Reine und unreine Tiere (2)
Es scheint, dass die Vögel im Allgemeinen rein waren (Schwalbe, Sperling, Taube usw.). Es wird jedoch eine Liste jener Vögel aufgezählt, die nicht gegessen werden sollten, weil sie ein Gräuel waren. Sie weisen bildlich auf das hin, wovor sich ein gläubiger Christ hüten muss.
Die Raubvögel sind Fleisch- und Aasfresser. Sie deuten darauf hin, dass ein Gläubiger alles abweisen soll, was von der alten Natur, vom Fleisch, kommt.
Die Allesfresser, wie alle Raben, die Seemöwe und andere, warnen uns, nicht alles, was an uns herankommt, ungeprüft zu übernehmen. Der Prüfstein für jede Sache ist das Wort Gottes und die darin enthaltenen Grundsätze.
Der Strauss ist ein flugunfähiger Vogel. Ihm sollen wir als Glaubende nicht gleichen. Vielmehr sollen wir die Flügel des Glaubens gebrauchen, um in schwierigen Situationen des Lebens nicht zu verzweifeln, sondern uns im Gottvertrauen über die Umstände zu erheben.
Die Fledermaus ist ein fliegendes Säugetier. Durch sie werden wir vor dem Vermischen von grundsätzlichen Unterschieden gewarnt. Niemals können wir das, was aus unserer alten Natur kommt, mit dem, was der Heilige Geist in unserem Leben wirkt, miteinander in Einklang bringen (Galater 5,17).
Ausser den Heuschrecken war alles geflügelte Gewimmel unrein. Das sind z.B. alle Käfer, die fliegen können, aber auf der Erde leben. Obwohl wir noch auf der Erde sind, sollten wir als Himmelsbürger leben.
Verunreinigung durch Berührung
Alle Kleinlebewesen – sie werden als Gewimmel bezeichnet – waren ein Gräuel: Sie sollten nicht gegessen werden. Die spezielle Liste in den Versen 29 und 30 zeigt, um was für Tiere es ging. Die erwähnten kamen besonders häufig in den Häusern und Zelten der Menschen vor. Die Gefahr, durch sie verunreinigt zu werden, war daher besonders gross.
Diese Tiere reden bildlich von allem, was uns täglich umgibt und beeinflusst: das Reden und Verhalten unserer ungläubigen Arbeitskollegen und Nachbarn, was durch die Medien auf uns einstürmt, alles, was wir sehen und hören. Überall besteht die Gefahr der Verunreinigung. Darum heisst es: «Gebt nun Acht, wie ihr sorgfältig wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise» (Epheser 5,15). Und Kolosser 1,10 ruft uns zu, «würdig des Herrn zu wandeln».
Die Quelle und der Same, die rein bleiben, die vom Aas eines solchen Tieres nicht verunreinigt werden können, reden einerseits von Christus, über den der Tod keine Macht hat, und anderseits vom Wort Gottes, das ewig bestehen bleibt.
Wiederholt ist vom Aas die Rede. Das erinnert uns an Römer 5,12. Durch die Sünde ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen. Alles um uns her trägt den Stempel des Todes.
Die Warnung vor dem Berühren eines unreinen Tieres oder des Aases eines Tieres hat eine geistliche Bedeutung. Als Gläubige sollen wir jeden unnötigen Kontakt mit ungläubigen Menschen vermeiden, denn wir werden dadurch negativ beeinflusst (Jakobus 4,4).
Warnung vor Verunreinigung
Zum Schluss der Vorschriften über die Tiere, die die Israeliten essen durften, und jene, die unrein waren, sagt Gott: «Alles Gewimmel, das auf der Erde wimmelt, ist ein Gräuel – es soll nicht gegessen werden.» Gräuel ist ein stärkerer Ausdruck als unrein. Als Gräuel bezeichnet Gott alles, was Er verabscheut. Von seinem Volk möchte Er, dass sie ebenso denken und sich entschieden von allem fernhalten, wodurch sie verunreinigt werden könnten.
In 1. Petrus 1, wo es um die Praxis unseres Glaubens, also um das tägliche Leben als erlöste Menschen geht, wird die in den Versen 44 und 45 zweimal vorkommende göttliche Aussage: «Seid heilig, denn ich bin heilig», zitiert. Im Neuen Testament sind diese Worte an Menschen gerichtet, die durch den Glauben an den Herrn Jesus Kinder Gottes geworden sind. Der heilige Gott ist ihr Vater. Sie gehören durch den Glauben zu seiner Familie. Kinder des himmlischen Vaters sollen Ihm gleichen. Er ist heilig und kann Böses nicht sehen. Von seinen Kindern, die Er liebt, möchte Er, dass auch sie ein heiliges Leben führen, indem sie sich entschieden von aller Art des Bösen absondern und ein Leben der Gottesfurcht führen (1. Petrus 1,14-17).
Die Verse 46 und 47 unterstreichen, dass dieses Gesetz für den Priester wichtig war. Er musste diese Vorschriften gut kennen, denn er hatte die Aufgabe, zwischen dem Unreinen und dem Reinen zu unterscheiden und die Israeliten darüber zu belehren (3. Mose 10,10.11).
Reinigung der Mutter nach der Geburt eines Kindes
In diesem Kapitel haben wir das Gesetz der Gebärenden. Warum wird eine Frau, die ein Kind gebiert, gemäss dieser Verordnung unrein? Wir müssen daran denken, dass eine Geburt immer mit einem Blutverlust der Mutter verbunden ist. Das Blut spricht zwar symbolisch vom Leben. Doch der Mensch ist ein Sünder. Und er vererbt die Sünde an seine Kinder weiter. Daher ist alles, was aus der Natur des Menschen fliesst, mit der Sünde verbunden und es verunreinigt (vergleiche Markus 7,15.19.20).
Diese Verse erinnern einerseits daran, dass der natürliche Mensch vor Gott unrein ist (Hiob 25,4). Der Psalmist drückt es wie folgt aus: «In Ungerechtigkeit bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen» (Psalm 51,7). Anderseits reden die Opfer, die gebracht werden mussten, von der Vorkehrung Gottes für den sündigen Menschen. Durch das Opfer des Herrn Jesus, der für sündige Menschen in den Tod am Kreuz gegangen ist, um Sühnung zu tun, will Gott jedem, der an den Retter glaubt, eine ewige Erlösung schenken (Hebräer 9,11-14).
In Lukas 2 lesen wir, wie Joseph und Maria, die Eltern Jesu, dieses Gesetz befolgt und das verlangte Opfer zur Reinigung von Maria gebracht haben. Nicht das heilige, sündlose Kind Jesu, sondern Maria brauchte ein Opfer. Die Eltern unseres Erlösers aber waren so arm, dass sie nur zwei Tauben statt eines Schafs bringen konnten. Wie tief hat sich unser Heiland erniedrigt, dass Er, der reich war, um unsertwillen arm – ja, Kind armer Eltern – wurde!
Aussatz am Menschen (1)
Dieses Kapitel behandelt das Gesetz des Aussatzübels. Der Aussatz ist in der Bibel ein Bild von den Auswirkungen der Sünde. Im Leben eines Menschen, der kein Leben aus Gott hat, zeigen sich nur Eigenwille. Er kann nicht anders als sündigen, denn seine gefallene Natur, die er von seinen Eltern geerbt hat (Römer 5,12), kann nichts für Gott hervorbringen.
In unserem Kapitel geht es aber um Menschen aus dem irdischen Volk Gottes, die aussätzig waren. In der geistlichen Anwendung geht es um Menschen, die bekennen, gläubig zu sein, bei denen aber wieder der Eigenwille die Oberhand hat. Der Aussatz spricht nicht von Gläubigen, die aus Mangel an Wachsamkeit in eine Sünde fallen. Diese Fälle fanden wir in den Kapiteln 4 und 5. Bei einem Aussätzigen geht es um jemand, der, obwohl er bekennt, an den Herrn Jesus zu glauben, wieder von seiner sündigen Natur beherrscht wird. Er lebt in der Sünde.
Wenn jemand vom Priester für aussätzig erklärt wurde, musste er ausserhalb der Gemeinschaft der Menschen wohnen (Verse 45.46). Das Neue Testament lehrt uns, dass ein Gläubiger, der offensichtlich in der Sünde lebt, von der Gemeinschaft der anderen Gläubigen ausgeschlossen werden muss. Sie müssen ihn als einen «Bösen» hinaustun (1. Korinther 5,9-13).
Die Fälle mussten aber gut untersucht werden. Es konnte sein, dass es doch kein Aussatz war (Vers 6). So kann es auch bei einem Gläubigen aussehen, als lebe er im Eigenwillen. Doch bei genauerer Prüfung sieht die Sache anders aus.
Aussatz am Menschen (2)
Der Mensch, an dem das Aussatzübel entsteht, musste entweder zu Aaron, dem Hohenpriester, oder zu einem von seinen Söhnen, den Priestern, gebracht werden (Vers 3). Aaron ist ein Bild vom Herrn Jesus, unserem Hohenpriester. Seine Söhne stellen die Gläubigen der Versammlung dar, die geistliche Kraft und geistliches Urteilsvermögen haben.
Im weiteren Verlauf des Kapitels wird nur noch vom Priester gesprochen. Wenn unter den Gläubigen der Fall eintritt, dass jemand in der Sünde lebt, dann müssen die anderen im Sinn des Herrn Jesus handeln und den Bösen aus ihrer Mitte ausschliessen.
Nun finden wir in den Versen 13 und 17 die Bemerkung, dass der Priester den, der von Kopf bis Fuss vom Aussatzübel bedeckt war, für rein erklären sollte. Wie ist das zu verstehen? Ganz aussätzig – und doch für rein erklärt? Wenn jemand die Schwere seines sündigen Lebens einsieht, sich vor Gott beugt und Ihm die Sünden aufrichtig bekennt, wird Gott vergeben. Diese Einsicht ist die Voraussetzung für eine Wiederherstellung des Gläubigen, der in der Sünde gelebt hat. Doch der Fehlbare muss dahin kommen, dass er sich im Licht Gottes erkennt und einsieht, dass in ihm wirklich nichts Gutes wohnt (Römer 7,18). Oft ist man bereit, seine Schuld einzugestehen, doch gleichzeitig zeigt man auf andere, die ebenfalls schuldig sind. Solange eine solche Einstellung vorhanden ist, kann es keine Wiederherstellung geben. Der Betreffende ist noch nicht ganz vom Aussatz bedeckt.
Aussatz am Menschen (3)
Nicht immer erwies sich das Übel als Aussatz. Eine Narbe konnte aufs Neue gefährlich aussehen, aber doch kein Aussatz sein (Vers 23). Eine Entzündung konnte zum Aussatz führen, musste es aber nicht unbedingt (Vers 28). Die genauen Anweisungen zeigen, wie sorgfältig der Priester einen Menschen, der zu ihm gebracht wurde, untersuchen musste.
