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Leseplan: Das Markus-Evangelium in 64 Tagen
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Zum Markus-Evangelium

Das Evangelium nach Markus ist das kürzeste. Die Berichterstattung erfolgt in sehr knapper Form.

Weder der Stammbaum noch die Geburt Jesu werden erwähnt. Schon im ersten Kapitel berichtet Markus über den Dienst des Herrn. Viel häufiger als in den anderen Evangelien zieht sich der Herr Jesus in die Stille zurück. Oft wird auch seine Bescheidenheit erwähnt: Er wollte nicht, dass seine Taten bekannt wurden. Kein einziges Mal nennen Ihn die Jünger «Herr». Nur siebenmal wird Er «Christus» genannt.

Alle diese Eigenarten weisen auf das Thema dieses Evangeliums hin: Markus stellt uns Jesus Christus als Knecht Gottes vor, wie Ihn schon die Propheten angekündigt haben (Jesaja 42,1-9; Jesaja 49,1-6; Jesaja 52,13-15; Sacharja 3,8). Er sagt selbst von sich: «Der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele» (Markus 10,45).

Zudem zeigt uns Markus den Herrn Jesus als den Propheten Gottes, der das «Evangelium» verkündet. Dieses Wort kommt bei Markus achtmal vor – deutlich mehr als bei den anderen Evangelisten. Wiederholt lesen wir auch, dass der Herr Jesus die Menschen lehrte. Er selbst umschreibt seinen Dienst als Prophet wie folgt: «Lasst uns woandershin gehen in die nächsten Ortschaften, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich ausgegangen» (Markus 1,38).

Jesus Christus ist auch der leidende Knecht und der verworfene Prophet. Darum nimmt der Bericht über sein Leiden und Sterben in diesem Evangelium einen verhältnismässig grossen Raum ein.

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Der Vorläufer des Herrn Jesus

Der Evangelist Markus stellt uns den Herrn Jesus als den vollkommenen Diener und wahren Propheten Gottes vor. Aus diesem Grund finden wir hier keinen Hinweis auf seine Geburt und seine Abstammung als Mensch. Aber der Heilige Geist macht von Anfang an klar, dass dieser demütige Diener eine göttliche Person ist. Jesus Christus ist der Sohn Gottes. Dies wird durch die beiden Zitate in den Versen 2 und 3 unterstrichen. In den Worten aus Maleachi 3,1 ist die Rede von «deinem» Weg. Jesaja 40,3 zeigt aber, dass damit der Weg «des Herrn» gemeint ist. Der Kommende war der Herr (Jahwe) des Alten Testaments.

Die «Stimme des Rufenden in der Wüste» ist das Zeugnis von Johannes dem Täufer. Er war der Vorläufer Dessen, der die gute Botschaft der Gnade bringen würde. Aber die Herzen der Menschen mussten für den Kommenden zubereitet werden. Deshalb verkündete Johannes die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. Viele wurden in Herz und Gewissen angesprochen und aufgerüttelt, so dass sie ihre Sünden bekannten und sich taufen liessen.

Der Täufer wies in seiner Predigt auf Jesus Christus hin, der nach ihm kommen sollte, aber unendlich weit über ihm stand. Er würde mit Heiligem Geist taufen. So etwas konnte nur Gott selbst tun – ein weiterer Hinweis auf die Gottheit des Herrn Jesus. Im Gegensatz zu Matthäus 3,11 wird hier die Taufe mit Feuer, die von Gericht spricht, nicht erwähnt. Warum? Weil im Markus-Evangelium der Schwerpunkt auf dem Dienst der Gnade liegt, den der Herr damals auf der Erde ausübte.

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Vom Jordan in die Wüste

Nun erschien der Angekündigte selbst – es war Jesus von Nazareth – und liess sich von Johannes taufen. Hatte der Herr Jesus Buße und Vergebung der Sünden nötig? Nein, absolut nicht! Aber mit der Taufe nahm Er vor Gott den Platz seines Volkes ein und stellte sich neben jene aus Israel, die sich in Buße vor Gott beugten.

Um aber jedem Missverständnis vorzubeugen, ertönte die Stimme Gottes, des Vaters, aus den Himmeln: «Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.» Zugleich fuhr der Heilige Geist wie eine Taube auf Ihn, den reinen, sündlosen Menschen.

Bei dieser Gelegenheit sehen wir zum ersten Mal, wie sich die Dreieinheit Gottes offenbarte: Der Sohn Gottes stand als Mensch am Jordan, der Heilige Geist kam wie eine Taube auf Ihn und Gott, der Vater, bezeugte sein Wohlgefallen am geliebten Sohn.

In Vers 10 wurde der Sohn Gottes als Mensch mit dem Heiligen Geist versiegelt (Johannes 1,33-34; 6,27). Ab Vers 12 sehen wir, wie Er in der Kraft dieses Geistes seinen öffentlichen Dienst begann. Doch dem ersten öffentlichen Auftreten des Herrn ging die Versuchung in der Wüste durch Satan voraus. Markus erwähnt keine Einzelheiten. Wir sehen einfach, wie es dem Teufel nicht gelang, den reinen, sündlosen Diener zum Sündigen zu verleiten.

Mit dem Abtreten von Johannes dem Täufer fing der Dienst des Herrn Jesus an. Als Prophet predigte Er in Galiläa das Evangelium des Reichs Gottes. In seiner Person war dieses Reich nahe gekommen. Nun sollten die Menschen Buße tun und Ihn im Glauben annehmen.

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Der Herr ruft in die Nachfolge

Als der Herr Jesus am Ufer des Sees Genezareth entlang ging, rief Er zwei Brüderpaare in seine Nachfolge: Simon Petrus und Andreas sowie Jakobus und Johannes. Mit dieser Berufung verband Er sie mit sich selbst im Dienst. Dabei wollte Er sie in seiner Schule ausbilden und zu Menschenfischern machen. Aus der Bemerkung des Herrn Jesus in Vers 17 wollen wir den wichtigen Grundsatz festhalten: Die Nachfolge geht dem Dienst für Ihn voraus. Ein Leben in praktischer Gemeinschaft mit dem Herrn, indem man seinen Fussstapfen nachfolgt, ist die Voraussetzung für jede Arbeit in seinem Werk.

Simon und Andreas warfen ihre Netze aus, als der Herr sie rief. Am Anfang der Apostelgeschichte sehen wir, wie Petrus als Menschenfischer durch seine Ansprachen «das Netz» auswarf. Dabei kamen Tausende zum rettenden Glauben an Christus. Jakobus und Johannes besserten die Netze aus, als sie den Ruf des Herrn hörten. Im hohen Alter erkannte der Apostel Johannes, wie «die Netze des Christentums» zu reissen begannen, als Irrlehrer verkehrte Dinge verbreiteten. Mit seinen Briefen, die er durch den Heiligen Geist inspiriert niederschrieb, trat er diesen Irrlehrern und Irrtümern entgegen.

In Vers 15 hatten wir den Glauben an das Evangelium, in den Versen 17 und 20 die Nachfolge. Welch eine Gnade, dass es auch heute Menschen gibt, die bekennen, an den Herrn Jesus zu glauben. Doch es fragt sich, ob sie alle bereit sind, dem verachteten Jesus von Nazareth auf dem Weg des Glaubens nachzufolgen und seine Schmach mit Ihm zu teilen.

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In der Synagoge von Kapernaum

In den Synagogen, den jüdischen Versammlungsstätten, wurde das Alte Testament gelesen und gelehrt. Auch der Herr Jesus suchte diese Orte auf, um als der vollkommene Diener und Prophet das Volk zu lehren.

Die Zuhörer stellten schnell einen Unterschied zwischen Ihm und den Schriftgelehrten fest. Im Gegensatz zu den jüdischen Gelehrten, die ihre Ansichten weitergaben und ihre Meinungen vertraten, lehrte der Herr Jesus mit göttlicher Autorität und verkündete die Wahrheit.

In der Synagoge zeigte sich nicht nur die Vollmacht seiner Worte. Durch die Anwesenheit seiner Person wurden auch die Dämonen beunruhigt. Angstvoll rief der Mann, der von einem unreinen Geist beherrscht wurde: «Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus, Nazarener?» Die Dämonen wissen, wer der Herr Jesus ist, und zittern vor seiner Strafe (Jakobus 2,19). Doch im Augenblick war der Heiland nicht da, um die Dämonen zu richten, sondern den gebundenen Menschen zu befreien. Mit göttlicher Vollmacht trieb Er den unreinen Geist aus.

So etwas hatten die in der Synagoge anwesenden Menschen noch nie erlebt. Sie entsetzten sich und befragten sich untereinander: «Was ist dies für eine neue Lehre?» Ja, das Evangelium verändert Menschen (Römer 1,16). Doch diese gute Botschaft muss geglaubt werden, damit sie etwas bewirkt. Gerade dieser Glaube fehlte hier. Die «Kunde von ihm» wurde zwar zum Gesprächsthema in Galiläa, aber es gab keine Anzeichen von echtem Herzensglauben (Matthäus 11,23).

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Der aktive und abhängige Diener

Nach der Synagoge kam der Herr Jesus mit seinen Nachfolgern in das Haus von Simon und Andreas. Simon Petrus war verheiratet. Die Mutter seiner Frau war an Fieber erkrankt. Nun taten die Angehörigen das einzig Richtige: Sie erzählten dem Herrn von der Not. Als der grosse göttliche Arzt griff Er in diesem Fall sofort ein und heilte die Kranke. Dabei beschäftigte Er sich ganz persönlich mit ihr: Er ergriff sie bei der Hand und richtete sie auf. Wie schön ist die Reaktion der gesund gewordenen Frau: «Sie diente ihnen.» Es war ein Dienst für den Herrn an den Seinen.

Sobald der Sabbat abends um 6 Uhr zu Ende gegangen war, versammelte sich die ganze Stadt an der Tür des Hauses, worin sich der Heiland befand. Wie viel äussere und vermutlich auch innere Not kam da zusammen! Viele wurden von ihren Krankheiten geheilt und von ihren dämonischen Bindungen befreit. Diese Heilungen waren nicht einfach Beweise seiner Macht, sondern sie zeigten seine Güte, die in göttlicher Kraft wirkte.

Für seinen anstrengenden Dienst brauchte unser Herr als Mensch auch Zeiten der Stille, um im Gebet allein mit Gott zu sein (Jesaja 50,4).

Den Grund, warum Simon Petrus und die anderen Ihm nachliefen, gaben sie mit einem kurzen Satz an: «Alle suchen dich.» Doch es ging dem vollkommenen Diener nicht um die Anzahl Zuhörer oder um persönliche Berühmtheit. Nicht die Bedürfnisse der Menschen waren für Ihn ausschlaggebend, sondern der Wille Gottes. Seine Absicht war, dass alle in Galiläa die gute Botschaft hörten (Matthäus 4,15-17).

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Der Herr heilt einen Aussätzigen

Der Aussätzige war von der Macht des Herrn überzeugt. Doch er war unsicher, ob die Gnade und Liebe des Heilands auch für ihn in göttlicher Kraft tätig würde. Welch eine wunderbare Erfahrung durfte dieser bedauernswerte Mann machen! Innerlich bewegt streckte der Heiland seine Hand aus, rührte den Kranken an, ohne angesteckt zu werden. Dann sagte Er: «Ich will; werde gereinigt.» Da wurde er auf der Stelle gesund.

Der Geheilte sollte das Erlebte nicht weitererzählen, denn der demütige Diener Gottes wollte nicht berühmt werden. Stattdessen bekam er den Auftrag, sich dem Priester zu zeigen und die Opfer zu bringen, die in 3. Mose 14 für die Reinigung vom Aussatz vorgeschrieben waren. Der Herr fügte hinzu: «Ihnen zum Zeugnis.» Der Priester musste stutzig werden, wenn ein gereinigter Aussätziger zu ihm kam. Wer ausser Gott konnte jemand vom Aussatz heilen? Daraus hätte der Priester erkennen müssen, dass Gott in seinem Sohn Jesus Christus mitten unter seinem Volk war (Matthäus 1,23). Doch die Bibel gibt uns keinerlei Anzeichen für eine solche Reaktion. Vielmehr wurden der Hohepriester und die übrigen Führer des Volkes zu den erbittertsten Feinden des Herrn Jesus.

Weil der geheilte Aussätzige nicht gehorchte und seine Heilung überall bekannt machte, wurde der Dienst des Herrn Jesus zu einer Sensation, so dass Er sich zurückziehen musste. Er suchte keine Publizität, sondern wollte seinem Gott gehorchen und den Dienst erfüllen, den Dieser Ihm aufgetragen hatte. Es ging Ihm um die Herzen und Gewissen der Zuhörer.

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Ein Gelähmter kann gehen

Nachdem sich die Situation von Markus 1,45 etwas beruhigt hatte, ging der Herr Jesus wieder nach Kapernaum hinein. Doch es dauerte nicht lang, da strömten Unzählige in das Haus, wo Er sich aufhielt. «Er redete zu ihnen das Wort.» Die Verkündigung war das Wichtigste in seinem Dienst.

Dann kamen vier Männer, die einen Gelähmten zum Herrn Jesus bringen wollten. Doch es war unmöglich, ins Haus zu gelangen. Überall versperrten die Menschen den Zugang zu Ihm. Sollten sie ihr Vorhaben aufgeben und wieder umkehren? Nein. Sie liessen sich nicht entmutigen. Ihr Freund brauchte Hilfe, und sie hatten ein tiefes Vertrauen zum Herrn, dass Er in seiner Liebe und Macht helfen würde. Deshalb stiegen sie aufs Dach, deckten es ab und liessen den Gelähmten auf seinem Bett direkt vor den Herrn Jesus hinab.

«Als Jesus ihren Glauben sah», liess Er die fünf Männer nicht ohne Antwort. Er zeigte ihnen, dass Psalm 103,3 durch Ihn in Erfüllung ging: «Der da vergibt alle deine Ungerechtigkeit, der da heilt alle deine Krankheiten.» Zuerst sprach Er den Kranken von Schuld und Strafe frei. Dann sagte Er zu ihm: «Steh auf, nimm dein Bett auf und geh in dein Haus.» Vergebung und Heilung gingen hier Hand in Hand. Die körperliche Wiederherstellung bestätigte, dass Gott vergeben hatte.

