David trauert um Saul und Jonathan
Wie schön sind die Worte des Klageliedes, das David über Saul und Jonathan anstimmte! Obschon Saul David ungerechterweise verfolgt hatte, dachte dieser nun nicht mehr an all die erfahrenen Feindseligkeiten. Er erinnerte sich jetzt nur an das, was Saul zur Ehre gereichte. Vor allem trauerte er darüber, dass der König des Herrn gefallen und das Heer des Volkes Gottes von den Feinden besiegt worden war. «Wie sind die Helden gefallen!» (2. Samuel 1,19.25.27).
Warum nannte David dieses Klagelied «das Lied vom Bogen»? Es waren die Bogenschützen, die Saul hart zusetzten und ihn in den Tod trieben (1. Samuel 31,3).
Der Bogen ist in der Bibel ein Bild der Kraft, den Feind zu besiegen. Mit dem Bogen bekämpft man den Feind auf Distanz und verhindert damit, dass er aus der Nähe von Mann zu Mann angreifen kann. Aber diese unentbehrlichen Bogenschützen fehlten im Heer Sauls, denn viele von ihnen waren zu David, dem König nach Gottes Gedanken, übergelaufen (1. Chronika 12,1-8).
Die Schlussverse haben vor allem Jonathan zum Inhalt. Zwischen dem Kronprinzen und David hatte eine tiefe Freundschaft bestanden. Leider war Jonathan im entscheidenden Moment nicht bereit gewesen, das entbehrungsreiche Leben seines Freundes mit ihm zu teilen. Er blieb bei seinem Vater Saul und kam mit ihm ums Leben. Aber im Herzen Davids gab es deswegen keinerlei Bitterkeit. Er liebte Jonathan immer noch (Vers 26).
Zwei Könige in Israel
Das Erste, was uns bei David auffällt, ist seine Abhängigkeit von Gott. Nachdem König Saul tot ist, möchte er nicht im Eigenwillen, nicht nach seinem Gutdünken die Herrschaft über Israel antreten. Auch wenn Gott ihn schon vor langer Zeit durch den Propheten Samuel zum König über sein Volk gesalbt hatte, wollte er jetzt auf die Weisung von oben warten.
Durch die Führung des Herrn zog er zunächst nach Hebron hinauf, wo der Stamm Juda, aus dem er stammte, ihn zum König machte. Sieben Jahre und sechs Monate dauerte dieses Teil-Königtum. Erst in Kapitel 5 lesen wir, wie David über alle Stämme Israels König wurde.
Diese schrittweise Übernahme der Regierung hat einen prophetischen Aspekt. David ist ein Vorausbild auf Jesus Christus, der im Tausendjährigen Reich die Herrschaft nicht nur über das irdische Volk Gottes, sondern über alle Völker antreten wird. Wenn Christus in Herrlichkeit erscheint, wird Er ein plötzliches Gericht über den Herrscher des wiedererstandenen Römischen Reiches und den Antichristen mitsamt ihren Heeren ausüben. Aber seine Herrschaft wird Er nach und nach errichten.
Die Männer von Gilead, die Saul und seinen Söhnen die letzte Ehre erwiesen haben (1. Samuel 31,11-13), werden vom neuen König besonders geehrt. Abner, der Heeroberste von König Saul – er hatte den Krieg der Philister gegen Israel überlebt – gab noch nicht auf. Er stellte mit Isboseth, dem Sohn Sauls, einen Gegenkönig auf.
Der Kampf bei Gibeon (1)
Abner, der Heerführer Sauls, hatte beinahe alle Stämme Israels unter die Herrschaft von Isboseth, den Sohn Sauls, gebracht. Doch er befand sich auf einem menschlichen Weg des Eigenwillens. Er kämpfte gegen den von Gott erwählten König. Das konnte nicht gut ausgehen. Nun zog er aus, um auch den Stamm Juda unter diese Herrschaft zu bringen. Joab, ein Neffe Davids, übernahm die Führung des Heeres aus Juda. Am Teich von Gibeon trafen die beiden aufeinander. Aber David war bei dieser Auseinandersetzung nicht im Spiel.
