Jubel am Morgen
«Am Abend kehrt Weinen ein, und am Morgen ist Jubel da» (Ps 30,6).
Eine dunkle Umgebung
Seit dem Sündenfall haben die Begriffe «Tag» und «Nacht» eine symbolische Bedeutung. Durch die Sünde herrscht in der Welt moralische Nacht. Der Satan ist der Fürst der Welt. Jeder Mensch, der noch nicht erlöst ist, befindet sich «in der Gewalt der Finsternis» (Kol 1,13). Er «ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiss nicht, wohin er geht, weil die Finsternis seine Augen verblendet hat» (1. Joh 2,11). Die Folgen sind Tod, Trauer, Geschrei und Schmerz in einer Welt voller Gewalttat (Off 21,4).
Der Weg des Erlösten führt durch diese dunkle Welt. Als ein «Kind des Lichts» leidet er in dieser Umgebung. Er hat Anteil an den Folgen der Sünde, die in die Welt gekommen ist. Solange der Herr die Seinen hier lässt, kann der Gläubige krank und gebrechlich werden. Er wird alt und muss, wenn der Herr Jesus noch nicht gekommen ist, durch den Tod gehen. Ausserdem wird er von der Welt verachtet, gehasst oder verfolgt, weil er im Licht lebt. Schliesslich ist er in der Schule Gottes und erfährt seine Erziehung.
Doch der Gläubige weiss: Wenn am Abend Weinen einkehrt, ist am Morgen Jubel da. Gott hört auf das Flehen seiner Kinder. Er tröstet sie wunderbar und schenkt ihnen in der dunklen Umgebung Erleichterung oder sogar Befreiung aus der Bedrängnis. «Wir sind ins Feuer und ins Wasser gekommen, aber du hast uns herausgeführt zu überströmender Erquickung» (Ps 66,12). Anstatt uns vor der Zukunft zu fürchten, wollen wir glaubensvoll festhalten, dass Gottes Erbarmungen jeden Morgen neu sind und seine Treue gross ist (Klgl 3,22.23).
Ein helles Ziel
In der dunklen Nacht ist auch der Gedanke an die vor uns liegende Hoffnung eine grosse Ermunterung. Sie gründet sich auf den allmächtigen «Gott der Hoffnung», der alles wirkt nach dem Rat seines Willens (Eph 1,11). Darum können wir unseren Weg erfüllt «mit aller Freude und allem Frieden im Glauben» gehen (Röm 15,13).
- Wir besitzen eine lebendige Hoffnung (1. Pet 1,3). Sie konzentriert sich auf Jesus Christus, der aus den Toten auferstanden ist. In Ihm führt Gott seinen Vorsatz aus.
- Wir haben eine gute Hoffnung (2. Thes 2,16). Sie bezieht sich nicht auf das böse Tun der Menschen, sondern nur auf das Gute, das der Gott der Hoffnung durch Christus ausführen wird.
- Wir kennen eine glückselige Hoffnung (Tit 2,13). Ihre Erfüllung lässt keine Wünsche mehr offen. Wir werden beim Herrn Jesus im Haus des Vaters vollkommen und für immer glücklich sein.
- Wir haben eine bessere Hoffnung als Israel (Heb 7,19). Auf uns wartet ein unverwesliches, unbeflecktes und unverwelkliches Erbteil im Himmel. Unsere Hoffnung ist die Herrlichkeit Gottes (Röm 5,2).
Gott hat einen Plan mit der Versammlung, mit Israel und mit der Erde. Was Er sich vorgesetzt hat, wird Er auf seine Weise und zu seiner Zeit erfüllen. Niemand kann Ihn daran hindern. Er hat uns seinen Plan mit allen Einzelheiten in der Bibel mitgeteilt, weil Er mit uns Gemeinschaft darüber haben will. Wir sollen uns jetzt schon über unser herrliches Erbteil freuen und zugleich die Welt, die dem Gericht entgegengeht, so beurteilen wie Gott. Das spornt uns zu einem eifrigen Dienst im Evangelium an.
Eine helle Lampe in einer dunklen Welt
Nehmen wir uns also die Mühe, Gottes Plan über die Zukunft im Einzelnen kennen zu lernen. Der Apostel Petrus sagt über das prophetische Wort: «Auf das zu achten ihr wohltut, als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet» (2. Pet 1,19).
Welche Folgen hätte es, wenn die Flamme dieser Lampe in unserem Herzen zurückgehen und der Docht nur noch glimmen würde? Dann würde es auch für uns dunkel. Wir hätten den starken Trost unserer Hoffnung nicht mehr. Wir würden der Welt gleichen, die nur das Sichtbare, Materielle und Irdische sieht, und sich nur darauf konzentriert. Wir würden vergessen, dass die Erde und die Werke auf ihr verbrannt werden. Wir würden weder heilig noch gottesfürchtig leben und wären keine treuen Zeugen mehr (2. Pet 3,10.11).
Nicht wahr, das wollen wir nicht! Lasst uns lieber das mitreissende Beispiel des Apostels Paulus nachahmen, bei dem die Lampe hell leuchtete. Sein Lebensmotto war, Christus zu gewinnen. Alles andere war für ihn Verlust oder sogar Dreck (Phil 3,8). Er hielt seinen Glaubensblick auf Christus in der Herrlichkeit gerichtet. Er suchte das, was droben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Er lebte und diente im Licht des Tages des Herrn, an dem alles offenbar werden wird. Natürlich war er auch von einer dunklen Welt umgeben. Wie keiner von uns wurde er von allen Seiten angefeindet und verfolgt. Er war in unzähligen Nöten und Gefahren (2. Kor 11,23-33). Dennoch blieb es in seinem Herzen hell. Er war ein glücklicher Christ, denn das Leben war für ihn Christus.
«Noch eine ganz kleine Zeit, und der Kommende wird kommen und nicht ausbleiben» (Heb 10,37). Der Herr wird die Seinen aus der dunklen Welt herausführen und mit verherrlichten Körpern ins Haus des Vaters heimholen. Dort werden wir im strahlenden Licht der himmlischen Herrlichkeit sein. Dann wird für uns der Morgen eines nie endenden Jubels anbrechen. Weinen, Kummer und Seufzen werden für immer vorbei sein. Nacht wird es nicht mehr geben, denn die Lampe im himmlischen Jerusalem wird das Lamm sein (Off 21,23-25).