Die Zisterne von Bethlehem
In 2. Samuel 23,8-39 finden wir die Aufzählung der Helden Davids. Zuerst werden drei näher beschrieben, die mit der Hilfe des Herrn grosse Siege gegen die Feinde Israels errangen. Dann folgt die schöne Erzählung von den drei tapferen Männern, die für David Wasser aus der Zisterne in Bethlehem schöpften und es ihm brachten. Diese Helden zeigen uns eine andere Art des Dienstes.
David war aber damals auf der Bergfestung, und eine Aufstellung der Philister war damals in Bethlehem. Und David hatte ein Verlangen und sprach: Wer wird mir Wasser zu trinken geben aus der Zisterne von Bethlehem, die am Tor ist? Da brachen die drei Helden durch das Lager der Philister und schöpften Wasser aus der Zisterne von Bethlehem, die am Tor ist, und trugen und brachten es zu David (2. Sam 23,14-16).
Es war in der Zeit, da David vor Saul fliehen musste. Die Philister hatten Bethlehem, den Heimatort Davids, besetzt. Da dachte er an die dortige Zisterne und wünschte sich, von jenem erfrischenden Wasser zu trinken: «Wer wird mir Wasser zu trinken geben aus der Zisterne von Bethlehem, die am Tor ist?» Das war kein Befehl, der Gehorsam verlangte. Damit rief er auch niemand zu einem Dienst auf. Die Frage war einfach der Ausdruck seines sehnsüchtigen Wunsches. Doch gerade diese Worte riefen bei den drei Helden echte Hingabe und eine Tat der Liebe hervor. Kein Befehl hätte so etwas erreichen können. «Da brachen die drei Helden durch das Lager der Philister und schöpften Wasser aus der Zisterne von Bethlehem, die am Tor ist, und trugen und brachten es zu David.» Viele wären bereit gewesen, unter Einsatz ihres Lebens etwas zum Wohl des Königreichs auszuführen. Aber diese drei Helden nahmen es auf sich, unter Lebensgefahr etwas zu tun, was nur den Wunsch von David erfüllte.
Wie sehr sich David über diese Hingabe freute, erkennen wir aus seiner Reaktion: «Aber er wollte es nicht trinken und goss es dem Herrn als Trankopfer aus.» Für ihn bedeutete dieser Einsatz ein Opfer, das nur dem Herrn gehörte. «Fern sei es von mir, Herr, dass ich solches tue! Ist es nicht das Blut der Männer, die unter Lebensgefahr hingegangen sind? Und er wollte es nicht trinken. Das taten die drei Helden.»
Wir erleben ebenfalls Zeiten, in denen wir den Kampf des Glaubens führen, den Angriffen des Bösen widerstehen und dem Feind die Beute abringen müssen. Da sind wir gefordert, die Wahrheit des Wortes Gottes zu verteidigen und «für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen». Aber kennen wir auch den höheren Dienst, der etwas nur für das Herz des Herrn Jesus tut? David fragte: «Wer wird mir … geben?» Sind wir bereit, unserem Herrn etwas zu geben, der alles für uns gegeben hat?
Wir finden in Johannes 12 ein Beispiel. Als der Herr Jesus nach Bethanien kam, heisst es: «Sie machten ihm nun dort ein Abendessen.» Ja, dieses Essen war für Den, der so viel für sie getan hatte und heute ein Festmahl der Gnade für alle Menschen bereitet hat. Betrachten wir es als ein besonderes Vorrecht, unserem Herrn das zu geben, was seinem Herzen Freude bereitet?
Von dieser hohen Art war der Dienst der Maria am Herrn Jesus. «Da nahm Maria ein Pfund Salböl von echter, sehr kostbarer Narde und salbte die Füsse Jesu und trocknete seine Füsse mit ihren Haaren.» Angesichts des Hasses der Feinde und des Murrens der Jünger war ihre Tat eine Erfrischung für das Herz des Herrn Jesus, der von vielen verachtet und abgelehnt wurde. In jenem Augenblick plante ja die ganze Welt seinen Tod!
Der Geruch des Salböls von Maria stieg als ein Wohlgeruch vor dem Herrn zum Himmel auf. Er erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.
Der Wunsch Davids «Wer wird mir … geben?» findet ein Gegenstück in der Bitte unseres Herrn kurz vor seinem Kreuzestod: «Dies tut zu meinem Gedächtnis.» Wenn wir diesem Wunsch unseres Heilands durch die Teilnahme am Brotbrechen nachkommen, führen wir nicht die Kämpfe des Herrn und machen nicht Beute für das Volk Gottes. Wir verteidigen dann auch nicht die christliche Wahrheit. Aber wir tun etwas, was nur für Ihn ist. Wir erfreuen sein Herz, indem wir Ihm eine Antwort auf seine grosse Liebe geben und an Ihn denken.
Buchtipp: Dem Herrn nachfolgen