Abner schlug einen Zweikampf von je zwölf jungen Männern beider Heere vor, und Joab war einverstanden. Vergleicht man diesen Zweikampf mit dem, der früher im Terebinthental zwischen David und Goliath stattgefunden hatte (1. Samuel 17), dann zeigt sich ein grosser Unterschied. Hier gab es keine Sieger. Alle 24 Mann kamen ums Leben. So ist es immer, wenn Brüder gegeneinander kämpfen: Es gibt nur Verlierer.
Aber damit nicht genug: Der Kampf wurde an jenem Tag überaus heftig. Asael, der Bruder Joabs, wollte es mit dem feindlichen General aufnehmen. Abner, der einen edlen Charakter hatte, aber doch ein ungläubiger Mann war, warnte seinen Verfolger zweimal. Als dieser sich weigerte, die Verfolgung aufzugeben, tötete ihn der erfahrene Kämpfer mit dem hinteren Teil des Speers. Asael war wohl sehr schnell auf seinen Füssen, aber wenig erfahren im Umgang mit Waffen. So hat sein Hochmut, in dem er Abner zum Gegner wählte, ihn das Leben gekostet.
Der Kampf bei Gibeon (2)
Nachdem ihr Bruder Asael tot war, verfolgten Joab und Abisai den Anführer des gegnerischen Heeres. Wollten sie den Tod ihres Bruders persönlich rächen?
Abner realisierte wohl, dass der Kampf zu seinen Ungunsten verlief. Um einer totalen Niederlage zu entgehen, rief er Joab zu, den Bruderkrieg einzustellen. Dieser ging sofort darauf ein, und der Stamm Juda verfolgte seine Brüder nicht mehr länger.
Auch in diesen Worten Abners kommt wieder sein nobler Charakter zum Ausdruck. Er wollte eine Erbitterung unter Brüdern vermeiden. Aber er war nicht bereit, sich David, dem von Gott bestimmten König, zu unterwerfen.
So trifft man auch heute manche Menschen mit einem edlen Charakter. Ihr Verhalten ist beeindruckend. Wenn es aber darum geht, den Herrn Jesus als Heiland der Welt anzuerkennen, sich vor Ihm zu beugen und an Ihn zu glauben, dann lehnen sie ab.
Und Joab? Im Vergleich zu Abner schneidet er schlechter ab. Aber er war mit David verwandt und nahm daher eine hohe Stellung unter seiner Regierung ein. Er stand also auf der richtigen Seite und kämpfte für den von Gott eingesetzten König.
Betrachtet man aber sein Verhalten und sein Leben, dann zeigt sich, dass auch er kein gläubiger Mann war. Denn immer suchte er seinen eigenen Vorteil. Jemand hat von ihm gesagt: «Man findet ihn überall da, wo es etwas Böses zu tun gibt oder wo viel zu gewinnen ist.»
Streit zwischen Abner und Isboseth
In diesem Kapitel betont der Heilige Geist die Verantwortung, die David als König hatte, und zeigt – wie dies bei uns Menschen meistens der Fall ist – sein Versagen.
Vers 1 deutet noch Gottes Vorsehung an. Er bewirkte, dass das Haus Davids immer stärker wurde. Aber dann zeigen uns die Verse 2 bis 5, wie sich die Familie Davids entwickelt hat. Warum David so viele Frauen nahm, sagt uns Gottes Wort nicht. Aber im Blick auf den König hat der Herr im Gesetz Moses geboten: «Er soll nicht viele Frauen haben» (5. Mose 17,17). Die weitere Geschichte Davids zeigt, dass es mit den verschiedenen Söhnen der verschiedenen Frauen nur Probleme gab.
Obwohl Abner genau wusste, dass Gott den Thron Davids über ganz Israel aufrichten wollte (2. Samuel 3,9.10.18), hielt er zum Haus Sauls und stützte das Königtum Isboseths. Aber sein Verhältnis mit der Nebenfrau Sauls führte zu einem Bruch mit Isboseth. Vielleicht vermutete der König, Abner versuche, seine Machtposition zu stärken oder sogar nach dem Thron zu greifen (vergleiche 2. Samuel 16,21.22; 1. Könige 2,21.22).
Für Abner bedeutete die Frage des Königs eine Undankbarkeit, die ihn zutiefst verletzte. In seinem Zorn beschloss er, die Seite zu wechseln und nun David zu helfen. Er wollte dafür sorgen, dass David König über ganz Israel wurde. Wird Gott zulassen, dass sein König die Herrschaft über die restlichen Stämme aus der Hand eines ungläubigen Menschen empfängt?