Die anwesenden Kritiker wollten nicht wahrhaben, dass hier Gott selbst vor ihnen stand. Aber durch die Heilung des Gelähmten bewies der Herr Jesus allen Anwesenden, dass Er der Sohn des Menschen ist, der die Vollmacht besitzt, auf der Erde Sünden zu vergeben.

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Jesus im Kontakt mit Zöllnern

In der Nähe des Sees Genezareth rief der Herr Jesus einen weiteren Jünger in seine Nachfolge. Es war der Zöllner Levi oder Matthäus (Matthäus 9,9). Dieser stand nicht nur auf, um Ihm nachzufolgen, sondern lud den Herrn mit seinen Jüngern zu einem Essen in sein Haus ein. Levi hatte noch viele weitere Gäste eingeladen: Zöllner und Sünder. Dadurch bekamen sie alle eine Gelegenheit, mit Jesus Christus in Kontakt zu kommen.

Wie bereits im ersten Abschnitt des Kapitels erhoben die Schriftgelehrten und Pharisäer wieder ihre kritischen Stimmen. Die Tatsache, dass die Juden den Römern Zoll entrichten mussten, war demütigend. Sie bewies, dass sie unter der Herrschaft der Nationen standen. Darum wurden die Leute, die für die Römer arbeiteten, verachtet und als Sünder betrachtet. Doch der Herr war in seiner Gnade nicht für die Selbstgerechten auf die Erde gekommen, sondern für alle, die wussten, dass sie einen Retter brauchten.

Die Fastenfrage beantwortete der Herr Jesus wie folgt: Die Zeit seiner Anwesenheit war kein Grund für Trauer und Fasten. Im Gegenteil! Später, wenn Er nicht mehr hier sein und der Widerstand gegen die Seinen zunehmen würde, dann konnten sie fasten.

In den Versen 21 und 22 spricht Er vom religiösen System, zu dem das Fasten damals gehörte. Diese alte Ordnung war völlig unvereinbar mit der Gnade, die Er brachte. Der neue Wein ist ein Bild der Wahrheit und der geistlichen Kraft der christlichen Zeitperiode. Beides ist unvereinbar mit den gesetzlichen Formen des Judentums. Gesetz und Gnade können nicht zusammengehen.

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Die Sabbatfrage

Den Juden bedeutete der Sabbat sehr viel. Einerseits war er das Zeichen für die Ruhe Gottes in der ersten Schöpfung (2. Mose 20,11). Anderseits gehörte er zu den Merkmalen des Bundes des Herrn mit Israel. Doch der Mensch hatte völlig versagt und konnte als Sünder nicht an der Ruhe Gottes teilhaben.

Diesen Punkt übersahen die Juden. Trotzdem wollten sie den Sabbat besonders heilighalten. In der Umsetzung gingen sie jedoch weiter als die Anordnungen Gottes und klagten deshalb die Jünger als Übertreter der Sabbatgebote an. In seiner Antwort nahm Jesus Bezug auf David und zog eine Parallele zur aktuellen Situation. Damals war David, der rechtmässige König, verworfen und verfolgt. Was nützte es, die Anweisungen über die Schaubrote festzuhalten, wenn der von Gott bestimmte König abgelehnt wurde? Genauso wollten die Juden das Sabbatgebot peinlich genau einhalten und gleichzeitig Christus, den Gesetzgeber und Herrn des Sabbats, ablehnen. Das konnte Gott nicht gutheissen.

Auch in den Anfangsversen von Kapitel 3 geht es um den Sabbat. Der Herr wusste, dass die jüdischen Führer Ihn belauerten. Darum fragte Er sie, bevor Er handelte, ob es erlaubt sei, am Sabbat Gutes oder Böses zu tun. Nun waren ihre Gewissen ins Licht Gottes gestellt. Leider verhärteten sie sich und schwiegen. Und der Herr? Unwillig über ihre verstockten Herzen heilte Er den Mann mit der verdorrten Hand. Ihre böse Gesinnung konnte seine Gnade nicht zurückhalten. Wie traurig war die Reaktion: Zwei verfeindete Parteien verbanden sich und suchten gemeinsam, den Herrn Jesus zu töten!

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Der Herr beruft zwölf Jünger

Die Menschenmengen, die von überall her zum Herrn Jesus strömten, machen deutlich, wie gross die Wirkungen seines Dienstes waren. So viele drängten sich in seine Nähe, dass sie ein Boot für Ihn bereithalten mussten. Nun konnte Er vom Schiff aus zu den Menschen am Ufer reden (vgl. Matthäus 13,2; Lukas 5,3).

Die Menschen, die von unreinen Geistern besessen waren, standen völlig unter ihrer Kontrolle. Das macht die Formulierung in Vers 11 klar. Obwohl diese Dämonen wussten, dass sie es mit dem Sohn Gottes zu tun hatten, wollte Er kein Zeugnis von ihnen annehmen. Er gebot ihnen, Ihn nicht offenbar zu machen.

Wir haben bereits früher gesehen, wie der Herr Jesus als Mensch in seinem Dienst Zeiten der Stille brauchte. In Vers 13 verlässt Er die Volksmenge für eine Weile und steigt auf den Berg. Dann beruft Er seine zwölf Apostel und erweitert damit seinen Dienst. Aber beachten wir die Reihenfolge. Zuerst sollen sie bei Ihm sein und von ihrem Meister lernen. Das Aussenden, um zu predigen und den Menschen zu dienen, folgt später (vgl. Markus 6,7).

Bei der Aufzählung der Namen seiner Apostel fällt auf, wie Er drei von ihnen zusätzliche Namen gibt. Simon bekommt den Beinamen Petrus (= Stein). Schon bei seiner ersten Begegnung nannte ihn der Herr Jesus so (Johannes 1,42). Johannes und Jakobus werden Söhne des Donners genannt. In der Gemeinschaft mit Jesus Christus veränderte sich Johannes zum «Jünger, den Jesus liebte» (Johannes 13,23).

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Der Herr ist stärker als Satan

Der Dienst des Herrn Jesus wurde nicht von allen geschätzt und verstanden. Als Er von den vielen Leuten so sehr in Beschlag genommen wurde, dass Er mit seinen Jüngern nicht einmal Zeit zum Essen fand, meinten seine Angehörigen, nun übertreibe Er. Ihr Urteil lautete: «Er ist ausser sich.»

Seine Feinde aber zogen einen viel schrecklicheren Schluss: Sie schrieben sein wunderbares Handeln der Macht Satans zu. Wie schlimm, wenn der Mensch in der gütigen Tätigkeit des Sohnes Gottes nur Überspanntheit oder sogar das Werk des Teufels sieht!

Nun versuchte der Herr Jesus seinen Gegnern mit einem Gleichnis den Unsinn ihrer Worte aufzuzeigen. Satan kämpft doch nicht gegen sich selbst! In Vers 27 weist Er auf sich hin: Er ist stärker als der Teufel. Durch sein Erlösungswerk am Kreuz würde Er den Starken besiegen und ihm die Beute entreissen (Hebräer 2,14-15).

Die Verse 28-30 beziehen sich vor allem auf das Volk der Juden. Zu ihnen war der verheissene Messias gekommen. Doch sie lehnten Ihn ab, indem sie behaupteten: «Dieser Mensch hält den Sabbat nicht» (Johannes 9,16). Eine solche Sünde hätte vergeben werden können. Aber sie gingen weiter und schrieben das Wirken des Herrn in der Kraft des Heiligen Geistes dem Teufel zu. Sie nannten also den Heiligen Geist einen Dämon. Damit war die Hoffnung für Israel im Blick auf die Verantwortung des Volkes zu Ende. Hier gab es keine Vergebung mehr. Eine Wiederherstellung Israels wird es in der Zukunft nur auf dem Boden der bedingungslosen Gnade geben.

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Der Sämen sät das Wort

Weil die Juden den Heiligen Geist, durch den der Herr wirkte, einen Dämon nannten, brach der Heiland die Beziehung zu Israel als verantwortlichem Volk ab. Das wird aus seiner Antwort an seine Mutter und seine Brüder deutlich, die gekommen waren und Ihn zu sich gerufen hatten. Mit einem Blick in die Runde fragte Er: «Wer ist meine Mutter und meine Brüder?» Sein Volk hatte Ihn verworfen. Doch Er bekannte sich zu den Einzelnen, die bereit waren, den Willen Gottes zu tun. Es waren die, die an Ihn glaubten. Sie bildeten jetzt seine Familie. – Trotz diesem Bruch mit seinem Volk fuhr der Herr in seiner Langmut bis zum letzten Passah fort, den Menschen Gottes Güte zu erweisen.

Der Herr fand keine Frucht für Gott im Weinberg Israel. Der verantwortliche Mensch hatte völlig versagt. Auf dem Weg der Erfüllung der Forderungen Gottes, kann der Mensch Gott niemals gefallen.

Nun begab sich der Herr an den See und belehrte die Volksmenge von einem Schiff aus. Das erste Gleichnis, das Er den Zuhörern vorstellte, war das vom Sämann. Er selbst ist der Sämann, der das Wort in die Herzen der Menschen sät, damit es Frucht für Gott hervorbringe. Doch das Gleichnis macht klar, dass längst nicht jedes Menschenherz, in das der Same des Wort Gottes fällt, Frucht bringt.

Der Same kann an vier verschiedene Orte fallen, was vier unterschiedlichen Herzenszuständen entspricht. Aber nur im Herzen, das mit der guten Erde verglichen wird, wächst der Same und bringt dreissig-, sechzig-, ja, sogar hundertfache Frucht.

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Hören und Frucht bringen

Die Verse 11 und 12 machen nochmals das Gerichtsurteil deutlich, unter dem das jüdische Volk als Ganzes stand, weil es Christus verworfen hatte. Doch seinen Aposteln und den Einzelnen, die echtes Interesse am Wort Gottes hatten, wollte der Herr Jesus das Gleichnis in Gnade erklären.

Der Weg illustriert ein hartes Herz. Wenn so jemand das Wort hört, bleibt es an der Oberfläche. Es dringt nicht ins Herz. Da ist der Satan sofort zur Stelle und nimmt das Wort weg. Das Gehörte wird schnell wieder vergessen und es entsteht keine Frucht.

Im zweiten Fall wird das Wort mit Freuden aufgenommen. Der Hörer freut sich über das Wort der Gnade. Aber weil sein Gewissen nicht erreicht und überführt wird, gibt er das Gehörte wieder auf, sobald Schwierigkeiten auftreten.

Das unter die Dornen gesäte Wort wird von allem, was sonst noch das Herz bewegt, erstickt und bringt auch keine Frucht. Es können die Sorgen, der Einfluss des Geldes und das Verlangen nach Vergnügen sein, die sich im Innern breitmachen und das Wort verdrängen.

Die gute Erde ist das Bild eines zubereiteten Herzens. Solche Menschen hören das Wort nicht nur, sondern nehmen es auch auf, so dass es das Gewissen erreicht und zur Buße und zum Glauben führt. Das Resultat ist dreissig-, sechzig- oder sogar hundertfache Frucht. Wie sie zustande kommt, wird nicht näher gesagt. Es wird nur von der sichtbaren Auswirkung gesprochen. Zweifellos wird die Gnade tätig, so dass das gehörte Wort Gottes wächst und Frucht bringt.

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Das Licht und die Wirkung des Wortes

Wer das Wort Gottes geglaubt und ins Herz aufgenommen hat, ist in der Lage, die Botschaft auch anderen weiterzugeben. Gott möchte nicht, dass das Licht des Evangeliums, das Er uns geschenkt hat, verborgen bleibt. Die Lampe gehört auf den Lampenständer. Doch das Licht, das wir in der Welt verbreiten sollen, kann durch «den Scheffel» (ein Hohlmass) oder «das Bett» gedämpft werden. Wenn uns die Beschäftigungen des Lebens (Scheffel) zu stark in Beschlag nehmen, oder wenn wir uns der Bequemlichkeit hingeben (Bett), wird unser Zeugnis in der Welt beeinträchtigt.

In Vers 22 spricht der Herr über das verborgene Wirken Gottes im Herzen von Menschen. Wenn sich jemand wirklich bekehrt, kann dies vor den anderen nicht verborgen bleiben. Sie werden eine Veränderung in seinem Leben feststellen. Die Verse 24 und 25 reden vom Wachstum bzw. von der Stagnation des geistlichen Lebens eines Glaubenden. Wir können nur an Erkenntnis und an Gnade zunehmen, wenn wir auf das Wort Gottes hören. Je mehr wir uns mit der Bibel beschäftigen, umso mehr «wird uns gegeben werden».

Im nächsten Gleichnis spricht der Herr Jesus von seinem eigenen Wirken. Er ist der Sämann, der den Samen auf das Land geworfen hat. Nach seinem Tod und seiner Auferstehung ist Er in den Himmel zurückgekehrt und lässt den ausgestreuten Samen wachsen. Zur Zeit der Ernte wird Er wiederkommen, um die Garben in seine Scheune zu sammeln. In der Zwischenzeit aber wirkt Er in seiner Gnade im Verborgenen, damit das ausgestreute Wort zur Frucht heranreift.

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Mit Jesus Christus im Sturm

In den Versen 30-34 unterweist der Herr Jesus seine Zuhörer durch ein weiteres Gleichnis über das Reich Gottes. Es zeigt die äussere Entwicklung des Reichs. Am Anfang glich das Christentum einem unscheinbaren Senfkorn. Die Botschaft vom Heiland der Welt, der am Kreuz für sündige Menschen gestorben ist, wurde von den Menschen verachtet (1. Korinther 1,18.23).

Doch es blieb nicht so. Unter der menschlichen Verantwortung wurde die christliche Lehre den Vorstellungen der Menschen angepasst und das Christentum in der Welt salonfähig gemacht. Die Folge davon war, dass es sich zu einer grossen Macht auf der Erde entwickelte. Hinter den Vögeln des Himmels müssen wir den Einfluss Satans sehen (Verse 4.15). Er sorgt dafür, dass alle Ideen der sündigen Menschen unter dem Deckmantel des Christentums geduldet und verbreitet werden.

Die Überfahrt in den Schlussversen des Kapitels illustriert die heutige Zeit und die Umstände, in denen wir leben. Manchmal scheint es, als kümmere sich der Herr Jesus nicht um uns. Aber denken wir daran, dass die Jünger den Willen des Herrn befolgten, als sie ans jenseitige Ufer übersetzten. Das gilt auch für uns. Wenn wir seinen Willen tun möchten, ist Er mit uns in unserem Lebensboot. Vielleicht lässt Er einen Sturm zu, um unseren Glauben zu testen. Dann lasst uns nie vergessen: Ein Schiff, in dem Er sich befindet, kann nicht untergehen! Wir sind mit Ihm unterwegs. Darum brauchen wir uns nicht zu fürchten. Seine Sicherheit ist auch die unsere.