So ist es auch in unserer Zeit. Obwohl der Herr Jesus will, dass entschieden gegen das Böse, das sich in der Versammlung unter den Gläubigen zeigt, vorgegangen wird, darf doch nicht vorschnell gehandelt werden. Wenn aber die Brüder, die geistliche Kraft haben und durch ihr Leben in der Gemeinschaft mit dem Herrn die Sache gottgemäss beurteilen können, das Böse als «Aussatz» erkennen, muss die Versammlung kompromisslos handeln.
Die Verse 29-37 und 40-43 behandeln das Aussatzübel am Kopf. Auf uns bezogen denken wir an Unreinheit in unseren Gedanken und in unserem Verstand. Manch einer ist in seinem Glaubensleben nachlässig geworden, hat die Sünde in seinem Leben nicht mehr verurteilt und ist so vom Herrn abgekommen. Als Folge davon hat er sich nur verstandesmässig mit der Bibel befasst und ist zu verkehrten Auffassungen gekommen.
Wenn jemand Lehren vertritt, die von der Wahrheit des Wortes Gottes abweichen, dann haben wir es mit «Aussatz am Kopf» zu tun. Von einem solchen heisst es in Vers 44: «Der Priester soll ihn für ganz und gar unrein erklären.»
Aussatz am Menschen (4)
Zum Glück war nicht alles, was nach Aussatz aussah, wirklich diese damals unheilbare Krankheit. Die Verse 38 und 39 zeigen, dass es auch ein gutartiger Hautausschlag sein konnte. So ist es auch in geistlicher Hinsicht. Das Verhalten eines Gläubigen mag bei den anderen Anstoss erregen. Doch es muss nicht immer eine gravierende Auswirkung der Sünde in seinem Leben sein. Vielleicht erweist sich sein unangenehmes Verhalten bei näherer Prüfung durch einen weisen Gläubigen, der ein gutes geistliches Urteilsvermögen hat, als Schwachheit oder als eine Sünde, die keine Versammlungszucht nötig macht.
Der in den Versen 40 und 41 erwähnte Haarausfall ist oft ein Zeichen des Alters. Was hat das Altwerden in diesem Zusammenhang für eine geistliche Bedeutung für uns? Es redet bildlich von einem geistlichen Rückgang, der bei einem Gläubigen unabhängig von seinem effektiven Lebensalter eintreten kann. Wie leicht führt aber ein Rückgang im geistlichen Leben dazu, dass man vorgekommene Sünden nicht mehr verurteilt, sie nicht mehr vor Gott und Menschen bekennt und in Ordnung bringt. Dann besteht die Gefahr, in einen bösen Zustand zu kommen, was dem ausgebrochenen Aussatz in Vers 42 entspricht.
Wenn ein Mensch in Israel tatsächlich aussätzig war, musste er ausserhalb der menschlichen Gesellschaft leben. Zudem musste er mit dem Ausruf: «Unrein, unrein!» jeden, der in seine Nähe kam, warnen; denn Aussatz ist äusserst ansteckend. In einem solchen Fall konnte nur noch Gott helfen (z.B. Lukas 17,11-19).
Aussatz an der Kleidung
Der Aussatz konnte auch an einem Kleid, einem Fell oder an irgendeinem Gewebe ausbrechen. Die Kleider sind in der Bibel ein Bild von dem, was an einem Menschen nach aussen hin sichtbar ist. Es geht also um unser Verhalten, um unsere Taten, aber auch um unsere Worte.
Es kann sein, dass ich persönlich nichts Gravierendes getan habe, dass aber mein Verhalten zu wünschen übrig lässt. Von Lot, dem Neffen Abrahams, heisst es im Neuen Testament, dass er ein Gerechter war, aber durch das, was er in Sodom sah und hörte, Tag für Tag seine gerechte Seele quälte (2. Petrus 2,6-8). Lot lebte als Gläubiger völlig in der Welt. Er sass sogar im Tor Sodoms, d.h. in der Stadtverwaltung. Was unterschied ihn äusserlich von einem gottlosen Einwohner Sodoms? Eigentlich nichts! Sein Kleid war aussätzig.
Vielleicht dulden wir in unserem Leben als Gläubige auch schlechte Gewohnheiten. Wir verhalten uns in dieser oder jener Hinsicht wie die ungläubigen Menschen dieser Welt. Oder unsere Sprache gleicht der unserer ungläubigen Kollegen. Dann ist unser Kleid aussätzig.
Damals musste ein Kleidungsstück, ein Fell oder ein Gewebe, das aussätzig war, verbrannt werden. Schlechte Gewohnheiten, weltliches Verhalten, eine ungeziemende Sprache – all das sollten wir in unserem Leben als gläubige Christen nicht dulden. Wenn uns solches bewusst wird, müssen wir radikal dagegen vorgehen und es aus unserem Leben verbannen.
Reinigung vom Aussatz
In diesem Kapitel finden wir Gottes Vorschriften für den Fall, dass ein Aussätziger von seinem Aussatz geheilt wurde. Der gesund Gewordene musste verschiedene Opfer bringen, bevor er wieder ins Lager und in sein Zelt kommen durfte. Aber weder in Kapitel 13 noch in diesem Kapitel finden wir irgendeinen Hinweis darüber, wie der Aussätzige geheilt werden konnte. Kein Mensch, nur Gott konnte so etwas bewirken (4. Mose 12,10-15; 2. Könige 5,1.14). Im Neuen Testament lesen wir vom Herrn Jesus, wie Er Menschen vom Aussatz heilte. Die Geheilten sandte Er zum Priester, um die vorgeschriebenen Opfer zu bringen (Markus 1,44).
Die Wiederherstellung eines Gläubigen, der wegen seines bösen Zustands von der Gemeinschaft der anderen ausgeschlossen werden musste, kann nur der Herr bewirken. Wenn es soweit ist, dann tritt, bildlich gesprochen, der Priester in Aktion. Weise Brüder werden den Betreffenden besuchen, um sich von dem zu überzeugen, was der Herr im Herzen und Leben des Fehlbaren gewirkt hat. So kam der Mann, der in Korinth als Böser hinausgetan werden musste, wieder zurecht (1. Korinther 5; 2. Korinther 2).
Die beiden Vögel (Vers 4) reden von dem einen Opfer des Herrn Jesus. Er musste am Kreuz von Golgatha auch für die Sünden sterben, die wir als Gläubige tun. Wie viel hat Er dafür leiden müssen! Die volle Wiederherstellung eines ausgeschlossenen Gläubigen bedingt, dass er einsieht, welch ein schweres Werk der Herr zur Sühnung dieser Sünden vollbringen musste.
Das Opfer der Armen
Das Gesetz des Aussätzigen verlangte neben dem Opfer der zwei Vögel (Vers 4) auch eine gründliche Waschung der geheilten Person. Das Wasser spricht von der reinigenden Kraft des Wortes Gottes für Herz und Gewissen. Das Scheren aller Körperhaare weist darauf hin, dass alles, was aus unserer alten Natur kommt, im Selbstgericht verurteilt werden muss (Kolosser 3,5.8). Nach dieser Prozedur durfte der Gereinigte wieder ins Lager kommen. Doch er musste noch sieben Tage warten, bis er in sein Zelt gehen durfte. Das bedeutet: Als Reiner darf er wieder im Volk Gottes verkehren. Aber es wird noch eine Zeit brauchen, bis er seinen Platz wie früher einnehmen kann.
Am achten Tag, d.h. wenn der gereinigte Aussätzige wieder in sein Zelt gehen durfte, musste er ein Schuld-, ein Sünd-, ein Speis- und ein Brandopfer bringen. Alle diese Opfer reden zusammen von der vollen Bedeutung des einen Opfers unseres Erlösers und all seiner Auswirkungen. Ein Mensch, der bildlich einem Aussätzigen in Israel entspricht, hat sich, obwohl gläubig, wie ein Sünder verhalten. Er hat dem Fleisch in seinem Leben die Herrschaft überlassen. Er hat in keiner Weise wie einer gelebt, der mit Christus gestorben ist, der mit dem Alten abgeschlossen hat. Obwohl seine Wiederherstellung nicht eine neue Bekehrung erfordert, bedeutet sie doch einen gewissen Neubeginn – einen Neuanfang mit dem Herrn, der ein so grosses Opfer für uns gebracht hat. – Gott hat bei seinen Anordnungen auch an den Armen gedacht (Verse 21-31).
Aussatz am Haus
Beim Aussatz an einem Haus sagt Gott ausdrücklich: «Wenn … ich ein Aussatzübel an ein Haus setze.» Gott tut das, um darauf aufmerksam zu machen, dass etwas in Ordnung gebracht werden muss. Ein Beispiel dafür im Neuen Testament haben wir in der Versammlung in Korinth. Sie wird mit einem Haus verglichen (1. Korinther 3,16). Aber unter jenen Gläubigen stimmte vieles nicht. Wegen der Unordnung, die beim Mahl des Herrn herrschte, musste der Apostel unter der Leitung des Geistes Gottes schreiben: «Deshalb sind viele unter euch schwach und krank, und ein gut Teil sind entschlafen» (1. Korinther 11,30). In der Versammlung in Korinth gab es, bildlich gesprochen, verschiedene aussätzige Steine. Jene Menschen waren zwar gläubig, doch in ihrem Leben war manches nicht in Ordnung.
Es wird sogar der Fall beschrieben, dass ein Haus abgerissen werden musste. Wir denken an die Versammlung in Laodizea in Offenbarung 3. Ihr Zustand als Versammlung war in den Augen des Herrn so schlimm, dass Er ihr sagen musste: «Weil du lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund» (Offenbarung 3,16). Es kann so weit kommen, dass der Herr eine örtliche Versammlung zum Verschwinden bringt. Das bedeutet nicht, dass die einzelnen Gläubigen, die sie bilden, verloren gehen. Aber ihr gemeinsames Zeugnis als Versammlung hört auf.
Denken wir auch an die Warnung des Herrn an die Versammlung in Ephesus! (Offenbarung 2,5).
Unreinheit beim Mann
Wenn es bei einem Mann oder einer Frau in Israel zu einem Ausfluss von Körperflüssigkeit oder Blut kam, wurden sie dadurch unrein. Aber diese Unreinheit war nicht so schlimm wie die Unreinheit aufgrund des Aussatzes. Diese Personen mussten nicht aus dem Lager hinausgetan werden. Der heutige Abschnitt behandelt den Ausfluss bei einem Mann. In den Versen 19-30 geht es um den Ausfluss bei einer Frau.
Was ist die geistliche Bedeutung dieses Kapitels? Ein Wort unseres Herrn aus Matthäus 15,11 hilft uns, es zu verstehen. Er sagte einst zu seinen Zuhörern: «Nicht was in den Mund eingeht, verunreinigt den Menschen, sondern was aus dem Mund ausgeht, das verunreinigt den Menschen.» Und dann erklärte Er seine Aussage näher: «Was aber aus dem Mund ausgeht, kommt aus dem Herzen hervor, und das verunreinigt den Menschen. Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerungen; diese Dinge sind es, die den Menschen verunreinigen.»
