Gott ist Licht!
Es ist ein überaus grosses Privileg, mit Gott Gemeinschaft zu haben. Aber jedes Vorrecht bringt auch eine Verantwortung mit sich. Diese wird nun in den Versen 5-10 angesprochen.
Wir haben Gemeinschaft mit einem Gott, der in seiner Natur Licht ist. Er ist heilig – zu rein von Augen, um Böses auch nur zu sehen (Habakuk 1,13). Mit dieser Tatsache vor Augen folgt in den Versen 6-10 dreimal der Ausdruck «wenn wir sagen». Damit wird unser Bekenntnis geprüft.
Wenn wir behaupten, Gemeinschaft mit Gott zu haben, und gleichzeitig ein Leben im Widerspruch zu seiner Heiligkeit führen, so lügen wir. Nein, unser Verhalten muss dem Licht Gottes entsprechen, damit wir mit Ihm leben können. Was sollen wir tun, wenn wir im Licht Gottes unser Versagen erkennen? Dann gilt es, Ihm unsere Sünden zu bekennen. Gleichzeitig dürfen wir uns auf das Sühnungsblut unseres Heilands stützen und wissen: Er hat alles gut gemacht.
Es wäre ganz verkehrt zu meinen, ein Mensch sei nach seiner Bekehrung sündlos und könne nicht mehr sündigen (Verse 8.10). Wer sich zu solchen Behauptungen versteigt, ignoriert die biblischen Aussagen und macht Gott zum Lügner. Tatsache ist, dass die Sünde als Wurzel noch im Gläubigen ist. Doch er ist von ihrer Sklaverei befreit. Er muss nicht mehr sündigen. Wenn es trotzdem passiert – und wir alle straucheln oft (Jakobus 3,2) –, kann die Sache durch ein aufrichtiges Bekenntnis in Ordnung kommen: Der himmlische Vater vergibt uns und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.
Sündigen oder gehorchen?
Wir haben gesehen, dass der Gläubige nach seiner Bekehrung nicht sündlos ist. Dennoch möchte Gott nicht, dass seine Kinder sündigen. Deshalb liegt es dem Apostel in den ersten zwei Versen dieses Kapitels sehr am Herzen, uns vor einem leichtfertigen Umgang mit der Sünde zu warnen.
Was ist aber, wenn wir trotzdem in eine Sünde fallen? Dann müssen wir nicht verzweifeln, weil der Herr Jesus als Sachwalter für uns tätig wird. Er führt uns dahin, dass wir die vorgefallene Sünde im Licht Gottes erkennen und sie dem Vater bekennen. Dann zeigt Er uns, dass Er diese Sünde damals am Kreuz gesühnt hat. Wie wunderbar, dass auf diesem Weg die gestörte Gemeinschaft mit Gott wieder in Ordnung kommt!
In den Versen 3-6 finden wir das erste Kennzeichen des ewigen Lebens in einem Glaubenden. Es ist der Gehorsam gegenüber den Geboten und dem Wort Gottes.
- Die «Gebote» sprechen mehr von den einzelnen Anweisungen und von der göttlichen Autorität.
- Das «Wort» hingegen bezeichnet den Ausdruck der Gedanken Gottes als Ganzes.
Bei beiden Ausdrücken geht es jedoch um die Wahrheit Gottes, wie wir sie im Neuen Testament finden.
Als der Herr Jesus auf der Erde lebte, wollte Er nur den Willen Gottes tun, koste es, was es wolle. Das war sein Lebensinhalt. So gehorchte Er Gott bis in den Tod am Kreuz. Weil wir das gleiche Leben wie Er besitzen, werden wir nun aufgefordert, so zu «wandeln, wie er gewandelt ist». Wir sollen seinen Gehorsam nachahmen. Welch eine Verantwortung!
Das Gebot der Bruderliebe
Ein weiteres Kennzeichen des neuen Lebens ist die Liebe zu den Brüdern, d.h. die Liebe zu den anderen Kindern Gottes. Das kommt in diesen Versen vor uns. Das alte Gebot ist das, was der Herr Jesus während seines Lebens hier geredet hat. Wir denken z.B. an Johannes 13,34.
In Vers 8 spricht Johannes von einem neuen Gebot. Damit weist er auf eine neue Situation hin. Als der Herr Jesus hier lebte, offenbarte Er in seinem Verhalten die Merkmale des ewigen Lebens: Gehorsam und Liebe. Jetzt besitzen wir Glaubende das gleiche Leben wie Er. Darum soll in unserem Verhalten das sichtbar werden, was man bei Ihm sah: Gehorsam und Liebe sollen auch unser praktisches Leben prägen. Wenn das der Fall ist, zeigen sich bei uns die gleichen Eigenschaften des göttlichen Lebens wie bei Jesus Christus.
In dem wichtigen Vers 10 wird die Bruderliebe mit dem göttlichen Licht verbunden. Wenn wir in Gemeinschaft mit Gott leben, der Licht ist, werden wir auch die anderen Kinder Gottes lieben. Der Ausdruck «kein Ärgernis ist in ihm» bedeutet zum einen, dass wir nicht stolpern, solange wir im Licht Gottes bleiben. Zum anderen aber heisst es auch, dass wir unserem Bruder nicht zum Anstoss werden, weil wir ihn lieben. Verhalten wir uns so, dass sich unsere Mitgläubigen nicht über uns ärgern müssen?
