkennen sollen, dass Gott der Ursprung des Lebens und damit auch der Menschen ist. Er hat sie erschaffen. Doch sie haben das Göttliche auf ein menschliches Niveau herabgezogen und aus verschiedenen Materialien Götter ihrer eigenen Erfindung gemacht. Aber jetzt waren die Zeiten der Unwissenheit vorbei. Gott hatte sich in seinem Sohn Jesus Christus, der Mensch geworden war, offenbart. Nun fordert Er alle auf, Buße zu tun und von ihrer Götterverehrung umzukehren, denn Er wird die Welt richten. Richter wird Der sein, der einst am Kreuz gestorben, aber aus den Toten auferstanden ist.

Warum verkündigte Paulus diesen Menschen nicht das Evangelium vom Heiland der Welt? Die Gewissen mussten zuerst aufgerüttelt werden, um ihnen die Heilsbotschaft zu sagen. Der Spott vieler zeigt, wie sie sich nicht beeindrucken liessen. Es gab einige, die glaubten. Ihnen konnte Paulus die von Gott geschenkte Errettung vorstellen.

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Paulus kommt nach Korinth

Es scheint, dass die meisten Menschen in Athen nicht bereit waren, in aller Einfachheit an das Evangelium zu glauben. Sie hatten sich zu sehr dem Götzenkult und den verschiedenen menschlichen Philosophien geöffnet. Jedenfalls zog Paulus von Athen aus weiter nach Korinth. Das war eine ganz andere Stadt. Neben dem Götzendienst, den es auch hier gab, lebten die Menschen in groben Sünden (vergleiche 1. Korinther 6,9-11).

In dieser Stadt fand der Apostel ein jüdisches Ehepaar, bei dem er als Zeltmacher arbeiten konnte. Neben seiner theologischen Ausbildung – er hatte unter Gamaliel studiert (Apostelgeschichte 22,3) – hatte er auch einen handwerklichen Beruf erlernt. Mit dieser Tätigkeit konnte er, wenn es nötig wurde, seinen Lebensunterhalt selbst verdienen (Apostelgeschichte 20,34).

An den Sabbaten unterredete er sich in der Synagoge. Als Silas und Timotheus aus Mazedonien in Korinth eintrafen, bezeugte er den Juden, dass Jesus der Messias ist, den er ihnen aus den Schriften vorgestellt hatte. Das wollten viele nicht glauben, so dass Paulus sich nun den Nationen zuwandte. Justus, Krispus und ihre Angehörigen gehörten wohl zu den ersten Menschen, die in Korinth an den Herrn Jesus glaubten und seine Jünger wurden.

Weil die Mehrheit der Juden das Evangelium ablehnte, schenkte der Herr seinem Diener eine besondere Ermunterung. Er sollte sich durch den Widerstand nicht einschüchtern lassen, sondern reden und nicht schweigen. Der Herr selbst wollte mit ihm sein und ihn beschützen.

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Widerstand und Weiterreise

Der Widerstand der Juden gegen das Evangelium liess nie nach. Es scheint, dass sie hier dachten, eine Gelegenheit zu haben, Paulus vor der römischen Gerichtsbarkeit anzuklagen. Doch bevor der Angeklagte etwas sagen konnte, zog der Richter bereits einen Schlussstrich unter die Sache. Mit Streitfragen der Juden über Worte, Namen und ihr Gesetz wollte er nichts zu tun haben. Mit dieser Haltung unterstützte der Richter eigentlich die Sache des Herrn. Hätten die Christen nach römischem Recht etwas Unrechtes getan, hätte er sich bestimmt mit dem Fall befasst. Doch dem war nicht so. Es scheint jedoch, dass die Menschen in Korinth auf die Juden nicht gut zu sprechen waren. Jedenfalls liessen sie ihre Wut an Sosthenes, dem Synagogenvorsteher aus. Doch dem Richter war das egal.

Ab Vers 18 wird uns vom weiteren Verlauf der Reise von Paulus berichtet. Aquila und Priszilla begleiteten ihn dabei. Aus Vers 21 wird klar, dass es sich um die Rückreise nach Jerusalem und Antiochien handelt. Weil er unbedingt zum Fest (vermutlich zum Pfingstfest) in Jerusalem sein wollte, machte er nur einen kurzen Halt in Ephesus, der Hauptstadt der Provinz Asien. Er versprach den Juden in Ephesus, nach seinem Besuch in Jerusalem wiederzukommen. In der Zwischenzeit blieben Aquila und Priszilla dort zurück. Sie hatten in der langen Zeit, da Paulus bei ihnen gewohnt und gearbeitet hatte, viel vom Apostel gelernt. Das durften sie jetzt in Ephesus weitergeben.

Karte der dritten Missionsreise des Apostels Paulus

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Apollos

Der 23. Vers beschreibt den Anfang der dritten Missionsreise des Apostels Paulus. Es lag ihm am Herzen, die entstandenen Versammlungen zu befestigen. Die geistliche Erbauung der Gläubigen ist auch heute ein wichtiges Thema. Wenn unser Glaubensleben stagniert, bedeutet dies oft Rückschritt. Zudem ist dann die Gefahr grösser, von verkehrten Lehren beeinflusst und vom Herrn abgezogen zu werden. Der Galater-Brief zeigt, wie sehr der Feind den Jüngern in der galatischen Landschaft schaden konnte.

Während Paulus unterwegs war, tauchte in Ephesus ein begabter jüdischer Mann auf: Apollos. Er hatte eine sehr gute Schriftkenntnis, aber er wusste nicht alles über den Herrn Jesus. Das Zeltmacher-Ehepaar Priszilla und Aquila, die von Paulus belehrt worden waren, erkannten dies sofort. Sie luden ihn zu sich nach Hause ein «und legten ihm den Weg Gottes genauer aus». Dieser gelehrte Mann war demütig genug, auf das einfache Arbeiterpaar zu hören und von ihnen zu lernen. Sie selbst besassen nicht die Begabungen von Apollos. Aber da sie treu im Kleinen waren und ihm bei sich zu Hause geistlich weiterhalfen, leisteten sie einen wichtigen Beitrag am Werk des Herrn.

Als Apollos nach Achaja weiterreiste, konnten die Brüder ihn empfehlen. Anderseits war er selbst den Glaubenden eine Hilfe, und zwar mit seiner guten Kenntnis des Alten Testaments und mit dem, was er bei Priszilla und Aquila gelernt hatte. Ohne den treuen Dienst jenes Ehepaars hätte Apollos nicht so öffentlich für den Herrn Jesus eintreten können.

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Paulus in Ephesus

Apollos hatte Ephesus bereits verlassen und war in Korinth tätig. Da erreichte Paulus auf seiner dritten Reise diese Stadt. Dort fand er zunächst einige Jünger, die ähnlich wie Apollos noch nicht die ganze christliche Wahrheit gehört hatten. Sie waren mit der Taufe des Johannes getauft worden. Das war eine Taufe zur Buße, durch die ein Jude zum Ausdruck brachte, dass er seine Sünden bekannt hatte und bereit war, den kommenden Messias zu empfangen (Matthäus 3,1-3). Seither war Christus gekommen, aber abgelehnt worden und am Kreuz gestorben. Am dritten Tag war Er auferstanden und nach 40 Tagen in den Himmel zurückgekehrt. Von dort hatte Er den Heiligen Geist auf die Glaubenden ausgegossen. Nachdem diese Jünger das ganze Evangelium gehört hatten, wurden sie mit der christlichen Taufe getauft. Da hier ein besonderer Umstand vorlag, legte Paulus ihnen die Hände auf. Er machte sich eins mit ihnen als Christen. Dann empfingen sie den Heiligen Geist.

Der Widerstand und die Ablehnung der ungläubigen Juden veranlassten Paulus, die Jünger des Herrn Jesus von der Synagoge abzusondern. Nun versammelten sie sich in der Schule des Tyrannus. Das wurde ein Ausgangspunkt für die Verbreitung des Wortes des Herrn in die ganze Provinz, deren Hauptstadt Ephesus war.

Die Botschaft ging an Juden und Griechen. Die Gnade bringt das Heil zu allen Menschen (Titus 2,11). Die Zeichen und Wunder, die Gott durch Paulus wirkte, unterstrichen und bestätigten das Verkündigte. Es war offensichtlich, dass Gott dahinter stand.

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Wachstum trotz Widerstand

Diesmal suchte der Feind dem Wirken Gottes mit Nachahmung zu schaden. Jüdische Beschwörer versuchten, den Namen des Herrn Jesus zu missbrauchen und in diesem Namen ebenfalls böse Geister auszutreiben. Doch es misslang gründlich. Der satanische Geist offenbarte sein wahres Gesicht. Der von ihm besessene Mann zeigte den jüdischen Beschwörern den Meister. Sie konnten nur ihre nackte Haut retten.

Durch dieses Ereignis wurde allen bekannt, was für eine böse Macht der Teufel ist, dass aber der Herr Jesus stärker ist als Satan. Er hat ihn am Kreuz besiegt. Schliesslich wurde der Name des Herrn Jesus gerühmt. Nur in diesem Namen findet der Glaubende die nötige Kraft.

Das Geschehene brachte allen Jüngern zum Bewusstsein, wie schlimm sie vor ihrer Bekehrung versklavt waren. Es führte sie dazu, konsequent und radikal mit jeder Art von Okkultismus zu brechen. Sie bekannten ihre Taten und verbrannten ihre Zauberbücher in aller Öffentlichkeit. Nachdem dieses grosse Hindernis beseitigt war, «wuchs das Wort des Herrn mit Macht und nahm überhand».

Die Verse 21 und 22 zeigen etwas von dem, was im Herzen des Apostels im Blick auf seinen zukünftigen Dienst vorging. Er hatte den grossen Wunsch, auch Rom zu sehen. Vorher aber nahm er sich vor, nach Jerusalem zu reisen. Andere Stellen des Neuen Testaments zeigen, dass er dabei eine Gabe der Gläubigen aus den Nationen den verarmten Glaubenden in Jerusalem bringen wollte (Römer 15,25-27).

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Aufruhr in Ephesus

In der Apostelgeschichte wird an verschiedenen Stellen vom christlichen Bekenntnis, das sich zu jener Zeit sehr schnell ausbreitete, als «von dem Weg» gesprochen (Apostelgeschichte 9,2; 19,9.23; 24,14.22). Das war keine jüdische Sekte, wie gewisse Leute behaupteten, sondern etwas Neues, das Gott selbst gewirkt hatte. Doch solange Satan der Fürst und Gott dieser Welt ist, wird es Widerstand gegen die gläubigen Christen geben. So war es auch in Ephesus.

Immer mehr Menschen wurden vom Evangelium ergriffen, glaubten an den Herrn Jesus und kehrten dem Götterkult der Griechen den Rücken. Das bekamen auch die Silberschmiede in Ephesus zu spüren. Sie verkauften silberne Miniaturen des Tempels der Göttin Artemis, der in Ephesus stand. Ihr Umsatz ging spürbar zurück. Demetrius war entschlossen, etwas dagegen zu unternehmen und der Verehrung der Göttin Artemis neuen Schwung zu geben. Wütend über den Verlust ihres Geschäfts schrien alle Betroffenen: «Gross ist die Artemis der Epheser!» Schliesslich kam die ganze Stadt in Aufruhr. Die Demonstranten rissen Gajus und Aristarchus, zwei Reisegefährten von Paulus, mit sich fort. Für Paulus selbst war es zu gefährlich, unter das Volk zu gehen. Es gab eine richtige Massenhysterie.

Doch der Herr liess die Seinen nicht im Stich. Sein Werkzeug war ein ungläubiger, aber menschlich weiser Mann: der Stadtschreiber. Er konnte die Menge beruhigen und ihr zeigen, dass die mitgerissenen Männer weder Tempelräuber waren noch die Göttin gelästert hatten. Dem Demetrius empfahl er den Rechtsweg.

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Durch Mazedonien und Griechenland

Dass es damals in Ephesus für Paulus und seine Begleiter wirklich um Leben und Tod ging, zeigt auch der 2. Korinther-Brief (2. Korinther 1,8-16). Den ersten Korinther-Brief schrieb Paulus von Ephesus aus. Den zweiten schrieb er aus Mazedonien, wohin er infolge des Aufruhrs weitergereist war.

Über diesen Teil der Reise des Apostels Paulus – also von Ephesus über Mazedonien bis nach Griechenland und zurück durch Mazedonien bis nach Troas – berichtet uns die Bibel keine Einzelheiten. Es war vor allem ein Dienst an den Gläubigen in den Versammlungen, den er in jener Zeit ausübte. Den Widerstand der Juden bekam er trotzdem zu spüren. Durch Gottes Gnade konnte er ihrem Anschlag entrinnen.

In Vers 4 werden uns eine ganze Reihe gläubiger Männer mit Namen aufgezählt, die den Apostel begleiteten. Auch Lukas war wieder dabei, denn ab Vers 5 ist der Bericht in der Wir-Form gehalten. Für den Herrn Jesus waren sie bereit, mit dem Apostel die Reisestrapazen und die Feindschaft, die er von verschiedenen Seiten zu spüren bekam, zu teilen. Gott hat ihren Einsatz für die Sache des Herrn gesehen und ihre Namen in seinem ewigen Wort festgehalten. Welch eine Ehre!

Warum blieben sie sieben Tage in Troas? Vers 7 gibt uns die Antwort. Paulus wollte mit den Gläubigen in Troas am ersten Tag der Woche das Brot brechen und den Tod des Herrn verkündigen. Um am Sonntag nicht irgendwo unterwegs zu sein, wo es keine Versammlung gab, blieb er bis zum ersten Tag der Woche in Troas.

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Ein Sonntag in Troas

Unter den Christen war es damals bereits üblich, am ersten Tag der Woche zum Brotbrechen zusammenzukommen. Sie brachen das Brot nicht mehr täglich, wie ganz am Anfang (Apostelgeschichte 2,46). Paulus benutzte diese Zusammenkunft der Gläubigen in Troas, um auch das Wort zu verkünden. Er hatte nicht mehr viel Zeit, denn er wollte am nächsten Tag abreisen. Daher dauerte seine Verkündigung bis Mitternacht.

Ein junger Mann sass im Fenster, während Paulus das Wort verkündete. Auf einmal wurde er vom Schlaf überwältigt, verlor das Gleichgewicht und fiel vom dritten Stock hinunter. Doch der Herr brachte in seiner Barmherzigkeit den jungen Mann ins Leben zurück – ein grosser Trost für alle! – Diese Geschichte enthält eine geistliche Belehrung für uns: Es ist für jeden von uns gefährlich, sich am Rand der Gläubigen aufzuhalten, sozusagen an der Grenze zur Welt. Man fällt dann leichter und schneller in eine Sünde. Möchten wir wachsam sein und uns nahe beim Herrn, dem Mittelpunkt der Gläubigen, aufhalten.

Ab Vers 13 wird die Weiterreise des Apostels beschrieben. Er wollte ein Stück zu Fuss gehen – vielleicht um mit seinem Herrn allein zu sein. Das Ziel von Paulus war das Pfingstfest in Jerusalem. Um rechtzeitig dort anzukommen, durfte er sich unterwegs nicht zu lange aufhalten. Warum wollte er unbedingt nach Jerusalem zurück? Lagen ihm seine eigenen Landsleute so sehr am Herzen? Wir können es annehmen. Doch der Herr hatte ihn eigentlich zu den Nationen gesandt (Apostelgeschichte 22,21; 26,17.18).

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Die Abschiedsrede des Apostels

Auf seinem Weg nach Jerusalem entschloss sich Paulus, an Ephesus vorbeizureisen. Da er den dortigen Gläubigen aber noch Wichtiges zu sagen hatte, liess er die Ältesten von Ephesus nach Milet kommen. Was er ihnen mitteilte, hat Gott zu unserem Nutzen und zu unserer Belehrung in seinem Wort festgehalten.

Zunächst zeigen uns die Worte des Apostels etwas von seinem hingebungsvollen Dienst für den Herrn. In aller Demut, mit Tränen und unter ständigem Widerstand von aussen diente er Ihm und den Gläubigen. Er nahm keine Rücksicht auf sein Leben, auch wenn er eine Vorahnung über eine mögliche Gefangennahme hatte.

Seiner Rede können wir den inhaltlichen Umfang seiner Verkündigung entnehmen. Er hat den ungläubigen Menschen – sowohl Juden als Griechen – die Buße zu Gott und den Glauben an den Herrn Jesus bezeugt. Denen, die an den Erlöser glaubten, sagte er das Evangelium der Gnade Gottes, d.h. er stellte den ganzen Umfang des Heils vor, das der Glaubende bei seiner Bekehrung empfängt. Weiter predigte er das Reich Gottes. Er zeigte den gläubig Gewordenen, dass sie unter der Regierung Gottes stehen. Ihr Heiland ist auch ihr Herr, der von den Seinen möchte, dass sie Ihm gehorchen und Ihm als Jünger nachfolgen. Schliesslich verkündigte er den ganzen Ratschluss Gottes. Das sind alle seine Pläne mit den Glaubenden. Gott hatte diese Pläne von Ewigkeit her in seinem Herzen. Sie betreffen jeden persönlich, aber auch die Gesamtheit der Erlösten, die zusammen die Versammlung Gottes bilden.

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Gott und das Wort seiner Gnade

Der Apostel sah den Werdegang des christlichen Bekenntnisses voraus. Daher folgen jetzt Ermahnungen, die nicht nur für die damalige Zeit galten. Auch wir sollten sie zu Herzen nehmen. Der Versammlung Gottes, die Paulus als Herde bezeichnet, drohen Gefahren von aussen und von innen. Wenn er von seinem Abschied spricht, meint er damit sein Ableben. Ergänzend können wir sagen: Nach dem Ableben aller Apostel kamen böse, ungläubige Menschen und schadeten der Herde. Der Apostel bezeichnet sie als reissende Wölfe. Diese Gefahr besteht bis heute. Deshalb müssen wir Acht haben auf Menschen, die sich unter die Gläubigen mischen wollen. Aus welchen Motiven versuchen sie es? Die zweite Gefahr droht von innen. Männer «aus euch selbst» können aufstehen und falsche Lehren verbreiten. Wie oft hat sich dies seither bewahrheitet! Viele Christen sind durch Irrlehrer vom Herrn abgezogen worden und Anhänger von Menschen geworden.

Paulus hat die Gläubigen nicht Menschen anbefohlen, sondern Gott und dem Wort seiner Gnade. Darauf dürfen wir uns bis heute stützen. Unsere Bewahrung finden wir beim Herrn und im Festhalten seines Wortes. – Das praktische Leben des Apostels war ein leuchtendes Beispiel, das auch wir nachahmen dürfen. Wie weit haben wir schon gelernt, dass Geben seliger ist als Nehmen? – Der Abschied vom geliebten Apostel geschah unter Gebet und in rührender Zuneigung. Alle waren traurig. Sie merkten, dass sie ihn auf dieser Erde nicht mehr sehen würden.

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Die Mitteilung über das Passah

Die Mitteilungen des Herrn über das Passahlamm enthalten viele bildliche Hinweise auf unsere Errettung vor dem göttlichen Gericht:

  • Die neue Zeitrechnung für das Volk Israel deutet darauf hin, dass die Bekehrung ein Neuanfang in unserem Leben ist. Für Gott zählen nur die Tage, die wir als Erlöste leben.
  • So wie jede israelitische Familie ein Lamm für sich nehmen musste, brauchten wir alle persönlich den Herrn Jesus als unseren Erretter.
  • Das Lamm musste fehlerlos, männlich und einjährig sein. Ebenso ist Christus als sündloser Mensch in göttlicher Kraft auf dem Zenit seines Lebens für uns gestorben.
  • Nachdem das Opfertier geschlachtet worden war, sollten die Israeliten das Blut an die beiden Pfosten und an den Türsturz ihres Hauses streichen. Diese Handlung spricht davon, dass wir durch den Glauben an das vergossene Blut des Herrn Jesus Schutz vor dem göttlichen Gericht gefunden haben.
  • In der Nacht assen die Israeliten vom gebratenen Fleisch des Opferlamms. Auch das hat eine Bedeutung für uns: Wir beschäftigen uns mit unserem Heiland und denken daran, wie Er zu unserer Errettung am Kreuz gelitten hat und gestorben ist.
  • «Sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen.» Gott sieht das Blut unseres Erlösers, das eine vollkommene Sühnung bewirkt hat. Darum hat Er uns bei der Bekehrung alle Sünden vergeben und sichert uns seither eine ewige Errettung vor dem Gericht zu.

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Sieben Tage nichts Gesäuertes essen

«Dieser Tag soll euch zum Gedächtnis sein.» Nie sollte das Volk Israel den Tag vergessen, an dem es durch das Blut des Passahlamms vor dem göttlichen Gericht über die Erstgeburt verschont worden war. Darum gab Gott ihnen die Anweisung, jedes Jahr am 14. Tag des ersten Monats das Passah als Erinnerung an ihre Erlösung zu feiern.

Auch wir wollen uns immer wieder an unsere Errettung erinnern und dabei besonders an den Herrn Jesus denken. Welchen Preis hat Er bezahlt, um uns vor dem ewigen Gericht zu retten! Damit wir seine Leiden und sein Sterben am Kreuz nicht vergessen, hat Er selbst das Gedächtnismahl eingesetzt. Jeden Sonntag, wenn wir das Brot brechen, werden unsere Gedanken auf seinen Tod gelenkt.

Anschliessend an die Passahfeier sollten die Israeliten sieben Tage ungesäuertes Brot essen. Während dieser Zeit durfte in ihren Häusern kein Sauerteig gefunden werden. Ausserdem war am ersten und am siebten Tag jede Arbeit untersagt.

Der Apostel Paulus erklärt uns die geistliche Bedeutung davon: «Auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet worden. Darum lasst uns Festfeier halten, nicht mit altem Sauerteig, auch nicht mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit Ungesäuertem der Lauterkeit und Wahrheit» (1. Korinther 5,7-8). Weil der Herr Jesus uns durch seinen Opfertod errettet hat, sollen wir nun ein Leben zur Ehre Gottes führen. Das bedeutet, dass wir die Sünde in jeder Form konsequent verurteilen und täglich die Gnade Gottes in Anspruch nehmen, um uns so zu verhalten, wie es Ihm gefällt.

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Die Vorschrift des Passahs

In der Information an das Volk Israel erkennen wir die beiden wesentlichen Punkte unserer Errettung:

  • Der Herr gab seinem Volk mit dem Lamm ein Rettungsmittel vor dem Tod der Erstgeborenen. – Genauso hat Gott den Herrn Jesus vor Grundlegung der Welt als Lamm zuvor erkannt und vor ungefähr 2000 Jahren am Kreuz für uns als Opfer gegeben (1. Petrus 1,18-20).
  • Um vor dem Gericht in Sicherheit zu sein, mussten die Israeliten das Blut des Passahlamms an die Pfosten und den Türsturz streichen. – Auch wir müssen persönlich an den Erlöser Jesus Christus glauben, sonst nützt uns das Angebot Gottes nichts (Römer 3,22-26).

Mit der jährlichen Passahfeier erinnerte sich das Volk Israel an die Rettung vor dem Gericht und an die Befreiung aus Ägypten. Damit auch die nachfolgenden Generationen wussten, warum sie dieses Fest jedes Jahr feierten, sollten die Eltern es ihren Kindern erklären.

Da stellen sich uns zwei ernste Fragen: Wissen wir, warum wir jeden Sonntag das Gedächtnismahl des Herrn halten? Können wir unseren Kindern anhand des Wortes Gottes die Bedeutung des Brotbrechens erklären? Wenn wir am Sonntag mit unbeteiligtem Herzen in den Gottesdienst gehen, hat es wenig Wert für Gott und keine Überzeugungskraft für unsere Kinder.

Die Reaktion der Israeliten in Vers 28 ist sehr schön: Sie glaubten und gehorchten dem Wort Gottes. Sie folgten ihrem Führer, von dem es heisst: «Durch Glauben hat er das Passah gefeiert und die Besprengung des Blutes, damit der Verderber der Erstgeburt sie nicht antaste.»

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Die Erstgeborenen in Ägypten sterben

Weil sich der Pharao verstockt hatte und nicht bereit gewesen war, auf Gott zu hören, traf nun das furchtbare Gericht ein. Wie der Herr es angekündigt hatte, starb alle Erstgeburt im Land Ägypten. Daraus lernen wir zwei Grundsätze, die zu allen Zeiten gültig sind:

  • Gott warnt immer, bevor Er bestraft. Leider wollen viele Menschen nicht auf seinen Warnruf hören. Ihnen gilt das ernste Wort: «Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht» (Hebräer 3,15).
  • Obwohl Gott mit seinen Geschöpfen geduldig ist und oft lange wartet, bis Er mit Gericht einschreitet, kann es für eine Umkehr plötzlich zu spät sein. Darum heisst es in 2. Korinther 6,2: «Siehe, jetzt ist die wohlangenehme Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils.»

Noch in der gleichen Nacht forderte der Pharao das Volk Israel auf, Ägypten zu verlassen. Nun ging alles sehr schnell. Die Israeliten packten ihre Sachen, beraubten die Ägypter und verliessen das Land, in dem sie viele Jahre als Sklaven gedient und gelitten hatten.

Der Auszug Israels aus Ägypten illustriert die Tatsache, dass ein Mensch, der den Herrn Jesus als Retter vor dem göttlichen Gericht angenommen hat, von nun an nicht mehr zu den Ungläubigen gehört. Das Kreuz des Heilands schützt ihn nicht nur vor der Strafe seiner Sünden, sondern trennt ihn auch von der Welt (Galater 1,4; 6,14). Die Frage ist, ob wir daraus die Konsequenzen für unser Leben gezogen haben. Haben wir die Beziehungen und Freundschaften mit der Welt ganz abgebrochen?

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Israel verlässt Ägypten

Es war eine bedeutungsvolle Nacht für das Volk Israel, als es Ägypten verliess, um ins verheissene Land zu ziehen. Jakob war mit 70 Menschen nach Ägypten gekommen, nun machte sich ein Millionenvolk auf den Weg nach Kanaan. Nichts blieb im Land der Knechtschaft zurück. Die Israeliten nahmen sowohl ihre Kinder als auch ihr zahlreiches Vieh mit.

Sie backten den Teig zu ungesäuerten Broten, um die Wirkung des Sauerteigs zu stoppen. Der Sauerteig ist ein Bild der Sünde, die im Leben von Erretteten nicht mehr zum Zug kommen soll.

Viel Mischvolk begleitete das erlöste Volk. Sie stellen Menschen dar, die sich den Glaubenden anschliessen, ohne eine echte Umkehr erlebt zu haben und ohne neues Leben zu besitzen. Wenn Gott durch das Evangelium kraftvoll wirkt und viele Menschen zum Glauben an den Herrn Jesus kommen, besteht besonders die Gefahr, dass einige nur aus Begeisterung mitgehen.

Es scheint, dass der Herr gerade aus diesem Grund ab Vers 43 klare Anordnungen für die Teilnahme am Passahfest gab. Menschen, die nicht zum Volk Israel gehörten, durften nicht davon essen. Die Beschneidung – das äussere Zeichen der Zugehörigkeit zu Israel – war Voraussetzung, damit jemand das Passah feiern konnte.

Der gleiche Grundsatz gilt für die Teilnahme am Gedächtnismahl. Menschen, die kein Leben aus Gott besitzen, sind keine Glieder am Leib des Christus. Deshalb können sie nicht am Brotbrechen teilnehmen.

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Anweisungen über die Erstgeborenen

Die Erstgeborenen aus dem Volk Israel waren durch das Blut des Passahlamms vom Gericht verschont worden. Nun gehörten sie dem Herrn, denn Er sagte zu Mose: «Heilige mir alles Erstgeborene.»

Es werden hier zwei Heilstatsachen dargestellt, die fest miteinander verbunden sind: Erlösung und Heiligung. Durch den Glauben an den Heiland und sein Werk am Kreuz haben wir Vergebung der Sünden bekommen und sind von der Macht der Sünde befreit worden. Wir sind nun erlöst. Gleichzeitig sind wir – was unsere Stellung betrifft – aus der Welt herausgenommen und für Gott auf die Seite gestellt worden. Wir sind nun für Ihn geheiligt. Als Folge davon möchte der Herr, dass wir ein heiliges, Gott geweihtes Leben führen.

Darum spricht Mose ab Vers 3 nochmals über den Sauerteig, der im erlösten Volk während sieben Tagen nicht vorhanden sein durfte. Diese Zeit spricht von unserem ganzen Leben als Glaubende. Wir sollen nicht mehr in der Sünde leben, sondern uns Gott zur Verfügung stellen. Paulus und Petrus machen beide deutlich, dass dies der Wille Gottes für uns ist (Römer 6,13; 1. Petrus 4,2).

Von ihren Tieren sollten die Israeliten alle Erstgeborenen dem Herrn darbringen. Eine Ausnahme bildete der Esel. Warum? Weil er ein eindrucksvolles Bild des natürlichen Menschen ist: Wie der Esel, dieses unreine und eigenwillige Tier, sind auch wir in Unreinheit geboren worden und haben im Eigenwillen gelebt. Doch Jesus Christus, das Lamm Gottes, hat uns durch sein Blut erlöst. Welche Gnade!

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Der Weg zum Schilfmeer

Gott wählte für die Israeliten den Weg nach Kanaan aus. Sie sollten nicht die kürzeste Strecke durch das Land der Philister gehen. Das hatte seinen Grund. Auf diesem Weg wären sie sofort in den Kampf mit Feinden verwickelt worden. Stattdessen liess der Herr sie durch die Wüste ziehen, damit sie Erfahrungen mit sich selbst und mit ihrem Gott machen konnten.

So ist es normalerweise auch mit jungen Christen. Gott bringt sie nicht gleich in Situationen, wo sie den Kampf für die Wahrheit führen müssen. Sie sollen zuerst Gottes Fürsorge erfahren und die Lektion lernen, dass sie in sich selbst keine Kraft für das Glaubensleben haben.

Am Ende seines Lebens hatte Joseph im Glauben gesagt: «Gott wird sich euch gewiss zuwenden; so führt meine Gebeine von hier hinauf!» (1. Mose 50,25). Als der Herr nun dieses Wort wahr machte, vergass Mose nicht, die Gebeine Josephs mitzunehmen.

Die Wolken- und Feuersäule war für die Israeliten einerseits ein sichtbares Zeichen für die Gegenwart Gottes. Anderseits besassen sie damit einen sicheren Führer durch die Wüste. Der Herr selbst leitete sie am Tag durch die Wolkensäule und in der Nacht durch die Feuersäule.

Gott weiss nicht nur den besten Weg für uns. Er will auch bei uns sein und uns Schritt für Schritt führen. Der Tag spricht von den einfachen Lebenslagen, die Nacht stellt schwierige Umstände dar. In jeder Situation will der Herr uns leiten. Leben wir deshalb in seiner Abhängigkeit!

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Der Pharao jagt Israel nach

Gott wollte das Volk Israel endgültig aus der Macht des Pharaos befreien. Darum führte Er es nach Pi-Hachirot. Vor ihnen lag das Rote Meer, hinter ihnen war Ägypten und auf beiden Seiten befand sich eine gebirgige Wüste. In dieser ausweglosen Situation konnte die Rettung nur noch von oben kommen.

Der Pharao bedauerte es nachträglich, dass er die Israeliten freigelassen hatte. Nun liess er seine Armee ausrücken, um die Geflohenen wieder unter seine Gewalt zu bringen. Weil die Ägypter mit Pferden und Wagen viel schneller waren als das Volk Israel, das zu Fuss ging, erreichten sie es bald.

Doch es sollte nicht zu einem Kampf zwischen den Ägyptern und den Israeliten kommen. Gott selbst würde dem Feind entgegentreten und sich am Pharao und seiner mächtigen Armee verherrlichen. Ein letztes Mal wollte der Herr seine Macht im Gericht an Ägypten entfalten, um allen Völkern zu zeigen, wie gross und herrlich Er ist.

Diese Begebenheit spricht prophetisch von der zukünftigen Befreiung der glaubenden Israeliten. Wenn die Not aufs Höchste gestiegen sein wird, wird der Herr Jesus in Macht und Herrlichkeit erscheinen und sie aus der Hand der Feinde erretten.

Die geistliche Bedeutung für uns Christen ist folgende: Jeder Erlöste muss lernen, dass er die Versuchungen des Teufels und der Sünde nicht aus eigener Kraft überwinden kann. Aber er darf im Glauben erfassen: Durch den Tod des Herrn Jesus bin ich von der Macht der Sünde und des Satans befreit!

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Steht und seht die Rettung des HERRN!

Die Israeliten standen am Ufer des Roten Meeres – vor sich das Wasser, hinter sich die heraneilende Armee der Ägypter. Weil sie keinen Ausweg sahen, schrien sie voll Furcht zu Gott. Da bekamen sie zur Antwort: «Fürchtet euch nicht! Steht und seht die Rettung des Herrn.» Sie brauchten nichts zu tun. Gott selbst wollte sie vom Pharao und seinen Soldaten befreien. Darum heisst es weiter: «Der Herr wird für euch kämpfen, und ihr werdet still sein.»

Die Situation und Reaktion des Volkes Israel ist vergleichbar mit den Erfahrungen eines Menschen, der noch nicht lange bekehrt ist. Obwohl er die Vergebung seiner Sünden besitzt, hat er mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen. Er merkt jetzt, wie böse und verdorben er ist. Obwohl er nicht mehr sündigen will, sündigt er doch noch. Satan nutzt diese Tatsache aus und weckt in seinem Herzen Zweifel an der Errettung. Da hilft nur eins: Der Glaube an das, was Gott in seinem Wort sagt. In Römer 8,1 heisst es: «Also ist jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.» Das darf jedes Kind Gottes für sich in Anspruch nehmen.

Um einen Angriff der Ägypter unmöglich zu machen, stellte sich Gott in der Wolkensäule zwischen Israel und dessen Feinde. – Etwas Ähnliches tut Gott, wenn Satan eine Anklage gegen uns erheben will. Er tritt selbst für uns ein und rechtfertigt uns vor dem Feind (Römer 8,33). Er weist auf das Erlösungswerk seines Sohnes hin, das die sichere Grundlage unserer ewigen Errettung ist.

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Die Befreiung aus Ägypten

Mose, den der Herr zum Retter seines Volkes bestimmt hatte, streckte seine Hand über das Meer aus. Da spalteten sich die Wasser durch das Eingreifen Gottes, so dass sich die Israeliten in Sicherheit bringen konnten. Während sie das rettende Ufer erreichten, ertranken die ägyptischen Soldaten in den zurückkehrenden Wasserfluten. Das Volk Israel ging diesen Weg der Rettung im Glauben an Gottes Wort (Hebräer 11,29). Der Pharao und seine Truppen hingegen betraten das Meer im Unglauben und in Auflehnung gegen Gott. Das Ergebnis brachte diesen bedeutsamen Unterschied klar ans Licht: Kein Ägypter konnte sich retten und kein Israelit kam in den Wellen um.

Das Rote Meer spricht vom Tod und der Auferstehung des Herrn Jesus. Der Durchzug des Volkes Israel illustriert uns, wie wir durch den Glauben an seinen Tod von der Macht der Sünde und des Teufels befreit werden.

  • Jesus Christus hat durch seinen Tod die Macht des Teufels gebrochen. Als Folge davon befreit Er alle, die sich Ihm anvertrauen, aus der Sklaverei Satans (Hebräer 2,14-15).
  • Der Herr Jesus ist am Kreuz der Sünde gestorben. Nun rechnet Gott allen Glaubenden den Tod seines Sohnes an. Dadurch sind sie frei gemacht von der Macht der Sünde (Römer 6,5-6).

Wenn wir im Glauben erfassen, dass wir mit Christus gestorben sind, gehen wir sozusagen durch das Rote Meer. Wir verlassen den Machtbereich Satans und müssen der Sünde nicht mehr dienen.

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Das Lied der Erlösung

Israel steht als ein erlöstes Volk am anderen Ufer des Roten Meeres und singt dem Herrn ein Loblied. Daraus wird ersichtlich, dass nur Menschen, die Gott kennen und seine Rettung erfahren haben, Ihn von Herzen loben können. Es ist das erste Lied, das in der Bibel erwähnt wird. Im Lauf der Zeit haben viele glaubende Menschen Gott gelobt (Psalm 101,1). Auch vom Herrn Jesus heisst es, dass Er mit seinen Jüngern ein Loblied gesungen hat (Matthäus 26,30). Im Himmel werden wir mit allen Erlösten das neue Lied zur Ehre des Lammes Gottes singen (Offenbarung 5,9). Ist dieser Ausblick nicht ein Ansporn für uns, jetzt schon täglich unserem Herrn zu singen (Psalm 34,2)?

Die Israeliten singen nicht von dem, was sie sind oder getan haben. Der Inhalt ihres Liedes ist die Person und das Werk Gottes:

  • Sie nennen Ihn einen Kriegsmann und bewundern seine Macht, Erhabenheit und Heiligkeit. Sie kommen zum Schluss, dass niemand mit dem Herrn zu vergleichen ist.
  • Sie beschreiben, wie Gott ihre Rettung vollbracht hat. Er selbst stürzte die Wagen des Pharaos und seine Heeresmacht ins Meer. Dazu war nur ein Hauch seines Mundes nötig.

Vers 13 zeigt, welches Ziel Gott mit der Erlösung seines Volkes verfolgte: Er brachte sie aus Ägypten zu sich in die Wüste, damit Er in ihrer Mitte wohnen konnte. – Auch heute hat der Herr einen Plan mit den erlösten Menschen. Er möchte sie an den Ort führen, wo Glaubende in seinem Namen versammelt sind und Er in ihrer Mitte ist (Matthäus 18,20).