Im Vorbild redet unser Kapitel von allem, was aus der alten, sündigen Natur des Gläubigen hervorkommt. Jede Regung des Fleisches ist unrein und wirkt verunreinigend. Wir können z.B. fleischlich reagieren, indem wir unbesonnene oder heftige, zornige Worte äussern oder uns zu einer ungeistlichen Handlungsweise hinreissen lassen. Dann haben nicht nur wir persönlich gesündigt, sondern auch andere, die es sahen oder hörten, werden verunreinigt.
Unreinheit bei der Frau
Sowohl Männer als Frauen konnten flüssig und dadurch unrein werden und ihre Unreinheit auf andere übertragen. Jeder Gläubige – ob Mann oder Frau, jung oder alt, im Glauben fortgeschritten oder am Anfang stehend – hat die Sünde, das Fleisch noch in sich. Wir stehen also jederzeit in Gefahr, fleischlich zu reden oder zu handeln und uns dadurch zu verunreinigen.
Und wenn es passiert ist? Dann gibt es ein Reinigungsmittel: das Wasser des Wortes Gottes in seiner reinigenden Kraft. Die Bibel zeigt uns, was in Gottes Augen sündig ist. Sie lehrt uns aber auch: «Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Gott treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit» (1. Johannes 1,9).
Wenn ein Mensch rein wurde, musste er neben der Anwendung des Wassers auch ein Sünd- und ein Brandopfer bringen. Das erinnert uns daran, dass Gott uns die Sünden, die wir Ihm als Glaubende bekennen, nur aufgrund des Opfertodes unseres Heilands vergeben und uns reinigen kann. Gerade der Gedanke an die sühnenden Leiden unseres Heilands wegen unseren Sünden spornt uns zu grösserer Wachsamkeit an und hilft uns, Römer 6,11 zu verwirklichen: «So auch ihr, haltet dafür, dass ihr der Sünde tot seid.»
In Vers 31 wird von der möglichen Verunreinigung der Wohnung, d.h. des damaligen Heiligtums Gottes, gewarnt. Für uns heisst das: In der Versammlung, im geistlichen Haus Gottes heute, soll die alte Natur des Gläubigen in keiner Weise tätig werden. Es ist der Heilige Geist, der alles leiten will.
Überblick über den Sühnungstag
Dieses Kapitel behandelt ein zentrales Thema. Es geht um eine detaillierte Beschreibung des Versöhnungstages, oder besser gesagt, des Sühnungstages (3. Mose 16,29.30; 23,27). Durch die Anweisungen, die Gott in diesem Kapitel gibt, zeigt Er, auf welcher Grundlage Er in der Mitte des Volkes wohnen und mit ihm durch die Wüste ziehen konnte. Für uns ergeben alle diese Anordnungen ein umfassendes Bild des Erlösungswerks des Herrn Jesus am Kreuz, wodurch Er alle Ansprüche Gottes befriedigt hat und wodurch der Glaubende für Gottes Gegenwart passend gemacht worden ist.
Der Versöhnungstag war der einzige Tag im Jahr, an dem der Hohepriester in das Allerheiligste treten durfte. Die Verse 3-6 beschreiben die Vorkehrungen, die Aaron treffen musste, um vor dem heiligen Gott erscheinen zu können, ohne sterben zu müssen. Aaron ist hier ein Bild vom Herrn Jesus, der Hoherpriester wurde, «um die Sünden des Volkes zu sühnen» (Hebräer 2,17). Um diese Sühnung mit dem Blut des Sündopfers zu tun (Verse 15.16), musste Aaron seine normale Priesterkleidung ablegen und weisse Kleider von Leinen anziehen. Damit wird einerseits die persönliche Reinheit des Herrn Jesus vorgebildet. Nur als absolut sündloser Mensch konnte Er Sühnung vor Gott tun und als Stellvertreter für unsere Sünden sterben. Diese besonderen Kleider unterstreichen aber auch die Einmaligkeit dieses damals jährlichen Dienstes. Er weist auf das ein für alle Mal vollbrachte Werk unseres Erlösers hin. Es ist einmalig, muss nie wiederholt werden und bleibt ewig gültig.
Sühnung und Stellvertretung
Im Hebräer-Brief wird oft auf den Versöhnungstag Bezug genommen. Jene Verse helfen uns, die Bedeutung der hier gegebenen Anordnungen zu verstehen. Weil Aaron ein sündiger Mensch war, brauchte er ein Sündopfer für sich selbst (Vers 11; Hebräer 7,27; 9,7). Trotzdem weist er in seinen Handlungen an jenem Tag auf Christus und sein Erlösungswerk hin. Zuerst musste er mit einer Räucherpfanne voll glühender Kohlen vom Altar und wohlriechendem Räucherwerk ins Allerheiligste eintreten. Dann musste er vom Blut der beiden Sündopfer auf den Deckel der Bundeslade und vor den Deckel sprengen.
Das Räucherwerk spricht von der Vorzüglichkeit des Herrn Jesus und vom Wohlgefallen, das Gott an Ihm fand, als Er das Erlösungswerk vollbrachte. Er gab sein Leben und Blut und tat Sühnung für uns. Das Blut auf dem Deckel weist auf die Seite Gottes hin. Das Opfer seines Sohnes hat allen seinen gerechten Forderungen entsprochen. Das Blut vor dem Deckel redet vom Blut unseres Heilands als der ewig sicheren Grundlage unseres Heils (Hebräer 9,12; 1. Petrus 1,18.19).
Vers 17 zeigt, wie umfassend die Sühnung ist. Das lässt uns an das Lamm Gottes denken, das die Sünde der Welt wegnimmt. – Der lebende Bock, auf den Aaron alle Sünden des Volkes bekennen musste, spricht von Stellvertretung. Christus trug jede einzelne Sünde von allen, die an Ihn glauben, und starb dafür (Römer 6,23). Aber wir müssen die Sünden Gott aufrichtig bekennen, um Vergebung zu bekommen. Es gibt keine automatische Vergebung der Sünden der Menschen.
Vorschriften für den Sühungstag
Nach der umfassenden Sühnung durch das Blut musste Aaron wieder sein normales Hohepriester-Kleid anziehen. Dann sollte er die beiden Brandopfer opfern und das Fett des Sündopfers auf dem Altar räuchern.
Als Jesus am Kreuz den Sühnungstod starb, geschah es nicht nur für unsere Sünden, nicht nur um Gottes Zorn darüber zu beschwichtigen. Christus war auch bereit, Gottes Willen bis zum Letzten zu erfüllen. Er wollte Ihn verherrlichen. So war Er freiwillig bereit, bis zum Tod am Kreuz gehorsam zu sein. Diese völlige Hingabe an Gott kommt im Brandopfer zum Ausdruck.
Das Verbrennen der Sündopfer ausserhalb des Lagers weist auf die drei Stunden der Finsternis am Kreuz hin. Da hat unser Heiland ausserhalb der Stadt Jerusalem für unsere Sünden gelitten (Hebräer 13,11.12). Die ganze Schwere des göttlichen Gerichts über die Sünde hat Ihn getroffen. Kein Mensch kann die Leiden ergründen, die der Heiland durchgemacht hat, als Er an unserer Stelle von Gott verlassen und geschlagen wurde.
Die Menschen aus Israel mussten sich an jenem Tag kasteien. Die Fussnote sagt: demütigen, beugen. Es ist gut, wenn wir immer wieder ernst über jenes einmalige Geschehen auf Golgatha nachdenken. Wir sollten nie vergessen, wie schrecklich der Herr Jesus für jede unserer Sünden leiden musste. Aber jener Tag war auch ein «Sabbat der Ruhe». Mit dem Dichter dürfen wir sagen: Auf dem Lamm ruht meine Seele, betet voll Bewundrung an. Alle, alle meine Sünden hat sein Blut hinweggetan.
Schlacht- und Opfertiere
Während das Volk Israel durch die Wüste nach Kanaan zog, durfte niemand einfach ein Tier schlachten, um Fleisch zu haben. Er durfte nur das Fleisch eines Tieres essen, das dem Herrn als Friedensopfer gebracht worden war. Als das Volk später im Land wohnte, galten etwas veränderte Vorschriften (5. Mose 12,15-28).
Warum gab Gott solche Anweisungen und welche geistliche Bedeutung haben sie für uns? Eine Antwort zum ersten Teil der Frage finden wir in Vers 7. Israel hat während der Wüstenwanderung nicht nur das goldene Kalb gemacht. Die Menschen haben auch andere Götter mitgeschleppt (Amos 5,25.26; Apostelgeschichte 7,42.43). Die Gefahr des Götzenkults bestand bereits in der Wüste, weshalb Gott mit dieser Anordnung der bösen Neigung im Volk entgegentrat. Er wollte nicht, dass sein Volk so schlimm sündigte und Götzen diente.
Die geistliche Anwendung für uns liegt in der Bedeutung des Friedensopfers. Wir haben früher gesehen, dass es ein Bild von Gemeinschaft ist. Gott, der diensttuende Priester, der Opfernde und jeder reine Israelit bekamen ihren Anteil von diesem Opfer. Hier wird das Friedensopfer mit einem normalen Bedürfnis des Menschen (Essen von Fleisch) verbunden. Weist das nicht darauf hin, dass sich die Gemeinschaft, die wir mit Gott und unseren Mitgläubigen haben dürfen, nicht auf das Zusammenkommen am Sonntag am Tisch des Herrn beschränkt? Der Herr möchte, dass wir sieben Tage die Woche ein Leben in ungetrübter Gemeinschaft mit Ihm führen.
Kein Blut essen!
Mit diesen Versen nahm Gott eine Vorschrift in das Gesetz vom Sinai auf, die bereits seit den Tagen Noahs bestand. Als Gott nach der Sintflut den Menschen auch die Tiere zur Speise gab – bis dahin assen die Menschen nur Gemüse und Früchte (1. Mose 1,29) –, da verbot Er den Genuss von Blut (1. Mose 9,4). Ähnlich wie in Vers 11 unseres Kapitels sagte Gott schon zu Noah: «Die Seele des Fleisches ist im Blut.» Das Blut spricht vom Leben. Wenn es aus dem Körper eines Menschen oder eines Tieres fliesst, tritt der Tod ein.
Gott ist die Quelle des Lebens. Er hat es gegeben und gibt es heute noch jedem Tier und jedem Menschen. Er bestimmt darüber. Wenn der Mensch sich anmasst, in diesen Bereich des Schöpfers einzugreifen, macht er sich schuldig.
Das Blut spricht nicht nur vom Leben. Es tut auch Sühnung für den Menschen, der sich als verlorener Sünder vor Gott erkennt und weiss, dass er nur den Tod und die Hölle verdient hat. Die Sühnung ist Gottes Geschenk an den Menschen, und zwar aufgrund des Blutes unseres Erlösers, des Lammes Gottes. Jeder Glaubende empfängt die Erlösung durch das kostbare Blut Jesu (Hebräer 9,12; Epheser 1,7; 1. Petrus 1,18.19).
Weil das Blut eine so grosse Bedeutung bei Gott, aber auch für uns Glaubende hat, verstehen wir, dass Er das Essen von Blut ganz allgemein verbot. Hier wurde dieses Verbot im Gesetz festgeschrieben. Und in Apostelgeschichte 15,19.20.29 finden wir, dass es auch für uns Christen verbindlich ist.