Die Verse 9 und 11 machen klar, dass da, wo statt Bruderliebe Hass gegen die Gläubigen offenbar wird, kein neues Leben vorhanden ist. So jemand beweist, dass er ein Ungläubiger ist.
Kinder, Jünglinge, Väter
Jetzt wendet sich der Apostel an die ganze Familie, an alle Kinder Gottes. In dieser Familie gibt es Unterschiede im geistlichen Wachstum. Nicht alle sind in ihrem Glauben gleich weit. Aber eins haben sie alle gemeinsam: Sie wissen bestimmt, dass ihre Sünden vergeben sind. Diese Sicherheit gründet sich auf das vollbrachte Erlösungswerk des Heilands, denn es heisst: «um seines Namens willen.»
Die Wachstumsstufen in der Familie Gottes werden mit den Bezeichnungen «Väter», «Jünglinge» und «Kinder» (kleine Kinder) voneinander unterschieden.
Mit «Väter» werden die geistlich reifen Christen bezeichnet. Sie haben den Herrn Jesus erkannt und in Ihm alles gefunden, was sie für ein glückliches Leben brauchen. Der Apostel Paulus war solch ein Vater. Christus bedeutete ihm alles, und für Ihn lebte er (Philipper 1,21; 2. Timotheus 1,12).
Die «Jünglinge» zeichnen sich durch geistliche Kraft aus. Was ist die Quelle ihrer Kraft? Es ist die Bibel, das Wort Gottes. Nur wenn wir oft und regelmässig die Bibel lesen und studieren, bleibt das Wort in uns. Durch die Beschäftigung mit dem Wort Gottes bekommen wir Kraft für unser Glaubensleben. Dann besitzen wir auch eine Angriffswaffe, um den Feind zu überwinden: das Schwert des Geistes, das Gottes Wort ist (Epheser 6,17). Doch die Jünglinge stehen in Gefahr, sich von der Welt beeinflussen zu lassen. Deshalb werden sie ernst gewarnt, weder die Welt noch was sie bietet zu lieben. Warum? Weil die Liebe zur Welt die Liebe des Vaters im Herzen verdrängt.
Warnung vor Verführung
Die dritte Personengruppe in der Familie Gottes sind die «Kinder», die im Glauben noch jung sind. Von ihnen wird in Vers 14 gesagt, dass sie den Vater erkannt haben. Sobald ein Mensch zum Glauben an den Herrn Jesus kommt, darf er wissen: Ich habe einen Vater im Himmel, der mich liebt und für mich sorgt. Weil die kleinen Kinder im Glauben noch nicht gefestigt sind, droht ihnen die Gefahr der Verführung (Vers 26). Deshalb hat der Apostel ihnen am meisten zu sagen (Verse 18-27).
Da bereits am Ende des ersten Jahrhunderts die Person und die Autorität des Herrn Jesus angegriffen wurden, begann die letzte Stunde schon damals. Heute leben wir am Ende der Gnadenzeit, in den «letzten Tagen» (2. Timotheus 3,1). Was Johannes in diesen Versen beschreibt, zeigt sich heute in einem fortgeschrittenen Stadium.
Der Antichrist als Person wird erst nach unserer Entrückung auftreten. Aber die antichristlichen Ideen – die Angriffe auf den Herrn Jesus, auf seine ewige Gottessohnschaft und auf seine Autorität als verherrlichter Mensch – sind heute schon weitverbreitet (Vers 22). Diese falschen Lehren bedeuten für Jungbekehrte eine grosse Gefahr. Die Verführer kommen zwar aus der Mitte der Christen (Vers 19), aber sie sind ungläubig und vermischen Wahrheit mit Irrtum. Die Kinder im Glauben sind jedoch nicht ohne Hilfe. Sie besitzen den Heiligen Geist (= die Salbung), der ihnen hilft, aus den vielen verführerischen Stimmen die Stimme des guten Hirten zu erkennen (Vers 20; Johannes 10,4.5).
Das ewige Leben und der Heilige Geist
Dass der Heilige Geist in ihnen wohnt, ist für die kleinen Kinder im Glauben eine grosse Bewahrung. Aber sie besitzen noch ein Schutzmittel vor der Verführung: «Was ihr von Anfang an gehört habt.» Es ist Christus, wie Er als Mensch in dieser Welt die volle Offenbarung der Wahrheit Gottes war. Diese Wahrheit ist heute im geschriebenen Wort Gottes niedergelegt. Alles, was Menschen dieser Offenbarung Gottes hinzufügen wollen, ist Irrtum. Wie wichtig ist es also, dass Christen, die noch jung im Glauben sind, die Bibel regelmässig lesen. Auch wenn sie noch nicht alles verstehen, werden sie dadurch vor Verführung bewahrt.
Vers 27 könnte zu dem falschen Schluss führen, dass der Gläubige keine Belehrung nötig hätte. Andere Stellen im Neuen Testament zeigen aber, dass der Herr Jesus Gaben gegeben hat «zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes des Christus» (Epheser 4,11.12). Hier geht es darum, dass der Heilige Geist uns hilft, die Lüge von der Wahrheit zu unterscheiden.
