Die schwere Strafe ist gerechtfertigt
Gott, der Herr, handelt nicht nur gerecht an seinen Feinden, Er ist auch gütig zu denen, die in Zeiten der Not und Anfechtung Zuflucht bei Ihm suchen. Wie vielen Gläubigen ist Vers 7 schon ein Trost und eine Ermunterung gewesen!
Die Verse 8-10 reden von einer totalen Zerstörung Ninives, die von Gott ausgeht, weil sich die Assyrer gegen Ihn und sein Volk gestellt haben.
Vers 11 lässt uns an die Zeit Hiskias denken, als das assyrische Heer vor den Mauern Jerusalems stand. Ein nichtswürdiger Ratgeber, der Böses gegen den Herrn ersann, verhöhnte Hiskia und sein Gottvertrauen. Doch mit seiner Spottrede nahm er es mit dem wahren Gott auf (Jesaja 36,4-10; 37,3-7). Am Ende schickte Gott einen Engel, der in einer Nacht 185 000 assyrische Soldaten tötete (Jesaja 37,36). Sie wurden richtiggehend «weggemäht» (Vers 12). Auf diese wunderbare Weise kam Gott seinem Volk Juda zu Hilfe und befreite es von seinen Feinden (Vers 13).
Diese Verse werden sich auch am Ende der Zeit bewahrheiten, wenn der zukünftige Assyrer auftreten wird. Dieser kommende Feind Israels wird unter der Führung des Königs des Nordens wie eine überströmende Flut das Land Israel überschwemmen und Jerusalem einnehmen. Aber auf seiner Rückkehr aus Ägypten wird er in Israel vernichtet werden (Jesaja 10,5-12; 14,24-27; 31,8; Daniel 11,40-45). Für den gottesfürchtigen Überrest aus Israel werden diese Voraussagen zum Trost und zur Ermunterung sein. Gott wird ihnen zu Hilfe kommen.
Einzelheiten des Strafgerichts
Für das Südreich Juda war die Nachricht von der Zerstörung Ninives und dem Untergang des assyrischen Weltreichs sicher eine gute Botschaft. Doch der erste Vers hat vor allem eine prophetische Bedeutung. In der Endzeit wird das Evangelium des Reichs verkündigt werden. Es ist die Botschaft von Christus, dem kommenden König, der erscheinen und sein Friedensreich auf der Erde aufrichten wird. Dann wird jeder Feind des Volkes Israel besiegt werden und der lang ersehnte Frieden auf der Erde herrschen.
Die übrigen Verse des Kapitels beschreiben die Einnahme und Zerstörung Ninives. Die Eroberer stiessen dabei auf keinen grossen Widerstand, denn die Verteidiger ergriffen die Flucht. Hingegen fielen den Siegern gewaltige Reichtümer in die Hände: Sie konnten das erbeuten, was die Assyrer an anderen Orten geraubt hatten. Die Weltgeschichte sagt, dass die Babylonier Ninive erobert und die Assyrer besiegt haben. Aber Vers 8 macht klar, dass Gott und sein Plan hinter allem stand. Sein Prophet erklärt: «Es ist beschlossen.»
Auch Vers 14 unterstreicht, dass die Hand des Herrn hinter allem stand. Die ernsten Worte Gottes: «Siehe, ich will an dich, spricht der Herr der Heerscharen» (Vers 14; Nahum 3,5), kommen auch in den Propheten Jeremia und Hesekiel mehrmals vor (z.B. Jeremia 21,13; Hesekiel 34,10). Mit diesem Ausdruck wendet sich der Herr in seinen Regierungswegen an sein Volk, an Personengruppen aus Israel oder an andere Völker. Hier richtet Er sich an die Stadt Ninive.
Die Schuld Ninives
Der Gründer der Stadt Ninive war Nimrod, ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn (1. Mose 10,8-12). Als Gott durch den Propheten Nahum sein Gericht über diese Stadt ankündigen musste, trug sie immer noch die Merkmale Nimrods: Lüge, Gewalttat, Raub (Vers 1). Weitere Gründe für das Gericht Gottes finden wir in Vers 4: «… wegen der vielen Hurereien der anmutigen Hure, der Zauberkundigen, die Nationen mit ihren Hurereien und Familien mit ihrer Magie verkaufte.» Dazu heisst es in Sprüche 14,34: «Gerechtigkeit erhöht eine Nation, aber Sünde ist die Schande der Völker.» Die Wahrheit dieses Wortes Gottes bestätigte sich in eindrücklicher Weise an Ninive.