Aufruf zu einem heiligen Leben
Das Volk Israel war Gottes Eigentumsvolk. Er hatte es aus Ägypten erlöst. In seiner Mitte wollte Er wohnen (2. Mose 19,4-6). Damit dies möglich werden konnte, mussten die Israeliten sich an die Satzungen und Rechte ihres Gottes halten. Sie durften sich weder der Lebensweise der Ägypter noch dem Tun der Bewohner Kanaans anpassen. Für sie galt, was wir in 3. Mose 11,45 gefunden haben: «Seid heilig, denn ich bin heilig.»
Wir gläubige Christen werden ermahnt, uns nicht wie die uns umgebende Welt zu verhalten (Epheser 4,17-19). Der Apostel Petrus ruft uns zu einem heiligen Leben auf. Es soll der Heiligkeit unseres himmlischen Vaters entsprechen (1. Petrus 1,14-16).
Gott hat die geschlechtliche Vereinigung zwischen einem Mann und einer Frau der Ehe vorbehalten. Jede sexuelle Beziehung neben der Ehe ist in seinen Augen Sünde. In diesen Versen werden vor allem sexuelle Beziehungen unter Blutsverwandten aufgezählt. Gott verbietet solche mit den Worten: «Es ist eine Schandtat.»
Warum führt Gott hier alle Fälle einzeln auf? Will Er uns damit nicht daran erinnern, dass unsere Natur zu solchem fähig ist? Im Weiteren lernten die Israeliten aus diesem Kapitel, dass Gott die Praktiken, die in Ägypten und Kanaan üblich waren, klar verurteilte.
Wir haben mehr als das Gesetz, wir haben die ganze Bibel. Sie zeigt uns, was vor Gott recht ist. Wie klar ist doch die Aufforderung in 1. Korinther 6,18: «Flieht die Hurerei!»
Schändliche Praktiken
Molech war ein ammonitischer Götze, dem Kinder geopfert wurden. Obwohl Gott diese Schandtaten verbot, gab es später Menschen in Israel, die solches verübten (2. Könige 17,17; 21,6; 23,10).
Dass der Vers 21 in diesem Kapitel steht, zeigt, wie eng sexuelle Verfehlungen und verwerfliche Kulthandlungen beim damaligen Götzendienst beieinander lagen. Durch alle diese schlimmen Verunreinigungen hatten die früheren Bewohner Kanaans das Land verunreinigt.
Nun warnte Gott sein Volk vor einer Wiederholung dieser Gräuelsünden. Wenn sie sich nicht warnen liessen, würde Er das gleiche Gericht, das die Heiden traf, auch über sein eigenes Volk bringen. Weil die Israeliten trotz allen Bemühungen Gottes durch die Propheten diese Sünden doch verübten und sie nicht aufgaben, wurden sie schliesslich aus dem Land vertrieben (Vers 28).
Gott bezeichnet Homosexualität als Gräuel und das perverse Verhalten mit Tieren ist für Ihn eine schändliche Befleckung. Das Neue Testament bezeichnet diese Sünden ebenfalls als verabscheuenswürdig (Römer 1,27; Judas 7). Aber wir leben in einer Zeit, da die Homosexualität legalisiert und sogar der Ehe gleichgestellt wird. Wie sehr haben wir Gottes Bewahrung nötig, damit wir uns nicht an das gewöhnen, was um uns her vorgeht, sondern unser praktisches Leben nach der Bibel ausrichten. Sie ist Gottes unveränderlicher Massstab. Daran sollten wir unter allen Umständen festhalten.
Das Verhalten gegenüber Gott
In Vers 2 wird mit etwas anderen Worten das wiederholt, was wir bereits in 3. Mose 11,45 fanden. «Ihr sollt heilig sein; denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig.» Das ist sozusagen die Überschrift und der Grundton aller einzelnen Vorschriften. Das Volk Israel sollte in seinem ganzen Verhalten der Heiligkeit seines Gottes entsprechen.
Sinngemäss gilt dies auch für uns, obwohl wir nicht mehr unter dem Gesetz vom Sinai stehen, sondern unter der Gnade leben. Durch den Glauben an Christus sind wir Kinder dieses heiligen Gottes geworden. Er ist jetzt unser liebender Vater. Damit wir zu Ihm passen, ruft Er uns zu einem Leben in praktischer Heiligkeit auf.
Unter diesem Gesichtspunkt gilt die grundsätzliche Bedeutung der einzelnen Verse dieses Kapitels auch für uns. Als Christen werden wir ebenfalls aufgefordert, die Autorität der Eltern anzuerkennen und Vater und Mutter zu ehren (Epheser 6,1.2; Kolosser 3,20). Das Friedensopfer redet von Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Diese muss gepflegt werden, damit sie frisch bleibt und nicht zu einer toten Form erstarrt, die vor Gott nichts wert ist.
Die Verse 9 und 10 rufen uns auf, die Mitmenschen etwas von der Gnade unseres Gottes spüren zu lassen. Er ist barmherzig und gnädig. Wie oft haben wir dies persönlich erfahren! Nun möchte Er, dass die Seinen die gleichen Wesenszüge offenbaren. In Lukas 6,36 sagt der Herr Jesus: «Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.»
Das Verhalten gegenüber Mitmenschen
Als Christen stehen wir zwar nicht mehr unter dem Gesetz vom Sinai. Aber die Liebe zum Nächsten ist nicht nur eine Aufforderung des mosaischen Gesetzes. Der Apostel Paulus schreibt den Römern: «Seid niemand irgendetwas schuldig, als nur einander zu lieben.» Jakobus spricht vom Erfüllen des königlichen Gesetzes – es ist das Gesetz der Liebe –, wenn er die Liebe zum Nächsten erwähnt. Der Herr Jesus selbst hat zu seinen Jüngern sagt: «Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebet, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebet.» Wie dies im täglichen Leben aussieht, zeigen die vorliegenden Verse.
Die Verse 11 und 12 erinnern an das, was unser Leben vor der Bekehrung gekennzeichnet hat. Jetzt soll es nicht mehr so sein (Epheser 4,25-29). In den Versen 13 und 14 fordert Gott uns zu einem gerechten Verhalten auf. Gleichzeitig macht Er klar, dass Er auf der Seite des Schwächeren steht. Vers 15 warnt davor, sich von Sympathie oder Antipathie leiten zu lassen. Das Verleumden wird auch im Neuen Testament verurteilt (1. Petrus 2,1). Gott möchte nicht, dass wir gemischte Grundsätze in unserem Leben dulden und unsere Herzen zwischen Ihm und der Welt aufzuteilen suchen (Vers 19; Psalm 119,113; Jakobus 4,4).
Die Verse 20-22 zeigen, dass Gott eine Sünde niemals toleriert, dass Er aber den Schwachen in Schutz nimmt. So musste der Verantwortliche ein Schuldopfer für seine Sünde bringen, aber die zwei, die miteinander gesündigt hatten, wurden nicht getötet.
Warnung vor Okkultismus und Ungerechtigkeit
Auch diese Verse stehen unter dem Gesichtspunkt der Heiligkeit Gottes. Durch die Anweisungen in den Versen 23 bis 25 erinnert Gott sein Volk einerseits an den durch die Sünde verfluchten Erdboden. Anderseits gehört die erste heilige Frucht, die ein frisch gepflanzter Baum nach vier Jahren brachte, dem Herrn. Erst im fünften Jahr durften sie selbst den Ertrag dieses Baums essen.
Verschiedene Verse in diesem Abschnitt warnen vor okkulten Praktiken. Gott will nicht, dass wir Menschen mit der Geisterwelt in Verbindung treten. Wer es trotzdem tut, sündigt nicht nur, er wird auch schwer belastet. Angstzustände, Zwangsvorstellungen, Schwermut und anderes sind die Folgen der Missachtung dieser Verbote Gottes. Aus solcher Not kann nur der Herr Jesus befreien, der am Kreuz den Teufel besiegt und seine Macht gebrochen hat.
Auch im Neuen Testament werden die Jüngeren ermahnt, die Älteren zu achten und zu ehren (Vers 32; 1. Petrus 5,5; 1. Timotheus 5,1.17).
Ein Fremder durfte nicht bedrückt, sondern musste wohlwollend umgeben werden, «denn Fremde seid ihr gewesen im Land Ägypten». – In unserem Umgang mit ungläubigen Kollegen oder Nachbarn sollten wir nie vergessen, wer wir einst waren, woher Gott uns geholt und wie Er uns zu seinen Kindern gemacht hat. Die erfahrene Gnade sollte unser Verhalten prägen.
Die Schlussverse fordern uns zu praktischer Gerechtigkeit auf. Das geht uns alle an, nicht nur solche, die in dieser Welt ein Geschäft betreiben.
Warnung vor Götzendienst
Einen Hinweis auf den Götzen Molech, dem die Heiden ihre Kinder opferten, fanden wir bereits in 3. Mose 18,21. Niemand in Israel sollte so etwas Abscheuliches tun. In diesen Versen sagt der Herr, was mit einem Menschen zu tun war, der sein Gebot trotz aller Warnung übertrat. Sowohl der Israelit als auch der Fremde, der in Israel weilte, der eine solche Gräueltat verübte, musste getötet werden: «Das Volk des Landes soll ihn steinigen.»
Die damals verhängte Todesstrafe für diese und andere schwere Gesetzesübertretungen erinnert an Römer 6,23: «Der Lohn der Sünde ist der Tod.» Diesem Tod, den jeder Mensch in den Augen des heiligen Gottes verdient hat, kann man nur durch den Glauben an den Erlöser Jesus Christus entrinnen (Johannes 5,24).
Wenn das Volk seine Verantwortung nicht wahrnehmen wollte, indem es seine Augen vor dem Bösen verschloss, würde Gott persönlich eingreifen. Er wird seine Heiligkeit niemals aufgeben. Er kann nur unter einem Volk wohnen, das sein Heiligtum nicht verunreinigt und seinen heiligen Namen nicht entweiht. Dieser Grundsatz gilt heute noch. Als die Korinther Böses in ihrer Mitte duldeten und nichts gegen die Unordnung am Tisch des Herrn unternahmen, griff der Herr mit zeitlichem Gericht ein (1. Korinther 11,29.30).
Die Todesstrafe galt auch für solche, die zu den Totenbeschwörern und Wahrsagern gingen.
Wer sich in gravierender Weise gegen die elterliche Autorität stellte und seinem Vater oder seiner Mutter fluchte, lud ebenfalls eine Blutschuld auf sich.
Warnung vor Unmoral, Aufruf zur Heiligkeit
Wer eine von den in 3. Mose 18,6-23 aufgeführten, verbotenen geschlechtlichen Beziehungen einging, musste in den meisten Fällen mit dem Tod bestraft werden. Wir stehen heute nicht mehr unter dem Gesetz vom Sinai; wir dürfen im Zeitalter der Gnade leben. Doch die Gnade ist kein Freipass, um leichtfertig zu sündigen. Sünde bleibt in Gottes Augen Sünde – in allen Heilszeitaltern. So sagt uns Hebräer 13,4: «Die Ehe sei geehrt in allem und das Ehebett unbefleckt; denn Hurer und Ehebrecher wird Gott richten.»