Nach der Einschaltung über die Wachstumsstufen in der Familie Gottes wendet sich der Apostel ab Vers 28 wieder an alle Kinder Gottes. Er fordert sie und damit auch uns auf, in Christus zu bleiben. Wir sollen beim Herrn Jesus verharren und Ihn nicht aufgeben.
Im letzten Vers des Kapitels erwähnt er ein drittes Kennzeichen des neuen Lebens: die praktische Gerechtigkeit. Unser tägliches Leben soll in Übereinstimmung mit dem heiligen und gerechten Gott sein.
Die Liebe des Vaters
Worauf will der Apostel mit seinem Ausruf «Seht!» unsere Blicke lenken? Auf die einzigartige und wunderbare Liebe unseres Gottes und Vaters, die Er uns geschenkt und in der Er uns zu seinen Kindern gemacht hat. Ja, wir sind tatsächlich Kinder Gottes. Jetzt und in alle Ewigkeit stehen wir in dieser Kindesbeziehung zum Vater. Davon verstehen die Ungläubigen (die Welt) nichts, weil sie den Herrn Jesus ablehnen (Johannes 8,19).
Heute sieht die Welt unsere herrliche Stellung als Kinder Gottes noch nicht, weil wir noch im schwachen Körper sind, der zur Erde gehört. Der Augenblick wird aber bald kommen, da unser Körper umgestaltet wird «zur Gleichförmigkeit mit seinem Leib der Herrlichkeit» (Philipper 3,21). Dann werden wir auch dem Körper nach zu unserem Herrn und Heiland passen und Ihn sehen, wie Er ist. Was für eine wunderbare Hoffnung haben wir doch! Je realer sie in uns lebt, desto mehr werden wir uns vor jeder Verunreinigung durch die Sünde hüten.
Ein Kind Gottes zeichnet sich dadurch aus, dass es die Gerechtigkeit tut (1. Johannes 2,29). Jemand aber, der kein Leben aus Gott hat, tut die Sünde. Er tut die Gesetzlosigkeit, weil er sich gegen Gott auflehnt, der die höchste Autorität ist.
Vers 5 erinnert an den Herrn Jesus, der Mensch geworden ist, um unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz zu tragen. Durch seinen Sühnungstod am Kreuz hat Er, der Sündlose, unsere Sünden weggenommen. Vers 6 beschreibt mit kurzen Worten die zwei Familien der Menschen: die Kinder Gottes und die Ungläubigen.
Gerecht leben und einander lieben
In 1. Johannes 2,26 ging es um die Verführung der Jungbekehrten. Jetzt warnt Johannes alle Kinder Gottes. Die antichristlichen Verführer nehmen es mit der Sünde nicht ernst. Sie meinen, gerecht zu sein, ohne gerecht zu leben. Sie denken, sie würden über der Sünde stehen.
Nun stellt der Apostel den Gegensatz klar heraus. «Wer die Sünde tut», d.h. wer in dem Zustand des Sündigens lebt, «ist aus dem Teufel». Welch ein Kontrast zu dem, der die Gerechtigkeit tut! Wenn sich das neue Leben in ihm entfaltet, fragt der Glaubende nach dem Willen Gottes und möchte ihn auch tun, wie Christus ihn getan hat.
In Vers 5 heisst es, dass der Herr Jesus Mensch geworden ist, um durch sein Werk am Kreuz unsere Sünden wegzunehmen. In Vers 8 geht es darum, dass Christus durch seinen Tod die Macht Satans völlig gebrochen und die Gläubigen davon befreit hat (Hebräer 2,15).
Vers 9 beschreibt die neue Natur im Gläubigen (= sein Same). Sie kann nicht sündigen. Wenn ein Christ sündigt, kommt dies immer aus seiner alten Natur, die er noch in sich hat, solange er hier lebt.
Der Apostel macht in diesen Versen deutlich, was die Kennzeichen der Kinder Gottes sind: praktische Gerechtigkeit und Bruderliebe. Dadurch unterscheiden sie sich deutlich von den Kindern des Teufels.
Ab Vers 11 liegt die Betonung auf der Liebe als einem Merkmal der Kinder Gottes. Das Gegenteil von Liebe ist Hass. Schon Kain offenbarte zu Beginn der Menschheitsgeschichte einen tödlichen Hass. Damit bewies er, dass er aus dem Bösen war.
Hass von der Welt
Kain ist kein böser Einzelfall. Wir müssen vielmehr darauf gefasst sein, dass die Ungläubigen die Kinder Gottes hassen. Warum? Weil die Welt schon unseren Herrn gehasst hat (Johannes 15,18).
Bei unserer Bekehrung sind wir vom geistlichen Tod ins Leben hinübergegangen. Wir besitzen jetzt schon das ewige Leben, auch wenn es sich erst in der Herrlichkeit voll entfalten wird. Eine Regung dieses neuen Lebens ist die Liebe zu denen, die wie wir zur Familie Gottes gehören (= die Brüder).
