An der Tafel des Königs
In den Versen 8-11 geht der Bräutigam auf das ein, was die Braut vorher gesagt hat. Zuerst teilt er ihr mit, wie sie den Ort finden kann, wo er seine Herde weidet. Sie soll den Spuren der Herde folgen. – Wir finden diesen Ort, wenn wir uns mit anderen Gläubigen zum Namen des Herrn Jesus hin versammeln. Dort teilt Er durch die Brüder, die das Wort verkündigen, geistliche Nahrung aus (1. Korinther 14,26).
Dann bringt der Bräutigam seine Gedanken über die Braut zum Ausdruck. Sie ist die Schönste unter den Frauen und anmutig durch die Schönheit, mit der er sie bekleidet hat. – Wir haben in den Augen des Herrn einen hohen Wert, weil Er uns aufgrund seines Erlösungswerks geistliche Schönheit und Würde verliehen hat.
Die Königstafel in Vers 12 lässt sich auf die Zusammenkünfte übertragen, wo der Herr Jesus in der Mitte der Seinen ist und Gemeinschaft mit ihnen hat. Da können wir – wie die Braut oder wie Maria (Johannes 12,3) – Ihm unsere Wertschätzung zeigen und Ihn anbeten.
Der Bräutigam bestätigt die Schönheit seiner Braut und fügt hinzu: «Deine Augen sind Tauben», weil sie mit Einfalt nur auf ihn blickt (Matthäus 10,16). Darauf antwortet die Braut: «Siehe, du bist schön, mein Geliebter.» – Wenn unsere Herzen für Jesus Christus brennen und mit Ihm beschäftigt sind, kommen auch wir zu diesem Schluss: «Du bist schöner als die Menschensöhne» (Psalm 45,3). Das «Lager» spricht von der Ruhe und das «Haus» von der Geborgenheit, die wir beim Herrn Jesus finden.
Die Lilie und der Apfelbaum
Der Glaubende ist eine «Lilie der Täler». Er soll nicht im Rampenlicht der Welt stehen, sondern sich in der Nähe des Herrn Jesus aufhalten. Gleichzeitig ist er für Christus eine «Lilie inmitten der Dornen». Umgeben von Menschen, die sich nicht für den Heiland interessieren, schlägt das Herz des Glaubenden für seinen Erlöser.
In Vers 3 wird der Herr mit einem Apfelbaum verglichen. Wenn wir seine Gemeinschaft aufsuchen, spendet Er uns Schatten vor der Hitze des Tages, so dass die Probleme des Lebens ein wenig in den Hintergrund rücken. Ausserdem gibt Er uns seine süsse Frucht zu essen. Damit stärkt und erfrischt Er unseren Glauben.
In Vers 4 vertieft sich unsere Beziehung zu Jesus Christus. Nachdem unsere Bedürfnisse gestillt worden sind, werden wir in den vollen Genuss seiner Gemeinschaft geführt. Im «Haus des Weines» empfinden wir einfach die tiefe Freude an seiner Liebe zu uns.
Es gibt geistliche Erfahrungen mit dem Herrn, die unser Fassungsvermögen beinahe übersteigen. Wir bitten dann wie die Braut: «Stärkt mich mit Traubenkuchen, erquickt mich mit Äpfeln, denn ich bin krank vor Liebe!» Die Antwort auf diesen Ruf nach unterstützender Kraft gibt uns Vers 6: Jesus Christus ist da und umgibt uns mit seiner Liebe. Darum können wir wirklich glücklich sein.
Schon die kleinste Bewegung scheucht die scheue und empfindsame Gazelle auf. Genauso ist es mit unserer Beziehung zum Herrn Jesus. Oft braucht es nur wenig, um die Vertrautheit der Liebe zwischen uns und unserem Erlöser zu stören.
Der Geliebte kommt
Die Braut ist nach Hause gegangen und damit ist auch ihre Liebe zum Bräutigam ein wenig erkaltet. Das erleben wir leider auch. In den Pflichten und Aufgaben des Alltags, die uns ganz in Anspruch nehmen wollen, verlieren wir schnell den Herrn Jesus aus unserem Blickfeld. Als Folge davon kühlt sich unsere Liebe zu Ihm ab.