In den Versen 8-10 wird der Fall der Stadt No-Ammon (Theben) in Südägypten als Beispiel für den Sturz Ninives angeführt. So wie es jener ägyptischen Stadt erging, würde es auch der Hauptstadt Assyriens ergehen. Die Bewohner Ninives hatten das gleiche Schicksal zu erwarten wie die Einwohner von Theben: Viele würden umkommen, andere als Gefangene in die Verbannung verschleppt werden. «Auch du sollst trunken werden, sollst verborgen sein (d.h. nicht mehr zum Vorschein kommen); auch du wirst eine Zuflucht suchen vor dem Feind.»
Ninive ist eines der Beispiele für die Wahrheit von Galater 6,7: «Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! Denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten.» Auch wir können nicht leben, wie wir wollen. Die Ernte wird immer unserer Saat entsprechen.
Endgültiges Gericht über Ninive
Diese Verse bestätigen, dass die Zerstörung Ninives endgültig ist. Es gibt keine Hoffnung für einen Wiederaufbau. «Dein Schlag ist tödlich!» (Vers 19). So gerieten die Ruinen dieser Stadt in Vergessenheit und verschwanden unter dem Staub der Jahrhunderte. Erst im 19. Jahrhundert fanden Forscher die Überreste Ninives und machten archäologische Ausgrabungen. Wie wahr ist doch die Bibel!
Der Name des Propheten Nahum bedeutet «Trost» oder «Tröster». Da stellt sich die Frage: Gibt es in diesem Buch, das die Zerstörung Ninives voraussagt, überhaupt etwas, das einen Bezug zu diesem Namen hat?
Im Blick auf Ninive ist die Sache klar. In Nahum 3,7 heisst es: «Wer wird ihr Beileid bezeigen? Woher soll ich dir Tröster suchen?» Für die Stadt Ninive gab und gibt es weder Trost noch Hoffnung, wohl aber für das Land Assyrien. Wir haben gesehen, dass es in der Endzeit wieder einen Assyrer geben wird. Dieser Feind wird sich gegen Israel stellen. Doch er wird von Gott gerichtet werden (Jesaja 10,24-27).
Nach diesem Gericht wird der Herr Jesus sein Friedensreich errichten. Darin wird das Land Assyrien einen Platz haben. Es wird sogar eine Verbindung zwischen Ägypten, Israel und Assyrien geben. «An jenem Tag wird Israel das Dritte sein mit Ägypten und mit Assyrien, ein Segen inmitten der Erde; denn der Herr der Heerscharen segnet es und spricht: Gesegnet sei mein Volk Ägypten, und Assyrien, meiner Hände Werk, und Israel, mein Erbteil!» (Jesaja 19,23-25). Welch eine Gnade!
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Einleitung zum Propheten Habakuk
Der Prophet Habakuk spricht nicht im Auftrag Gottes zu den Menschen. Stattdessen redet er über das Volk Israel und über die feindlichen Chaldäer zu seinem Gott. Die Fragen, die er stellt, und die Antworten, die er vom Herrn bekommt, sollen das Herz und das Gewissen des Volkes Gottes ansprechen.
Kapitel 1: Ein Ausspruch
Kapitel 2: Eine Vision
Kapitel 3: Ein Gebet
Warum triumphiert das Böse?
In diesem Kapitel stellt Habakuk seinem Gott zwei Warum-Fragen. Sie kommen aus seinem Herzen, das Gottes Volk liebt und deshalb über das Böse und das nachfolgende Gericht betrübt ist.
Der Prophet findet die Gewalttat und Bosheit im Volk Israel unerträglich, denn er denkt an die Ehre Gottes und hat einen tiefen Abscheu vor der Sünde. Diese Not bringt er im Gebet zu Gott und bittet Ihn dringend, gegen das Böse vorzugehen, damit der Gerechte gerettet wird. Er kann nicht verstehen, warum Gott tatenlos zuschaut, wie der Gottlose über den Gerechten triumphiert.