Abner verhandelt mit David
Abner, der seine Loyalität zu Isboseth, dem Sohn Sauls, aufgegeben hat, schickt nun Boten zu David und macht ihm ein Angebot.
Im ganzen Abschnitt der Verse 12-16 sehen wir bei David keinerlei Abhängigkeit von Gott. Kein Fragen nach seinem Willen, sondern eine Demonstration seiner Macht. Er ist bereit, einen Bund mit Abner zu schliessen. Doch vorher will er seine Frau Michal zurückhaben, mit der ihn nur eine menschliche Liebe verbunden hatte (1. Samuel 18,20.27.28).
Warum verlangt er nach Michal, die in der Zwischenzeit einen anderen Mann geheiratet hat und daher eine Ehebrecherin geworden ist? Will er damit zeigen, welche Macht er hat?
Nachdem diese Bedingung erfüllt war, führte Abner mit den führenden Männern der übrigen Stämme Gespräche. Er konnte sogar den Stamm Benjamin, den Stamm des Hauses Sauls, von seiner Idee überzeugen. Als alle einverstanden waren, sprach Abner mit einer 20-köpfigen Delegation bei König David vor. Dieser empfing sie mit allen Ehren, hörte sich die Worte Abners an und entliess ihn in Frieden, damit er sein Vorhaben ausführe.
Wie traurig, dass der gottesfürchtige David in einer so wichtigen Sache unabhängig von Gott handelte! Abner hatte wohl den Hochmut in Davids Herzen angesprochen. Nun fand der König es nicht für nötig, mit Gott darüber zu reden.
Joab tötet Abner
Die ganzen Besprechungen fanden während der Abwesenheit von Joab statt. Kaum war Abner in Frieden fortgezogen, da kam Joab mit grosser Beute von einem militärischen Streifzug zurück. Es dauerte nicht lange, da wusste er über alles Bescheid. Sofort überhäufte er den König mit Vorwürfen. Wer war hier eigentlich der Höhere, David oder Joab?
Ohne eine Antwort des Königs abzuwarten, ging Joab hinaus und führte seine ehrgeizigen Pläne aus. Fürchtete er, Abner könnte ihm bald den Platz an der Spitze des Heeres streitig machen? So weit durfte es auf keinen Fall kommen. Also beseitigte er ihn auf hinterlistige Art und rächte gleichzeitig das Blut seines Bruders Asael.
Die Ermordung Abners war eine äusserst schändliche Tat des ehrgeizigen Joab, für die er vor Gott und Menschen voll verantwortlich ist. Doch Gott, der über allem steht, verhinderte durch den Tod Abners, dass David die Herrschaft über ganz Israel aufgrund eines Bündnisses von Menschen und aus der Hand eines Menschen empfing.
Der König distanzierte sich sofort von dieser Schandtat. «Schuldlos bin ich und mein Königreich vor dem Herrn in Ewigkeit an dem Blut Abners, des Sohnes Ners!»
Die im nächsten Abschnitt beschriebene Trauer des Königs bestätigte die Echtheit seiner Worte. Joab aber wurde vom Fluch des Königs getroffen.
David trauert um Abner
David ordnete eine Staatstrauer für den ermordeten Abner an. Er selbst ging hinter der Bahre her zum Begräbnisort. Unter Weinen stimmte er ein Klagelied über diesen Mann an. Darin kommen ähnliche Worte der Gnade vor wie in seinem Klagelied über Saul und Jonathan.
Die echte, tiefe Trauer Davids über Abner wurde nicht nur vom Volk, das sich in Hebron befand, wahrgenommen. Die Nachricht verbreitete sich im ganzen Land. «Und das ganze Volk und ganz Israel erkannten an jenem Tag, dass es nicht vom König ausgegangen war, Abner, den Sohn Ners, zu töten.» So trug diese aufrichtige Trauer des Königs wahrscheinlich mehr zur Einigung des ganzen Volkes bei, als viele Worte und Abmachungen es vermocht hätten.
Im letzten Vers drückt David seine Schwachheit gegenüber den Söhnen der Zeruja aus. Obwohl die königliche Macht in seinen Händen lag, hatte er nichts gegen die «Söhne der Ungerechtigkeit» ausrichten können. Im Bewusstsein seines eigenen Unvermögens nahm er Zuflucht zum Herrn.