Und wenn jemand die Brüder nicht liebt? Dann muss man ein grosses Fragezeichen hinter seine Bekehrung machen. Dann beweist er, dass seine «Umkehr» nicht echt ist. Aber ist der Vers 15 nicht zu krass? Nein, denn er zeigt uns, dass Gott unser Inneres, unsere Motive beurteilt. Der Hass muss nicht zu einem Mord führen. Aber Gott deckt hier den Ursprung einer solchen Tat auf (Matthäus 5,28).
Die Liebe zu unseren Mitgläubigen ist nicht einfach eine Sache von Worten, sondern auch von Taten. Der grösste Beweis seiner Liebe zu uns hat der Herr Jesus gegeben, als Er am Kreuz für uns starb. In Römer 16,4 lesen wir von Christen, die in ihrer Liebe zu anderen bereit waren, ihr Leben für sie einzusetzen. Vielleicht müssen wir diesen Beweis unserer Liebe zu Kindern Gottes nicht erbringen. Aber wie steht es mit der Verwirklichung von Vers 17? Wie freigebig setzen wir unseren Besitz für solche ein, die Mangel leiden? Haben wir unser Herz nicht schon vor der Not anderer Christen verschlossen?
Freimütigkeit zum Beten
Damit niemand meint, das Gebot der Bruderliebe gelte nur für begüterte Christen, wendet sich der Apostel an alle Kinder Gottes. Wir sollen unsere Liebe nicht mit Worten, sondern mit Taten zeigen. Statt mit der Zunge sollen wir in Wahrheit lieben. Wir denken dabei an Römer 12,9.10: «Die Liebe sei ungeheuchelt … In der Bruderliebe seid herzlich zueinander.»
Grundsätzlich sind wir «aus der Wahrheit», d.h. wir sind Kinder Gottes. Wir haben unsere Wurzel in Gott, der in seinem Wesen die Wahrheit ist. Aber wie sieht es in der Praxis aus? Gehen wir unseren Weg immer in Gemeinschaft mit Gott? Es ist gut, in diesem Punkt auf unser Herz oder Gewissen zu achten. Wenn es uns verurteilt, müssen wir das, was unsere Gemeinschaft mit Gott trübt, im Selbstgericht verurteilen und wegtun. Wenn uns das Gewissen nicht anklagt, haben wir Freimütigkeit zu Gott. Dann können wir mit vollem Vertrauen zu Ihm beten und Ihm unsere Bitten vorlegen.
Gott möchte, dass wir als seine Kinder im Glaubensvertrauen zum Herrn Jesus und in gegenseitiger Liebe hier leben. Beides zusammen ist ein Gebot, das Er uns gegeben hat. Vers 24 spricht von einem wechselseitigen Bleiben oder Wohnen: wir in Gott – Gott in uns. Wir merken aber sofort, dass unser Wohnen in Gott von unserem Gehorsam abhängt. Wenn wir nicht gehorchen, verunehren wir den Herrn und entfernen uns von Ihm. Das Bleiben Gottes in uns geschieht durch den Heiligen Geist. Er ist in uns die Kraft, durch die sich das ewige Leben in uns entfaltet.
Prüft die Geister!
In jedem gläubigen Menschen wohnt der Heilige Geist (1. Johannes 3,24). Aber nicht alles, was Menschen in der Christenheit äussern, kommt aus dem Heiligen Geist. Weil viele falsche Propheten in die Welt ausgegangen sind – es ist die Welt der unbekehrten Menschen, unter denen wir leben –, müssen wir die Geister prüfen. Wie können wir den Geist der Wahrheit vom Geist des Irrtums unterscheiden? Der Apostel nennt hier zwei untrügliche Prüfsteine:
- die Person des Herrn Jesus, der im Fleisch gekommen ist (Verse 2-4), und
- die inspirierten Schriften der Apostel und Propheten des Neuen Testaments (Verse 5-6).
Beim ersten Prüfstein geht es um den Sohn Gottes, der in der Fülle der Zeit Mensch geworden ist. Der Ausdruck «im Fleisch gekommen» weist darauf hin, dass Er schon vor seiner Menschwerdung existierte. Er ist der ewige Sohn Gottes, der keinen Anfang hat (Johannes 1,1.14). Er kam als Mensch auf die Erde, blieb jedoch Gott. Der Geist des Antichrists leugnet die Herrlichkeit des Herrn Jesus als wahrer Gott und wahrer Mensch in einer Person. Es ist ein böser Geist, der von Satan kommt.
Als Kinder Gottes haben wir durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt, die Kraft und Fähigkeit, die falschen Propheten zu erkennen und zu verwerfen. Als Prüfstein dient uns die apostolische Lehre, denn das «wir» und «uns» im ersten Teil von Vers 6 bezieht sich auf die Apostel und Propheten des Neuen Testaments. Wer ihre Worte nicht als verbindliche göttliche Autorität anerkennt, verkündigt Irrtum.