Gott stand im Begriff, sein Volk in ein Land zu führen, dessen Bewohner so sündig gelebt hatten, dass sie dem Herrn «zum Ekel geworden waren». Nun sollte Israel, das Gott sich aus allen Völkern zum Eigentum abgesondert hatte, darin wohnen und es besitzen. Wichtig war, dass sie sich dabei in keiner Weise wie die früheren Bewohner verhielten. «Ihr sollt mir heilig sein, denn ich bin heilig, ich, der Herr.»
Unsere Lage als Christen gleicht der Stellung Israels. Der Heiland ist für uns am Kreuz gestorben, «damit er uns von aller Gesetzlosigkeit loskaufte und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte» (Titus 2,14). Nun möchte Gott, dass wir uns von jeder Art des Bösen fernhalten und uns von der uns umgebenden Welt absondern, um als seine Kinder für Ihn zu leben. In der Praxis unseres Lebens können wir dies nur dadurch verwirklichen, dass wir «uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes, indem wir die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes» (2. Korinther 6,14 bis 7,1).
Stellung der Priester
Es war ein grosses Vorrecht in Israel, wenn jemand zur priesterlichen Familie gehörte. Er durfte dem heiligen Gott die Feueropfer des Herrn darbringen, also das, wonach sein Herz verlangte. Diese Opfer werden als «das Brot Gottes» bezeichnet. Diese Vorrechte brachten aber besondere Verpflichtungen mit sich. So durfte sich ein Priester nicht wegen einer Leiche verunreinigen – ausser wenn der Verstorbene ein Blutsverwandter war. Es wurde ihm auch vorgeschrieben, wen er heiraten durfte und wen nicht.
Nach den Belehrungen des Neuen Testaments sind alle Gläubigen ihrer Stellung nach Priester. Jeder Erlöste gehört durch die Neugeburt zur heiligen Priesterschaft, die Gott geistliche Schlachtopfer darbringen darf. Unsere Verse hier reden bildlich von der Ausübung unseres Priesterdienstes. Hier gibt es grosse Unterschiede. Jemand, der sich dieser Stellung vor Gott gar nicht bewusst ist, wie könnte er priesterlich dienen? Er wird Gott kaum Opfer des Lobes, des Dankes und der Anbetung darbringen. Und wenn jemand weiss, dass er Priester ist, aber durch fehlende Absonderung vom Bösen, durch Verbindungen mit der Welt verunreinigt ist, dann ist sein Priesterdienst gestört. Das Lob Gottes wird behindert oder verstummt.
Der Hohepriester erinnert an den Herrn Jesus, der sich während seines ganzen Lebens nie verunreinigt hat. Er tat keine Sünde. Nie verliess Er das Heiligtum. Er war der Sohn des Menschen, «der im Himmel ist» (Johannes 3,13). – Die Jungfrau in Vers 14 weist auf die Versammlung hin (vergleiche 2. Korinther 11,2).
Verhalten der Priester
Allgemeine Folgen der Sünde konnten auch in der priesterlichen Familie vorkommen. Wer unter den Nachkommen Aarons ein solches Gebrechen hatte, konnte keinen Priesterdienst ausüben.
Bei der geistlichen Anwendung dieser Verse für uns müssen wir an das gestern Gesagte erinnern. Der Stellung nach ist jeder Glaubende ein Priester vor Gott. Niemand ist von vornherein vom geistlichen Priesterdienst ausgeschlossen. Die Gnade Gottes ist souverän und wird allen angeboten (Lukas 14,21-23).
In diesen Versen haben wir eine bildliche Beschreibung des praktischen Zustands der Erlösten. Er kann so sein, dass eine Ausübung seines Priesterdienstes nach 1. Petrus 2,5 unmöglich wird. Nicht alle Kinder Gottes zeigen ein normales geistliches Wachstum. Wer bei der Errettung stehen bleibt und kein weiteres Interesse an der Wahrheit Gottes hat und daher kaum die Bibel liest, bleibt ein geistlicher Zwerg. Wer dem Herrn Jesus nur mit halber Hingabe dient, tut es sozusagen nur mit einer Hand oder einem Fuss. Auch Folgen von Sünden können die Entfaltung des geistlichen Lebens beeinträchtigen.
Wie tröstlich ist die Aussage von Vers 22! Es ist die Sprache der Gnade. Jeder Gläubige (er gehört zur priesterlichen Familie des Herrn Jesus) darf «das Brot seines Gottes», also von den Opfern essen. Gottes Gnade ist in uneingeschränktem Mass für alle seine Kinder vorhanden. Er möchte jedem von uns geistliche Nahrung aus seinem Wort geben, indem Er uns den Herrn Jesus in seinem Leben und in seinem Tod vorstellt.
Heiliger Priesterdienst
In den Versen 1-9 geht es im Gegensatz zu den Gebrechen in Kapitel 21 um eine vorübergehende Verunreinigung, die den Priester hinderte, seinen Dienst auszuüben und von den heiligen Dingen zu essen. Der Priester wurde verunreinigt, wenn er entweder etwas Unreines anrührte oder selbst aussätzig oder flüssig war. Um wieder rein zu werden, musste er sich im Wasser baden.
Verstehen wir die geistliche Anwendung für uns? Als gläubige Christen haben wir noch die alte Natur in uns und können deshalb in Sünde fallen. Das geschieht entweder durch das, was aus unserem Herzen und über unsere Lippen kommt, oder durch das, was von aussen an uns herantritt und uns beeinflusst. Wie schnell lassen wir uns in Gedanken, Worten oder Taten zur Sünde verleiten! Die Reinigung mit Wasser redet bildlich vom Selbstgericht im Licht des Wortes Gottes. Wir dürfen und sollen das Vorgefallene, wenn wir es als Sünde erkannt haben, Gott, unserem Vater, bekennen. Er wird vergeben und uns reinigen (1. Johannes 1,9).
In 1. Korinther 10 und 11, wo wir die Belehrungen über den Tisch und das Mahl des Herrn finden, werden wir aufgefordert, das Mahl nicht in unwürdiger Weise zu halten. Wenn wir mit ungerichteten Sünden daran teilnehmen, machen wir uns schuldig (1. Korinther 11,27.29). Daher die Aufforderung: «Jeder aber prüfe sich selbst (im Selbstgericht), und so esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch.» – Der Tisch des Herrn, wo wir an Christus und sein Erlösungswerk denken dürfen, ist auch der Ort, wo wir Gott priesterlich dienen.
Heilige Opfertiere
Wir haben in den Anweisungen über die Opfer bereits früher gesehen, dass die Israeliten nur gesunde Tiere als Opfergaben dem Herrn bringen durften. «Alles, woran ein Gebrechen ist, sollt ihr nicht darbringen, denn es wird nicht zum Wohlgefallen für euch sein.»
Die geistliche Bedeutung dieser Vorschrift ist eine zweifache. Erstens weisen alle Opfertiere im Alten Testament auf das eine Opfer unseres Herrn Jesus Christus hin. Er ist das Lamm Gottes «ohne Fehl und ohne Flecken». Er war und blieb absolut sündlos. Er fand das Wohlgefallen des Vaters und entsprach als Opfer allen heiligen Ansprüchen Gottes. Hätte ein Israelit damals ein Opfertier mit einem Gebrechen dargebracht, wäre dies eine Beleidigung Gottes gewesen, der seinen geliebten Sohn zum Opfer geben wollte. Und doch kam es später vor, dass man Gott lahme und kranke Tiere geopfert hat (Maleachi 1,6-8.13). Welch ein trauriger Zustand im Volk Gottes!
Hier liegt die zweite Bedeutung dieser Vorschriften. Was bringen wir Gott dar? Denken wir nicht manchmal, Er sei auch mit weniger als dem Besten zufrieden? Was hält Er von unserer Anbetung, wenn wir Lieder, die Christus und sein Erlösungswerk zum Inhalt haben, gedankenlos oder innerlich unbeteiligt mitsingen? Sieht Er es nicht, wenn unser Gottesdienst zu einer toten Form, zu einer reinen Liturgie geworden ist?
In den Geboten der Verse 26 bis 28 kommt ein gewisser Respekt vor der Schöpfung zum Ausdruck. Gott, der Gesetzgeber, ist auch der Schöpfer von allem.
Prophetische Bedeutung der Feste des HERRN
Die Feste des Herrn in 3. Mose 23 geben einen bildlichen Überblick des Handelns Gottes mit der Erde. Der Sabbat in Vers 3 stellt uns sein Ziel vor: die ewige Ruhe. Die sieben darauf folgenden Feste zeigen uns dann, wie Er dieses Ziel erreicht.
- Das Passah (Verse 4.5) spricht vom Tod des Herrn Jesus als Grundlage für die Ruhe Gottes auf der Erde.
- Das Fest der ungesäuerten Brote (Verse 6-8) ist ein Hinweis darauf, dass durch das Sterben des Lammes Gottes die Sünde einmal aus der Welt entfernt werden wird (Johannes 1,29).
- Das Fest der Erstlingsgarbe (Verse 9-14) weist auf die Auferstehung des Herrn Jesus hin. Er ist der Erstling der Entschlafenen (1. Korinther 15,20).
- Darauf folgt 50 Tage später das Fest der Webe-Brote (Verse 15-22). Es spricht von der Entstehung der Versammlung Gottes an Pfingsten. Sie soll nun auf der Erde von Gott zeugen, weil das Volk Israel als Zeuge eine Zeit lang auf die Seite gesetzt ist.
- Mit dem Fest des Posaunenhalls (Verse 23-25) beginnt ein neuer Zeitabschnitt. Dieses Fest deutet auf eine noch zukünftige geistliche Erweckung im Volk Israel hin.
- Der Sühnungstag oder Versöhnungstag (Verse 26-32) spricht von der nationalen Wiederherstellung der Beziehung Israels zu Gott. Ein treuer Überrest wird den Herrn Jesus, der aus dem Himmel erscheinen wird, als ihren König annehmen.
- Das Laubhüttenfest (Verse 33-36) ist ein Bild des Tausendjährigen Reichs. Dann werden auf der Erde Gerechtigkeit und Frieden herrschen.
Die Feste des Herrn (1)
Die von Gott verordneten, jährlich wiederkehrenden Feste in Israel geben uns ein Bild von seinem Handeln in Gnade mit den Menschen, beginnend mit dem Tod des Herrn Jesus bis zur ewigen Herrlichkeit und Ruhe.
Der Sabbat als siebter Tag der Woche wird den jährlichen Festen vorangestellt. Er erinnert an die Ruhe Gottes nach Vollendung der Schöpfung und ist ein Schatten der zukünftigen ewigen Ruhe Gottes und der Seinen (2. Mose 20,8-11; Hebräer 4,9.10).
Es gab ein- und mehrtägige Feste. Die eintägigen deuten auf ein Ereignis, auf eine Tat Gottes hin, die andern reden von den gesegneten Folgen, die für die Glaubenden daraus hervorgehen.