Vielleicht haben wir uns auch schon gefragt: Warum schweigt Gott zu all dem Bösen in der Christenheit? Die Antwort erhalten wir in den Versen 5-11.
Gott ist dem Bösen gegenüber nicht gleichgültig. Zu seiner Zeit reagiert Er mit Gericht. Das gilt sowohl für die Israeliten als auch für die Christen.
- Im Blick auf Israel erklärt der Herr: «Bei der Stadt, die nach meinem Namen genannt ist, beginne ich Böses zu tun, und ihr solltet etwa ungestraft bleiben?» (Jeremia 25,29). Er wird die Chaldäer als Zuchtrute für sein Volk benutzen.
- Im Blick auf die Versammlung sagt Er: «Die Zeit ist gekommen, dass das Gericht anfange bei dem Haus Gottes» (1. Petrus 4,17).
Es geht hier nicht um das ewige Gericht, sondern um das gerechte Handeln Gottes mit denen, die sich zu Ihm bekennen, aber nicht gerecht und gottesfürchtig leben. Sie werden seine erziehenden Massnahmen erfahren.
Warum benutzt Gott die Chaldäer?
In den Versen 5-11 hat Gott erklärt, dass Er sein untreues Volk durch die Chaldäer züchtigen wird. Wie reagiert der Prophet auf diese Mitteilung?
- Er besitzt ein tiefes Vertrauen auf den Herrn, der sein Volk nicht über Vermögen prüfen und läutern wird. Er ist überzeugt, dass sie nicht sterben werden (Vers 12). – Auch wir wollen uns nicht gegen Gott auflehnen, wenn Er uns eine schwere Erprobung schickt. Vergessen wir nicht: Er wird einen Ausgang aus der Prüfung schaffen (Jeremia 29,11).
- Er hat eine tiefe Ehrfurcht vor dem Herrn. Weil er Ihn als einen heiligen Gott kennt, der Böses nicht sehen kann, weiss er, dass diese Züchtigung Israels nötig ist (Vers 13). – Für uns gilt: Der himmlische Vater erzieht uns, «damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden» (Hebräer 12,10).
- Doch eine Frage beschäftigt Habakuk: Warum benutzt Gott die grausamen Chaldäer als Zuchtrute für sein Volk? Er versteht nicht, warum «der Gottlose den verschlingt, der gerechter ist als er» (Vers 13). – Bei uns können ebenfalls Warum-Fragen entstehen, wenn wir mit Schwierigkeiten konfrontiert werden, die wir nicht bewältigen können. Dann dürfen wir wie der Prophet unsere Not dem Herrn sagen.
Die Verse 14-16 vergleichen den Feldzug des chaldäischen Volkes, das raubend und plündernd den Nahen Osten eroberte, mit einem Fischer, der Fische fängt. In Vers 16 wird der Götzendienst der Chaldäer erwähnt: Sie verehren einen Gott, den sie selbst gemacht haben.
Die Antwort Gottes
Nachdem der Prophet seine zweite Warum-Frage gestellt hat (Habakuk 1,13), wird er still. Wie ein Wachposten, der nach der Ankunft des Königs ausschaut, so wartet er auf die Antwort Gottes.
Sein geduldiges Warten wird belohnt: Der Herr hat eine Botschaft in Form einer Vision an ihn. Er soll sie aufschreiben, damit man sie immer wieder lesen kann.
Vers 3 macht deutlich, dass diese Vision im Gericht an den Chaldäern nur eine beschränkte Vorerfüllung findet, denn sie erstreckt sich auch auf die Gerichte über die gottlosen Nationen in der Endzeit. – Die göttliche Antwort ab Vers 4 besteht aus drei Teilen:
- Der Gottlose, der andere bedrängt und beraubt, wird am Ende gerichtet werden (Verse 6-20). Damit wird die Warum-Frage in Kapitel 1 Vers 13 beantwortet. Der Herr lässt den Gottlosen manchmal lange gewähren, aber die Zeit der Vergeltung kommt bestimmt.
- In der Zwischenzeit ist der Gottlose stolz und übermütig. Mit Gewalt bedrückt er die Völker und bereichert sich auf Kosten anderer (Verse 4-5).