Gottes Liebe zu uns
Mit Vers 7 kommt der inspirierte Schreiber auf das grosse Thema der Liebe Gottes zurück. Er beginnt mit der Anrede «Geliebte». Ja, wir sind von Gott geliebt. Aber als Geliebte gehören wir auch zur Familie Gottes und sind Teilhaber der göttlichen Natur. Deshalb folgt die Ermahnung: «Lasst uns einander lieben.» Doch wir sollen nicht einfach lieben, sondern einander göttliche Liebe erweisen. Diese Liebe, die ihren Ursprung in Gott hat und unser Herz erwärmt, befähigt uns, die anderen auch so zu lieben.
«Gott ist Liebe.» Das ist seine Natur. Doch Er hat seine Liebe zweifach in seinem eingeborenen Sohn Jesus Christus offenbart: als Leben und als Sühnung.
Um seine Liebe in Bezug auf uns wirksam werden zu lassen, hat Gott seinen einzigen, geliebten Sohn in die Welt gesandt. Diese Sendung umfasste das Leben und den Tod des Sohnes Gottes. Auf einem anderen Weg, als dass Er hier litt und starb, konnten wir als geistlich Tote kein Leben bekommen. Doch nun gilt: «Wer den Sohn hat (d.h. wer an Ihn glaubt), hat das Leben.»
Die Sendung des Sohnes Gottes brachte uns, die wir einst schuldig waren, auch Sühnung für unsere Sünden. Durch seinen Opfertod am Kreuz hat der Herr Jesus das Problem unserer Sünden auf göttlich wunderbare Weise gelöst. Gott konnte in seiner Heiligkeit die Sünden nicht einfach übersehen. Er verlangte Sühnung. Seinen gerechten Anforderungen musste entsprochen werden. Deshalb traf der Zorn Gottes über die Sünden den Reinen: Jesus Christus litt in den drei Stunden der Finsternis, damit Gott uns begnadigen konnte.
Gottes Liebe in uns
Wenn Gott uns so geliebt hat, dass Er seinen einzigen, geliebten Sohn zu unserer Rettung auf die Erde gesandt hat, dann haben wir die Verpflichtung, einander zu lieben. Dabei sollen wir unsere Liebe zu den Brüdern nicht von ihrem Verhalten abhängig machen, sondern sie so lieben, wie Gott uns geliebt hat.
Niemand kann Gott in seiner Absolutheit sehen. Aber wenn wir als Gläubige einander lieben, wird etwas vom Wesen Gottes sichtbar. Wenn wir uns so verhalten, wie die Bibel es uns zeigt, bekommen Menschen, die uns beobachten, eine Vorstellung von Gott.
Vers 13 erinnert an 1. Johannes 3,24. Dort wird gesagt, dass Gott durch den Heiligen Geist in uns bleibt. Auch in unserem Vers geht es um den Heiligen Geist in uns. Aber jetzt wird betont, dass Er die Quelle unserer Gemeinschaft mit Gott ist.
In den Versen 14 und 15 geht es um Zeugnis und Bekenntnis. Es sind die Apostel, die den Herrn Jesus gesehen haben. Sie können Ihn als Heiland der Welt bezeugen. Im Gegensatz zu Vers 14, der von den Aposteln spricht, geht es in Vers 15 um jeden, der an den Herrn Jesus glaubt. Er soll freimütig bekennen, dass der Herr Jesus, der hier als demütiger Mensch gelebt hat und am Kreuz gestorben ist, der ewige Sohn Gottes ist. Damit beweist er, dass Gott in ihm wohnt und er in Gott.
In Vers 16 wird die wichtige Aussage von Vers 8 wiederholt: Gott ist Liebe. Möchten wir uns unabhängig von unserer Lebenssituation jeden Tag den Strahlen der göttlichen Liebe aussetzen. Das wird uns ruhig und glücklich machen.
Gottes Liebe mit uns
In den Versen 7-10 sahen wir die Liebe Gottes zu uns in der Vergangenheit. Sie offenbarte sich, als wir noch Sünder waren, im Tod des Herrn Jesus. Die Verse 11-16 beschreiben uns die gegenwärtige Wirksamkeit dieser Liebe in uns durch den Heiligen Geist. Er ist die Kraft, in der wir heute in dieser Liebe bleiben und sie geniessen können.
Ab Vers 17 geht es um die Liebe Gottes mit uns, damit wir am Tag des Gerichts voll Freimütigkeit und ohne Angst sein können. Warum brauchen wir uns an diesem zukünftigen Tag nicht zu fürchten? Weil Glaubende nicht mehr gerichtet werden (Johannes 5,24). Das Gericht, das wir verdient haben, ist am Kreuz über unseren Heiland gekommen. Durch den Glauben an Ihn haben wir göttliches Leben empfangen. Darum stehen wir stellungsmässig auf der Seite des Richters. Und der Richterstuhl des Christus? Da müssen wir noch offenbar werden. Manche Christen fürchten sich davor. Aber sie vergessen, dass wir dann als verherrlichte Menschen vor Ihm stehen werden. Der Blick auf Gottes Liebe, in der wir jetzt ruhen können, nimmt uns die Furcht weg. So bemüht sich Gott, die Furcht aus unseren Herzen zu reissen und stattdessen Vertrauen zu pflanzen.