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Loben und murren

Im zweiten Teil des Liedes richten die Israeliten ihren Blick auch nach vorn. Sie beschreiben die Furcht der Völker, denen sie auf ihrem Weg nach Kanaan begegnen werden. Im Glauben halten sie daran fest, dass diese Nationen Gott nicht daran hindern können, sein erlöstes Volk ins verheissene Land zu bringen.

Ab Vers 22 beginnt die Wüstenwanderung. Sie spricht von den Erfahrungen, die jeder Glaubende in seinem Leben nach der Bekehrung macht. Die Welt, in der er sich auf dem Weg zum Himmel noch aufhalten muss, ist für ihn eine Wüste geworden. Sie bietet seinem neuen Leben weder Nahrung noch Erfrischung.

Nachdem das Volk drei Tage durch die Wüste gewandert war, ohne Wasser zu finden, kam es nach Mara. Dort gab es Wasser, aber es war nicht geniessbar. Was für eine bittere Enttäuschung! – Auch wir werden auf der Suche nach innerer Erfrischung von der Welt immer enttäuscht. Wir erleben sogar bittere Momente, wenn uns vielleicht alte Freunde im Stich lassen, weil wir dem Herrn Jesus nachfolgen.

Was tat Mose, als das Volk wegen des bitteren Wassers gegen ihn murrte? Er rief den Herrn um Hilfe an und warf dann ein Holz ins Wasser. Da wurde das Wasser süss. – Dieses Holz erinnert uns an das Kreuz, wo der Herr Jesus aus Liebe sein Leben für uns gegeben hat. Der Blick auf seine unendliche Liebe gibt uns Kraft, die bitteren Erfahrungen zu überwinden.

In Elim konnte sich das Volk erfrischen und ein wenig ausruhen. – Auch uns schenkt der Herr Momente der Ruhe, um unseren Glauben durch das Wort zu beleben.

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Gottes Antwort auf den Hunger

Die Station nach Elim war die Wüste Sin. Die Israeliten waren bereits mehr als einen Monat auf der Reise. Nun hatten sie nichts mehr zu essen. Wieder murrten sie gegen Mose und Aaron. Meinten sie wirklich, dass Gott sie aus Ägypten erlöst habe, um sie in der Wüste vor Hunger sterben zu lassen? – Oft verhalten wir uns genauso wie das Volk Israel. Obwohl wir bei unserer Bekehrung Gottes Gnade erfahren haben, machen wir im Alltag bei jeder Schwierigkeit unserem Unmut Luft, anstatt auf die Hilfe des Herrn zu vertrauen.

Gott gab sein Volk nicht auf. In seiner Güte kündigte Er den Israeliten an, wie Er es in der Wüste mit Nahrung versorgen wollte: «Ich werde euch Brot vom Himmel regnen lassen.» – Dieses Brot vom Himmel spricht vom Herrn Jesus, der die geistliche Nahrung für uns Christen ist (Johannes 6,35). Beim Lesen der Evangelien lernen wir Ihn kennen, wie Er vom Himmel auf die Erde kam, hier als vollkommener Mensch lebte und am Kreuz für uns starb. Diese Beschäftigung mit Jesus Christus anhand des Wortes Gottes nährt und stärkt unser neues Leben.

Wenn die Israeliten ihren Unwillen durch Murren offenbarten, zeigte Gott als Antwort darauf seine herrliche Grösse, wie sie sich zu ihren Gunsten entfaltete. Das war Gnade! Sie sahen die Herrlichkeit des Herrn in der Wolke. Sie erfuhren seine Güte und Allmacht, als Er ihnen am Abend Fleisch und am Morgen Brot zu essen gab. Gott selbst war mit ihnen in der Wüste und versorgte sie so, dass sie keinen Mangel haben mussten.

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Wachteln und Brot aus dem Himmel

Gott gab seinem Volk klare Anweisungen, wann und wie es das Manna einsammeln sollte. Diese Anordnungen haben eine geistliche Bedeutung für uns im Blick auf das Aufnehmen von geistlicher Nahrung aus dem Wort Gottes:

  • Ausser am Sabbat sollten die Israeliten jeden Tag hinausgehen und das Manna auflesen (Vers 4). – Das bedeutet für uns, dass wir täglich einen Abschnitt aus der Bibel lesen. Wir haben diese Tagesration aus dem Wort Gottes für unser Glaubensleben nötig.
  • Jeder Israelit sollte seinen eigenen Bedarf einsammeln (Vers 16). Das gilt genauso für uns: Die Predigt vom Sonntag ersetzt das persönliche Bibellesen nicht. Forschen wir selbst im Wort Gottes, damit wir daraus Wegweisung für den Alltag bekommen!
  • Der Israelit musste das Manna frühmorgens einsammeln. Sobald die Sonne heiss wurde, zerschmolz es (Vers 21). – Wir wissen, dass am Morgen unser Geist noch frisch und unbelastet ist. Darum können wir zu diesem Zeitpunkt das Wort Gottes am besten aufnehmen.

Wir lesen hier zum ersten Mal vom Sabbat als einer Verordnung für das Volk Israel – und zwar nicht in Verbindung mit dem Gesetz, sondern mit dem Manna. Daraus lässt sich folgender Grundsatz ableiten: Israel kann die Ruhe, die durch den siebten Tag oder den Sabbat dargestellt wird (1. Mose 2,3), nur in Beziehung zu Christus, dem wahren Brot des Lebens, geniessen. – Auch wir finden auf der Erde nur echte Ruhe, wenn wir zum Herrn Jesus kommen und Ihn in seinem Gehorsam und seiner Demut nachahmen (Matthäus 11,28-30).

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Das Manna zur Aufbewahrung

Die Beschreibung des Mannas in Vers 31 enthält Hinweise auf Jesus Christus und das Wort Gottes:

  • Das Brot aus dem Himmel sah weiss aus. Das lässt uns an die Reinheit unseres Herrn denken. Obwohl Er in der Welt ständig von der Sünde umgeben war, blieb Er doch heilig und unbefleckt (Hebräer 7,26).
  • Der Geschmack des Mannas war wie Kuchen mit Honig. Etwas Ähnliches erleben wir, wenn wir die Bibel lesen: «Wie süss sind meinem Gaumen deine Worte, mehr als Honig meinem Mund!» (Psalm 119,103).

Mose musste einen Krug voll Manna aufbewahren. Später wurde dieser goldene Krug in die Bundeslade gestellt (Hebräer 9,4). Dieses verborgene Manna erinnerte die folgenden Generationen daran, wie Gott sein Volk in der Wüste mit Nahrung versorgt hatte.

So werden auch wir uns in der himmlischen Herrlichkeit ewig am Herrn Jesus freuen, der für uns das verborgene Manna ist (Offenbarung 2,17). Wir werden daran denken, wie Er vom Himmel gekommen ist und auf der Erde als himmlischer Mensch abgesondert von der Sünde gelebt hat. Die Aussicht auf diese zukünftige Freude an unserem Herrn ermutigt uns, jetzt als himmlische Christen abgesondert von der Welt zu leben.

Die Israeliten assen das Manna 40 Jahre lang (Vers 35). Jeden Tag – ausser am Sabbat – liess der Herr dieses Brot vom Himmel regnen. Sie mussten es nur einsammeln. Dank dieser schmackhaften und vollwertigen Nahrung brauchten sie nie Hunger zu leiden. So zeugte das Manna während der ganzen Wüstenwanderung von der unaufhörlichen Treue Gottes.

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Wasser aus dem Felsen

Die Israeliten zogen aus der Wüste Sin weiter nach Rephidim. Weil es dort nichts zu trinken gab, litten sie Durst. Das war eine Erprobung von Gott. Würden sie Ihm, der ihnen bis hierher geholfen hatte, vertrauen? Nein! Sie murrten gegen Mose und offenbarten so, was sich auch in unseren Herzen findet: Unglaube und Unzufriedenheit. Gerade die Bezeichnung, die Mose diesem Ort gab, macht deutlich, wie schlimm dieses Verhalten der Israeliten war. Obwohl sie die Gegenwart Gottes in der Befreiung aus Ägypten deutlich erfahren hatten, fragten sie ungläubig: «Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?»

Wieder begegnete Gott dem Murren des Volkes in Gnade. Er wies Mose an, mit seinem Stab den Felsen zu schlagen. Da kam Wasser heraus, so dass alle ihren Durst stillen konnten.

Das fliessende Wasser aus dem geschlagenen Felsen stellt eine weitere Hilfsquelle für unseren Glaubensweg durch die Welt dar:

  • Der Fels ist ein Bild von Christus, der am Kreuz von Golgatha die Schläge des heiligen Zornes Gottes über die Sünde erdulden musste (1. Korinther 10,4; 2. Korinther 5,21).
  • Das Wasser aus dem Felsen spricht vom Heiligen Geist, der nach dem Erlösungswerk und der Himmelfahrt des Herrn Jesus auf die Erde gekommen ist, um in allen Glaubenden zu wohnen (Johannes 7,37-39).

Der Heilige Geist gibt uns Einsicht in das Wort Gottes und Kraft, damit sich das neue Leben entfalten kann.

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Der Kampf gegen Amalek

In Rephidim machte Israel eine weitere Erfahrung auf seiner Wüstenreise. Es wurde von Amalek angegriffen. Später erinnerte Mose daran, wie niederträchtig dieser Feind das Volk Gottes attackierte: «Wie er dir auf dem Weg entgegentrat und deine Nachzügler schlug, alle Schwachen hinter dir her, als du erschöpft und müde warst» (5. Mose 25,18).

Josua sollte nun eine Armee aufstellen und gegen Amalek kämpfen. Zur gleichen Zeit erhob Mose auf dem Berg seine Hände in Fürbitte für das Volk. Davon hing schliesslich der Sieg über den Feind ab.

Dieser Kampf enthält auch eine geistliche Lektion für uns:

  • Der Angriff von Amalek illustriert uns, wie der Teufel unser sündiges Fleisch anspricht, um uns auf dem Glaubensweg aufzuhalten.
  • Josua ist ein Bild des Herrn Jesus, der in der Kraft des Heiligen Geistes seine Erlösten im Kampf gegen den Feind anführt.
  • In Mose, der mit dem Stab der Autorität Gottes auf dem Berg war, sehen wir, wie sich der Herr Jesus im Himmel für uns verwendet.
  • Aaron und Hur weisen auf seinen doppelten Dienst als Hoherpriester und Sachwalter hin, den Er für uns tut. Mit seiner Hilfe können wir trotz unserer Schwachheit einen Sieg über den Feind erringen.
  • Der Altar mit dem Namen «Der Herr, mein Banner!» lenkt unsere Gedanken nach Golgatha. Wir führen diesen Kampf gegen den Feind im Bewusstsein, dass der Herr Jesus am Kreuz den Teufel besiegt hat.

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Die Kernbotschaft des Philipper-Briefs

Zwei Briefe im Neuen Testament beschreiben die Entfaltung des christlichen Lebens:

  • Der erste Thessalonicher-Brief zeigt die Frische dieses Lebens am Beispiel der jungbekehrten Christen in Thessalonich. Sie lebten in Hingabe an Gott und erwarteten das Kommen des Herrn Jesus. Dieser frische geistliche Zustand kann mit einem blühenden Apfelbaum im Frühling verglichen werden.
  • Der Philipper-Brief beschreibt die Reife des christlichen Lebens. Paulus selbst ist ein Beispiel davon, wie sich nun alles um Christus dreht. Er hat in den vielfältigen Erfahrungen seines Lebens mit dem Herrn gelernt, die Gesinnung Jesu Christi zu offenbaren und in der Kraft des Heiligen Geistes über die Umstände zu triumphieren. Sein gereifter geistlicher Zustand gleicht einem Apfelbaum im Herbst, der voller gesunder Früchte ist.

In den Kapiteln 2 und 3 unterweist uns der Apostel, wie sich unser christliches Leben in dieser Schönheit entfalten kann.

  • Zuerst lenkt er unsere Blicke auf Jesus, der auf der Erde demütig und gehorsam gelebt hat. Wenn wir seine Gesinnung nachahmen, sehen die Menschen in unserem Verhalten etwas von Ihm.
  • Dann weist Paulus auf Christus im Himmel hin. Der tiefe Eindruck seiner herrlichen Person richtet uns ganz auf Ihn dort oben aus. Er wird zum Mittelpunkt unseres Lebens, dem sich alles andere unterstellt.

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Paulus dankt für die Philipper

Obwohl Paulus der eigentliche Verfasser des Briefs ist, verbindet er sich mit Timotheus, der sein vertrauter Mitarbeiter war und die Gläubigen in Philippi gut kannte. Beide sind Knechte Christi Jesu, die seinem Beispiel folgten und den Erlösten in Demut dienten. Der Apostel wünscht den Philippern Gnade und Frieden. Sie hatten beides nötig, um einmütig den Glaubensweg weiterzugehen und trotz Widerstand den Dienst am Evangelium fortzusetzen.

Paulus betete mit Freuden für die Gläubigen in Philippi, weil sie sich in einem guten geistlichen Zustand befanden. Das zeigte sich in ihrer beharrlichen Teilnahme am Evangelium. Ihr Einsatz für die Verbreitung der guten Botschaft war kein Strohfeuer, sondern bezeugte, dass Gott in ihnen wirkte. Wir sehen hier, wie die beiden Seiten nebeneinander herlaufen:

  • Einerseits ist es die Aufgabe der Glaubenden, mit dem Herrn Jesus zu leben und von Ihm zu zeugen.
  • Anderseits beginnt Gott bei ihrer Bekehrung ein gutes Werk, das Er vollenden wird. Am Tag Jesu Christi, d.h. vor seinem Richterstuhl, wird offenbar werden, was Gott in ihrem Leben zu seiner Ehre bewirkt hat.

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Paulus bittet für die Philipper

Aus Vers 7 erkennen wir, dass die Philipper eine gute Beziehung zu Paulus hatten. Sie trugen ihn auf einem sorgenden, liebenden und betenden Herzen. Ausserdem bezeugten sie ihm ihre Verbundenheit mit seiner evangelistischen Arbeit durch ihre materielle Unterstützung (Philipper 4,15-17). Gott wusste, wie Paulus die Gläubigen in Philippi liebte und sich nach ihnen sehnte, obgleich er sie nicht besuchen konnte.

Auf das Dankgebet in den Versen 3-8 folgen in den Versen 9-11 einige Bitten, die auch unser Glaubensleben betreffen:

  • Unsere Liebe zum Herrn Jesus, zu den Gläubigen und zu den Verlorenen nimmt in dem Mass zu, wie wir uns mit der göttlichen Liebe zu uns beschäftigen.
  • Unsere Liebe soll durch die Erkenntnis des Wortes Gottes geprägt sein, indem wir die biblischen Grundsätze mit Einsicht im täglichen Leben umsetzen.
  • Wie freut sich der Herr, wenn wir aufrichtig sind und uns so verhalten, dass wir uns selbst und anderen keinen Anstoss zur Sünde geben.
  • Eine gerechte Lebensführung ehrt und verherrlicht Gott. In einer lebendigen Beziehung zu Jesus Christus können wir diese Frucht bringen (Johannes 15,5).

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Das Evangelium breitet sich aus

Ab Vers 12 spricht Paulus über seine persönliche Situation. Er befand sich schon ungefähr vier Jahre in Haft, was bestimmt nicht leicht für ihn war. Trotzdem war er nicht entmutigt, sondern erkannte, dass Gott dadurch einen zweifachen Segen bewirken konnte. Einerseits wurden durch seine Gefangenschaft neue Zuhörer mit dem Evangelium erreicht (Vers 13). Anderseits wurden neue Verkündiger ermutigt, den Menschen die gute Botschaft zu bringen (Vers 14). Leider geschah es nicht bei allen mit guten Beweggründen: Einige predigten Christus aus Neid und Streit, andere jedoch aus Liebe.

Paulus zeigt hier durch seine Einstellung, wie ein Christ in der Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus und in der Kraft des Heiligen Geistes über schwierige Umstände triumphieren kann.

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Das Leben ist für mich Christus

Paulus freute sich nicht über die unguten Motive in der Verkündigung des Evangeliums, sondern über die Tatsache, dass Christus gepredigt wurde. Das Heil in Vers 19 ist nicht die Errettung der Seele bei der Bekehrung, sondern die Bewahrung in den Schwierigkeiten auf dem Weg zum himmlischen Ziel. Paulus vertraute darauf, dass er in seiner Haft vom Heiligen Geist die Kraft bekommen würde, dem Herrn treu zu bleiben. Er hatte den Wunsch, Ihn in jeder Situation zu verherrlichen, ob er nun am Leben blieb oder den Märtyrertod erleiden sollte. Der Grund dafür lag in der Tatsache, dass Christus sein Lebensinhalt war. Alles drehte sich um diese herrliche Person. Folglich sah Paulus im Sterben einen Gewinn: Dann würde er bei Christus im Paradies sein!

Paulus sah zwei Möglichkeiten vor sich: Entweder würde er freigelassen, um noch eine gewisse Zeit auf der Erde zu leben. Oder er würde als Märtyrer sterben und zu Christus in die Herrlichkeit gehen, was für ihn persönlich viel besser wäre. Weil er jedoch ganz auf den Herrn Jesus ausgerichtet war und sich selbst vergass, erkannte er, dass sein Bleiben auf der Erde noch nötig war. Paulus wusste, wie kostbar dem Herrn die Erlösten sind. Darum wollte er ihnen noch eine Zeit lang dienen. Wie glich der Apostel in seiner Selbstlosigkeit seinem Meister!

Die Verse 25 und 26 zeigen, was der Besuch eines Dieners in einer Versammlung bewirken kann: Durch die Unterweisung wird das Glaubensleben gefördert und durch die Gemeinschaft wird die geistliche Freude vertieft.

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Im Evangelium mitkämpfen

Es lag dem Apostel am Herzen, dass die Philipper in ihrem Glaubensleben nicht von ihm abhängig waren. Darum gab er ihnen in seinem Brief manche Anweisungen. Sie sind auch für uns wichtig. Im gelesenen Abschnitt legt Paulus zuerst grossen Wert auf unsere Lebensführung. Wie kann sie dem Evangelium des Christus angemessen sein? Wenn unser Verhalten im Alltag die Gnade Gottes und unsere himmlische Berufung widerspiegelt.

Im Weiteren werden wir aufgefordert, gemeinsam ein Zeugnis für den Herrn zu sein: Wir sollen an dem Ort, wo wir als Christen zusammengestellt sind, in einem Geist feststehen und in einer Seele mitkämpfen. Es geht darum, dass wir trotz des Widerstands durch den Feind miteinander an der Wahrheit des Evangeliums festhalten und uns für die Verbreitung der guten Botschaft einsetzen. Wenn Christus der Zentralpunkt unseres Lebens ist, kann Er diese Einmütigkeit bewirken.

Wir brauchen uns von denen, die der Ausbreitung des Evangeliums aktiv widerstehen, nicht einschüchtern zu lassen. Wenn sie in ihrer Feindschaft verharren, werden sie ewig verloren gehen. Wir hingegen, die wir Jesus Christus als persönlichen Erlöser angenommen haben, besitzen eine ewige Errettung. Weil Gott sie uns geschenkt hat, wird Er auch dafür sorgen, dass wir das himmlische Ziel erreichen. Auf dem Weg dorthin erfahren wir das Glück unserer Glaubensbeziehung zu Christus und die Leiden vonseiten der Welt (Apostelgeschichte 5,41; 2. Timotheus 3,12). Beides gehört zusammen, wie es auch das Leben und der Dienst des Apostels Paulus deutlich machen.

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Demütig und einmütig

In der Versammlung von Philippi gab es ein Problem, das der Apostel nun anspricht: Die Gläubigen hatten Mühe miteinander, obwohl sie alle dem Herrn Jesus nachfolgen und dienen wollten. Bevor Paulus ihnen zeigt, wie sie einander begegnen sollen, lobt er ihr Verhalten ihm gegenüber. Durch ihre materielle Unterstützung war er ermuntert und getröstet worden, denn sie hatten ihm dadurch ihre Verbundenheit und ihr Mitgefühl ausgedrückt. – Wir erkennen hier, dass der Umgang mit den Christen, die wir nur ab und zu sehen, einfacher ist als mit den Gläubigen, die sich mit uns am gleichen Ort versammeln.

Die Philipper konnten die Freude des Apostels noch steigern, indem sie untereinander gleich gesinnt und einmütig waren. Damit ist nicht Uniformität im Denken und Handeln gemeint. Das wäre eine Übereinstimmung, die von aussen aufgedrückt wird. Es geht um etwas anderes. Paulus bittet um eine gleiche Denkweise, ohne die Vielfalt unter den Glaubenden einzuschränken. Es geht darum, dass wir alle die Ehre des Herrn und das Wohl der anderen suchen. Das Gegenteil davon ist eine egoistische Einstellung, die schnell zu Streit und Ehrsucht führt, weil in diesem Fall jeder selbst im Mittelpunkt stehen möchte.

Stattdessen werden wir aufgefordert, in Demut den anderen höher zu achten als uns selbst und in Liebe dem anderen Beachtung zu schenken. Das ist nur möglich, wenn wir uns selbst verleugnen und vom Herrn Jesus lernen. Darum wird uns ab Vers 5 seine beispielhafte Gesinnung in seinem Leben auf der Erde vorgestellt.

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Die Gesinnung des Herrn Jesus

Die Verse 6-8 beschreiben den Weg, den Jesus Christus freiwillig gegangen ist. Er, der von Ewigkeit her Gott ist, wurde Mensch. Durch diesen ersten Schritt des Hinabsteigens nahm Er Knechtsgestalt an, um seinem Gott und den Menschen zu dienen. Obwohl Er sündlos ist, glich Er äusserlich den anderen Menschen. Doch Er stieg noch tiefer hinab, weil Er den letzten Platz einnehmen wollte. Als gehorsamer Mensch erniedrigte Er sich bis zum Tod am Kreuz. Das war der zweite Schritt seines Hinabsteigens. Der Weg unseres Herrn auf der Erde ist einzigartig. Unmöglich können wir Ihm darauf folgen. Aber wir stehen voll Bewunderung vor Ihm still, der sich so tief erniedrigt hat!

In diesen Versen erkennen wir auch die Gesinnung, die Jesus auf seinem Lebensweg offenbart hat. Er war von Herzen demütig und gehorsam. Darin können wir Ihn nachahmen. Gott möchte, dass in unserem Verhalten etwas von der Einstellung sichtbar wird, die den Herrn Jesus in seinem Leben auf der Erde gekennzeichnet hat.

In seiner freiwilligen Erniedrigung hat Er seinen Gott und Vater völlig geehrt. Darum hat Gott Ihn hoch erhoben und Ihm den Ehrenplatz zu seiner Rechten gegeben. Christus besitzt nun den Namen, der über jeden Namen ist, d.h. Er nimmt als Mensch eine Stellung ein, in der Er alle anderen übertrifft. Bald wird seine Überlegenheit für alle sichtbar sein, wenn sich jedes Knie vor Ihm beugen und jeder Mund seine Herrschaft anerkennen wird. Seine zukünftige Erhöhung wird zur Verherrlichung seines Gottes und Vaters ausschlagen.

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Gehorchen und Licht verbreiten

Nach der Aufforderung zur Demut in Vers 3 folgt nun in Vers 12 die Erinnerung an den Gehorsam. Beides hat uns der Herr Jesus vorgelebt.

Der Apostel fordert uns auf, das eigene Heil zu bewirken. Damit will er uns zu einem selbstständigen Glaubensleben anhalten. Die Errettung der Seele konnten wir nicht selbst erlangen. Sie ist ein Geschenk Gottes. Um jedoch auf dem Weg zum himmlischen Ziel aus den Gefahren errettet zu werden, ist es nötig, dass wir uns nahe beim Herrn aufhalten und uns davor fürchten, Ihn zu verunehren. Gott unterstützt uns dabei, damit wir gern seinen Willen tun und uns bewahren lassen.

Wenn wir alles im Namen des Herrn Jesus tun, der nie gemurrt und nie an der Liebe Gottes gezweifelt hat, können wir in einer dunklen Welt Himmelslichter sein und den Menschen den Weg zu Gott zeigen. Wir stellen dann durch unser Verhalten das Wort des Lebens dar, d.h. wir offenbaren die Wesenszüge unseres Meisters, der immer makellos und aufrichtig gewesen ist.

Ein solches Leben ist nicht nur zur Ehre Gottes, sondern auch eine Ermutigung für die Mitarbeiter, die uns durch ihren Dienst geistlich unterstützen. Sie werden am Richterstuhl des Christus Lohn für ihren Einsatz und ihre Treue bekommen.

Paulus glich in seiner Denkweise dem Herrn Jesus. Bescheiden nannte er den eigenen Dienst ein kleines Trankopfer, während er im hingebungsvollen Glauben der Philipper das Hauptopfer sah. Sein Herz war voll Freude, weil er gern den unteren Platz einnahm und sich mit den Gläubigen in Philippi verbunden fühlte.

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Timotheus und Paulus

Paulus dachte nicht an seine Bedürfnisse, sondern an das Wohl der Philipper. Darum war er bereit, auf Timotheus zu verzichten und ihn nach Philippi zu senden. Dieser Mitarbeiter besass die gleiche Gesinnung wie der Apostel. Er war von Herzen für das geistliche Wohlergehen der Gläubigen besorgt. Weil Paulus und Timotheus dasselbe dachten und zu erreichen suchten, standen sie sich innerlich sehr nahe. – Wir sehen an ihrem Beispiel deutlich, wie eine selbstlose, demütige Denkweise die Herzen miteinander verbindet und eine Einmütigkeit unter den Erlösten bewirkt.

In diesem Moment hatte Paulus keinen Mitarbeiter bei sich, der so die Gesinnung des Herrn Jesus mit ihm teilte wie Timotheus. Traurig musste er sagen: «Alle suchen das Ihre.» Dieser kurze Satz stellt uns ins Licht Gottes. Wie bin ich persönlich eingestellt? Suche ich meine eigenen Interessen oder liegen mir die Glaubensgeschwister am Herzen?

Timotheus hatte sich als Mitarbeiter im Werk des Herrn bewährt. Seine selbstlose Hingabe war echt und dauerhaft. Viele Jahre hatte er in einer guten Beziehung mit dem Apostel Paulus am Evangelium gedient. – Wie schön, wenn es heute diese gute geistliche Gemeinschaft zwischen älteren und jüngeren Mitarbeitern gibt!

Sobald der Apostel wusste, wie seine Verhandlung in Rom ausgehen würde, sollte Timotheus die Philipper besuchen und sie darüber informieren. Paulus vertraute zugleich dem Herrn, dass er selbst zu ihnen kommen würde. Wie lagen ihm doch die Philipper am Herzen!

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Epaphroditus

Aus Philipper 4,18 wissen wir, dass Epaphroditus die materielle Gabe der Philipper dem gefangenen Apostel gebracht hatte. Unterwegs oder in Rom war er bei der Erfüllung dieses Auftrags todkrank geworden. Von dieser Krankheit war er aber inzwischen genesen. Nun sollte Epaphroditus mit dem Brief des Apostels Paulus zu den Philippern zurückkehren.

Epaphroditus war ein Gläubiger, der verbindend wirkte. Das wird aus seiner Aufgabe und aus seiner Einstellung ersichtlich:

  • Mit seiner Reise nach Rom und zurück nach Philippi stellte er einen Kontakt zwischen den Gläubigen seines Heimatortes und dem Apostel her. Er informierte Paulus über die Situation der Philipper und konnte ihnen die Umstände des Apostels mitteilen.
  • In seiner selbstlosen Gesinnung dachte Epaphroditus mehr an die Sorgen der Philipper als an seine eigene Krankheit. Darum zog es ihn nach Philippi und verband es ihn mit Paulus, der auch so uneigennützig eingestellt war (Vers 28).

Der Apostel benutzte seine Gabe der Krankenheilung nicht, um seinen Mitarbeiter gesund zu machen. Warum? Weil das nicht dem Zweck dieser Gabe – nämlich der Unterstützung des Evangeliums – entsprochen hätte. Aber er durfte erfahren, wie sich Gott über ihn erbarmte und Epaphroditus heilte.

Gläubige, die sich wie Epaphroditus für das Werk des Herrn und für die Seinen einsetzen, sollen wir anerkennen und schätzen (Vers 29). Vergessen wir nicht: Jeder Dienst erfordert Verzicht und bringt Leiden mit sich.

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Religiöse Vorzüge

In diesem Kapitel zeigt uns der Apostel, was uns Kraft und Motivation für ein Leben in der Gesinnung des Herrn Jesus gibt. Es ist der Glaubensblick nach oben auf den verherrlichten Christus und nach vorn auf das Ziel. Paulus beginnt mit zwei Aufforderungen:

  1. Freut euch im Herrn! Er ist die Quelle einer Freude, die nicht vergeht und uns im Glauben stärkt.
  2. Hütet euch vor bösen Arbeitern, die den christlichen Glauben mit jüdischen Elementen vermischen. Dadurch wollen sie dem natürlichen Menschen wieder Platz zur Entfaltung geben. Doch sie zerstören damit alles.

In Vers 3 geht es um eine geistliche Beschneidung: Die Glaubenden halten daran fest, dass der alte Mensch am Kreuz gerichtet worden ist. Als Folge davon verurteilen sie das, was aus ihrer alten Natur kommt. Im Gottesdienst lehnen sie alles Zeremonielle ab und unterstellen sich der Führung des Heiligen Geistes. Sie haben den Wunsch, dass der Herr Jesus geehrt wird, und stützen sich nicht auf menschliche Fähigkeit und Tatkraft, sondern auf Gott.

Wenn jemand Grund hätte, auf «Fleisch», d.h. auf seine Person, seine Bildung und seine Frömmigkeit zu vertrauen, dann wäre es Paulus gewesen. Er war ein gebürtiger Israelit aus dem Stamm Benjamin. Als Pharisäer zählte er zu den strenggläubigen Menschen in Israel. Sein Eifer für den jüdischen Glauben und seine Gesetzestreue galten als vorbildlich. Alle diese Vorzüge machten Paulus in der Gesellschaft zu einem angesehenen religiösen Menschen. Doch welchen Wert hatte diese menschliche Gerechtigkeit vor Gott?

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Christus gewinnen

Als Paulus vor Damaskus eine Begegnung mit dem verherrlichten Christus hatte, sah er seine menschlichen Vorzüge in einem anderen Licht. Alles, was ihm bis zu diesem Zeitpunkt wertvoll war, achtete er für Verlust, weil es ihn daran hinderte, den Herrn Jesus zu erkennen. Er konnte nicht gleichzeitig ein religiöses Ansehen bei den Menschen geniessen und Christus zum Lebensinhalt haben. Das eine schloss das andere aus.

Der Herr Jesus Christus im Himmel ist so vortrefflich, dass es Paulus nicht schwerfiel, alles andere für Dreck zu achten. Er hatte nur einen Wunsch, der sein ganzes Leben bestimmte: Er wollte Christus in der himmlischen Herrlichkeit gewinnen. Darum strebte er im täglichen Leben nicht mehr nach einer menschlichen Gerechtigkeit, sondern nach einem Verhalten, das mit Gott übereinstimmte. Auf diesem Weg konnte er Christus praktisch erkennen, wie Er das Herz ganz erfüllt und auf das himmlische Ziel ausrichtet. Wer den himmlischen Herrn so kennt und erfährt, sucht keinen Platz mehr auf der Erde, sondern sehnt sich nach dem Himmel.

Auf dem Weg dorthin wünschte Paulus, dass die göttliche Auferstehungskraft in ihm wirkte, damit das neue Leben zur Entfaltung kam. Weil ihm Christus so viel bedeutete, war er auch bereit, wie sein Meister durch Leiden und durch den Tod zu gehen. Paulus wusste, dass er zur Auferstehung aus den Toten gelangen und so die himmlische Herrlichkeit erreichen würde. Sein zielgerichtetes Leben spornt uns an, ebenfalls ganz auf Christus im Himmel ausgerichtet zu sein.

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Ans Ziel laufen

Paulus war noch nicht zur Auferstehung aus den Toten gelangt und noch nicht im verherrlichten Körper bei Christus im Himmel angekommen. Aber er lief auf dieses Ziel zu. Wo fand er die Kraft dazu? In Christus Jesus, dieser unvergleichlich herrlichen Person! Von Ihm war Paulus so ergriffen, dass er Ihm mit Energie entgegenlief.

Paulus war seinem Herrn sehr nahe, aber er hatte das Ziel noch nicht erreicht. Darum lief er unentwegt weiter. Er blickte nicht zurück, um zu sehen, was er alles zurückgelassen hatte oder wie weit er schon gelaufen war. Nein, er schaute nach vorn, ans Ziel. Er streckte sich nach Christus aus und wurde so wie von einem Magneten angezogen. Sein Glaubenslauf war nicht ein Krampf, sondern die glückliche Folge davon, dass der Herr Jesus sein Herz erfüllte.

Gott hat die Glaubenden der Gnadenzeit von Anfang an dazu bestimmt, bei Christus im Himmel zu sein. Erlöste, die diese Berufung Gottes im Herzen erfassen und im Leben verwirklichen, sind «vollkommen», weil sie sich auf das richtige Ziel ausrichten. Davon sollen sie sich durch nichts abhalten lassen. Gläubige, die «anders gesinnt» sind, haben Christus in der Herrlichkeit noch nicht als ihr Lebensziel. Doch Gott wird dafür sorgen, dass in ihrem Herzen dieses Licht aufgeht und sie beginnen, dem verherrlichten Herrn entgegenzulaufen.

Obwohl wir noch nicht alle auf den Himmel ausgerichtet leben, sollen wir den Glaubensweg trotzdem gemeinsam weitergehen und dabei die Gesinnung Jesu Christi offenbaren.

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Das Bürgertum im Himmel

In Vers 17 fordert uns der Apostel auf, seinem guten Beispiel zu folgen. Ein Nachahmer ist jemand, der einen anderen genau beobachtet und es ihm gleichtut. Es geht hier darum, dass wir Paulus und alle zielorientierten Christen in ihrem Wettlauf zu Christus im Himmel zum Vorbild nehmen und sie darin nachahmen.

In den Versen 18 und 19 warnt uns Paulus vor dem schlechten Einfluss irdisch gesinnter Menschen, die uns von einer himmlischen Ausrichtung abbringen können. Er nennt sie «Feinde des Kreuzes des Christus», weil sie meinen, ohne das Kreuz von Golgatha auszukommen. Sie anerkennen Jesus als historische Persönlichkeit. Aber sie nehmen seinen Tod nicht als Grundlage ihrer Errettung an und wollen der Schmach seines Kreuzes ausweichen. Darum werden sie ewig verloren gehen. Diese religiösen Menschen leben so, dass sie selbst und der Genuss des Irdischen im Mittelpunkt stehen. Ausserdem möchten sie auf der Erde zu Ehre und Ansehen kommen. Das ist eine Schande für sie, weil ein Christ dadurch gekennzeichnet sein soll, dass er die Ehre seines Herrn sucht und auf den Himmel ausgerichtet ist.

Unser Bürgertum ist im Himmel. Darum warten wir sehnsüchtig auf den Moment, an dem der Herr Jesus unsere Errettung zum Abschluss bringen wird. Er wird wiederkommen und in göttlicher Kraft unseren schwachen, sterblichen Körper umgestalten, so dass wir uns mit einem verherrlichten Körper im Himmel aufhalten können. Dort werden wir Christus gleich sein und Ihn sehen wie Er ist (1. Johannes 3,2). Was für eine herrliche Hoffnung!

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Freude im Herrn

Die Aussicht auf das herrliche Ziel nimmt der Apostel als Anlass, um den geliebten Brüdern und Schwestern in Philippi einige Hinweise für das Glaubensleben zu geben. Sie gelten auch uns. Zuerst fordert er uns auf, im Herrn festzustehen. Anstatt in den Schwierigkeiten mutlos zu werden und aufzugeben, sollen wir bei unserem Herrn bleiben.

Sowohl Evodia als auch Syntyche setzten sich für das Evangelium ein. Aber sie waren uneins. Nun ermahnt Paulus sie, im gleichen Sinn und Geist zu handeln, d.h. einander in einer demütigen Gesinnung zu begegnen. Epaphroditus, der treue Mitknecht des Apostels, konnte ihnen dabei behilflich sein, weil er gelernt hatte, selbstlos an andere zu denken (Philipper 2,25-26).

Der Herr Jesus ist Quelle und Inhalt einer echten und bleibenden Freude. Lassen wir uns durch notvolle Situationen nicht davon abhalten, uns in Ihm zu freuen! Unser Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen soll milde und nachgiebig sein. Jesus hat es uns vorgelebt. Nie hat Er auf seine Rechte gepocht, nie ist Er den Menschen mit Härte begegnet.

Immer wieder steigen Sorgen in unseren Herzen auf. Sie trüben den Blick zum Herrn, nehmen uns die Freude weg und beschäftigen uns mit uns selbst. Wie können wir sie loswerden? Durch das Gebet! Werfen wir die Sorgen auf Gott! Er nimmt sie uns ab und gibt uns seinen Frieden, so dass unser Herz und unsere Gedanken zur Ruhe kommen. Wenn wir zu Gott beten und Ihm unsere Anliegen vorstellen, wollen wir das Danken nicht vergessen. Wie viel Gutes hat Er uns schon geschenkt!

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Das Gute erwägen und tun

In den Versen 6 und 7 lernen wir, in unserem Leben das Vertrauen auf Gott zu setzen. Nun führt uns Paulus in den Versen 8 und 9 einen Schritt weiter. Er zeigt uns, wie wir die Gemeinschaft mit Gott geniessen können. Dazu ist zweierlei nötig:

  1. Es gilt, das Wahre und Gute zu erwägen (Vers 8). Dann beschäftigen wir uns mit dem, was von Gott kommt. Das führt uns in die Gemeinschaft mit Ihm.
  2. Paulus fordert uns auch auf, seine Belehrungen zu befolgen (Vers 9). Wenn wir dem Wort Gottes gehorchen, ist der Gott des Friedens mit uns, so dass wir in der Lage sind, seine Liebe zu geniessen (Johannes 14,23).