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Ein Bessesener wird befreit

Der Herr Jesus hat nicht nur Macht über die Schöpfung, so dass Wind und Wellen Ihm gehorchen müssen. Ihm haben auch die bösen Geister zu gehorchen. Das sehen wir bei der Heilung des besessenen Gadareners.

Dieser bedauernswerte Mann zeigt uns das Bild eines unbekehrten Menschen. Wir begegnen ihnen tagtäglich. Viele denken zwar, sie seien frei und könnten tun und lassen, was ihnen gefällt. Doch sie täuschen sich. Es stimmt nicht. Natürlich stehen die meisten nicht so direkt unter dem satanischen Einfluss. Aber alle Menschen befinden sich in ihrem natürlichen Zustand unter der Macht der Finsternis und sind Sklaven der Sünde (Hebräer 2,14-15; Römer 6,17-21).

Dieser Mann war mit allen menschlichen Mitteln nicht zu bändigen. So schlagen alle Versuche fehl, den Menschen zu kultivieren und zu verbessern. Die jahrtausendealte Menschheits-Geschichte liefert den besten Beweis dafür.

Hier aber kam Einer, der stärker als der Teufel ist. Die Dämonen wussten genau, mit wem sie es zu tun hatten: mit Jesus, dem Sohn Gottes, des Höchsten. Als Er ihnen befahl, aus dem Menschen auszufahren, baten die unreinen Geister Jesus, Er möge sie nicht aus der Gegend vertreiben. Offensichtlich war man in diesem Landstrich besonders empfänglich für okkulte Einflüsse. So erlaubte der Herr ihnen, in die Herde Schweine zu fahren. Da zeigten sie ihren Hang zur Zerstörung und Vernichtung. Die Schweine stürzten sich in den See, wo sie ertranken.

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Die Gadarener schicken Jesus fort

Man kann sich den Schrecken der Schweinehirten vorstellen, als sie zusehen mussten, wie die ganze Herde von einer unsichtbaren Macht getrieben ins Verderben stürzte. Sie flohen in die Stadt und berichteten, was vorgefallen war. Nun kamen die Bewohner, um Den zu sehen, der solches bewirken und zulassen konnte.

Was sahen sie beim Herrn Jesus? Einen völlig befreiten Mann. Er, der einst unter der Macht Satans gestanden hatte, sass nun ruhig, bekleidet und vernünftig bei seinem Erlöser. Welch ein Zeugnis von der Macht und Gnade des Sohnes Gottes!

Wie traurig ist da die Reaktion jener Leute! Mit der Anwesenheit Satans in Form dämonischer Mächte konnten sie leben. Aber die Gegenwart Gottes in der Person seines Sohnes als demütiger Diener war für sie unerträglich. Fürchteten sie vielleicht, dass Er auch in ihrem Leben Ungereimtheiten aufdecken würde? Jedenfalls baten sie den Herrn Jesus, ihre Gegend zu verlassen. Später stiessen die Menschen Christus aus der Welt hinaus. Sie schlugen Ihn ans Kreuz und sagten damit: Kehre dorthin zurück, woher Du gekommen bist.

Der Geheilte wäre gern mit dem Heiland gegangen. Doch der Herr schickte ihn als Zeuge von dem, was er erlebt hatte, zu seiner Familie zurück. Wie schön ist der Gehorsam dieses Mannes! Nicht nur seinen nächsten Angehörigen, sondern in jener ganzen Gegend erzählte er, «wie viel Jesus an ihm getan hatte». In Markus 7,31-37 finden wir eine Frucht dieses Zeugnisses in der Dekapolis.

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Die Frau mit dem Blutfluss

Sobald der Herr Jesus aus dem Land der Gadarener zurückkam, versammelten sich wieder viele Menschen um Ihn. Da kam ein Synagogenvorsteher mit einer grossen familiären Not zum Heiland. Seine zwölfjährige Tochter lag im Sterben. Er bat Ihn: «Komm doch und lege ihr die Hände auf.» Sofort machte sich der Herr auf den Weg.

So wie dieser Mann mit seiner Not zum Herrn Jesus kam, können heute alle gläubigen Eltern ihre Sorgen im Blick auf die Errettung ihrer noch unbekehrten Kinder im Gebet vor den Herrn bringen. Es ist sein Wille, dass sie gerettet werden.

In der Volksmenge, die dem Herrn Jesus wegen der Wunder, die Er tat, aus reiner Neugier nachfolgte, befand sich eine kranke Frau, die wirklich glaubte. Sie war überzeugt, dass das Anrühren seiner Kleider genügte, um geheilt zu werden. So kam sie von hinten, rührte mit Glaubensüberzeugung sein Gewand an und wurde auf der Stelle gesund.

Dann drehte sich der Heiland um und wollte wissen, wer Ihn angerührt und wer die heilende Kraft, die von Ihm ausgegangen war, erfahren hatte. Seine Augen suchten die Person, die Ihn im Glauben angefasst hatte. Doch Er wollte sie nicht einfach blossstellen, sondern sie in eine persönliche Beziehung zu sich bringen. Dazu war nötig, dass sie Ihm die ganze Wahrheit bekannte. Sie tat es, wenn auch mit Furcht und Zittern. Dann durfte sie jedoch die Bestätigung aus seinem Mund hören: «Dein Glaube hat dich geheilt; geh hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage.» Sein Wort gab ihr die Gewissheit, dass sie gesund geworden war.

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Die Tochter von Jairus wird auferweckt

Wie ging es Jairus in der Zwischenzeit? Der Heiland wollte doch mit ihm nach Hause zu seiner todkranken Tochter gehen! Unterdessen bekam der Synagogenvorsteher die traurige Nachricht: «Deine Tochter ist gestorben.» Nun war es zu spät! Was nützte es noch, dass der Herr Jesus zu ihm kam?

In dieser hoffnungslosen Situation sagte der Heiland zu ihm: «Fürchte dich nicht; glaube nur.» Zudem ging der Herr mit Petrus, Jakobus und Johannes einfach den Weg weiter, bis Er beim Haus von Jairus ankam.

Dort zeigte sich die ganze Hoffnungslosigkeit der Menschen angesichts des Todes: Sie weinten und jammerten laut. Welch ein Lärm! Nun betrat der Sohn Gottes das Trauerhaus. Für Ihn, den Allmächtigen, war das Mädchen nicht gestorben. Es schlief nur. Doch die ungläubigen Menschen verlachten Ihn, so dass Er alle hinausschicken musste.

Allein mit den Eltern des Kindes und den drei Jüngern trat Er in das Zimmer, wo das Mädchen lag. Dort offenbarte Er sich als der Sohn Gottes, der das Leben ist und es wiedergeben kann. Mit den Worten «Mädchen, ich sage dir, steh auf!» rief Er es ins Leben zurück. Welch ein Wunder durften diese geprüften Eltern erleben!

Die Aufforderung des Retters in Vers 43, man möge ihr zu essen geben, gilt auch im übertragenen Sinn. Wenn ein Mensch durch den Glauben an den Herrn Jesus neues, göttliches Leben empfängt, braucht er geistliche Nahrung aus der Bibel. Nur so kann sich sein Glaubensleben gesund entwickeln.

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Der Herr sendet die zwölf Apostel aus

Auf dem Weg seines Dienstes kam der Herr auch nach Nazareth. Am Sabbat lehrte Er in der Synagoge, wo Ihn alle kannten. Was die Bewohner seiner Vaterstadt zu hören bekamen, passte überhaupt nicht ins Bild, das sie bis dahin von Jesus Christus hatten. Für sie war Er der Sohn der Maria. Erstaunt fragten sie sich: «Woher hat dieser das alles, und was ist das für eine Weisheit, die diesem gegeben ist?» Um in diesem demütigen Menschen nicht nur den Sohn der Maria, sondern den Christus und den Sohn Gottes zu erkennen, wäre Glauben nötig gewesen. Doch dieser fehlte jenen Menschen. Sie sahen in Ihm nur den Zimmermann. Durch ihren Unglauben behinderten sie das Wirken der Macht Gottes. «Er konnte dort kein Wunderwerk tun.»

Vor einiger Zeit hatte der Herr die Apostel zu sich gerufen, «damit sie bei ihm seien und damit er sie aussende» (Markus 3,13-14). Nun war der Zeitpunkt gekommen, wo Er sie zu zwei und zwei aussandte. Für ihren Dienst rüstete Er sie mit besonderer Vollmacht aus. Darin zeigte sich einmal mehr, dass Jesus Christus Gott war, denn kein Mensch kann einem anderen solche Kraft verleihen. Wie ihr Meister übten auch seine Gesandten diese göttliche Macht in Güte aus.

Noch war ihr Lehrer bei ihnen. Sie brauchten nichts mitzunehmen. Er würde für sie sorgen (Lukas 22,35). Ihre Botschaft richtete sich ans Volk Israel. Da, wo man sie nicht aufnehmen wollte, sollten sie den Staub abschütteln als ein Zeugnis gegen jene Stadt. Wer die Boten des Herrn ablehnte, verwarf Ihn selbst.

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Herodes und Johannes der Täufer

In jener Zeit hörte auch König Herodes, zu dessen Herrschaftsbereich Galiläa gehörte, von Jesus Christus. Nun regte sich sein Gewissen, denn er hatte Johannes den Täufer ins Gefängnis geworfen und ihn schliesslich enthauptet. Als er nun vom Wirken Jesu hörte, dachte er, Johannes sei auferstanden.

Ab Vers 17 folgt der ausführliche Bericht vom Zeugnis des Johannes gegenüber König Herodes, von seiner Gefangennahme und den Begleitumständen seines gewaltsamen Todes. Weshalb wird diese Geschichte an dieser Stelle im Markus-Evangelium erwähnt? Weil mit dem Tod des Vorläufers des Herrn die Berichterstattung beginnt, den Widerstand des menschlichen Herzens gegen das Zeugnis Gottes aufzuzeigen. Die Feindschaft gegen die Wahrheit und das Licht erreichte mit der Kreuzigung des Herrn Jesus ihren Höhepunkt.

Aus dem Verhalten von König Herodes lernen wir zudem einiges, was allgemein gültig und wichtig ist. Herodes wusste, dass Johannes ein gerechter und heiliger Mann war. Er hatte manche Unterredung mit ihm und es schien, als habe das Zeugnis von Johannes einen guten Einfluss auf den König (Vers 20). Doch es waren nur natürliche Regungen. Diese genügen nicht, um die gefallene Natur des Menschen in Schach zu halten. Eine wirkliche Veränderung gibt es nur bei einem Menschen, der im Gewissen getroffen wird, Buße tut und Gott seine Sünden bekennt. Ihm wird vergeben und er empfängt ein neues Leben. Bei Herodes ging es nicht so tief. Er blieb ein Sklave seiner Begierden.

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Die Speisung der Fünftausend

Wir können uns vorstellen, wie die Apostel zum Herrn Jesus zurückkamen. Sie waren ganz erfüllt von dem, was sie erlebt und gewirkt hatten. Alles erzählten sie Ihm. Doch der Heiland sagte kein Wort dazu. Er forderte sie vielmehr auf: «Kommt ihr selbst her an einen öden Ort für euch allein und ruht ein wenig aus.» Wie nötig ist es für jeden Arbeiter des Herrn, sich nach einem Dienst in die Gegenwart Gottes zurückzuziehen. Beim Herrn Jesus in der Stille werden wir nicht überheblich. Im Gegenteil! Dort lernen wir, was wir in Wahrheit sind. In seiner Gegenwart geniessen wir seine Liebe. Wir sind mit Ihm und nicht mit uns beschäftigt.

Die Ruhepause war kurz, denn die Liebe Gottes findet in dieser Welt keinen Ruheort. Am Ziel ihrer Überfahrt trafen sie eine grosse Volksmenge, die bereits auf den Herrn Jesus wartete. Und Er? Er wurde nicht ärgerlich über die gestörte Ruhe. Er dachte nicht an sich, sondern wurde innerlich bewegt, als Er die geistlichen Bedürfnisse dieser Menschen sah. «Er fing an, sie vieles zu lehren.»

In dieser Menschenmenge waren auch körperliche Bedürfnisse vorhanden. Der Heiland übersah sie nicht. Als die Jünger die Leute wegschicken wollten, sagte Er zu ihnen: «Gebt ihr ihnen zu essen.» Doch der Kleinglaube seiner Nachfolger rechnete menschlich. Der Herr aber nahm das Wenige, das vorhanden war, dankte für das Essen und verteilte es unter alle. Keiner kam zu kurz. Jeder bekam genug. Es blieben sogar zwölf Handkörbe voll Brocken übrig. Welch eine Gnade!

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Der Herr Jesus wandelt auf dem See

Die Beschreibung der Umstände bei der Überfahrt ab Vers 45 gibt uns manche Hinweise auf die Zeit, in der wir leben. Der Herr Jesus ist abwesend, aber Er ist im Himmel als Hoherpriester für uns tätig. Obwohl die Jünger sich gehorsam auf den Weg machten, den der Meister sie angewiesen hatte, litten sie bald unter starkem Gegenwind. So lässt der Herr auch auf unserem Glaubensweg Stürme zu. Aber Er sieht alles und hat alles in seiner Hand. Lasst uns dies nicht vergessen!

In der Überfahrt sehen wir auch ein prophetisches Bild. Die Volksmenge wird entlassen. So wurde Israel nach der Verwerfung des Messias als Volk auf die Seite gestellt. Die Jünger im Schiff stellen den gläubigen Überrest der Juden am Ende der Zeit dar. Sie werden durch die schwere Drangsalszeit gehen müssen. Doch der Herr vergisst sie nicht. Zu seiner Zeit erscheint Er und tröstet sie mit den Worten: «Fürchtet euch nicht.» Er gibt sich als ihr Erretter zu erkennen und befreit sie aus ihrer Not.