- In der Zwischenzeit wartet der Gerechte, der vom Gottlosen umgeben ist, auf das Eingreifen Gottes und lebt im Vertrauen auf Ihn.
Auch wir befinden uns in einer bösen Welt, die dem Gericht entgegengeht. Da kämpfen wir nicht um unsere Rechte, sondern leben still im Glauben an den Herrn Jesus, der bald kommen und uns aus den Schwierigkeiten herausnehmen wird.
Das Urteil Gottes
Mit einer Spottrede wird ein fünffaches Wehe über den gottlosen Bedrücker ausgesprochen. Es beschreibt das göttliche Gericht über ihn. Jedes der fünf Wehe umfasst drei Verse. Der Aufbau ist ausser beim letzten überall gleich: Zuerst wird das Wehe ausgesprochen, dann die Begründung dafür angegeben. Die Ursache für das Gericht wird immer mit einem «Denn» eingeleitet.
Das erste Wehe in den Versen 6-8 macht klar, dass der Gottlose durch die Völker, die er selbst unterdrückt hat, besiegt werden wird. Seine Raubgier und Gewalttat sind hier der Grund dafür.
Die Verse 9-11 beschreiben das zweite Wehe. Wegen seiner Habsucht und seines Hochmuts wird der Bedrücker gerichtet werden, denn er hat sich seines Lebens schuldig gemacht.
Das dritte Wehe (Verse 12-14) ist allgemein gültig: Politische Mächte, die sich durch Blutvergiessen und Ungerechtigkeit etablieren, haben keinen Bestand. Wie ganz anders wird die Friedensherrschaft von Christus sein: Unter seiner gerechten Regierung wird die Erde von der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes erfüllt sein.
Im vierten Wehe wird die Gewalttat und Gemeinheit des Gottlosen angeprangert (Verse 15-17). Als Folge davon muss er den Becher des göttlichen Gerichts trinken.
Das fünfte Wehe in den Versen 18-20 betrifft den Götzendienst. Weil dadurch Gottes Ehre angegriffen wird, geht Er direkt darauf ein und spricht das Wehe erst in Vers 19 aus. Der Herr wohnt in seinem heiligen Palast – völlig getrennt von allem Bösen. Wenn Er Gericht übt, müssen alle ehrfürchtig schweigen.
Strafgericht und Rettung
In Kapitel 2 hat der Prophet von Gott eine Antwort auf seine Frage bekommen. Nun bringt er in Kapitel 3 seine Empfindungen darüber in einem Gebet zum Ausdruck. Habakuk fühlt die Gegenwart des Herrn. Auch wenn Er noch nicht eingreift, weiss der Prophet: Gott ist da! Darum bittet er um eine Belebung im Volk. Obwohl nicht alles zum Besten steht, möchte er, dass Gott voll Erbarmen sein Werk in Israel weiterführt. – Auch im himmlischen Volk Gottes ist der geistliche Zustand im Allgemeinen nicht gut. Trotzdem dürfen wir, wenn wir uns vor dem Herrn demütigen, mit seiner Gegenwart und seinem Wirken rechnen (Hosea 6,1.2).
Ab Vers 3 erinnert Habakuk sich daran, wie Gott sich in der Vergangenheit mächtig für sein Volk eingesetzt hat. Es ist nicht so einfach, in dieser poetischen Sprache bestimmte Ereignisse zu erkennen. Aber wir haben doch den Eindruck, dass der Prophet vor allem die Befreiung aus Ägypten und die Offenbarung Gottes am Sinai vor Augen hat. Gerade am Anfang der Geschichte Israels hat Gott seine Majestät und Grösse kundgetan, indem Er jedes Hindernis beseitigt hat, um das Volk in den Besitz des Segens zu führen.
Die Demonstration der Macht Gottes beim Auszug Israels aus Ägypten ist eine Garantie,
- dass der Herr sein Werk auch in Zeiten des Verfalls weiterführt und mit seinem Volk zum Ziel kommt;
- dass Er in der Endzeit den glaubenden Überrest des Volkes befreien wird.
Genauso macht uns die erfahrene Hilfe unseres Gottes Mut, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken.