Doch der Herr geht uns nach und ruft uns in seine Gemeinschaft zurück: «Mach dich auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm!» Zudem stellt Er uns den Segen vor, den wir mit Ihm geniessen können:
- «Die Blumen erscheinen im Land, die Zeit des Gesangs ist gekommen.» – Wenn wir wieder mit Lobliedern unserem Heiland für die Errettung danken, wird uns aufs Neue bewusst, wie gross seine Liebe zu uns ist.
- «Der Feigenbaum rötet seine Feigen, und die Weinstöcke sind in der Blüte, geben Duft.» – Wenn wir ständig in der Nähe des Herrn Jesus bleiben, kann in unserem Leben Frucht für Gott entstehen (Johannes 15,5).
Die kleinen Füchse verderben die Weinberge, so dass die Reben keine Frucht bringen. Auf das Glaubensleben übertragen sprechen sie von kleinen, unscheinbaren Regungen im Herzen wie Stolz, Habsucht, Unzufriedenheit oder Eifersucht, die unsere Gemeinschaft mit Christus stören. Nur wenn wir sie konsequent verurteilen, kann in unserem Leben Frucht für Gott heranreifen.
Der Besuch und die Worte des Bräutigams haben im Herzen der Braut die Liebe zu ihm wachgerufen und das Verlangen nach ihm geweckt.
Der Brautzug
Weil die Braut ihren Bräutigam am falschen Ort suchte, fand sie ihn zuerst nicht. So kann es auch uns gehen. Auf dem «Lager», wo wir es uns bequem gemacht haben, oder in der «Stadt», wo die Welt den Ton angibt, werden wir Christus nicht finden.
Die «Wächter», die für äussere Ruhe und Ordnung sorgen, können uns nicht helfen, wenn unsere Herzen die Gemeinschaft mit Dem suchen, den wir lieben. Erst wenn wir jede menschliche Hilfe beiseitelassen, werden wir mit dem Herrn Jesus zusammentreffen. Machen wir es dann wie die Braut, die ihren Bräutigam ergriff und nicht mehr losliess!
Die Verse 6-11 beschreiben mit einem treffenden Bild unsere Lebensreise als Christen durch die Welt, die einer Wüste gleicht:
- Da wird unser Glaube erprobt, damit wir Ausharren, Geduld und Sanftmut lernen. Durch diese Merkmale verbreiten wir einen wohlriechenden Duft.
- Auf dieser Reise will uns der Feind die Sicherheit der Errettung und die Freude am geistlichen Segen wegnehmen. Darum müssen wir seine Angriffe gegen die Person und das Werk des Herrn Jesus mit dem Schwert des Geistes, das Gottes Wort ist, abwehren (Epheser 6,17).
- Wir reisen in einer «Prachtsänfte», die uns Jesus Christus zur Verfügung gestellt hat. Sie repräsentiert die grossen Wahrheiten seiner Person, die die Grundlage unseres Glaubens bilden. Das Zedernholz spricht von seiner Menschheit, die Säulen aus Silber von der Macht seiner Erlösung und das Gold von seiner göttlichen Gerechtigkeit.
Die Beschreibung der Braut
Der Bräutigam blickt mit Freude auf seine Braut und zählt die Eigenschaften auf, die ihm an ihr gefallen. Diese sieben Einzelheiten reden symbolisch von den Merkmalen des neuen Lebens, die der Herr Jesus bei den Seinen sehen möchte:
- Die Augen, die wie Tauben hinter einem Schleier sind, drücken Freundlichkeit und Demut aus. Zudem zeugen sie von der reinen Zuneigung, die nur Christus gilt.
- Das lange Haar, das mit Ziegenhaar verglichen wird, spricht von Unterordnung unter den Herrn, Absonderung vom Bösen und Hingabe an Gott.
- Die weissen Zähne sind ein Symbol der Reinheit. Der Apostel sagt dazu: «Jeder, der diese Hoffnung zu ihm hat, reinigt sich selbst, wie er rein ist» (1. Johannes 3,3).
- Rote Lippen zeugen von einer guten Gesundheit. Ebenso offenbaren die Worte, die wir äussern, unseren Herzenszustand. Wenn Christus in unseren Herzen wohnt, wird ein Lob auf unseren Lippen sein.
- Die Schläfen hinter dem Schleier, die bei einem Lob erröten, zeugen von echter Bescheidenheit, die mit Unterordnung gepaart ist.