Die Verse 53-56 runden das soeben beschriebene prophetische Bild ab. Ähnlich wie der Herr Jesus in seiner Schöpfermacht zu den Jüngern kam, wird Er in Macht für den treuen Überrest erscheinen und das Tausendjährige Reich einführen. Dann wird es so sein, wie es hier bildlich gezeigt wird. Nicht nur Israel wird gesegnet sein. Auch die Völker werden den Segen geniessen, den der Herr Jesus auf der Erde geben wird. Diese Verse illustrieren, wie alles von Christus ausgehen wird. Dann wird Er da angenommen werden, wo Er einst abgelehnt wurde.

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Der Herr tadelt menschliche Vorschriften

Im Judentum gab es viele Überlieferungen der Ältesten. Diese Vorschriften regelten das Verhalten der Menschen. Eine Religion, die auf äusseres Benehmen Wert legt, wird im Allgemeinen geschätzt. Es ist einfach, solche Vorschriften zu befolgen. Dazu braucht man kein reines Herz vor Gott. Zudem kann man sich durch ein besonders genaues Einhalten von Vorschriften vor den anderen in ein gutes Licht stellen. Man erscheint frömmer als sie.

Um dieses Thema geht es in den ersten Versen dieses Kapitels. Es störte die Pharisäer, dass die Jünger des Herrn Jesus ihre Waschvorschriften nicht befolgten. Die Antwort des Meisters könnte nicht deutlicher sein. Mit einem Wort aus dem Propheten Jesaja deckte Er ihre Heuchelei auf. Die äussere Frömmigkeit brachte sie nicht in die Gegenwart Gottes. Nein, ihr Herz war weit von Gott entfernt.

Aber noch schlimmer war, dass die Pharisäer ihre Überlieferungen über das ewige Wort Gottes stellten und damit die Aussagen der Bibel ungültig machten. Der Herr Jesus führte dazu ein Beispiel an: Gott verlangt in der Bibel, dass wir die Eltern ehren. Die frommen Führer aber wandten ein: Wenn du das, was du zur Unterstützung deiner Eltern brauchen würdest, als Opfer Gott gibst, befreit dich das vom Halten des fünften Gebots.

Auch heute lieben viele Menschen eine Religion äusserer Werke. Sie sind froh, dass keine echte innere Heiligkeit von ihnen gefordert wird. Aber Gott verabscheut eine solche oberflächliche Frömmigkeit. Er sieht auf das Herz und erkennt, wie der Mensch zu Ihm steht.

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Innere und äussere Verunreinigung

Die Pharisäer legten grossen Wert auf äussere Reinheit. Doch der Herr macht in den Versen 14-16 allen Zuhörern klar, dass der Mensch durch das, was er durch den Mund aufnimmt, vor Gott nicht verunreinigt wird. Was ihn verunreinigt, ist das, was aus dem Innern des Menschen hervorkommt und in seinem Verhalten sichtbar wird.

Die Jünger verstanden die Worte des Herrn nicht. Ihr natürliches Verständnis war durch die Traditionen der Ältesten getrübt. Auch heute gibt es ernsthafte Menschen, die meinen, sie würden sich vor Gott verunreinigen, wenn sie diese oder jene christliche Tradition nicht mehr befolgten.

Nun ist der Herr Jesus in seinen Ausführungen ganz deutlich: Das Böse, das den Menschen vor Gott schuldig macht, kommt aus seinem eigenen Herzen. Dort liegt die Quelle der schlechten Gedanken, die oft zu bösen Taten führen. Die Aufzählung all der schlimmen Dinge, die dem menschlichen Herzen entspringen, zeigt, dass Gott unser Herz nicht nur erforscht, sondern es auch durch und durch kennt.

Glücklicherweise gibt es eine Lösung für dieses Problem. Wenn wir an den Herrn Jesus glauben, werden wir von neuem geboren. Wir empfangen neues, göttliches Leben. Oder anders ausgedrückt: Wir erfahren eine Ganzwaschung und werden rein für Gott (Johannes 13,10). Da wir aber nach der Bekehrung neben dem neuen Leben auch die alte, sündige Natur noch haben, gilt es, ständig wachsam zu sein. «Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens» (Sprüche 4,23).

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Zwei Heilungen

Von Galiläa zog der Herr Jesus weiter nördlich in das angrenzende Gebiet von Tyrus und Sidon. Er suchte etwas Ruhe. Aber Güte gepaart mit göttlicher Macht ist in der Welt so etwas Unbekanntes, dass es auffällt. Es kann nicht verborgen bleiben.

Eine heidnische Frau aus jener Gegend, deren Tochter unter der Gewalt eines unreinen Geistes stand, fiel zu den Füssen des Herrn Jesus nieder und bat Ihn, den Dämon auszutreiben. Weil die Frau nicht zu Israel gehörte, hatte sie kein Anrecht auf den Segen, den der Messias seinem Volk brachte. Darauf machte der Herr sie in Vers 27 aufmerksam. Doch die Not in ihrer Familie und das Vertrauen in die Güte und Macht des Herrn bewog sie, nicht aufzugeben. Sie anerkannte die Rechte des Volkes Israel und gab zu, dass sie nur ein Hund war. Aber sie stützte sich auf die Gnade Gottes, von der sie dachte, dass sie auch für Rechtlose genüge. Sie wurde nicht enttäuscht.

Zurück in Galiläa zog der Herr Jesus durch das Gebiet der Dekapolis. Hier brachten sie einen tauben Menschen zu Ihm, der auch schwer redete. Der Heiland nahm ihn auf die Seite und kümmerte sich persönlich um ihn. Warum seufzte Er, als Er zum Himmel aufblickte und sagte: «Werde aufgetan!»? Dieser Mann war ein Abbild seines irdischen Volkes. Die Menschen aus Israel waren taub gegenüber der Stimme des guten Hirten. Die schwere Zunge zeigt, dass es auch am Lob Gottes fehlte. Das alles beschwerte den Herrn. Dennoch half Er dem Tauben in seiner Gnade und Macht, so dass die Menschen erstaunt sagten: «Er hat alles wohlgemacht.»

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Die Speisung der Viertausend

Der Herr Jesus fährt fort, in Güte zu handeln. Viele Menschen waren von Ihm angezogen worden. Nun weilten sie bereits drei Tage bei Ihm. Ans Essen hatte niemand mehr gedacht. Aber jetzt sehen wir den Heiland innerlich bewegt über die Menschen, die Hunger hatten. In diesem Zustand wollte Er sie nicht nach Hause schicken.

Der Meister hätte seine Empfindungen gern mit den Jüngern geteilt. Doch sie sahen nur die menschliche Unmöglichkeit, diesen vielen Leuten in der Einöde zu essen zu geben. Sie waren weder innerlich bewegt wie der Herr, noch zeigten sie Vertrauen in Gott und seine Allmacht. Ja, sie hatten in der Schule des Meisters noch manches zu lernen!

Nun begann Er selbst zu handeln. Wieder wurden die Vielen mit dem Wenigen, das vorhanden war, mehr als gesättigt. Es blieben sieben Körbe voll Reste übrig.

Aufs Neue überquerte der Herr mit den Jüngern den See Genezareth. Im Gebiet von Dalmanuta griffen Ihn die Pharisäer wieder an. Sie forderten von Ihm ein Zeichen vom Himmel. Waren all die Wunder und Zeichen, die sie bisher von Ihm gesehen hatten, nicht vom Himmel? Doch! Er war vom Himmel herabgekommen, um den Menschen die Werke seines Vaters zu zeigen (Johannes 6,38; 10,32). Aber der Unglaube ist nie zufrieden. Das zu erleben, war für den Herrn Jesus eine grosse Not, so dass Er in seinem Geist tief seufzte. Ja, für die ungläubigen Pharisäer war die Zeit abgelaufen. So liess der Herr sie einfach stehen. Wenn das Herz nicht glauben will, nützen alle Zeichen nichts.

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Warnung vor den Pharisäern

Die Jünger des Herrn waren nicht ungläubig wie die Pharisäer, aber sie waren geistlich blind. Als der Herr sie mit dem Bild des Sauerteigs vor der Heuchelei und der Weltförmigkeit der Führungsschicht in Israel warnte, dachten sie an materielle Brote. Sie hatten keine mitgenommen und sorgten sich nun. Da musste der Herr Jesus ernst mit ihnen reden. Hatten sie wirklich all das, was kurz vorher geschehen war, vergessen? Waren die Speisung der 5000 und die der 4000 mit den wenigen vorhandenen Broten und Fischen ohne Eindruck auf sie geblieben? – Wie steht es um uns? Muss der Herr nicht auch uns manchmal vorwurfsvoll fragen: «Begreift ihr noch nicht?» Haben wir noch nicht gemerkt, was für einen wunderbaren Herrn wir haben?

Die Heilung in zwei Schritten, wie sie der Blinde erfuhr, der in Bethsaida zum Herrn Jesus gebracht wurde, enthält eine geistliche Belehrung. Wenn ein Mensch zum Glauben an den Herrn Jesus kommt, erfolgt das geistliche Sehen oft auch in zwei Schritten. Zuerst erkennt man die Vergebung seiner Sünden und empfängt neues, göttliches Leben. Aber oft fehlt eine wirkliche Heilsgewissheit. Erst wenn der Erlöste den Umfang und den Inhalt der Errettung gemäss den Belehrungen der Bibel erkennt, verschwinden die Zweifel. Dann bekommt er einen festen inneren Frieden.

Wie viel Mühe gab sich der Herr Jesus, um diesen Blinden ganz zu heilen! So bemüht Er sich auch heute um die, die an Ihn glauben. Er möchte ihnen das ganze Ausmass des göttlichen Heilsplans verständlich machen.

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Einem verworfenen Herrn nachfolgen

Auf die Frage des Herrn Jesus an die Jünger: «Wer sagen die Menschen, dass ich sei?», gab es ganz verschiedene Antworten. Das Entscheidende aber war, dass die Jünger selbst überzeugt waren, dass Er der Messias war: «Du bist der Christus.» Sie sollten es jedoch niemand weitersagen, weil sein Zeugnis unter dem Volk bereits zu Ende war. Die Mehrheit hatte Ihn abgelehnt.

Die Jünger erkannten den Herrn Jesus wohl als den Christus, aber sie verbanden Ihn nur mit der Herrlichkeit seines Reichs. Darum musste Er von seiner Verwerfung und seinem Tod reden. Wenn Er ihnen das Kreuz vorstellte, redete Er immer auch von seiner Auferstehung. Als der Heiland so offen mit den Jüngern sprach, meinte Petrus, er müsse Ihm widersprechen. Da machte der Herr ihm klar, dass seine Worte von Satan kamen und keineswegs dem Willen Gottes entsprachen.

Es ist nicht so einfach, dem Herrn Jesus in einer Welt nachzufolgen, die Ihn verworfen hat. Das zeigen uns die Verse 34-38. Wirklich sein Jünger zu sein, bedeutet Selbstverleugnung. Weiter sagt der Herr: «Er nehme sein Kreuz auf.» Wenn damals einer ein Kreuz trug, war er auf dem Weg zur Richtstätte. Ein solcher hatte mit der Welt abgeschlossen und die Welt mit ihm. Genau dies sollen wir als Nachfolger des Herrn verwirklichen und keine unnötige Verbindung zur Welt um uns her unterhalten. Wenn uns ein solcher Weg Mühe macht, dann lasst uns daran denken, dass dieser Weg zur Herrlichkeit führt. Wir gehören dem Sohn des Menschen an, der in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen heiligen Engeln kommen wird.

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Die Herrlichkeit auf dem Berg

In Kapitel 8 hatte der Herr Jesus zu den Jüngern von seiner Verwerfung als Messias und von seinem Tod gesprochen. Wenn sie Ihm wirklich nachfolgen wollten (Markus 8,34), mussten sie bereit sein, in der Welt auf der Seite eines verworfenen Herrn zu stehen. Im Hinblick auf diese veränderte Situation wollte Er den Glauben der Jünger stärken.

Dazu nahm Er drei von ihnen mit auf einen hohen Berg und zeigte ihnen etwas von seiner persönlichen Herrlichkeit. Die Eindrücke, die der Apostel Petrus dabei empfing, vergass er nicht mehr. In seinem zweiten Brief beschreibt er dieses Erlebnis auf dem heiligen Berg (2. Petrus 1,16-18).

Dem verwandelten Herrn erschienen zwei grosse Glaubensmänner aus dem Alten Testament: Mose und Elia. Sie stellen im Bild die verherrlichten Gläubigen dar, die in der himmlischen Herrlichkeit des zukünftigen Reichs mit dem Herrn Jesus vereint sein werden.

Als Petrus durch seine Aussage den Herrn auf die gleiche Stufe mit Mose und Elia stellte, griff Gott, der Vater, ein und unterstrich die Einzigartigkeit seines geliebten Sohnes. Auf Ihn sollten sie hören. Gleichzeitig verschwanden Mose und Elia.

Die Auferstehung des Sohnes des Menschen aus den Toten ist die Voraussetzung für die Erfüllung der angedeuteten Herrlichkeit auf dem Berg. Darum sollten die drei Jünger erst nach seiner Auferstehung über das Erlebte berichten. Die Frage über den kommenden Elia (Maleachi 3,23) veranlasste den Herrn, von seinen bevorstehenden Leiden und seinem Tod zu sprechen.

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Der Junge mit dem stummen Geist

Als der Herr Jesus mit den drei Jüngern vom Berg herabkam, begegnete Er dem Unglauben der Welt, einem Mangel an Glauben bei den Seinen und der Schwachheit des Glaubens bei dem, der in Not war. Die Macht des Feindes schien stärker als alles zu sein. Warum waren die Jünger nicht in der Lage, den stummen Geist auszutreiben, obwohl sie früher solche Wunder in der Kraft des Herrn getan hatten (Kapitel 6,13)? Ihnen fehlte der Glaube. Darum konnten sie die Kraftquelle, die im Herrn vorhanden war, nicht gebrauchen.

Als dem Heiland die ganze Situation geschildert wurde, sehen wir, wie Er trotz des Versagens der Jünger in Geduld und Güte handelte. Er konnte ihnen zwar einen Tadel nicht ersparen. Doch im gleichen Atemzug sagte Er: «Bringt ihn zu mir!»

Der Vater des okkult belasteten Jungen war ganz verzweifelt. Gab es überhaupt noch Hoffnung für ihn und sein krankes Kind? Traurig bat er den Heiland: «Wenn du etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!»