Glaube, Kraft und Freude
Die Verse 13-15 erinnern einerseits an die Geschichte Israels. Anderseits weisen sie auch auf die kommende Drangsalszeit hin. Gott wird durch Gerichte an den Feinden sein Volk aus der Bedrängnis befreien und die Erde für Christus, seinen Gesalbten, zubereiten.
Vor dem mächtigen Handeln des Herrn wird Habakuk ganz klein, denn er ist von der göttlichen Majestät tief beeindruckt. Gleichzeitig kommt er bei Gott zur Ruhe, weil er weiss, dass dem Allmächtigen auch in der Zukunft nichts aus der Hand läuft.
In Vers 17 beschreibt der Prophet die trostlose Situation in Israel: keine Frucht und kein Segen. Sinnbildlich will er sagen: Sollte sich im Volk Gottes nichts zum Besseren verändern, sollte es sogar schlimmer werden – ich stütze mich auf den Herrn und freue mich an Ihm! (Vers 18). Diese Freude, die ihre Quelle nicht in den Umständen, sondern in Gott findet, gibt dem Glaubenden Kraft, sich innerlich über die traurige Lage im Volk Gottes zu erheben und den Herrn von Herzen zu loben (Vers 19). Wer auf den Höhen vorangeht, wird von den Schwierigkeiten nicht angefochten, obwohl sie noch da sind.
Die Schlussverse bilden den Höhepunkt dieses kleinen Propheten und sind auch zu unserer Ermutigung geschrieben. Wenn wir uns mit dem beschäftigen, was Gott ist und tut (Verse 1-15), werden unsere Blicke von uns selbst und den schwierigen Umständen weg auf Ihn hin gelenkt (Verse 16-18). Unser Herz füllt sich mit Freude und Lob, so dass wir mit neuer Kraft den Glaubensweg zu seiner Ehre weitergehen können (Verse 18-19).
Einleitung zum Propheten Zephanja
Der Prophet Zephanja wohnt in Jerusalem und wirkt zur Zeit des Königs Josia. In seiner Prophezeiung blickt Zephanja weit über die bevorstehende Zerstörung der Stadt durch die Chaldäer hinaus. Er spricht über den Tag des Herrn – eine Zeit des Gerichts, die dem herrlichen Friedensreich vorausgeht.
Kapitel 1: Verwüstung im Land Juda und der Tag des Herrn
Kapitel 2: Aufruf zur Buße und Gericht über die Feinde
Kapitel 3: Gerechtes Gericht und Segen für Israel
Ankündigung des Gerichts
Der Prophet Zephanja lebte zur Zeit Josias, des letzten gottesfürchtigen Königs des Südreichs Juda. Er ist ein Gerichtsprophet, der die bevorstehende Verwüstung des Landes Juda und die Zerstörung Jerusalems voraussagt. Der Grund dafür wird in den Versen 4-6 und in den Anfangsversen von Zephanja 3 angegeben.
Die Verse 2 und 3 beschreiben eine vollständige Zerstörung. Alles will der Herr wegraffen: Menschen und Vieh, die Vögel und die Fische. Das göttliche Gericht über die gottlosen Menschen zieht unweigerlich auch die Tierwelt in Mitleidenschaft. Eine Teilerfüllung dieser Verse ereignete sich, als Nebukadnezar und seine Soldaten Jerusalem völlig zerstörten und das Land Juda verwüsteten. Doch die volle Erfüllung der Prophetie Zephanjas ist heute noch zukünftig. Sie wird sich am Tag des Herrn, der in diesem Buch besonders häufig erwähnt wird, bewahrheiten.
In Vers 4 geht es konkret um Juda und Jerusalem. Josia wurde im jungen Alter von acht Jahren König über Juda. Er lebte persönlich in Gottesfurcht. Aber erst im zwölften Jahr seiner Regierung fing er an, Juda und Jerusalem vom Götzendienst zu reinigen (2. Chronika 34,1-7). Die Verse 4-6 beschreiben also den Zustand in Jerusalem, bevor der fromme König Josia gegen diesen Götzenkult vorgegangen ist. Wir wissen aus 2. Chronika 34,23-28, dass der Einsatz des treuen Königs Josia das Gericht Gottes über Juda und Jerusalem nicht mehr abwenden, wohl aber für eine Weile aufschieben konnte.