- Der Hals wird mit dem Turm Davids verglichen, der mit tausend Schilden geschmückt ist. Dieser Schmuck spricht von den Glaubenssiegen, die der Herr in unserem Leben zu seiner Ehre bewirken kann.
- Die beiden Brüste, die wie ein Zwillingspaar junger Gazellen sind, sprechen von der frischen Liebe zum Herrn Jesus.
Die Braut ist wie ein Garten
Salomo sieht keinen Makel an seiner Braut. Zum gleichen Schluss kommt der Herr Jesus, wenn Er die Seinen nach dem göttlichen Ratschluss betrachtet: Sie stehen in Ihm «heilig und untadelig» vor Gott (Epheser 1,4).
Der Bräutigam bittet seine Braut, mit ihm das Land vom Gipfel aus anzuschauen. Ähnlich lautet die Aufforderung an uns: «Sucht, was droben ist, wo der Christus ist» (Kolosser 3,1). Wir sollen unser Leben auf der Erde aus der himmlischen Perspektive betrachten, damit es die richtige Ausrichtung bekommt.
Wie freut sich der Herr, wenn unsere Herzen für Ihn schlagen! Vers 11 zeigt uns, was Ihm wichtig ist: Er möchte, dass wir Ihm unsere Liebe nicht nur durch Worte (Lippen) bezeugen, sondern auch durch ein gerechtes und gottesfürchtiges Verhalten (Gewänder) beweisen.
Ab Vers 12 vergleicht der Bräutigam seine Braut mit einem verschlossenen Garten, der eine eigene Quelle hat und Früchte, Blumen und Gewürze hervorbringt. Dieser Vergleich lässt sich auch auf uns übertragen:
- Der verschlossene Garten spricht davon, dass wir ganz dem Herrn Jesus gehören. Wenn wir das erfassen, leben wir nicht mehr für uns selbst und sondern uns von der Welt ab (2. Korinther 5,15; 6,17).
- Unser geistliches Leben wird durch eine verborgene Quelle versorgt: Es ist der Heilige Geist, der durch das Wort Gottes in uns wirkt.
- Wenn es in unserem Leben geistliches Wachstum gibt und Frucht für Gott entsteht, ist es zur Freude des Herrn Jesus und zum Nutzen der Mitmenschen.
Der Bräutigam klopft an die Tür
Der Bräutigam folgt der Aufforderung seiner Braut und betritt den Garten. Nun geniesst er die Früchte des Gartens und bereitet ein Festessen zu, an dem auch andere teilnehmen dürfen. Daraus lernen wir: Alles, was in unserem Leben zur Freude des Herrn ist, kann Er auch zum Segen für andere benutzen.
Mit Vers 2 beginnt ein neuer Abschnitt. Während der Abwesenheit des Bräutigams erkaltet die Liebe der Braut zu ihm. Das kann auch uns passieren, wenn wir uns innerlich vom Herrn distanzieren. Doch Er möchte aufs Neue unsere ganze Liebe für sich haben. Darum klopft Er bei uns an und bittet: «Mache mir auf!» Er streckt seine Hand durch die Öffnung, um uns an seine Liebe zu erinnern: Einst liess Er seine Hände durchbohren, um am Kreuz für uns zu leiden und zu sterben! Aber Jesus Christus drängt sich nicht auf. Wenn wir Ihm nicht öffnen, geht Er weiter, um uns den ganzen Verlust der fehlenden Gemeinschaft mit Ihm spüren zu lassen.
Das Verhalten der Braut in Vers 5 zeigt uns, wie durch die Erinnerung an die Liebe des Herrn Jesus Bewegung in unseren schläfrigen Zustand kommt. Sobald wir uns innerlich wieder auf Christus ausrichten, bekommen wir von Ihm einen weiteren Beweis seiner Liebe: Die Myrrhe am Türgriff spricht von den Leiden, die Er für uns erduldet hat.
Die schmerzlichen Erfahrungen der Braut auf der Suche nach ihrem Bräutigam veranschaulichen deutlich, wie lang und beschwerlich der Weg oft ist, bis die unterbrochene Gemeinschaft mit unserem geliebten Herrn ganz wiederhergestellt ist.