Was vorgefallen war, bedeutete eine Züchtigung für David. Er hatte in Unabhängigkeit handeln wollen, so dass Gott eingreifen musste. Aber das Gefühl seiner Schwachheit brachte David in die Abhängigkeit von Gott zurück. Bei Ihm und in der Gemeinschaft mit Ihm wird er Kraft finden, Schutz in der Schwachheit und Bewahrung für seine Füsse, um nicht zu Fall zu kommen.
Isboseth wird getötet
Isboseth hatte sich ganz auf Abner verlassen. Eine andere Hilfe oder Stütze kannte er nicht. Er war kein Gläubiger wie David, der, auch wenn er versagt hatte, wieder zu Gott zurückfinden und aufs Neue mit seiner Hilfe rechnen konnte. Als Abner tot war, wurden die Hände Isboseths schlaff.
Der Teufel versuchte noch einmal, David eine Falle zu stellen. Früher hatte sich der König geweigert, das Diadem aus der Hand des Amalekiters anzunehmen. Jetzt behandelte er die Mörder Isboseths auf die gleiche Weise. Sie wurden weder geehrt noch belohnt. Er befahl, sie zu erschlagen. Nein, auf diese Weise wollte er nicht zu seinem Recht kommen. – Es ist gut, wenn uns bewusst bleibt, dass der Teufel seine Angriffe auf die Gläubigen nie aufgibt. Um nicht zu Fall zu kommen, müssen wir täglich die ganze Waffenrüstung Gottes tragen (Epheser 6,10-18). Wir wissen nie, wann und von welcher Seite der Feind uns angreift.
Interessant ist an dieser Stelle der 4. Vers. Mit dem Tod Isboseths hätte man denken können, nun sei es mit der Familie Sauls zu Ende. Doch es gab noch einen Sohn Jonathans: Mephiboseth. Warum floh seine Amme mit ihm, dem fünfjährigen Knaben, als sie vom Tod Sauls und Jonathans hörte? Hatte sie Angst vor einer Rache Davids an der Familie Sauls, weil dieser ihn jahrelang verfolgt und oft mit dem Tod bedroht hatte? Jedenfalls wurde diese Flucht für Mephiboseth zum Verhängnis. Es passierte ein Unglück und seither war er lahm.
David wird König über ganz Israel
Nicht die Überzeugungskraft Abners brachte die Stämme Israels zu David, um ihn als König über ganz Israel anzuerkennen. Es war Gott, der in den Herzen der Männer von Israel eine Sinnesänderung gegenüber David bewirkte. Mit einer positiven Einstellung zu David kamen nun die Ältesten von Israel zu ihm nach Hebron. Sie wollten ihn als König über sich anerkennen und er zeigte durch seinen Bund mit ihnen, den er vor dem Herrn schloss, dass Israel von jetzt an sein Volk war. «Und sie salbten David zum König über Israel.»
Als König über alle Stämme eroberte David als Erstes die Stadt Jerusalem. Sie sollte zur Hauptstadt seines Reiches werden. Die Jebusiter, die heidnischen Bewohner Jerusalems, meinten zwar, ihre Stadt sei uneinnehmbar. «Aber David nahm die Burg Zion ein, das ist die Stadt Davids.» Gott hatte schon zu Mose von dem Ort gesprochen, den Er im Land erwählen würde, um seinen Namen dort wohnen zu lassen. Es war Jerusalem, das in den Gedanken Gottes mit dieser Erde einen zentralen Platz einnimmt. Diese Stadt wird im Tausendjährigen Reich der Regierungssitz des Herrn Jesus sein. Aller Segen für die Menschen wird diesem Zentrum entspringen (Sacharja 14). Dort wird auch der Tempel Gottes stehen.
Weil David auf Gott gewartet und nicht selbst die Herrschaft über ganz Israel ergriffen hatte, konnte der Herr ihn segnen und mit ihm sein. Aus dem weiteren Verlauf der Ereignisse erkannte David, dass er auf dem Weg des Herrn war. Nach seinem Willen sollte er König über das ganze Volk Israel sein.