Das erste Fest ist das Passah und erinnert an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Damals musste ein Lamm geschlachtet und sein Blut an das Türgericht der Häuser gestrichen werden, worin die Israeliten lebten. Das Passah lässt uns an das Erlösungswerk unseres Heilands am Kreuz denken (1. Korinther 5,7). Dort starb Er für uns. Dort floss sein Blut, das die Grundlage unseres Heils und der Vergebung unserer Sünden ist. Das erste Passah redet von unserer Bekehrung. Die später jährlich wiederholte Passahfeier lässt uns an das Gedächtnismahl unseres Herrn denken, das wir jeden Sonntag halten dürfen (Lukas 22,15.19.20).
Das Fest der ungesäuerten Brote schloss ans Passah an und dauerte 7 Tage. Das spricht von unserem Leben als Glaubende. Es beginnt nach unserer Bekehrung. Als Erlöste sollten wir uns von allem Bösen trennen und keine Sünde mehr in unserem Leben dulden.
Die Feste des HERRN (2)
Das dritte Fest ist das der Erstlingsgarbe. Es wurde am Tag nach dem Sabbat – also am Sonntag, am ersten Tag der Woche –, der auf das Passah folgte, gefeiert. Es redet von der Auferstehung unseres Herrn. 1. Korinther 15,20 nennt Ihn den Erstling der Entschlafenen. Das Opfer, das mit der Erstlingsgarbe dargebracht werden musste, illustriert, was Christus in sich selbst und für Gott ist (kein Sündopfer!).
50 Tage nach der Darbringung der Erstlingsgarbe fand das vierte Fest stand. Es wird in 5. Mose 16,10 als Fest der Wochen bezeichnet. 50 Tage nach der Auferstehung unseres Herrn kam der Heilige Geist auf die Erde. Er bildete die Versammlung, die aus allen Erlösten besteht. Dieses Fest spricht von der Entstehung und der Zeit der Versammlung. Die Gläubigen, die sie bilden, werden durch die zwei gesäuert gebackenen Brote symbolisiert. Wir haben zwar neues Leben empfangen, doch die Sünde ist noch in uns. Aber sie herrscht nicht mehr in unserem Leben (Römer 6,6). Die Zahl Zwei besagt: Es sind Glaubende aus den Juden und solche aus den Nationen.
Die Verse 21 und 22 zeigen, dass diese Zeit von der Gnade geprägt ist. All jene, die sie für sich erfahren haben, dürfen andere davon spüren lassen.
Die Brandopfer weisen auf die Anbetung Gottes hin, die wir Ihm in der heutigen Zeit bringen dürfen (Johannes 4,23.24). Aber als Gläubige sündigen wir leider manchmal. Deshalb benötigen wir ein Sündopfer, damit die getrübte Gemeinschaft mit Gott (Friedensopfer) wiederhergestellt werden kann.
Die Feste des HERRN (3)
Die letzten drei Feste des Herrn fanden alle im siebten Monat des Jahres statt. Sie gehören in ihrer Bedeutung zusammen und zeigen prophetisch, was vor allem das Volk Israel am Ende der Zeit erleben wird. Die zwischen dem vierten und fünften Fest liegende Zeit deutet die heutige Gnadenzeit an. Mit dem Kommen des Herrn Jesus zur Entrückung wird sie abgeschlossen.
Nach der Entrückung wird sich Gott wieder mit seinem irdischen Volk Israel beschäftigen. Römer 11 zeigt uns, dass Gott sein Volk nicht für immer verstossen hat. Das Erste, was Er für Israel tun wird, ist das Sammeln der Zerstreuten aus aller Welt. Davon spricht das Fest des Posaunenhalls (Jesaja 27,13; Matthäus 24,30.31). Alles wird aufgrund der unumschränkten Gnade erfolgen (Vers 25; Römer 11,31).
Der Versöhnungs- oder Sühnungstag, den wir beim Lesen von Kapitel 16 näher angesehen haben, spricht im Blick auf Israel von der Begnadigung, Rettung und Befreiung des gläubigen Überrests. Damit Gott den treuen Überrest aus seinem irdischen Volk wieder als sein Volk anerkennen kann, müssen die Menschen Buße tun, was mit dem Wort «kasteien» angedeutet wird. Diese Buße umfasst sowohl die Einsicht über die Kreuzigung ihres Messias als auch eine tief empfundene Trauer darüber (Sacharja 12,10). Doch dann werden jene Treuen erkennen, dass gerade durch den Kreuzestod des Herrn Jesus auch für sie Sühnung geschehen ist (Jesaja 53,4.5). So wird der gläubige Überrest auf der Grundlage des Erlösungswerks ihres Messias am Kreuz auf Golgatha wirklich zur Ruhe kommen (Vers 32).
Die Feste des HERRN (4)
Das letzte Fest war das Laubhüttenfest. Es wurde nach dem Abschluss der Ernte gefeiert (Vers 39), und zwar sieben Tage lang. Die Merkmale dieses Festes sind Ruhe und Freude. Es ist nicht schwierig zu verstehen, dass das Laubhüttenfest vom Tausendjährigen Reich spricht. Welch eine herrliche Zeit wird dies für die dann lebenden Menschen sein! Gottes Ziele sind dann erreicht: ungetrübter Segen, Ruhe und Freude in der Gemeinschaft mit Ihm. Israel wird auf den Anfang seiner nationalen Geschichte zurückblicken, aber gleichzeitig erkennen, dass einzig und allein die Gnade Gottes sie zur endgültigen Ruhe gebracht hat (Verse 43 und 35.36).
In 4. Mose 29 werden die drei im siebten Monat stattfindenden Feste ebenfalls erwähnt. Dort gibt Gott die Einzelheiten über die Opfer an, die an jenen Festen gebracht werden mussten. Sie erinnern daran, dass die Grundlage jedes Segens für die Menschen – seien es die Gläubigen der Gnadenzeit, sei es das Volk Israel oder die Menschen im Tausendjährigen Reich – das gewaltig grosse und umfassende Erlösungswerk ist, das unser Heiland am Kreuz auf Golgatha vollbracht hat. In alle Ewigkeit gebührt Ihm unser Dank und unsere Anbetung.
In Vers 39 wird noch ein achter Tag erwähnt. Es ist der erste Tag einer neuen Woche und deutet einen Neuanfang an ohne weitere Angabe eines Endes. Das ist ein Hinweis auf den ewigen Zustand, der auf das Tausendjährige Reich und das Ende der ersten Schöpfung folgen wird (Offenbarung 21,1-5; 2. Petrus 3,10-13).
Licht und Schaubrote
Es war die Aufgabe des Hohenpriesters, die Lampen des goldenen Leuchters im Heiligtum anzuzünden. Aber das Öl zum Licht sollten die Israeliten bringen.
Das Öl ist ein Bild des Heiligen Geistes. Seit Pfingsten wohnt Er in der Versammlung, d.h. in der Gesamtheit aller Erlösten, und in jedem Glaubenden. Jesus Christus, unser Hoherpriester, möchte, dass in der Zeit seiner Abwesenheit von dieser Erde, in der es in dieser Welt Nacht ist, das Licht des Heiligen Geistes durch die Seinen leuchte (Matthäus 5,14-16; Philipper 2,15.16). Wenn die Israeliten kein Öl gebracht hätten, wären die Lampen erloschen. So können auch wir den in uns wohnenden Heiligen Geist durch ein ungutes Verhalten betrüben, unterdrücken oder sogar auslöschen (Epheser 4,30; 1. Thessalonicher 5,19). Wie ernst!
Die zwölf Brote, die an jedem Sabbat frisch auf den Schaubrottisch im Heiligtum gelegt werden mussten, reden von der Einheit des Volkes Gottes (zwölf Stämme). Diese Brote werden als hochheilig bezeichnet und dienten Aaron und seinen Söhnen als Nahrung.
Wir denken unwillkürlich an die Einheit des Volkes Gottes in der heutigen Zeit. Äusserlich ist nichts mehr davon sichtbar. Die Christen haben sich in unzählige Gruppen aufgesplittert. Aber im Heiligtum, d.h. vor Gott, ist sie immer noch vorhanden. Er sieht sie, und wir wollen ebenfalls an dieser Wahrheit festhalten. Alle Erlösten, wo immer sie sich auch befinden, bilden zusammen die eine Versammlung Gottes. Wenn wir uns versammeln, dann lasst uns dies auf der Grundlage der Einheit aller Erlösten tun.
Lästerung wird bestraft
Es war eine schlimme Sünde, den Namen des Herrn zu lästern und Ihm zu fluchen. Der schuldige Mann musste von der ganzen Gemeinde gesteinigt werden.
Als der Sohn Gottes als Mensch auf diese Erde kam, lebte Er als der Herr des Alten Testaments unter seinem Volk. Aber was haben die religiösen Führer getan? Sie haben Ihn abgelehnt, verworfen und gekreuzigt. Sein Todesurteil lautete auf Gotteslästerung, weil Er bezeugt hatte: «Ich bin Gottes Sohn.» Er war und Er ist es! So wurde die Kreuzigung des Sohnes Gottes ihrerseits zur Gotteslästerung in schlimmster Weise!
Das göttliche Gericht für eine solch schreckliche Tat konnte nicht ausbleiben. Doch die bedingungslosen Verheissungen Gottes, die Er seinem Volk gegeben hat, bleiben bestehen (Römer 11,29). Sie werden sich zu seiner Zeit erfüllen.
Dass jemand, der einen Menschen erschlägt, selbst sterben muss, finden wir schon bei Noah (1. Mose 9,6). Hier wurde das «Gesetz der Vergeltung» in das mosaische Gesetz aufgenommen, und zwar als strafrechtliche Bestimmung, die vor Gericht galt.
Als der Herr Jesus dieses «Gesetz der Vergeltung» in der Bergpredigt aufgriff, stellte Er ihm ein Verhalten der Gnade gegenüber (Matthäus 5,38-42). Als Jünger des Herrn sollen wir nicht Böses mit Bösem vergelten, sondern das Böse mit dem Guten überwinden (Römer 12,17-21). Wir dürfen dem Beispiel des Meisters folgen. Er wird uns die Kraft dazu schenken.
Das Sabbatjahr
Die ersten 24 Kapitel des dritten Buches Mose sind Anweisungen Gottes, die Er aus dem Zelt der Zusammenkunft Mose und dem Volk gab (3. Mose 1,1). Die Anordnungen in den restlichen Kapiteln empfing Mose auf dem Sinai. Sie betreffen Israel im verheissenen Land.
Gott verordnete dem Land alle sechs Jahre ein Ruhe- oder Sabbatjahr. So konnte sich der Erdboden erholen und wurde nicht zu intensiv genutzt. Aber Gott wollte mehr damit ausdrücken. In Vers 23 sagt Er: «Mein ist das Land.» Er gab es seinem auserwählten Volk zum Wohnen. Es sollte «bei Ihm» leben. Mit dem Einhalten des Sabbatjahres wurde das Volk immer wieder daran erinnert, dass alles Gott gehörte, aber dass es sich glücklich schätzen durfte, einem solchen Gott anzugehören (Psalm 144,15).