In den Versen 19-21 geht es nochmals um unsere Liebe. Wir dürfen als Glaubende eine Antwort auf Gottes wunderbare Liebe geben, indem wir Ihn und die Brüder lieben. Für das Zweite benötigen wir täglich die Hilfe des Herrn. Wer sagt, er liebe Gott, aber in seinem Leben keine Liebe zu den Kindern Gottes zeigt, erweist sich als ein christlicher Bekenner ohne Leben aus Gott.
Gott lieben und die Gläubigen lieben
Der Anfang des fünften Kapitels ist die direkte Fortsetzung des Schlussverses von Kapitel 4. Der erste Vers gibt eine klare Antwort auf die Frage: Wer ist mein Bruder, den ich lieben soll? Ausserdem begegnen diese Worte auch einer Gefahr, in der wir alle stehen: dass wir nur die Glaubenden lieben, mit denen wir gut auskommen. Wir müssen lernen, die Brüder zu lieben, weil sie aus Gott geboren sind.
In Vers 2 haben wir einen Gegentest zu Vers 1. Jetzt liegt der Nachdruck auf der Liebe zu Gott. Die Liebe zu den Kindern Gottes muss von der Liebe und dem Gehorsam gegenüber Gott begleitet und geleitet werden.
Wenn wir Vers 3 im Zusammenhang mit Vers 2 lesen, merken wir sofort, dass es bei der hier erwähnten Liebe Gottes um unsere Liebe zu Gott geht. Wenn wir dem Herrn Jesus gehorchen und seine Gebote tun, beweisen wir unsere Liebe zu Ihm (Johannes 14,15.21). Weil dies kein knechtischer Gehorsam ist, sondern aus Liebe geschieht, sind Gottes Gebote nicht schwer.
Wir leben noch in der Welt. Darum sind die Verse 4 und 5 wichtig für uns. Sie zeigen uns, wie und in welcher Kraft wir die Welt überwinden können. Mit dem Ausdruck «alles, was aus Gott geboren ist» wird auf das ewige Leben hingewiesen. Diese göttliche Natur überwindet die Welt, weil sie von ihren Verführungen nicht beeinflusst werden kann. In der Kraft unseres tätigen Glaubens, der sich nach dem ausstreckt, was Ewigkeitswert hat, überwinden wir die Welt. Aber die eigentliche Kraftquelle liegt in unserem Herrn. An Ihn wollen wir denken und uns viel mit Ihm beschäftigen!
Wasser und Blut
Der Sohn Gottes ist als Mensch zu uns auf die Erde gekommen. Doch sein Ziel war nicht, hier zu leben, sondern für sündige Menschen zu sterben. Von diesem Opfertod spricht das Wasser und das Blut (Johannes 19,33-35). Durch den Glauben an Ihn, der für uns gestorben ist, empfangen wir ewiges Leben.
Wenn in Vers 6 das Wasser, das Blut und der Heilige Geist erwähnt werden, so erinnern sie an die Ergebnisse des Todes von Jesus Christus:
- Beim «Wasser» haben wir den Gedanken der Reinigung vor uns. Als sündige Menschen passten wir überhaupt nicht in die Gegenwart des heiligen Gottes. Wir mussten ganz gereinigt werden. Das geschah durch die Neugeburt aus Wasser und Geist, als wir an den Erlöser glaubten.
- Das «Blut» spricht von der Sühnung, die der heilige und gerechte Gott forderte. Dieser Forderung hat der Herr Jesus durch seinen Tod in jeder Hinsicht entsprochen, so dass Gott jetzt jedem Glaubenden alle Sünden vergeben kann.
- Die Gabe des Heiligen Geistes ist das dritte Ergebnis des Todes des Herrn. An Pfingsten kam der Geist auf die Erde, um in jedem Glaubenden und in der Gesamtheit der Erlösten zu wohnen.
Gott spricht deutlich vom Kommen seines Sohnes in die Welt, aber auch von dessen Tod mit seinen Ergebnissen. Jeder, der diese Botschaft glaubt, empfängt ewiges Leben – und dieses Leben ist im Sohn. Wie tragisch, wenn Menschen dieses Zeugnis Gottes über seinen Sohn verwerfen! Sie machen Ihn zum Lügner und gehen verloren.
Wir wissen!
Das Johannes-Evangelium ist geschrieben worden, damit die Leser an den Herrn Jesus, den Sohn Gottes, glauben und durch diesen Glauben Leben haben in seinem Namen (Johannes 20,31). Diesen ersten Brief hat Johannes geschrieben, um den vorhandenen Glauben in den Lesern zu befestigen: «damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt» (Vers 13).
Die Verse 14 und 15 reden von der Freimütigkeit oder Kühnheit, in der wir Glaubende zu Gott beten dürfen. Je mehr unser Leben in praktischer Gemeinschaft mit Ihm verläuft, desto mehr werden auch unsere Bitten seinem Willen entsprechen, so dass Er uns erhören kann.
Was sollen wir tun, wenn wir sehen, dass ein Mitgläubiger sündigt? Wir können für ihn beten! Nun kann es aber sein, dass die Sünde des Bruders in Gottes Augen derart ernst ist, dass Er ihn in seinen Regierungswegen durch den Tod wegnehmen will. In einem solchen Fall sollen wir nicht mehr für ihn beten. Bei Ananias und Sapphira und auch bei gewissen Gläubigen in Korinth wäre eine Fürbitte fehl am Platz gewesen (Apostelgeschichte 5,1-11; 1. Korinther 11,29.30).