Paulus drückt in Vers 10 seine Freude darüber aus, dass die Gläubigen in Philippi an ihn gedacht und ihn materiell unterstützt haben. Eine Zeit lang ist es ihnen nicht möglich gewesen. Als sich dann aber eine Gelegenheit bot, lebten sie auf und sandten ihm gern durch Epaphroditus eine Unterstützung (Vers 18).

Ab Vers 11 spricht Paulus über seine persönlichen Erfahrungen im Blick auf seinen täglichen Lebensbedarf. Er kannte Zeiten des Mangels und Zeiten des Überflusses. Durch jede Situation ging er mit dem Herrn. Dabei lernte er, sich in der aktuellen Lage mit dem zu begnügen, was vorhanden war. Die Kraft, um in allen Umständen zufrieden und glücklich zu sein, bekam Paulus vom Herrn. Aus seinen Erfahrungen wusste er: «Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt.» Auch uns will der Herr Jesus jeden Tag Kraft geben, damit wir im neuen Leben über die Umstände triumphieren können.

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Erfahrungen mit dem Herrn

Paulus stellt uns hier einige geistliche Aspekte vor, die mit der praktischen Unterstützung von Dienern des Herrn zusammenhängen:

  • Die materielle Gabe ist ein Ausdruck der Gemeinschaft mit dem Diener und seiner Situation (Vers 14).
  • Paulus hat die Gabe von der Versammlung in Philippi bekommen (Vers 15). Das stimmt mit seinen Belehrungen über das Sammeln und Verwalten des Geldes in der örtlichen Versammlung überein (1. Korinther 16,1-3).
  • Die Unterstützung der Diener im Werk des Herrn soll eine Frucht des neuen Lebens sein. Das hat einen geistlichen Wert für Gott (Vers 17).
  • Durch unsere materielle Freigebigkeit sammeln wir uns Schätze im Himmel (Lukas 12,33; 1. Timotheus 6,19). Paulus sagt es hier so: Die Gabe aus Philippi als eine Frucht, die Gott bewirkt hat, wird dem «Konto» der Philipper im Himmel gutgeschrieben (Vers 17).
  • Der Apostel nennt die materielle Unterstützung der Diener «einen duftenden Wohlgeruch, ein angenehmes Opfer, Gott wohlgefällig» (Vers 18). Damit bezeugt er, wie der Herr solche Gaben wertschätzt.
  • Aus der Erfahrung mit seinem Gott weiss Paulus, dass Gott keinem Geber etwas schuldig bleibt, sondern nach seinem Reichtum alles Nötige gibt (Vers 19).

In Vers 20 verbinden sich der Empfänger und die Geber miteinander und sagen mit anderen Worten ausgedrückt: Wir kennen gemeinsam unseren Gott und Vater im Himmel und wünschen zusammen, dass Er verherrlicht wird. Auch durch die gegenseitigen Grüsse soll diese Verbundenheit der Gläubigen zum Ausdruck kommen.

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Einführung in die Psalmen

Die Psalmen schildern nicht so sehr die Ereignisse, sondern die Gefühle und Empfindungen der Glaubenden in verschiedenen Situationen. Unter der Leitung des Geistes Gottes bringen sie ihre Hoffnungen und Befürchtungen, ihre Schmerzen und ihr Gottvertrauen zum Ausdruck.

Die Psalmdichter lebten in einer anderen Zeit als wir. Sie kannten das Erlösungswerk des Herrn Jesus noch nicht und besassen deshalb keine Heilssicherheit. Weil sie in der Zeit des Gesetzes lebten, baten sie um Rache und Vergeltung an ihren Feinden. Ausserdem hatten sie eine irdische Hoffnung: Sie erwarteten den Segen des Reichs Gottes im Land Israel.

Aus diesem Grund tragen die Psalmen einen prophetischen Charakter. Beim Lesen hören wir die Stimme der Glaubenden aus dem Volk Israel, wie sie in der Not der zukünftigen Drangsalszeit zu Gott rufen und auf seine Hilfe hoffen. Einige Psalmen bringen auch die Gefühle des Herrn Jesus zum Ausdruck, wenn Er prophetisch über seine Leiden und seine Herrlichkeit spricht (Lukas 24,44; 1. Petrus 1,11).

Wir können also nicht jede Aussage in den Psalmen direkt auf uns Christen übertragen. Dennoch gibt es vieles, was in diesem Bibelbuch auch zu unserer Ermunterung und Ermahnung geschrieben ist:

  • Wir lernen, wie wichtig das Gebet für uns ist. Gott hört und antwortet, wenn wir zu Ihm rufen.
  • Das Gottvertrauen der Psalmdichter spornt uns an, geduldig auf die Hilfe des Herrn zu warten.
  • Gottesfurcht ist ein Kennzeichen aller Gläubigen, die mit Gott leben und Ihm gefallen möchten.

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Der Gerechte und der Gottlose

Im ersten Psalm werden einige Merkmale des Gottesfürchtigen und die allgemeine Regierung Gottes auf der Erde vorgestellt.

Der Mensch, der an Gott glaubt und mit Ihm leben möchte, sondert sich von der gottlosen Welt ab:

  • Er lebt nicht nach den Ideen und Gedanken der gottlosen Menschen.
  • Er handelt nicht so wie die Ungläubigen, die bedenkenlos sündigen.
  • Er hält sich nicht dort auf, wo sich Menschen über Gott und die Bibel lustig machen.

Stattdessen macht sich der Glaubende das Wort Gottes zur Richtschnur seines Lebens. Er freut sich über das, was Gott in seinem Wort sagt, und nimmt sich Zeit zum Bibellesen. Er denkt auch über das Gelesene nach.

Die Absonderung von der Welt und die Hinwendung zum Wort Gottes wirkt sich auf das Leben des Gläubigen aus. Er bringt Frucht für Gott und zeugt durch sein Verhalten vom Herrn Jesus. Es wird sichtbar, dass er von Gott gesegnet ist.

Im Gegensatz dazu hat das Leben des Ungläubigen keinen Wert für Gott. Er kann zwar in der Welt zu Ruhm und Ansehen kommen, aber in den Augen des Herrn ist er wie Spreu, die einmal verbrannt werden wird (Lukas 3,17). Wenn er sich am zukünftigen Gerichtstag vor Gott verantworten muss, wird er zu ewiger Strafe verurteilt werden.

Das Bewusstsein, dass Gott den Weg des Gerechten anerkennt und in der Zukunft belohnen wird, spornt uns an, getrennt von der Welt zur Ehre des Herrn zu leben.

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Christus als König in Israel

In diesem Psalm kündigt Gott an, dass Jesus Christus als König in Zion regieren wird.

Er beginnt mit der Rebellion der Völker gegen Gott (Verse 1-3). Sie wollen die göttliche Oberherrschaft, die Er durch seinen Gesalbten auf der Erde ausüben möchte, nicht anerkennen. Darum sind vor ungefähr 2000 Jahren Pilatus, Herodes und die führenden Juden übereingekommen, den Sohn Gottes zu kreuzigen (Apostelgeschichte 4,25-28). In der Zukunft werden die Nationen nochmals gegen Christus kämpfen, aber dabei eine Niederlage erleiden (Offenbarung 17,14; 19,19).

In den Versen 4-9 erfahren wir den Plan Gottes mit seinem Christus und mit der Erde. Er wird der Rebellion der Völker durch Gericht ein Ende machen und seinen König auf dem Berg Zion einsetzen. Wer ist denn der Gesalbte des Herrn, der König in Zion sein wird? Es ist ein Mensch, der von Gott gezeugt worden ist und von Ihm als Sohn anerkannt wird (Vers 7). Das kann nur Jesus sein, der vom Heiligen Geist gezeugt und deshalb Sohn Gottes genannt wurde (Matthäus 1,20; Lukas 1,35).

Als Sohn Gottes hat der Herr Jesus das Recht, die Königsherrschaft zu fordern. Er wird sie von Gott bekommen, und zwar nicht nur über Israel, sondern über die ganze Welt (Epheser 1,10). Durch Gericht wird Er sich alle Völker unterwerfen.

Der Psalm endet mit einem Appell an die Regenten der Erde (Verse 10-12), sich der Autorität Gottes zu beugen und seinen Sohn als Weltenherrscher anzuerkennen. Das wird der einzige Weg sein, um dem zukünftigen Gericht zu entgehen.

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In der Bedrängnis zu Gott rufen

Dieser Psalm beschreibt die Erfahrungen, die die Glaubenden aus dem Volk Israel in der zukünftigen Drangsalszeit machen werden:

  • Sie sind von vielen Feinden umgeben, die sie bedrängen und ihnen weismachen wollen, dass Gott ihnen nicht helfen könne (Verse 2-3).
  • Trotzdem halten sie am Herrn fest. Sie glauben, dass Er sie beschützen kann. Darum beten sie zu Ihm und suchen bei Ihm Hilfe (Verse 4.5).
  • Weil sie in der Bedrängnis auf Gott vertrauen, besitzen sie im Herzen einen tiefen Frieden. Deshalb können sie ruhig schlafen. Sie fürchten sich nicht vor ihren Bedrängern (Verse 6-7).
  • Ungeachtet ihrer notvollen Situation blicken die gläubigen Juden vertrauensvoll in die Zukunft. Sie sind überzeugt, dass der Herr zur rechten Zeit aufstehen und alle bestrafen wird, die sie bedrängen. Das Gericht an ihren Feinden wird für sie Rettung aus tiefster Not bedeuten (Verse 8-9).

Was können wir Christen aus diesem Psalm lernen? Unser Leben verläuft nicht immer reibungslos. Oft werden wir von Problemen regelrecht bedrängt. Wenn wir dann mit unseren Schwierigkeiten zu Gott gehen, Ihn um Hilfe bitten und Ihm die Lösung auch zutrauen, kommen wir innerlich wieder zur Ruhe. Diese Erfahrung wird durch Philipper 4,6-7 bestätigt: «Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christus Jesus.»

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Gerecht leben und Gott vertrauen

In diesem Psalm gelangt der Glaubende zu einer wichtigen Erkenntnis: Damit Gott seine Gebete erhört, muss er in Übereinstimmung mit Ihm leben.

Der Erlöste ist von gottlosen Menschen umgeben, die ihn bedrängen. In dieser Not ruft er zum Herrn. Im Blick auf seine Feinde appelliert er an Gottes Gerechtigkeit, die dem Bösen Einhalt gebieten soll. Für sich selbst bittet er um Gnade und um die Erhörung seiner Gebete.

In den Versen 3 und 4 werden die Gottlosen und die Gottesfürchtigen einander gegenübergestellt:

  • Menschen, die bewusst ohne Gott leben, interessieren sich nicht für seine Herrlichkeit. Stattdessen suchen sie Ehre in der Welt und lieben die Lüge.
  • Menschen, die gottesfürchtig und gerecht leben möchten, werden von Gott geschätzt. Er hört sie, wenn sie zu Ihm rufen.

Die Verse 5 und 6 zeigen die Voraussetzungen für ein Leben, das Gottes Zustimmung findet. Es erfordert Ehrfurcht vor Ihm und die Bereitschaft, alles zu meiden, was Er als Sünde verurteilt. Gottesfurcht zeichnet sich auch durch ein gerechtes Verhalten – das uns etwas kosten kann – und durch Vertrauen auf den Herrn aus.

Die äussere Situation des Gläubigen, der gottesfürchtig lebt und auf Gott vertraut, mag unverändert schwierig sein. Aber er bekommt vom Herrn zwei wertvolle Geschenke: eine Freude, die nicht von den Umständen abhängt, und einen Frieden, der ihn ruhig schlafen lässt.

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Gott hört, führt und segnet

Dieser Psalm drückt die Empfindungen der Gläubigen in der zukünftigen Drangsalszeit aus. Weil sie unter der Gottlosigkeit der Welt seufzen, rufen sie zu Gott und bitten Ihn, die Gottlosen zu bestrafen, damit die Gerechten den Segen des Herrn geniessen können.

Die Verse 2-4 enthalten Unterweisungen zum Gebet, die auch für uns wichtig sind:

  • Wer Gott kennt, weiss, dass er zu jeder Zeit und in jeder Situation zu Ihm beten kann.
  • Wer früh am Morgen betet, misst dem Gebet eine hohe Priorität bei. Er setzt die beste Zeit dafür ein.
  • Wer auf die Antwort Gottes harrt, sucht nicht selbst nach einer Lösung, sondern wartet geduldig auf Ihn.

In den Versen 5-7 wird Gott beschrieben. Er freut sich nicht über das Böse in der Welt und verabscheut jede Sünde. Er kann den Sünder nicht in seiner Gegenwart dulden, sondern muss ihn bestrafen, wenn er nicht Buße tut. Das ist zu allen Zeiten wahr.

Der glaubende Überrest aus Israel ist überzeugt, dass er zum Haus Gottes kommen wird, um Ihn dort in Ehrfurcht anzubeten. Bis er an diesem Ziel ist, hat er zwei Bitten, die auch uns kennzeichnen sollen:

  1. «Leite mich, Herr, in deiner Gerechtigkeit.» Ist es unser Wunsch, ein gerechtes Leben zu führen?
  2. «Ebne vor mir deinen Weg.» Möchten wir den Weg gehen, den Gott für uns vorgesehen hat!

Die gläubigen Juden wissen, dass der Herr die Gottlosen bestrafen (Vers 11) und die Gerechten segnen wird (Vers 13). Weil sie zu Gott Zuflucht nehmen, werden sie an der Freude des Tausendjährigen Reichs teilhaben.

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Buße und Hilferuf in grösster Not

Die gläubigen Juden in der Endzeit sehen in ihrer Drangsal die erziehende Hand Gottes. Weil sie das Erlösungswerk des Herrn Jesus nicht kennen, kommen sie zum Schluss, Gott sei zornig und strafe sie. Trotzdem nehmen sie Zuflucht zum Herrn und erwarten die Befreiung von Ihm.

Als Christen wissen wir, dass der Heiland die Strafe für unsere Sünden am Kreuz getragen hat. Wenn Gott uns in den Schwierigkeiten des Lebens erzieht, bestraft Er uns nicht für das, was wir verkehrt gemacht haben. Es kann aber sein, dass Er uns das ernten lässt, was wir gesät haben (Galater 6,7). Wir müssen dann die Folgen unseres Versagens tragen, was aber nie eine Strafe Gottes ist.

Die Hoffnung der Glaubenden aus Israel ist das Leben auf der Erde im Tausendjährigen Reich. Darum bitten sie in der Bedrängnis um Bewahrung. Sie möchten am Leben bleiben und in den Segen des Reichs eingehen, um den Herrn zu preisen. Aus dem Neuen Testament wissen wir, dass viele gläubige Juden in der Drangsalszeit den Märtyrertod erleiden werden. Doch sie werden auferstehen und den göttlichen Segen im himmlischen Bereich des Reichs geniessen (Offenbarung 20,4).

Der zukünftige Überrest aus Israel seufzt und weint unter der erziehenden Hand Gottes, weil er einerseits den Druck der Leiden spürt und anderseits über die begangenen Sünden Buße tut. Auf diese Demütigung reagiert der Herr in Gnade. Er erhört die Gebete des Überrests und befreit ihn aus der Hand seiner Feinde.

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Ungerechte Verfolgung

In diesem Psalm hören wir wieder die Stimme der gläubigen Juden in der zukünftigen Drangsalszeit. Weil sie bedrängt sind und verfolgt werden, nehmen sie Zuflucht zu Gott und bitten Ihn um Rettung und Befreiung. Zweimal nennen sie Ihn «Herr, mein Gott» (Verse 2.4). Sie haben eine persönliche Beziehung zu Gott und machen persönliche Erfahrungen mit Ihm.

Sind sie uns darin nicht ein Bespiel? Pflegen wir täglich die Gemeinschaft mit Gott? Leben wir im Alltag bewusst mit unserem Herrn? Dann erfahren wir, wie Er uns in den Schwierigkeiten hilft.

Die Treuen aus Israel sind sich im Umgang mit ihren Mitmenschen keines Unrechts bewusst. Sie üben sogar Gnade an ihren Feinden. Ihr gerechtes und gütiges Verhalten veranlasst sie, Gott freimütig um Befreiung von den Bedrängern zu bitten.

In den Versen 7-9 geht es um die gerechte Regierung Gottes über die Menschen: Er bestraft die Gottlosen und segnet die Gerechten. Auf diesen Grundsatz beruft sich der Überrest in seinem Gebet. Wenn der Herr in Macht und Herrlichkeit erscheint, wird Er danach handeln.

Zuerst wird Er in seinem Zorn die Gottlosen richten und dadurch den bedrängten Überrest befreien. Später wird Er an einer Gerichtssitzung das Verhalten der Völker gegenüber den gottesfürchtigen Juden beurteilen und sie entsprechend belohnen oder bestrafen (Matthäus 25,31-46). Schliesslich wird auch der Überrest beurteilt werden. Sein gerechtes und aufrichtiges Leben wird die göttliche Zustimmung erhalten.

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Gerechtes Gericht

Die Glaubenden in der zukünftigen Drangsalszeit sehnen sich danach, dass die Bosheit der Ungläubigen ein Ende nimmt. Darum rufen sie zu Gott und bitten Ihn um sein Eingreifen im Gericht. Zugleich beten sie zu Ihm, dass Er sie auf dem Weg, den sie in Übereinstimmung mit Ihm gehen möchten, bestärke und bewahre.

Die erste Bitte ist in der christlichen Zeit nicht angebracht. Da sollen wir für unsere Feinde beten (Lukas 6,27-28). Die zweite Bitte hingegen passt durchaus in die Zeit der Gnade. Weil wir von einer bösen Welt umgeben sind, haben wir die göttliche Bewahrung nötig, damit wir auf dem rechten Weg bleiben.

Gott prüft unsere Zuneigungen (= Herz) und unser Unterscheidungsvermögen (= Nieren). Er sieht, ob wir Ihn von Herzen lieben und welches Urteil wir über Gut und Böse haben.

Wenn Gott auch langmütig ist und mit dem Gericht wartet, so ist Er doch ein gerechter Richter. Einmal wird Er jeden bestrafen, der nicht Buße tun und zu Ihm umkehren will. Das wird besonders in der zukünftigen Gerichtszeit deutlich werden. Auch keiner, der ohne Vergebung seiner Sünden gestorben ist, wird seiner Strafe entgehen.

Die Verse 15-17 beschreiben die gottlosen Menschen. Um anderen schaden zu können, schrecken sie nicht vor dunklen Machenschaften zurück. Aber Gott sorgt dafür, dass sie in die Grube fallen, die sie selbst für andere gegraben haben.

Weil Er in der Zukunft der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen wird, werden Ihn die Glaubenden preisen.

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Der Sohn des Menschen

Dieser Psalm stellt den Herrn Jesus in seiner Herrlichkeit als Sohn des Menschen vor, wie Er über die ganze Schöpfung regiert. Aufgrund seiner universellen Herrschaft wird der «Herr», der eine Beziehung zu Israel eingegangen ist, im Himmel und auf der Erde anerkannt sein.

Die Kinder und Säuglinge stehen für den schwachen Überrest aus Israel in der Zukunft. Gott wird gerade ihn auswählen, um seine Macht und Herrlichkeit zu verkünden. Dadurch werden seine Feinde zum Schweigen gebracht. Eine Vorerfüllung davon finden wir in Matthäus 21,15, wo Kinder dem Herrn Jesus zuriefen: «Hosanna dem Sohn Davids!»

Der Himmel mit den zahlreichen Sternen ist ein besonderes Zeugnis der Grösse und Allmacht Gottes. Wie klein ist doch der Mensch im Vergleich zum Universum! Trotzdem denkt Gott an ihn. Sein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Sohn des Menschen.

  • Seine Erniedrigung: Jesus Christus ist am Kreuz von Golgatha gestorben. Durch seine Menschwerdung und seinen Tod hat Er sich unter die Engel erniedrigt, denn diese himmlischen Geschöpfe können nicht sterben.
  • Seine Erhöhung: Gott hat Ihm den Ehrenplatz zu seiner Rechten gegeben. Dort sehen wir Ihn im Glauben mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt (Hebräer 2,9). Im Tausendjährigen Reich wird Er als Sohn des Menschen Herrscher über die ganze Schöpfung sein.

Gott wird Christus die Verwaltung von Himmel und Erde anvertrauen (Epheser 1,10). Dadurch wird die göttliche Herrlichkeit auf der ganzen Erde offenbar werden.

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Befreiung und Lob

Die gläubigen Juden in der Zukunft werden den Herrn für die Befreiung aus der Hand der Feinde preisen und sich über diese Rettung von Herzen freuen. Sie werden alle Ehre dem Höchsten geben, der im Tausendjährigen Reich von allen Menschen auf der ganzen Erde anerkannt sein wird.

Die Aussage in Vers 4 erinnert an Johannes 18,6, wo der Herr Jesus kurz seine Macht zeigte, so dass seine Feinde zurückwichen und zu Boden fielen. Wie viel mehr wird dies der Fall sein, wenn Er in Macht und Herrlichkeit erscheinen wird. Dann werden die Widersacher sogar umkommen.

Gleichzeitig werden die Glaubenden aus Israel nach jahrelanger Unterdrückung und Drangsal zu ihrem Recht kommen. Christus wird als gerechter Richter ihre Sache in die Hand nehmen und ihnen das Erbteil zurückgeben.

Mit dem zweiten Kommen des Herrn wird sich die Situation auf der Erde grundlegend verändern:

  • Vorher kann die gottlose Welt unter der Zulassung Gottes ungerecht handeln und die Glaubenden bedrängen. Das Böse kann über das Gute triumphieren.
  • Wenn Christus erscheint, wird Er die ganze Erde richten und die Gottlosen bestrafen. Dann wird die Gerechtigkeit über die Ungerechtigkeit triumphieren.

Bis dieser Wechsel stattfindet, ist Gott für die Glaubenden eine hohe Festung. Während sie in einer bösen Welt leben und ungerecht behandelt werden, finden sie bei Ihm ihre Zuflucht. Sie vertrauen auf Ihn und wissen, dass Er sie nie im Stich lassen wird. – Ist das nicht eine grosse Ermutigung für uns?

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Das Gericht der Gottlosen

David hält daran fest, dass Zion der Wohnort Gottes auf der Erde ist. Im Blick darauf fordert er die Glaubenden zu zweierlei auf:

  • «Singt Psalmen dem Herrn!» – Heute loben die Erlösten ihren Gott und Vater in der Versammlung. Sie beten Ihn als heilige Priester an (1. Petrus 2,5).
  • «Verkündet unter den Völkern seine Taten!» – Heute haben die Gläubigen die Aufgabe, ihren Mitmenschen durch ihr Verhalten zu zeigen, wer Gott ist (1. Petrus 2,9).

In der zukünftigen Gerichtszeit wird der Überrest den Herrn um Rettung anrufen, damit er in Zion Gottes Lob verkünden und sich über die Befreiung freuen kann.

Das göttliche Eingreifen im Gericht wird die grosse Wende bringen: Die Glaubenden werden aus den Toren des Todes emporgehoben (Vers 14) und die Ungläubigen werden in die Grube versinken (Vers 16).

Durch die Bestrafung der Gottlosen wird der Herr auf der Erde bekannt gemacht werden (Vers 17). In der Drangsalszeit wird Er sich durch Gericht verherrlichen. Heute verherrlicht Er sich durch Gnade, indem Er das Evangelium verkünden lässt und Menschen errettet, die an den Heiland glauben.

Die Bestrafung der gottlosen Nationen wird gleichzeitig die Befreiung der Gläubigen aus Israel mit sich bringen. Sie werden arm und elend sein, aber der Herr wird sie nicht vergessen – auch wenn es manchmal den Anschein haben wird. Das Gericht Gottes auf der Erde wird bei den Menschen, die verschont werden, Gottesfurcht und Demut bewirken (Vers 21).

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Kennzeichen des Gottlosen

In diesem Psalm wird der «Gottlose» mehrmals erwähnt. Im Allgemeinen sind damit Menschen gemeint, die Gott vollständig aus ihrem Leben ausklammern und Feinde der Gläubigen sind. Im Besonderen handelt es sich um den Antichristen, der die Gottlosigkeit und die Gesetzlosigkeit verkörpern wird (2. Thessalonicher 2,3-8).

Die Verse 2-11 beschreiben verschiedene Kennzeichen des Gottlosen:

  • Er ist hochmütig und bedrängt den Elenden, der an Gott glaubt (Vers 2).
  • In seiner Habsucht und Gier strebt er nach Besitz und Reichtum (Vers 3).
  • Er glaubt nicht, dass es einen Gott gibt (Vers 4).
  • Äusserlich hat er in seinem Leben Erfolg (Vers 5).
  • Er ist überheblich und glaubt, das Glück auf seiner Seite zu haben (Vers 6).
  • Seine Worte sind voll Falschheit und Verwünschungen. Man kann ihm nicht trauen (Vers 7).
  • Er ist hinterlistig und schreckt weder vor Gewalt noch vor Mord zurück (Vers 8).
  • Wie ein Raubtier lauert er auf seine Beute und schlägt plötzlich aus dem Hinterhalt zu (Vers 9).
  • Er handelt böse und meint, Gott sehe es nicht (Vers 11). Zu diesem verkehrten Schluss kommt er, weil Gott das Böse oft nicht sofort bestraft (Prediger 8,11).

Wir sind von einer Welt umgeben, die diese Merkmale aufweist. Sie lehnt sich gegen Gott auf und hasst die Gottesfürchtigen. Wir bekommen ihren Widerstand zu spüren, weil wir an den Herrn Jesus glauben (Johannes 15,18).

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Gott kommt den Bedrängten zu Hilfe

In der Endzeit werden die Glaubenden aus Israel der Gottlosigkeit ihrer Zeitgenossen besonders stark ausgesetzt sein. In ihrer Not werden sie zu Gott rufen und Ihn bitten, zu ihrer Rettung einzugreifen.

Weil sie an den lebendigen Gott glauben, wissen sie, dass Er alles Böse auf der Erde wahrnimmt. Zu seiner Zeit wird Er einschreiten und die Gottlosen bestrafen. Dieses Bewusstsein stärkt ihr Gottvertrauen:

  • Wenn sie verfolgt, geplagt und bedrängt werden, überlassen sie die Vergeltung dem Herrn.
  • Wenn sie wie die Waise niemand haben, der sich für sie einsetzt, glauben sie, dass Gott ihr Helfer ist (Psalm 68,6).

Gott wird das Flehen und das Vertrauen der gläubigen Juden erhören. Durch das Gericht am Gottlosen wird Christus sie aus ihrer Bedrängnis befreien. Er wird dafür sorgen, dass seine Autorität als König auf der Erde anerkannt wird.

Diese Gebetserhörung wird den Glauben der Treuen stärken, wie sie es auch in Psalm 138,3 zum Ausdruck bringen: «An dem Tag, als ich rief, antwortetest du mir; du hast mich ermutigt: In meiner Seele war Kraft.» Ihr Gott ist auch unser Gott. Obwohl wir nicht in der gleichen Weise bedrängt werden, können wir doch ähnliche Glaubenserfahrungen machen.

Wenn der Herr Jesus im Tausendjährigen Reich über die Erde regieren wird, wird es für alle Sicherheit und Frieden geben. Die Schwächeren werden nicht mehr benachteiligt werden, denn der Herr wird jeden Morgen die Gottlosen aus dem Land vertilgen (Psalm 101,8).

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Gott vertrauen und bei Ihm bleiben

Die Psalmen 9 und 10 beschreiben das gottlose Umfeld, in dem sich die Glaubenden aus Israel in der Zukunft befinden werden. In den Psalmen 11 bis 15 bringen sie ihre Empfindungen und Gefühle mitten in dieser schwierigen Situation zum Ausdruck.

Psalm 11 beantwortet eine wichtige Frage: Was soll der Gläubige tun, wenn die Bosheit und Ungerechtigkeit in der Welt überhandnehmen? Der Unglaube rät zur Flucht: Wenn der Druck des Bösen zunimmt, möchten wir am liebsten wie ein Vogel davonfliegen. Aber der Glaube sucht Hilfe, Bewahrung und Unterstützung bei Gott.

Trotz grosser Turbulenzen auf der Erde bleibt zweierlei wahr:

  1. Der Herr ist in seinem heiligen Tempel. Obwohl die meisten Menschen nicht nach Ihm und seinem Wort fragen, hält Gott seine heiligen Ansprüche aufrecht.
  2. In den Himmeln ist sein Thron. Von dort herrscht Er über alles. Nichts läuft Ihm aus den Händen. Die Umwälzungen auf der Erde erschüttern Ihn nicht.

Gott schaut vom Himmel auf die Erde und sieht alles. In seiner gerechten Regierung über die Menschen prüft und erzieht Er die Seinen, damit sie im Glauben Fortschritte machen. Im Gegensatz dazu hasst Er die Ungläubigen, die gottlos und gewalttätig sind. Obwohl Er sie nicht sofort richtet, werden sie seiner Strafe nicht entgehen.

Vers 7 enthält eine Ermutigung für uns: Gott schätzt es, wenn wir gerecht und aufrichtig sind. Er blickt mit Wohlwollen auf uns.

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Bei Gott Zuflucht suchen

David kommt sich allein und verlassen vor. Kein gottesfürchtiger Mensch ist in seiner Nähe. Er ist nur von Leuten umgeben, denen er nicht vertrauen kann. Der Herr lässt ihn diese Erfahrung machen, damit er bei Ihm Zuflucht sucht und sich ganz auf Ihn stützt. – Paulus erlebte etwas Ähnliches. Als er sich vor dem römischen Kaiser verantworten musste, stand ihm niemand bei. Da erfuhr er den Beistand des Herrn, der die Seinen nie im Stich lässt (2. Timotheus 4,16-18).

In diesem Psalm stellt David die Worte der Ungläubigen (Verse 3-5) den Worten des Herrn (Vers 7) gegenüber:

  • Die Gottlosen lügen und prahlen, um sich selbst gut hinzustellen. Sie schmeicheln, reden trügerisch und geben gross an. – Kommen wir nicht zum gleichen Schluss, wenn wir in den Medien lesen, was die ungläubigen Menschen sagen?
  • Im Gegensatz dazu sind die Worte Gottes vollkommen rein. Was in der Bibel steht, ist wahr und zuverlässig (Psalm 19,8-10). – Ist es nicht ein grosser Trost für uns, dass der Herr alle seine Verheissungen erfüllen wird?

Vers 6 wird sich in der Zukunft erfüllen, wenn Lüge und Gottlosigkeit auf der Erde ihren Höhepunkt erreichen werden. Dann wird Gott auf das Flehen der gläubigen Juden antworten. Er wird sie aus grösster Not befreien und vor ihren Bedrängern in Sicherheit bringen.

Vers 8 enthält ein Versprechen, das für alle Zeiten wahr ist. Gott bewahrt die Seinen mitten in einer bösen Welt (Johannes 17,15-17).

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Bei Gott verharren

Auch dieser Psalm spricht von den Erfahrungen der Glaubenden aus Israel in der kommenden Drangsalszeit. Sie werden bedrängt und Gott greift nicht ein. Da haben sie den Eindruck, der Herr habe sie vergessen.

Weil sie nicht wissen, wie lange die notvolle Situation noch anhält, fragen sie viermal: «Bis wann?» Trotzdem glauben sie, dass Gott sie aus ihrer Bedrängnis retten wird. Darum beten sie zu Ihm.

In unseren Herzen steigen manchmal ähnliche Gedanken und Gefühle auf. Wir sind in grosser Not und rufen zu Gott um Hilfe. Doch es ändert sich nichts. Da suchen wir unter dem Druck der Umstände selbst nach einer Lösung. Weil wir meinen, wir müssten die Situation aus eigener Kraft in den Griff bekommen, sind wir bekümmert und mit Sorgen erfüllt. Das ändert sich erst, wenn wir unsere Zuflucht zu Gott nehmen und Ihm unsere Anliegen bringen. Dadurch werden unsere Augen erleuchtet, d.h. wir bekommen neue Zuversicht.

Der Psalm endet mit einem herrlichen Glaubenssieg. Die Situation hat sich nicht verändert, aber das Herz ist wieder auf den Herrn ausgerichtet.

  1. Das Gebet zu Gott bewirkt Vertrauen in seine Güte. Der Glaubende hält fest, dass der Herr die Seinen nie im Stich lässt und sie zur rechten Zeit rettet.
  2. Dieses Gottvertrauen ruft im Herzen Freude über Gottes Rettung hervor, obwohl Er noch nicht eingegriffen hat.
  3. Diese Freude führt zum Lob Gottes. Der Gläubige rühmt die Wohltaten des Herrn, die er in der künftigen Befreiung erfahren wird (2. Chronika 20,19).

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Der gottlose Mensch

In der zukünftigen Drangsalszeit wird das Böse auf der Erde den Höhepunkt erreichen. Was vom natürlichen Menschen in diesem Psalm gesagt wird, ist immer wahr, wird sich dann aber völlig entfalten.

Der törichte und gottlose Mensch will nicht glauben, dass es einen Gott gibt. Weil er die göttliche Autorität nicht anerkennt, sündigt er skrupellos.

Aber der Herr sieht alles, was auf der Erde geschieht. Sein Urteil ist eindeutig: Von Natur aus ist kein Mensch gut. Alle sind von ihrem Schöpfer abgewichen und haben ein verdorbenes Herz. In Römer 3 zitiert Paulus diese Aussage, um die gesamte Menschheit von ihrer Schuld vor Gott zu überzeugen. Nachdem er klargemacht hat, dass alle das göttliche Gericht verdient haben, stellt er die Erlösung vor: Wer an die Person und das Werk des Herrn Jesus glaubt, wird von Gott gerecht gesprochen.

In den Versen 4-6 erkennen wir einen Sachverhalt, der sich immer wieder zeigt: Menschen, die nicht an Gott glauben und sich Ihm widersetzen, sind auch gegen die Gläubigen feindlich eingestellt. Sie fürchten sich sogar vor ihnen, weil sie wahrnehmen, dass Gott in ihrer Mitte ist. Ein Beispiel dafür sind die Kanaaniter. Sie glaubten nicht an den lebendigen Gott und widerstanden den Israeliten beim Einzug ins Land Kanaan. Gleichzeitig fürchteten sie sich vor ihnen, weil der Herr mit Israel war (Josua 2,9-11).

Der letzte Vers weist deutlich auf die Zukunft hin. Die gläubigen Juden leiden unter dem Druck der Gottlosen, erwarten aber die Rettung vom Herrn.

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Merkmale des Gottesfürchtigen

In Vers 1 stellt der gläubige Überrest aus Israel eine Frage: Wer wird am Segen des Tausendjährigen Reichs teilhaben, wenn der Herr den Sitz seiner Regierung in Zion aufschlagen wird?

Ab Vers 2 folgt die Antwort: Es sind Menschen, die in Übereinstimmung mit Gott leben, weil sie eine Glaubensbeziehung zu Ihm haben. Aus den einzelnen Merkmalen, die aufgezählt werden, lernen wir, wie auch wir ein Leben zur Ehre des Herrn führen können:

  • In Vers 2 geht es um unseren persönlichen Charakter als Glaubende: Er soll durch eine aufrichtige Lebensführung, gerechte Handlungen und wahre Worte gekennzeichnet sein.
  • Vers 3 befasst sich mit unserem Verhältnis zu denen, die uns nahestehen: Wie schnell reden wir schlecht über unsere Mitmenschen. Das soll jedoch nicht vorkommen. Echte Gottesfurcht bewahrt uns davor, dass wir einander in der Ehe und Familie Böses tun.
  • In Vers 4 wird die richtige Einstellung zu Gut und Böse gezeigt. Wenn wir uns am Massstab des Wortes Gottes ausrichten, verurteilen wir das Böse und anerkennen alle, die Gott gefallen möchten. Ausserdem achten wir darauf, dass unsere innere Haltung nicht durch den Einfluss der Welt verändert wird.
  • Vers 5 betrifft unser Verhalten in der Geschäftswelt und bei der Arbeit. Wir sollen immer ehrlich sein und nie jemand übervorteilen.

Der Psalm endet mit einer Verheissung: «Wer dies tut, wird nicht wanken in Ewigkeit.» Ist das nicht ein Ansporn für uns, gottesfürchtig zu leben?

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Christus als der vollkommene Mensch

Dieser Psalm spricht prophetisch vom Herrn Jesus, wie Er für Gott gelebt und Ihm vollkommen gedient hat.

Abhängigkeit von Gott und Vertrauen auf Ihn prägten sein tägliches Leben (Vers 1). Freiwillig unterordnete Er sich als Mensch der Autorität Gottes (Vers 2). Zugleich freute Er sich an allen, die in Israel Buße taten und sich von Johannes taufen liessen (Vers 3). Mit diesen «Herrlichen» verband Er sich.

Dem Herrn Jesus genügte sein Gott völlig (Vers 5). Er war ganz auf Ihn ausgerichtet. Alles, was Ihm begegnete, nahm Er aus der Hand Gottes an. Er betrachtete die einzelnen Lebenssituationen als liebliche Örter, weil Er wusste, dass Er sich auf dem Weg Gottes befand (Vers 6).

Jesus Christus liess sich jeden Morgen das Ohr öffnen, um von Gott belehrt zu werden (Jesaja 50,4). So bekam Er täglich göttlichen Rat und Wegweisung (Vers 7). In allem, was der Herr tat, hatte Er immer Gott vor sich (Vers 8). Nie wandte Er sein Auge von Ihm ab, sondern lebte in ununterbrochener Gemeinschaft mit seinem Vater (Johannes 14,31; 16,32).