Auf der Seite des Herrn gibt es jedoch kein Wenn. Es geht immer um den Glauben auf unserer Seite. Der arme Vater verstand die Antwort des Herrn und rief: «Ich glaube; hilf meinem Unglauben!» Diese aufrichtigen Worte aus einem schwer geprüften Herzen blieben nicht ohne Antwort vonseiten des Heilands. Mit göttlicher Autorität gebot Er dem unreinen Geist, für immer von dem Knaben auszufahren. Noch einmal zeigte sich die schreckliche Macht Satans. Aber dann musste sich der Dämon dem Befehl des Herrn beugen.

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Unterweisungen an die Jünger

Weil der Herr Jesus als der verheissene Messias abgelehnt wurde, sprach Er von sich als dem Sohn des Menschen, der sterben, aber nach vollbrachtem Erlösungswerk auferstehen würde. Doch die Herzen der Jünger waren von ganz anderen Gedanken erfüllt. Deshalb verstanden sie seine Ankündigung nicht. Sie dachten an das Reich in Herrlichkeit und fragten sich, wer von ihnen darin den höchsten Platz einnehmen würde.

Wie gross sind die Langmut und die Güte des Herrn! Er setzte sich hin, um sich Zeit für seine Jünger zu nehmen (Vers 35). Er zeigte ihnen, dass sich ein Nachfolger des verworfenen Christus durch Demut auszeichnen soll. Da fragen wir uns: Offenbaren wir als Jünger des Herrn Jesus seine demütige Gesinnung?

Johannes betrachtete sich und die anderen Apostel immer noch als eine besondere Gruppe, denn er sprach von einem, «der uns nicht nachfolgt», und fügte hinzu: «Wir wehrten ihm.» Durch seine Antwort machte der Herr klar, wie vollständig seine Verwerfung war. Die ganze Welt war gegen Ihn. Sie ist es heute noch.

In den Versen 43-48 geht es nicht um Körperteile, sondern um die bösen Neigungen unserer alten Natur. Wir dürfen ihnen keinen Spielraum lassen, sondern müssen konsequent gegen sie vorgehen. Obwohl ein Gläubiger seine ewige Errettung nicht mehr verlieren kann, heisst es doch in Römer 8,13: «Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben.»

Durch das Salz in den Schlussversen werden wir zu einer klaren Absonderung vom Bösen und zu einem Leben für Gott ermahnt (vergleiche dazu Römer 12,1-2).

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Die Ehe und die Kinder

Immer wieder versuchten die Pharisäer dem Herrn Jesus mit verfänglichen Fragen eine Falle zu stellen. Doch der demütige Diener, der vor ihnen stand, ist der ewige Sohn Gottes, der jedem Menschen unendlich weit überlegen ist. Er wusste, was sie letztlich beabsichtigten. Deshalb stellte Er ihnen die Frage nach dem, was Mose geboten hatte. Als Antwort erwähnten sie die Möglichkeit eines Scheidebriefs.

Nun rückte der Herr Jesus alles ins göttliche Licht: Gott hatte den Scheidebrief nur zugelassen, weil Er wusste, wie hart die Herzen der Menschen sein können und wie wenig sie zum Vergeben bereit sind. Aber dies entsprach nicht dem, was im Herzen Gottes war. Er hatte am Anfang der Schöpfung die Ehe als unlösbare Verbindung zwischen einem Mann und seiner Ehefrau eingesetzt. Solange die Erde, d.h. die erste Schöpfung, besteht, bleibt die Ehe so, wie Gott sie eingesetzt hat. «Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.» Wer die Ehe trotzdem scheidet und eine neue Verbindung mit einem anderen Partner (oder einer anderen Partnerin) eingeht, begeht vor Gott die Sünde des Ehebruchs.

Als die Jünger diejenigen zurückwiesen, die Kinder zum Heiland bringen wollten, wurde Er unwillig. Seine Ermunterung «Lasst die Kinder zu mir kommen, wehrt ihnen nicht» hat schon manchen Christen im Dienst an den Kindern bestärkt. Bringen wir die Kinder zum Herrn Jesus, indem wir ihnen aus der Bibel von Ihm erzählen und für sie beten! Er liebt sie und will sie segnen, wie Er es damals getan hat.

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Der reiche junge Mann

Der Mann, der vor dem Herrn Jesus auf die Knie fiel, hätte gern gewusst, wie er ewiges Leben bekommen konnte. Weil er nicht nach der Errettung fragte, sondern etwas tun wollte, verwies ihn der Herr auf das Gesetz. Nun meinte er, dies alles befolgt zu haben. Auf diese kühne Behauptung ging der Heiland nicht ein. Er blickte ihn jedoch an, liebte das Liebenswürdige an seinem Charakter und enthüllte den wahren Zustand des Herzens: Hier regierte das Geld! Weil er es dem Herrn Jesus vorzog, ging er betrübt weg.

Die Jünger betrachteten materielles Vermögen als eine Gunst Gottes. Doch sie mussten lernen, dass man den Segen des Reichs Gottes nicht mit Geld erwerben kann. Reichtum kann sogar ein grosses Hindernis für die Errettung sein. Der wohlhabende Mensch vertraut auf sein Vermögen, anstatt sich ganz auf die Gnade zu stützen. Wer kann dann errettet werden? Niemand, der denkt, er könne etwas zu seiner Errettung beitragen. «Durch die Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es» (Epheser 2,8).

Nun bemerkte Petrus gegenüber dem Herrn, dass er und die anderen Apostel den Weg der Nachfolge, den Er dem reichen Mann vorgestellt hatte, beschritten hatten. Was sollte aus ihnen werden? Wie ermutigend ist die Antwort des Herrn! Wer alles verlässt und Ihm nachfolgt, kommt nicht zu kurz. Er ist ein Kind Gottes, das die Fürsorge des himmlischen Vaters erfährt. Doch die wirkliche Belohnung für ein Leben der entschiedenen Nachfolge empfängt man erst im kommenden Zeitalter.

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Hochmut und Neid

Nachdem der Herr Jesus bereits in Markus 8,31 und Markus 9,31 von seinen bevorstehenden Leiden und seinem Tod gesprochen hatte, kommt Er in den Versen 32-34 zum dritten Mal auf dieses Thema zu sprechen. Nun redet Er ausführlicher von seinen Leiden. Warum entsetzten sich die Zwölf darüber? Warum fürchteten sie sich, während sie ihrem Meister auf dem Weg nach Jerusalem folgten? Sie scheuten sich vor den Leiden und der Verachtung, die sie als Jünger des Herrn Jesus treffen konnte.

Die weiteren Verse beweisen, dass sie von anderen Gedanken erfüllt waren. Sie erwarteten immer noch das Reich in Herrlichkeit und hofften, darin einen bevorzugten Platz zu bekommen. Sie waren noch nicht bereit, die völlige Ablehnung des Messias durch ihre Landsleute anzuerkennen. Dann hätten sie sich zu einem verworfenen Herrn bekennen müssen.

Der egoistische Wunsch von Jakobus und Johannes rief den Unwillen der anderen Apostel hervor. Eifersüchtig stellten sie fest, dass diese beiden etwas vom Herrn erbaten, was sie selbst gern gehabt hätten. Doch der Herr ertrug seine Jünger mit grosser Geduld und versuchte ihnen zu zeigen, dass sie als Glaubende nicht nach Grösse und Einfluss streben sollten. «Wer irgend unter euch der Erste sein will, soll der Knecht aller sein.» Das war genau das Gegenteil von dem, was sie wollten! Der Heiland ermahnte die Jünger nicht nur. Er war auch ihr grosses Vorbild. Als Sohn des Menschen war Er gekommen, um zu dienen und schliesslich sein Leben als Lösegeld für die zu geben, die an Ihn glauben würden.

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Bartimäus

Jericho war der Ausgangspunkt der letzten Reise des Herrn Jesus nach Jerusalem. Eine zahlreiche Volksmenge folgte Ihm. Wussten diese Leute, wer Er wirklich war? Nein! Für sie war Er Jesus, der Nazarener. Mehr nicht.

Doch der blinde Bartimäus, der bettelnd am Wegrand sass, war da anderer Meinung. Sobald er hörte, wer vorbeikam, rief er den Herrn Jesus mit aller Kraft als Sohn Davids um Erbarmen an. Er wusste: Dieser ist der verheissene Messias, der auch Blinden das Augenlicht geben kann (Jesaja 35,5). Als die Menschen aus der Menge ihn anfuhren und zum Schweigen bringen wollten, schrie er umso lauter. Auf diesen Glauben antwortete der Heiland. Er blieb stehen und rief Bartimäus zu sich.

Nun änderte sich die Stimmung in der Masse. Die Leute, die sich vorher durch das Schreien des Blinden gestört fühlten, sagten nun zu ihm: «Sei guten Mutes; steh auf, er ruft dich!» Doch auf die Meinung der Volksmenge konnte man und kann man sich nicht verlassen. Kurze Zeit später riefen sie: «Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!», und einige Tage nachher: «Kreuzige ihn!» (Kapitel 11,9; 15,13-14).

Bartimäus warf sein Oberkleid ab, um noch schneller zum Heiland zu kommen. Bei Ihm wurde der grösste Wunsch des Bettlers erfüllt. Er durfte die Worte des Herrn vernehmen: «Geh hin; dein Glaube hat dich geheilt!» Auf der Stelle wurde er gesund und konnte wieder sehen. Wohin ging er nun? Er folgte seinem Heiland auf dem Weg in Richtung Jerusalem nach.

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Jesus reitet in Jerusalem ein

Wenn der Herr Jesus zu seinen Jüngern redete, nannte Er sich immer wieder Sohn des Menschen. Dieser Titel ist sehr umfassend. Als Sohn des Menschen steht Er in Beziehung zu allen Menschen. Der Titel Sohn Davids hingegen beschränkt sich auf das Volk Israel. Als Nachkomme von König David ist Er der Erfüller aller Verheissungen Gottes an sein irdisches Volk und der wahre König Israels.

In unserem Abschnitt zeigte sich der Herr seinem Volk noch einmal als Sohn Davids, der die Voraussage aus Sacharja 9,9 erfüllte. Zwei seiner Jünger sollten aus dem gegenüberliegenden Dorf ein Eselsfohlen holen und herbeibringen. Die Worte, die Er ihnen mitgab, drücken königliche Autorität aus, so dass die Besitzer des Fohlens die Jünger gewähren liessen.

Sobald sie das Tier brachten, setzte sich der Herr darauf und zog als demütiger König in Jerusalem ein. Die Menschen, die Ihn begleiteten, jubelten Ihm mit den Worten aus Psalm 118,25-26 zu. Damit anerkannten sie Ihn als königlichen Messias. Hinter allem aber sehen wir das Wirken Gottes. Er sorgte dafür, dass seinem Sohn, der von den Menschen verworfen war, für kurze Zeit dieses Zeugnis gegeben wurde.

Nachdem der Herr als Sohn Davids in Jerusalem eingezogen war, warf Er einen prüfenden Blick in den Tempel. Vieles, was Er da sah, stimmte nicht und passte nicht zu dem, was der Tempel sein sollte: das Haus Gottes. Hier konnte Er nicht bleiben. Er verliess die Stadt wieder und zog nach Bethanien hinaus, wo Herzen waren, die in Liebe für Ihn schlugen.

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Der Herr reinigt den Tempel

Am nächsten Tag kam der Herr Jesus von Bethanien nach Jerusalem zurück. Er ging an einem Feigenbaum vorbei, von dem Er hoffte, Früchte an ihm zu finden. Doch er fand nur Blätter. Mit ernsten Worten verfluchte Er ihn.

Dieser fruchtlose Baum, an dem es nichts als Blätter gab, ist zunächst ein Bild des Volkes Israel unter dem Gesetz. Wie sehr hat Gott sich um sein Volk bemüht, um bei ihm Frucht zu seiner Freude zu finden! Aber alle Bemühungen blieben erfolglos (Lukas 13,6-9). Doch Israel unter dem Gesetz steht nicht für sich allein da. Es illustriert eigentlich jeden Menschen in seinem natürlichen Zustand vor Gott. Die Menschheitsgeschichte von Adam bis zum Kreuz hat zur Genüge bewiesen, dass der Mensch unfähig ist, Frucht für Gott zu bringen. Die Worte des Herrn in Vers 14 sind also das göttliche Urteil über den natürlichen Menschen.

In den Versen 15-19 sehen wir, wie der Messias, der Sohn Davids, mit Unwillen gegen alles vorging, was die Menschen in das Haus Gottes hineingebracht hatten. Anstatt den Tempel als ein Bethaus für alle Menschen offen zu halten, hatten die Juden daraus einen Ort gemacht, wo es Geld zu verdienen gab. Die geistlichen Führer – bekannt für ihre Habsucht – spielten bei diesen gierigen und betrügerischen Geschäften eine wesentliche Rolle. Sie hätten den Herrn Jesus, der dagegen intervenierte, am liebsten umgebracht. Aber seine Stunde war noch nicht gekommen. Am Abend verliess Er diese Stadt wieder, die äusserlich so fromm erschien, aber innerlich ganz verdorben war.

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Der Glaube an Gott

Am nächsten Morgen ging der Herr Jesus wieder nach Jerusalem. Er beantwortete den Hinweis von Petrus auf den verdorrten Feigenbaum mit den Worten: «Habt Glauben an Gott.» Das ist ein ganz wichtiges Wort für unseren Weg und Dienst als Christen.

So wie Gott damals dem Herrn Jesus geantwortet hat, möchte Er auch unsere vertrauensvollen Bitten erhören und die Hindernisse (Berg) auf dem Weg beseitigen. Damit Er aber auf unsere Gebete antworten kann, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die erste Bedingung ist der vorbehaltlose Glaube an Gott. Ein solches Vertrauen kommt aber nur da zustande, wo der Glaubende eine ungetrübte Gemeinschaft mit Gott geniesst. Diese lebendige Gemeinschaft geht Hand in Hand mit dem Vertrauen zu Ihm.
  • Die zweite Voraussetzung hängt mit der Natur Gottes zusammen. Gott ist Liebe. Er hat uns aufgrund des vollbrachten Erlösungswerks unendlich viel vergeben. Wenn wir nun im Vertrauen von Ihm etwas erbitten, muss dieses Gebet in einer Herzenshaltung erfolgen, die dem Gott der Liebe entspricht. Sollte uns jemand Unrecht getan haben, so müssen wir ihm in einer vergebenden Haltung begegnen. Wenn wir nicht bereit sind zu vergeben, wird Gott unsere Bitten nicht erhören. Stattdessen werden wir seine gerechten Regierungswege mit uns zu spüren bekommen. Das bedeutet, dass wir ernten müssen, was wir gesät haben: Gott wird seine Vergebung im Blick auf die Ewigkeit nicht rückgängig machen, aber Er wird seine väterliche Vergebung zurückhalten.