Die Beschreibung des Bräutigams
Auf der Suche nach ihrem Bräutigam bekennt die Braut den Frauen von Jerusalem ihre Liebe zu ihm. Da fragen sie, was denn ihren Geliebten vor anderen besonders auszeichnet. – Diese Frage richtet sich auch an jeden von uns: Was bedeutet mir der Herr Jesus, dass ich immer wieder seine Gemeinschaft suche?
Die Braut beantwortet diese Frage, indem sie ihren Bräutigam beschreibt. Dadurch wird ihr Herz aufs Neue für ihn erwärmt. – Uns wird es auch so gehen, wenn wir über die Aussagen und Hinweise in der Bibel nachdenken, die Jesus Christus betreffen (Lukas 24,27.32).
Vers 10 bildet eine Art Überschrift. Es werden dort drei Hauptmerkmale des Bräutigams erwähnt:
- Mein Geliebter ist weiss. – Jesus Christus ist rein, heilig und sündlos (Hebräer 7,26; 1. Petrus 2,22; 1. Johannes 3,5).
- Mein Geliebter ist rot. – Der Herr hat am Kreuz in Hingabe an Gott sein Leben für die Seinen gelassen (Philipper 2,8; Epheser 5,2).
- Mein Geliebter ist ausgezeichnet vor Zehntausenden. – Christus überragt alle anderen. Er ist mit niemand zu vergleichen.
In den Versen 11-16 werden anhand von zehn Körperteilen weitere Eigenschaften des Herrn Jesus aufgezählt. Sie wurden in seinem Verhalten sichtbar, als Er hier lebte und seinem Gott diente. Wenn wir beim Lesen der Evangelien die moralischen Herrlichkeiten unseres Heilands entdecken, kommen wir zum gleichen Schluss wie die Braut. Mit tiefer Glaubensüberzeugung sagen wir dann: «Alles an ihm ist lieblich.»
Der Geliebte in seinem Garten
Als die Frauen von Jerusalem merken, wie viel der Braut ihr Bräutigam bedeutet, fragen sie: «Wohin ist dein Geliebter gegangen?» Weil die Braut über ihn nachgedacht hat, weiss sie nun, wo er zu finden ist: «Mein Geliebter ist in seinen Garten hinabgegangen.»
Dieser Garten spricht von dem Ort, wo der Herr Jesus in der Mitte seines Volkes ist und sich über die Seinen freut. Dort können wir, wenn wir uns innerlich von Ihm distanziert haben, wieder in seine Gemeinschaft zurückfinden – wie es die Braut in Vers 3 erlebt.
In den Versen 4-7 spricht der Bräutigam zu seiner Braut. Mit ähnlichen Worten wie in Hohelied 4,1-3 zählt er das auf, was er an ihr bewundert. Ist das nicht erstaunlich? Kein Tadel über die Gleichgültigkeit der Braut in Hohelied 5, sondern nur Bewunderung über ihre Schönheit. – Hat der Herr Jesus am Auferstehungstag mit seinen Jüngern nicht ähnlich gehandelt? Anstatt sie wegen ihrer Feigheit im Garten Gethsemane zu tadeln, brachte Er ihnen die Siegesbotschaft: «Friede euch!»
In den Versen 8 und 9 spricht der Bräutigam über seine Braut. Alle Welt soll wissen, dass er sie liebt und ihr einen einmaligen Platz in seinem Herzen gibt. – Genauso wird der Herr die Gläubigen der Versammlung von Philadelphia einmal vor der Welt rechtfertigen: «Ich werde sie zwingen, dass sie kommen und sich niederwerfen werden vor deinen Füssen und erkennen, dass ich dich geliebt habe» (Offenbarung 3,9).
So wie der Bräutigam im Nussgarten die Entwicklung der Pflanzen beobachtet, verfolgt der Herr Jesus mit Interesse unser geistliches Wachstum.
Der Bräutigam beschreibt die Braut
Zu Beginn des Kapitels sprechen die Frauen von Jerusalem über die Braut Salomos. Sie schauen sie an und beschreiben ihre Schönheit, die ein Ergebnis ihrer persönlichen Begegnung mit dem Bräutigam im Gewürzgarten ist (Hohelied 6,2). – Wie freut sich der Herr, wenn die Mitmenschen auch in unserem Verhalten die Auswirkungen unserer Gemeinschaft mit Ihm erkennen! In der Bibel gibt es zwei eindrückliche Bespiele dazu:
- Nachdem Mose in der Gegenwart des Herrn gewesen war, strahlte sein Gesicht so stark, dass die Israeliten diesen Glanz nicht ertragen konnten (2. Mose 34,29-33).