Im Blick auf seinen Tod und seine Auferstehung setzte Er die Hoffnung auf seinen Gott und wurde nicht enttäuscht (Verse 9-10). Gott sorgte dafür, dass Er würdig begraben wurde und die Verwesung nicht sah. Weil der Herr Jesus fromm und gottesfürchtig gelebt hatte, auferweckte Ihn Gott. 40 Tage nach seiner Auferstehung fuhr Er in den Himmel auf. Dort – in der Gegenwart Gottes, am Ort völliger Freude – nahm Er als Mensch den Platz zur Rechten Gottes ein (Vers 11; Hebräer 12,2).

Einige Psalmen sprechen eindrücklich von Christus, z.B. Psalm 2, 8, 16, 22 oder 40. Buchtipp dazu: Christus in den Psalmen

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Gerecht und gottesfürchtig leben

Auch dieser Psalm enthält viele prophetische Hinweise auf den Herrn Jesus.

Weil Er in seinem Leben gerecht handelte und wahr redete, konnte Er immer freimütig zu Gott beten (Vers 1). Nie setzte Er seine Rechtsansprüche durch, sondern übergab sich dem, der gerecht richtet (Jesaja 49,4; 1. Petrus 2,23). Seine Bitte war, dass Gott sein Recht ausführe (Vers 2).

Gott sah nicht nur, wie vollkommen Christus lebte. Er prüfte auch sein Herz und stellte dabei fest, dass die Gedanken und Empfindungen des Herrn Jesus ebenfalls tadellos waren (Vers 3). Es gab überhaupt keine Ungleichheit zwischen dem inneren und äusseren Leben unseres Herrn (Johannes 8,25).

Das Wort Gottes leitete Ihn in allem, was Er tat (Vers 4). Als der Teufel Ihn in der Wüste versuchte, wich Er keinen Schritt vom rechten Weg ab, weil das Wort die absolute Richtschnur seines Handelns war. Lieber wollte Er Hunger leiden, als ungehorsam sein.

Obwohl der Herr im Voraus wusste, dass der Weg, den Gott Ihn auf der Erde führte, viele Leiden mit sich bringen und am Kreuz enden würde, hielt Er an den Spuren Gottes fest (Vers 5). Er machte sein Angesicht wie einen Kieselstein und ging mit Entschiedenheit hinauf nach Jerusalem und hinaus nach Golgatha (Lukas 9,51; Johannes 19,17).

Auf diesem Weg erfuhr Jesus Christus den Widerstand seiner Feinde. Aber Er wusste, dass Gott alle rettet, die auf Ihn vertrauen. Darum nahm Er im Gebet Zuflucht zu Ihm (Verse 6-7).

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Rettung vor dem Gottlosen

Das gerechte und aufrichtige Verhalten des Herrn Jesus rief einerseits eine besondere Wertschätzung vonseiten Gottes (Vers 8) und anderseits den Widerstand vonseiten der Ungläubigen hervor (Vers 9). Darum bewahrte Ihn Gott, so dass die Menschen Ihm nichts antun konnten, solange die Stunde des Menschen und die Gewalt der Finsternis noch nicht gekommen war (Lukas 22,53).

Die Verse 10 und 11 beschreiben die ungläubigen Menschen, wie Christus sie erlebte und wie die treuen Juden in der Zukunft sie erfahren werden:

  • «Ihr fettes Herz verschliessen sie.» Obwohl sie im Wohlstand leben, helfen sie den Notleidenden nicht (Matthäus 12,9-14).
  • «Mit ihrem Mund reden sie stolz.» Sie sind hochmütig und geben gern gross an (Johannes 8,33).
  • «Bei unseren Schritten haben sie uns jetzt umringt.» Sie bedrängen die Gerechten (Lukas 11,53).
  • «Sie richten ihre Augen darauf, uns zu Boden zu strecken.» Sie verfolgen die Heiligen bis aufs Blut (Lukas 22,2).

Ab Vers 13 ruft Jesus zu Gott und bittet Ihn um Rettung vor dem Gottlosen und von den Leuten dieses Zeitlaufs. Gott erhörte dieses Gebet und rettete Christus nach seinem Tod durch die Auferstehung aus der Hand der ungläubigen Menschen (Hebräer 5,7). Als Auferstandener verliess Er die Welt, kehrte in den Himmel zurück und ging in die strahlende Herrlichkeit der Gegenwart Gottes ein. Aufgrund seiner persönlichen Gerechtigkeit stand Ihm als Mensch dieser Wechsel in die himmlische Welt zu.

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Gottes Lob für seine Rettung

Dieser Psalm ist ein Lied von David, das die Rettung besingt, die Gott ihm von allen seinen Feinden verschafft hat. Gleichzeitig ist es eine Beschreibung der Geschichte Israels von der Befreiung aus Ägypten bis zur Einführung ins Tausendjährige Reich. Immer wieder gibt es auch einen Bezug zu Christus, der Ähnliches wie das Volk Israel durchlebt hat.

Zuerst lobt David den Herrn für die Rettung und beschreibt, wie er Gott erfahren hat. Er hat ihm Kraft gegeben, ihn aus Gefahren gerettet und vor Feinden beschützt. – Genauso können wir in allen Situationen des Lebens mit Gott rechnen. Er wird auch uns zu Hilfe kommen.

In den Versen 5-7 erkennen wir den Herrn Jesus, wie Er die Leiden des Todes erduldete. Es war furchtbar für Ihn, dass die Menschen Ihn an ein Kreuz nagelten und umbrachten. Doch Gott hörte auf sein Rufen und auferweckte Ihn aus den Toten.

Die Verse 8-16 weisen mehr auf das hin, was das Volk Israel in Ägypten erlebte. In dieser poetischen Beschreibung erkennen wir einzelne Plagen, die das Land Ägypten trafen: Hagel, Finsternis (2. Mose 9,23; 10,22). Ausserdem wird Gottes Handeln am Schilfmeer beschrieben. Er spaltete das Meer für die Israeliten und verwirrte die ägyptische Armee, die ihnen nachjagte (2. Mose 14,21-25). Das war damals eine gewaltige Machtentfaltung Gottes zur Befreiung Israels und im Gericht an Ägypten. Auf ähnliche Weise wird Er in der zukünftigen Gerichtszeit zur Rettung seines Volkes eingreifen.

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Der HERR rettet und belohnt

Die Verse 17-20 sprechen einerseits davon, wie Gott das Volk Israel von allen Feinden rettete und ins verheissene Land brachte. Anderseits wird hier von Christus gesprochen, wie Gott Ihn nach dem Tod durch die Auferweckung dem Zugriff der ungläubigen Menschen entzog. Nachdem der Soldat die Seite des Herrn Jesus durchstochen hatte, konnte Ihn kein Gottloser mehr antasten.

Wenn wir die Verse 21-25 auf David anwenden müssten, kämen wir in Schwierigkeiten. Nur Einer konnte diese Worte aussprechen – Jesus Christus, der vollkommene Mensch. Er lebte gerecht, blieb immer rein, wich nie von seinem Gott ab und befolgte jederzeit das Wort Gottes. Als Einziger war Er völlig untadelig, so dass der Herr Ihm nach seiner Gerechtigkeit vergalt und Ihn aus den Toten auferweckte.

Sein vollkommenes Leben zeigt uns, was Gott auch bei uns wertschätzt und belohnt. Er freut sich, wenn wir dem Beispiel unseres Herrn folgen und Ihn in unserem Verhalten nachahmen (1. Petrus 2,21-23).

Die Verse 26 und 27 stellen die Grundsätze der gerechten Regierungswege Gottes mit den Menschen und im Besonderen mit den Glaubenden vor. Es wird hier klar, dass wir das ernten, was wir gesät haben (Galater 6,7). Wenn wir gütig sind, erfahren wir Gottes Güte. Wenn wir verkehrt handeln, muss der Herr uns widerstehen.

Vers 28 zeigt, dass Gott auch gnädig mit uns ist. Er erbarmt sich über uns und hilft uns in notvollen Situationen. Mit einer demütigen Gesinnung erschliessen wir uns die Quelle seiner Gnade.

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Mit Gott einen Sieg erringen

Die Erfahrungen Davids mit seinem Gott in den Versen 29-32 machen uns Mut, den Glaubensweg vertrauensvoll mit dem Herrn zu gehen:

  • Auf dunklen Strecken gibt Er uns durch sein Wort Licht (Psalm 119,105).
  • Mit unserem Gott sind wir in der Lage, dem Feind kühn entgegenzutreten und Hindernisse zu überwinden.
  • Auch wenn wir nicht jede Führung des Herrn in unserem Leben verstehen, wollen wir doch im Glauben festhalten, dass sein Weg vollkommen ist.
  • Gott kann uns auf dem Weg zum himmlischen Ziel bewahren (Judas 24). Suchen wir Schutz bei Ihm!

Wenn wir unseren Gott auf diese Weise im Alltag erleben, wird Er uns noch grösser und wichtiger (Vers 32).

Ab Vers 33 wird der Kampf beschrieben, den Christus in der Zukunft gegen seine Feinde führen wird, um sein Reich auf der Erde aufzurichten. Er wird hier als Mensch gesehen, wie Er in Abhängigkeit von Gott alles ausführen wird. Der Herr wird Ihm die Kraft für den Kampf geben und Ihm zum Sieg verhelfen. Sein Triumph wird gross sein. Seine Feinde werden nicht vor Ihm bestehen können. Er wird sie wie Staub vor dem Wind zermalmen (Vers 43). Das erinnert uns an den Traum von Nebukadnezar im Propheten Daniel. Der König von Babel sah ein grosses Standbild, das von einem Stein zermalmt wurde. Dieser Stein ist ein Bild vom Herrn Jesus, wie Er alle Weltmächte besiegen wird, um dann ein Königreich aufzurichten, das in Ewigkeit nicht zerstört werden wird (Daniel 2,44-45).

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Christus als König der Könige

Die Verse 44-46 beschreiben die Macht und Herrschaft des Herrn Jesus als König der Könige im Tausendjährigen Reich. Er wird von Gott als Regent über alle Völker eingesetzt werden:

  • Das wiederhergestellte Israel – bestehend aus dem gläubigen Überrest – wird Ihn bereitwillig als König anerkennen und Ihm dienen (Psalm 110,3).
  • Weil seine Macht und Herrlichkeit so aussergewöhnlich sein werden, werden sich die Menschen aus den Nationen sofort seiner Autorität beugen und Ihn als Weltenherrscher akzeptieren.
  • Einige ihrer Nachkommen – die Söhne der Fremde – werden sich nur mit Schmeichelei unterordnen. Am Ende der 1000 Jahre Friedensherrschaft werden sie sich unter der Führung Satans gegen den Herrn auflehnen und gerichtet werden (Offenbarung 20,7-10).

Nach dem Sieg über seine Feinde wird Christus mit dem befreiten Überrest aus Israel den Herrn für die Errettung loben (Verse 47-51). Durch diesen Lobpreis werden sie den lebendigen Gott unter den Völkern bekannt machen.

Wir können diese Schlussverse in zweierlei Weise auf uns übertragen:

  1. Wir verkündigen jetzt in unserem Leben die Eigenschaften Gottes, der uns aus der Gewalt der Finsternis errettet und in das Reich seines Sohnes versetzt hat (1. Petrus 2,9; Kolosser 1,13).
  2. In der Zukunft werden wir vor aller Welt ein Zeugnis für unseren Herrn sein, der uns errettet, bewahrt und ans Ziel gebracht hat (2. Thessalonicher 1,10).

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Das Zeugnis der Schöpfung

Dieser Psalm kann in zwei Teile gegliedert werden: In den Versen 1-7 erfahren wir etwas von der Offenbarung Gottes in der Schöpfung. Die Verse 8-15 beschreiben, wie sich der Herr durch das geschriebene Wort Gottes zu erkennen gibt.

Es ist hier vor allem der Himmel, der die Herrlichkeit und Allmacht des Schöpfers bezeugt. Das hat zwei Gründe:

  • Erstens ist der Himmel nicht so vom Menschen verdorben worden wie die Erde. Auf unserem Planeten sehen wir doch vielerorts die negativen Folgen der Sünde. Aber der Blick zum Sternenhimmel gibt uns einen deutlichen Eindruck von der Grösse Gottes.
  • Zweitens kann jeder Mensch auf der Erdkugel dieses Zeugnis Gottes sehen. Überall ist es z.B. möglich, den herrlichen Anblick eines Sonnenaufgangs zu betrachten.

Die Schöpfung bezeugt ohne Worte die Existenz des allmächtigen Gottes. Es ist eine stumme Demonstration seiner Herrlichkeit. Trotzdem ist es eine deutliche Sprache an den Menschen. Der Apostel Paulus drückt es so aus: «Das Unsichtbare von ihm wird geschaut, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, die von Erschaffung der Welt an in dem Gemachten wahrgenommen werden» (Römer 1,20).

Gott offenbart sich in der Schöpfung, damit die Menschen, die sonst nichts von Ihm wissen, Ihn kennen lernen können. Er möchte, dass sie sich seiner Autorität beugen und Ihn verehren. Doch die meisten tun es nicht. Anstatt ihren Schöpfer zu verherrlichen, machen sie eigene Götter, die sie anbeten (Römer 1,21-23).

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Das Zeugnis des Wortes Gottes

In den Versen 8-10 benutzt der Psalmdichter verschiedene Ausdrücke für das Wort Gottes. Er beschreibt, wie es ist und was es bewirkt:

  • Die Bibel ist vollkommen, denn der Geist Gottes hat den Schreibern alles wörtlich eingegeben. Wir können uns voll auf ihre Aussagen verlassen. Alles, was in diesem Buch steht, erweist sich als richtig. Das Wort Gottes enthält keine Hintergedanken, es ist lauter, rein und wahr. Im Gegensatz zu dem, was Menschen sagen oder schreiben, besteht die Bibel ewig (Jesaja 40,8; Matthäus 24,35).
  • Das Wort Gottes stellt uns innerlich wieder her, gibt uns Weisheit für den Glaubensweg und schenkt Freude ins Herz (Psalm 119,162). Es erleuchtet unsere Augen, damit wir eine Situation richtig beurteilen können. Wenn wir die Bibel lesen und das Wort Gottes aufnehmen, bekommen wir für alles die rechte Sicht.

Der Wert des Wortes Gottes ist unermesslich, er übersteigt jeden materiellen Reichtum (Gold) und ist besser als jeder natürliche Genuss (Honig).

Doch es stellt sich die Frage: Wie stehen wir zur Bibel? Sind wir Knechte, die sich dem Wort Gottes unterordnen und es im Alltag befolgen? Dann kann Gott uns durch sein Wort von verborgenen Sünden reinigen und vor Fehltritten bewahren.

Der Herr hört alle unsere Worte und nimmt alle unsere Überlegungen wahr. Das soll uns dazu bringen, unsere Zunge zu zügeln und schlechte Gedanken zu verurteilen. Wie freut Er sich, wenn wir Ihm auch darin gefallen möchten!

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Gott rettet seinen Christus

In diesem Psalm sprechen die Glaubenden aus Israel zu Christus über seine Leiden vonseiten seines Volkes.

Der Herr Jesus wurde von der jüdischen Führungsschicht bedrängt und mithilfe der Römer ans Kreuz gebracht. In dieser Not rief Er zum Herrn und wurde erhört. Er musste zwar durch den Tod gehen, aber Gott sorgte für eine würdige Grablegung, so dass der Körper des Herrn in Sicherheit ruhen konnte (Vers 2).

Jesus Christus durfte mit der göttlichen Hilfe rechnen, weil Er immer mit der Heiligkeit und Gnade Gottes übereinstimmte (Vers 3).

  • Er war in seinem Leben das vollkommene Speisopfer. Er tat nie eine Sünde und lebte in ganzer Hingabe an Gott.
  • Am Kreuz gab der Herr Jesus als das wahre Brandopfer sein Leben, um Gott unendlich zu verherrlichen.

Darum rettete Gott Ihn aus dem Tod, indem Er Ihn nach drei Tagen zum Leben auferweckte. Er nahm seinen Gesalbten in den Himmel auf und setzte Ihn zu seiner Rechten. Freuen wir uns mit Ihm über diese Ehre?

Die Leute, die ohne Gott leben, stützen sich in Notsituationen auf menschliche Hilfsmittel. Sie zählen auf ihre eigenen Möglichkeiten – und werden über kurz oder lang scheitern. Aber die Gläubigen, die ihr Leben mit Gott führen, handeln anders. Weil sie gesehen haben, wie Er seinen Christus erhört und errettet hat, rechnen sie mit seiner Unterstützung – und werden nicht beschämt. In Jeremia 17,5-8 wird dieser doppelte Grundsatz bestätigt: Wer auf Menschen vertraut, hat kein Gelingen. Wer sich jedoch auf den Herrn verlässt, ist reich gesegnet.

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Gott verherrlicht seinen Christus

Dieser Psalm beschreibt die Herrlichkeit des Herrn Jesus – und zwar aus dem Blickwinkel des Volkes Israel:

  • Gott hat seine Macht entfaltet, um seinen Christus aufzuerwecken. Dadurch hat Er Ihn aus dem Tod errettet (Vers 2).
  • Gott ist Ihm mit Segnungen entgegengekommen und hat Ihn zum König über Israel bestimmt (Vers 4). Wenn Er zum zweiten Mal zu seinem Volk kommen wird, wird Ihn ein gläubiger Überrest annehmen.
  • Gott hat den Herrn Jesus erhört: Er ist auferweckt worden, um ewig zu leben (Vers 5). Auf seine Bitte: «Nimm mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage!», hat Er zur Antwort bekommen: «Von Geschlecht zu Geschlecht sind deine Jahre» (Psalm 102,25).
  • Gott hat Ihn mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt. Bald wird seine Majestät und Pracht vor aller Welt sichtbar werden (Vers 6).
  • Gott hat seinen Christus zum Vermittler seines Segens gemacht (Vers 7). Unter seiner Regierung werden alle Völker der Erde gesegnet sein (1. Mose 22,18).

Der Grund, warum sich die Bitten und Wünsche des Herrn Jesus erfüllen, ist sein vollkommenes Gottvertrauen.

Wenn Christus als König der Könige auf der Erde erscheinen wird, wird sein gerechter Zorn alle Feinde treffen (Verse 9-13). Obwohl sie mit riesigen Heeren gegen Ihn antreten werden, werden sie nichts gegen Ihn vermögen (Offenbarung 19,19-21). Keiner, der sich Ihm widersetzt, wird der Strafe entgehen. Die Glaubenden aus Israel werden sich über seinen Sieg freuen und den Herrn dafür loben (Vers 14).

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Leiden im Verlassensein von Gott

Dieser Psalm spricht prophetisch vom Herrn Jesus. Das Hauptthema sind seine tiefen Leiden in den drei Stunden der Finsternis (Matthäus 27,45-46). Weil Gott zu rein ist, um Böses zu sehen, musste Er sich vom Heiland abwenden, als Dieser die Strafe für unsere Sünden trug und zur Sünde gemacht wurde.

In seiner Not rief Jesus: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» Wie furchtbar war es für Ihn, der sein ganzes Leben mit Gott geführt hatte, nun von Ihm verlassen zu sein! Dennoch hielt Er in tiefem Vertrauen an seinem Gott fest. Er rechtfertigte sogar Gottes Handeln mit den Worten: «Doch du bist heilig.» Er wusste, dass die göttliche Heiligkeit dieses furchtbare Gericht forderte, damit sündige Menschen begnadigt werden können.

Die Glaubensmänner im Alten Testament setzten ihr Vertrauen auf Gott. In Notsituationen riefen sie zu Ihm und wurden erhört. Aber der Herr Jesus, der wie kein anderer vollkommen auf seinen Gott vertraute, bekam keine Antwort. Er erlebte etwas, was es noch nie gegeben hatte und nie wieder geben wird: Der Gerechte wurde von Gott verlassen!

Er litt auch unter dem Hohn und der Verachtung der Menschen. Sie verspotteten sein Gottvertrauen, weil der Allmächtige nicht eingriff und Ihn vom Kreuzestod rettete. Trotzdem blieb Er seinem Gott treu, dem Er von Jugend an völlig vertraut hatte. Als alles gegen Ihn war und die Wellen des göttlichen Gerichts über Ihn hingingen, sagte Er mit tiefster Überzeugung: «Du bist mein Gott.»

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Leiden von den Menschen

Was der Heiland am Kreuz vonseiten der Menschen erduldete, bringt Er prophetisch in den Versen 12-19 zum Ausdruck:

  • Er vergleicht die jüdische Führungsschicht mit starken Stieren. Sie hatten ihre Macht und ihren Einfluss benutzt, um Ihn zum Tod zu bringen. Nun standen diese vornehmen Männer beim Kreuz und öffneten ihren Mund, um den Herrn Jesus zu verspotten (Matthäus 27,41-43).
  • Der Heiland spricht auch über seine körperlichen Leiden. Seine Gebeine zertrennten sich, sein Herz war einer erheblichen Belastung ausgesetzt und starker Durst quälte Ihn. In all diesen Schmerzen wusste Er, dass Gott Ihn in den Staub des Todes legte. Er war bereit, am Kreuz zu sterben, weil es Gottes Wille war.
  • Die grausamen römischen Soldaten nennt Er Hunde. Sie trieben die Nägel durch seine Hände und seine Füsse, um Ihn am Kreuz zu befestigen (Lukas 23,33). Sie nahmen Ihm auch die Kleider weg und verteilten sie unter sich (Johannes 19,23-24). Als Christus am Kreuz hing, war Er dem Blick der Schaulustigen ausgesetzt. Welche Schmach!

Der Heiland rief zu Gott um Hilfe. Doch Er wurde nicht erhört: Das Schwert Gottes wandte sich gegen Ihn und strafte Ihn für fremde Schuld. Satan begegnete Ihm mit seiner ganzen Macht wie ein brüllender Löwe.

Erst als die drei Stunden der Finsternis vorüber waren und der Herr Jesus im Begriff stand, sein Leben zu lassen, war die Gemeinschaft mit Gott wieder da. Nun konnte Er sagen: «Du hast mich erhört von den Hörnern der Büffel.»

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Segen aus den sühnenden Leiden

Auf die sühnenden Leiden des Herrn Jesus folgt der göttliche Segen für die Menschen. Sein Werk am Kreuz bringt herrliche Resultate hervor:

  • Der erste Kreis von Glaubenden, die in den Genuss dieses Segens kommen, sind die Jünger, die dem Herrn Jesus nachgefolgt sind (Verse 23-25). Sie werden auf der Erde in die Beziehung zu Gott, dem Vater, gebracht (Johannes 20,17). In ihrer Mitte stimmt Christus das Lob zur Ehre Gottes an. Alle, die in der Zeit der Gnade an den Heiland glauben, gehören auch zu dieser Gruppe.
  • Der zweite Kreis von Menschen, die aufgrund des Erlösungswerks von Gott gesegnet werden, sind die Glaubenden aus dem Volk Israel in der Zukunft (Verse 26-27). Sie bilden die grosse Versammlung, die sich um Christus, ihren König, vereinen wird. Auch sie öffnen ihren Mund zum Lob Gottes.
  • Der dritte Kreis umfasst alle glaubenden Menschen aus den Nationen, die ins Tausendjährige Reich eingehen werden (Verse 28-30). Auch für sie gilt das Erlösungswerk von Golgatha. Unter der Herrschaft des Herrn Jesus werden sie auf der Erde einen bis dahin nie gekannten Frieden geniessen.
  • Der vierte Kreis betrifft die Menschen, die im Friedensreich geboren werden und an den Herrn Jesus glauben (Verse 31-32). Sie gehören ebenfalls zur Frucht seiner Leiden.

Der Psalm endet mit den Worten: «Dass er es getan hat.» Das Werk, das der Heiland am Kreuz vollbracht hat, wird die Herzen der Glaubenden immer wieder neu berühren und der Grund ihrer ewigen Anbetung sein.

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Die Fürsorge des Hirten

Der 23. Psalm knüpft an Psalm 22 an. Weil der gute Hirte am Kreuz gelitten hat und gestorben ist, kann jeder, der an Ihn glaubt, sagen: «Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.» Wie wahr diese Aussage ist, zeigen die weiteren Verse. Sie beschreiben die unermüdliche und vielseitige Fürsorge des Hirten, die wir täglich erfahren.

  • Er lagert uns auf grünen Auen, um uns in seiner Gemeinschaft Momente der Ruhe zu schenken.
  • Er stillt den Durst der Seele, indem Er uns zeigt, wie gross und herrlich Er ist.
  • Durch sein Wort schenkt Er uns innere Erfrischung. Wenn wir gesündigt haben, stellt Er uns wieder her.
  • Er leitet uns auf einem Weg, der mit Gott und seinem Wort übereinstimmt.
  • In Notsituationen ist Er uns ganz nahe. Weil Er uns beisteht, brauchen wir uns nicht zu fürchten.
  • Mit dem Stecken schützt Er uns vor den Angriffen des Feindes und mit dem Stab bewahrt Er uns vor einem Fehltritt oder einem verkehrten Weg.
  • Der Tisch, den der Hirte für uns bereit macht, spricht von der geistlichen Nahrung, die Er uns aus dem Wort Gottes zur Stärkung unseres Glaubens gibt.
  • Die Salbung mit Öl weist auf den Segen des Heiligen Geistes hin, der in uns wohnt und uns eine Freude gibt, die den Becher überfliessen lässt.
  • Jeden Tag können wir mit der Güte und Gnade des Herrn rechnen (Johannes 1,16).
  • Vor uns liegt ein herrliches Ziel. Wir werden ewig im Haus des Vaters sein (Johannes 14,2-3).

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Der König der Herrlichkeit

Wie David ist der Herr Jesus nicht nur Hirte (Psalm 23), sondern auch König (Psalm 24). Alles, was auf der Erde ist, gehört Ihm, weil Er der Schöpfer ist. Im Tausendjährigen Reich wird Er diesen Besitz- und Herrschaftsanspruch geltend machen.

Nun stellt sich die Frage: Wer wird bei seinem Kommen in Macht und Herrlichkeit vor Ihm bestehen können? Es sind die Menschen, die an Gott glauben und sich deshalb so verhalten, wie es Ihn ehrt (Vers 4). Sie werden am göttlichen Segen im Reich des Herrn teilhaben, weil sie ihr Leben auf Gott ausrichten und das Wohl des Volkes Israel suchen (Vers 6). – Daraus können wir etwas für uns lernen: Wenn wir das tun, was dem Herrn Jesus gefällt, und uns für das Wohl unserer Mitchristen einsetzen, wird Gott uns segnen.

Der höchste Segen im Friedensreich wird darin bestehen, dass der Herr selbst durch die Tore Jerusalems eintreten wird. Es ist Christus, der Sohn Gottes, der dort als König der Herrlichkeit seine gerechte Regierung ausüben wird.

Vor ungefähr 2000 Jahren ist Er auf einem Esel reitend in die Stadt Jerusalem eingezogen. Doch die Menschen wollten Ihn nicht annehmen. Sie riefen einige Tage später Pilatus zu: «Kreuzige ihn!» In der Zukunft wird es anders sein. Ein gläubiger Überrest aus Israel wird die Tore Jerusalems bereitwillig für Christus öffnen und Ihn mit Freuden als König aufnehmen.

Seine Macht und Autorität wird so gross sein, dass Er alle seine Feinde schlagen wird. Jeder wird Ihn als Weltenherrscher anerkennen müssen.

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Auf die Führung Gottes vertrauen

Dieser Psalm bringt die Empfindungen der Gläubigen aus Israel in der zukünftigen Drangsalszeit zum Ausdruck. Sie vertrauen auf Gott und möchten sich von Ihm leiten lassen. Das tiefe Bewusstsein ihrer Sünden bringt sie dazu, darüber Buße zu tun und sich ganz auf die göttliche Gnade zu stützen.

Wir finden in diesem Psalm auch manche Belehrung und Ermutigung für uns. Wenn wir in den Schwierigkeiten beim Herrn Hilfe suchen und das Vertrauen auf Ihn setzen, werden wir nie enttäuscht. Wir stehen dann in Verbindung mit dem grossen, allmächtigen Gott, der jedes Problem lösen und jedes Hindernis aus dem Weg räumen kann.

Auf das Gottvertrauen folgt der Wunsch, den Weg des Herrn zu wissen, damit wir im Glauben mit Ihm vorangehen können. Je genauer wir die Wahrheit im Wort Gottes kennen, desto besser können wir in Übereinstimmung mit unserem Herrn leben.

Für diesen Weg sind wir jeden Tag auf die Güte und das Erbarmen Gottes angewiesen. Wenn es auf uns ankäme, könnten wir keinen Schritt zur Ehre des Herrn gehen. Wie oft haben wir schon eigenwillige und verkehrte Wege eingeschlagen! Trotzdem hat Gott uns nicht aufgegeben. In seiner Gnade hat Er uns zur Umkehr und zum Bekenntnis unserer Sünden gebracht. Damit wir nun den richtigen Weg gehen können, unterweist Er uns in der Gerechtigkeit.

Das Handeln Gottes mit uns ist durch Güte und Wahrheit gekennzeichnet. Darum wollen wir sein Wort festhalten und dem Herrn von Herzen gehorchen.

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Der HERR bewahrt den Gottesfürchtigen

Ehrfurcht vor Gott ist ein Merkmal, das zu jeder Zeit seine Anerkennung findet. Wer gottesfürchtig lebt, ist sich seiner Verantwortung gegenüber Gott bewusst. Darum möchte er nichts tun, was Ihm missfällt. Zwei Verheissungen werden ihm gegeben:

  1. Der Herr wird ihm einen Weg zeigen, auf dem er von der Welt bewahrt bleibt und zur Ehre Gottes leben kann (Vers 12).
  2. Der Herr teilt dem Gottesfürchtigen seine Gedanken und Pläne mit (Vers 14). Ein schönes Beispiel dafür ist Abraham (1. Mose 18,17).

Solange wir unsere Augen auf Gott richten und Ihm vertrauen, werden wir auf dem Glaubensweg trotz Gefahren sichere Schritte tun können (Vers 15).

Ab Vers 16 hören wir, wie die Glaubenden aus Israel in der Zukunft zum Herrn beten. Sie besitzen keine Heilssicherheit, hoffen aber auf die Gnade Gottes. Die Bedrängnis von aussen führt sie dazu, ihre Sünden zu erkennen und Gott um Vergebung anzurufen. Wir sehen hier deutlich, wie der Herr den Druck der Umstände dazu benutzt, um ein Werk der Wiederherstellung in ihren Herzen zu vollbringen.

Sie sind von vielen Feinden umgeben: Die ungläubigen Juden unter der Führung des Antichristen verfolgen sie. Die Nachbarvölker bedrängen sie und der König des Nordens bereitet eine Invasion gegen Israel vor. In dieser Situation, die menschlich aussichtslos ist, nehmen sie Zuflucht zu Gott. Mit offenen und ehrlichen Herzen rufen sie Ihn um Bewahrung und Rettung an.

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Ein gutes Gewissen vor Gott

Das Thema dieses Psalms ist die Aufrichtigkeit des Glaubenden vor Gott. Er möchte ein gutes Gewissen vor dem Herrn haben und Ihm vertrauen. Die Beurteilung seiner Beweggründe überlässt er Gott, indem er sagt: «Läutere meine Nieren und mein Herz!»

Von David, der diesen Psalm gedichtet hat, konnte der Herr sagen, dass er aufrichtig und lauter war (Psalm 78,72; 1. Könige 9,4). Aber nur Jesus Christus war vollkommen aufrichtig. In seinem Inneren war nichts da, was Gott hätte verurteilen müssen (Psalm 17,3).

Die Verse 3-5 zeigen, warum der Glaubende sich von Gott prüfen lassen möchte:

  1. Er ist sich bewusst, dass der Herr ihn nach seiner Güte beurteilen wird.
  2. Er lebt nach der göttlichen Wahrheit, darum muss er sich nichts Verkehrtes vorwerfen.
  3. Er sondert sich von der gottlosen Welt ab und sieht das Böse so, wie Gott es beurteilt.

Nachdem der Gläubige sich selbst geprüft und – wenn nötig – gereinigt hat, kann er mit der richtigen Haltung in die Gegenwart Gottes treten (Vers 6). Dort umgeht er den Altar und betrachtet das Opfer von allen Seiten. Die Folge davon ist, dass er seinen Gott lobt. – So wird auch uns die Beschäftigung mit der Person und dem Werk des Herrn Jesus zur Anbetung führen.

Das Herz der gläubigen Israeliten schlägt für den Tempel, weil Gott seine Herrlichkeit dort offenbart. – Lieben wir den Ort, wo der Herr Jesus in der Mitte der Seinen ist und ihnen zeigt, wie herrlich Er ist?

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Im Haus des HERRN wohnen

David zeigt uns hier, dass echtes Gottvertrauen die Furcht aus dem Herzen nimmt. Das Geheimnis seines unerschütterlichen Glaubens ist einfach: Er blickt zuerst auf seinen Gott und erst dann auf seine Lebenssituation.

Er weiss, dass der Herr sein Licht, seine Errettung und seine Kraft ist. Von seinem Gott kann er jede Hilfe und Unterstützung erwarten. Darum fürchtet er sich nicht vor feindlichen Menschen, die ihm etwas Böses antun wollen. Er glaubt, dass Gott stärker ist als die Macht der Welt und ihn zu bewahren vermag.

Mit diesem tiefen Gottvertrauen ist der sehnliche Wunsch verknüpft, in der Gegenwart des Herrn zu sein. Als Folge davon hat der Erlöste die Bitte und das Streben nach Gemeinschaft mit seinem Gott:

  • Er möchte jeden Tag bei Gott wohnen, um ständig mit Ihm Gemeinschaft zu pflegen.
  • Zudem hat er den Wunsch, in der Gegenwart Gottes die Herrlichkeit des Herrn Jesus zu betrachten, der das Bild des unsichtbaren Gottes ist.
  • Schliesslich strebt er danach, den Willen und die Gedanken Gottes zu erforschen.

Wenn wir die Gegenwart Gottes aufsuchen und Ihm vertrauen, macht Er drei Verheissungen wahr:

  1. Die «Hütte am Tag des Unglücks» spricht vom Schutz, den Gott uns bietet.
  2. Das «Verborgene seines Zeltes» weist auf den Frieden hin, den wir beim Herrn finden.
  3. Der «Fels» ist ein Symbol für die Sicherheit, die Gott uns mitten in den Lebensstürmen verleiht.

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Auf den HERRN harren

David ruft in seiner Notsituation zum Herrn. Dabei stützt er sich auf die göttliche Aussage: «Sucht mein Angesicht!» Solche Aufforderungen zum Gebet finden wir sowohl im Alten als auch im Neuen Testament (Psalm 50,15; Philipper 4,6).

David weiss: Der heilige Gott, den er um Hilfe anruft, verurteilt das Böse. Aber er vertraut darauf, dass die Gnade des Herrn grösser ist als sein Versagen. Seitdem der Herr Jesus am Kreuz das Erlösungswerk vollbracht hat, besitzt der Glaubende Heilssicherheit. Er steht in der Gunst Gottes und weiss sich von Ihm angenommen (Römer 5,2; 8,31).

Die Bitten, die David hier äussert, zeugen von seinem Vertrauen auf Gott. Wenn er betet: «Lass mich nicht und verlass mich nicht», so ist er gleichzeitig überzeugt, dass der Herr treu ist und ihn nie im Stich lassen wird. Sogar im Fall, dass ihm kein Mensch mehr zur Seite stehen würde, rechnet er fest damit, von Gott aufgenommen zu werden.

In Vers 11 bittet David den Herrn um seine Führung, damit er in Übereinstimmung mit Ihm den rechten Weg gehen kann, so dass seine Feinde keinen berechtigten Anklagegrund gegen ihn finden können.

Die Hoffnung Davids bezieht sich auf ein gutes Leben unter dem göttlichen Segen im Land Israel. Wir Christen warten auf das Kommen des Herrn zur Entrückung, um ewig bei Ihm in der himmlischen Herrlichkeit zu sein. In der Wartezeit wollen wir wie David jeden Tag mit der Hilfe des Herrn rechnen. Er gibt uns Kraft und Mut für den Glaubensweg.

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Gott hört auf den Hilferuf der Seinen

In der zukünftigen Gerichtszeit wird das Volk Israel von seinen Feinden stark bedrängt sein. Diese äussere Drangsal wird den gläubigen Überrest läutern und die gottlose Masse des Volkes ins Gericht bringen.

In unserem Psalm beten die Glaubenden, die sich in dieser unsagbaren Not befinden, zum Herrn. Sie sind sich bewusst: Wenn Er nicht eingreift, werden sie sterben. Darum flehen und rufen sie zu Ihm.

Sie bitten Gott, dass Er im Gericht einen Unterschied zwischen dem Gerechten und dem Ungerechten macht. Das wird tatsächlich so sein:

  • Die Gläubigen, die ihre Hoffnung auf Gott setzen, werden durch die Drangsal für den Messias und das Reich Gottes bereit gemacht.
  • Die Ungläubigen hingegen, die dem Antichristen folgen, werden in dieser Gerichtszeit ihre gerechte Strafe bekommen.

Das Gericht wird die Gottlosen aus zwei Gründen treffen: einerseits wegen ihrer Bosheit (Vers 4) und anderseits, weil sie das Werk Gottes zur Rettung seines Volkes missachten (Vers 5).

Ab Vers 6 dankt der gläubige Überrest seinem Gott für die Erhörung der Gebete. Sein Herz ist voll Vertrauen und Dankbarkeit. – Auch wir haben schon erfahren, wie der Herr uns in Notsituationen einen Ausweg aus der Schwierigkeit geschaffen hat. Haben wir Ihm von Herzen dafür gedankt?