Am Ende des Briefs heisst es dreimal: «Wir wissen …» Das erste Wissen bezieht sich auf das neue, von Gott empfangene Leben. Diese neue Natur sündigt nicht. Das zweite Wissen bezieht sich auf die Quelle des ewigen Lebens, das wir bekommen haben: «Wir sind aus Gott.» Unser geistliches Leben findet seinen Ursprung in Gott. Das dritte Wissen lenkt unsere Gedanken auf den Sohn Gottes, an den wir glauben und den wir lieben.
Buchtipp: Dies ist das ewige Leben
Einleitung zum zweiten Johannes-Brief
- Der zweite Brief richtet sich an eine gläubige Frau und ihre Kinder.
- Der Apostel warnt sie vor Irrlehrern, die leugnen, dass Jesus Christus Gott und Mensch in einer Person ist.
- Johannes legt in diesem Brief folgenden Schwerpunkt: Die Liebe soll in Wahrheit wirksam werden.
Wandel in Liebe und Wahrheit
Johannes spricht hier nicht mit apostolischer Autorität, sondern als ein alter erfahrener Glaubensbruder. Er schreibt an eine gläubige Frau mit ihren Kindern. Dieser Brief wurde wie der erste Johannes-Brief am Ende des ersten Jahrhunderts geschrieben, als es unter den Christen bereits Menschen gab, die die Wahrheit über den Herrn Jesus Christus angriffen. Sie leugneten, dass Er wahrer Gott und echter, sündloser Mensch in einer Person ist.
In den ersten drei Versen fällt auf, wie häufig das Wort «Wahrheit» vorkommt. Die göttliche Wahrheit, wie wir sie über Jesus Christus vor allem im Neuen Testament finden, ist der einzige Schutz gegen die Irrtümer in der Christenheit. So betont Johannes in Vers 3 diese Wahrheit, wenn er Gnade, Barmherzigkeit und Frieden wünscht, «von Gott, dem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus, dem Sohn des Vaters, in Wahrheit und Liebe».
Um vor Irrtümern bewahrt zu bleiben und die Verführer mit geistlicher Energie abzuweisen, genügt es nicht, die Wahrheit zu kennen. Wir müssen auch in der Wahrheit wandeln, d.h. nach Gottes Wort leben.
Bei dem Gebot, das wir vom Vater empfangen haben, können wir sicher an 1. Johannes 3,23 denken: «dass wir an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben.» Dieses Gebot ist nicht neu. Es enthält einerseits die Wahrheit über die göttlichen Personen – den Vater und den Sohn. Anderseits spricht es von unserer Verantwortung. Als solche, die die neue Natur besitzen, sollen wir Bruderliebe aneinander üben.
Verhalten gegenüber Irrlehrern
Die Verführer, vor denen Johannes die auserwählte Frau und ihre Kinder warnt, greifen die Wahrheit über die Person des Herrn Jesus an. Vor allem leugnen sie, dass Er der ewige Sohn Gottes ist. In Vers 8 wird die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen angesprochen. Mit der Lehre des Christus ist die Wahrheit über Gott, den Vater, und Gott, den Sohn, gemeint, wie sie uns in Jesus Christus offenbart worden ist.
Die hier erwähnten Verführer gehen einerseits weiter als die Lehre des Neuen Testaments. Sie geben vor, neue Erkenntnisse zu besitzen. Aber sie irren sich, denn es gibt keine Offenbarung Gottes, die über das hinausgeht, was in der Bibel steht. Anderseits lehnen sie die Wahrheit über den Herrn Jesus ab. Sie leugnen, dass Er wahrer Mensch und ewiger Gott in einer Person ist. Wenn uns solche Leute begegnen, gibt es nur eins, um von ihrem Einfluss bewahrt zu bleiben: Wir müssen sie kategorisch abweisen und jeden Kontakt mit ihnen meiden. «Denn wer ihn grüsst, nimmt teil an seinen bösen Werken.» So ernst ist das!
Was Johannes in diesem Brief schrieb, duldete keinen Aufschub. Das Wichtigste und Dringendste teilte er den Briefempfängern deshalb schriftlich mit. Alles Weitere – er hatte dieser Familie noch vieles zu sagen – wollte er auf mündlichem Weg übermitteln. Diese Gemeinschaft sollte zur gegenseitigen Freude ausschlagen. Die völlige Freude, die der Apostel hier anspricht, erwähnte er bereits in seinem ersten Brief (1. Johannes 1,4), als er von unserer Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn schrieb.
Einleitung zum dritten Johannes-Brief
- Gajus ist der Empfänger des dritten Briefs.
- Johannes ermutigt ihn, an allen Kindern Gottes echte, praktische Bruderliebe zu üben.
- Hier ist die Betonung anders als im zweiten Brief: Die Wahrheit soll in Liebe festgehalten werden.