- Stephanus lebte in einer lebendigen Beziehung zu Jesus Christus und war voll Heiligen Geistes. Darum leuchtete sein Gesicht vor den Menschen im Synedrium «wie das Angesicht eines Engels» (Apostelgeschichte 6,15).
Ab Vers 7 spricht der Bräutigam. Im Gegensatz zu den Menschen, die seine Braut aus einer gewissen Distanz bewundern, pflegt er eine persönliche Beziehung zu ihr. Darum ist seine Freude über sie inniger. – Weil wir eine Frucht seiner Leiden und seines Todes sind und dem Herrn Jesus ganz gehören, findet Er auch an uns etwas, woran Er sich ewig freut (Jesaja 53,11).
Überwältigt es uns nicht, dass wir zur Freude unseres Herrn beitragen können? Wie die Braut erkennen wir: «Ich bin meines Geliebten, und nach mir ist sein Verlangen.» Seine Liebe zu uns weckt in unseren Herzen den Wunsch nach einer tieferen und beständigeren Gemeinschaft mit Ihm. Wir möchten Ihn wiederlieben und Ihm unser ganzes Leben zur Verfügung stellen.
Die Liebe des Bräutigams
In den Versen 1-4 spricht die Braut. Sie ist nicht damit zufrieden, dass ihre Liebe zum Bräutigam verborgen bleibt. Sie möchte allen zeigen, wie sehr sie ihn liebt. – Wenn wir in der Zeit der Verwerfung des Herrn Jesus unsere Liebe zu Ihm durch Gehorsam und Hingabe zeigen, erfahren wir den Hass der Welt. Es wird aber einmal eine Zeit kommen, wo wir die Liebe zu unserem Erlöser ungehindert bezeugen können.
Die Frage in Vers 5 kommt aus dem Mund der Frauen von Jerusalem. Sie sehen, wie die Braut sich auf dem Weg von der Wüste her auf ihren Geliebten stützt. – Darin liegt eine Ermutigung für uns. Auf unserem Lebensweg können wir unser ganzes Vertrauen auf den Herrn setzen, der uns in den Schwierigkeiten aufrechterhält.
In Vers 6 drückt die Braut einen doppelten Wunsch aus, der für uns Wirklichkeit ist: Zum einen haben wir am liebenden Herzen des Herrn Jesus einen festen Platz. Zum anderen schützt und trägt uns sein starker Arm.
Dann wird die Liebe unseres Heilands am Kreuz beschrieben, wo Er an unserer Stelle litt und starb. Weder das Gericht noch der Tod konnten seine göttliche Liebe auslöschen. In tiefsten Leiden rief Er zu Gott: «Alle deine Wogen und deine Wellen sind über mich hingegangen» (Psalm 42,8). Zugleich brannte in seinem Herzen eine Liebe, die stärker als der Tod war.
Weil man Liebe nicht kaufen und nicht befehlen kann, hat der Herr Jesus einen anderen Weg gewählt, um unsere Liebe zu gewinnen: Er hat uns zuerst bis in den Tod geliebt, damit wir Ihn wiederlieben!
Frieden finden
Weil die Braut in der Liebe ihres Bräutigams zur Ruhe gekommen ist, liegt ihr nun das Glück ihrer jüngeren Schwester am Herzen. Während die Braut prophetisch den gläubigen Überrest aus dem zweistämmigen Südreich darstellt, spricht ihre kleine Schwester von den Menschen aus den übrigen zehn Stämmen, die zu Gott umkehren werden. Auch sie sollen mit Christus verbunden werden und den Segen des Tausendjährigen Reichs geniessen.
In Vers 8 liegt auch eine Belehrung für uns. Wenn wir in der Liebe des Herrn Jesus ruhen, denken wir auch an das geistliche Wohl anderer:
- Einerseits ist es uns ein Anliegen, dass unsere Mitmenschen die Liebe des Heilands kennen lernen und ihr Herz Ihm öffnen, um errettet zu werden. Die Liebe des Christus drängt uns, anderen die Botschaft der Gnade weiterzusagen (2. Korinther 5,14.20).