Das Gericht am Tag des Herrn
Nachdem wir in den Versen 4-6 den Grund für das Gericht Gottes über sein Volk gesehen haben – den Götzenkult –, werden ab Vers 8 die Schrecken des Tages des Herrn beschrieben. Bei der Einnahme und Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar und seine Heere wurden diese Voraussagen zum Teil erfüllt. Doch die Verse weisen in eine heute noch zukünftige Zeit. Sie handeln vom «Tag des Herrn», also von der Zeit, wenn Christus in Herrlichkeit und Macht erscheint. Das wird zunächst Gericht bedeuten. Doch darauf folgt das Tausendjährige Friedensreich unter seiner Regierung.
Wie sieht jenes Strafgericht aus, das Juda und Jerusalem treffen wird? Es richtet sich gegen die Fürsten und Königssöhne, die ihre Treulosigkeit gegenüber dem Herrn dadurch zeigen, dass sie sich mit Kleidern von fremden, d.h. götzendienerischen Ländern bekleiden (Vers 8). Jene, die «über die Schwelle springen», sind solche, die dem Aberglauben huldigen. Auch sie werden heimgesucht (Vers 9). Vergessen wir nicht, dass dieser Aberglaube (Horoskope, Talismane, Glücks- und Unglückszahlen, auf Vogelschrei achten usw.) auch uns umgibt und zum Fallstrick werden kann.
Wie ernst ist auch Vers 12! Er offenbart die Gleichgültigkeit gegenüber Gott und seinem Tun. Die Menschen schreiben alles, was passiert, dem Schicksal und nicht Gott zu. Der allgemeine moralische Zustand des Volkes, bevor Josia mit seinen Reformen begann, ist hier ein Abbild vom Zustand der ungläubigen Juden in der Endzeit.
Der Schrecken am Tag des Herrn
Diese Verse beschreiben die Schrecken des heute noch zukünftigen Tages des Herrn. Wenn er damals nahe war, dann stehen wir heute noch näher davor.
Als gläubige Christen wissen wir zwar, dass der Herr Jesus bevor dieser Tag anbricht, wiederkommen und alle, die an Ihn glauben, zu sich entrücken wird. Doch die Ungläubigen werden dann diese Schrecken erleben.
Der Held schreit bitterlich, weil er merkt, dass es kein Entrinnen gibt. Vor dem Sturm des Gerichts kann er nirgends Schutz finden. Die Lage der Menschen wird dann ausweglos sein.
Wenn wir ein wenig über die Ausdrücke nachdenken, die in den Versen 15 und 16 für den Tag des Herrn gebraucht werden, verwundern wir uns nicht, dass die Menschen sich ängstigen werden. Sie irren umher, ohne einen Ausweg zu finden, «weil sie gegen den Herrn gesündigt haben».
Die ungläubigen Menschen, die in der Endzeit in dieses Gericht kommen, haben das Angebot der Gnade Gottes in Jesus Christus, dem Heiland der Welt, abgelehnt, ja, zurückgewiesen.
Wie viele lehnen sich heute gegen Gott auf und machen Ihn für alles Unglück in der Welt verantwortlich, anstatt sich vor Ihm zu beugen, über ihre Sünden Buße zu tun und an den Erlöser zu glauben! An jenem Tag wird es nicht mehr möglich sein, Gottes Rettung anzunehmen. Niemand wird dem Gericht entrinnen können.
Aufruf zur Buße
Damals stand das Gericht über Juda und Jerusalem noch bevor. Es war erst angekündigt. Darum finden wir in den Versen 1-3 einen Aufruf zur Buße. Es war noch nicht zu spät, zu dem Herrn umzukehren, sich vor Ihm zu beugen und sein Leben zu ändern. «Vielleicht werdet ihr am Tag des Zorns des Herrn geborgen.»
Auf unsere Zeit übertragen, können wir mit dem Schreiber des Hebräer-Briefs sagen: «Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht» (Hebräer 4,7). Und: «Siehe, jetzt ist der Tag des Heils» (2. Korinther 6,2). Solange der Herr die Zeit der Gnade noch nicht abgeschlossen hat, kann jeder Mensch Buße tun, Gott seine Sünden bekennen und an den Heiland glauben. Wer diesen Schritt tut, bevor die Tür verschlossen wird, kommt nicht ins Gericht – weder in das zeitliche der Drangsalszeit noch in das ewige Gericht (Johannes 5,24; 1. Thessalonicher 1,10). Wie wunderbar und welch eine Sicherheit!