David kämpft gegen die Philister
Wenn wir in den Versen 11 und 12 in David ein Vorausbild auf Christus sehen, wie Er die Anerkennung der Nationen finden wird, so zeigen uns die Verse 13-16 David als verantwortlichen König. Entgegen der Anweisung in 5. Mose 17 nahm er in Jerusalem noch mehr Frauen zu denen, die er bereits hatte.
In den weiteren Versen bis zum Schluss des Kapitels sehen wir zunächst die Wichtigkeit und den Segen der Abhängigkeit des Gläubigen von Gott und des Gehorsams gegenüber seinen Anweisungen. Bevor David gegen die heranrückenden Philister in den Kampf zog, fragte er den Herrn. Aus den Versen 18 und 22 kann man schliessen, dass die beiden Situationen praktisch identisch waren. Aber Gott zeigte dem König, dass er einmal von vorn angreifen und das zweite Mal dem Gegner in den Rücken fallen musste. Wie gut, dass David jedes Mal den Herrn fragte! Wir wollen von David lernen, unser Leben als Christen Tag für Tag in der Abhängigkeit vom Herrn und im Gehorsam zu seinem Wort zu führen.
Diese Verse haben auch eine prophetische Bedeutung. Wenn Christus, der Sohn Davids, seine Herrschaft über die Erde antreten wird, werden sich Ihm nicht alle Völker willig unterwerfen. Neben denen, die wie Hiram handeln, sind es vor allem die Nachbarvölker Israels, die sich gegen Ihn stellen. Doch sie alle werden unterjocht (Psalm 118,10.11). Sie werden sich dem Herrn unterwerfen müssen, auch wenn viele es mit Schmeichelei, nicht von Herzen tun (Psalm 66,3-7).
Die Bundeslade auf einem Wagen
Jerusalem war der Ort, den der Herr erwählt hatte, um seinen Namen dort wohnen zu lassen (5. Mose 12,4.5; 1. Könige 11,36; Psalm 132,13.14). Auch wenn es dort noch keinen Tempel gab, wollte David doch die Bundeslade nach Jerusalem holen und sie dort aufstellen. Das entsprach den Gedanken Gottes, denn die Bundeslade war das äussere Zeichen der Gegenwart Gottes. In der Zeit der Untreue des Volkes war sie ohne dauernden Wohnort geblieben. Aber jetzt konnte sich der Thron Gottes mit dem Thron seines Gesalbten vereinigen.
Die Lade des Herrn sollte in einem Triumphzug nach Zion hinaufgebracht werden. 30 000 Auserlesene aus Israel wurden dazu aufgeboten. Aber das Mittel, das David wählte, um dieses Gott wohlgefällige Vorhaben auszuführen, war verkehrt. Dass die Bundeslade, anstatt getragen zu werden, auf einem neuen Wagen gefahren wurde, konnte Gott nicht zulassen. Er musste mit allem Ernst eingreifen. Und die Reaktion Davids auf den Tod von Ussa? Er war völlig verwirrt.
So kann es auch uns gehen, wenn wir etwas Gutes in Gottes Augen auf eine eigenwillige Art ausführen wollen. Ungehorsam gegenüber den klaren Anweisungen seines Wortes kann Er nicht tolerieren. Wie wichtig ist es daher, Gottes Wort zu lesen, es zu kennen und es dann auch zu befolgen. – Der neue Wagen Davids erinnert an die Art und Weise, wie die Philister die Lade zurückführten. Wollte er die Welt kopieren? Die Philister wussten nichts von den Anordnungen Gottes, aber David hätte es wissen sollen (5. Mose 17,18-20).
Die Bundeslade kommt nach Jerusalem
Drei Monate war die Lade im Haus von Obed-Edom. In dieser Zeit sah David den gemachten Fehler ein und handelte nun nach der Vorschrift, als er die Lade Gottes in die Stadt Davids heraufholte. In 1. Chronika 15 wird dies ausführlich beschrieben. Nun wurde sie von Leviten getragen, wie es der Herr verordnet hatte.
In unserem Bericht liegt die Betonung auf der Freude, die dieser Anlass für den König und das ganze Volk bedeutete. David hatte seine Fehler eingesehen und vor Gott bekannt und der Herr hatte ihm vergeben. So stand der Freude nichts mehr im Weg.