Wahrheit in Liebe
Der Empfänger des dritten Johannes-Briefs war der geliebte Gajus. Diesem gläubigen Mann ging es geistlich gut. Nun wünschte der Apostel, dass es ihm auch körperlich wohl gehe und er gesund sei. Über diesen Bruder konnte sich Johannes sehr freuen, denn er hörte, dass Gajus an der Wahrheit festhielt und auch darin lebte. Es war sozusagen eine Belohnung für den Dienst des Apostels, wenn er von solchen hörte, die er geistlich betreute, dass sie in der Wahrheit wandelten. Welche Ermunterung für ihn, dass sie das verwirklichten, was sie im Glauben festhielten.
Das eigentliche Thema dieses Briefs sind nicht die Verführer wie im zweiten Brief, sondern echte Diener Gottes. Es waren fremde Brüder, die Gajus nicht kannte, die aber in der örtlichen Versammlung erschienen, wo Gajus lebte. Nun ermunterte Johannes seinen Bruder, den Dienst an diesen fremden Knechten des Herrn treu fortzuführen. Vermutlich war Gajus ein begüterter Mann, der in der Lage war, reisende Prediger, die für den Namen des Herrn Jesus ausgegangen waren, zu unterstützen und zu geleiten. Das war nötig, da diese Diener des Herrn nichts von solchen nehmen wollten, denen sie die Botschaft vom Herrn Jesus brachten. Das Evangelium sollte für die Menschen kostenfrei sein.
Wie schön ist der Ausdruck «damit wir Mitarbeiter der Wahrheit werden»! Das gilt heute noch. Sowohl die Verkündiger des Wortes Gottes als auch jene, die sie finanziell unterstützen, als auch jene, die reisende Brüder beherbergen, sind Mitarbeiter im gleichen Werk des Herrn.
Diotrephes und Demetrius
Bereits in der ersten Zeit des Christentums gab es Menschen, die sich erhoben und über die anderen stellten. Diotrephes wollte in der örtlichen Versammlung eine Vorrangstellung einnehmen. Er duldete keinen neben sich und lehnte auch den Apostel ab. So war Johannes gezwungen, diesem Mann in apostolischer Autorität zu begegnen (Vers 10). Ganz schlimm war das Verhalten von Diotrephes gegenüber den Brüdern, die besuchsweise vorbeikamen. Er nahm sie nicht an und ging gegen jene vor, die diese Arbeiter des Herrn aufnehmen wollten. Er stiess sie aus der Versammlung, um allein herrschen zu können.
Angesichts dieses herrschenden Bruders hatte Gajus wohl Ermunterung nötig. So bestärkte Johannes ihn, auf dem eingeschlagenen Weg fortzufahren, das Gute zu tun und sich nicht zum Bösen verleiten zu lassen.
Demetrius war ein bekannter Bruder. Von ihm wird dreierlei gesagt:
- Er hatte ein gutes Zeugnis von allen anderen Gläubigen. Er war kein selbstbewusster Mann, der eine Vorrangstellung anstrebte. Er war auch kein Schwätzer, der andere schlecht machte.
- Ein weiteres Zeugnis gab ihm die Wahrheit, die er nicht nur kannte, sondern auch zur Richtschnur seines Lebens machte.
- Schliesslich verhielt er sich in Übereinstimmung mit dem Beispiel und der Lehre der Apostel.
Johannes schloss den Brief mit der Erwartung, den geliebten Gajus bald zu sehen, um dann vieles mündlich mit ihm zu besprechen.
Einleitung zum ersten Johannes-Brief
Das Wort des Lebens
Der Anfang, von dem der Apostel Johannes zu Beginn seines Briefs spricht, ist der Anfang des Christentums. Die christliche Wahrheit hat sich jedoch in einer Person gezeigt: in Jesus Christus, dem Mensch gewordenen Sohn Gottes (Johannes 1,14). Johannes und die anderen Apostel kannten Ihn, denn sie haben etwa drei Jahre in seiner unmittelbaren Nähe verbracht. Sie haben Ihn gesehen und einen persönlichen Kontakt zu Ihm gepflegt. In seiner Person offenbarte sich vor ihren Augen und Ohren das ewige, göttliche Leben.
Obwohl alle Apostel Augenzeugen waren, benutzte Gott vor allem Johannes, um uns das ewige Leben zu bezeugen, das sich im Herrn Jesus offenbart hat. Durch sein Evangelium – das ein göttlich inspirierter Bericht ist – teilt uns Johannes das mit, was er gesehen und gehört hat. Christus ist das ewige Leben, das bei dem Vater war. Das bedeutet: Der Sohn ist Gott wie der Vater und hat das gleiche Leben wie Er. Doch der Sohn Gottes ist Mensch geworden. Als solcher hat Er das ewige Leben hier offenbart oder verkörpert.
Wem gilt das Zeugnis und die Verkündigung von Johannes? Den Kindern Gottes, die durch den Glauben an den Herrn Jesus dieses ewige Leben empfangen haben. Dadurch sind sie befähigt, mit Gott, dem Vater, und mit seinem Sohn Jesus Christus Gemeinschaft zu haben. Das bedeutet, die Interessen, Gedanken und Empfindungen des Vaters und des Sohnes mit Ihnen zu teilen. Wie gross und herrlich ist es, mit Personen der Gottheit Gemeinschaft pflegen zu dürfen! Welche Freude erleben wir dabei!