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Die Frage über das Recht des Herrn

Wieder ging der Herr Jesus in den Tempel. Nun kamen die religiösen Führer des Volkes auf Ihn zu. Sie traten als solche auf, die für das Gotteshaus verantwortlich waren, und fragten Ihn, wer Ihm die Vollmacht gebe, so im Tempel aufzutreten, wie Er es am Tag zuvor getan hatte (Verse 15-19). Dabei ging es ihnen nicht um die Heiligkeit des Hauses Gottes, sondern um ihre eigene Vorherrschaft.

Als Herzenskenner sah der Herr Jesus die Überlegungen, die hinter ihrer Frage standen. Anstatt ihnen einen sichtbaren Beweis für seine Autorität zu liefern, stellte Er eine Gegenfrage: «Die Taufe des Johannes, war sie vom Himmel oder von Menschen?»

Damit traf Er ihre Herzen. Weil sie nicht Buße tun und nicht zu Gott umkehren wollten, hatten sie den Vorläufer des Messias und seinen Aufruf zur Buße abgelehnt. Das Volk aber war der Überzeugung, dass Johannes ein Prophet Gottes war. Nun kamen sie in Verlegenheit. Ihre Überlegungen zeigen, dass sie nicht an einer aufrichtigen Antwort interessiert waren. Um sich aus der Affäre zu ziehen, schoben sie Unwissenheit vor, was aber nichts anderes als eine Lüge war.

Sie waren also nicht in der Lage zu beurteilen, ob Johannes – der von sich sagte, dass er mit einem Auftrag von Gott gekommen war (Johannes 1,23) – die Wahrheit sagte oder nicht. Wie konnten sie sich da anmassen, vom Sohn Gottes, der als Diener und Prophet vor ihnen stand, zu verlangen, sich für sein Tun zu legitimieren? Aus diesem Grund gab der Herr ihnen keine weitere Auskunft.

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Das Gleichnis der Weingärtner

Der Herr war bereit zu leiden und zu sterben. Doch den Juden musste Er klar vor die Blicke stellen, wie sie im Begriff standen, das Mass ihrer Ungerechtigkeit vollzumachen. Er tat es mit dem Gleichnis von den Weingärtnern. In dieser Geschichte ist Er selbst der eine geliebte Sohn des Weinbergbesitzers.

Im ersten Vers wird angedeutet, wie Gott für sein Volk – diesen Weinberg – alles getan hat, was Er konnte. Israel genoss vonseiten des Herrn alle erdenklichen Vorzüge. Durch die Knechte, d.h. die Propheten, die Gott zu ihnen sandte, suchte Er Frucht bei seinem Volk. Aber anstatt Frucht für Gott zu bringen, behandelten die Menschen in Israel die Propheten Gottes aufs Schlimmste. Sie verschlossen sich ihrer Botschaft und misshandelten sie. Einige töteten sie sogar (2. Chronika 36,15.16; Nehemia 9,26; Apostelgeschichte 7,52). Schliesslich kam der Augenblick, wo Gott seinen geliebten Sohn als Letzten zu ihnen sandte (Hebräer 1,2). Aber anstatt Ihn als den Gesandten Gottes anzuerkennen und entsprechend zu ehren, brachten sie Ihn um.

Die Schlussverse des Gleichnisses zeigen die Konsequenzen auf: Der jüdischen Nation wurden die Vorrechte als Volk Gottes weggenommen. Gott stellte es für eine Zeit beiseite. Der Stein aber, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Die ungläubigen Führer des Volkes Israel haben den von Gott gesandten Messias verworfen und gekreuzigt. Doch Gott hat Ihn auferweckt und Ihn dadurch als die zentrale und massgebende Person bestätigt.

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Die Steuerfrage

Die führenden Leute in Israel verstanden den Inhalt des Gleichnisses und erkannten, dass sie die Weingärtner waren. Am liebsten hätten sie den Herrn Jesus beseitigt. Doch sie fürchteten die Volksmenge, die noch sehr unter dem Einfluss seiner Worte und Werke stand.

Zwei Gruppen, die sonst ganz unterschiedliche Interessen vertraten, schlossen sich zusammen, um dem Herrn eine raffinierte Fangfrage zu stellen. Aber die schönen und schmeichelhaften Worte nützten nichts. Der Sohn Gottes durchschaute ihre Heuchelei und erkannte ihre Überlegungen. Hätte Er ihre Frage «Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben, oder nicht?» mit Ja beantwortet, dann konnte Er nicht der Messias sein, der sie vom Joch der Römer befreien würde. Hätte Er mit Nein geantwortet, dann hätten Ihn die Herodianer bei den Römern als Aufrührer angeklagt.

Die göttlich weise Antwort des Heilands brachte beide Gruppen zur Verwunderung und zum Schweigen. Seine Aussage ist klar: Einerseits hätten sich die Juden demütig unter das Joch beugen sollen, das Gott ihnen durch die Römer auferlegt hatte. Die Zeit der Befreiung und der Wiederherstellung wird kommen, und zwar durch den von Gott gesandten Erretter (Römer 11,26-27). Anderseits sollten sie bis zu dieser Erfüllung in aller Demut Gott das geben, was Ihm gebührt, und die demütigende Unterjochung aus seiner Hand annehmen. Das ungläubige Volk versagte in beiden Punkten. Die Menschen rebellierten gegen die politische Macht, unter der sie standen, und im Blick auf die Ansprüche Gottes zeichneten sie sich durch Heuchelei aus.

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Gibt es eine Auferstehung?

Die Sadduzäer waren eine jüdische Sekte. Sie glaubten weder an eine unsichtbare Welt noch an Engel noch an die Auferstehung (Apostelgeschichte 23,8). Sie meinten einfach, Gott habe seinem Volk das Gesetz gegeben. Das sei alles.

Nun kamen diese Leute zu Jesus. Mit einer gestellten Geschichte und einer Frage versuchten sie die Auferstehung anzugreifen und lächerlich zu machen. In seiner Antwort verwies der Herr die Fragesteller auf den Irrtum, der ihren Worten zugrunde lag. Sie meinten, die Beziehungen und Zustände, in denen die Menschen in dieser Welt leben, würden im Jenseits weiter bestehen. Sie vermischten ihre Gedanken mit den Gedanken Gottes. Da sie beides nicht zusammenbrachten, verwarfen sie das, was sie nicht verstanden.

In seiner Weisheit brachte der Herr Jesus seine Widersacher nicht nur zum Schweigen. Er enthüllte gleichzeitig die Wahrheit der leiblichen Auferstehung, die bereits im Alten Testament in verborgener Form gelehrt wurde (z.B. Hiob 19,25-26; Psalm 16,10). Das Bemerkenswerte dabei ist, dass der Herr nur von der Auferstehung der Gläubigen spricht, obwohl auch die Ungläubigen zum Gericht auferstehen werden. Aber nur die Glaubenden werden «aus den Toten auferstehen», wie Er in Vers 25 sagt. Sie werden wie Engel sein, die geschlechtslos sind und nicht sterben.

Obwohl Abraham, Isaak und Jakob – diese Glaubensmänner – längst gestorben waren, als Mose vor dem brennenden Dornbusch stand, nannte sich Gott ihr Gott. Er ist der Gott der Lebenden.

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Welches ist das wichtigste Gebot?

Die Schriftgelehrten bildeten eine weitere Gruppe unter den Juden. Nach den Pharisäern, Herodianern und Sadduzäern kam auch einer von ihnen mit einer Frage zu Jesus Christus. Er hatte gehört, wie der Heiland den anderen mit göttlicher Weisheit geantwortet hatte. Da die Schriftgelehrten der Ansicht waren, dass einzelne Gebote bedeutungsvoller seien als andere, hätte der Mann gern gewusst, welches das wichtigste und wertvollste von allen war.

In seiner Antwort ging der Herr nicht auf die zehn Gebote ein, sondern zeigte die grossen Grundsätze des Gesetzes auf. Zuerst wies Er auf die Einzigartigkeit Gottes hin. Es gibt nur einen Gott. Er allein ist es, dem der Name Herr (Jahwe) zukommt. Dann fasste der Herr Jesus das Gesetz zusammen und wies auf die Verantwortung des Menschen hin, die daraus resultierte. Er sollte Gott mit aufrichtigem Herzen lieben und seinen Nächsten wie sich selbst. Jesus Christus hatte dies Tag für Tag vollkommen ausgelebt.

Die Reaktion des Fragestellers zeigt, dass sein Herz und sein Gewissen berührt worden waren. Er erkannte, dass es auf das Herz ankam und nicht auf das formale Halten irgendwelcher Anordnungen. Er war nicht weit vom Reich Gottes entfernt. Doch die Herrlichkeit des Herrn, der ihm so weise geantwortet hatte, erkannte er nicht. Ebenso wenig sah er die Gnade, die dieser demütige Knecht Gottes offenbarte. Um ins Reich Gottes einzugehen, hätte er sein Versagen im Halten des Gesetzes einsehen und die Gnade des Heilands in Anspruch nehmen müssen.

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Der Herr und die Witwe

Als niemand mehr wagte, den Herrn Jesus zu befragen, stellte Er selbst eine Frage. Sie betraf seine eigene Person. Wie konnte Er sowohl der Sohn als auch der Herr Davids sein? Die Antwort war klar: Dieser demütige Knecht und Prophet Gottes, der als Mensch der verheissene Sohn Davids war, ist gleichzeitig Gott, der Sohn – also der Herr des Alten Testaments.

Die Schriftgelehrten hätten das Wort Gottes erklären und selbst nach seinen Anweisungen leben sollen. Doch sie hatten nur eine äussere religiöse Form. Sie suchten ihre eigene Ehre und bereicherten sich auf Kosten der Witwen. Ihr Gericht vonseiten Gottes wird besonders schwer ausfallen.

Mitten in all dieser religiösen Heuchelei entgingen dem göttlichen Auge des Herrn die Glaubenden nicht. Er sah die arme Witwe, die zwei Scherflein in den Schatzkasten des Tempels legte. Die reichen Leute spendeten hohe Beträge. Doch sie gaben von ihrem Überfluss und hatten immer noch viel für sich übrig. Darum legte diese Witwe in den Augen des Herrn mehr ein als sie alle. Sie gab von ihrem Mangel, und zwar alles, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt. Sie opferte eigentlich sich selbst als ein lebendiges Schlachtopfer (Römer 12,1). Gott sah ihre Herzenshaltung.

Von den Christen in Mazedonien konnte der Apostel Paulus den Korinthern etwas Ähnliches schreiben: Ihre tiefe Armut war in den Reichtum ihrer Freigebigkeit übergeströmt. Dabei «gaben sie sich selbst zuerst dem Herrn» (2. Korinther 8,2-5).

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Der Anfang der Wehen

Einer der Jünger machte den Herrn Jesus auf die äussere Herrlichkeit des Tempels aufmerksam. Das gab dem Meister die Gelegenheit, ihn auf die völlige Zerstörung des Tempels hinzuweisen: Infolge des Gerichts, das Gott über sein schuldiges Volk bringen wird, wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden.

Nun fragten Ihn Petrus und drei weitere Apostel, wann dies geschehen werde. In seiner Antwort nannte der Herr keinen Zeitpunkt. Vielmehr beschrieb Er den Zustand seines Volkes im Blick auf den Dienst der Apostel bis zu seinem Kommen in Herrlichkeit.

In diesem Abschnitt geht es nicht um das Evangelium der Gnade für alle Menschen, sondern um den Dienst der Jünger im jüdischen Volk. Sie taten ihn damals als Apostel des Herrn. Ausserdem wird dieser Dienst am Ende der Zeit durch jüdische Boten des treuen Überrests ausgeführt werden. Die Zeit der Gnade, in der wir leben, wird hier ausgeblendet.

Der Herr Jesus kündigte ihnen die Verführung an, die von solchen ausgehen wird, die sich als Christus ausgeben werden. Er sprach aber auch von der Verfolgung um seines Namens willen. Das erlebten die Apostel zu Beginn der Apostelgeschichte. Das werden auch jene erfahren, die am Ende der Zeit das Evangelium des Reichs allen Nationen predigen werden. Der 13. Vers zeigt die tiefe Ursache des Hasses gegen die Boten des Herrn: Es ist die Offenbarung Gottes in der Person von Jesus Christus. Gott als solchen tolerieren viele. Sobald aber der Name Jesus verkündigt wird, regt sich Widerstand und Hass.

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Der Gräuel der Verwüstung

Diese Verse sprechen ausschliesslich von der heute noch zukünftigen Zeit des Endes, die dem Kommen des Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit unmittelbar vorausgeht.

Der «Gräuel der Verwüstung» ist ein Götzenbild, das der Antichrist im Tempel aufstellen wird. Eine Andeutung darauf finden wir bereits in Daniel 12,11. Von dem Gegenchristus hatte der Herr in Johannes 5,43 gesagt: «Wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen.» Unter dem Einfluss dieser Person werden die Juden sich wieder dem Götzendienst zuwenden (Matthäus 12,43-45).

Dann wird das göttliche Gericht über das Volk und die Stadt Jerusalem kommen: eine noch nie dagewesene Drangsal. Sie wird 3 ½ Jahre dauern. Auch wenn der Herr Jesus über so ernste Zeiten reden muss, bleibt seine Güte bestehen. In den Versen 17 und 18 denkt Er an die Schwangeren und Stillenden in jenen furchtbaren Tagen und fordert die Jünger auf, dafür zu beten, dass die Flucht nicht im Winter stattfinde.

Am Ende der Drangsalszeit wird jede bestehende Ordnung umgestürzt werden. Schliesslich werden die Menschen Den kommen sehen, der die Erde nicht nur erschaffen hat, sondern durch seinen Tod als Sohn des Menschen auch ein Anrecht an sie erworben hat.

Die Auserwählten in den Versen 20 und 22 sind die gottesfürchtigen Juden, die den Antichristen nicht anerkennen werden. Der Herr Jesus wird sie am Ende der Drangsalszeit durch sein Erscheinen befreien. Sie werden zusammen mit den von den Engeln Gesammelten in den Segen des Tausendjährigen Reichs eingehen.