In Vers 9 blicken die Treuen aus Israel in die Zukunft und erbitten vom Herrn einen ewigen Segen für das ganze Volk.

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Die Stimme Gottes

Dieser Psalm beginnt mit einer Aufforderung an die Grossen und Mächtigen der Welt, die Autorität des Herrn anzuerkennen. Anstatt die eigene Ehre zu suchen, sollen sie den Herrn und seine Herrlichkeit bewundern.

Ab Vers 3 teilt uns der Psalmdichter mit, wie Gott seine Allmacht und Herrlichkeit zeigt.

In der Natur offenbart Er seine Macht durch Sturm, Regen und Gewitter. Wie verheerend kann ein Unwetter sein! Es entwurzelt Bäume, zerstört Häuser, überflutet ganze Landstriche. Auch Vulkanausbrüche oder Waldbrände bezeugen, wie mächtig Gott ist. Das Erschüttern der Wüste lässt uns an ein Erdbeben denken, das ebenfalls die Stärke des Herrn erkennen lässt.

Alle diese Naturgewalten stehen symbolisch für das Gericht Gottes in der Zukunft. Es wird wie eine Flut über die Erde hereinbrechen und wie ein Sturm alle Stolzen und Hochmütigen erniedrigen (Jesaja 2,12-17). Das prüfende Feuer Gottes wird die gottlose Welt richten. Alle Völker der Erde werden erschüttert werden (Haggai 2,6-7). Die Geburtswehen der Hirschkühe weisen darauf hin, dass in dieser Zeit ein gläubiger Überrest aus Israel gebildet wird (Jesaja 66,7-9).

Es gibt einen Ort, wo die Herrlichkeit des Herrn in besonderer Weise gesehen, verstanden und bewundert wird: in seinem Tempel! Heute ist die Versammlung der Wohnort Gottes auf der Erde. Dort offenbart Er sich in seinem Sohn, dort beten Ihn die Erlösten an.

Der Psalm endet mit einer Ermutigung: Der Herr, der über allem steht, wird sein Volk in den Segen des Tausendjährigen Reichs bringen.

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Lob für Gottes Hilfe

Dieser Psalm spricht prophetisch von der zukünftigen Drangsalszeit. Er hat zwei Teile: In den Versen 1-6 loben die Glaubenden aus Israel den Herrn, weil sie seine Errettung erfahren haben. Die Verse 7-13 beschreiben ihre Erfahrungen in der Drangsalszeit.

Sie werden von ihren Feinden bedrängt und befinden sich in höchster Lebensgefahr. Doch der Herr rettet sie zur rechten Zeit vor dem Tod und bringt sie in Sicherheit. Darum preisen sie seinen Namen.

Im Rückblick auf die Rettung erkennen sie, dass ihre Bedrängnis, die sie an den Rand des Todes gebracht hat, eine Erziehungsmassnahme Gottes gewesen ist. Verglichen mit der tausendjährigen Segenszeit haben sie nur eine kurze Zeit gelitten und geweint. Mit dem Kommen des Herrn in Herrlichkeit bricht für sie ein Morgen ohne Wolken an (2. Samuel 23,3-4).

Die Erfahrung in den Versen 7-9 haben wir bestimmt auch schon gemacht: Wir befanden uns in einer guten Lebenssituation und meinten deshalb, wir seien stark im Glauben. Als Gott es jedoch zuliess, dass sich die Umstände verschlechterten, verschwand unsere Zuversicht. Wir waren bestürzt, bis wir zum Herrn flehten und unser Vertrauen ganz auf Ihn setzten.

Der zukünftige Überrest aus Israel besitzt eine irdische Hoffnung. Darum fragt er, als er sich in Lebensgefahr befindet: Was nützt es, wenn ich sterbe? Wie kann ein Toter den Herrn loben und von Ihm zeugen?

In seiner Not ruft er zu Gott und erfährt seine Rettung. So verwandelt sich seine Wehklage in Jubel und Freude. Seinen Gott will er ewig preisen.

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Gott ist unsere Zuflucht

Der Anfang dieses Psalms enthält allgemeine Grundsätze, die für die Glaubenden zu allen Zeiten wahr sind. In den Schwierigkeiten und Nöten, die sie erleben, nehmen sie im Gebet Zuflucht zu Gott. Er ist für sie wie ein unerschütterlicher Felsen mitten in der Brandung des Zeitgeschehens. Bei Ihm finden sie Schutz und Geborgenheit.

Die Erlösten haben auch mit Feinden zu tun, die sie zu Fall bringen möchten. Der Teufel möchte sie zur Sünde verleiten, die Welt versucht sie vom Herrn abzuziehen. Aber Gott kann sie bewahren. Darum legt der Gläubige, der auf Ihn vertraut, sein Leben bewusst in die Hand Gottes.

Vers 6 lässt uns auch an den Herrn Jesus denken, der am Kreuz betete: «Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist!» (Lukas 23,46). In tiefem Vertrauen und innerem Frieden legte Er sein Leben in die Hände des Vaters.

Die Glaubenden freuen sich über die Güte Gottes, die sich in ihrem Leben in zweifacher Hinsicht zeigt:

  1. In seiner Gnade nimmt Gott Kenntnis von der Not, in der sich die Seinen befinden. Er weiss genau, welche Schwierigkeiten sie durchmachen müssen (Vers 8).
  2. In seiner Gnade rettet der Herr die Seinen von ihren Feinden und verschafft ihnen Freiraum, so dass sie ihren Glauben leben können (Vers 9).

Die Verse 10-14 beschreiben eine äusserst notvolle Situation. Einzelne Aussagen treffen auch auf den Herrn Jesus zu: Die Menschen verhöhnten und ignorierten Ihn. Seine Feinde überlegten, wie sie Ihn töten könnten.

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Mit Gottvertrauen beten

Der Gottesfürchtige befindet sich in grosser Not und wird von den Menschen im Stich gelassen. Da setzt er sein ganzes Vertrauen auf den Herrn, zu dem er eine persönliche Beziehung hat. Dieses starke Gottvertrauen beruht auf der Überzeugung, dass die Zeiten und Geschicke des Erlösten in der Hand Gottes liegen. In seinem Leben geschieht nichts, was der Herr nicht zulässt.

Nie beschämt Gott das Vertrauen derer, die zu Ihm rufen (Vers 18; Psalm 34,16.18). Er erhört zwar ihre Gebete nicht immer so, wie sie es denken, aber Er hilft und rettet zur rechten Zeit.

Ab Vers 20 bewundert David die Güte des Herrn, die er in den Schwierigkeiten erfahren hat:

  • Gottesfurcht im Leben und Gottvertrauen im Gebet sind Voraussetzungen, damit wir in den Genuss dieser Güte kommen.
  • Die Gnade Gottes zeigt sich darin, dass Er uns bei sich vor dem Widerstand und den Verleumdungen gottloser Menschen bewahrt.
  • Obwohl unser Glaube manchmal ins Wanken gerät, bleibt Gottes Güte bestehen. Er lässt uns nicht im Stich und hört auch unser kleingläubiges Rufen.

Aufgrund seiner Erfahrungen mit dem Herrn empfiehlt uns David, auf Gott zu vertrauen und auf seine Rettung zu warten. Er weiss, dass der Herr unsere Gottesfurcht und unsere Treue zu seinem Wort belohnt. Darum spornt er uns an, in den Schwierigkeiten auszuharren. Auch wenn sich die Situation nicht so schnell ändert, sollen wir stark im Glauben sein und immer wieder neuen Mut fassen.

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Die Vergebung Gottes

Dieser Psalm spricht von der Vergebung, die wir als Gläubige, die gesündigt haben, auf das Bekenntnis unserer Sünden hin erfahren. Er beginnt mit dem Segen, der für uns daraus hervorkommt: Wenn Gott uns die Sünden vergibt, kommt Er nie mehr darauf zurück. Seine Vergebung bewirkt in uns echte Wahrheitsliebe, so dass wir unsere Sünden nicht entschuldigen, sondern ehrlich zu ihnen stehen.

Die Verse 3-5 beschreiben den Zustand zwischen dem Fehltritt und dem Bekenntnis. Oft versuchen wir wie David, die begangene Sünde zu verschweigen. Aber solange wir kein aufrichtiges Bekenntnis vor Gott und – wenn nötig – vor Menschen ablegen, finden wir keine innere Ruhe. Der Herr muss sich gegen uns stellen, bis wir unsere Übertretung aufdecken und bekennen.

Die Gnade, die Gott uns durch seine Vergebung schenkt, bringt uns innerlich näher zu Ihm. Wir suchen seine Gemeinschaft und möchten in Abhängigkeit von Ihm leben. Darum beten wir zu Ihm und suchen in den Stürmen des Lebens Hilfe und Schutz bei Ihm. – In Vers 8 gibt Gott uns ein Versprechen: Er will uns den Weg zeigen, auf dem wir in einer gefahrvollen Welt vor Fehltritten bewahrt werden. Um dieses Ziel mit uns zu erreichen, unterweist Er uns durch sein Wort und leitet uns mit seinen Augen, d.h. in einer lebendigen Glaubensbeziehung zu Ihm. Wenn wir nicht mit Ihm leben, leitet Er uns durch die Umstände (Vers 9). – Der Glaubende, der seine Sünden bekennt und sich von Gott führen lässt, erfährt die Güte des Herrn. Aber der Gottlose, der keine Vergebung besitzt, hat eine schreckliche Zukunft vor sich (Vers 10).

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Die Allmacht des Schöpfers

Dieser Psalm beschreibt, was der Herr ist und was der Herr tut – in der Schöpfung, in seiner Regierung über die Welt und in seinem Handeln mit den Glaubenden.

Die Erlösten haben allen Grund, sich in Gott zu freuen und Ihm ein Loblied zu singen, weil sie die Vergebung der Sünden besitzen (Psalm 32) und die Rettung des Herrn erfahren (Psalm 33). In der Zukunft singen die Erlösten sowohl im Himmel als auch auf der Erde ein neues Lied zur Ehre Gottes (Offenbarung 5,9; 14,3).

Das Wort des Herrn ist zuverlässig und gerecht, wir können uns vertrauensvoll darauf stützen. Sein Werk geschieht in Gerechtigkeit und Güte, das macht uns innerlich ruhig.

  • Die Verse 6-9 zeigen die Macht des Wortes Gottes in der Erschaffung von Himmel und Erde. Ein Hauch seines Mundes genügte, um die vielen für uns unzählbaren Sterne ins Dasein zu rufen. In seiner Allmacht setzte Er dem Meer eine Schranke (1. Mose 1,9-10). Durch sein Wort entstand die Schöpfung. Wenn wir durch Glauben verstehen, dass der allmächtige Gott alles erschaffen hat (Hebräer 11,3), stehen wir in tiefer Ehrfurcht vor Ihm still und anerkennen seine Autorität über uns.
  • Der Herr regiert die Welt (Verse 10-12). Er tritt den Plänen der Menschen entgegen und bringt seinen Vorsatz zur Ausführung. In der zukünftigen Gerichtszeit wird dies für alle sichtbar werden. Christus wird öffentlich erscheinen, um die Gottlosen zu bestrafen und das erwählte Volk Israel zu segnen.

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Der HERR hat den Überblick

Gott überblickt das ganze Weltgeschehen. Er sieht alle Menschen und weiss, was jeder tut, spricht und denkt. In seiner Vorsehung lenkt Er die Geschicke auf der Erde, indem Er die Pläne in den Herzen der Menschen benutzt, um seinen eigenen Vorsatz auszuführen. Dennoch bleibt die menschliche Verantwortung bestehen. Gott achtet «auf alle ihre Werke» und wird sie dafür einmal zur Rechenschaft ziehen (Prediger 12,14).

Die Menschen, die ohne Gott leben, stützen sich auf ihre eigene Kraft und auf ihre eigenen Möglichkeiten. Doch das ist trügerisch. Wie schnell kann in der Welt Macht, Ansehen und Reichtum verloren gehen. Das wird in der Zukunft besonders deutlich sichtbar werden: Wenn der Herr zur Rettung seines geliebten Volkes mit Gericht eingreifen wird, wird keine Armee vor Ihm bestehen können.

Darum ist es für uns viel besser, unser Vertrauen auf Gott zu setzen. Er hat ein besonderes Interesse an allen, die Ehrfurcht vor Ihm haben und auf seine Hilfe warten. Er wird sie bewahren und am Leben erhalten. Ein schönes Beispiel dafür ist die Frau von Sunem (2. Könige 8,1).

Die Beweise seiner Allmacht und Güte stärken unseren Glauben an Gott. Dann erwarten wir in notvollen Situationen alle Hilfe von Ihm. Bis Er eingreift, wissen wir, dass Er uns beisteht und bewahrt. Wenn der Herr zur Entrückung wiederkommt, wird die göttliche Errettung für uns zum Abschluss kommen. Im Rückblick wird eine tiefe Freude unser Herz erfüllen, weil Gott uns geholfen und unser Vertrauen belohnt hat.

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Lobt den HERRN für seine Rettung!

Es ist nicht schwer, Gott zu loben, wenn in unserem Leben alles nach Wunsch verläuft. Doch der Glaube macht uns fähig, auch in schwierigen Situationen an seiner Güte festzuhalten und Ihm ein Loblied zu singen. Vergessen wir nicht: Durch eine beständige Dankbarkeit gegenüber Gott werden andere ermutigt, ebenfalls den Herrn zu loben. Als Folge davon können wir unseren Gott gemeinsam erheben.

Vers 5 spornt uns an, den Herrn zu suchen, um bei Ihm Hilfe für unsere Notsituation zu finden. Gott möchte uns die Angst wegnehmen und unser Vertrauen auf Ihn stärken. Aufgrund dieser Erfahrung richten wir unseren Blick auf den Herrn und erkennen, wer Er ist. Weil wir nun unsere widrigen Umstände im Licht der göttlichen Herrlichkeit sehen, fassen wir Mut und gehen mit neuer Zuversicht auf dem Glaubensweg weiter.

In Vers 7 geht es um die Rettung aus aller Not und Bedrängnis. Für uns Christen wird diese Verheissung mit der Entrückung wahr werden. Die Glaubenden aus dem Volk Israel werden diese vollständige Befreiung in der Zukunft erfahren, wenn der Herr in Macht und Herrlichkeit erscheint.

Solange die endgültige Errettung noch aussteht, können wir täglich die göttliche Bewahrung für uns in Anspruch nehmen. Die Erfahrungen, die wir dabei mit dem Herrn machen, veranlassen uns, andere zu ermutigen, ebenfalls auf seine Güte zu vertrauen und bei Ihm Zuflucht zu suchen (Vers 9). Junge Löwen können trotz ihrer Kraft Hunger haben, aber die Gläubigen, die mit Gott leben, bekommen von Ihm alles, was sie brauchen.

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Unterweisung in Gottesfurcht

Dieser Abschnitt legt das gerechte Handeln Gottes mit den Menschen in ihrem Leben auf der Erde dar. Man kann es wie folgt zusammenfassen: Wer gottesfürchtig und gerecht lebt, indem er z.B. ein Familienleben nach Gottes Gedanken führt, erfährt den göttlichen Segen in seiner Familie. Wer jedoch Böses tut, hat Gott gegen sich. Dieser doppelte Grundsatz ist für jeden Menschen zu allen Zeiten wahr. Dabei gilt es jedoch zu bedenken, dass der Gottesfürchtige manchmal wegen seines gerechten Verhaltens zu leiden hat, weil die Welt von Menschen regiert wird, die nicht nach Gott fragen.

Ein gottesfürchtiges und gerechtes Leben weist folgende Merkmale auf:

  • Wir hüten uns davor, etwas Böses zu sagen oder andere mit Worten zu täuschen.
  • Wir meiden das Böse und möchten das tun, was Gott gutheisst und den Menschen nützlich ist.
  • Wir versuchen mit allen Menschen in Frieden zu leben und sind bereit, uns dafür einzusetzen.

Vers 19 enthält eine Verheissung, die über den Segen in der Regierung Gottes hinausgeht: Wenn wir uns über unser persönliches Versagen und über den Niedergang im Volk Gottes demütigen, ist der Herr uns nahe und hilft uns.

Weil der Herr seine Regierung noch nicht öffentlich ausübt, erfahren die Gerechten manche Widerwärtigkeiten. Aber es gibt keine Schwierigkeit, in der Gott nicht über ihnen wacht und sie bewahrt.

Der Psalm schliesst mit dem Blick in die Zukunft: Das göttliche Gericht wird nur die Ungläubigen treffen, die Erlösten sind von der Strafe freigesprochen.

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Notschrei und Bitte um Rache

In diesem Psalm hören wir, wie die bedrängten Glaubenden aus Israel in der Zukunft zu Gott rufen. Sie bitten Ihn, dass Er ihre Feinde bestrafe, weil sie dadurch aus ihrer Not befreit werden. In der zukünftigen Drangsalszeit wird diese Bitte um eine gerechte Vergeltung der Bedränger Gott gemäss sein.

Der Herr Jesus rief nie für sich selbst das Gericht über seine Feinde herbei, obwohl Er ihrem Druck und ihrer Bosheit ausgesetzt war. Stattdessen bat Er um Gnade für die, die Ihn ans Kreuz schlugen (Lukas 23,34). Genauso sollen auch wir Christen in der Zeit der Gnade denken und handeln.

Vers 7 lässt sich auf Jesus Christus anwenden. Die Pharisäer versuchten Ihn in der Rede zu fangen und hofften, dass Er in ihre Falle tappen würde. Für diese Feindseligkeit gab es keine berechtigte Ursache.

Ab Vers 11 wird das Verhalten der Bedränger der Handlungsweise der Gläubigen gegenübergestellt:

  • Die Feinde des treuen Überrests aus Israel treten in den Gerichtsverhandlungen ungerecht gegen ihn auf. Sie vergelten ihm Böses für Gutes und freuen sich über seine Not. Sie verspotten und schmähen ihn. – Jesus Christus hat das Gleiche von der feindlichen Führungsschicht der Juden erfahren (Markus 14,55-59; Psalm 109,5; Matthäus 27,39-44).
  • Der Überrest hingegen trauert über die Not seiner Feinde und betet für sie. Ihre missliche Lage tut ihm aufrichtig leid. – Der Herr Jesus fordert auch uns zu diesem Verhalten gegenüber feindlichen Menschen auf (Matthäus 5,44; Römer 12,20).

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Ruf um Rettung und Bestrafung

Im Glauben werden die Treuen aus Israel in der zukünftigen Drangsalszeit zu Gott rufen: «Wie lange willst du zusehen?» Sie wissen, dass durch sein Eingreifen die göttlichen Pläne in Erfüllung gehen werden und ihre Befreiung kommen wird. Als Folge davon werden sie den Herrn für ihre Rettung loben.

Ab Vers 19 beschreibt der gläubige Überrest mit eindrucksvollen Worten die Bosheit seiner Feinde:

  • Sie zwinkern mit den Augen, weil sie etwas Böses gegen die Glaubenden im Sinn haben.
  • Sie wollen keinen Frieden, darum greifen sie die Friedfertigen an.
  • Lauthals rufen sie: «Haha!», und freuen sich über das Unglück der Treuen in Israel.

Auf diese Weise hat auch der Herr Jesus den Hass seiner Feinde erfahren.

Der Überrest weiss, dass Gott das böse Verhalten seiner Feinde sieht. Darum bittet er, dass der Herr zu dieser Bosheit nicht schweige, sondern im Gericht eingreife. Weil Gott gnädig ist und nicht den Tod des Sünders will, schweigt Er lange zum Bösen in der Welt und zur Unterdrückung der Gerechten. Aber in der zukünftigen Gerichtszeit wird Er sein Schweigen brechen und die Gottlosen bestrafen. Sein Gericht wird alle treffen, die sich gegen die gläubigen Juden und gegen Christus stellen werden.

Aber alle, die dem jüdischen Überrest wohlwollend gegenüber stehen und Christus anerkennen werden, werden sich über die Befreiung Israels freuen. Sie werden den Herrn loben, der alles zum Guten wenden wird.

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Gott ist gütig, der Mensch ist böse

Dieser Psalm beginnt mit der Beschreibung von gottlosen Menschen. Weil in ihren Herzen gar keine Gottesfurcht vorhanden ist, schrecken sie vor nichts zurück. Sie lieben es, Böses zu tun und andere mit Worten zu betrügen. Sie schmieden niederträchtige Pläne und führen sie skrupellos aus. – Lassen wir uns vor solchen Menschen warnen! Von ihnen können war nichts Gutes erwarten!

Gott wohnt im Himmel und steht über all dem Bösen in der Welt. Niemand kann seine Pläne vereiteln oder sein Handeln mit den Menschen verhindern. Seine Eigenschaften sind völlig verschieden von den Merkmalen der Gottlosen:

  • Der Herr handelt in Güte mit den Menschen. Die Glaubenden wissen: Er meint es immer gut mit ihnen.
  • Er bleibt sich selbst und seinem Wort treu. Niemals verändert Er sich. Was Er gesagt hat, führt Er auch aus.
  • Seine Gerechtigkeit steht so fest wie ein Berg. Mit den Menschen handelt Er immer gerecht, auch wenn wir es nicht verstehen können.

Zu diesem Gott können wir mitten in einer bösen Welt Zuflucht nehmen. In seiner Gegenwart erfahren wir einen Segen, der unseren Glauben stärkt und uns echt glücklich macht. Er ist der Ursprung des Lebens und des Lichts. Darum kann Er denen, die an Ihn glauben, neues Leben schenken und ihnen mitten in den Schwierigkeiten Licht für ihren Weg schenken. In seiner Güte und Gerechtigkeit wird Gott die Seinen ans Ziel bringen. Daran kann Ihn niemand hindern.

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Auf Gott warten

Solange der Herr nicht öffentlich auf der Erde regiert, machen die Gläubigen die Erfahrung, dass es den Ungläubigen äusserlich oft besser geht als ihnen. Das kann in ihren Herzen Zorn und Neid hervorrufen. Weil wir auch in dieser Gefahr stehen, wollen wir die Ermahnung im ersten Vers zu Herzen nehmen. Denken wir an das Ende derer, die ohne Gott leben. Wie furchtbar wird das Gericht sein, das sie treffen wird!

Anstatt auf die Ungläubigen neidisch zu sein, sollen wir in den Schwierigkeiten unser Vertrauen auf den Herrn setzen und weiter das Gute tun, das seine Anerkennung findet. Wenn wir Gott und seinem Wort treu bleiben, die Gemeinschaft mit Ihm pflegen und uns an Ihm freuen, befinden wir uns in einem guten geistlichen Zustand. Unsere Bitten entsprechen dann dem Willen Gottes, so dass Er sie erhören kann.

Was für eine Hilfsquelle besitzen wir doch im Gebet! Alles, was uns begegnet, können wir unserem Gott anbefehlen. Wenn wir vertrauensvoll auf seine Antwort warten, wird Er unseren Glauben belohnen und zu unseren Gunsten eingreifen.

Ab Vers 7 werden wir nochmals davor gewarnt, über gottlose Menschen, die Erfolg haben, zornig zu werden. Wenn wir diesen Zorn in uns nähren, anstatt ihn zu verurteilen, wird er uns zu weiteren Sünden verleiten (Jakobus 1,19-20). Die Zeit, in der die Gottlosen Gelingen haben und die Gottesfürchtigen leiden müssen, ist kurz. Aber das zukünftige Reich, in das nur Glaubende eingehen werden, wird 1000 Jahre dauern!

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Der Gottlose widersteht dem Gläubigen

Die Verse 12-15 beschreiben den Widerstand der Gottlosen gegen die Gläubigen. Warum gibt es diese Feindschaft seit Beginn der Menschheitsgeschichte, als Kain seinen Bruder Abel erschlug? Weil die Bosheit der Ungläubigen durch das gerechte Verhalten der Glaubenden verurteilt wird. Das ruft ihren Hass hervor.

Das Urteil von Vers 16 wollen wir uns zu Herzen nehmen: Es ist besser, wenig mit Gott zu besitzen, als ohne Gott reich zu sein (Lukas 12,16-21).

Wenn wir in einer bösen Welt gerecht leben, müssen wir manchmal Nachteile in Kauf nehmen. Aber wir besitzen die Zustimmung des Herrn, der uns in notvollen Situationen zu Hilfe kommt. Er wird unser Vertrauen auf Ihn nie beschämen.

Im Gegensatz zu den Gottlosen, die die Güte ihrer Mitmenschen zu ihrem Vorteil ausnutzen, sollen wir gnädig sein und den Not leidenden Menschen helfen (Vers 21). Gott wird uns und unsere Familie dafür segnen (Vers 26).

Ab Vers 23 finden wir, wie Gott uns hilft, wenn wir mit Ihm leben und sein Wort befolgen möchten:

  • Er führt uns durch die gefahrvolle Welt einen Weg, auf dem wir mit festem Schritt dem Ziel entgegengehen können.
  • Wenn wir in eine Prüfung fallen (Jakobus 1,2), wird der Herr unseren Glauben stützen, so dass wir nicht aufgeben (2. Korinther 4,9).
  • Er lässt uns nie im Stich. Wenn wir Ihm gefallen und gerecht leben möchten, wird Er seine segnende Hand nicht zurückziehen.

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Vom Bösen weichen und auf Gott harren

In Vers 27 gibt Gott den Seinen einen wichtigen Rat: «Weiche vom Bösen und tu Gutes!» Menschen, die gottlos leben und Böses tun, mögen kurzfristig Erfolg haben. Aber ihr Ende ist Gericht. Dem Gottesfürchtigen hingegen steht eine herrliche Zukunft bevor. Er mag in der Welt wegen seines gerechten Verhaltens Nachteile haben, aber der Herr wird ihn für sein Reich bewahren.

Wenn wir das Wort Gottes im Herzen bewahren, wird es sich auf unser Leben auswirken. Es hilft uns, bei Fragen eine weise Antwort zu geben und im Glauben sichere Schritte zu tun.

In Vers 34 bekommen wir einen weiteren Ratschlag: «Harre auf den Herrn und bewahre seinen Weg.» Wenn wir von der Welt bedrängt werden, sollen wir beharrlich auf Gott warten und gleichzeitig entschieden auf dem rechten Weg weitergehen.

Die Verse 35 und 36 beschreiben den Gottlosen, wie er äusserlich und für eine Zeit Erfolg hat. Er gleicht einer Pflanze, die wächst und zu einem grossen Baum wird. Doch das göttliche Gericht wird ihn treffen, so dass er plötzlich nicht mehr da ist. Darin kann man den Antichristen sehen, der die Gottlosigkeit in Person sein wird.

Die Verse 37-40 enthalten zwei Ermutigungen für jeden Glaubenden, der in einer gottlosen Welt dem Herrn gefallen möchte:

  • Für den, der ehrlich ist und den Frieden sucht, gibt es eine Zukunft.
  • Der Herr hilft dem Gerechten. Er gibt ihm Kraft zum Ausharren und rettet ihn aus seiner Not.

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Die erziehende Hand Gottes

Dieser Psalm schildert die Empfindungen der Glaubenden aus Israel in der Zukunft. Sie erleiden Drangsale und erkennen darin die erziehende Hand Gottes. Es ist ihnen bewusst, dass ihre Sünden die Ursache dafür sind. Darum beugen sie sich unter das Schwere, das sie trifft, und rechtfertigen das Handeln Gottes mit ihnen. Gleichzeitig setzen sie ihr Vertrauen auf Ihn und rufen Ihn um Erbarmen an.

Obwohl sie sich von Gott angenommen wissen, kennen sie doch die vollen Auswirkungen des Erlösungswerks nicht. Darum sprechen sie hier von einer Strafe für ihre Sünden. Erst wenn sie auf Christus blicken und die Wundmale des Kreuzes an Ihm erkennen, erfassen sie im Glauben, dass die Strafe zu ihrem Frieden auf Ihm lag (Jesaja 53,5).

Wir können aus diesem Psalm auch eine praktische Belehrung für uns nehmen: Wenn wir als Gläubige sündigen oder einen verkehrten Weg gehen, möchte Gott uns durch erziehende Massnahmen wieder zurechtbringen. Es kann sein, dass Er uns deswegen in eine körperliche oder seelische Not bringt, wie es die Verse 6-9 beschreiben, um uns zur Buße und zum Bekenntnis unserer Sünden zu bringen. Dabei gilt es allerdings zu bedenken, dass nicht jede Krankheit die direkte Folge einer Sünde ist.

In Vers 11 erkennen wir bildlich die geistlichen Folgen eines Fehltritts: Das Herz ist unruhig und das Gewissen klagt uns an, weil wir gesündigt haben. Zudem verlieren wir unsere Glaubenskraft und das geistliche Unterscheidungsvermögen.

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In der Anfechtung zu Gott rufen

Die Verse 12-15 beschreiben, was der treue Überrest aus Israel in der Zukunft von seinen ungläubigen Verwandten und seinen Feinden erfahren wird. Sie werden ihn in seiner Bedrängnis im Stich lassen. Einige werden ihm sogar nach dem Leben trachten. Wie verhält sich der gläubige Überrest in dieser Situation?

  • Er verschliesst seine Ohren vor den Worten seiner Feinde, die ihn verleumden.
  • Er schweigt zu den verkehrten Anschuldigungen und überlässt die Sache Gott.

So hat sich auch der Herr Jesus verhalten, als Er vor seinen Anklägern stand. Damit hat Er uns ein Beispiel hinterlassen (1. Petrus 2,21-23).

In seiner Not harrt der Überrest auf den Herrn und weiss, dass er von Ihm eine Antwort bekommen wird. Er erwartet von Gott die rechtzeitige Hilfe, damit er nicht fällt und die Feinde sich nicht über ihn freuen können.

In Vers 19 bekennt er Gott seine Sünden und bereut seine Fehltritte zutiefst. Gerade die Bedrängnis durch seine Feinde bewirkt diese Buße in seinem Herzen. Im Gegensatz zum Überrest sind die ungläubigen Juden unbekümmert über ihre eigenen Sünden. Sie zeigen sich stark und überlegen. Sie hassen die Glaubenden ohne Grund und vergelten ihnen Böses für Gutes. So sind sie schon mit Jesus Christus umgegangen (Johannes 15,25).

Dem treuen Überrest bleibt in dieser notvollen Situation nur eins: der Hilferuf zu Gott! Wenn der Herr in Macht und Herrlichkeit erscheinen wird, wird die Drangsal als göttliche Erziehungsmassnahme zu Ende und die Schuld abgetragen sein (Jesaja 40,2).

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Das Leben auf der Erde ist kurz

Die Verse 2-4 enthalten manche Hinweise für unser Verhalten in der Welt:

  • Geben wir acht auf den Weg, den wir gehen, damit wir vor einem Fehltritt bewahrt werden.
  • Richten wir ein besonderes Augenmerk auf unsere Worte! Wie schnell sündigen wir doch mit der Zunge und geben den Ungläubigen einen berechtigten Anlass, uns zu verurteilen!
  • Schweigen wir zum Bösen, das in der Welt geschieht! Manchmal ist es besser, das Gute nicht zu sagen, weil die Welt es nur mit Füssen treten würde.

Aber das Gebet bleibt uns immer. Zu unserem Gott können wir jederzeit reden und Ihm alles sagen.

In den Versen 5-8 geht es um die Kürze und Vergänglichkeit des menschlichen Lebens. Der Ungläubige verbringt diese kurze Zeit voll Unruhe und im Streben nach Geld und Besitz. Was tut der Gläubige? Er setzt seine Hoffnung auf Gott, der ihm echten Lebenssinn, tiefen Frieden und ewigen Segen geben kann.

Ab Vers 9 hören wir den gläubigen Überrest aus Israel, wie er seine Ungerechtigkeit erkennt und den Herrn bittet, ihn aus der Bedrängnis zu retten. Er hat den Eindruck, dass die Hand Gottes so stark auf ihm lastet, dass er die Drangsal nicht überlebt. Aber der Herr wird auch in der zukünftigen Gerichtszeit die Glaubenden nicht über Vermögen prüfen, sondern die Tage verkürzen, damit sie gerettet werden (Matthäus 24,22).

Die Glaubenden aus Israel besitzen eine irdische Hoffnung. Sie bitten den Herrn, dass Er sie am Leben erhält, damit sie ins Reich eingehen können (Vers 14).

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Christus gehorcht seinem Gott

In diesem Psalm hören wir den Herrn Jesus reden. Das wird besonders aus den Versen 7-9 deutlich, die in Hebräer 10,5-7 zitiert werden.

Weil Jesus Christus in seinem Leben auf Gott geharrt und im Garten Gethsemane zu Ihm gerufen hatte, wurde Er durch die Auferweckung aus der Grube des Verderbens heraufgeführt. Als Folge dieser Rettung singt Er ein neues Lied. Es ist ein Lobgesang unserem Gott, denn Er ist der Gott aller Glaubenden, die wie Christus ihr Vertrauen auf Ihn setzen und seine Hilfe erfahren. So verbindet sich der Herr Jesus mit den Erlösten, um gemeinsam mit ihnen die Wundertaten Gottes zu rühmen.

Die Opfer, die in Vers 7 genannt werden, hatte Gott eingesetzt. Aber sie wurden von sündigen Menschen dargebracht. Darum konnten sie nicht die Grundlage zur Erfüllung der Pläne Gottes sein. Es brauchte dazu ein anderes Opfer.

So war der Sohn Gottes bereit, Mensch zu werden und als Mensch die Stellung eines Knechtes einzunehmen. Er liess sich von Gott Ohren bereiten, um zu hören und zu gehorchen. Der Herr Jesus kam freiwillig in die Welt, um den Willen Gottes zu tun. Es war sein oberstes Ziel, Gott zu gefallen und alles zu tun, was sich der Vater in seinem Herzen vorgenommen hatte. Zu seinen Jüngern sagte Er: «Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe» (Johannes 4,34). Das Wort Gottes hatte im Herzen des Herrn Jesus einen festen Platz, so dass es seine Gedanken, Worte und Handlungen prägte.

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Christus verkündigt die Gerechtigkeit

In den Versen 10 und 11 beschreibt der Herr Jesus den Auftrag, den Er in seinem Leben zur Ehre Gottes ausführte. In einer ungerechten Welt verkündigte Er die Gerechtigkeit Gottes. Er machte auch seine Güte und seine Wahrheit bekannt. Dadurch zeigte Er den Menschen, wer Gott ist. Das rief den Widerstand der religiösen Leute hervor, die sich zwar äusserlich zu Gott bekannten, aber innerlich weit weg von Ihm waren. Trotzdem hielt Christus seine Botschaft nicht zurück. Er blieb der treue Zeuge bis in den Tod am Kreuz.

Der Heiland wusste im Voraus, dass Er am Kreuz die Ungerechtigkeiten der Glaubenden auf sich nehmen und die Strafe dafür tragen würde (Vers 13). Er litt schon im Garten Gethsemane, als Er daran dachte, wie Gott in den Stunden der Finsternis die Last der zahlreichen Sünden, die wir getan haben, auf Ihn legen würde. Aber zu diesem Zeitpunkt war Er noch nicht von Gott verlassen. Darum konnte Er Ihn um Hilfe anrufen.

In den Versen 15-17 äussert der Herr Jesus zwei Bitten, die dem Charakter der Psalmen entsprechen:

  • Er fleht um die Bestrafung seiner Feinde, die sich am Kreuz über Ihn lustig gemacht haben (Markus 15,29).
  • Er bittet um Freude für die Glaubenden, die Gott suchen und nach seinem Willen fragen.

Jesus Christus war in seinem Leben elend und arm. Er litt in einer bösen Welt als gehorsamer Knecht, als treuer Zeuge und schliesslich als Sündenträger. Doch Er harrte bei Gott aus, weil Er wusste, dass Er Ihn nicht im Stich lassen und durch die Auferweckung aus den Toten retten würde.

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Gott bewahrt den Armen

Der Arme ist der Gläubige, der sich in schwierigen Umständen befindet, aber vom Herrn gestützt wird. Die Welt beachtet ihn kaum, aber für Gott ist er wertvoll. Prophetisch trifft das auf den Überrest aus Israel zu. Gott wird ihn in der Drangsalszeit bewahren und ihn nicht der Gier seiner Feinde preisgeben. – Er kann auch uns auf dem Weg des Glaubens bewahren (Judas 24).

Die Feinde des gläubigen Überrests wünschen ihm Böses und hoffen, dass er umkommen wird. Sie schmeicheln ihm, aber in Wirklichkeit suchen sie sein Unglück. Sogar solche, die ihm nahe stehen und sein Vertrauen besitzen, stellen sich gegen ihn. Diese «Freunde» erweisen sich plötzlich als Feinde. Der Herr Jesus hat Ähnliches durchgemacht:

  • Seine Volksgenossen wollten Ihn töten. Vor Pilatus schrien sie: «Hinweg, hinweg! Kreuzige ihn!» (Johannes 19,15).
  • Judas, einer der zwölf Jünger, verriet Ihn an seine Feinde. Wie schmerzlich war es für den Herrn, dass gerade einer aus seiner nächsten Nähe gegen Ihn aufstand.

In seinem Elend stützt sich der Überrest auf die Gnade Gottes. Er weiss, dass er gesündigt hat und die Folgen davon tragen muss. Aber er rechnet damit, dass der Herr ihn retten wird. Im Gegensatz zu seinen Feinden, die falsch und hinterlistig sind, ist der Überrest aufrichtig vor Gott. Er weiss, dass der Allmächtige ihn in der Bedrängnis aufrecht hält und schliesslich in den Segen des Reichs einführt. Dann werden die Erlösten den Herrn für seine Rettung ewig preisen.

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Zum Markus-Evangelium

Das Evangelium nach Markus ist das kürzeste. Die Berichterstattung erfolgt in sehr knapper Form.