Die Verse 4-7 beschreiben das Gericht über die Philister. Jenes Volk lebte innerhalb der Grenze des Landes Israel und blieb eine ständige Gefahr für das Volk Gottes. Die Zeit wird kommen – sie ist heute noch zukünftig –, da jener Landstrich, den die Philister einst bewohnten, für den Überrest des Hauses Juda sein wird. Wenn der Herr Jesus in Herrlichkeit wiederkommen wird, wird Er sich des treuen Überrests annehmen, diese Glaubenden befreien und sie dort wohnen lassen.
Das Gericht an den Nachbarvölkern Israels
In diesen Versen finden wir noch weitere Gerichte über die Nachbarvölker Israels. Moab und Ammon sind Brudervölker des Volkes des Herrn. Sie stammen von den unehelichen Söhnen Lots, des Neffen Abrahams, ab (1. Mose 19,36-38). Während all den Jahrhunderten der Geschichte des Volkes Israel erwiesen sich diese beiden Nationen als unversöhnliche Feinde.
Ein besonderes Merkmal Moabs und Ammons ist der Hochmut (Vers 10; Jeremia 48,29). Aber Gott widersteht den Hochmütigen. Seine Gnade gilt den Demütigen (Jakobus 4,6; 1. Petrus 5,5). Lasst uns das nicht vergessen!
Gottes Strafgericht wird sich auch gegen die Äthiopier wenden (Vers 12). Eine der grössten Mächte zur Zeit Zephanjas war das assyrische Reich mit der Hauptstadt Ninive. Dorthin wird sich die Hand Gottes ebenfalls ausstrecken, Assyrien vernichten und die Stadt Ninive, die denkt, sie sei sicher und unbesiegbar, zur Wüste machen.
Geschichtlich wurde das Reich der Assyrer durch das aufstrebende babylonische Reich erobert und zerstört. Doch die hier beschriebene Vernichtung Assyriens weist auch auf die Zukunft hin. In der Endzeit wird es wieder eine Macht im Norden des Landes Israel geben, die an verschiedenen Stellen in den Propheten als Assyrer bezeichnet wird. Bei seinem Kommen in Herrlichkeit wird der Herr Jesus auch jenen Feind aus dem Norden vernichten und den Überrest seines Volkes von dieser Bedrohung befreien.
Anklage gegen Jerusalem
Die bedrückende Stadt ist Jerusalem. Nachdem der Herr sein Gericht über die Nachbarvölker Israels ausgesprochen hat, richtet Er sich an die Hauptstadt seines eigenen Volkes. Jerusalem besass die grössten Vorrechte. Es war der Ort, wo Gott seinen Namen wohnen lassen wollte, wo Salomo den Tempel Gottes gebaut hatte.
Aber Jersualem hat sich als eine Widerspenstige und Befleckte erwiesen. «Sie hat auf keine Stimme gehört, keine Zucht angenommen; auf den Herrn hat sie nicht vertraut!» Welch ein ernstes Wort von Gott!
Wenn sich die Führer des Volkes – die Fürsten, die Richter, die Propheten, die Priester – so verhielten, wie diese Verse es aufzeigen, dann verwundert es uns nicht, wenn das übrige Volk ebenfalls von Gott abwich. An Ihm fehlte es nicht. Er war gerecht in ihrer Mitte. Immer wieder stellte Er sein Recht ans Licht. Doch dies beeindruckte den Ungerechten in keiner Weise. Er lebte, wie es ihm passte, ohne sich dabei vor Gott zu schämen.
Welch ein genaues Abbild unserer Zeit! Die meisten Menschen unserer Länder besitzen eine Bibel. Darin stellt Gott seine Grundsätze vor. Doch kaum jemand kümmert sich darum. Ohne Scham leben die Menschen ihren eigenen Willen, ihre eigenen Lüste und Begierden aus.
Auch der letzte Appell Gottes wird nicht beachtet. Er sagt in Psalm 50,17: «Du hast ja die Zucht gehasst und meine Worte hinter dich geworfen.» Wie ernst!