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Wacht und betet!

Der Feigenbaum ist ein Bild des Volkes Israel. Die weichen Zweige und das Hervortreiben der Blätter deuten die Rückkehr der Juden in das Land Israel und das Erscheinen des treuen Überrests in der Zeit der Drangsal an. Dann weiss man, dass der Sommer, d.h. die Zeit des Tausendjährigen Reichs, nahe ist. Mit dem Ausdruck «dieses Geschlecht» sind die ungläubigen Juden gemeint, die es bis ans Ende geben wird.

Wie tröstlich sind die Worte des Herrn in Vers 31! Sie gelten zunächst für das, was Er über die Zukunft gesagt hat. Alles wird in Erfüllung gehen. Dieser Vers ist aber auch eine Ermunterung für jeden Bibelleser. Was in diesem Buch steht, ist absolut verlässlich, weil Gott es gesagt hat.

Am Schluss des Kapitels werden wir ermahnt, zu wachen und zu beten. Der Herr Jesus ist dieser Mensch, der ausser Landes reiste. Wir, die Gläubigen, sind seine Knechte. Jedem von uns hat Er einen Auftrag erteilt. Nun sollen wir wachen – man könnte auch sagen: an der Arbeit sein –, damit Er uns bei seinem Kommen nicht als Schlafende, sondern als Wachende vorfindet.

In Vers 35 werden die vier Nachtwachen aufgezählt, in die man damals die Nacht einteilte. Vom Tag wird nichts gesagt. Daraus lernen wir, dass die Abwesenheit des Herrn Jesus die Situation auf der Erde zu einer geistlichen Nacht macht (Römer 13,11-14). In dieser Nacht sollen wir wachen. Woher nehmen wir die Kraft, um wach zu bleiben und nicht einzuschlafen? Sie liegt im Gebet. Darum heisst es: «Wacht und betet.»

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Eine Frau salbt den Herrn Jesus

Die Führer des Volkes Israel suchten eine Möglichkeit, Jesus von Nazareth, der ihnen so verhasst war, zu töten. Da sie einen Aufruhr des Volkes befürchteten, sagten sie: «Nicht an dem Fest.» Das war ihre Meinung. Gott aber sagte: An dem Fest! Sein Sohn sollte nämlich das wahre Passahlamm werden, das für uns sterben musste. Als Erfüllung aller Passahlämmer, die im Lauf der Zeit geschlachtet worden waren, sollte Er am Tag des Passah sterben.

Gerade in der Zeit, als der Hass gegen den Herrn Jesus wuchs und sein Tod näher rückte, erfuhr Er in Bethanien ein besonderes Zeichen der Liebe und Hingabe. Aus dem Johannes-Evangelium wissen wir, dass die Frau, die Ihn salbte, Maria von Bethanien war. Sie hatte früher zu seinen Füssen gesessen und seinem Wort zugehört (Lukas 10,39). Ihr Herz schlug hingebungsvoll für Ihn, und sein Wort hatte bei ihr geistliches Verständnis hervorgerufen. Nun wollte sie Ihm ihre Wertschätzung bezeugen und seinen Körper im Voraus zum Begräbnis salben.

Die anwesenden Jünger hatten kein Empfinden dafür und betrachteten das Ausgiessen des Salböls als Verschwendung. Der Herr Jesus aber nahm die Frau in Schutz und sagte: «Sie hat ein gutes Werk an mir getan», und: «Sie hat getan, was sie vermochte.» Der Herr vergisst nichts von dem, was wir in Hingabe an Ihn getan haben, und sei es noch so gering und unbedeutend in den Augen der Menschen. Die Tat von Maria sollte zu einem Denkmal von Hingabe und Liebe zu Christus werden (Vers 9).

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Der Ort für die Passahfeier

Judas, der jahrelang in der Nähe des Heilands gewesen war, der seine Worte und Werke erlebt hatte, wurde vom Teufel getrieben und von der Habsucht überwältigt. Weil er sein Herz dem Herrn Jesus nie geöffnet hatte, war er jetzt soweit, seinen Meister gegen Geld an seine Feinde zu verraten. Er suchte nur noch eine geeignete Gelegenheit, um seine böse Tat umzusetzen.

Es war das letzte Passah, das der Herr Jesus mit seinen Jüngern feiern wollte. In der Stadt gab es bereits ein durch die Gnade zubereitetes Herz, das dem Herrn Jesus dafür sein Gastzimmer zur Verfügung stellte. Obwohl Er als demütiger Knecht vor uns steht, ist Er doch Der, dem alle Rechte gehören.

Nach seinem Kreuzestod trat das Mahl des Herrn an die Stelle der Passahfeier. Mit diesem Gedächtnismahl denken wir jeden Sonntag an seinen Tod. Darum können wir in diesem Abschnitt eine schöne Illustration des Zusammenkommens der Gläubigen zu seinem Namen hin erkennen (Matthäus 18,20). Wir versammeln uns in der Welt (Stadt). Der Mensch mit dem Wasserkrug ist ein Bild des Heiligen Geistes, der uns durch das Wort Gottes unterweist. Das Gastzimmer deutet an, dass wir als Glaubende nur vorübergehend auf der Erde sind. Unsere Heimat ist das Vaterhaus droben. Das mit Polstern belegte Obergemach stellt das Zusammenkommen als Versammlung als einen Ort der Ruhe und des Friedens dar. Die Gemeinschaft mit unserem Herrn, zu dem wir versammelt sind, erhebt uns über die Umstände. Da geniessen wir gemeinsam die Gemeinschaft mit unserem geliebten Herrn und atmen Himmelsluft.

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Das Passah und das Gedächtnismahl

Am Abend kam der Heiland, um mit den Zwölfen das Passah in Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten zu feiern. Doch Er stand im Begriff, eine grössere und bessere Erlösung zu vollbringen. Aber dazu musste Er sterben.

Es bedrückte Ihn jedoch, dass einer, der mit Ihm zu Tisch lag, Ihn an seine Feinde verraten würde. Diese traurige Sache stellte Er nun allen vor. Wie reagierten die Jünger? Sie glaubten dem Wort des Herrn. Sie hatten volles Vertrauen in Ihn, aber sie misstrauten sich selbst und fragten ängstlich: «Doch nicht ich?» In diesem Evangelium wird nichts über die Entlarvung von Judas gesagt. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Tatsache, dass der Verräter einer der Zwölf war und ein schreckliches Gericht über ihn kommen wird.

Ab Vers 22 war Judas nicht mehr dabei. Nun setzte der Herr Jesus sein Gedächtnismahl ein. Diese Zeichen – das Brot und der Kelch – erinnern uns jeden Sonntag, wenn wir sein Mahl halten, an seine Liebe zu uns und an seinen Tod für uns. Das vergossene Blut weist auf den Tod hin, der eintreten musste, damit die Sünden vergeben und wir erlöst werden konnten. Seitdem unser Heiland gestorben, aber auch auferstanden ist, wissen wir, dass Gott sein Werk angenommen hat und wir für ewig in Sicherheit sind. Die Vergebung unserer Sünden ist vollständig, vollkommen und ewig (Hebräer 10,10-14).

Bei der Ankündigung in Vers 25 geht es um seine Beziehung zum irdischen Volk Israel. Durch seinen Tod wurde sie unterbrochen. In der Zeit von seinem Tod bis zur Errichtung des Reichs in Herrlichkeit empfindet Er keine Freude mehr an Israel.

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Eine Warnung an Petrus

Nachdem der Herr mit den Elfen ein Loblied gesungen hatte, verliessen sie den Obersaal und machten sich auf den Weg zum Ölberg. Unterwegs sprach der Herr Jesus von dem, was sich in den nächsten Stunden ereignen würde. Er, der Hirte, der bis dahin für seine Schafe gesorgt hatte, musste sterben. Keiner seiner Jünger konnte Ihn dabei begleiten. Er musste das Werk der Erlösung ganz allein vollbringen. Die verängstigten Jünger würden wie Schafe zerstreut werden – aber nicht für immer.

Wie bei früheren Gelegenheiten sprach der Herr auch jetzt nicht nur von seinem Tod am Kreuz, sondern auch von seiner Auferstehung. Nach seiner Auferweckung würde Er ihnen voraus nach Galiläa gehen. Dort, wo sein Hauptarbeitsgebiet gewesen war, sollten sie Ihn wiedersehen (Matthäus 28,10).

Voller Selbstvertrauen widersprach Petrus seinem Meister. Er meinte es aufrichtig und ernst. Aber das genügte nicht. Der Herr wusste, dass die eigene Kraft eines Menschen nicht ausreicht, um es mit den Angriffen und Listen Satans aufnehmen zu können. Es wird immer zu einer Niederlage führen.

Petrus vertraute hier so sehr auf sich selbst, dass er dem Herrn sogar ein zweites Mal widersprach und beteuerte, dass er Ihn nicht verleugnen würde. Auch die anderen Jünger versuchten zu zeigen, wie sehr sie sich für ihren geliebten Meister einsetzen wollten. Jetzt schwieg der Herr. Die bitteren Erfahrungen mussten sie nun selbst machen. Es wäre aber nicht nötig gewesen, wenn sie auf sein Wort gehört hätten.

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Im Garthen Gethsemane

Der Herr Jesus liess acht Jünger am Eingang des Gartens Gethsemane zurück und nahm nur Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Sie sollten wachen, während Er zu seinem Vater betete.

Weshalb war seine Seele bis zum Tod betrübt? Weil hier der Tod als Lohn der Sünde vor Ihm stand. Er sah den ganzen Umfang des Erlösungswerks, das Er im Begriff stand zu vollbringen. Dabei würde Er – der Heilige, Reine und Sündlose – unsere Sünden an seinem Leib auf dem Kreuz tragen und dafür von Gott bestraft werden. Niemals konnte Er wünschen, zur Sünde und zum Fluch gemacht zu werden. Deshalb betete Er, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an Ihm vorübergehe. «Abba, Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir weg!» Aber wenn wir der ewigen Strafe für unsere Sünden entgehen sollten, musste Er für uns ins Gericht gehen. Eine andere Möglichkeit gab es nicht. So beugte Er sich unter den Willen seines Vaters und erklärte: «Nicht, was ich will, sondern was du willst!» Anbetungswürdiger Herr! Nie werden wir Dir dafür genug danken können!

Während unser Heiland in ernstem Gebet war, schlief Petrus, der behauptet hatte, mit Ihm sterben zu wollen. Und der Meister? Auch in der grössten Seelennot nahm Er sich Zeit für seine Jünger. Er dachte in Liebe an die Seinen, die in Gefahr standen, durch Satan zu Fall zu kommen. Darum forderte der Herr sie auf, zu wachen und zu beten. «Der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach.» An dieser Schwachstelle würde der Feind angreifen.

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Jesus wird festgenommen

Unterdessen war auch der Verräter mit einer Schar bewaffneter Leute nach Gethsemane gekommen. Der Herr Jesus ging ihm entgegen, denn Er war bereit, zu leiden und zu sterben. Bei Judas Iskariot sehen wir, wie weit es mit einem Menschen kommen kann, der sich der Gnade des Heilands verschliesst und dann von Satan verhärtet wird. Mit einem Kuss, dem Ausdruck von Zuneigung, verriet er seinen Meister an die Feinde.

Oftmals war Jesus seinen Widersachern entgangen. Doch jetzt liess Er sich gefangen nehmen. Ihre Stunde und die Gewalt der Finsternis war gekommen (Lukas 22,53). Nun hatte der Herr noch ein Wort an seine Häscher, denn Er wollte vor allem der Autorität der Schriften Zeugnis geben. Täglich lehrte Er öffentlich im Tempel. Warum hatten sie Ihn da nicht festgenommen? Weshalb jetzt in der Nacht, als ob Er ein Räuber wäre? «Aber damit die Schriften erfüllt würden.» Weil sie seinen Tod ankündigten, war Er gewillt zu sterben.

Die Schriften offenbaren die Ratschlüsse und Vorsätze Gottes sowie alle seine Gedanken. Deshalb nahm Jesus Christus als Mensch auf der Erde das geschriebene Wort Gottes zur Richtschnur seines Lebens und zum Beweggrund seines Handelns. Während Er in ungetrübter Gemeinschaft mit seinem Vater lebte, hielt Er sich unentwegt ans Wort Gottes.

Alle Jünger verliessen Ihn und flohen. Der Herr Jesus hingegen unterwarf sich in völliger Ruhe seiner Verhaftung. Er war im Gebet mit seinem Vater durch alles hindurchgegangen. Nun wollte Er dessen Willen bis zum Letzten erfüllen.

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Jesus wird verhört

Im Garten Gethsemane hatte Petrus versucht, sich mit dem Schwert für den Herrn zu wehren. Weil er es im Eigenwillen getan hatte, war es schief gegangen, so dass der Heiland helfend eingreifen musste (Johannes 18,10; Lukas 22,51). Dann war Petrus mit den anderen Jüngern geflohen. In Vers 54 sehen wir, wie er von weitem nachfolgte und sich mit den Feinden seines Herrn an ihrem Kohlenfeuer wärmte.

Unterdessen begann das Synedrium, Jesus zu verhören. Seine Verurteilung stand jedoch bereits fest. Die Führer des Volkes versuchten nur der Sache einen gerechten Anstrich zu geben. Sie suchten Zeugen, die ihr Urteil stützten. Doch alle gaben falsche Zeugnisse, die nicht einmal übereinstimmend waren. Gegen den einzigen Gerechten gab es keinen einzigen Anklagegrund.

Als das Synedrium auf diesem Weg nicht zum gewünschten Ziel kam, stand der Hohepriester auf und sprach Jesus Christus direkt an. Doch Dieser erwies sich als das Lamm, das stumm ist vor seinen Scherern. Er schwieg zu allen Anklagen. Als der Hohepriester aber fragte: «Bist du der Christus, der Sohn des Gepriesenen?», bezeugte Er die Wahrheit. Sie wurde Ihm jedoch als Lästerung ausgelegt und diente dazu, Ihn zum Tod zu verurteilen.

Der Herr war der Messias und der Sohn Gottes nach Psalm 2. Weil Er als solcher verworfen wurde, nahm Er nun seine Stellung als Sohn des Menschen gemäss Psalm 8 ein. In dieser herrlichen Position werden sie Ihn auf dem Ehrenplatz zur Rechten Gottes sitzen, aber auch als Richter kommen sehen.