Weder der Stammbaum noch die Geburt Jesu werden erwähnt. Schon im ersten Kapitel berichtet Markus über den Dienst des Herrn. Viel häufiger als in den anderen Evangelien zieht sich der Herr Jesus in die Stille zurück. Oft wird auch seine Bescheidenheit erwähnt: Er wollte nicht, dass seine Taten bekannt wurden. Kein einziges Mal nennen Ihn die Jünger «Herr». Nur siebenmal wird Er «Christus» genannt.

Alle diese Eigenarten weisen auf das Thema dieses Evangeliums hin: Markus stellt uns Jesus Christus als Knecht Gottes vor, wie Ihn schon die Propheten angekündigt haben (Jesaja 42,1-9; Jesaja 49,1-6; Jesaja 52,13-15; Sacharja 3,8). Er sagt selbst von sich: «Der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele» (Markus 10,45).

Zudem zeigt uns Markus den Herrn Jesus als den Propheten Gottes, der das «Evangelium» verkündet. Dieses Wort kommt bei Markus achtmal vor – deutlich mehr als bei den anderen Evangelisten. Wiederholt lesen wir auch, dass der Herr Jesus die Menschen lehrte. Er selbst umschreibt seinen Dienst als Prophet wie folgt: «Lasst uns woandershin gehen in die nächsten Ortschaften, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich ausgegangen» (Markus 1,38).

Jesus Christus ist auch der leidende Knecht und der verworfene Prophet. Darum nimmt der Bericht über sein Leiden und Sterben in diesem Evangelium einen verhältnismässig grossen Raum ein.

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Der Vorläufer des Herrn Jesus

Der Evangelist Markus stellt uns den Herrn Jesus als den vollkommenen Diener und wahren Propheten Gottes vor. Aus diesem Grund finden wir hier keinen Hinweis auf seine Geburt und seine Abstammung als Mensch. Aber der Heilige Geist macht von Anfang an klar, dass dieser demütige Diener eine göttliche Person ist. Jesus Christus ist der Sohn Gottes. Dies wird durch die beiden Zitate in den Versen 2 und 3 unterstrichen. In den Worten aus Maleachi 3,1 ist die Rede von «deinem» Weg. Jesaja 40,3 zeigt aber, dass damit der Weg «des Herrn» gemeint ist. Der Kommende war der Herr (Jahwe) des Alten Testaments.

Die «Stimme des Rufenden in der Wüste» ist das Zeugnis von Johannes dem Täufer. Er war der Vorläufer Dessen, der die gute Botschaft der Gnade bringen würde. Aber die Herzen der Menschen mussten für den Kommenden zubereitet werden. Deshalb verkündete Johannes die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. Viele wurden in Herz und Gewissen angesprochen und aufgerüttelt, so dass sie ihre Sünden bekannten und sich taufen liessen.

Der Täufer wies in seiner Predigt auf Jesus Christus hin, der nach ihm kommen sollte, aber unendlich weit über ihm stand. Er würde mit Heiligem Geist taufen. So etwas konnte nur Gott selbst tun – ein weiterer Hinweis auf die Gottheit des Herrn Jesus. Im Gegensatz zu Matthäus 3,11 wird hier die Taufe mit Feuer, die von Gericht spricht, nicht erwähnt. Warum? Weil im Markus-Evangelium der Schwerpunkt auf dem Dienst der Gnade liegt, den der Herr damals auf der Erde ausübte.

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Vom Jordan in die Wüste

Nun erschien der Angekündigte selbst – es war Jesus von Nazareth – und liess sich von Johannes taufen. Hatte der Herr Jesus Buße und Vergebung der Sünden nötig? Nein, absolut nicht! Aber mit der Taufe nahm Er vor Gott den Platz seines Volkes ein und stellte sich neben jene aus Israel, die sich in Buße vor Gott beugten.

Um aber jedem Missverständnis vorzubeugen, ertönte die Stimme Gottes, des Vaters, aus den Himmeln: «Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.» Zugleich fuhr der Heilige Geist wie eine Taube auf Ihn, den reinen, sündlosen Menschen.

Bei dieser Gelegenheit sehen wir zum ersten Mal, wie sich die Dreieinheit Gottes offenbarte: Der Sohn Gottes stand als Mensch am Jordan, der Heilige Geist kam wie eine Taube auf Ihn und Gott, der Vater, bezeugte sein Wohlgefallen am geliebten Sohn.

In Vers 10 wurde der Sohn Gottes als Mensch mit dem Heiligen Geist versiegelt (Johannes 1,33-34; 6,27). Ab Vers 12 sehen wir, wie Er in der Kraft dieses Geistes seinen öffentlichen Dienst begann. Doch dem ersten öffentlichen Auftreten des Herrn ging die Versuchung in der Wüste durch Satan voraus. Markus erwähnt keine Einzelheiten. Wir sehen einfach, wie es dem Teufel nicht gelang, den reinen, sündlosen Diener zum Sündigen zu verleiten.

Mit dem Abtreten von Johannes dem Täufer fing der Dienst des Herrn Jesus an. Als Prophet predigte Er in Galiläa das Evangelium des Reichs Gottes. In seiner Person war dieses Reich nahe gekommen. Nun sollten die Menschen Buße tun und Ihn im Glauben annehmen.

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Der Herr ruft in die Nachfolge

Als der Herr Jesus am Ufer des Sees Genezareth entlang ging, rief Er zwei Brüderpaare in seine Nachfolge: Simon Petrus und Andreas sowie Jakobus und Johannes. Mit dieser Berufung verband Er sie mit sich selbst im Dienst. Dabei wollte Er sie in seiner Schule ausbilden und zu Menschenfischern machen. Aus der Bemerkung des Herrn Jesus in Vers 17 wollen wir den wichtigen Grundsatz festhalten: Die Nachfolge geht dem Dienst für Ihn voraus. Ein Leben in praktischer Gemeinschaft mit dem Herrn, indem man seinen Fussstapfen nachfolgt, ist die Voraussetzung für jede Arbeit in seinem Werk.

Simon und Andreas warfen ihre Netze aus, als der Herr sie rief. Am Anfang der Apostelgeschichte sehen wir, wie Petrus als Menschenfischer durch seine Ansprachen «das Netz» auswarf. Dabei kamen Tausende zum rettenden Glauben an Christus. Jakobus und Johannes besserten die Netze aus, als sie den Ruf des Herrn hörten. Im hohen Alter erkannte der Apostel Johannes, wie «die Netze des Christentums» zu reissen begannen, als Irrlehrer verkehrte Dinge verbreiteten. Mit seinen Briefen, die er durch den Heiligen Geist inspiriert niederschrieb, trat er diesen Irrlehrern und Irrtümern entgegen.

In Vers 15 hatten wir den Glauben an das Evangelium, in den Versen 17 und 20 die Nachfolge. Welch eine Gnade, dass es auch heute Menschen gibt, die bekennen, an den Herrn Jesus zu glauben. Doch es fragt sich, ob sie alle bereit sind, dem verachteten Jesus von Nazareth auf dem Weg des Glaubens nachzufolgen und seine Schmach mit Ihm zu teilen.

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In der Synagoge von Kapernaum

In den Synagogen, den jüdischen Versammlungsstätten, wurde das Alte Testament gelesen und gelehrt. Auch der Herr Jesus suchte diese Orte auf, um als der vollkommene Diener und Prophet das Volk zu lehren.

Die Zuhörer stellten schnell einen Unterschied zwischen Ihm und den Schriftgelehrten fest. Im Gegensatz zu den jüdischen Gelehrten, die ihre Ansichten weitergaben und ihre Meinungen vertraten, lehrte der Herr Jesus mit göttlicher Autorität und verkündete die Wahrheit.

In der Synagoge zeigte sich nicht nur die Vollmacht seiner Worte. Durch die Anwesenheit seiner Person wurden auch die Dämonen beunruhigt. Angstvoll rief der Mann, der von einem unreinen Geist beherrscht wurde: «Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus, Nazarener?» Die Dämonen wissen, wer der Herr Jesus ist, und zittern vor seiner Strafe (Jakobus 2,19). Doch im Augenblick war der Heiland nicht da, um die Dämonen zu richten, sondern den gebundenen Menschen zu befreien. Mit göttlicher Vollmacht trieb Er den unreinen Geist aus.

So etwas hatten die in der Synagoge anwesenden Menschen noch nie erlebt. Sie entsetzten sich und befragten sich untereinander: «Was ist dies für eine neue Lehre?» Ja, das Evangelium verändert Menschen (Römer 1,16). Doch diese gute Botschaft muss geglaubt werden, damit sie etwas bewirkt. Gerade dieser Glaube fehlte hier. Die «Kunde von ihm» wurde zwar zum Gesprächsthema in Galiläa, aber es gab keine Anzeichen von echtem Herzensglauben (Matthäus 11,23).

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Der aktive und abhängige Diener

Nach der Synagoge kam der Herr Jesus mit seinen Nachfolgern in das Haus von Simon und Andreas. Simon Petrus war verheiratet. Die Mutter seiner Frau war an Fieber erkrankt. Nun taten die Angehörigen das einzig Richtige: Sie erzählten dem Herrn von der Not. Als der grosse göttliche Arzt griff Er in diesem Fall sofort ein und heilte die Kranke. Dabei beschäftigte Er sich ganz persönlich mit ihr: Er ergriff sie bei der Hand und richtete sie auf. Wie schön ist die Reaktion der gesund gewordenen Frau: «Sie diente ihnen.» Es war ein Dienst für den Herrn an den Seinen.

Sobald der Sabbat abends um 6 Uhr zu Ende gegangen war, versammelte sich die ganze Stadt an der Tür des Hauses, worin sich der Heiland befand. Wie viel äussere und vermutlich auch innere Not kam da zusammen! Viele wurden von ihren Krankheiten geheilt und von ihren dämonischen Bindungen befreit. Diese Heilungen waren nicht einfach Beweise seiner Macht, sondern sie zeigten seine Güte, die in göttlicher Kraft wirkte.

Für seinen anstrengenden Dienst brauchte unser Herr als Mensch auch Zeiten der Stille, um im Gebet allein mit Gott zu sein (Jesaja 50,4).

Den Grund, warum Simon Petrus und die anderen Ihm nachliefen, gaben sie mit einem kurzen Satz an: «Alle suchen dich.» Doch es ging dem vollkommenen Diener nicht um die Anzahl Zuhörer oder um persönliche Berühmtheit. Nicht die Bedürfnisse der Menschen waren für Ihn ausschlaggebend, sondern der Wille Gottes. Seine Absicht war, dass alle in Galiläa die gute Botschaft hörten (Matthäus 4,15-17).

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Der Herr heilt einen Aussätzigen

Der Aussätzige war von der Macht des Herrn überzeugt. Doch er war unsicher, ob die Gnade und Liebe des Heilands auch für ihn in göttlicher Kraft tätig würde. Welch eine wunderbare Erfahrung durfte dieser bedauernswerte Mann machen! Innerlich bewegt streckte der Heiland seine Hand aus, rührte den Kranken an, ohne angesteckt zu werden. Dann sagte Er: «Ich will; werde gereinigt.» Da wurde er auf der Stelle gesund.

Der Geheilte sollte das Erlebte nicht weitererzählen, denn der demütige Diener Gottes wollte nicht berühmt werden. Stattdessen bekam er den Auftrag, sich dem Priester zu zeigen und die Opfer zu bringen, die in 3. Mose 14 für die Reinigung vom Aussatz vorgeschrieben waren. Der Herr fügte hinzu: «Ihnen zum Zeugnis.» Der Priester musste stutzig werden, wenn ein gereinigter Aussätziger zu ihm kam. Wer ausser Gott konnte jemand vom Aussatz heilen? Daraus hätte der Priester erkennen müssen, dass Gott in seinem Sohn Jesus Christus mitten unter seinem Volk war (Matthäus 1,23). Doch die Bibel gibt uns keinerlei Anzeichen für eine solche Reaktion. Vielmehr wurden der Hohepriester und die übrigen Führer des Volkes zu den erbittertsten Feinden des Herrn Jesus.

Weil der geheilte Aussätzige nicht gehorchte und seine Heilung überall bekannt machte, wurde der Dienst des Herrn Jesus zu einer Sensation, so dass Er sich zurückziehen musste. Er suchte keine Publizität, sondern wollte seinem Gott gehorchen und den Dienst erfüllen, den Dieser Ihm aufgetragen hatte. Es ging Ihm um die Herzen und Gewissen der Zuhörer.

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Ein Gelähmter kann gehen

Nachdem sich die Situation von Markus 1,45 etwas beruhigt hatte, ging der Herr Jesus wieder nach Kapernaum hinein. Doch es dauerte nicht lang, da strömten Unzählige in das Haus, wo Er sich aufhielt. «Er redete zu ihnen das Wort.» Die Verkündigung war das Wichtigste in seinem Dienst.

Dann kamen vier Männer, die einen Gelähmten zum Herrn Jesus bringen wollten. Doch es war unmöglich, ins Haus zu gelangen. Überall versperrten die Menschen den Zugang zu Ihm. Sollten sie ihr Vorhaben aufgeben und wieder umkehren? Nein. Sie liessen sich nicht entmutigen. Ihr Freund brauchte Hilfe, und sie hatten ein tiefes Vertrauen zum Herrn, dass Er in seiner Liebe und Macht helfen würde. Deshalb stiegen sie aufs Dach, deckten es ab und liessen den Gelähmten auf seinem Bett direkt vor den Herrn Jesus hinab.

«Als Jesus ihren Glauben sah», liess Er die fünf Männer nicht ohne Antwort. Er zeigte ihnen, dass Psalm 103,3 durch Ihn in Erfüllung ging: «Der da vergibt alle deine Ungerechtigkeit, der da heilt alle deine Krankheiten.» Zuerst sprach Er den Kranken von Schuld und Strafe frei. Dann sagte Er zu ihm: «Steh auf, nimm dein Bett auf und geh in dein Haus.» Vergebung und Heilung gingen hier Hand in Hand. Die körperliche Wiederherstellung bestätigte, dass Gott vergeben hatte.

Die anwesenden Kritiker wollten nicht wahrhaben, dass hier Gott selbst vor ihnen stand. Aber durch die Heilung des Gelähmten bewies der Herr Jesus allen Anwesenden, dass Er der Sohn des Menschen ist, der die Vollmacht besitzt, auf der Erde Sünden zu vergeben.

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Jesus im Kontakt mit Zöllnern

In der Nähe des Sees Genezareth rief der Herr Jesus einen weiteren Jünger in seine Nachfolge. Es war der Zöllner Levi oder Matthäus (Matthäus 9,9). Dieser stand nicht nur auf, um Ihm nachzufolgen, sondern lud den Herrn mit seinen Jüngern zu einem Essen in sein Haus ein. Levi hatte noch viele weitere Gäste eingeladen: Zöllner und Sünder. Dadurch bekamen sie alle eine Gelegenheit, mit Jesus Christus in Kontakt zu kommen.

Wie bereits im ersten Abschnitt des Kapitels erhoben die Schriftgelehrten und Pharisäer wieder ihre kritischen Stimmen. Die Tatsache, dass die Juden den Römern Zoll entrichten mussten, war demütigend. Sie bewies, dass sie unter der Herrschaft der Nationen standen. Darum wurden die Leute, die für die Römer arbeiteten, verachtet und als Sünder betrachtet. Doch der Herr war in seiner Gnade nicht für die Selbstgerechten auf die Erde gekommen, sondern für alle, die wussten, dass sie einen Retter brauchten.

Die Fastenfrage beantwortete der Herr Jesus wie folgt: Die Zeit seiner Anwesenheit war kein Grund für Trauer und Fasten. Im Gegenteil! Später, wenn Er nicht mehr hier sein und der Widerstand gegen die Seinen zunehmen würde, dann konnten sie fasten.

In den Versen 21 und 22 spricht Er vom religiösen System, zu dem das Fasten damals gehörte. Diese alte Ordnung war völlig unvereinbar mit der Gnade, die Er brachte. Der neue Wein ist ein Bild der Wahrheit und der geistlichen Kraft der christlichen Zeitperiode. Beides ist unvereinbar mit den gesetzlichen Formen des Judentums. Gesetz und Gnade können nicht zusammengehen.

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Die Sabbatfrage

Den Juden bedeutete der Sabbat sehr viel. Einerseits war er das Zeichen für die Ruhe Gottes in der ersten Schöpfung (2. Mose 20,11). Anderseits gehörte er zu den Merkmalen des Bundes des Herrn mit Israel. Doch der Mensch hatte völlig versagt und konnte als Sünder nicht an der Ruhe Gottes teilhaben.

Diesen Punkt übersahen die Juden. Trotzdem wollten sie den Sabbat besonders heilighalten. In der Umsetzung gingen sie jedoch weiter als die Anordnungen Gottes und klagten deshalb die Jünger als Übertreter der Sabbatgebote an. In seiner Antwort nahm Jesus Bezug auf David und zog eine Parallele zur aktuellen Situation. Damals war David, der rechtmässige König, verworfen und verfolgt. Was nützte es, die Anweisungen über die Schaubrote festzuhalten, wenn der von Gott bestimmte König abgelehnt wurde? Genauso wollten die Juden das Sabbatgebot peinlich genau einhalten und gleichzeitig Christus, den Gesetzgeber und Herrn des Sabbats, ablehnen. Das konnte Gott nicht gutheissen.

Auch in den Anfangsversen von Kapitel 3 geht es um den Sabbat. Der Herr wusste, dass die jüdischen Führer Ihn belauerten. Darum fragte Er sie, bevor Er handelte, ob es erlaubt sei, am Sabbat Gutes oder Böses zu tun. Nun waren ihre Gewissen ins Licht Gottes gestellt. Leider verhärteten sie sich und schwiegen. Und der Herr? Unwillig über ihre verstockten Herzen heilte Er den Mann mit der verdorrten Hand. Ihre böse Gesinnung konnte seine Gnade nicht zurückhalten. Wie traurig war die Reaktion: Zwei verfeindete Parteien verbanden sich und suchten gemeinsam, den Herrn Jesus zu töten!

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Der Herr beruft zwölf Jünger

Die Menschenmengen, die von überall her zum Herrn Jesus strömten, machen deutlich, wie gross die Wirkungen seines Dienstes waren. So viele drängten sich in seine Nähe, dass sie ein Boot für Ihn bereithalten mussten. Nun konnte Er vom Schiff aus zu den Menschen am Ufer reden (vgl. Matthäus 13,2; Lukas 5,3).

Die Menschen, die von unreinen Geistern besessen waren, standen völlig unter ihrer Kontrolle. Das macht die Formulierung in Vers 11 klar. Obwohl diese Dämonen wussten, dass sie es mit dem Sohn Gottes zu tun hatten, wollte Er kein Zeugnis von ihnen annehmen. Er gebot ihnen, Ihn nicht offenbar zu machen.

Wir haben bereits früher gesehen, wie der Herr Jesus als Mensch in seinem Dienst Zeiten der Stille brauchte. In Vers 13 verlässt Er die Volksmenge für eine Weile und steigt auf den Berg. Dann beruft Er seine zwölf Apostel und erweitert damit seinen Dienst. Aber beachten wir die Reihenfolge. Zuerst sollen sie bei Ihm sein und von ihrem Meister lernen. Das Aussenden, um zu predigen und den Menschen zu dienen, folgt später (vgl. Markus 6,7).

Bei der Aufzählung der Namen seiner Apostel fällt auf, wie Er drei von ihnen zusätzliche Namen gibt. Simon bekommt den Beinamen Petrus (= Stein). Schon bei seiner ersten Begegnung nannte ihn der Herr Jesus so (Johannes 1,42). Johannes und Jakobus werden Söhne des Donners genannt. In der Gemeinschaft mit Jesus Christus veränderte sich Johannes zum «Jünger, den Jesus liebte» (Johannes 13,23).

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Der Herr ist stärker als Satan

Der Dienst des Herrn Jesus wurde nicht von allen geschätzt und verstanden. Als Er von den vielen Leuten so sehr in Beschlag genommen wurde, dass Er mit seinen Jüngern nicht einmal Zeit zum Essen fand, meinten seine Angehörigen, nun übertreibe Er. Ihr Urteil lautete: «Er ist ausser sich.»

Seine Feinde aber zogen einen viel schrecklicheren Schluss: Sie schrieben sein wunderbares Handeln der Macht Satans zu. Wie schlimm, wenn der Mensch in der gütigen Tätigkeit des Sohnes Gottes nur Überspanntheit oder sogar das Werk des Teufels sieht!

Nun versuchte der Herr Jesus seinen Gegnern mit einem Gleichnis den Unsinn ihrer Worte aufzuzeigen. Satan kämpft doch nicht gegen sich selbst! In Vers 27 weist Er auf sich hin: Er ist stärker als der Teufel. Durch sein Erlösungswerk am Kreuz würde Er den Starken besiegen und ihm die Beute entreissen (Hebräer 2,14-15).

Die Verse 28-30 beziehen sich vor allem auf das Volk der Juden. Zu ihnen war der verheissene Messias gekommen. Doch sie lehnten Ihn ab, indem sie behaupteten: «Dieser Mensch hält den Sabbat nicht» (Johannes 9,16). Eine solche Sünde hätte vergeben werden können. Aber sie gingen weiter und schrieben das Wirken des Herrn in der Kraft des Heiligen Geistes dem Teufel zu. Sie nannten also den Heiligen Geist einen Dämon. Damit war die Hoffnung für Israel im Blick auf die Verantwortung des Volkes zu Ende. Hier gab es keine Vergebung mehr. Eine Wiederherstellung Israels wird es in der Zukunft nur auf dem Boden der bedingungslosen Gnade geben.

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Der Sämen sät das Wort

Weil die Juden den Heiligen Geist, durch den der Herr wirkte, einen Dämon nannten, brach der Heiland die Beziehung zu Israel als verantwortlichem Volk ab. Das wird aus seiner Antwort an seine Mutter und seine Brüder deutlich, die gekommen waren und Ihn zu sich gerufen hatten. Mit einem Blick in die Runde fragte Er: «Wer ist meine Mutter und meine Brüder?» Sein Volk hatte Ihn verworfen. Doch Er bekannte sich zu den Einzelnen, die bereit waren, den Willen Gottes zu tun. Es waren die, die an Ihn glaubten. Sie bildeten jetzt seine Familie. – Trotz diesem Bruch mit seinem Volk fuhr der Herr in seiner Langmut bis zum letzten Passah fort, den Menschen Gottes Güte zu erweisen.

Der Herr fand keine Frucht für Gott im Weinberg Israel. Der verantwortliche Mensch hatte völlig versagt. Auf dem Weg der Erfüllung der Forderungen Gottes, kann der Mensch Gott niemals gefallen.

Nun begab sich der Herr an den See und belehrte die Volksmenge von einem Schiff aus. Das erste Gleichnis, das Er den Zuhörern vorstellte, war das vom Sämann. Er selbst ist der Sämann, der das Wort in die Herzen der Menschen sät, damit es Frucht für Gott hervorbringe. Doch das Gleichnis macht klar, dass längst nicht jedes Menschenherz, in das der Same des Wort Gottes fällt, Frucht bringt.

Der Same kann an vier verschiedene Orte fallen, was vier unterschiedlichen Herzenszuständen entspricht. Aber nur im Herzen, das mit der guten Erde verglichen wird, wächst der Same und bringt dreissig-, sechzig-, ja, sogar hundertfache Frucht.

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Hören und Frucht bringen

Die Verse 11 und 12 machen nochmals das Gerichtsurteil deutlich, unter dem das jüdische Volk als Ganzes stand, weil es Christus verworfen hatte. Doch seinen Aposteln und den Einzelnen, die echtes Interesse am Wort Gottes hatten, wollte der Herr Jesus das Gleichnis in Gnade erklären.

Der Weg illustriert ein hartes Herz. Wenn so jemand das Wort hört, bleibt es an der Oberfläche. Es dringt nicht ins Herz. Da ist der Satan sofort zur Stelle und nimmt das Wort weg. Das Gehörte wird schnell wieder vergessen und es entsteht keine Frucht.

Im zweiten Fall wird das Wort mit Freuden aufgenommen. Der Hörer freut sich über das Wort der Gnade. Aber weil sein Gewissen nicht erreicht und überführt wird, gibt er das Gehörte wieder auf, sobald Schwierigkeiten auftreten.

Das unter die Dornen gesäte Wort wird von allem, was sonst noch das Herz bewegt, erstickt und bringt auch keine Frucht. Es können die Sorgen, der Einfluss des Geldes und das Verlangen nach Vergnügen sein, die sich im Innern breitmachen und das Wort verdrängen.

Die gute Erde ist das Bild eines zubereiteten Herzens. Solche Menschen hören das Wort nicht nur, sondern nehmen es auch auf, so dass es das Gewissen erreicht und zur Buße und zum Glauben führt. Das Resultat ist dreissig-, sechzig- oder sogar hundertfache Frucht. Wie sie zustande kommt, wird nicht näher gesagt. Es wird nur von der sichtbaren Auswirkung gesprochen. Zweifellos wird die Gnade tätig, so dass das gehörte Wort Gottes wächst und Frucht bringt.

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Das Licht und die Wirkung des Wortes

Wer das Wort Gottes geglaubt und ins Herz aufgenommen hat, ist in der Lage, die Botschaft auch anderen weiterzugeben. Gott möchte nicht, dass das Licht des Evangeliums, das Er uns geschenkt hat, verborgen bleibt. Die Lampe gehört auf den Lampenständer. Doch das Licht, das wir in der Welt verbreiten sollen, kann durch «den Scheffel» (ein Hohlmass) oder «das Bett» gedämpft werden. Wenn uns die Beschäftigungen des Lebens (Scheffel) zu stark in Beschlag nehmen, oder wenn wir uns der Bequemlichkeit hingeben (Bett), wird unser Zeugnis in der Welt beeinträchtigt.

In Vers 22 spricht der Herr über das verborgene Wirken Gottes im Herzen von Menschen. Wenn sich jemand wirklich bekehrt, kann dies vor den anderen nicht verborgen bleiben. Sie werden eine Veränderung in seinem Leben feststellen. Die Verse 24 und 25 reden vom Wachstum bzw. von der Stagnation des geistlichen Lebens eines Glaubenden. Wir können nur an Erkenntnis und an Gnade zunehmen, wenn wir auf das Wort Gottes hören. Je mehr wir uns mit der Bibel beschäftigen, umso mehr «wird uns gegeben werden».

Im nächsten Gleichnis spricht der Herr Jesus von seinem eigenen Wirken. Er ist der Sämann, der den Samen auf das Land geworfen hat. Nach seinem Tod und seiner Auferstehung ist Er in den Himmel zurückgekehrt und lässt den ausgestreuten Samen wachsen. Zur Zeit der Ernte wird Er wiederkommen, um die Garben in seine Scheune zu sammeln. In der Zwischenzeit aber wirkt Er in seiner Gnade im Verborgenen, damit das ausgestreute Wort zur Frucht heranreift.

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Mit Jesus Christus im Sturm

In den Versen 30-34 unterweist der Herr Jesus seine Zuhörer durch ein weiteres Gleichnis über das Reich Gottes. Es zeigt die äussere Entwicklung des Reichs. Am Anfang glich das Christentum einem unscheinbaren Senfkorn. Die Botschaft vom Heiland der Welt, der am Kreuz für sündige Menschen gestorben ist, wurde von den Menschen verachtet (1. Korinther 1,18.23).

Doch es blieb nicht so. Unter der menschlichen Verantwortung wurde die christliche Lehre den Vorstellungen der Menschen angepasst und das Christentum in der Welt salonfähig gemacht. Die Folge davon war, dass es sich zu einer grossen Macht auf der Erde entwickelte. Hinter den Vögeln des Himmels müssen wir den Einfluss Satans sehen (Verse 4.15). Er sorgt dafür, dass alle Ideen der sündigen Menschen unter dem Deckmantel des Christentums geduldet und verbreitet werden.

Die Überfahrt in den Schlussversen des Kapitels illustriert die heutige Zeit und die Umstände, in denen wir leben. Manchmal scheint es, als kümmere sich der Herr Jesus nicht um uns. Aber denken wir daran, dass die Jünger den Willen des Herrn befolgten, als sie ans jenseitige Ufer übersetzten. Das gilt auch für uns. Wenn wir seinen Willen tun möchten, ist Er mit uns in unserem Lebensboot. Vielleicht lässt Er einen Sturm zu, um unseren Glauben zu testen. Dann lasst uns nie vergessen: Ein Schiff, in dem Er sich befindet, kann nicht untergehen! Wir sind mit Ihm unterwegs. Darum brauchen wir uns nicht zu fürchten. Seine Sicherheit ist auch die unsere.

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Ein Bessesener wird befreit

Der Herr Jesus hat nicht nur Macht über die Schöpfung, so dass Wind und Wellen Ihm gehorchen müssen. Ihm haben auch die bösen Geister zu gehorchen. Das sehen wir bei der Heilung des besessenen Gadareners.

Dieser bedauernswerte Mann zeigt uns das Bild eines unbekehrten Menschen. Wir begegnen ihnen tagtäglich. Viele denken zwar, sie seien frei und könnten tun und lassen, was ihnen gefällt. Doch sie täuschen sich. Es stimmt nicht. Natürlich stehen die meisten nicht so direkt unter dem satanischen Einfluss. Aber alle Menschen befinden sich in ihrem natürlichen Zustand unter der Macht der Finsternis und sind Sklaven der Sünde (Hebräer 2,14-15; Römer 6,17-21).

Dieser Mann war mit allen menschlichen Mitteln nicht zu bändigen. So schlagen alle Versuche fehl, den Menschen zu kultivieren und zu verbessern. Die jahrtausendealte Menschheits-Geschichte liefert den besten Beweis dafür.

Hier aber kam Einer, der stärker als der Teufel ist. Die Dämonen wussten genau, mit wem sie es zu tun hatten: mit Jesus, dem Sohn Gottes, des Höchsten. Als Er ihnen befahl, aus dem Menschen auszufahren, baten die unreinen Geister Jesus, Er möge sie nicht aus der Gegend vertreiben. Offensichtlich war man in diesem Landstrich besonders empfänglich für okkulte Einflüsse. So erlaubte der Herr ihnen, in die Herde Schweine zu fahren. Da zeigten sie ihren Hang zur Zerstörung und Vernichtung. Die Schweine stürzten sich in den See, wo sie ertranken.

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Die Gadarener schicken Jesus fort

Man kann sich den Schrecken der Schweinehirten vorstellen, als sie zusehen mussten, wie die ganze Herde von einer unsichtbaren Macht getrieben ins Verderben stürzte. Sie flohen in die Stadt und berichteten, was vorgefallen war. Nun kamen die Bewohner, um Den zu sehen, der solches bewirken und zulassen konnte.

Was sahen sie beim Herrn Jesus? Einen völlig befreiten Mann. Er, der einst unter der Macht Satans gestanden hatte, sass nun ruhig, bekleidet und vernünftig bei seinem Erlöser. Welch ein Zeugnis von der Macht und Gnade des Sohnes Gottes!

Wie traurig ist da die Reaktion jener Leute! Mit der Anwesenheit Satans in Form dämonischer Mächte konnten sie leben. Aber die Gegenwart Gottes in der Person seines Sohnes als demütiger Diener war für sie unerträglich. Fürchteten sie vielleicht, dass Er auch in ihrem Leben Ungereimtheiten aufdecken würde? Jedenfalls baten sie den Herrn Jesus, ihre Gegend zu verlassen. Später stiessen die Menschen Christus aus der Welt hinaus. Sie schlugen Ihn ans Kreuz und sagten damit: Kehre dorthin zurück, woher Du gekommen bist.

Der Geheilte wäre gern mit dem Heiland gegangen. Doch der Herr schickte ihn als Zeuge von dem, was er erlebt hatte, zu seiner Familie zurück. Wie schön ist der Gehorsam dieses Mannes! Nicht nur seinen nächsten Angehörigen, sondern in jener ganzen Gegend erzählte er, «wie viel Jesus an ihm getan hatte». In Markus 7,31-37 finden wir eine Frucht dieses Zeugnisses in der Dekapolis.

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Die Frau mit dem Blutfluss

Sobald der Herr Jesus aus dem Land der Gadarener zurückkam, versammelten sich wieder viele Menschen um Ihn. Da kam ein Synagogenvorsteher mit einer grossen familiären Not zum Heiland. Seine zwölfjährige Tochter lag im Sterben. Er bat Ihn: «Komm doch und lege ihr die Hände auf.» Sofort machte sich der Herr auf den Weg.

So wie dieser Mann mit seiner Not zum Herrn Jesus kam, können heute alle gläubigen Eltern ihre Sorgen im Blick auf die Errettung ihrer noch unbekehrten Kinder im Gebet vor den Herrn bringen. Es ist sein Wille, dass sie gerettet werden.

In der Volksmenge, die dem Herrn Jesus wegen der Wunder, die Er tat, aus reiner Neugier nachfolgte, befand sich eine kranke Frau, die wirklich glaubte. Sie war überzeugt, dass das Anrühren seiner Kleider genügte, um geheilt zu werden. So kam sie von hinten, rührte mit Glaubensüberzeugung sein Gewand an und wurde auf der Stelle gesund.

Dann drehte sich der Heiland um und wollte wissen, wer Ihn angerührt und wer die heilende Kraft, die von Ihm ausgegangen war, erfahren hatte. Seine Augen suchten die Person, die Ihn im Glauben angefasst hatte. Doch Er wollte sie nicht einfach blossstellen, sondern sie in eine persönliche Beziehung zu sich bringen. Dazu war nötig, dass sie Ihm die ganze Wahrheit bekannte. Sie tat es, wenn auch mit Furcht und Zittern. Dann durfte sie jedoch die Bestätigung aus seinem Mund hören: «Dein Glaube hat dich geheilt; geh hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage.» Sein Wort gab ihr die Gewissheit, dass sie gesund geworden war.

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Die Tochter von Jairus wird auferweckt

Wie ging es Jairus in der Zwischenzeit? Der Heiland wollte doch mit ihm nach Hause zu seiner todkranken Tochter gehen! Unterdessen bekam der Synagogenvorsteher die traurige Nachricht: «Deine Tochter ist gestorben.» Nun war es zu spät! Was nützte es noch, dass der Herr Jesus zu ihm kam?

In dieser hoffnungslosen Situation sagte der Heiland zu ihm: «Fürchte dich nicht; glaube nur.» Zudem ging der Herr mit Petrus, Jakobus und Johannes einfach den Weg weiter, bis Er beim Haus von Jairus ankam.

Dort zeigte sich die ganze Hoffnungslosigkeit der Menschen angesichts des Todes: Sie weinten und jammerten laut. Welch ein Lärm! Nun betrat der Sohn Gottes das Trauerhaus. Für Ihn, den Allmächtigen, war das Mädchen nicht gestorben. Es schlief nur. Doch die ungläubigen Menschen verlachten Ihn, so dass Er alle hinausschicken musste.

Allein mit den Eltern des Kindes und den drei Jüngern trat Er in das Zimmer, wo das Mädchen lag. Dort offenbarte Er sich als der Sohn Gottes, der das Leben ist und es wiedergeben kann. Mit den Worten «Mädchen, ich sage dir, steh auf!» rief Er es ins Leben zurück. Welch ein Wunder durften diese geprüften Eltern erleben!

Die Aufforderung des Retters in Vers 43, man möge ihr zu essen geben, gilt auch im übertragenen Sinn. Wenn ein Mensch durch den Glauben an den Herrn Jesus neues, göttliches Leben empfängt, braucht er geistliche Nahrung aus der Bibel. Nur so kann sich sein Glaubensleben gesund entwickeln.

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Der Herr sendet die zwölf Apostel aus

Auf dem Weg seines Dienstes kam der Herr auch nach Nazareth. Am Sabbat lehrte Er in der Synagoge, wo Ihn alle kannten. Was die Bewohner seiner Vaterstadt zu hören bekamen, passte überhaupt nicht ins Bild, das sie bis dahin von Jesus Christus hatten. Für sie war Er der Sohn der Maria. Erstaunt fragten sie sich: «Woher hat dieser das alles, und was ist das für eine Weisheit, die diesem gegeben ist?» Um in diesem demütigen Menschen nicht nur den Sohn der Maria, sondern den Christus und den Sohn Gottes zu erkennen, wäre Glauben nötig gewesen. Doch dieser fehlte jenen Menschen. Sie sahen in Ihm nur den Zimmermann. Durch ihren Unglauben behinderten sie das Wirken der Macht Gottes. «Er konnte dort kein Wunderwerk tun.»

Vor einiger Zeit hatte der Herr die Apostel zu sich gerufen, «damit sie bei ihm seien und damit er sie aussende» (Markus 3,13-14). Nun war der Zeitpunkt gekommen, wo Er sie zu zwei und zwei aussandte. Für ihren Dienst rüstete Er sie mit besonderer Vollmacht aus. Darin zeigte sich einmal mehr, dass Jesus Christus Gott war, denn kein Mensch kann einem anderen solche Kraft verleihen. Wie ihr Meister übten auch seine Gesandten diese göttliche Macht in Güte aus.

Noch war ihr Lehrer bei ihnen. Sie brauchten nichts mitzunehmen. Er würde für sie sorgen (Lukas 22,35). Ihre Botschaft richtete sich ans Volk Israel. Da, wo man sie nicht aufnehmen wollte, sollten sie den Staub abschütteln als ein Zeugnis gegen jene Stadt. Wer die Boten des Herrn ablehnte, verwarf Ihn selbst.

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Herodes und Johannes der Täufer

In jener Zeit hörte auch König Herodes, zu dessen Herrschaftsbereich Galiläa gehörte, von Jesus Christus. Nun regte sich sein Gewissen, denn er hatte Johannes den Täufer ins Gefängnis geworfen und ihn schliesslich enthauptet. Als er nun vom Wirken Jesu hörte, dachte er, Johannes sei auferstanden.