Das gilt auch für unser Leben als Christen. Wenn wir einen Fehler gemacht haben, dürfen wir das Verkehrte, die geschehene Sünde, Gott, unserem Vater, bekennen und Er wird vergeben (1. Johannes 1,9). Dann dürfen wir wieder mit neuer Freude an der Hand des Herrn den Weg weitergehen.
Michal, eine von Davids Frauen, konnte und wollte sich an jenem Tag nicht mitfreuen. In ihrem Herzen gab es keine Beziehung zu Gott. Ihr Unglaube führte sie sogar dahin, ihren Mann zu verachten. Sie fand, er habe sich durch sein Verhalten lächerlich gemacht und sagte dies ihm auch mit spottenden Worten.
Es kommt auch heute vor, dass die Welt das Verhalten der Gläubigen, wenn sie sich Sonntag für Sonntag versammeln, um den Tod ihres Herrn zu verkünden und dabei Gott und den Herrn Jesus anzubeten, lächerlich findet. Doch wir wollen uns wie David nicht einschüchtern lassen.
Gott gibt David Verheissungen
In 2. Samuel 5,10 sahen wir, dass David immer grösser wurde und der Herr mit ihm war. Nun erkennen wir, dass Gott mit dem König ein gewisses Ziel erreicht hatte: äussere Ruhe von allen seinen Feinden. Zudem hatte David jetzt die Bundeslade bei sich in der Hauptstadt. Aber während er als König in seinem Haus wohnte, befand sich die Lade Gottes in einem Zelt. Das hätte David gern geändert und dem Herrn ein Haus gebaut.
Als der König die Sache mit dem Propheten Nathan besprach, ermunterte dieser ihn sofort. Aber Gottes Wille sah anders aus. Der Wunsch von David war zwar gut, aber nicht er, sondern sein Sohn sollte dem Namen Gottes ein Haus bauen (2. Chronika 6,7-9; 2. Samuel 7,12.13). – Wir lernen aus dieser Begebenheit, dass es gut ist, mit anderen Gläubigen zu reden und ihren Rat einzuholen. Doch sie sind nicht unfehlbar. Untrüglich ist nur das Wort von Gott, die Bibel.
In der Antwort, die der Prophet dem König zu überbringen hatte, zeigt der Herr, dass die Zeit, um einen Tempel zu bauen, noch nicht reif war. Er hatte sein Ziel mit seinem Volk – die endgültige Ruhe – noch nicht erreicht. Aber dann spricht Gott von allem, was Er für David getan hatte. Ja, in diesen Versen finden wir Verheissungen Gottes für David und seine Nachkommen, für das Volk Israel und sogar Hinweise auf Christus, den eigentlichen Sohn Davids. Im Herrn Jesus Christus wird sowohl das Königtum Davids als auch sein Thron in Ewigkeit fest sein. – Trotzdem blieb der direkte Sohn Davids vor Gott verantwortlich.
David betet zu Gott
Überwältigt von allem, was Gott ihm durch den Propheten Nathan sagen liess, setzte sich David vor dem Herrn nieder, um sein übervolles Herz vor Ihm auszuschütten. Diese Haltung zeigt, in welcher Ruhe und innerer Freiheit er mit seinem Gott Gemeinschaft hatte. Und doch war er sich seiner eigenen Nichtigkeit bewusst. Wer war er, dass Gott ihm bis dahin so viel Güte erwiesen hatte? Doch das war noch längst nicht alles. Er hatte sogar von der zukünftigen Herrlichkeit seines Hauses geredet. So konnte nur Gott handeln und reden!
In Demut beugte sich David – er bezeichnet sich immer wieder als Knecht des Herrn – vor Dem, der ihn durch und durch kannte. Was konnte er mehr sagen? Gott kannte ihn: Darin lag sein Vertrauen und seine Freude. Welch eine Gnade, dass Gott ihm aus seinem Herzen heraus dies alles mitgeteilt hatte! Wie gross war der Herr, sein Gott! Und welch ein einzigartiges Vorrecht besass Israel, dass es das Volk dieses grossen Gottes sein durfte!
