Mit Christus auferweckt – was heisst das konkret?
Im Kolosser-Brief stellt der Apostel Paulus die Vorrechte und die Pflichten der Christen auf der Erde vor. Das Erste hat mit unserer Stellung zu tun. Das Zweite betrifft unsere Lebensführung.
Eine neue Stellung
Wir sind in der Beschneidung des Christus beschnitten worden (Kol 2,11), d.h. sein Tod ist auf uns angewandt worden. Dadurch haben wir die alte Stellung verlassen, die wir einst vor Gott als im Fleisch und verbunden mit Adam einnahmen. Wir sind auch «mitauferweckt worden durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat» (Kol 2,12). Als Folge davon haben wir aus Gnade eine neue Position erlangt, die mit Christus verbunden ist. Die Bedeutung und der Charakter dieser neuen Stellung kommen in Ihm als dem Auferstandenen zum Ausdruck.
40 Tage vergingen zwischen der Auferstehung und der Himmelfahrt des Herrn Jesus. Während dieser Zeit nahm Er eine besondere Stellung ein. Er hatte die Erde körperlich noch nicht verlassen, aber Er gehörte nicht mehr zu ihr. In dieser Zeit wurde Er weder von der Welt noch von einem Ungläubigen gesehen. Er begegnete nur den Seinen, bevor Er in den Himmel zurückkehrte. Er war und blieb der «Himmlische» und seine Interessen lagen nicht auf der Erde, sondern im Himmel.
Als Gläubige sind wir mit Ihm «auferweckt» und leben doch noch auf der Erde. Wir bewegen uns hier und werden oft mit schwierigen Umständen konfrontiert. Wir sind noch in unserem natürlichen Körper, der dem Tod und der Verwesung unterworfen ist. Zugleich besitzen wir das Leben des Herrn Jesus und nehmen die Stellung des auferstandenen Christus ein. Dadurch können wir im Geist in den neuen Bereich eintreten, wo Christus bereits ist. Die Gedanken und Interessen des gläubigen Christen liegen deshalb ausserhalb dieser Welt. Er kann sich über das Irdische erheben, weil er weiss, dass sein Bürgertum in den Himmeln ist (Phil 3,20).
Praktische Auswirkungen
Kolosser 3 knüpft direkt an diese Wahrheit an: «Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid …» Damit leitet der Apostel die Folgen und die Ergebnisse unserer neuen Stellung ein. Wir werden aufgefordert, das zu suchen, «was droben ist», und auf das zu sinnen, «was droben ist». Die Auswirkungen davon werden im weiteren Verlauf des Briefs gezeigt.
- Ein himmlisch gesinnter Christ ist von persönlicher Heiligkeit geprägt (Kol 3,5-12). Er tötet die Glieder, die auf der Erde sind. Das sind zum einen die gravierenden Formen des Bösen. Zum anderen legt er auch die Auswüchse des Fleisches ab, die unter Menschen oft nicht als Sünde bezeichnet werden. Ausserdem zieht er die Wesenszüge und Eigenschaften an, die den Herrn Jesus auszeichneten.
- Ein Gläubiger, der nach oben ausgerichtet ist, zeigt in seiner Beziehung zu anderen Christen eine gnädige und himmlische Gesinnung (Kol 3,13-17). Die endlosen Streitigkeiten und die ständigen Auseinandersetzungen in der Christenheit sind eine unmittelbare Folge davon, dass man diese Verse missachtet und die Beziehungen nicht nach dem Wort Gottes lebt.
- Wenn ein Christ zu Christus aufschaut, steht der Herr in all seinen natürlichen Beziehungen vor ihm (Kol 3,18-25; 4,1). Er geht ruhig und nüchtern durchs Leben und kommt seiner Verantwortung in einer guten Weise nach. Sowohl familiäre Beziehungen (Frauen, Männer, Kinder, Väter) als auch berufliche Verhältnisse (Arbeiter, Herren) werden in diesen Versen erwähnt. Andere Verbindungen werden nicht genannt. Das Wort gibt keine Anweisungen, wie man sich verhalten soll, wenn man sich in der Politik und in der Regierung der Welt beteiligen will. Das Schweigen der Bibel spricht eine deutliche Sprache! Offenbar geht das Wort Gottes davon aus, dass der Gläubige, der mit Christus auferweckt ist, keine solchen Verbindungen eingeht. Der Christ ist ein Fremder, der sich nicht in das Treiben der Welt einmischt – obwohl er mitten durch sie hindurchgeht.
- Ein himmlisch gesinnter Christ wirkt am Evangelium mit: sowohl im Gebet als auch im Zeugnis der Gnade und in der Verkündigung der Wahrheit (Kol 4,2-6). Er möchte, dass Menschen aus der Welt gerettet und in der Wahrheit befestigt werden. Sein Eifer für das Evangelium wird also nicht dadurch gemindert, dass er mit Christus auferweckt worden ist. Im Gegenteil! Der Gläubige, dessen Herz sich bereits ausserhalb der Welt befindet, arbeitet eifrig mit, um Menschen aus der Welt zu retten. Einem Christen, der eine himmlische Gesinnung hat, liegt es am Herzen, dass die Gnade Gottes sogar dem schlimmsten Sünder gebracht wird.
Das sind einige Ergebnisse in unserem Leben, wenn wir die Tatsache verwirklichen, dass wir mit Christus auferweckt worden sind. Wer wünscht sich nicht, mehr in der Kraft und in der Freude dieser Wahrheit zu leben? Dazu müssen wir unseren Blick von uns weg auf Christus richten. Beim Anschauen seiner Person werden wir unseren neuen Platz kennen lernen, den wir als mit Ihm auferweckt einnehmen. Das wird sich auf unser Leben auswirken.
Buchtipp: Die Auferstehung des Herrn