Ab Vers 17 folgt der ausführliche Bericht vom Zeugnis des Johannes gegenüber König Herodes, von seiner Gefangennahme und den Begleitumständen seines gewaltsamen Todes. Weshalb wird diese Geschichte an dieser Stelle im Markus-Evangelium erwähnt? Weil mit dem Tod des Vorläufers des Herrn die Berichterstattung beginnt, den Widerstand des menschlichen Herzens gegen das Zeugnis Gottes aufzuzeigen. Die Feindschaft gegen die Wahrheit und das Licht erreichte mit der Kreuzigung des Herrn Jesus ihren Höhepunkt.

Aus dem Verhalten von König Herodes lernen wir zudem einiges, was allgemein gültig und wichtig ist. Herodes wusste, dass Johannes ein gerechter und heiliger Mann war. Er hatte manche Unterredung mit ihm und es schien, als habe das Zeugnis von Johannes einen guten Einfluss auf den König (Vers 20). Doch es waren nur natürliche Regungen. Diese genügen nicht, um die gefallene Natur des Menschen in Schach zu halten. Eine wirkliche Veränderung gibt es nur bei einem Menschen, der im Gewissen getroffen wird, Buße tut und Gott seine Sünden bekennt. Ihm wird vergeben und er empfängt ein neues Leben. Bei Herodes ging es nicht so tief. Er blieb ein Sklave seiner Begierden.

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Die Speisung der Fünftausend

Wir können uns vorstellen, wie die Apostel zum Herrn Jesus zurückkamen. Sie waren ganz erfüllt von dem, was sie erlebt und gewirkt hatten. Alles erzählten sie Ihm. Doch der Heiland sagte kein Wort dazu. Er forderte sie vielmehr auf: «Kommt ihr selbst her an einen öden Ort für euch allein und ruht ein wenig aus.» Wie nötig ist es für jeden Arbeiter des Herrn, sich nach einem Dienst in die Gegenwart Gottes zurückzuziehen. Beim Herrn Jesus in der Stille werden wir nicht überheblich. Im Gegenteil! Dort lernen wir, was wir in Wahrheit sind. In seiner Gegenwart geniessen wir seine Liebe. Wir sind mit Ihm und nicht mit uns beschäftigt.

Die Ruhepause war kurz, denn die Liebe Gottes findet in dieser Welt keinen Ruheort. Am Ziel ihrer Überfahrt trafen sie eine grosse Volksmenge, die bereits auf den Herrn Jesus wartete. Und Er? Er wurde nicht ärgerlich über die gestörte Ruhe. Er dachte nicht an sich, sondern wurde innerlich bewegt, als Er die geistlichen Bedürfnisse dieser Menschen sah. «Er fing an, sie vieles zu lehren.»

In dieser Menschenmenge waren auch körperliche Bedürfnisse vorhanden. Der Heiland übersah sie nicht. Als die Jünger die Leute wegschicken wollten, sagte Er zu ihnen: «Gebt ihr ihnen zu essen.» Doch der Kleinglaube seiner Nachfolger rechnete menschlich. Der Herr aber nahm das Wenige, das vorhanden war, dankte für das Essen und verteilte es unter alle. Keiner kam zu kurz. Jeder bekam genug. Es blieben sogar zwölf Handkörbe voll Brocken übrig. Welch eine Gnade!

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Der Herr Jesus wandelt auf dem See

Die Beschreibung der Umstände bei der Überfahrt ab Vers 45 gibt uns manche Hinweise auf die Zeit, in der wir leben. Der Herr Jesus ist abwesend, aber Er ist im Himmel als Hoherpriester für uns tätig. Obwohl die Jünger sich gehorsam auf den Weg machten, den der Meister sie angewiesen hatte, litten sie bald unter starkem Gegenwind. So lässt der Herr auch auf unserem Glaubensweg Stürme zu. Aber Er sieht alles und hat alles in seiner Hand. Lasst uns dies nicht vergessen!

In der Überfahrt sehen wir auch ein prophetisches Bild. Die Volksmenge wird entlassen. So wurde Israel nach der Verwerfung des Messias als Volk auf die Seite gestellt. Die Jünger im Schiff stellen den gläubigen Überrest der Juden am Ende der Zeit dar. Sie werden durch die schwere Drangsalszeit gehen müssen. Doch der Herr vergisst sie nicht. Zu seiner Zeit erscheint Er und tröstet sie mit den Worten: «Fürchtet euch nicht.» Er gibt sich als ihr Erretter zu erkennen und befreit sie aus ihrer Not.

Die Verse 53-56 runden das soeben beschriebene prophetische Bild ab. Ähnlich wie der Herr Jesus in seiner Schöpfermacht zu den Jüngern kam, wird Er in Macht für den treuen Überrest erscheinen und das Tausendjährige Reich einführen. Dann wird es so sein, wie es hier bildlich gezeigt wird. Nicht nur Israel wird gesegnet sein. Auch die Völker werden den Segen geniessen, den der Herr Jesus auf der Erde geben wird. Diese Verse illustrieren, wie alles von Christus ausgehen wird. Dann wird Er da angenommen werden, wo Er einst abgelehnt wurde.

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Der Herr tadelt menschliche Vorschriften

Im Judentum gab es viele Überlieferungen der Ältesten. Diese Vorschriften regelten das Verhalten der Menschen. Eine Religion, die auf äusseres Benehmen Wert legt, wird im Allgemeinen geschätzt. Es ist einfach, solche Vorschriften zu befolgen. Dazu braucht man kein reines Herz vor Gott. Zudem kann man sich durch ein besonders genaues Einhalten von Vorschriften vor den anderen in ein gutes Licht stellen. Man erscheint frömmer als sie.

Um dieses Thema geht es in den ersten Versen dieses Kapitels. Es störte die Pharisäer, dass die Jünger des Herrn Jesus ihre Waschvorschriften nicht befolgten. Die Antwort des Meisters könnte nicht deutlicher sein. Mit einem Wort aus dem Propheten Jesaja deckte Er ihre Heuchelei auf. Die äussere Frömmigkeit brachte sie nicht in die Gegenwart Gottes. Nein, ihr Herz war weit von Gott entfernt.

Aber noch schlimmer war, dass die Pharisäer ihre Überlieferungen über das ewige Wort Gottes stellten und damit die Aussagen der Bibel ungültig machten. Der Herr Jesus führte dazu ein Beispiel an: Gott verlangt in der Bibel, dass wir die Eltern ehren. Die frommen Führer aber wandten ein: Wenn du das, was du zur Unterstützung deiner Eltern brauchen würdest, als Opfer Gott gibst, befreit dich das vom Halten des fünften Gebots.

Auch heute lieben viele Menschen eine Religion äusserer Werke. Sie sind froh, dass keine echte innere Heiligkeit von ihnen gefordert wird. Aber Gott verabscheut eine solche oberflächliche Frömmigkeit. Er sieht auf das Herz und erkennt, wie der Mensch zu Ihm steht.

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Innere und äussere Verunreinigung

Die Pharisäer legten grossen Wert auf äussere Reinheit. Doch der Herr macht in den Versen 14-16 allen Zuhörern klar, dass der Mensch durch das, was er durch den Mund aufnimmt, vor Gott nicht verunreinigt wird. Was ihn verunreinigt, ist das, was aus dem Innern des Menschen hervorkommt und in seinem Verhalten sichtbar wird.

Die Jünger verstanden die Worte des Herrn nicht. Ihr natürliches Verständnis war durch die Traditionen der Ältesten getrübt. Auch heute gibt es ernsthafte Menschen, die meinen, sie würden sich vor Gott verunreinigen, wenn sie diese oder jene christliche Tradition nicht mehr befolgten.

Nun ist der Herr Jesus in seinen Ausführungen ganz deutlich: Das Böse, das den Menschen vor Gott schuldig macht, kommt aus seinem eigenen Herzen. Dort liegt die Quelle der schlechten Gedanken, die oft zu bösen Taten führen. Die Aufzählung all der schlimmen Dinge, die dem menschlichen Herzen entspringen, zeigt, dass Gott unser Herz nicht nur erforscht, sondern es auch durch und durch kennt.

Glücklicherweise gibt es eine Lösung für dieses Problem. Wenn wir an den Herrn Jesus glauben, werden wir von neuem geboren. Wir empfangen neues, göttliches Leben. Oder anders ausgedrückt: Wir erfahren eine Ganzwaschung und werden rein für Gott (Johannes 13,10). Da wir aber nach der Bekehrung neben dem neuen Leben auch die alte, sündige Natur noch haben, gilt es, ständig wachsam zu sein. «Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens» (Sprüche 4,23).

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Zwei Heilungen

Von Galiläa zog der Herr Jesus weiter nördlich in das angrenzende Gebiet von Tyrus und Sidon. Er suchte etwas Ruhe. Aber Güte gepaart mit göttlicher Macht ist in der Welt so etwas Unbekanntes, dass es auffällt. Es kann nicht verborgen bleiben.

Eine heidnische Frau aus jener Gegend, deren Tochter unter der Gewalt eines unreinen Geistes stand, fiel zu den Füssen des Herrn Jesus nieder und bat Ihn, den Dämon auszutreiben. Weil die Frau nicht zu Israel gehörte, hatte sie kein Anrecht auf den Segen, den der Messias seinem Volk brachte. Darauf machte der Herr sie in Vers 27 aufmerksam. Doch die Not in ihrer Familie und das Vertrauen in die Güte und Macht des Herrn bewog sie, nicht aufzugeben. Sie anerkannte die Rechte des Volkes Israel und gab zu, dass sie nur ein Hund war. Aber sie stützte sich auf die Gnade Gottes, von der sie dachte, dass sie auch für Rechtlose genüge. Sie wurde nicht enttäuscht.

Zurück in Galiläa zog der Herr Jesus durch das Gebiet der Dekapolis. Hier brachten sie einen tauben Menschen zu Ihm, der auch schwer redete. Der Heiland nahm ihn auf die Seite und kümmerte sich persönlich um ihn. Warum seufzte Er, als Er zum Himmel aufblickte und sagte: «Werde aufgetan!»? Dieser Mann war ein Abbild seines irdischen Volkes. Die Menschen aus Israel waren taub gegenüber der Stimme des guten Hirten. Die schwere Zunge zeigt, dass es auch am Lob Gottes fehlte. Das alles beschwerte den Herrn. Dennoch half Er dem Tauben in seiner Gnade und Macht, so dass die Menschen erstaunt sagten: «Er hat alles wohlgemacht.»

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Die Speisung der Viertausend

Der Herr Jesus fährt fort, in Güte zu handeln. Viele Menschen waren von Ihm angezogen worden. Nun weilten sie bereits drei Tage bei Ihm. Ans Essen hatte niemand mehr gedacht. Aber jetzt sehen wir den Heiland innerlich bewegt über die Menschen, die Hunger hatten. In diesem Zustand wollte Er sie nicht nach Hause schicken.

Der Meister hätte seine Empfindungen gern mit den Jüngern geteilt. Doch sie sahen nur die menschliche Unmöglichkeit, diesen vielen Leuten in der Einöde zu essen zu geben. Sie waren weder innerlich bewegt wie der Herr, noch zeigten sie Vertrauen in Gott und seine Allmacht. Ja, sie hatten in der Schule des Meisters noch manches zu lernen!

Nun begann Er selbst zu handeln. Wieder wurden die Vielen mit dem Wenigen, das vorhanden war, mehr als gesättigt. Es blieben sieben Körbe voll Reste übrig.

Aufs Neue überquerte der Herr mit den Jüngern den See Genezareth. Im Gebiet von Dalmanuta griffen Ihn die Pharisäer wieder an. Sie forderten von Ihm ein Zeichen vom Himmel. Waren all die Wunder und Zeichen, die sie bisher von Ihm gesehen hatten, nicht vom Himmel? Doch! Er war vom Himmel herabgekommen, um den Menschen die Werke seines Vaters zu zeigen (Johannes 6,38; 10,32). Aber der Unglaube ist nie zufrieden. Das zu erleben, war für den Herrn Jesus eine grosse Not, so dass Er in seinem Geist tief seufzte. Ja, für die ungläubigen Pharisäer war die Zeit abgelaufen. So liess der Herr sie einfach stehen. Wenn das Herz nicht glauben will, nützen alle Zeichen nichts.

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Warnung vor den Pharisäern

Die Jünger des Herrn waren nicht ungläubig wie die Pharisäer, aber sie waren geistlich blind. Als der Herr sie mit dem Bild des Sauerteigs vor der Heuchelei und der Weltförmigkeit der Führungsschicht in Israel warnte, dachten sie an materielle Brote. Sie hatten keine mitgenommen und sorgten sich nun. Da musste der Herr Jesus ernst mit ihnen reden. Hatten sie wirklich all das, was kurz vorher geschehen war, vergessen? Waren die Speisung der 5000 und die der 4000 mit den wenigen vorhandenen Broten und Fischen ohne Eindruck auf sie geblieben? – Wie steht es um uns? Muss der Herr nicht auch uns manchmal vorwurfsvoll fragen: «Begreift ihr noch nicht?» Haben wir noch nicht gemerkt, was für einen wunderbaren Herrn wir haben?

Die Heilung in zwei Schritten, wie sie der Blinde erfuhr, der in Bethsaida zum Herrn Jesus gebracht wurde, enthält eine geistliche Belehrung. Wenn ein Mensch zum Glauben an den Herrn Jesus kommt, erfolgt das geistliche Sehen oft auch in zwei Schritten. Zuerst erkennt man die Vergebung seiner Sünden und empfängt neues, göttliches Leben. Aber oft fehlt eine wirkliche Heilsgewissheit. Erst wenn der Erlöste den Umfang und den Inhalt der Errettung gemäss den Belehrungen der Bibel erkennt, verschwinden die Zweifel. Dann bekommt er einen festen inneren Frieden.

Wie viel Mühe gab sich der Herr Jesus, um diesen Blinden ganz zu heilen! So bemüht Er sich auch heute um die, die an Ihn glauben. Er möchte ihnen das ganze Ausmass des göttlichen Heilsplans verständlich machen.

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Einem verworfenen Herrn nachfolgen

Auf die Frage des Herrn Jesus an die Jünger: «Wer sagen die Menschen, dass ich sei?», gab es ganz verschiedene Antworten. Das Entscheidende aber war, dass die Jünger selbst überzeugt waren, dass Er der Messias war: «Du bist der Christus.» Sie sollten es jedoch niemand weitersagen, weil sein Zeugnis unter dem Volk bereits zu Ende war. Die Mehrheit hatte Ihn abgelehnt.

Die Jünger erkannten den Herrn Jesus wohl als den Christus, aber sie verbanden Ihn nur mit der Herrlichkeit seines Reichs. Darum musste Er von seiner Verwerfung und seinem Tod reden. Wenn Er ihnen das Kreuz vorstellte, redete Er immer auch von seiner Auferstehung. Als der Heiland so offen mit den Jüngern sprach, meinte Petrus, er müsse Ihm widersprechen. Da machte der Herr ihm klar, dass seine Worte von Satan kamen und keineswegs dem Willen Gottes entsprachen.

Es ist nicht so einfach, dem Herrn Jesus in einer Welt nachzufolgen, die Ihn verworfen hat. Das zeigen uns die Verse 34-38. Wirklich sein Jünger zu sein, bedeutet Selbstverleugnung. Weiter sagt der Herr: «Er nehme sein Kreuz auf.» Wenn damals einer ein Kreuz trug, war er auf dem Weg zur Richtstätte. Ein solcher hatte mit der Welt abgeschlossen und die Welt mit ihm. Genau dies sollen wir als Nachfolger des Herrn verwirklichen und keine unnötige Verbindung zur Welt um uns her unterhalten. Wenn uns ein solcher Weg Mühe macht, dann lasst uns daran denken, dass dieser Weg zur Herrlichkeit führt. Wir gehören dem Sohn des Menschen an, der in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen heiligen Engeln kommen wird.

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Die Herrlichkeit auf dem Berg

In Kapitel 8 hatte der Herr Jesus zu den Jüngern von seiner Verwerfung als Messias und von seinem Tod gesprochen. Wenn sie Ihm wirklich nachfolgen wollten (Markus 8,34), mussten sie bereit sein, in der Welt auf der Seite eines verworfenen Herrn zu stehen. Im Hinblick auf diese veränderte Situation wollte Er den Glauben der Jünger stärken.

Dazu nahm Er drei von ihnen mit auf einen hohen Berg und zeigte ihnen etwas von seiner persönlichen Herrlichkeit. Die Eindrücke, die der Apostel Petrus dabei empfing, vergass er nicht mehr. In seinem zweiten Brief beschreibt er dieses Erlebnis auf dem heiligen Berg (2. Petrus 1,16-18).

Dem verwandelten Herrn erschienen zwei grosse Glaubensmänner aus dem Alten Testament: Mose und Elia. Sie stellen im Bild die verherrlichten Gläubigen dar, die in der himmlischen Herrlichkeit des zukünftigen Reichs mit dem Herrn Jesus vereint sein werden.

Als Petrus durch seine Aussage den Herrn auf die gleiche Stufe mit Mose und Elia stellte, griff Gott, der Vater, ein und unterstrich die Einzigartigkeit seines geliebten Sohnes. Auf Ihn sollten sie hören. Gleichzeitig verschwanden Mose und Elia.

Die Auferstehung des Sohnes des Menschen aus den Toten ist die Voraussetzung für die Erfüllung der angedeuteten Herrlichkeit auf dem Berg. Darum sollten die drei Jünger erst nach seiner Auferstehung über das Erlebte berichten. Die Frage über den kommenden Elia (Maleachi 3,23) veranlasste den Herrn, von seinen bevorstehenden Leiden und seinem Tod zu sprechen.

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Der Junge mit dem stummen Geist

Als der Herr Jesus mit den drei Jüngern vom Berg herabkam, begegnete Er dem Unglauben der Welt, einem Mangel an Glauben bei den Seinen und der Schwachheit des Glaubens bei dem, der in Not war. Die Macht des Feindes schien stärker als alles zu sein. Warum waren die Jünger nicht in der Lage, den stummen Geist auszutreiben, obwohl sie früher solche Wunder in der Kraft des Herrn getan hatten (Kapitel 6,13)? Ihnen fehlte der Glaube. Darum konnten sie die Kraftquelle, die im Herrn vorhanden war, nicht gebrauchen.

Als dem Heiland die ganze Situation geschildert wurde, sehen wir, wie Er trotz des Versagens der Jünger in Geduld und Güte handelte. Er konnte ihnen zwar einen Tadel nicht ersparen. Doch im gleichen Atemzug sagte Er: «Bringt ihn zu mir!»

Der Vater des okkult belasteten Jungen war ganz verzweifelt. Gab es überhaupt noch Hoffnung für ihn und sein krankes Kind? Traurig bat er den Heiland: «Wenn du etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!»

Auf der Seite des Herrn gibt es jedoch kein Wenn. Es geht immer um den Glauben auf unserer Seite. Der arme Vater verstand die Antwort des Herrn und rief: «Ich glaube; hilf meinem Unglauben!» Diese aufrichtigen Worte aus einem schwer geprüften Herzen blieben nicht ohne Antwort vonseiten des Heilands. Mit göttlicher Autorität gebot Er dem unreinen Geist, für immer von dem Knaben auszufahren. Noch einmal zeigte sich die schreckliche Macht Satans. Aber dann musste sich der Dämon dem Befehl des Herrn beugen.

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Unterweisungen an die Jünger

Weil der Herr Jesus als der verheissene Messias abgelehnt wurde, sprach Er von sich als dem Sohn des Menschen, der sterben, aber nach vollbrachtem Erlösungswerk auferstehen würde. Doch die Herzen der Jünger waren von ganz anderen Gedanken erfüllt. Deshalb verstanden sie seine Ankündigung nicht. Sie dachten an das Reich in Herrlichkeit und fragten sich, wer von ihnen darin den höchsten Platz einnehmen würde.

Wie gross sind die Langmut und die Güte des Herrn! Er setzte sich hin, um sich Zeit für seine Jünger zu nehmen (Vers 35). Er zeigte ihnen, dass sich ein Nachfolger des verworfenen Christus durch Demut auszeichnen soll. Da fragen wir uns: Offenbaren wir als Jünger des Herrn Jesus seine demütige Gesinnung?

Johannes betrachtete sich und die anderen Apostel immer noch als eine besondere Gruppe, denn er sprach von einem, «der uns nicht nachfolgt», und fügte hinzu: «Wir wehrten ihm.» Durch seine Antwort machte der Herr klar, wie vollständig seine Verwerfung war. Die ganze Welt war gegen Ihn. Sie ist es heute noch.

In den Versen 43-48 geht es nicht um Körperteile, sondern um die bösen Neigungen unserer alten Natur. Wir dürfen ihnen keinen Spielraum lassen, sondern müssen konsequent gegen sie vorgehen. Obwohl ein Gläubiger seine ewige Errettung nicht mehr verlieren kann, heisst es doch in Römer 8,13: «Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben.»

Durch das Salz in den Schlussversen werden wir zu einer klaren Absonderung vom Bösen und zu einem Leben für Gott ermahnt (vergleiche dazu Römer 12,1-2).

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Die Ehe und die Kinder

Immer wieder versuchten die Pharisäer dem Herrn Jesus mit verfänglichen Fragen eine Falle zu stellen. Doch der demütige Diener, der vor ihnen stand, ist der ewige Sohn Gottes, der jedem Menschen unendlich weit überlegen ist. Er wusste, was sie letztlich beabsichtigten. Deshalb stellte Er ihnen die Frage nach dem, was Mose geboten hatte. Als Antwort erwähnten sie die Möglichkeit eines Scheidebriefs.

Nun rückte der Herr Jesus alles ins göttliche Licht: Gott hatte den Scheidebrief nur zugelassen, weil Er wusste, wie hart die Herzen der Menschen sein können und wie wenig sie zum Vergeben bereit sind. Aber dies entsprach nicht dem, was im Herzen Gottes war. Er hatte am Anfang der Schöpfung die Ehe als unlösbare Verbindung zwischen einem Mann und seiner Ehefrau eingesetzt. Solange die Erde, d.h. die erste Schöpfung, besteht, bleibt die Ehe so, wie Gott sie eingesetzt hat. «Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.» Wer die Ehe trotzdem scheidet und eine neue Verbindung mit einem anderen Partner (oder einer anderen Partnerin) eingeht, begeht vor Gott die Sünde des Ehebruchs.

Als die Jünger diejenigen zurückwiesen, die Kinder zum Heiland bringen wollten, wurde Er unwillig. Seine Ermunterung «Lasst die Kinder zu mir kommen, wehrt ihnen nicht» hat schon manchen Christen im Dienst an den Kindern bestärkt. Bringen wir die Kinder zum Herrn Jesus, indem wir ihnen aus der Bibel von Ihm erzählen und für sie beten! Er liebt sie und will sie segnen, wie Er es damals getan hat.

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Der reiche junge Mann

Der Mann, der vor dem Herrn Jesus auf die Knie fiel, hätte gern gewusst, wie er ewiges Leben bekommen konnte. Weil er nicht nach der Errettung fragte, sondern etwas tun wollte, verwies ihn der Herr auf das Gesetz. Nun meinte er, dies alles befolgt zu haben. Auf diese kühne Behauptung ging der Heiland nicht ein. Er blickte ihn jedoch an, liebte das Liebenswürdige an seinem Charakter und enthüllte den wahren Zustand des Herzens: Hier regierte das Geld! Weil er es dem Herrn Jesus vorzog, ging er betrübt weg.

Die Jünger betrachteten materielles Vermögen als eine Gunst Gottes. Doch sie mussten lernen, dass man den Segen des Reichs Gottes nicht mit Geld erwerben kann. Reichtum kann sogar ein grosses Hindernis für die Errettung sein. Der wohlhabende Mensch vertraut auf sein Vermögen, anstatt sich ganz auf die Gnade zu stützen. Wer kann dann errettet werden? Niemand, der denkt, er könne etwas zu seiner Errettung beitragen. «Durch die Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es» (Epheser 2,8).

Nun bemerkte Petrus gegenüber dem Herrn, dass er und die anderen Apostel den Weg der Nachfolge, den Er dem reichen Mann vorgestellt hatte, beschritten hatten. Was sollte aus ihnen werden? Wie ermutigend ist die Antwort des Herrn! Wer alles verlässt und Ihm nachfolgt, kommt nicht zu kurz. Er ist ein Kind Gottes, das die Fürsorge des himmlischen Vaters erfährt. Doch die wirkliche Belohnung für ein Leben der entschiedenen Nachfolge empfängt man erst im kommenden Zeitalter.

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Hochmut und Neid

Nachdem der Herr Jesus bereits in Markus 8,31 und Markus 9,31 von seinen bevorstehenden Leiden und seinem Tod gesprochen hatte, kommt Er in den Versen 32-34 zum dritten Mal auf dieses Thema zu sprechen. Nun redet Er ausführlicher von seinen Leiden. Warum entsetzten sich die Zwölf darüber? Warum fürchteten sie sich, während sie ihrem Meister auf dem Weg nach Jerusalem folgten? Sie scheuten sich vor den Leiden und der Verachtung, die sie als Jünger des Herrn Jesus treffen konnte.

Die weiteren Verse beweisen, dass sie von anderen Gedanken erfüllt waren. Sie erwarteten immer noch das Reich in Herrlichkeit und hofften, darin einen bevorzugten Platz zu bekommen. Sie waren noch nicht bereit, die völlige Ablehnung des Messias durch ihre Landsleute anzuerkennen. Dann hätten sie sich zu einem verworfenen Herrn bekennen müssen.

Der egoistische Wunsch von Jakobus und Johannes rief den Unwillen der anderen Apostel hervor. Eifersüchtig stellten sie fest, dass diese beiden etwas vom Herrn erbaten, was sie selbst gern gehabt hätten. Doch der Herr ertrug seine Jünger mit grosser Geduld und versuchte ihnen zu zeigen, dass sie als Glaubende nicht nach Grösse und Einfluss streben sollten. «Wer irgend unter euch der Erste sein will, soll der Knecht aller sein.» Das war genau das Gegenteil von dem, was sie wollten! Der Heiland ermahnte die Jünger nicht nur. Er war auch ihr grosses Vorbild. Als Sohn des Menschen war Er gekommen, um zu dienen und schliesslich sein Leben als Lösegeld für die zu geben, die an Ihn glauben würden.

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Bartimäus

Jericho war der Ausgangspunkt der letzten Reise des Herrn Jesus nach Jerusalem. Eine zahlreiche Volksmenge folgte Ihm. Wussten diese Leute, wer Er wirklich war? Nein! Für sie war Er Jesus, der Nazarener. Mehr nicht.

Doch der blinde Bartimäus, der bettelnd am Wegrand sass, war da anderer Meinung. Sobald er hörte, wer vorbeikam, rief er den Herrn Jesus mit aller Kraft als Sohn Davids um Erbarmen an. Er wusste: Dieser ist der verheissene Messias, der auch Blinden das Augenlicht geben kann (Jesaja 35,5). Als die Menschen aus der Menge ihn anfuhren und zum Schweigen bringen wollten, schrie er umso lauter. Auf diesen Glauben antwortete der Heiland. Er blieb stehen und rief Bartimäus zu sich.

Nun änderte sich die Stimmung in der Masse. Die Leute, die sich vorher durch das Schreien des Blinden gestört fühlten, sagten nun zu ihm: «Sei guten Mutes; steh auf, er ruft dich!» Doch auf die Meinung der Volksmenge konnte man und kann man sich nicht verlassen. Kurze Zeit später riefen sie: «Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!», und einige Tage nachher: «Kreuzige ihn!» (Kapitel 11,9; 15,13-14).

Bartimäus warf sein Oberkleid ab, um noch schneller zum Heiland zu kommen. Bei Ihm wurde der grösste Wunsch des Bettlers erfüllt. Er durfte die Worte des Herrn vernehmen: «Geh hin; dein Glaube hat dich geheilt!» Auf der Stelle wurde er gesund und konnte wieder sehen. Wohin ging er nun? Er folgte seinem Heiland auf dem Weg in Richtung Jerusalem nach.

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Jesus reitet in Jerusalem ein

Wenn der Herr Jesus zu seinen Jüngern redete, nannte Er sich immer wieder Sohn des Menschen. Dieser Titel ist sehr umfassend. Als Sohn des Menschen steht Er in Beziehung zu allen Menschen. Der Titel Sohn Davids hingegen beschränkt sich auf das Volk Israel. Als Nachkomme von König David ist Er der Erfüller aller Verheissungen Gottes an sein irdisches Volk und der wahre König Israels.

In unserem Abschnitt zeigte sich der Herr seinem Volk noch einmal als Sohn Davids, der die Voraussage aus Sacharja 9,9 erfüllte. Zwei seiner Jünger sollten aus dem gegenüberliegenden Dorf ein Eselsfohlen holen und herbeibringen. Die Worte, die Er ihnen mitgab, drücken königliche Autorität aus, so dass die Besitzer des Fohlens die Jünger gewähren liessen.

Sobald sie das Tier brachten, setzte sich der Herr darauf und zog als demütiger König in Jerusalem ein. Die Menschen, die Ihn begleiteten, jubelten Ihm mit den Worten aus Psalm 118,25-26 zu. Damit anerkannten sie Ihn als königlichen Messias. Hinter allem aber sehen wir das Wirken Gottes. Er sorgte dafür, dass seinem Sohn, der von den Menschen verworfen war, für kurze Zeit dieses Zeugnis gegeben wurde.

Nachdem der Herr als Sohn Davids in Jerusalem eingezogen war, warf Er einen prüfenden Blick in den Tempel. Vieles, was Er da sah, stimmte nicht und passte nicht zu dem, was der Tempel sein sollte: das Haus Gottes. Hier konnte Er nicht bleiben. Er verliess die Stadt wieder und zog nach Bethanien hinaus, wo Herzen waren, die in Liebe für Ihn schlugen.

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Der Herr reinigt den Tempel

Am nächsten Tag kam der Herr Jesus von Bethanien nach Jerusalem zurück. Er ging an einem Feigenbaum vorbei, von dem Er hoffte, Früchte an ihm zu finden. Doch er fand nur Blätter. Mit ernsten Worten verfluchte Er ihn.

Dieser fruchtlose Baum, an dem es nichts als Blätter gab, ist zunächst ein Bild des Volkes Israel unter dem Gesetz. Wie sehr hat Gott sich um sein Volk bemüht, um bei ihm Frucht zu seiner Freude zu finden! Aber alle Bemühungen blieben erfolglos (Lukas 13,6-9). Doch Israel unter dem Gesetz steht nicht für sich allein da. Es illustriert eigentlich jeden Menschen in seinem natürlichen Zustand vor Gott. Die Menschheitsgeschichte von Adam bis zum Kreuz hat zur Genüge bewiesen, dass der Mensch unfähig ist, Frucht für Gott zu bringen. Die Worte des Herrn in Vers 14 sind also das göttliche Urteil über den natürlichen Menschen.

In den Versen 15-19 sehen wir, wie der Messias, der Sohn Davids, mit Unwillen gegen alles vorging, was die Menschen in das Haus Gottes hineingebracht hatten. Anstatt den Tempel als ein Bethaus für alle Menschen offen zu halten, hatten die Juden daraus einen Ort gemacht, wo es Geld zu verdienen gab. Die geistlichen Führer – bekannt für ihre Habsucht – spielten bei diesen gierigen und betrügerischen Geschäften eine wesentliche Rolle. Sie hätten den Herrn Jesus, der dagegen intervenierte, am liebsten umgebracht. Aber seine Stunde war noch nicht gekommen. Am Abend verliess Er diese Stadt wieder, die äusserlich so fromm erschien, aber innerlich ganz verdorben war.

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Der Glaube an Gott

Am nächsten Morgen ging der Herr Jesus wieder nach Jerusalem. Er beantwortete den Hinweis von Petrus auf den verdorrten Feigenbaum mit den Worten: «Habt Glauben an Gott.» Das ist ein ganz wichtiges Wort für unseren Weg und Dienst als Christen.

So wie Gott damals dem Herrn Jesus geantwortet hat, möchte Er auch unsere vertrauensvollen Bitten erhören und die Hindernisse (Berg) auf dem Weg beseitigen. Damit Er aber auf unsere Gebete antworten kann, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die erste Bedingung ist der vorbehaltlose Glaube an Gott. Ein solches Vertrauen kommt aber nur da zustande, wo der Glaubende eine ungetrübte Gemeinschaft mit Gott geniesst. Diese lebendige Gemeinschaft geht Hand in Hand mit dem Vertrauen zu Ihm.
  • Die zweite Voraussetzung hängt mit der Natur Gottes zusammen. Gott ist Liebe. Er hat uns aufgrund des vollbrachten Erlösungswerks unendlich viel vergeben. Wenn wir nun im Vertrauen von Ihm etwas erbitten, muss dieses Gebet in einer Herzenshaltung erfolgen, die dem Gott der Liebe entspricht. Sollte uns jemand Unrecht getan haben, so müssen wir ihm in einer vergebenden Haltung begegnen. Wenn wir nicht bereit sind zu vergeben, wird Gott unsere Bitten nicht erhören. Stattdessen werden wir seine gerechten Regierungswege mit uns zu spüren bekommen. Das bedeutet, dass wir ernten müssen, was wir gesät haben: Gott wird seine Vergebung im Blick auf die Ewigkeit nicht rückgängig machen, aber Er wird seine väterliche Vergebung zurückhalten.

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Die Frage über das Recht des Herrn

Wieder ging der Herr Jesus in den Tempel. Nun kamen die religiösen Führer des Volkes auf Ihn zu. Sie traten als solche auf, die für das Gotteshaus verantwortlich waren, und fragten Ihn, wer Ihm die Vollmacht gebe, so im Tempel aufzutreten, wie Er es am Tag zuvor getan hatte (Verse 15-19). Dabei ging es ihnen nicht um die Heiligkeit des Hauses Gottes, sondern um ihre eigene Vorherrschaft.

Als Herzenskenner sah der Herr Jesus die Überlegungen, die hinter ihrer Frage standen. Anstatt ihnen einen sichtbaren Beweis für seine Autorität zu liefern, stellte Er eine Gegenfrage: «Die Taufe des Johannes, war sie vom Himmel oder von Menschen?»

Damit traf Er ihre Herzen. Weil sie nicht Buße tun und nicht zu Gott umkehren wollten, hatten sie den Vorläufer des Messias und seinen Aufruf zur Buße abgelehnt. Das Volk aber war der Überzeugung, dass Johannes ein Prophet Gottes war. Nun kamen sie in Verlegenheit. Ihre Überlegungen zeigen, dass sie nicht an einer aufrichtigen Antwort interessiert waren. Um sich aus der Affäre zu ziehen, schoben sie Unwissenheit vor, was aber nichts anderes als eine Lüge war.

Sie waren also nicht in der Lage zu beurteilen, ob Johannes – der von sich sagte, dass er mit einem Auftrag von Gott gekommen war (Johannes 1,23) – die Wahrheit sagte oder nicht. Wie konnten sie sich da anmassen, vom Sohn Gottes, der als Diener und Prophet vor ihnen stand, zu verlangen, sich für sein Tun zu legitimieren? Aus diesem Grund gab der Herr ihnen keine weitere Auskunft.

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Das Gleichnis der Weingärtner

Der Herr war bereit zu leiden und zu sterben. Doch den Juden musste Er klar vor die Blicke stellen, wie sie im Begriff standen, das Mass ihrer Ungerechtigkeit vollzumachen. Er tat es mit dem Gleichnis von den Weingärtnern. In dieser Geschichte ist Er selbst der eine geliebte Sohn des Weinbergbesitzers.

Im ersten Vers wird angedeutet, wie Gott für sein Volk – diesen Weinberg – alles getan hat, was Er konnte. Israel genoss vonseiten des Herrn alle erdenklichen Vorzüge. Durch die Knechte, d.h. die Propheten, die Gott zu ihnen sandte, suchte Er Frucht bei seinem Volk. Aber anstatt Frucht für Gott zu bringen, behandelten die Menschen in Israel die Propheten Gottes aufs Schlimmste. Sie verschlossen sich ihrer Botschaft und misshandelten sie. Einige töteten sie sogar (2. Chronika 36,15.16; Nehemia 9,26; Apostelgeschichte 7,52). Schliesslich kam der Augenblick, wo Gott seinen geliebten Sohn als Letzten zu ihnen sandte (Hebräer 1,2). Aber anstatt Ihn als den Gesandten Gottes anzuerkennen und entsprechend zu ehren, brachten sie Ihn um.

Die Schlussverse des Gleichnisses zeigen die Konsequenzen auf: Der jüdischen Nation wurden die Vorrechte als Volk Gottes weggenommen. Gott stellte es für eine Zeit beiseite. Der Stein aber, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Die ungläubigen Führer des Volkes Israel haben den von Gott gesandten Messias verworfen und gekreuzigt. Doch Gott hat Ihn auferweckt und Ihn dadurch als die zentrale und massgebende Person bestätigt.

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Die Steuerfrage

Die führenden Leute in Israel verstanden den Inhalt des Gleichnisses und erkannten, dass sie die Weingärtner waren. Am liebsten hätten sie den Herrn Jesus beseitigt. Doch sie fürchteten die Volksmenge, die noch sehr unter dem Einfluss seiner Worte und Werke stand.

Zwei Gruppen, die sonst ganz unterschiedliche Interessen vertraten, schlossen sich zusammen, um dem Herrn eine raffinierte Fangfrage zu stellen. Aber die schönen und schmeichelhaften Worte nützten nichts. Der Sohn Gottes durchschaute ihre Heuchelei und erkannte ihre Überlegungen. Hätte Er ihre Frage «Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben, oder nicht?» mit Ja beantwortet, dann konnte Er nicht der Messias sein, der sie vom Joch der Römer befreien würde. Hätte Er mit Nein geantwortet, dann hätten Ihn die Herodianer bei den Römern als Aufrührer angeklagt.