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Petrus verleugnet seinen Herrn

Der Herr hätte zwölf Legionen Engel rufen können, um sich gegen die grausame und niederträchtige Behandlung durch die Menschen zu wehren. Er tat es nicht, sondern erduldete alles, was diese bösen Menschen Ihm antaten. Doch schmerzlicher als dies war, dass Er von einem seiner Jünger verleugnet wurde.

Gott hat uns den tiefen Fall von Petrus in seinem ewigen Wort festgehalten, damit uns diese Geschichte zur Warnung dient. Was lernen wir daraus?

  • Wenn wir im Selbstvertrauen einen eigenwilligen Weg einschlagen, werden wir keine Kraft haben, der Versuchung zu widerstehen. Die Worte der Magd trafen Petrus unvermittelt und warfen ihn aus der Bahn.
  • Wir werden auch keine Kraft haben, um uns von der Welt abzusondern. Nach der ersten Aussage der Magd hätte Petrus den Hof des hohenpriesterlichen Hauses so schnell wie möglich verlassen müssen. Aber er scheint für die Warnungen taub gewesen zu sein.
  • Ausserdem werden wir die Kraft zum Zeugnis verlieren. Zweimal wurde Petrus gesagt, dass er einer von den Jüngern des Herrn Jesus sei. Anstatt es zu bejahen, verleugnete er den Herrn und seine Mitjünger.

Glücklicherweise sorgte Gott dafür, dass sich Petrus nach dem zweiten Hahnenschrei an das Wort seines Meisters erinnerte. In Lukas 22,61 heisst es sogar, dass der Herr sich umwandte und seinen Jünger anblickte. Da wurde ihm bewusst, was er getan hatte. Weinend verliess er den gefährlichen Ort. Weil der Herr für ihn gebetet hatte, musste er trotz tiefer Beschämung nicht verzweifeln (Lukas 22,32).

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Jesus wird zum Tod verurteilt

In Markus 14,64 wurde das Todesurteil über den Heiland ausgesprochen. Nun führten Ihn die Juden zum römischen Statthalter Pilatus. Er war die oberste richterliche Instanz, die das Todesurteil rechtskräftig machen und auch ausführen konnte. Noch einmal bezeugte der Herr die Wahrheit. Als Pilatus Ihn fragte: «Bist du der König der Juden?», bejahte Er es. Doch zu all den falschen Anschuldigungen schwieg Er. Er übergab sich Dem, der gerecht richtet (1. Petrus 2,23).

In seiner Berichterstattung hebt Markus besonders die Schuld der jüdischen Führerschaft hervor. Doch der römische Richter versagte ebenfalls. Statt der Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen, versuchte er den unbequemen Gefangenen auf andere Weise loszuwerden. Die Römer hatten die Gewohnheit, den Juden zum Passahfest einen Gefangenen freizulassen. Nun liess der gewissenlose Richter das Volk wählen: «Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freilasse?» Nein! Aufgewiegelt durch die Führer zogen sie dem Herrn Jesus den Räuber und Mörder Barabbas vor.

«Was wollt ihr denn, dass ich mit dem tue, den ihr König der Juden nennt?» – «Kreuzige ihn!» Das war ihre übermässig laute Forderung. Weil der römische Richter den Juden einen Gefallen tun wollte, ging er darauf ein und verurteilte Jesus zum Kreuzestod. Dadurch hatte der Wille des jüdischen Volkes und nicht die Herrschaft Roms und das römische Recht die Oberhand. Sowohl die Juden als auch der römische Statthalter müssen sich einst vor dem göttlichen Richter dafür verantworten.

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Spott und Schläge

Die römischen Legionäre wussten, dass der Herr Jesus bezeugt hatte, Er sei der König der Juden. Sobald der Heiland nach dem Urteilsspruch von Pilatus ihren Händen übergeben war, nahmen sie diesen Titel zum Anlass, um den bereits gegeisselten Gefangenen zu verspotten. Der Purpurmantel deutete die Farbe der Könige an (Richter 8,26). Anstelle einer Königskrone flochten sie eine Krone aus Dornen und drückten sie auf sein Haupt. Dann trieben sie ihren grausamen Spott mit Ihm, indem sie Ihn als König begrüssten, ihre Knie vor Ihm beugten und Ihm huldigten. Gleichzeitig schlugen sie mit einem Rohrstab auf sein dornengekröntes Haupt und spien Ihn an. Was wird es sein, wenn diese Menschen einmal vor Ihm als dem Weltenrichter stehen werden und erkennen müssen, dass Der, den sie so misshandelt hatten, wirklich die höchste Autorität ist?

Nachdem sie ihre Brutalität an Ihm ausgelassen und Ihn als König der Juden gedemütigt hatten, führten sie Ihn zur Kreuzigung hinaus. So wurde Er die Erfüllung all der Sündopfer im Alten Testament, die ausserhalb des Lagers verbrannt wurden (3. Mose 4,12.21; Hebräer 13,12).

Auf dem Weg zur Richtstätte zwangen die römischen Soldaten einen unbeteiligten Mann, der vom Feld kam, das Kreuz des Herrn Jesus zu tragen. Über den Eindruck, den dieser Zwischenfall auf Simon von Kyrene machte, lesen wir nichts. Aber Gott hat diesen Dienst an seinem Sohn im ewigen Wort festgehalten. Die Söhne von Simon scheinen zur Zeit der Niederschrift dieses Evangeliums unter den Christen gut bekannt gewesen zu sein.

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Die Kreuzigung

Unser Heiland wurde um die dritte Stunde, also um 9 Uhr morgens, gekreuzigt. In den ersten drei Stunden litt Er unter dem Spott, der Schmähung und Verachtung vonseiten der Menschen. Die Soldaten nahmen Ihm seine Kleider weg und verteilten sie durch das Los untereinander. Es erfüllte sich eine Prophezeiung aus dem Alten Testament: «Sie schauen und sehen mich an; sie teilen meine Kleider unter sich, und über mein Gewand werfen sie das Los» (Psalm 22,18-19).

Auch die Aufschrift mit seiner Beschuldigung, die auf das Kreuz gesetzt wurde, war als Spott gedacht: «Der König der Juden.» In der Zukunft, wenn die Juden auf Ihn blicken werden, den sie durchbohrt haben, werden sie zur Einsicht kommen, dass sie damals ihren Messias gekreuzigt haben (Sacharja 12,10).

In den Versen 29-32 werden drei Gruppen von Menschen aufgezählt, die alle den Gekreuzigten verspotteten. Die Vorübergehenden nahmen seine Aussage aus Johannes 2,19 zum Anlass, Ihn zu lästern. Die religiösen Führer mussten in ihrem Spott bekennen, dass Er andere gerettet hatte. Sich selbst konnte Er tatsächlich nicht retten, wenn Er sein Leben als Lösegeld für viele geben wollte (Kapitel 10,45). Wäre Er vom Kreuz herabgestiegen, hätte kein Sünder errettet werden können. Schliesslich lesen wir von den beiden mitgekreuzigten Räubern, dass sie Ihn schmähten. Das Lukas-Evangelium berichtet, dass einer von ihnen seine Meinung noch geändert und den Heiland um Gnade angefleht hatte. Er wurde gerettet und ging am gleichen Tag mit dem Erlöser ins Paradies.

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Jesus lässt sein Leben

Die Liebe des Heilands war stärker als der Hass der Menschen. Er blieb am Kreuz – für dich und für mich! Ab Vers 33 geht es um unendlich viel mehr als um die Leiden vonseiten der Menschen, obwohl diese überaus schlimm waren. Aber welch ein Unterschied zwischen dem, was die Menschen Ihm antaten und der Strafe, die Gott für unsere Sünden und für die Sünde an Ihm vollzog!

Von der sechsten bis zur neunten Stunde wurde es finster. Da war Christus allein mit Gott, verborgen vor den Augen der Menschen. In diesen drei Stunden bezahlte Er unsere Schuld vor Gott, denn die Strafe zu unserem Frieden lag auf Ihm. Da wurde Er, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht.

In Psalm 22,12 lesen wir, wie Er prophetisch zu Gott sagt: «Sei nicht fern von mir!» Doch Er war von Ihm verlassen. Ja, Gott musste sein Angesicht von Dem abwenden, der für uns zur Sünde gemacht wurde. Es musste sein – sowohl zur Herrlichkeit und Majestät Gottes als auch zu unserer Errettung. Aber wer kann die Tiefen der Leiden ermessen, durch die der Heiland in jenen Stunden ging? Kein Mensch!

Nach den drei Stunden der Finsternis war das gewaltig grosse Erlösungswerk vollbracht. «Jesus aber gab einen lauten Schrei von sich und verschied.» Er opferte sich ohne Flecken Gott, und Gott legte die Sünden vieler auf Ihn. Er musste sterben. Aber niemand nahm Ihm sein Leben. Er gab es freiwillig in den Tod, ohne irgendein Anzeichen von Schwäche. Nun konnte Gott den Scheidevorhang des Tempels zerreissen. Der Zugang zu Ihm war offen.

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Die Grablegung

Der laute Schrei, mit dem Jesus seinen Geist in die Hände des Vaters übergab, traf das Gewissen des römischen Hauptmanns. So hatte er noch keinen Gekreuzigten sterben sehen. Er musste laut sagen, was er dachte: «Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn!»

Gottesfürchtige Frauen, die dem Heiland von Galiläa aus nachgefolgt und mit Ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren, hatten von weitem das Geschehen auf Golgatha verfolgt. Sie hatten alles gesehen und gehört: den Spott, die Verachtung, die Misshandlung vonseiten der Feinde, die Finsternis, die Worte des Herrn und schliesslich den Tod ihres Erlösers. Nun war Er gestorben! Was nun?

Gott selbst sorgte dafür, dass nichts Ungeziemendes mit dem toten Leib seines Sohnes geschah. Die ungläubigen Menschen hatten sein Grab bei Gottlosen vorgesehen, «aber bei einem Reichen ist er gewesen in seinem Tod» (Jesaja 53,9). Dieser reiche Mann war Joseph von Arimathia, der bis dahin ein verborgener Jünger Jesu war. Kühn ging er zu Pilatus hinein und bat um den Leib Jesu. Die Bosheit der Menschen, die am Kreuz einen traurigen Höhepunkt erreichte, forderte den Glauben Josephs heraus, so dass er mutig an die Öffentlichkeit trat.

Als er den Leib des Heilands vom Statthalter geschenkt bekommen hatte, nahm er ihn vom Kreuz herab und beerdigte ihn auf würdige Weise in einer Felsengruft. Johannes berichtet noch von einem anderen zaghaften Jünger des Herrn, der Joseph bei der Grablegung unterstützte: Nikodemus (Johannes 19,39).

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Der Herr ist auferstanden!

Sobald der Sabbat vorbei war, wollten die Frauen, die dem Herrn Jesus nachgefolgt waren und wussten, wo Er beerdigt war, Ihm die letzte Ehre erweisen. Mit den gekauften Gewürzsalben hatten sie im Sinn, seinen Leib zu salben. Doch sie kamen zu spät. Als sie am ersten Wochentag nach Sonnenaufgang zur Gruft kamen, war Er bereits auferstanden. Kein noch so schwerer Stein, der die Öffnung der Gruft verschloss, konnte den auferstandenen Herrn daran hindern, das Grab zu verlassen. Ein Engel kam aus dem Himmel herab, um den Stein wegzuwälzen, damit jeder sehen konnte, dass das Grab leer war (Matthäus 28,2).

Hier bei Markus lesen wir von den Sorgen dieser Frauen, die sich jedoch als unbegründet erwiesen. Sobald sie aufblickten, sahen sie, dass der grosse Stein bereits weggewälzt war. Der Jüngling, der dort sass – es war ein Engel –, erklärte ihnen, dass der von ihnen Gesuchte auferstanden sei. Sie sollten seinen Jüngern und Petrus sagen, dass Er ihnen nach Galiläa vorausgehen werde. Dort würden sie Ihn wiedersehen.

Wer aber den Auferstandenen als Erste gesehen hatte, war Maria Magdalene. Sie durfte den Jüngern die herrliche Botschaft des Herrn überbringen: «Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und meinem Gott und eurem Gott» (Johannes 20,17). Alle Glaubenden gehören seither zur Familie Gottes. Sie sind Kinder Gottes, die Ihn ihren Vater nennen dürfen. In welch eine herrliche Nähe zu Gott sind wir durch das Werk des Herrn Jesus gebracht worden! Aber damals hatten die Jünger Mühe, die Tatsache der Auferstehung zu glauben.

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Predigt das Evangelium!

Die Berichterstattung von Markus ist bis ins letzte Kapitel kurz gehalten. Was über Maria Magdalene in den Versen 9-11 erwähnt wird, finden wir in Johannes 20,11-18 ausführlich beschrieben. Die Begebenheit von den zweien, die aufs Land gingen, wird hier mit zwei Versen erwähnt, in Lukas 24,13-35 aber detailliert erzählt.

Nachdem in den Versen 11 und 13 der Unglaube der elf Apostel unterstrichen wird, offenbarte sich der Herr selbst seinen Jüngern. Er musste sie wegen ihres Unglaubens und ihrer Herzenshärte ernst ermahnen. Doch dann sandte Er gerade diese Männer, die wirklich keine Glaubenshelden waren, mit dem Auftrag in die ganze Welt: «Predigt der ganzen Schöpfung das Evangelium.» Welch eine Gnade des Herrn, dass Er solche unvollkommenen Werkzeuge gebrauchen wollte!

Die Zeichen in den Versen 17 und 18 sollten ihre Verkündigung begleiten. Sie bestätigten, dass die neue Botschaft – das Evangelium der Gnade und der Errettung für alle Menschen – von Gott selbst kam. Durch die Zeichen wurde den Hörern jeder Vorwand für Zweifel und Unglaube genommen (Vers 20b).

Nachdem der vollkommene Knecht seinen Dienst hier beendet hatte, kehrte Er in den Himmel zurück. Weil Er gleichzeitig der Sohn Gottes ist, konnte Er sich selbst zur Rechten Gottes setzen. Doch bis heute hört Er nicht auf, die Seinen in ihrem Dienst der Verkündigung zu unterstützen. Auch wenn Er dies heute nicht mehr mit Zeichen tut, weil wir das ganze abgeschlossene Wort Gottes besitzen, so wirkt Er doch immer noch mit, wenn das Evangelium gepredigt wird.

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