In Vers 25 hat David ein volles Ja zu den Wegen Gottes mit ihm und seiner Familie, auch wenn er selbst das Haus Gottes nicht bauen durfte. Sagen auch wir demütig ja zu den Lebenswegen, die der Herr uns führt, oder gibt es da noch Widerstand in unserem Herzen? Voll Lob und Dank im Herzen beschliesst David sein Gebet vor dem Herrn, indem er weiterhin um einen Segen für sein Haus bittet. Er wusste: An Gottes Segen ist alles gelegen.
David kämpft gegen die Feinde Israels
In 2. Samuel 7,1 hiess es, dass der Herr seinem König «ringsumher Ruhe verschafft hatte». Kapitel 8 beginnt mit den Worten: «Und es geschah danach, da schlug David die Philister.» Das ist kein Widerspruch. Bei den Kämpfen in Kapitel 5 ging es um die Errichtung des Königtums über das ganze Volk. Nachdem Gott David als König bestätigt und ihm Ruhe verschafft hatte, folgt Kapitel 7. Dann – aus der Gemeinschaft mit Gott heraus – finden wir jetzt die Ausübung der Macht des Königs beschrieben.
So wird es auch in der Zukunft sein, wenn Christus als König auf diese Erde kommen und in seinem Friedensreich regieren wird. Zuerst wird Er den bedrängten gläubigen Überrest befreien und in Jerusalem seinen Thron aufrichten. Dann wird Er von dort aus während 1000 Jahren seine Herrschaft ausüben.
David verfuhr nicht mit jedem besiegten Volk auf die gleiche Weise. Sein Gericht an ihnen übte er nach dem Charakter der Feinde oder nach der Art, wie sie sich gegen das Volk Israel verhalten hatten, aus.
Weil David in Abhängigkeit von seinem Gott handelte, heisst es: «Der Herr half David überall, wohin er zog.»
Die Beute an Gold und Kupfer wird besonders erwähnt. Obwohl David wusste, dass er das Haus Gottes nicht bauen durfte, bereitete er doch sehr vieles für dieses Werk vor. Dazu gehörte auch das Bereitstellen von Baumaterialien wie Gold und Kupfer.
David wird von den Nationen anerkannt
Toi, der König von Hamat, unterwarf sich freiwillig. Er anerkannte die Siege Davids und beglückwünschte ihn. Mit einem Geschenk aus Geräten von Gold, Silber und Kupfer ehrte er ihn. Auch dieser König passt in das prophetische Bild der Herrschaft von Christus im Tausendjährigen Reich. Wenn die einen Nationen mit Gewalt zur Unterwerfung gezwungen und andere sich mit Schmeichelei unterordnen werden, wird es auch solche geben, die sich willig unter das Joch des Herrn Jesus beugen und seinen Sieg als ihre Rettung anerkennen werden (Offenbarung 7,9.10).
Das Wort «heiligen» in Vers 11 bedeutet: für Gott reservieren. David heiligte diese Materialien im Blick auf den Tempel, den sein Sohn bauen sollte.
Noch einmal wird in Vers 14 wiederholt, dass der Herr seinem König überall half, wohin er zog. Dann werden am Schluss des Kapitels die wichtigsten Personen in der Regierung Davids erwähnt. An der Spitze des Heeres stand Joab, sein Neffe, der dem König manche Not bereitete. Aber David hatte nicht die Kraft, diesen ehrgeizigen Mann abzusetzen und durch einen anderen zu ersetzen (vergleiche 2. Samuel 3,39).
Das Priestertum wurde durch zwei Personen ausgeübt: Zadok und Abjathar. Unter der Regierung Salomos, die auf die Herrschaft von Christus im Tausendjährigen Reich hinweist, wird das Heer nicht mehr von einem Ungläubigen wie Joab angeführt. Dann gibt es nicht mehr ein doppeltes Priestertum, sondern nur noch einen Priester. Unter David bestand also noch nicht die endgültige Ordnung.
Mephiboseth am Tisch des Königs
Dieses überaus schöne Kapitel hat eine prophetische Bedeutung. Mephiboseth, der Sohn Jonathans, ist ein Bild des gläubigen Überrests aus dem Volk Israel am Ende der Zeit. Jene Menschen, die durch die Drangsalszeit gehen und viel Schweres erleiden müssen, werden die Gnade des Herrn Jesus, ihres Messias, besonders erfahren.
Aber heute wollen wir die Geschichte von Mephiboseth und was er von David erfahren hat, auf uns anwenden. Wie dieser bedauernswerte Mann befanden wir uns weit weg vom Heiland in «Lodebar», was auf Deutsch heisst: «Ohne Weide».