Die göttlich weise Antwort des Heilands brachte beide Gruppen zur Verwunderung und zum Schweigen. Seine Aussage ist klar: Einerseits hätten sich die Juden demütig unter das Joch beugen sollen, das Gott ihnen durch die Römer auferlegt hatte. Die Zeit der Befreiung und der Wiederherstellung wird kommen, und zwar durch den von Gott gesandten Erretter (Römer 11,26-27). Anderseits sollten sie bis zu dieser Erfüllung in aller Demut Gott das geben, was Ihm gebührt, und die demütigende Unterjochung aus seiner Hand annehmen. Das ungläubige Volk versagte in beiden Punkten. Die Menschen rebellierten gegen die politische Macht, unter der sie standen, und im Blick auf die Ansprüche Gottes zeichneten sie sich durch Heuchelei aus.

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Gibt es eine Auferstehung?

Die Sadduzäer waren eine jüdische Sekte. Sie glaubten weder an eine unsichtbare Welt noch an Engel noch an die Auferstehung (Apostelgeschichte 23,8). Sie meinten einfach, Gott habe seinem Volk das Gesetz gegeben. Das sei alles.

Nun kamen diese Leute zu Jesus. Mit einer gestellten Geschichte und einer Frage versuchten sie die Auferstehung anzugreifen und lächerlich zu machen. In seiner Antwort verwies der Herr die Fragesteller auf den Irrtum, der ihren Worten zugrunde lag. Sie meinten, die Beziehungen und Zustände, in denen die Menschen in dieser Welt leben, würden im Jenseits weiter bestehen. Sie vermischten ihre Gedanken mit den Gedanken Gottes. Da sie beides nicht zusammenbrachten, verwarfen sie das, was sie nicht verstanden.

In seiner Weisheit brachte der Herr Jesus seine Widersacher nicht nur zum Schweigen. Er enthüllte gleichzeitig die Wahrheit der leiblichen Auferstehung, die bereits im Alten Testament in verborgener Form gelehrt wurde (z.B. Hiob 19,25-26; Psalm 16,10). Das Bemerkenswerte dabei ist, dass der Herr nur von der Auferstehung der Gläubigen spricht, obwohl auch die Ungläubigen zum Gericht auferstehen werden. Aber nur die Glaubenden werden «aus den Toten auferstehen», wie Er in Vers 25 sagt. Sie werden wie Engel sein, die geschlechtslos sind und nicht sterben.

Obwohl Abraham, Isaak und Jakob – diese Glaubensmänner – längst gestorben waren, als Mose vor dem brennenden Dornbusch stand, nannte sich Gott ihr Gott. Er ist der Gott der Lebenden.

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Welches ist das wichtigste Gebot?

Die Schriftgelehrten bildeten eine weitere Gruppe unter den Juden. Nach den Pharisäern, Herodianern und Sadduzäern kam auch einer von ihnen mit einer Frage zu Jesus Christus. Er hatte gehört, wie der Heiland den anderen mit göttlicher Weisheit geantwortet hatte. Da die Schriftgelehrten der Ansicht waren, dass einzelne Gebote bedeutungsvoller seien als andere, hätte der Mann gern gewusst, welches das wichtigste und wertvollste von allen war.

In seiner Antwort ging der Herr nicht auf die zehn Gebote ein, sondern zeigte die grossen Grundsätze des Gesetzes auf. Zuerst wies Er auf die Einzigartigkeit Gottes hin. Es gibt nur einen Gott. Er allein ist es, dem der Name Herr (Jahwe) zukommt. Dann fasste der Herr Jesus das Gesetz zusammen und wies auf die Verantwortung des Menschen hin, die daraus resultierte. Er sollte Gott mit aufrichtigem Herzen lieben und seinen Nächsten wie sich selbst. Jesus Christus hatte dies Tag für Tag vollkommen ausgelebt.

Die Reaktion des Fragestellers zeigt, dass sein Herz und sein Gewissen berührt worden waren. Er erkannte, dass es auf das Herz ankam und nicht auf das formale Halten irgendwelcher Anordnungen. Er war nicht weit vom Reich Gottes entfernt. Doch die Herrlichkeit des Herrn, der ihm so weise geantwortet hatte, erkannte er nicht. Ebenso wenig sah er die Gnade, die dieser demütige Knecht Gottes offenbarte. Um ins Reich Gottes einzugehen, hätte er sein Versagen im Halten des Gesetzes einsehen und die Gnade des Heilands in Anspruch nehmen müssen.

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Der Herr und die Witwe

Als niemand mehr wagte, den Herrn Jesus zu befragen, stellte Er selbst eine Frage. Sie betraf seine eigene Person. Wie konnte Er sowohl der Sohn als auch der Herr Davids sein? Die Antwort war klar: Dieser demütige Knecht und Prophet Gottes, der als Mensch der verheissene Sohn Davids war, ist gleichzeitig Gott, der Sohn – also der Herr des Alten Testaments.

Die Schriftgelehrten hätten das Wort Gottes erklären und selbst nach seinen Anweisungen leben sollen. Doch sie hatten nur eine äussere religiöse Form. Sie suchten ihre eigene Ehre und bereicherten sich auf Kosten der Witwen. Ihr Gericht vonseiten Gottes wird besonders schwer ausfallen.

Mitten in all dieser religiösen Heuchelei entgingen dem göttlichen Auge des Herrn die Glaubenden nicht. Er sah die arme Witwe, die zwei Scherflein in den Schatzkasten des Tempels legte. Die reichen Leute spendeten hohe Beträge. Doch sie gaben von ihrem Überfluss und hatten immer noch viel für sich übrig. Darum legte diese Witwe in den Augen des Herrn mehr ein als sie alle. Sie gab von ihrem Mangel, und zwar alles, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt. Sie opferte eigentlich sich selbst als ein lebendiges Schlachtopfer (Römer 12,1). Gott sah ihre Herzenshaltung.

Von den Christen in Mazedonien konnte der Apostel Paulus den Korinthern etwas Ähnliches schreiben: Ihre tiefe Armut war in den Reichtum ihrer Freigebigkeit übergeströmt. Dabei «gaben sie sich selbst zuerst dem Herrn» (2. Korinther 8,2-5).

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Der Anfang der Wehen

Einer der Jünger machte den Herrn Jesus auf die äussere Herrlichkeit des Tempels aufmerksam. Das gab dem Meister die Gelegenheit, ihn auf die völlige Zerstörung des Tempels hinzuweisen: Infolge des Gerichts, das Gott über sein schuldiges Volk bringen wird, wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden.

Nun fragten Ihn Petrus und drei weitere Apostel, wann dies geschehen werde. In seiner Antwort nannte der Herr keinen Zeitpunkt. Vielmehr beschrieb Er den Zustand seines Volkes im Blick auf den Dienst der Apostel bis zu seinem Kommen in Herrlichkeit.

In diesem Abschnitt geht es nicht um das Evangelium der Gnade für alle Menschen, sondern um den Dienst der Jünger im jüdischen Volk. Sie taten ihn damals als Apostel des Herrn. Ausserdem wird dieser Dienst am Ende der Zeit durch jüdische Boten des treuen Überrests ausgeführt werden. Die Zeit der Gnade, in der wir leben, wird hier ausgeblendet.

Der Herr Jesus kündigte ihnen die Verführung an, die von solchen ausgehen wird, die sich als Christus ausgeben werden. Er sprach aber auch von der Verfolgung um seines Namens willen. Das erlebten die Apostel zu Beginn der Apostelgeschichte. Das werden auch jene erfahren, die am Ende der Zeit das Evangelium des Reichs allen Nationen predigen werden. Der 13. Vers zeigt die tiefe Ursache des Hasses gegen die Boten des Herrn: Es ist die Offenbarung Gottes in der Person von Jesus Christus. Gott als solchen tolerieren viele. Sobald aber der Name Jesus verkündigt wird, regt sich Widerstand und Hass.

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Der Gräuel der Verwüstung

Diese Verse sprechen ausschliesslich von der heute noch zukünftigen Zeit des Endes, die dem Kommen des Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit unmittelbar vorausgeht.

Der «Gräuel der Verwüstung» ist ein Götzenbild, das der Antichrist im Tempel aufstellen wird. Eine Andeutung darauf finden wir bereits in Daniel 12,11. Von dem Gegenchristus hatte der Herr in Johannes 5,43 gesagt: «Wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen.» Unter dem Einfluss dieser Person werden die Juden sich wieder dem Götzendienst zuwenden (Matthäus 12,43-45).

Dann wird das göttliche Gericht über das Volk und die Stadt Jerusalem kommen: eine noch nie dagewesene Drangsal. Sie wird 3 ½ Jahre dauern. Auch wenn der Herr Jesus über so ernste Zeiten reden muss, bleibt seine Güte bestehen. In den Versen 17 und 18 denkt Er an die Schwangeren und Stillenden in jenen furchtbaren Tagen und fordert die Jünger auf, dafür zu beten, dass die Flucht nicht im Winter stattfinde.

Am Ende der Drangsalszeit wird jede bestehende Ordnung umgestürzt werden. Schliesslich werden die Menschen Den kommen sehen, der die Erde nicht nur erschaffen hat, sondern durch seinen Tod als Sohn des Menschen auch ein Anrecht an sie erworben hat.

Die Auserwählten in den Versen 20 und 22 sind die gottesfürchtigen Juden, die den Antichristen nicht anerkennen werden. Der Herr Jesus wird sie am Ende der Drangsalszeit durch sein Erscheinen befreien. Sie werden zusammen mit den von den Engeln Gesammelten in den Segen des Tausendjährigen Reichs eingehen.

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Wacht und betet!

Der Feigenbaum ist ein Bild des Volkes Israel. Die weichen Zweige und das Hervortreiben der Blätter deuten die Rückkehr der Juden in das Land Israel und das Erscheinen des treuen Überrests in der Zeit der Drangsal an. Dann weiss man, dass der Sommer, d.h. die Zeit des Tausendjährigen Reichs, nahe ist. Mit dem Ausdruck «dieses Geschlecht» sind die ungläubigen Juden gemeint, die es bis ans Ende geben wird.

Wie tröstlich sind die Worte des Herrn in Vers 31! Sie gelten zunächst für das, was Er über die Zukunft gesagt hat. Alles wird in Erfüllung gehen. Dieser Vers ist aber auch eine Ermunterung für jeden Bibelleser. Was in diesem Buch steht, ist absolut verlässlich, weil Gott es gesagt hat.

Am Schluss des Kapitels werden wir ermahnt, zu wachen und zu beten. Der Herr Jesus ist dieser Mensch, der ausser Landes reiste. Wir, die Gläubigen, sind seine Knechte. Jedem von uns hat Er einen Auftrag erteilt. Nun sollen wir wachen – man könnte auch sagen: an der Arbeit sein –, damit Er uns bei seinem Kommen nicht als Schlafende, sondern als Wachende vorfindet.

In Vers 35 werden die vier Nachtwachen aufgezählt, in die man damals die Nacht einteilte. Vom Tag wird nichts gesagt. Daraus lernen wir, dass die Abwesenheit des Herrn Jesus die Situation auf der Erde zu einer geistlichen Nacht macht (Römer 13,11-14). In dieser Nacht sollen wir wachen. Woher nehmen wir die Kraft, um wach zu bleiben und nicht einzuschlafen? Sie liegt im Gebet. Darum heisst es: «Wacht und betet.»

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Eine Frau salbt den Herrn Jesus

Die Führer des Volkes Israel suchten eine Möglichkeit, Jesus von Nazareth, der ihnen so verhasst war, zu töten. Da sie einen Aufruhr des Volkes befürchteten, sagten sie: «Nicht an dem Fest.» Das war ihre Meinung. Gott aber sagte: An dem Fest! Sein Sohn sollte nämlich das wahre Passahlamm werden, das für uns sterben musste. Als Erfüllung aller Passahlämmer, die im Lauf der Zeit geschlachtet worden waren, sollte Er am Tag des Passah sterben.

Gerade in der Zeit, als der Hass gegen den Herrn Jesus wuchs und sein Tod näher rückte, erfuhr Er in Bethanien ein besonderes Zeichen der Liebe und Hingabe. Aus dem Johannes-Evangelium wissen wir, dass die Frau, die Ihn salbte, Maria von Bethanien war. Sie hatte früher zu seinen Füssen gesessen und seinem Wort zugehört (Lukas 10,39). Ihr Herz schlug hingebungsvoll für Ihn, und sein Wort hatte bei ihr geistliches Verständnis hervorgerufen. Nun wollte sie Ihm ihre Wertschätzung bezeugen und seinen Körper im Voraus zum Begräbnis salben.

Die anwesenden Jünger hatten kein Empfinden dafür und betrachteten das Ausgiessen des Salböls als Verschwendung. Der Herr Jesus aber nahm die Frau in Schutz und sagte: «Sie hat ein gutes Werk an mir getan», und: «Sie hat getan, was sie vermochte.» Der Herr vergisst nichts von dem, was wir in Hingabe an Ihn getan haben, und sei es noch so gering und unbedeutend in den Augen der Menschen. Die Tat von Maria sollte zu einem Denkmal von Hingabe und Liebe zu Christus werden (Vers 9).

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Der Ort für die Passahfeier

Judas, der jahrelang in der Nähe des Heilands gewesen war, der seine Worte und Werke erlebt hatte, wurde vom Teufel getrieben und von der Habsucht überwältigt. Weil er sein Herz dem Herrn Jesus nie geöffnet hatte, war er jetzt soweit, seinen Meister gegen Geld an seine Feinde zu verraten. Er suchte nur noch eine geeignete Gelegenheit, um seine böse Tat umzusetzen.

Es war das letzte Passah, das der Herr Jesus mit seinen Jüngern feiern wollte. In der Stadt gab es bereits ein durch die Gnade zubereitetes Herz, das dem Herrn Jesus dafür sein Gastzimmer zur Verfügung stellte. Obwohl Er als demütiger Knecht vor uns steht, ist Er doch Der, dem alle Rechte gehören.

Nach seinem Kreuzestod trat das Mahl des Herrn an die Stelle der Passahfeier. Mit diesem Gedächtnismahl denken wir jeden Sonntag an seinen Tod. Darum können wir in diesem Abschnitt eine schöne Illustration des Zusammenkommens der Gläubigen zu seinem Namen hin erkennen (Matthäus 18,20). Wir versammeln uns in der Welt (Stadt). Der Mensch mit dem Wasserkrug ist ein Bild des Heiligen Geistes, der uns durch das Wort Gottes unterweist. Das Gastzimmer deutet an, dass wir als Glaubende nur vorübergehend auf der Erde sind. Unsere Heimat ist das Vaterhaus droben. Das mit Polstern belegte Obergemach stellt das Zusammenkommen als Versammlung als einen Ort der Ruhe und des Friedens dar. Die Gemeinschaft mit unserem Herrn, zu dem wir versammelt sind, erhebt uns über die Umstände. Da geniessen wir gemeinsam die Gemeinschaft mit unserem geliebten Herrn und atmen Himmelsluft.

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Das Passah und das Gedächtnismahl

Am Abend kam der Heiland, um mit den Zwölfen das Passah in Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten zu feiern. Doch Er stand im Begriff, eine grössere und bessere Erlösung zu vollbringen. Aber dazu musste Er sterben.

Es bedrückte Ihn jedoch, dass einer, der mit Ihm zu Tisch lag, Ihn an seine Feinde verraten würde. Diese traurige Sache stellte Er nun allen vor. Wie reagierten die Jünger? Sie glaubten dem Wort des Herrn. Sie hatten volles Vertrauen in Ihn, aber sie misstrauten sich selbst und fragten ängstlich: «Doch nicht ich?» In diesem Evangelium wird nichts über die Entlarvung von Judas gesagt. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Tatsache, dass der Verräter einer der Zwölf war und ein schreckliches Gericht über ihn kommen wird.

Ab Vers 22 war Judas nicht mehr dabei. Nun setzte der Herr Jesus sein Gedächtnismahl ein. Diese Zeichen – das Brot und der Kelch – erinnern uns jeden Sonntag, wenn wir sein Mahl halten, an seine Liebe zu uns und an seinen Tod für uns. Das vergossene Blut weist auf den Tod hin, der eintreten musste, damit die Sünden vergeben und wir erlöst werden konnten. Seitdem unser Heiland gestorben, aber auch auferstanden ist, wissen wir, dass Gott sein Werk angenommen hat und wir für ewig in Sicherheit sind. Die Vergebung unserer Sünden ist vollständig, vollkommen und ewig (Hebräer 10,10-14).

Bei der Ankündigung in Vers 25 geht es um seine Beziehung zum irdischen Volk Israel. Durch seinen Tod wurde sie unterbrochen. In der Zeit von seinem Tod bis zur Errichtung des Reichs in Herrlichkeit empfindet Er keine Freude mehr an Israel.

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Eine Warnung an Petrus

Nachdem der Herr mit den Elfen ein Loblied gesungen hatte, verliessen sie den Obersaal und machten sich auf den Weg zum Ölberg. Unterwegs sprach der Herr Jesus von dem, was sich in den nächsten Stunden ereignen würde. Er, der Hirte, der bis dahin für seine Schafe gesorgt hatte, musste sterben. Keiner seiner Jünger konnte Ihn dabei begleiten. Er musste das Werk der Erlösung ganz allein vollbringen. Die verängstigten Jünger würden wie Schafe zerstreut werden – aber nicht für immer.

Wie bei früheren Gelegenheiten sprach der Herr auch jetzt nicht nur von seinem Tod am Kreuz, sondern auch von seiner Auferstehung. Nach seiner Auferweckung würde Er ihnen voraus nach Galiläa gehen. Dort, wo sein Hauptarbeitsgebiet gewesen war, sollten sie Ihn wiedersehen (Matthäus 28,10).

Voller Selbstvertrauen widersprach Petrus seinem Meister. Er meinte es aufrichtig und ernst. Aber das genügte nicht. Der Herr wusste, dass die eigene Kraft eines Menschen nicht ausreicht, um es mit den Angriffen und Listen Satans aufnehmen zu können. Es wird immer zu einer Niederlage führen.

Petrus vertraute hier so sehr auf sich selbst, dass er dem Herrn sogar ein zweites Mal widersprach und beteuerte, dass er Ihn nicht verleugnen würde. Auch die anderen Jünger versuchten zu zeigen, wie sehr sie sich für ihren geliebten Meister einsetzen wollten. Jetzt schwieg der Herr. Die bitteren Erfahrungen mussten sie nun selbst machen. Es wäre aber nicht nötig gewesen, wenn sie auf sein Wort gehört hätten.

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Im Garthen Gethsemane

Der Herr Jesus liess acht Jünger am Eingang des Gartens Gethsemane zurück und nahm nur Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Sie sollten wachen, während Er zu seinem Vater betete.

Weshalb war seine Seele bis zum Tod betrübt? Weil hier der Tod als Lohn der Sünde vor Ihm stand. Er sah den ganzen Umfang des Erlösungswerks, das Er im Begriff stand zu vollbringen. Dabei würde Er – der Heilige, Reine und Sündlose – unsere Sünden an seinem Leib auf dem Kreuz tragen und dafür von Gott bestraft werden. Niemals konnte Er wünschen, zur Sünde und zum Fluch gemacht zu werden. Deshalb betete Er, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an Ihm vorübergehe. «Abba, Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir weg!» Aber wenn wir der ewigen Strafe für unsere Sünden entgehen sollten, musste Er für uns ins Gericht gehen. Eine andere Möglichkeit gab es nicht. So beugte Er sich unter den Willen seines Vaters und erklärte: «Nicht, was ich will, sondern was du willst!» Anbetungswürdiger Herr! Nie werden wir Dir dafür genug danken können!

Während unser Heiland in ernstem Gebet war, schlief Petrus, der behauptet hatte, mit Ihm sterben zu wollen. Und der Meister? Auch in der grössten Seelennot nahm Er sich Zeit für seine Jünger. Er dachte in Liebe an die Seinen, die in Gefahr standen, durch Satan zu Fall zu kommen. Darum forderte der Herr sie auf, zu wachen und zu beten. «Der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach.» An dieser Schwachstelle würde der Feind angreifen.

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Jesus wird festgenommen

Unterdessen war auch der Verräter mit einer Schar bewaffneter Leute nach Gethsemane gekommen. Der Herr Jesus ging ihm entgegen, denn Er war bereit, zu leiden und zu sterben. Bei Judas Iskariot sehen wir, wie weit es mit einem Menschen kommen kann, der sich der Gnade des Heilands verschliesst und dann von Satan verhärtet wird. Mit einem Kuss, dem Ausdruck von Zuneigung, verriet er seinen Meister an die Feinde.

Oftmals war Jesus seinen Widersachern entgangen. Doch jetzt liess Er sich gefangen nehmen. Ihre Stunde und die Gewalt der Finsternis war gekommen (Lukas 22,53). Nun hatte der Herr noch ein Wort an seine Häscher, denn Er wollte vor allem der Autorität der Schriften Zeugnis geben. Täglich lehrte Er öffentlich im Tempel. Warum hatten sie Ihn da nicht festgenommen? Weshalb jetzt in der Nacht, als ob Er ein Räuber wäre? «Aber damit die Schriften erfüllt würden.» Weil sie seinen Tod ankündigten, war Er gewillt zu sterben.

Die Schriften offenbaren die Ratschlüsse und Vorsätze Gottes sowie alle seine Gedanken. Deshalb nahm Jesus Christus als Mensch auf der Erde das geschriebene Wort Gottes zur Richtschnur seines Lebens und zum Beweggrund seines Handelns. Während Er in ungetrübter Gemeinschaft mit seinem Vater lebte, hielt Er sich unentwegt ans Wort Gottes.

Alle Jünger verliessen Ihn und flohen. Der Herr Jesus hingegen unterwarf sich in völliger Ruhe seiner Verhaftung. Er war im Gebet mit seinem Vater durch alles hindurchgegangen. Nun wollte Er dessen Willen bis zum Letzten erfüllen.

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Jesus wird verhört

Im Garten Gethsemane hatte Petrus versucht, sich mit dem Schwert für den Herrn zu wehren. Weil er es im Eigenwillen getan hatte, war es schief gegangen, so dass der Heiland helfend eingreifen musste (Johannes 18,10; Lukas 22,51). Dann war Petrus mit den anderen Jüngern geflohen. In Vers 54 sehen wir, wie er von weitem nachfolgte und sich mit den Feinden seines Herrn an ihrem Kohlenfeuer wärmte.

Unterdessen begann das Synedrium, Jesus zu verhören. Seine Verurteilung stand jedoch bereits fest. Die Führer des Volkes versuchten nur der Sache einen gerechten Anstrich zu geben. Sie suchten Zeugen, die ihr Urteil stützten. Doch alle gaben falsche Zeugnisse, die nicht einmal übereinstimmend waren. Gegen den einzigen Gerechten gab es keinen einzigen Anklagegrund.

Als das Synedrium auf diesem Weg nicht zum gewünschten Ziel kam, stand der Hohepriester auf und sprach Jesus Christus direkt an. Doch Dieser erwies sich als das Lamm, das stumm ist vor seinen Scherern. Er schwieg zu allen Anklagen. Als der Hohepriester aber fragte: «Bist du der Christus, der Sohn des Gepriesenen?», bezeugte Er die Wahrheit. Sie wurde Ihm jedoch als Lästerung ausgelegt und diente dazu, Ihn zum Tod zu verurteilen.

Der Herr war der Messias und der Sohn Gottes nach Psalm 2. Weil Er als solcher verworfen wurde, nahm Er nun seine Stellung als Sohn des Menschen gemäss Psalm 8 ein. In dieser herrlichen Position werden sie Ihn auf dem Ehrenplatz zur Rechten Gottes sitzen, aber auch als Richter kommen sehen.

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Petrus verleugnet seinen Herrn

Der Herr hätte zwölf Legionen Engel rufen können, um sich gegen die grausame und niederträchtige Behandlung durch die Menschen zu wehren. Er tat es nicht, sondern erduldete alles, was diese bösen Menschen Ihm antaten. Doch schmerzlicher als dies war, dass Er von einem seiner Jünger verleugnet wurde.

Gott hat uns den tiefen Fall von Petrus in seinem ewigen Wort festgehalten, damit uns diese Geschichte zur Warnung dient. Was lernen wir daraus?

  • Wenn wir im Selbstvertrauen einen eigenwilligen Weg einschlagen, werden wir keine Kraft haben, der Versuchung zu widerstehen. Die Worte der Magd trafen Petrus unvermittelt und warfen ihn aus der Bahn.
  • Wir werden auch keine Kraft haben, um uns von der Welt abzusondern. Nach der ersten Aussage der Magd hätte Petrus den Hof des hohenpriesterlichen Hauses so schnell wie möglich verlassen müssen. Aber er scheint für die Warnungen taub gewesen zu sein.
  • Ausserdem werden wir die Kraft zum Zeugnis verlieren. Zweimal wurde Petrus gesagt, dass er einer von den Jüngern des Herrn Jesus sei. Anstatt es zu bejahen, verleugnete er den Herrn und seine Mitjünger.

Glücklicherweise sorgte Gott dafür, dass sich Petrus nach dem zweiten Hahnenschrei an das Wort seines Meisters erinnerte. In Lukas 22,61 heisst es sogar, dass der Herr sich umwandte und seinen Jünger anblickte. Da wurde ihm bewusst, was er getan hatte. Weinend verliess er den gefährlichen Ort. Weil der Herr für ihn gebetet hatte, musste er trotz tiefer Beschämung nicht verzweifeln (Lukas 22,32).

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Jesus wird zum Tod verurteilt

In Markus 14,64 wurde das Todesurteil über den Heiland ausgesprochen. Nun führten Ihn die Juden zum römischen Statthalter Pilatus. Er war die oberste richterliche Instanz, die das Todesurteil rechtskräftig machen und auch ausführen konnte. Noch einmal bezeugte der Herr die Wahrheit. Als Pilatus Ihn fragte: «Bist du der König der Juden?», bejahte Er es. Doch zu all den falschen Anschuldigungen schwieg Er. Er übergab sich Dem, der gerecht richtet (1. Petrus 2,23).

In seiner Berichterstattung hebt Markus besonders die Schuld der jüdischen Führerschaft hervor. Doch der römische Richter versagte ebenfalls. Statt der Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen, versuchte er den unbequemen Gefangenen auf andere Weise loszuwerden. Die Römer hatten die Gewohnheit, den Juden zum Passahfest einen Gefangenen freizulassen. Nun liess der gewissenlose Richter das Volk wählen: «Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freilasse?» Nein! Aufgewiegelt durch die Führer zogen sie dem Herrn Jesus den Räuber und Mörder Barabbas vor.

«Was wollt ihr denn, dass ich mit dem tue, den ihr König der Juden nennt?» – «Kreuzige ihn!» Das war ihre übermässig laute Forderung. Weil der römische Richter den Juden einen Gefallen tun wollte, ging er darauf ein und verurteilte Jesus zum Kreuzestod. Dadurch hatte der Wille des jüdischen Volkes und nicht die Herrschaft Roms und das römische Recht die Oberhand. Sowohl die Juden als auch der römische Statthalter müssen sich einst vor dem göttlichen Richter dafür verantworten.

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Spott und Schläge

Die römischen Legionäre wussten, dass der Herr Jesus bezeugt hatte, Er sei der König der Juden. Sobald der Heiland nach dem Urteilsspruch von Pilatus ihren Händen übergeben war, nahmen sie diesen Titel zum Anlass, um den bereits gegeisselten Gefangenen zu verspotten. Der Purpurmantel deutete die Farbe der Könige an (Richter 8,26). Anstelle einer Königskrone flochten sie eine Krone aus Dornen und drückten sie auf sein Haupt. Dann trieben sie ihren grausamen Spott mit Ihm, indem sie Ihn als König begrüssten, ihre Knie vor Ihm beugten und Ihm huldigten. Gleichzeitig schlugen sie mit einem Rohrstab auf sein dornengekröntes Haupt und spien Ihn an. Was wird es sein, wenn diese Menschen einmal vor Ihm als dem Weltenrichter stehen werden und erkennen müssen, dass Der, den sie so misshandelt hatten, wirklich die höchste Autorität ist?

Nachdem sie ihre Brutalität an Ihm ausgelassen und Ihn als König der Juden gedemütigt hatten, führten sie Ihn zur Kreuzigung hinaus. So wurde Er die Erfüllung all der Sündopfer im Alten Testament, die ausserhalb des Lagers verbrannt wurden (3. Mose 4,12.21; Hebräer 13,12).

Auf dem Weg zur Richtstätte zwangen die römischen Soldaten einen unbeteiligten Mann, der vom Feld kam, das Kreuz des Herrn Jesus zu tragen. Über den Eindruck, den dieser Zwischenfall auf Simon von Kyrene machte, lesen wir nichts. Aber Gott hat diesen Dienst an seinem Sohn im ewigen Wort festgehalten. Die Söhne von Simon scheinen zur Zeit der Niederschrift dieses Evangeliums unter den Christen gut bekannt gewesen zu sein.

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Die Kreuzigung

Unser Heiland wurde um die dritte Stunde, also um 9 Uhr morgens, gekreuzigt. In den ersten drei Stunden litt Er unter dem Spott, der Schmähung und Verachtung vonseiten der Menschen. Die Soldaten nahmen Ihm seine Kleider weg und verteilten sie durch das Los untereinander. Es erfüllte sich eine Prophezeiung aus dem Alten Testament: «Sie schauen und sehen mich an; sie teilen meine Kleider unter sich, und über mein Gewand werfen sie das Los» (Psalm 22,18-19).

Auch die Aufschrift mit seiner Beschuldigung, die auf das Kreuz gesetzt wurde, war als Spott gedacht: «Der König der Juden.» In der Zukunft, wenn die Juden auf Ihn blicken werden, den sie durchbohrt haben, werden sie zur Einsicht kommen, dass sie damals ihren Messias gekreuzigt haben (Sacharja 12,10).

In den Versen 29-32 werden drei Gruppen von Menschen aufgezählt, die alle den Gekreuzigten verspotteten. Die Vorübergehenden nahmen seine Aussage aus Johannes 2,19 zum Anlass, Ihn zu lästern. Die religiösen Führer mussten in ihrem Spott bekennen, dass Er andere gerettet hatte. Sich selbst konnte Er tatsächlich nicht retten, wenn Er sein Leben als Lösegeld für viele geben wollte (Kapitel 10,45). Wäre Er vom Kreuz herabgestiegen, hätte kein Sünder errettet werden können. Schliesslich lesen wir von den beiden mitgekreuzigten Räubern, dass sie Ihn schmähten. Das Lukas-Evangelium berichtet, dass einer von ihnen seine Meinung noch geändert und den Heiland um Gnade angefleht hatte. Er wurde gerettet und ging am gleichen Tag mit dem Erlöser ins Paradies.

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Jesus lässt sein Leben

Die Liebe des Heilands war stärker als der Hass der Menschen. Er blieb am Kreuz – für dich und für mich! Ab Vers 33 geht es um unendlich viel mehr als um die Leiden vonseiten der Menschen, obwohl diese überaus schlimm waren. Aber welch ein Unterschied zwischen dem, was die Menschen Ihm antaten und der Strafe, die Gott für unsere Sünden und für die Sünde an Ihm vollzog!

Von der sechsten bis zur neunten Stunde wurde es finster. Da war Christus allein mit Gott, verborgen vor den Augen der Menschen. In diesen drei Stunden bezahlte Er unsere Schuld vor Gott, denn die Strafe zu unserem Frieden lag auf Ihm. Da wurde Er, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht.

In Psalm 22,12 lesen wir, wie Er prophetisch zu Gott sagt: «Sei nicht fern von mir!» Doch Er war von Ihm verlassen. Ja, Gott musste sein Angesicht von Dem abwenden, der für uns zur Sünde gemacht wurde. Es musste sein – sowohl zur Herrlichkeit und Majestät Gottes als auch zu unserer Errettung. Aber wer kann die Tiefen der Leiden ermessen, durch die der Heiland in jenen Stunden ging? Kein Mensch!

Nach den drei Stunden der Finsternis war das gewaltig grosse Erlösungswerk vollbracht. «Jesus aber gab einen lauten Schrei von sich und verschied.» Er opferte sich ohne Flecken Gott, und Gott legte die Sünden vieler auf Ihn. Er musste sterben. Aber niemand nahm Ihm sein Leben. Er gab es freiwillig in den Tod, ohne irgendein Anzeichen von Schwäche. Nun konnte Gott den Scheidevorhang des Tempels zerreissen. Der Zugang zu Ihm war offen.

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Die Grablegung

Der laute Schrei, mit dem Jesus seinen Geist in die Hände des Vaters übergab, traf das Gewissen des römischen Hauptmanns. So hatte er noch keinen Gekreuzigten sterben sehen. Er musste laut sagen, was er dachte: «Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn!»

Gottesfürchtige Frauen, die dem Heiland von Galiläa aus nachgefolgt und mit Ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren, hatten von weitem das Geschehen auf Golgatha verfolgt. Sie hatten alles gesehen und gehört: den Spott, die Verachtung, die Misshandlung vonseiten der Feinde, die Finsternis, die Worte des Herrn und schliesslich den Tod ihres Erlösers. Nun war Er gestorben! Was nun?

Gott selbst sorgte dafür, dass nichts Ungeziemendes mit dem toten Leib seines Sohnes geschah. Die ungläubigen Menschen hatten sein Grab bei Gottlosen vorgesehen, «aber bei einem Reichen ist er gewesen in seinem Tod» (Jesaja 53,9). Dieser reiche Mann war Joseph von Arimathia, der bis dahin ein verborgener Jünger Jesu war. Kühn ging er zu Pilatus hinein und bat um den Leib Jesu. Die Bosheit der Menschen, die am Kreuz einen traurigen Höhepunkt erreichte, forderte den Glauben Josephs heraus, so dass er mutig an die Öffentlichkeit trat.

Als er den Leib des Heilands vom Statthalter geschenkt bekommen hatte, nahm er ihn vom Kreuz herab und beerdigte ihn auf würdige Weise in einer Felsengruft. Johannes berichtet noch von einem anderen zaghaften Jünger des Herrn, der Joseph bei der Grablegung unterstützte: Nikodemus (Johannes 19,39).

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Der Herr ist auferstanden!

Sobald der Sabbat vorbei war, wollten die Frauen, die dem Herrn Jesus nachgefolgt waren und wussten, wo Er beerdigt war, Ihm die letzte Ehre erweisen. Mit den gekauften Gewürzsalben hatten sie im Sinn, seinen Leib zu salben. Doch sie kamen zu spät. Als sie am ersten Wochentag nach Sonnenaufgang zur Gruft kamen, war Er bereits auferstanden. Kein noch so schwerer Stein, der die Öffnung der Gruft verschloss, konnte den auferstandenen Herrn daran hindern, das Grab zu verlassen. Ein Engel kam aus dem Himmel herab, um den Stein wegzuwälzen, damit jeder sehen konnte, dass das Grab leer war (Matthäus 28,2).

Hier bei Markus lesen wir von den Sorgen dieser Frauen, die sich jedoch als unbegründet erwiesen. Sobald sie aufblickten, sahen sie, dass der grosse Stein bereits weggewälzt war. Der Jüngling, der dort sass – es war ein Engel –, erklärte ihnen, dass der von ihnen Gesuchte auferstanden sei. Sie sollten seinen Jüngern und Petrus sagen, dass Er ihnen nach Galiläa vorausgehen werde. Dort würden sie Ihn wiedersehen.

Wer aber den Auferstandenen als Erste gesehen hatte, war Maria Magdalene. Sie durfte den Jüngern die herrliche Botschaft des Herrn überbringen: «Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und meinem Gott und eurem Gott» (Johannes 20,17). Alle Glaubenden gehören seither zur Familie Gottes. Sie sind Kinder Gottes, die Ihn ihren Vater nennen dürfen. In welch eine herrliche Nähe zu Gott sind wir durch das Werk des Herrn Jesus gebracht worden! Aber damals hatten die Jünger Mühe, die Tatsache der Auferstehung zu glauben.

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Predigt das Evangelium!

Die Berichterstattung von Markus ist bis ins letzte Kapitel kurz gehalten. Was über Maria Magdalene in den Versen 9-11 erwähnt wird, finden wir in Johannes 20,11-18 ausführlich beschrieben. Die Begebenheit von den zweien, die aufs Land gingen, wird hier mit zwei Versen erwähnt, in Lukas 24,13-35 aber detailliert erzählt.

Nachdem in den Versen 11 und 13 der Unglaube der elf Apostel unterstrichen wird, offenbarte sich der Herr selbst seinen Jüngern. Er musste sie wegen ihres Unglaubens und ihrer Herzenshärte ernst ermahnen. Doch dann sandte Er gerade diese Männer, die wirklich keine Glaubenshelden waren, mit dem Auftrag in die ganze Welt: «Predigt der ganzen Schöpfung das Evangelium.» Welch eine Gnade des Herrn, dass Er solche unvollkommenen Werkzeuge gebrauchen wollte!

Die Zeichen in den Versen 17 und 18 sollten ihre Verkündigung begleiten. Sie bestätigten, dass die neue Botschaft – das Evangelium der Gnade und der Errettung für alle Menschen – von Gott selbst kam. Durch die Zeichen wurde den Hörern jeder Vorwand für Zweifel und Unglaube genommen (Vers 20b).

Nachdem der vollkommene Knecht seinen Dienst hier beendet hatte, kehrte Er in den Himmel zurück. Weil Er gleichzeitig der Sohn Gottes ist, konnte Er sich selbst zur Rechten Gottes setzen. Doch bis heute hört Er nicht auf, die Seinen in ihrem Dienst der Verkündigung zu unterstützen. Auch wenn Er dies heute nicht mehr mit Zeichen tut, weil wir das ganze abgeschlossene Wort Gottes besitzen, so wirkt Er doch immer noch mit, wenn das Evangelium gepredigt wird.

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