Nach jeweils 49 Jahren war ein besonderes Sabbatjahr: das Jubeljahr. In jenem Jahr wurden alle Schulden erlassen, alle hebräischen Sklaven freigelassen und jeder kam wieder zu seinem Eigentum. Jenes Jahr war eng mit dem jährlichen Versöhnungstag verbunden. Was in jenem Jahr wuchs, gehörte allen. Jeder durfte «vom Feld weg» essen (Vers 12). Ein allgemeiner Segen Gottes für jeden!
In der prophetischen Bedeutung spricht das Jubeljahr von der völligen Wiederherstellung des irdischen Volkes Gottes. Alle Folgen seines Abweichens von Gott werden dann beseitigt werden. Israel wird unter der segensreichen Regierung seines Messias das Tausendjährige Reich erleben.
Das Jubeljahr
Hier wird der Handel Israels im verheissenen Land geregelt. Wenn die Israeliten einander etwas verkauften, dann richteten sich die Preise nach der Anzahl Jahre bis zum nächsten Jubeljahr. Stand dieses nahe bevor, so sank der Preis; dauerte es noch sehr lang bis zum Jubeljahr, so stieg er. Im Jubeljahr kam jeder wieder zu seinem Eigentum, so dass der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt wurde. Nach Vers 16 scheint es sich bei diesen Transaktionen vor allem um Felder zu handeln. Es heisst: «Eine Anzahl von Ernten verkauft er dir.»
Sabbat- und Jubeljahr zeugten beide von der Gnade und dem Segen des Herrn. Im Jahr vor dem Sabbatjahr versprach Gott seinem Volk einen Ernteertrag, der für drei Jahre reichte. Im Jubeljahr wurde der hebräische Sklave frei, der Verbannte durfte zurückkehren, der Schuldner wurde von seiner Schuld befreit und der Verarmte kam wieder zu seinem verlorenen Erbteil.
Das Land selbst gehörte dem Herrn. Israel durfte bei Ihm wohnen und bekam das Land zur Verwaltung anvertraut. In Haggai 2,8 sagt Gott zudem: «Mein ist das Silber und mein das Gold.» Die in diesen Worten enthaltenen Grundsätze gelten auch für uns Christen. Das bedeutet, dass alles, was wir an materiellen Gütern besitzen, uns nur anvertraut ist. Es gehört eigentlich dem Herrn. Wir dürfen und sollen es in seinem Sinn verwalten. Ob uns dies immer bewusst ist? Es ist gut, wenn wir die uns anvertrauten materiellen Güter im Licht des Kommens des Herrn (unseres «Jubeljahres») verwalten und gebrauchen.
Verkauftes Eigentum
Obwohl sich das Volk noch auf der Wüstenwanderung zum verheissenen Land befand, gab Gott bereits konkrete Verordnungen für das Leben im Land. Er dachte dabei an den Niedergang im Volk. Hätten alle der Stimme ihres Gottes gehorcht, wäre wohl niemand verarmt. Doch durch die Sünde im Leben des Einzelnen konnte es zur Verarmung eines Israeliten kommen. Eine Illustration davon gibt uns Elimelech und seine Familie im Buch Ruth. Zugleich finden wir dort, dass entsprechend der Anweisung von Vers 25 gehandelt wurde (Ruth 4,1-6; siehe auch 5. Mose 25,5).
Wenn jemand keinen Löser hatte und kein Geld aufbringen konnte, um das verkaufte Eigentum vor der Zeit zurückzukaufen, bekam er es im Jubeljahr wieder. Aber verkaufte Häuser in einer ummauerten Stadt konnten nur innerhalb eines Jahres zurückgekauft werden. Verstrich diese Zeit ungenutzt, blieb das verkaufte Haus für immer das Eigentum des Käufers. Es ging hier nicht um Land, das dem Herrn gehörte. – Für die Levitenstädte und ihre Bezirke gab es besondere Vorschriften. Da die Leviten sonst kein Land besassen, gehörten ihnen ihre Wohnorte für ewig.
Das Jubeljahr hat einerseits eine prophetische Bedeutung für Israel. Die Zeit wird kommen, da es eine völlige Wiederherstellung des irdischen Volkes in seinem Land geben wird. Anderseits spricht das Jubeljahr auch von der unumschränkten Gnade Gottes für alle, die das Elend einsehen, in das sie durch die Sünde gekommen sind, und sich auf den Herrn Jesus und sein Erlösungswerk stützen.
Der verarmte Bruder (1)
In diesen Versen wird die Aussage von Vers 25 noch zweimal wiederholt (Verse 35.39): «Wenn dein Bruder verarmt …» In seiner Allwissenheit kannte Gott die Zukunft seines irdischen Volkes. Er wusste, dass es untreu und ungehorsam werden würde und die Menschen die entsprechenden Folgen zu tragen hatten.
Mit diesen Anordnungen verhinderte Gott, dass die einen die Notsituation ihrer Brüder zu ihrem Vorteil ausnutzten. Niemals sollten sie die in Not Geratenen – auch wenn sie als Folge ihrer Sünden ins Elend gerieten – mit Härte behandeln. Hatten sie als Volk in Ägypten nicht Gottes Gnade erfahren? Er hatte sie aus der Sklaverei befreit und in das schöne, fruchtbare Land Israel gebracht.
Wie gross muss die Not gewesen sein, wenn jemand so verarmte, dass er sich als Sklave verkaufen musste! Gott behandelt auch diesen Fall und sagt seinem Volk, dass sie eigentlich nur von den Nationen, die um sie her waren, Sklaven kaufen durften (Beispiel: Josua 9,27).
Wir wollen aus diesen Versen lernen, unseren Mitgläubigen in Liebe und Gnade zu begegnen, und bereit sein, den Bedürftigen und Armen zu helfen. Wenn die Notsituation eine direkte Folge von Sünde im Leben ist, dann wollen wir die Sünde niemals gutheissen oder beschönigen, aber der Person selbst in Gnade und Barmherzigkeit begegnen. Härte gegenüber anderen Gläubigen oder auch gegenüber Ungläubigen kann nie die Verhaltensweise sein, die Gott von uns wünscht. «Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.»
Der verarmte Bruder (2)
Der schlimmste Fall trat dann ein, wenn ein verarmter Israelit sich einem Fremden, der nicht zum Volk Gottes gehörte, verkaufen musste. Konnte er die Lage selbst nicht ändern, mussten seine Verwandten ihn lösen. Der Loskaufpreis wurde anhand der noch verbleibenden Jahre bis zum Jubeljahr festgelegt. Wenn niemand da war, um diesen bedauernswerten Israeliten zu lösen, so sollte er im Jubeljahr frei ausgehen, und zwar mit seiner Familie. Den göttlichen Grund dafür finden wir in Vers 55: Die Israeliten waren das Eigentum Gottes. Er hatte sie aus Ägypten erlöst (2. Mose 19,5). Auch kein Fremder aus einem anderen Volk durfte die Hand für immer auf jemand aus Israel legen.
Dieser Fall beschreibt, was dem Volk als Ganzem widerfahren ist. Wegen seiner Untreue gegen Gott und der Kreuzigung ihres Messias wurde das Volk Israel in alle Welt unter die Herrschaft der Nationen zerstreut. Wenn Christus in Macht und Herrlichkeit wiederkommen und sein Friedensreich gründen wird, bricht das Jubeljahr für Israel an. Seine Zerstreuten werden von überall her in ihr Land zurückkehren. Es wird zu einer nationalen Auferstehung Israels kommen. Gott wird erneut ihr Gott sein.
Und wir? Wir waren einst Sklaven Satans und der Sünde. Wir konnten uns nicht selbst befreien und kein Mensch kann den anderen erlösen (Psalm 49,8). Da wurde der Herr Jesus, der Sohn Gottes, unser «Blutsverwandter» (Hebräer 2,14.15). Durch seinen Opfertod hat Er den Loskaufpreis zu unserer Erlösung und Befreiung aus der Macht Satans bezahlt.
Aufruf zum Gehorsam
Am Anfang des Kapitels werden zwei wichtige Gebote wiederholt. Israel sollte jede Art von Götzendienst vermeiden. Er entspräche einer direkten Beleidigung Gottes. Sie sollten Gott gehorchen – das Sabbatgebot war der Prüfstein für ihren Gehorsam gegenüber Gott – und seine Heiligkeit respektieren.
Dann folgt ein Wenn. Gottes Antwort auf den Gehorsam seines Volkes war ein weitreichender Segen: Regen und Fruchtbarkeit, Frieden und Sicherheit im Land, Gemeinschaft mit Gott, der in seiner Mitte wohnen wollte. Es gab wohl keine Zeit, in der das Volk Israel den Segen in der hier beschriebenen Weise wirklich genossen hat. Der Ungehorsam der Menschen und ihre Unfähigkeit, von Natur aus Gott zu gefallen, haben es unmöglich gemacht.
Und doch wird Israel in der Zukunft genau den hier beschriebenen Segen geniessen. Wie ist das möglich? Jesus Christus, ihr Messias, ist auch für das Volk Israel am Kreuz gestorben. Er hat die Schuld, die es vor Gott aufgehäuft hat, mit seinem Leben und Blut bezahlt, so dass Gott es dereinst begnadigen kann. Am Ende der Zeit wird der gläubige Überrest aus Israel seine Sünde und die Schuld des Volkes einsehen, Buße tun und auf Jesus Christus vertrauen. Diese Glaubenden wird Gott wieder als sein Volk anerkennen und ihr Gott sein. Im Tausendjährigen Reich wird Er sein Volk (den treuen Überrest) aufgrund seiner souveränen Gnade in der hier beschriebenen Weise segnen. Er hat Israel einst aus Ägypten erlöst und Er wird es an das Ziel bringen, das Er sich vorgenommen hat.
Warnung vor Ungehorsam
«Wenn ihr mir aber nicht gehorcht …» Der Ungehorsam des Volkes gegenüber den Geboten Gottes und die Auflehnung gegen Ihn würden ernste Folgen nach sich ziehen. Ab Kapitel 25 redete der Herr zu Mose auf dem Berg Sinai. Bevor er auf den Berg gestiegen war, um das Gesetz entgegenzunehmen, hatte das Volk bereits beteuert: «Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun!» Damit hatte sich das Volk auf den Boden der Verantwortung gestellt. Von jetzt an würde Gott ihnen in seinen Regierungswegen (= Prinzipien, nach denen Gott die Welt lenkt) begegnen, d.h. sie mussten ernten, was sie säten.
Im Lauf des Kapitels folgt ein Gericht dem anderen als Antwort Gottes auf den Ungehorsam seines Volkes. Zudem werden diese aufeinanderfolgenden Gerichte zunehmend schwerer. In der Geschichte des Volkes Israel, wie sie uns in den Büchern Richter, Samuel und Könige mitgeteilt wird, finden wir in mancher Hinsicht die Bestätigung dieser Worte Gottes.