- Anderseits möchten wir, dass unsere Mitchristen geistlich wachsen und in der Liebe des Christus ihr ganzes Lebensglück finden (Epheser 3,17-19).
Der Weinberg Salomos in Baal-Hamon lässt uns an die zukünftige Friedensherrschaft des Herrn Jesus denken. Im Tausendjährigen Reich wird die ganze Erde ein einziger fruchtbarer Weinberg für Christus sein. Die Menschen aus den Nationen werden tributpflichtig sein und einen Teil ihres Ertrags dem Herrn Jesus abgeben müssen. Israel wird einen eigenen Weinberg haben – d.h. einen besonderen Platz unter allen Völkern. Es wird sich Christus freiwillig unterordnen und der Kanal für den Segen Gottes zu den Nationen sein.
Buchtipp: Das Lied der Lieder
Einleitung
Das Hohelied besteht hauptsächlich aus einem Gespräch zwischen einem Bräutigam und seiner Braut. Der Bräutigam ist König Salomo (Hohelied 1,1). Die Braut ist eine einfache Hirtin mit Namen Sulamith (Hohelied 1,6; 7,1). Sie reden über die grosse, unveränderliche Liebe des Bräutigams zu seiner Braut und über die wachsende Liebe der Braut zu ihrem Bräutigam.
Prophetie
Der Bräutigam stellt ohne Frage Jesus Christus dar, wie Er sein irdisches Volk mit ewiger Liebe liebt. Die Braut weist auf den gläubigen Überrest in Israel hin, der tiefgreifende Erfahrungen macht und schliesslich in eine feste Beziehung zu seinem Messias eingeführt wird. Das Hohelied beschreibt das Werk Gottes in diesen Glaubenden aus dem Volk Israel in der Zukunft. Die unwandelbare Liebe des Herrn zu ihnen weckt in ihren Herzen eine Zuneigung zu Ihm, die immer tiefer wird.
Anwendung
Der Herr Jesus stellt auch jedem Einzelnen von uns seine Liebe vor, damit wir Ihn wiederlieben. Die Erfahrungen, die wir im Leben mit Ihm machen, führen uns vor Augen, wie gross und innig seine Liebe zu uns ist. Der Herr will, dass unsere Liebe zu Ihm in einer gelebten Gemeinschaft mit Ihm zunimmt. Aus dem Hohenlied lernen wir, wie das Wachstum unserer Liebe zu Ihm gefördert oder behindert wird.
Der König und die Hirtin
In den Versen 2-7 spricht die Braut. Sie stellt einen Glaubenden dar, der sich danach sehnt, vom Herrn Jesus einen Beweis seiner Liebe zu bekommen. Die Liebe des Erlösers ist ihm wichtiger als jede irdische Freude (= Wein). Je mehr er sich mit dem Herrn beschäftigt, desto wertvoller wird ihm sein Name. In den Gemächern des Königs, d.h. in der persönlichen Gemeinschaft mit Christus, bekommt er einen tiefen Eindruck von der herrlichen Person und der unendlichen Liebe seines Herrn. Als Folge davon möchte er Ihn wiederlieben und Ihm mit ganzer Hingabe nachfolgen. Diese geistliche Entwicklung bei einem Erlösten finden wir auch in 1. Johannes 4,19: «Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.»
In der Gegenwart des Bräutigams erkennt die Braut ihren eigenen Zustand: «Ich bin schwarz» – wie die Zelte Kedars. – So ergeht es auch uns. In der Gegenwart des Sohnes Gottes entdecken wir, dass wir von Natur völlig verdorben sind.
Die Braut fügt jedoch hinzu: «Ich bin … anmutig» – wie die Zeltbehänge Salomos. Sie erkennt auch, was der König aus ihr gemacht hat. – Gleicherweise wissen wir aus Gottes Wort, dass wir angenehm gemacht sind in dem Geliebten (Epheser 1,6).
Die Frage der Braut in Vers 7 wird auch in unseren Herzen aufsteigen, wenn wir den Herrn Jesus lieben. Wir haben dann den Wunsch, dort zu sein, wo Er geistliche Nahrung austeilt und den Seinen göttliche Ruhe schenkt. Maria von Bethanien hat diesen Ort gefunden. Zu seinen Füssen ist sie zur Ruhe gekommen und hat Ihm zugehört (Lukas 10,39).