Ausblick ins kommende Reich
Bevor der Herr Jesus hier sein Friedensreich aufrichten kann, muss die Erde gereinigt werden. Dies geschieht durch die göttlichen Gerichte, die den «Tag des Herrn» einführen werden. Aber dann folgt das, wovon unsere Abschnitte reden.
In den Versen 9-13 sehen wir den gläubigen Überrest Israels – ein elendes und geringes Volk –, der ins Tausendjährige Reich eingeführt wird. Ab Vers 14 haben wir den Jubel Zions, nachdem der Herr die Gerichte Jerusalems weggenommen hat.
Was für ein wunderbarer Zustand wird dann auf der Erde herrschen! Alle Völker werden mit reinen Lippen den Namen des Herrn anrufen. Er, den die Menschen einst verachtet und gekreuzigt haben, wird von allen geehrt werden.
Nachdem die Treuen des Überrests Buße getan haben, müssen sie sich nicht mehr ihrer früheren Taten schämen. Ihre Übertretungen sind vergeben. Fortan wird der Überrest Israels kein Unrecht mehr tun. Unter dem Schutz und der Herrschaft ihres Messias werden sie völlig zur Ruhe kommen (Vers 13).
Zion, d.h. Jerusalem unter dem Blickwinkel der Gnade, wird zum Zentrum der Welt werden, denn «der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte». «Er freut sich über dich mit Wonne, er schweigt – oder ruht – in seiner Liebe, frohlockt über dich mit Jubel.» Mit diesen Worten beschreibt der Heilige Geist die Freude Gottes, wenn Er mit seinem irdischen Volk zum Ziel gekommen ist. Das Sammeln seines zerstreuten Volkes ins Land Israel wird zu Gottes Lob ausschlagen (Verse 19-20).
Einleitung zum Propheten Nahum
Ungefähr 150 Jahre nach Jona kündigt Nahum nochmals das göttliche Gericht über Ninive an. Zur Zeit Jonas hat Gott diese Stadt verschont, weil die Menschen Buße getan haben. Doch diesmal spricht der Prophet nur über den gerechten Zorn Gottes und über das Verderben dieser gottlosen Stadt. Die Menschen, die dort leben, sind Feinde des Volkes Gottes.
Kapitel 1: Ankündigung des Strafgerichts
Kapitel 2 – 3: Ausführung und Ursache des Gerichts
Gottes Majestät im Gericht an Ninive
Etwa 150 Jahre vor der Prophezeiung Nahums hatte Gott den Propheten Jona mit dem Auftrag nach Ninive gesandt: «Predige gegen sie; denn ihre Bosheit ist vor mich heraufgestiegen» (Jona 1,2). Später sagte der Herr Jesus: «Sie taten Buße auf die Predigt Jonas hin» (Matthäus 12,41).
Doch die Bewohner von Ninive fielen in ihre frühere Bosheit zurück, so dass Gott durch Nahum die Zerstörung Ninives ankündigen musste. Die Verse 2-6 beschreiben das Wesen Gottes in seinem gerechten Handeln mit seinen Feinden. Ninive war die Hauptstadt des assyrischen Weltreichs, das in der Geschichte des Volkes Israel lange eine wichtige Rolle spielte. Die Assyrer kämpften immer wieder gegen Israel. Gott benutzte sie, um das Zehnstämme-Reich zu erobern und seine Bewohner ins Exil zu deportieren. Unter König Hiskia zogen die Assyrer auch gegen das Südreich Juda und belagerten Jerusalem. Doch dort griff Gott zur Befreiung seines Volkes ein.
Er ist ein eifernder oder eifersüchtiger Gott. Er gibt seine Ehre keinem anderen. Als das Volk Israel sich dem Götzendienst zuwandte, erlebte es, wie der Herr ein Eiferer ist (2. Mose 34,14). Er ist auch ein Rächer, der seine Feinde und die Feinde seines Volkes seinen Zorn spüren lässt. Zu diesen Gegnern gehörte damals Assyrien. Doch die Worte des Propheten Nahum weisen auch in die Zukunft. In der Endzeit wird es wieder einen Assyrer geben, der es auch mit dem hier beschriebenen Gott zu tun bekommt.