Aber unser Erlöser, Jesus Christus, hat sich für solche, wie wir von Natur waren, interessiert. «Der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist.» Und was wird all denen geschenkt, die ihr Vertrauen auf Ihn setzen? Sowohl den Reichtum seiner Gnade in der Vergebung aller Sünden als auch die Herrlichkeit seiner Gnade, indem Er uns in die Stellung von Söhnen versetzt (Epheser 1,5-7). Das wird uns in der Geschichte von Mephiboseth illustriert. Er durfte fortan am Tisch des Königs Platz nehmen «wie einer von den Königssöhnen».
In David sehen wir schöne Wesenszüge unseres Herrn. Im Herzen hatte der König ein Vorhaben der Barmherzigkeit. Als dann Mephiboseth erschien, hatte er Worte der Gnade für jenen Nachkommen Sauls. Schliesslich konnte er als König auch verfügen, dass Mephiboseth mit all dem Segen überhäuft wurde. Er hatte die Macht in der Hand, um zu segnen.
Einleitung
Das zweite Buch Samuel schliesst direkt an das erste an und beschreibt, wie David König wird und über Israel regiert.
Thema
Nach dem Tod Sauls kommt David auf den Thron. Er macht Jerusalem zur Hauptstadt des Landes Israel. Nach vielen Kriegen mit feindlichen Völkern sichert er sich in diesem Gebiet die Vorherrschaft. Dadurch schafft er eine ruhige politische Situation in Israel.
Wegen fehlender Wachsamkeit begeht er mit Bathseba Ehebruch. Um die Sünde zu vertuschen, ermordet er ihren Mann. Später muss er vor seinem Sohn Absalom fliehen, der die Herrschaft an sich reisst. Es kommt in Israel zu Unruhen und blutigen Auseinandersetzungen.
Die Glaubensenergie, die David auf seiner Flucht vor Saul geprägt hat, lässt nach, nachdem er sich als König über Israel etabliert hat. Er fällt in Sünde und muss die bitteren Folgen davon tragen. Nach seiner Wiederherstellung fehlen ihm das klare Urteil, die Entschiedenheit gegen das Böse und die Glaubenskraft. Das ist eine Warnung für uns, nicht leichtfertig zu sündigen.
Einteilung
Kapitel 1 – 10: Der Aufstieg des Königtums Davids
Kapitel 11 – 20: Der Niedergang des Königtums Davids
Kapitel 21 – 24: Anhang
David erfährt vom Tod Sauls
Mit dem Tod von König Saul, wovon das letzte Kapitel vom ersten Buch Samuel berichtet, geht die Leidenszeit des von Saul verfolgten David zu Ende. Das zweite Buch Samuel redet von der Machtergreifung Davids, des gesalbten Königs (1. Samuel 16). Es zeigt sich, dass er der König nach dem Herzen Gottes, der König der Gnade ist.
Das zweite Buch Samuel beschreibt die Geschichte der Thronbesteigung und der Regierung Davids unter dem Blickwinkel der Verantwortung des Menschen. Darum wird auch das verschiedentliche Versagen dieses Glaubensmannes nicht verschwiegen.
David wusste noch nicht, wie die Schlacht der Philister gegen Israel ausgegangen war. Da kam ein amalekitischer junger Mann und berichtete auf eine lügenhafte Weise vom Tod Sauls und seines Sohnes Jonathans. Dieser ungläubige Amalekiter rechnete nicht mit den Empfindungen eines Gläubigen. Die echte Trauer Davids über den gewaltsamen Tod des Gesalbten des Herrn, auch wenn dieser ihn verfolgt hatte, muss den Lügenboten überrascht haben.
Zudem sollte dieser junge Mann seine Lügenworte mit dem Tod bezahlen. Durch seine Aussage hatte er sein eigenes Schicksal besiegelt. «Dein Blut komme auf dein Haupt. Denn dein Mund hat gegen dich gezeugt», sagte David.
Der Teufel, der hinter der Szene wirkte, hatte wohl gehofft, David würde das königliche Diadem sozusagen aus seiner Hand annehmen. Aber David trat nicht in diese Schlinge. Er konnte auf Gott warten.