Warnen diese Kapitel nicht auch uns Christen? Seit unserer Bekehrung leben wir in einer geordneten Beziehung mit Gott. Er hat uns im Blick auf die Ewigkeit alle Sünden vergeben. Doch wir können als gläubige Christen nicht leben, wie wir wollen. Als solche, die durch den Glauben an den Herrn Jesus Kinder Gottes geworden sind, zieht Gott uns für unser Leben zur Verantwortung. Wenn Er uns züchtigt und wenn Er uns ernten lässt, was wir gesät haben, so möchte Er doch, dass wir zu Ihm zurückfinden, damit Er uns seine väterliche Vergebung schenken kann.
Die Folgen des Ungehorsams
Nach all den Gerichtsankündigungen in den gestern gelesenen Versen heisst es jetzt: «Wenn ihr mir bei all diesem nicht gehorcht und mir widersteht …» Gott wusste, dass alle seine Bemühungen der Züchtigung seines Volkes im Land keine Wendung zum Guten herbeiführen würden.
So blieb nichts anderes mehr übrig, als das Volk aus dem Land zu vertreiben und unter die Nationen zu zerstreuen. Sogar unter den Völkern, wohin sie vertrieben werden, würde das Volk nicht zur Ruhe kommen. Welch ein schreckliches Gericht Gottes, wenn man ständig Angst haben muss und immer auf dem Sprung lebt, wieder zu fliehen! Dieses ernste Gericht kam über Israel, weil es den Widerstand gegen seinen Gott nicht aufgab und am Götzendienst festhielt.
In 3. Mose 25,1-7 hatten wir die Anordnungen Gottes im Blick auf das Sabbatjahr, das Israel alle sechs Jahre einhalten sollte. Vermutlich hat das Volk, als es später im Land lebte, diese Anweisung nie befolgt. Auch das sah Gott voraus. Und so erklärte Er in den Versen 34 und 35, das Land werde in der Zeit der Zerstreuung Israels unter die Völker der Erde diese Sabbatjahre nachholen (2. Chronika 36,21).
Die Verse 38 und 39 zeigen, dass nach all den Gerichten, die Gott über das Volk Israel bringen musste, in Zukunft nur noch ein Überrest bleiben wird, mit dem Gott wieder anknüpfen kann und seinen Bund errichten wird (Vers 42).
Die Gnade Gottes
Ab Vers 40 tritt eine Wende ein. Die Zeit wird kommen – sie liegt heute noch in der Zukunft –, da der gläubige Überrest des Volkes Israel seine Ungerechtigkeit und die seiner Vorfahren einsehen wird. Jene Treuen werden Gott ihre Schuld bekennen und sich unter seine züchtigende Hand beugen. Das wird der Augenblick sein, da er sich wieder mit seinem irdischen Volk verbinden wird. Doch es wird nicht mehr auf der Grundlage des Bundes vom Sinai sein. Der Mensch hat seither bewiesen, dass er von Natur aus unfähig ist, Gottes Ansprüchen zu genügen und Ihm zu gehorchen. Seine gefallene sündige Natur ist dem Willen Gottes entgegengesetzt (Römer 8,8).
Diese neue Beziehung mit seinem irdischen Volk beruht auf dem Bund der bedingungslosen Verheissungen, den Gott mit den Patriarchen gemacht hat. Gott wird sein Versprechen an Abraham, Isaak und Jakob halten. Die Erfüllung jenes Bundes beruht nicht auf Forderungen, denen der Mensch nachzukommen hat, sondern auf der bedingungslosen Gnade. Gott selbst wird den Geist der Gnade und des Flehens, der zu wahrer Einsicht, Buße, Demütigung und Umkehr führen wird, über sein Volk ausgiessen. Auf diese Reue wird Er mit Barmherzigkeit antworten. Wie wunderbar zu wissen, dass Gott sein irdisches Volk weder vernichten noch untergehen lassen wird, auch wenn Er es in der heutigen Zeit auf die Seite gestellt hat! Wohl muss es noch durch die Drangsalszeit gehen, aber Gott wird den treuen Überrest bewahren und in den Segen des Tausendjährigen Reiches einführen.
Gelübde und geheiligte Dinge für Gott
Unzählige Male haben wir im Lauf des dritten Buches Mose die Worte Gottes gelesen: «Ich bin der Herr, euer Gott.» Immer ging es um Ihn und seine Heiligkeit, die Israel beachten und der es entsprechen sollte, damit Gott in seiner Mitte wohnen konnte. Im letzten Kapitel haben wir sozusagen die Antwort des Herzens eines gläubigen Israeliten. Das Gelübde spricht von dem, was jemand dem Herrn freiwillig weihen wollte. Bis Vers 8 geht es um die persönliche Hingabe an den Herrn.
Beim Sühngeld, das von Erlösung spricht, gab es keine Unterschiede. Jeder Israelit hatte einen halben Sekel zu bezahlen. So war es auch mit uns. Wir alle waren verloren und konnten nur durch das Erlösungswerk von Jesus Christus gerettet werden (2. Mose 30,11-16; Römer 3,23.24).
Wenn es aber um unsere Hingabe und Treue in der Nachfolge des Herrn geht, gibt es Unterschiede. Er beurteilt alles nach seiner Weisheit und göttlichen Gerechtigkeit. Dabei wird Er auch die Fähigkeiten und Gaben berücksichtigen, die jeder von uns besitzt. Jeder hat andere Voraussetzungen. Aber wo steht unser Herz? Mögen uns diese Verse anspornen, bereits in jungen Jahren dem Herrn konsequent und mit ganzer Hingabe nachzufolgen. Und wenn wir dann in der Vollkraft unseres Lebens, mitten im Berufs- und Familienleben stehen, dann sollten der Herr und seine Interessen erste Priorität haben.
Ab Vers 9 haben wir die freiwilligen Gaben für Gott. In der Anwendung geht es um unseren materiellen Besitz, den wir dem Herrn zur Verfügung stellen.
Haus und Feld
Ab Vers 13 kommt Gott der Schwachheit von uns Menschen entgegen. Obwohl ein Gelübde etwas Freiwilliges war, konnte es doch vorkommen, dass der Gelobende sich plötzlich anders besann und die Sache wieder rückgängig machen wollte. Für diesen Fall gab Gott das Lösungsrecht. «Lösen» bedeutet in den Versen 13, 15 und 19 soviel wie Zurückkaufen. Dieser Rückkauf war möglich, aber nur mit einem Zuschlag von 20 Prozent des Schätzwertes. Wer bei einer freiwilligen Gabe plötzlich seine Meinung änderte, musste ein gewisses «Schuldopfer» bringen. Man kann Gott gegenüber nicht tun und lassen, wie es einem passt. Der Fall in den Versen 20 und 21 ist besonders ernst. Auch im Jubeljahr konnte jene Sache nicht mehr in den ursprünglichen Zustand zurückgebracht werden.
Weil Gott unser Herz kennt, warnt uns der Heilige Geist im Buch des Predigers vor unüberlegtem Handeln, wenn man Gott etwas geloben will (Prediger 5,3-5). Das bedeutet aber nicht, dass es besser wäre, wenn wir unsere Fähigkeiten und materiellen Güter dem Herrn gar nicht zur Verfügung stellten. Doch wir sollten nicht oberflächlich über Jüngerschaft und Hingabe reden und denken, sondern die Sache ernst nehmen.
Wie wichtig ist Vers 25! Damals musste jede Bewertung nach dem Sekel des Heiligtums erfolgen. Heute ist es der Herr, der unsere Jüngerschaft beurteilt. Er kennt sowohl unser Herz als auch unsere Fähigkeiten und unsere materiellen Möglichkeiten und bewertet alles nach seinem göttlichen Massstab.
Was Gott gehört
Es gab Dinge, die der Israelit dem Herrn nicht freiwillig heiligen konnte, weil sie ohnehin Gott gehörten: das Erstgeborene vom reinen Vieh und der Zehnte vom Ertrag des Landes und von aller Viehzucht. Das Erstgeborene vom unreinen Vieh sollte gelöst oder verkauft werden (siehe z.B. 2. Mose 34,20).
Gibt es nicht in unserem Leben manches, worauf der Herr ein Anrecht hat, was wir Ihm weder freiwillig geben können noch vorenthalten dürfen? Ich denke an den Gehorsam gegenüber Gott und seinem Wort. Wenn Römer 6,18.22 klar davon spricht, dass wir aus der Sklaverei der Sünde befreit worden und Gott zu Sklaven geworden sind, dann ist es uns nicht freigestellt, dem Herrn zu gehorchen oder nicht. Ja, mit unserem Gehorsam dürfen wir Ihm unsere Liebe beweisen (Johannes 14,15.21.23). Wer dem Herrn etwas geben möchte, sollte keine Berechnungen anstellen, um eventuell das Bessere für sich zu behalten (Verse 10.33). Möchten wir fröhliche Geber sein, die aus Liebe zum Herrn aus dem Herzen heraus geben (2. Korinther 9,6.7).
Das «Verbannte» war durch Gottes Anweisung der Zerstörung geweiht. Es kam aber vor, dass Gott das, was Israel zu verbannen hatte, für sich beanspruchte (Josua 6,17.19). Wenn aber Gott einen Bann über Menschen aussprach, dann gab es keine Alternative: Sie mussten getötet werden.
Das Buch endet mit dem Hinweis, dass die Kapitel 25 bis 27 zu den Geboten gehören, die Mose vom Herrn auf dem Sinai empfing und dem Volk weitergeben musste.
Reine und unreine Tiere (1)
Damit Aaron und seine Söhne zwischen dem Unreinen und dem Reinen unterscheiden konnten, hatten sie Gottes Belehrung nötig. In diesem Kapitel unterweist Gott den Hohenpriester Aaron über die reinen und unreinen Tiere, so dass er dem Volk sagen konnte, welche Tiere sie essen durften (die Reinen) und welche nicht (die Unreinen).
Damit ein Tier zu den Reinen zählte, musste es zwei Merkmale aufweisen: Es musste gespaltene Hufe haben und wiederkäuen. Wenn ein Tier nur eins der beiden Merkmale aufwies, war es unrein und durfte nicht gegessen werden. Von den Wassertieren galten jene als rein, die Flossen und Schuppen hatten. Alles andere sollte den Israeliten ein Gräuel sein.
Die Merkmale der reinen Tiere weisen auf die Kennzeichen eines Gläubigen hin. Die gespaltenen Hufe reden von sicheren Schritten im Glaubensleben. Das Wiederkäuen zeigt, wie wir die Nahrung des Wortes Gottes aufnehmen sollen: indem wir über das Gehörte oder Gelesene nachdenken und im Herzen erwägen. Die Flossen befähigen einen Fisch, gegen den Strom zu schwimmen. Wir leben als Christen in einer Gott feindlichen Welt. Da müssen wir gegen den Strom schwimmen (Johannes 17,14-18; Römer 12,2). Die Schuppen schützen gegen böse Einflüsse. Wenn wir nach Epheser 6,10-18 die Waffenrüstung Gottes angezogen haben, sind wir gegen die Angriffe Satans geschützt.
Ein Gläubiger hat also die Energie, trotz Widerständen vorwärts zu gehen, und ist mit einem Schutz gegen die Einflüsse Satans und der Welt ausgerüstet.